Die vorliegende Erfindung betrifft ein pneumatisches Mikroventil mit
einer Ventilgliedanordnung und mehreren Ventilkanälen, über die Druckluft in die
Ventilkammeranordnung einströmen und ausströmen kann und von denen mindestens ein
Ventilkanal durch die Ventilgliedanordnung verschließbar ist.
Die Ventilgliedanordnung enthält beispielsweise ein blattartiges Ventilglied,
das zum Beispiel elektrostatisch oder piezo-elektrisch angetrieben ist. Das Ventilglied
weist üblicherweise einen kleinen Betätigungshub auf, beispielweise 10 bis 20
µm. Bei idealen Bedingungen, das heißt bei sauberer Druckluft, reicht
die Kraft des Antriebs aus, um mit dem Ventilglied einen oder mehrere Ventilkanäle
dicht zu verschließen. In der Praxis jedoch ist die Druckluft häufig verunreinigt
oder enthält Additive, die beispielsweise zum Zwecke der Schmierung der Druckluft
beigemischt sind. Es kann dann vorkommen, dass das Öl sich in der Ventilkammer festsetzt,
beispielsweise in einem Anschlagbereich des Ventilglieds und/oder am Ventilglied.
Aufgrund von Kapillarkräften haftet dann das Ventilglied beispielsweise an einer
Innenwandfläche der Ventilkammer an. Die Antriebskraft für die Betätigung des Ventilgliedes
reicht dann nicht mehr aus, um das Ventilglied zu betätigen. Ferner tritt das Problem
auf, dass aufgrund des in der Ventilkammer befindlichen Öles das Ventilglied den
oder die Ventilkanäle nicht mehr dicht verschließt. Es treten unerwünschte
Leckagen auf.
Es ist daher die Aufgabe der Erfindung, die Zuverlässigkeit eines
Mikroventils der eingangs genannten Art zu verbessern, insbesondere die Empfindlichkeit
des Mikroventils gegenüber in der Druckluft enthaltenem Öl zu verringern.
Diese Aufgabe wird gelöst durch ein pneumatisches Mikroventil der
eingangs genannten Art gelöst, bei dem im Bereich der Ventilkammeranordnung mindestens
eine Oberfläche mit einer Oberflächenbeschichtung vorhanden ist, die eine kleinere
Oberflächenenergiedichte als in der Druckluft enthaltenes Öl aufweist.
Die Oberflächenenergiedichte wird auch als "spezifische Oberflächenenergie"
bezeichnet. Die Oberflächenenergiedichte, die teilweise auch vereinfacht nur als
Oberflächenenergie bezeichnet wird, ist bei der Oberflächenbeschichtung kleiner
als bei in der Druckluft enthaltenem Öl oder gegebenenfalls sonstigen Flüssigkeiten.
Bei Flüssigkeiten, also auch bei Öl, spricht man anstelle von Oberflächenenergiedichte
auch von Oberflächenspannung. Die Oberflächenspannung von Öl hängt von der Qualität
des Öles ab und beträgt beispielsweise bei frischem Öl 40 mN/m bzw. 40 dynes/cm.
Die Oberflächenspannung nimmt z.B. mit dem Alter des Öles ab und kann beispielsweise
in den Bereich von etwa 25 bis 20 mN/m kommen. Die Oberflächenenergiedichte der
erfindungsgemäßen Oberflächenbeschichtung hängt dementsprechend zweckmäßigerweise
von der Qualität des in der Druckluft enthaltenen Öles ab und beträgt beispielsweise
vorteilhaft 25 mN/m. Für andere Anwendungsfälle ist die Oberflächenenergiedichte
der Oberflächenbeschichtung zweckmäßigerweise kleiner, zum Beispiel 20 mN/m
oder vorzugsweise maximal 15 mN/m. Besonders vorteilhaft ist eine Oberflächenbeschichtung
aus einer Fluorverbindung, beispielsweise einem Fluorpolymer, einem fluorchemisches
Acrylatpolymer oder dergleichen, deren Oberflächenenergiedichte zweckmäßigerweise
bei 10 bis 14 mN/m liegt.
