Die vorliegende Erfindung betrifft eine gaserzeugende Zusammensetzung,
die in einem Airbag-Aufprallschutzsystem eines Fahrzeugs verwendet wird, sowie einen
Formkörper aus der gaserzeugenden Zusammensetzung. Genauer gesagt, die Erfindung
betrifft eine gaserzeugende Zusammensetzung, die eine spezifische Polymerverbindung
als Brennstoff und ein Oxidationsmittel auf der Basis von Ammoniumnitrat sowie andere
Additive umfasst, sowie einen Formkörper aus der gaserzeugenden Zusammensetzung.
Stand der Technik
Bisher wurden hauptsächlich Zusammensetzungen mit Natriumazid als
gaserzeugende Zusammensetzungen für Airbags, die als Aufprallschutzsysteme für Personen
in Fahrzeugen verwendet werden, verwendet. Natriumazid ist jedoch gesundheitsschädlich
ist kann nicht gefahrlos gehandhabt werden.
Deshalb wurden gaserzeugende Zusammensetzungen entwickelt, die verschiedenste
Stickstoff enthaltende organische Verbindungen enthalten, d.h. sogenannte "gaserzeugende
Zusammensetzungen, die keine Azide enthalten", um die Sicherheit zu erhöhen.
Die Veröffentlichung US-A-4909549 beschreibt z.B. Zusammensetzungen,
die Wasserstoff enthaltende Tetrazol- und Triazolverbindungen sowie Sauerstoff enthaltende
Oxidationsmittel enthalten; die Veröffentlichung US-A-4369079 beschreibt Zusammensetzungen,
die Bitetrazolmetallsalze, die keinen Wasserstoff enthalten, sowie Sauerstoff enthaltende
Oxidationsmittel enthalten; und die Veröffentlichung JP-A-6-239683 beschreibt Zusammensetzungen,
die Carbohydrazid sowie Sauerstoff enthaltende Oxidationsmittel enthalten.
Die meisten dieser gaserzeugenden Zusammensetzungen, die keine Azide
enthalten, bestehen aus Brennstoffen, die Stickstoff enthaltende organische Verbindungen,
wie z. B. Metallsalze von Tetrazol oder Bitetrazol, Triazol oder Carbohydrazid,
und Oxidationsmittel, wie z.B. Kaliumnitrat, Strontiumnitrat oder Kaliumperchlorat,
enthalten.
Die Veröffentlichung US-A-5545272 beschreibt gaserzeugende Zusammensetzungen,
die Ammoniumnitrat, das mit 7 bis 20 Gew.% eines Kaliumsalzes phasenstabilisiert
wurde, sowie Nitroguanidin enthalten, und die Veröffentlichung WO-A-96/27574 beschreibt
gaserzeugende Zusammensetzungen, die Nitroguanidin, ein phasenstabilisiertes Ammoniumnitrat
sowie ein gummiartiges Bindemittel enthalten.
Die Veröffentlichung JP-A-7-330477 beschreibt gaserzeugende Zusammensetzungen,
die ein Polybutadien mit einer endständigen Acrylatgruppe, Polybutadienpolycarbonsäure
oder ein epoxy-modifiziertes Polybutadien mit einem Härtungsmittel sowie ein Oxidationsmittel
enthalten. Die Veröffentlichung JP-A-6-92770 beschreibt gaserzeugende Zusammensetzungen,
die bevorzugt ein organisches Bindemittel, das Azidgruppen bildet, einen aktiven
Weichmacher und einen oxidierenden Füllstoff enthalten, wobei das Bindemittel ein
Produkt ist, das bei der Umsetzung eines hydroxylierten Polyglycidylazids mit mindestens
einem Polyisocyanat erhalten wurde, und wobei der oxidierende Füllstoff mindestens
85 Gew.% Ammoniumnitrat enthält.
Die Gaserzeugungskapazität dieser gaserzeugenden Mittel, die Azide
enthalten, oder der gaserzeugenden Mittel, die keine Azide enthalten und die kein
Ammoniumnitrat enthalten, ist jedoch unzureichend. Die gaserzeugenden Mittel, die
Azide enthalten, können höchstens 1,5 Mol Gas pro 100 g gaserzeugendem Mittel bilden,
und die gaserzeugenden Mittel, die keine Azide enthalten und die kein Ammoniumnitrat
enthalten, können höchstens 2,5 Mol Gas pro 100 g gaserzeugendem Mittel bilden.
Bei der Verbrennung dieser gaserzeugenden Mittel werden auch große Mengen an Rückständen,
die bei hohen Temperaturen flüssig oder fest sind, gebildet. Wenn solche Rückstände
als solche aus der Aufblasvorrichtung freigesetzt werden, können sie den Airbag
beschädigen, was zu einem Ablösen des Airbags vom Airbagsystem oder zu einem Verbrennen
des Airbags führen kann, wodurch die Atmungsorgane der Personen in dem Fahrzeug
geschädigt werden können.
