Die vorgestellte Erfindung bezieht sich auf ein Gerät und ein Verfahren
zur Gewinnung aussagekräftiger Daten über den Zustand von Rohrleitungen. Konkret
geht es um eine Vorrichtung bzw. ein Verfahren, welche die unerwünschte Drehung
spezieller Messgeräte („Molche") innerhalb einer Rohrleitung verhindern.
Der sichere und unterbrechungsfreie Betrieb von Rohrleitungen ist
vorrangiges Ziel ihrer Betreiber und Nutzer sowie der davon abhängigen Volkswirtschaften.
Dementsprechend werden solche Rohrleitungen in regelmäßigen Abständen inspiziert
und gereinigt, um ihre Funktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten.
Ein Schwachpunkt herkömmlicher Molch-Techniken ist jedoch, dass die
erkannten Defekte hinsichtlich ihrer Raumlage nur unzulänglich lokalisiert werden
können. Konkret heißt das z.B., dass eine von einem Molch innerhalb einer Rohrleitung
entdeckte Beule in Bezug auf die Weglänge zwar eindeutig fixierbar ist, ihre Position
in den beiden anderen Dimensionen aber unbestimmt bleibt: es ist nicht erkennbar,
ob sich die Beule unten oder oben bzw. rechts oder links befindet!
Kurzbeschreibung der Zeichnungen
Damit die im Vorstehenden angesprochenen Besonderheiten dieser Erfindung
auch im Detail nachvollzogen werden können, werden einige von ihnen exemplarisch
anhand der beigefügten Zeichnungen erläutert.
1 zeigt einen Längsschnitt durch einen
Kalibermolch innerhalb einer Rohrleitung.
2 zeigt einen partiell expandierten Längsschnitt
mit den verschiedenen Kompetenten des Molches.
Detaillierte Beschreibung der bevorzugten Umsetzung
der Erfindung
Vorgestellt werden hier ein zur drehfreien Fortbewegung befähigter
Kalibermolch sowie das dieser Neuerung zugrundeliegende Verfahren. Seinem Prinzip
nach ist ein Kalibermolch ein Messgerät, das es aufgrund kontinuierlicher Datenakquisition
erlaubt, die physikalische Beschaffenheit (Form) des Röhreninneren entlang eines
Rohrleitungsabschnitts zu rekonstruieren. Ganz allgemein kann man als Kalibermolch
jedes beliebige Gerät ansprechen, das aus einer Zentraleinheit und einer oder mehreren
darum herum angeordneten Dichtungsmanschette(n) besteht. Letztere machen es erst
möglich, dass die zentrale Datenerfassungseinheit gas- oder flüssigkeitsgetrieben
durch die Röhre gepumpt werden kann. Unter dem Begriff „Beschaffenheit" der
Rohrleitung werden eine Vielzahl verschiedener und voneinander unabhängiger Faktoren
zusammengefasst – darunter u.a. Ablagerungen/Verkrustungen, Ovalitäten, Beulen,
Durchmesseränderungen etc.. Um die innovativen Aspekte der hier vorgestellten Erfindung
zu verdeutlichen, wird im Folgenden kurz auf die beigefügten Zeichnungen eingegangen.
1 ist der Längsschnitt durch einen Kalibermolch
(100) der hier vorgestellten neuen Bauart innerhalb einer Rohrleitung (10).
Aus Darstellungsgründen wird hier ein Kalibermolch stellvertretend für alle anderen
Arten von Molchen verwendet. Es versteht sich jedoch von selbst, dass die hier präsentierte
Erfindung grundsätzlich bei jedem Typ von „intelligentem Molch" oder „dummen
Molch" zum Einsatz gebracht werden kann.
Das Gerät (100) besteht aus einer Zentraleinheit (105),
die von einem Paar vorderer (110) und einem Paar hinterer Manschetten (115)
umgeben ist. Festzuhalten ist, dass diese Manschetten von entscheidender Bedeutung
für die Stabilisierung der Raumlage des Gerätes sind. Ermöglicht wird dies durch
eine Verkippung der Manschetten (110, 115) um einen bestimmten
Winkel (175) gegen die Vertikale. Im vorliegenden Fall beträgt dieser Winkel
1 Grad, in der Praxis ist es aber so, dass dieser Winkel je nach Bedarf jeden beliebigen
Wert zwischen 0.5 und 3 Grad einnehmen kann.