Der Erfindung liegt der Gedanke zugrunde, eine oder mehrere Oberflächen
in der Ventilkammeranordnung mit einer Beschichtung zu versehen, an der das Öl verhältnismäßig
schlecht oder gar nicht anhaften kann. Das Öl kann die entsprechenden Oberflächen
im Wesentlichen nicht mehr benetzen, sondern bildet Tropfen, die aus dem Mikroventil
wieder ausgestoßen werden, beispielsweise wenn das Ventilglied betätigt wird.
Das Mikroventil arbeitet zuverlässig. Unerwünschte Kapillareffekte, bei denen das
Ventilglied an einer Oberfläche innerhalb der Ventilkammer anhaftet, treten nicht
oder zumindest in wesentlich verringerter Form auf. Die Kräfte des Antriebs für
das Ventilglied, beispielsweise eines elektrostatischen oder piezo-elektrischen
Antriebs, reichen für eine zuverlässige Betätigung des Ventilglieds aus, da eine
Betätigung des Ventilglieds behindernde oder sogar verhindernde Kapillarkräfte nicht
oder in deutlich verringertem Maße wirken. Es versteht sich, dass die erfindungsgemäße
Oberflächenbeschichtung im Bereich der Ventilkammeranordnung auch bei anderen in
der Druckluft möglicherweise enthaltenen Stoffen vorteilhaft ist, beispielsweise
wenn in der Druckluft Silikon, Wasser, organische oder synthetische Öle oder dergleichen
enthalten sind.
Die erfindungsgemäße Oberflächenbeschichtung ist zweckmäßigerweise
dünn. Ihre Dicke beträgt vorteilhafterweise nur wenige Nanometer.
Aufgrund der geringen Dicke der Oberflächenbeschichtung ist die Präzision
des erfindungsgemäßen Mikroventils hoch. Die Toleranzen sind klein. Es versteht
sich, dass verschiedene Oberflächen im Bereich der Ventilkammeranordnung auch mit
unterschiedlichen Oberflächenbeschichtungen versehen sein können, das heißt
mit Oberflächenbeschichtungen aus unterschiedlichen Materialien und/oder mit unterschiedlichen
Oberflächenenergiedichten.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus
den abhängigen Ansprüchen und der Beschreibung.
Die Ventilkammeranordnung, die eine oder mehrere Ventilkammern enthält,
kann insgesamt in ihrem Innern mit der Oberflächenbeschichtung versehen sein. Dasselbe
gilt auch für das oder die Ventilglieder, die jeweils ganz oder teilweise mit der
erfindungsgemäßen Oberflächenbeschichtung zweckmäßigerweise versehen
sind.
Die Oberflächenbeschichtung wird beispielsweise im Rahmen eines CVD-Verfahrens,
eines PVD-Verfahrens oder eines Plasmapolymerisationsverfahrens auf das Basismaterial
des Mikroventils im Bereich der Ventilkammeranordnung aufgebracht (CVD = Chemical
Vapor Deposition; PVD = Physical Vapor Deposition). Es versteht sich, dass unterschiedliche
Oberflächen der Ventilkammeranordnung auch mit unterschiedlichen Verfahren herstellbar
sind. Ferner ist auch ein Mehrschichtaufbau bei der erfindungsgemäßen Beschichtung
möglich.
Eine andere Möglichkeit zur Oberflächenbeschichtung besteht darin,
sie als Lösung aufzubringen, beispielsweise aufzusprühen. Zweckmäßigerweise
verdampft das Lösungsmittel, zum Beispiel Hydrofluoräther, nach dem Aufbringen der
Oberflächenbeschichtung ganz oder teilweise. Das Lösungsmittel ist, wenn das Mikroventil
in Betrieb geht, zweckmäßigerweise im Wesentlichen verdampft.
Wie eingangs bereits erläutert, handelt es sich bei dem erfindungsgemäßen
Mikroventil um eine vergleichsweise kleine Baugruppe, zweckmäßigerweise der
Mikrosystemtechnik. Die Ventilgliedanordnung, das heißt eines oder mehrere
Ventilglieder, haben beispielsweise einen Betätigungshub von maximal 20
µm, wobei z.B. aber auch Bauformen mit Betätigungshüben von 30 - 40
µm möglich sind. Zweckmäßigerweise ist der Betätigungshub aber noch
kleiner, beispielsweise maximal 15 µm oder vorteilhafterweise maximal 10
µm. Die Ventilgliedanordnung dient zum Verschließen von einem oder
mehreren Ventilkanälen, durch die Druckluft mittelbar in die Ventilkammer(n) einströmen
und/oder aus dieser bzw. diesen ausströmen kann.
