Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung einer Wasserfilmhöhe
auf einer Fahrbahn während der Fahrt eines Kraftfahrzeuges, bei dem über Messeinrichtungen
Emissionen von Fahrzeugrädern gemessen und in elektrische Signale umgewandelt werden.
Der Betriebsbereich eines Personenkraftwagens wird durch die Verhältnisse
in der Kontaktzone zwischen Reifen und Fahrbahn maßgeblich beeinflusst. Da die Kraftübertragung
zwischen Reifen und Fahrbahn durch Kraftschluß, also durch Reibung, erfolgt, ist
die Kraftübertragung von den Eigenschaften der beiden Reibpartner abhängig. Um aktive
Fahrwerke, Sicherheitssysteme oder Warneinrichtungen optimal mit Informationen zu
versorgen, ist es unter anderem wichtig, die Beschaffenheit der Fahrbahn festzustellen.
Ein Aspekt ist dabei, wie hoch bei nasser Fahrbahn der Wasserfilm ist.
In dem Artikel „Ermittlung des aktuellen Kraftschlußpotentials
eines Pkws im Fahrbetrieb" von Dr. H.-J. Görich, S. Jakobi und U. Reuter in den
VDI-Berichten Nr.: 1088/1993, Seiten 307 – 309 ist ein Verfahren zur Erkennung
von Fahrbahnnässe beschrieben, bei der über ein akustisches Sensorsystem die Wasserhöhe
auf der Fahrbahn erfasst wird. Dabei wird ein Geräuschpegel an der Radhausinnenverkleidung
über Beschleunigungsaufnehmer sensiert und in einer elektronischen Signalaufbereitung
in Analogtechnik vorverarbeitet, um die Signalintensität im für Wasser charakteristischen
Frequenzbereich zu erhalten. Unter Berücksichtigung der Fahrgeschwindigkeit, die
sich aus den Signalen von ABS-Raddrehzahlsensoren ergibt, wird aus der Geräuschintensität
die Wasserhöhe auf der Fahrbahn quantitativ bestimmt. Zur Kalibrierung dieses akustischen
Wasserhöhenmessverfahrens wird ein lichtoptischer Wasserhöhensensor als Referenzwertgeber
eingesetzt. Die Zeitschriebe der Beschleunigungsaufnehmer-Signale werden fouriertransformiert,
so dass die Spektren von trockner und nasser Straße miteinander verglichen werden
können.
Um im Fahrbetrieb unter Umgehung der Fouriertransformation die Frequenzgänge
analysieren zu können, werden die von den Aufnehmern erzeugten Wechselspannungssignale
in einer analogen Vorverarbeitungselektronik in charakteristische Gleichspannungspegel
umgewandelt. Sie sind der Signalintensität im durch Fahrbahnnässe beeinflussten
Frequenzbereich proportional. Bei dem Verfahren werden beide vorderen Radhausinnenverkleidungen
mit Beschleunigungsaufnehmern bestückt, so dass pro Fahrspur eine „akustische
Wasserhöhe" zur Verfügung steht.
Nachteilig an dem beschriebenen Verfahren ist, dass relativ aufwendig
über ABS-Radsensoren die Geschwindigkeit und gegebenenfalls über optische Sensoren
die Beschaffenheit des Fahrbahnbelages bei der Bestimmung der Wasserfilmhöhe berücksichtigt
werden muss.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren bereitzustellen,
mit dem auf einfache Art und Weise eine Wasserfilmhöhe auf einer Fahrbahn bestimmt
werden kann.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 gelöst. Dabei werden während der Fahrt eines Kraftfahrzeuges über
Messeinrichtungen Emissionen am Vorderrad und am Hinterrad des Kraftfahrzeuges gemessen
und in elektrische Signale umgewandelt. Die gemessenen Vorderrad- und Hinterradsignale
werden miteinander verglichen, und aus dem Signalunterschied zwischen dem Vorderradsignal
und dem Hinterradsignal wird die Wasserfilmhöhe bestimmt. Auf diese Art und Weise
ist es möglich, dass Einflüsse wie der Fahrbahnbelag und die Radgeschwindigkeit
vollständig herausgefiltert werden können, da die Signale sowohl des Vorderrades
als auch des Hinterrades bei gleicher Geschwindigkeit und bei gleichem Fahrbahnbelag
ermittelt werden.
Eine Weiterbildung des Verfahrens sieht vor, dass als Emissionen Schallemissionen
verwendet werden, die über Schallsensoren gemessen werden. Diese Schallsensoren
können entweder Körperschallsensoren sein, die an der Radhausinnenverkleidung angeordnet
sind, oder Mikrofone, die im Bereich der Räder bzw. Reifen im Fahrzeug angeordnet
sind.
Alternativ zu einer Schallmessung, sei es Körperschall oder Luftschall
über Schallmesssensoren, können als Emissionen auch die Spritzwassermenge über optische
oder kapapzitvie Sensoren gemessen werden. Aufgrund der Tatsache, dass das Hinterrad
in einem Bereich abrollt, in dem durch die Wasserverdrängung des Vorderrades der
Wasserstand auf der Fahrbahn für das Hinterrad deutlich geringer ist, wird eine
verringerte Spritzwassermenge in der Hinterradspur durch das Hinterrad aufgewirbelt.