Typischerweise ist eines der Manschettenpaare (110,
115) – bevorzugt das vordere (110) – dicht gegenüber
Gasen und Flüssigkeiten. Dadurch ist es möglich, den Molch (100) druckgetrieben
durch die Rohrleitung (10) zu pumpen. Die hinteren Manschetten (115)
sind entweder ebenfalls abdichtend ausgeführt oder aber sie besitzen Öffnungen,
die die antreibende Pumpflüssigkeit auf die abgedichteten vorderen Manschetten wirken
lässt. Die Manschetten (110, 115) können aus jedem beliebigen
wasserdichten Material, z.B. Polyuhrethan, bestehen.
Wichtiger Bestandteil des Geräts ist stets der Bordcomputer (hier
nicht dargestellt). Er befindet sich im Inneren der Zentraleinheit (105)
und ist zuständig für Empfang, Verarbeitung und Speicherung der Messdaten. Der Computer
kann zusätzlich eine elektronische Uhr und andere digitale Baugruppen enthalten.
Das Gerät (100) verfügt des weiteren über eine Reihe von
Frontarmen (120), die hinter den vorderen Manschetten (110) angeordnet
sind. Jeder Frontarm ist fest mit der Zentraleinheit (105) verbunden. Am
Ende eines jeden Arms sitzt ein Odometerrad (125), durch dessen Umdrehungen
elektronische Signale ausgelöst und an den Bordcomputer gesendet werden. Aus ihnen
lässt sich der vom Molch in der Rohrleitung zurückgelegte Weg ermitteln. In
1 sind lediglich zwei Arme (120) bzw. Räder
(125) dargestellt, in der Praxis kann jedoch jede beliebige Anzahl von
Odometern eingesetzt werden, ohne dass das Einfluss auf die hier vorgestellte Erfindung
hätte.
Zusätzlich besitzt das Gerät (100) eine Reihe von rückwärtigen
Armen (130), die hinter den hinteren Manschetten (115) zu finden
sind. Auch diese Arme sind fest mit der Zentraleinheit (105) verbunden.
Jeder dieser Arme verfügt an seinem hinteren Ende über eine Abrolleinheit (135).
Diese Abrolleinheiten werden durch spezielle Spreizvorrichtungen nach außen gedrückt,
so dass sie normalerweise an der Innenfläche der Rohrleitung (10) anliegen.
Diese Konstruktion dient dazu, die Form der durchfahrenen Röhre zu bestimmen: die
Abrolleinheiten (135) reagieren auf Änderungen des Rohrleitungsdurchmessers,
seien dies Beulen, Ovalitäten oder Falten etc,, und senden entsprechende elektronische
Signale an den Computer, aus denen in Verbindung mit den Odometerwerten der jeweilige
Zustand nach einem bestimmten zurückgelegten Weg rekonstruiert werden kann. Auch
hier sind lediglich zwei Arme (130) bzw. Räder (135) dargestellt.
Ohne von den Grundprinzipien dieser Erfindung abzuweichen, kann auch in diesem Fall
jede beliebige Anzahl von Sensoren zum Einsatz kommen. Darüber hinaus könnten die
hinteren Arme (130) und die an ihnen befestigten Abtaster (135)
auch an jeder anderen Stelle an der Zentraleinheit (100) angebracht werden,
ohne dass das dies etwas an den Grundprinzipien der Erfindung ändern würde.
Bei 2 handelt es sich um einen partiell
expandierten Längsschnitt, der verschiedene Komponenten des Molches (100)
zeigt. Besonders hervorzuheben sind hier eine Anzahl von Bauteilen (150),
mit deren Hilfe die Raumlage des Gerätes festgelegt wird. Sie befinden sich im Bereich
der vorderen (110) und hinteren (115) Manschetten. Aus Platzgründen
werden hier nur die vorderen Bauteile erörtert. Zu betonen ist jedoch, dass das
in diesem Zusammenhang Gesagte gleichermaßen Gültigkeit auch für
die hinteren Äquivalente besitzt. Hauptfunktion dieser Bauteile (150) ist
es, die Manschetten (110) um einen bestimmten Winkel (175) gegen
die Vertikale zu verkippen. Festzuhalten ist, dass jeder beliebige Wert dieses Neigungswinkels
im Rahmen dieser Erfindung abgedeckt ist. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen,
dass es gleichgültig ist, ob lediglich eine einzelne, mehrere oder alle Manschetten
um den vorgegebenen Winkel geneigt sind.