Das Basismaterial des erfindungsgemäßen Mikroventils ist vorteilhafterweise
Silizium, beispielsweise SiO2. Es ist aber auch möglich, dass das Mikroventil
ganz oder teilweise aus Kunststoff, Metall oder dergleichen besteht, zum Beispiel
aus Nickel.
Bei dem Mikroventil hat sich ein Mehrschichtaufbau als zweckmäßig
herausgestellt, wobei beispielsweise eine Öffnungsschicht mit einem oder mehreren
Ventilkanälen, eine Deckschicht und eine oder mehrere zwischen der Öffnungsschicht
und der Deckschicht angeordnete Steuerschichten vorhanden sein können, die die Ventilgliedanordnung,
zum Beispiel in Gestalt blattartiger Ventilglieder, aufweisen oder bilden.
Der Antrieb des Ventilgliedes erfolgt zweckmäßigerweise elektrostatisch,
wobei aber auch piezo-elektrische oder elektrodynamische Antriebsvarianten durchaus
möglich sind. Der Antrieb ist vorteilhafterweise in dem Mikroventil enthalten.
Die Oberflächenbeschichtung ist zweckmäßigerweise an Stellen
vorhanden, bei denen die Spaltmaße zwischen Ventilgliedanordnung und Innenflächen
der Ventilkammeranordnung klein sind. Vorteilhafterweise ist die Oberflächenbeschichtung
an der Ventilgliedanordnung dort angeordnet, wo die Ventilgliedanordnung mit den
Innenflächen in Berührung kommt, zum Beispiel beim Verschließen der Ventilkanäle.
Auch bei der Ventilkammeranordnung sind vorteilhafterweise diejenigen Innenflächen
mit der Oberflächenbeschichtung versehen, die mit der Ventilgliedanordnung in Kontakt
kommen oder einen geringen Abstand zu dieser aufweisen. Beispielsweise sind vorteilhaft
Oberflächen der Ventilkammeranordnung beschichtet, die einen Anschlag für die Ventilgliedanordnung
bilden.
Besonders enge Spaltmaße treten beispielsweise auch in einem
Anlenkbereich der Ventilgliedanordnung am Gehäuse des Mikroventils auf. Es hat sich
als vorteilhaft herausgestellt, insbesondere diese Anlenkbereiche mit der erfindungsgemäßen
Oberflächenbeschichtung zu versehen.
Vorteilhafterweise sind ein Ventilkanal oder mehrere Ventilkanäle
mit der erfindungsgemäßen Oberflächenbeschichtung versehen. Auch ein den oder
die Ventilkanäle umgebender Oberflächenbereich der Ventilkammeranordnung ist vorteilhafterweise
mit der erfindungsgemäßen Oberflächenbeschichtung ausgestattet. Diese Maßnahmen
erleichtern den Ausstoß von Öl oder sonstigen in der Druckluft enthaltenen
Zusatzstoffen aus der Ventilkammeranordnung, sodass das Mikroventil nicht verstopft.
Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnung
vorgestellt. Es zeigen:
- Fig. 1A, 1B ein erstes Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Mikroventils,
das eine erfindungsgemäße Oberflächenbeschichtung im Bereich der Ventilkammer
aufweist, wobei das Ventilglied des Mikroventils in Fig. 1A betätigt, in Fig. 1B
unbetätigt ist, in einer Querschnittsansicht etwa entlang einer Linie I-I in Fig.
2,
- Fig. 2 eine perspektivische, schematische Ansicht des Mikroventils gemäß
Fig. 1A, 1B von schräg unten,
- Fig. 3 eine Variante des Mikroventils gemäß Fig. 1B, das jedoch keine
erfindungsgemäße Oberflächenbeschichtung aufweist,
- Fig. 4A, 4B ein zweites Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Mikroventils
mit zwei Ventilkammern und zwei Ventilgliedern, die mit einer Oberflächenbeschichtung
versehen sind, in unterschiedlichen Betätigungszuständen etwa in einer Querschnittsansicht
gemäß Figuren 1A und 1B, und
- Fig. 5 eine Variante des Mikroventils gemäß Fig. 4B, jedoch ohne Oberflächenbeschichtung.