Lichtschranken oder kapazitive Sensoren können die Spritzwassermenge insbesondere
qualitativ unterscheiden, was bei einem Vergleich der entsprechenden Sensorsignale
einen Signalunterschied ergibt, über den die Wasserfilmhöhe bestimmt werden kann.
Es hat sich herausgestellt, dass sich die Signalamplitude in einem
Frequenzbereich von 2Hz – 5 Hz signifikant ändert, also dass in diesem Bereich
der Unterschied einer nassen Fahrbahnoberfläche zu einer trocknen Fahrbahnoberfläche
besonders gut erkannt werden kann. Daher wird sich auch in diesem Frequenzbereich
ein Signalunterschied über der Wasserfilmhöhe ergeben.
Eine Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass bei Erreichen eines
festgelegten Signalunterschiedes eine Aquaplaning-Warnung ausgegeben wird, entweder
als optisches oder akustisches Signal an den Fahrer oder als Signal an ein Fahrzeugsteuerungssystem,
das aufgrund der Aquaplaning-Warnung die Geschwindigkeit reduziert. Schwimmt der
Vorderreifen aufgrund eines zu hohen Wasserstandes auf der Straße bei einer nicht
angemessenen Geschwindigkeit auf, verändert sich schlagartig das Signalverhältnis,
so dass der Aquaplaning-Effekt frühzeitig erkannt werden kann. Alternativ wird eine
Aquaplaning-Warnung dann ausgegeben, wenn die maximale Wasserverdrängmenge des Vorderreifens
bei einer entsprechenden Geschwindigkeit erreicht wird, so dass bereits vor dem
Eintreten eines Aquaplaning-Effektes Maßnahmen oder Warnmeldungen veranlasst werden
können.
Um auch quantitative Aussagen über die Wasserhöhe treffen zu können,
werden Vergleichswerte aus Referenzmessungen bestimmt, so dass in Abhängigkeit von
dem Reifentyp, ggf. dem Reifenzustand mit entsprechender Wasserverdrängkapazität
und dem Signalunterschied die vorherrschende Wassermenge ermittelt werden kann.
Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der
beigefügten Figuren näher erläutert.
1 zeigt schematisch eine Sensoranordnung
in einem Fahrzeug;
2a und 2b
zeigen Modelle einer Schallemission am Vorderrad und am Hinterrad.
In der 1 ist schematisch ein Kraftfahrzeug
1 dargestellt, das sich auf einer Fahrbahn 2 in Pfeilrichtung
bewegt. Sowohl im Bereich des Vorderrades 3 als auch im Bereich des Hinterrades
4 ist ein oder sind mehrere Sensoren 5 angeordnet, die während
der Fahrt die Emissionen messen, die von den Rädern 3, 4 erzeugt
werden. Insbesondere sind die Sensoren 5 als Mikrofone oder Körperschallsensoren
ausgebildet, die den Schallpegel von dem Spritzwasser oder das Abrollgeräusch der
jeweiligen Reifen 3, 4 aufnehmen. Fährt das Fahrzeug
1 auf der Straße 2 mit einer Wasserschicht, wird sich am Vorderrad
3 ein Schallpegel einstellen, der verschieden zu dem Schallpegel am Hinterrad
ist, da sich das Hinterrad 4 in einer Spur bewegt, in der das Wasser bereits
von dem Vorderrad 3 verdrängt wurde.
In den 2a und 2b
ist diese Situation schematisch dargestellt, in der Figur 2a ist das Vorderrad
3 mit einem relativ haben Wasserpegel 6a dargestellt, während
in der 2b das Hinterrad 4 gezeigt ist, das
eine im wesentlichen geringe Wassermenge zu verdrängen hat, da es in der Spur des
Vorrades 3 läuft.
Aufgrund der Schallpegelmessung ist es möglich, einen direkten Signalvergleich
zwischen den Signalen vorzunehmen, die am Vorderrad 3 und am Hinterrad
4 gemessen wurden. Aufgrund der unterschiedlichen Wasserfilmhöhen
6a, 6b ergibt sich ein Signalunterschied zwischen den jeweiligen
Rädern 3, 4; aus der Höhe des Signalunterschiedes kann die Höhe
des Wasserfilmes bzw. der verdrängten Wassermenge geschlossen werden. Dabei ist
ein direkter Signalvergleich ahne Fourieranalyse möglich. In einer Differenzbildung
der absoluten Signale der Vorder- und Hinterräder 3, 4 ergibt
sich ein Absolutsignal proportional zur Wasserfilmhöhe. Dadurch kann die Rechnerleistung
in einer Auswerteeinheit reduziert werden.
Da die Werte der Emissionen eines Vorderrades 3 und eines
Hinterrades 4 verglichen werden, die in einer Spur laufen, können aufgrund
der gleichen Geschwindigkeiten der Räder 3, 4 und der gleichen
Umgebungsbedingungen weitere Einflüsse, wie der Fahrbahnbelag und die Geschwindigkeit,
eliminiert werden, ohne aufwendige zusätzliche Sensoreinrichtungen bereitzustellen.
Alternativ zu akustischen Sensoren 5 ist es möglich, die
verdrängte Spritzwassermenge der Räder 3, 4 über optische oder
kapazitive Sensoren zu ermitteln.
Darüber hinaus ist es vorgesehen, dass eine Referenzmessung des rechten
Vorderrades und des linken Vorderrades durchgeführt wird, um Unterschiede zwischen
den jeweiligen Fahrspuren zu ermitteln.