Grundsätzlich bestehen diese Positionierungsbauteile (150)
aus Scheiben, die in einer vorher festgelegten Keilform hergestellt werden. Im vorliegenden
Fall beträgt der Neigungswinkel ein Grad. Er kann jedoch – je nach Größe des
Molches (100) – variieren. Beispielsweise können für kleinere Geräte
auch Winkel von zwei, drei oder mehr Grad erforderlich sein. In dieser Hinsicht
ist jeder beliebige Winkel im Rahmen dieser Erfindung abgedeckt. Darüber hinaus
ist es auch egal, aus welchem Material (Stahl, Aluminium oder was auch immer) die
Scheiben gefertigt sind.
Hauptaufgabe der Bauteile (150) ist es, die Manschetten (110)
um einen ausgewählten Winkel (175) zu kippen. Als Folge davon halten die
Manschetten den sich innerhalb der Rohrleitung (10) bewegenden Molch (100)
in einer vorher bestimmten, stabilen Lage. Beispiel: Bewirkt die Neigung der Manschetten
(110), dass ein Frontarm (120) die 12-Uhr-Position einnimmt, wird
der Molch seinen Weg durch die Rohrleitung (10) nehmen, ohne dass der Frontarm
(120) von dieser seiner Ausgangslage abweicht. Klar ist, dass sich das
Gerät (100) in jeder beliebigen Raumlage bewegen kann, ohne dass das an
den Grundprinzipien dieser Erfindung etwas änderte. Der entscheidende Vorteil einer
solchen vorgewählten stabilen Raumlage eines Molches ist, dass die damit gewonnenen
Messwerte deutlich aussagekräftigere Rückschlüsse auf die genaue Beschaffenheit
(Ablagerungen, Beulen, Biegungen, Schweißnähte usw.) der untersuchten Röhren erlauben,
und zwar dreidimensional – d.h. im Hinblick sowohl auf die axiale als auch
die vertikale und laterale Komponente!
Routinemäßig wird eine Rohrleitung (10) zunächst von einem
„dummen Molch" gereinigt und im Anschluss daran einer eingehenden Inspektion
durch einen „intelligenten Molch" (100) unterzogen. Üblicherweise
wird ein derartiger Molch an einem Ende der untersuchten Rohrleitung mittels einer
sog. „Schleuse" in die Rohrleitung eingeführt. Danach wird das Gerät mittels
Druck auf die Manschetten (110, 115) vorangetrieben. Da die oberen
Hälften der Manschetten um den ausgewählten Winkel (175) gekippt sind,
führt der ausgeübte Druck zu einer nach unten geneigten „Nase" (170)
in der Frontpartie des Molches (100). In Verbindung mit anderen Kräften
(Schwerkraft, Reibungskraft, Strömung) bewirkt diese Neigung nach unten, dass das
Gerät während seines Laufes in der vorher bestimmten stabilen Raumlage relativ zur
umgebenden Rohrleitung (10) verharrt.
Während seines Laufs durch die Rohrleitung (10) registriert
der Molch verschiedene Veränderungen in deren Beschaffenheit. Wird beispielsweise
ein rückwärtiger Arm (130) mit seinem Sensor (135) nach innen
gedrückt, weist das auf eine in das Röhreninnere gerichtete Unebenheit hin. Diese
Radialbewegung löst dann ein der Größe des Defektes etc. proportionales elektronisches
Signal an den Computer aus, wo es auch gespeichert wird. In Verbindung mit der Auswertung
anderer Signale (z.B. denen der Odometer (125) lässt sich schließlich der
Zustand der inneren Rohrleitungsoberflächen präzise rekonstruieren.
Nachdem der Molch (100) die gesamte zu vermessende Strecke
drehungsfrei zurückgelegt und die benötigten Daten gesammelt hat, wird das Gerät
am Rohrleitungsende in einer sog. „Schleuse" empfangen und aus der Röhre
genommen. Im Anschluss daran werden die zur Ermittlung der Rohrleitungsbeschaffenheit
benötigten Daten vom Bordcomputer heruntergeladen und weiterverarbeitet. Die gewonnenen
Messwerte liefern eine Vielzahl von Informationen bezüglich des Rohrleitungsinneren:
Ausmaß und Erstreckung von Deformationen, Entfernung vom Ausgangspunkt, Raumlage
u.a.m.. Diese Daten werden dann verwendet, um verschiedene Rohrleitungszustandsgrößen
wie z.B. Ablagerungen/Krusten, Schweißnähte, Ovalitäten, Beulen, Biegungen etc.
zu ermitteln und voneinander zu unterscheiden. In ihrer Gesamtheit ermöglichen die
ausgewerteten Daten schließlich die Erstellung eines aussagekräftigen Rohrleitungszustandsprofils.