Das in den Fig. 1A und 1B dargestellte Mikroventil 10 ist in einem
Mehrschichtaufbau realisiert, wobei die Schichten des Mikroventils 10 zweckmäßigerweise
Siliziumschichten sind, die durch Isolationsschichten, beispielsweise Siliziumdioxid
oder Siliziumnitrit, elektrisch voneinander isoliert sind. Somit ist es möglich,
dass eine oder mehrere Schichten elektrostatische Aktoren oder mit den Aktoren zusammenwirkende
elektrostatische Flächen bilden. Das Mikroventil 10 dient z.B. zur Betätigung eines
nicht dargestellten pneumatischen Verbrauchers.
Der Mehrschichtaufbau des Mikroventils 10, einem 2/2-Ventil, ist folgendermaßen
realisiert: Zwischen einer Öffnungsschicht 11 und einer Deckschicht 13 ist eine
Steuerschicht 12 angeordnet. Die Schichten 11-13 bilden ein Gehäuse 37 und begrenzen
eine Ventilkammer 14 einer Ventilkammeranordnung 15 im Innern des Mikroventils 10.
Durch Ventilkanäle 16, 17 kann Druckluft in die Ventilkammer 14 einströmen bzw.
ausströmen, wobei die Druckluftströme mit Pfeilen P und A bezeichnet. sind. Mit
Hilfe eines Ventilglieds 18, das durch die Steuerschicht 12 realisiert ist, sind
die Ventilkanäle 16, 17 verschließbar.
In seiner Schließstellung verschließt das Ventilglied
18 Öffnungen 19, 20 der Ventilkanäle 16, 17 an der unteren Innenfläche der Ventilkammer
14. Das z.B. plattenartige Ventilglied 18 liegt auf der Innenfläche 21 in seiner
Schließstellung auf. Die Innenfläche 21 bildet einen Anschlag für das Ventilglied
18. Man könnte das Ventilglied 18 auch als Klappe oder Membran bezeichnen.
In seiner Offenstellung ist das Ventilglied 18 von den Öffnungen 19,
20 abgehoben. Dabei ist das Ventilglied 18, das insgesamt biegbar und/oder um einen
Anlenkbereich 23 schwenkbar ist, von den Öffnungen 19, 20 bzw. den Ventilkanälen
16, 17 weg ausgelenkt.
Das Ventilglied 18 wird beispielsweise durch Druckluft, die durch
den Ventilkanal 16, z.B. den Speisekanal, in die Ventilkammer 14 einströmt, von
den Öffnungen 19, 20 weg verschwenkt bzw. weggebogen, sodass die Druckluft in die
Ventilkammer 14 einströmen kann. Dann ist ein Durchfluss von Druckluft vom Ventilkanal
16 über die Ventilkammer 14 zum Ventilkanal 17 möglich.
Das Mikroventil 10 bildet einen integralen Antrieb 23, vorliegend
einen elektrostatischen Antrieb. Durch Betätigen des Antriebs 23 ist das Ventilglied
18 in die Schließstellung bringbar. Der Antrieb 23 ist durch das elektrisch
leitfähige Ventilglied 18 bzw. die Steuerschicht 12 und ferner durch eine elektrisch
leitfähige Leitschicht 24 an der Oberseite der Öffnungsschicht 11 bzw. der Unterseite
der Ventilkammer 24 realisiert. Durch Anlegen einer Spannung U an die Steuerschicht
12 bzw. die Leitschicht 24 wird der Antrieb 23 betätigt, wobei das Ventilglied 18
in die die Öffnungen 19, 20 verschließende Schließstellung verschwenkt
bzw. gebogen wird.
Allerdings sind in der Druckluft in der Praxis Verunreinigungen und/oder
Additive enthalten, beispielsweise in Gestalt von Öl 25. Dieses Öl 25 führt bei
einem Mikroventil 10' in konventioneller Bauart, das in Fig. 3 gezeigt ist, zu Störungen
und/oder Fehlfunktionen.
Das Mikroventil 10' weist ähnliche Komponenten auf wie das Mikroventil
10, wobei die Komponenten des Mikroventils 10' zur besseren Unterscheidbarkeit jeweils
mit einem zusätzlich angefügten ' versehen sind. Die Unterschiede zwischen den Komponenten
des Mikroventils 10 und des Mikroventils 10' werden später noch näher erläutert.
Die bislang beschriebenen Funktionen des Mikroventils 10 sind jedoch auch beim Mikroventil
10' realisiert.
Das in die Ventilkammer 14' eingebrachte Öl 25 weist beispielsweise
eine Oberflächenspannung von etwa 20 bis 40 mN/m auf. Die Oberflächenenergiedichte
der Oberflächen in der Ventilkammer 14', das heißt die entsprechenden Innenflächen
der Schichten 11'-13' bzw. des Ventilglieds 18', sind größer als die Oberflächenspannung
des Öls 25. Dies hat zur Folge, dass das Öl 25 die Oberflächen im Bereich der Ventilkammer
14' benetzt. Es bilden sich beispielsweise Linsen 26' an der Oberseite des Ventilglieds
18'. Bis auf die möglicherweise ungünstig wirkende Gewichtskraft der Linsen 26'
auf das Ventilglied 18' beeinträchtigen die Linsen 26' die Funktionssicherheit des
Mikroventils 10' noch verhältnismäßig wenig. Problematischer hingegen sind
Kapillarkräfte, die durch eine Flüssigkeitssäule 27 hervorgerufen werden, die sich
zwischen der Oberseite 28' des Ventilglieds 18' und der oberen Innenfläche 29' der
Ventilkammer 14' erstreckt. Die Flüssigkeitssäule 27 aus Öl 25 zieht das Ventilglied
18' sozusagen zur oberen Innenfläche 29' hin. Die Antriebskraft des Antriebs 23
reicht dann nicht mehr aus, um das Ventilglied 18' in Schließstellung zu verlagern,
bei der es die Ventilkanäle 16', 17' verschließt. Ferner bildet das Öl 25
weitere Flüssigkeitssäulen 31, 32, die sich zwischen der Unterseite 30' des Ventilglieds
18' und der unteren Innenfläche 21' der Ventilkammer 14' erstrecken. Zwar wird das
Öl 25 der Flüssigkeitssäule 31, 32 bei einem Verschwenken des Ventilglieds 18' in
Schließstellung zumindest teilweise aus dem Zwischenraum zwischen der Unterseite
30' und der unteren Innenfläche 21' verdrängt. Allerdings bleibt ein Rest des Öles
25, das sich netzend an den Oberflächen 30', 21' verteilt, in diesem Zwischenraum,
sodass das Ventilglied 18' die Ventilkanäle 16', 17' nicht ausreichend dicht verschließt.
Um diese Probleme zu beseitigen, sind bei dem Mikroventil 10 im Unterschied
zum Mikroventil 10' erfindungsgemäß Oberflächen mit Oberflächenbeschichtungen
vorhanden, die eine kleinere Oberflächenenergiedichte aufweisen als das Öl 25, vorliegend
beispielsweise eine Oberflächenenergiedichte von 10 bis 15 mN/m bzw. J/m2.
Die Oberflächenbeschichtungen enthalten beispielsweise Fluorverbindungen, zum Beispiel
Fluorpolymere, oder dergleichen. Die Oberflächenbeschichtungen sind vorzugsweise
durch chemisches und/oder physikalisches Dampfbeschichten erzeugt, wobei aber auch
ein Plasmapolymerisationsverfahren möglich ist.
Beim Ausführungsbeispiel ist die Ventilkammer 14 im Wesentlichen,
jedoch nicht vollständig mit einer erfindungsgemäßen Oberflächenbeschichtung
33 versehen. Beispielsweise sind die untere und obere Innenfläche 21, 29 der Ventilkammer
14 mit der Oberflächenbeschichtung 33, die eine niedrigere Oberflächenenergiedichte
aufweist als das Öl 25, versehen. Ferner sind die Ober- und Unterseite 28, 30 des
Ventilglieds 18 mit der Oberflächenbeschichtung 33 beschichtet.
Auch eine dem freien Ende des Ventilglieds 18 gegenüberliegende Seitenfläche
34 der Ventilkammer 14 ist mit der Oberflächenbeschichtung 33 versehen. Diese Maßnahme
verhindert, dass sich zwischen dem freien Ende des Ventilglieds 18 und der Seitenfläche
34 eine Flüssigkeitssäule in der Art der Flüssigkeitssäulen 31, 32 ausbildet.
Das Öl 25 kann aufgrund der Oberflächenbeschichtung 33 die beschichteten
Flächen der Ventilkammer 14 nicht benetzen, wie etwa beim Mikroventil 10', sondern
bildet Öltropfen 35, die an der Oberflächenbeschichtung 33 sozusagen abperlen. Das
Öl 25 kann zwischen den Komponenten im Bereich der Ventilkammer 14 keine oder zumindest
keine nennenswerten Flüssigkeitssäulen ausbilden. Dadurch treten Kapillarkräfte,
die unter Umständen die Antriebskraft des Antriebs 23 übersteigen, nicht oder zumindest
nur in geringem Maße auf. Die Öltropfen 35 können durch die aus der Ventilkammer
14 ausströmende Druckluft aus der Ventilkammer 14 herausbefördert werden. Beispielsweise
befindet sich in Fig. 1B ein Öltropfen 35 auf dem Weg nach außen durch den
Ventilkanal 17 hindurch.
Es versteht sich, dass die Ventilkammer 14' auch vollständig mit der
Oberflächenbeschichtung 33 versehen sein kann. Es ist aber auch möglich, dass die
Oberflächenbeschichtung 33 einen geringeren Umfang aufweist als beim Ausführungsbeispiel
gemäß Fig. 1A, 1B. Beispielsweise wäre es möglich, nur die Oberflächen des
Ventilglieds 18, nicht aber die Innenflächen der Ventilkammer 14 mit der Oberflächenbeschichtung
33 zu versehen. Aber auch das Umgekehrte kann der Fall sein. Ferner ist eine Variante
möglich, bei der im Wesentlichen der Anlenkbereich 22 mit der Oberflächenbeschichtung
33 versehen ist, beispielsweise Oberflächen, die sich zwischen dem Anlenkbereich
22 und dem Ventilkanal 16 erstrecken.
Ferner ist es möglich, beispielsweise auch die Innenflächen des Ventilkanals
16 und/oder des Ventilkanals 17 mit der Oberflächenbeschichtung zu versehen, sodass
dort das Öl 25 nicht netzend anhaften kann.
Es versteht sich, dass sich die Vorteile des Beschichtungsverfahrens
nicht nur bei elektrostatischen Antrieben zeigen, sondern auch bei Mikroventilen,
die beispielsweise piezo-elektrisch oder elektrodynamisch angetrieben sind.
Prinzipiell könnte eine erfindungsgemäß beschichtete Ventilgliedanordnung
auch eine biegesteife Ventilplatte aufweisen, die beispielsweise durch Federmittel
mit Bezug zum Ventilgehäuse beweglich aufgehängt ist.
Bei einem nachfolgend anhand der Fig. 4A, 4B vorgestellten Mikroventil
40 hingegen weist eine Ventilgliedanordnung 41 biegbare, plattenartige Ventilglieder
42, 43 auf. Die Ventilglieder 42, 43 werden durch Steuerschichten 44, 45 gebildet,
die zwischen einer oberen und einer unteren Deckschicht 46, 47 angeordnet sind.
Zwischen den Steuerschichten 44, 45 befindet sich eine Öffnungsschicht 48. Die Schichten
44-48 bilden ein Gehäuse 49 des Mikroventils 40 und begrenzen Ventilkammern 50,
51 einer Ventilkammeranordnung 52.
Über seitliche Ventilkanäle 53, 54 kann Druckluft in die Ventilkammeranordnung
52 einströmen bzw. aus dieser herausströmen. Ein Ventilkanal 55 in der Öffnungsschicht
48 verbindet die obere mit der unteren Ventilkammer 50, 51.
Die elektrostatisch angetriebenen Ventilglieder 42, 43 dienen zum
Öffnen bzw. Verschließen des Ventilkanals 55. Die Ventilglieder 42, 43 sind
an der den Ventilkanälen 53; 54 entgegengesetzten Seite des Gehäuses 49 festgelegt.
Die Ventilglieder 42, 43 sind biegbare und/oder schwenkbare Klappen bzw. Membranen.
Die Ventilglieder 42, 43 sind elektrisch leitfähig.
Durch Anlegen einer Betätigungsspannung U1 an das Ventilglied 42 sowie
an eine Leitschicht 56 an der Oberseite der Öffnungsschicht 58 kann das Ventilglied
42 betätigt werden, sodass insgesamt ein elektrostatischer Antrieb gebildet ist.
In entsprechender Weise kann eine Betätigungsspannung U2 an das Ventilglied 43 sowie
an eine Leitschicht 57 an der Oberseite der unteren Deckschicht 47 angelegt werden,
um das Ventilglied 43 zu betätigen.
Durch entsprechendes Anlegen der Spannungen U1 und U2 sind die Ventilglieder
42, 43 in Schließstellung bringbar, bei der sie den Ventilkanal 55 verschließen.
Dann ist ein Durchfluss von Druckluft durch die Ventilkammeranordnung 52 unterbrochen,
das heißt ein Durchflussweg zwischen den Ventilkanälen 53, 54 über die Ventilkammeranordnung
52 ist verschlossen.
In der in Fig. 4B gezeigten Offenstellung der Ventilglieder 42, 43
ist dieser Durchflussweg offen, sodass Druckluft über den Ventilkanal 53 in die
Ventilkammeranordnung 52 einströmen und über den Ventilkanal 55 und den Ventilkanal
53 aus dieser ausströmen kann, beispielsweise um einen nicht dargestellten pneumatischen
Verbraucher zu betätigen.
Wie bereits im Zusammenhang mit dem vorangegangenen Beispiel erläutert,
kann die Druckluft verunreinigt sein, beispielsweise mit Öl 25. Dies führt bei einem
konventionellen Mikroventil zu den im Zusammenhang mit Fig. 3 beschriebenen Problemen.
Auch zu dem Mikroventil 40 gemäß Fig. 4A, 4B ist eine konventionelle Variante
in Gestalt eines Mikroventils 40' ohne Oberflächenbeschichtung in Fig. 5 dargestellt.
Gleiche oder gleichartige Komponenten der Mikroventile 40, 40' sind mit denselben
Bezugszeichen versehen und werden im Folgenden nicht näher erläutert.
Beispielsweise bildet sich zwischen einer Oberseite 58 des Ventilglieds
42 und der oberen Innenfläche 62 der Ventilkammer 50 eine Flüssigkeitssäule 58 aus.
Die Flüssigkeitssäule 58 aus Öl 25 zieht das Ventilglied 42 sozusagen nach oben,
zu der oberen Innenfläche 62 der Ventilkammer 50. Dadurch wird eine Verstellung
des Ventilglieds 42 in Richtung der Schließstellung erschwert, wenn nicht
gar verhindert. Ferner sind beispielhaft Flüssigkeitssäulen 59, 60 gezeigt, die
sich zwischen der Unterseite 66 des Ventilglieds 42 und der unteren Innenfläche
64 der Ventilkammer 50 bzw. der Oberseite des Ventilglieds 43 und der oberen Innenfläche
63 der Ventilkammer 51 erstrecken. Beim Betätigen der Ventilglieder 42, 43 müssen
diese Flüssigkeitssäulen 59, 60 verdrängt werden, was zusätzliche Antriebskräfte
für den Antrieb der Ventilglieder 42, 43 erforderlich macht.
Um diese Probleme zu beseitigen, ist bei dem Mikroventil 40 eine Oberflächenbeschichtung
61 vorhanden, die eine kleinere Oberflächenenergiedichte aufweist als das Öl 25,
also beispielsweise 12 bis 18 J/m2. Die Oberflächenbeschichtung 61 ist
im Bereich der Ventilkammeranordnung 52 an mehreren Flächen im Bereich der Ventilkammeranordnung
52 vorhanden, beispielsweise an den oberen Innenflächen 62, 63 und den unteren Innenflächen
64, 65 der Ventilkammern 50, 51. Die Oberflächenbeschichtung 61 an den Innenflächen
62 und 65 erstreckt sich bis in die Ventilkanäle 53, 54 hinein. Ferner sind die
Unterseiten 66, 67 der Ventilglieder 42, 43 mit der Oberflächenbeschichtung 61 versehen.
Die Oberflächenbeschichtung 61 verhindert Flüssigkeitssäulen in der Art der Flüssigkeitssäulen
58, 60 weitgehend. Stattdessen bilden sich an den mit der Oberflächenbeschichtung
61 versehenen Oberflächen Öltropfen 68, die, wie beispielsweise in Fig. 4B gezeigt,
aus der Ventilkammeranordnung 52 ausgeblasen werden können.