Eine Möglichkeit, die Menge an Verbrennungsrückständen, die aus einer
Aufblasvorrichtung freigesetzt werden können, zu verringern, besteht darin, die
Aufblasvorrichtung mit mehreren Filtern zu versehen, was jedoch dazu führt, dass
die Größe und das Gewicht der Aufblasvorrichtung zunehmen und die Kosten für die
Herstellung der Aufblasvorrichtung ansteigen.
Die zuvor genannten gaserzeugenden Zusammensetzungen, die ein phasenstabilisiertes
Ammoniumnitrat und Nitroguanidin enthalten, beschrieben in den
Veröffentlichungen US-A-5542272 und WO-A-96/27574, zeichnen sich durch eine verbesserte
Gaserzeugungskapazität aus und bilden weniger Rückstände; das phasenstabilisierte
Ammoniumnitrat und das Nitroguanidin bilden jedoch bei 120°C oder darunter ein
Eutektikum. Deshalb besteht die Gefahr, dass die gaserzeugenden Mittel beim Verschweißen
der Aufblasvorrichtung während der Herstellung der Vorrichtung schmelzen. Die Zusammensetzungen,
die phasenstabilisiertes Ammoniumnitrat und Nitroguanidin enthalten, sind ebenfalls
extrem explosiv, so dass eine sichere Herstellung von qualitativ hochwertigen gaserzeugenden
Mitteln nicht einfach ist.
Weiterhin wurden gaserzeugende Mittel vorgeschlagen, die Bindemittel,
die Energie liefern, wie z.B. Azidpolymere, sowie Ammoniumnitrat oder phasenstabilisiertes
Ammoniumnitrat enthalten und die weniger Rückstände bilden (siehe z.B. die Veröffentlichung
EP-A-705809). Diese gaserzeugenden Mittel bilden jedoch bei der Verbrennung große
Mengen an schädlichem Kohlenmonoxid. Es ist deshalb problematisch, diese Zusammensetzungen
als gaserzeugende Zusammensetzungen für Airbags für Fahrzeuge zu verwenden, obwohl
sie als Treibstoff für Raketen verwendet werden könnten.
Die Veröffentlichung DE-U-9416112 beschreibt eine gaserzeugende Zusammensetzung,
umfassend (A) mindestens ein Carbonat, Bicarbonat oder Nitrat von Guanidin oder
ein Derivat davon, (B) mindestens ein Oxidationsmittel, ausgewählt aus Alkalimetallnitraten,
Erdalkalimetallnitraten und Ammoniumnitrat, und (C) mindestens einen Träger, ausgewählt
aus Siliciumoxid, Alkalimetallsilikaten, Erdalkalimetallsilikaten und Alumosilikaten,
und/oder mindestens einen Träger, der Sauerstoff liefert, ausgewählt aus Eisenoxid,
Cobaltoxid, Manganoxid und Kupferoxid.
Die Veröffentlichung EP-A-576326 beschreibt eine gaserzeugende Zusammensetzung
für eine Aufblasvorrichtung für einen Airbag, umfassend ein organisches Bindemittel
mit Azidgruppen, einen Weichmacher, der Energie liefert, und einen oxidierenden
Füllstoff, der mindestens 85 Gew.% Ammoniumnitrat enthält. Das organische Bindemittel
ist ein Reaktionsprodukt, das bei der Umsetzung eines Polyglycidylazids mit endständigen
Hydroxygruppen mit mindestens einem Polyisocyanat erhalten wird.
Die Veröffentlichung EP-A-659712 beschreibt eine gaserzeugende Zusammensetzung
für eine Aufblasvorrichtung für einen Airbag, umfassend ein thermoplastisches Elastomer
als organisches Bindemittel, ein Polyglycidylazid als Weichmacher, der Energie liefert,
und ein Oxidationsmittel, das Ammoniumnitrat enthält.
Offenbarung der Erfindung
Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, eine gaserzeugende
Zusammensetzung bereitzustellen, die weniger giftig oder gefährlich ist, die leicht
gehandhabt werden kann, die effizient verbrennt und die sich durch eine hervorragende
Gaserzeugungskapazität auszeichnet, die bei der Verbrennung wenig Rückstände bildet,
die gefahrlos hergestellt werden kann und die sich beim Formen durch eine hohe Festigkeit
auszeichnet.
Die Erfinder der vorliegenden Erfindung untersuchten Zusammensetzungen
mit polymeren Verbindungen und Ammoniumnitrat, die bei der Verbrennung nur wenig
oder keine Rückstände bilden, und untersuchten weiterhin intensiv die Formbarkeit,
die Verbrennungseigenschaften, die Sicherheit, die praktische Verfügbarkeit usw.
dieser Zusammensetzungen. Dabei fanden sie heraus, dass die zuvor beschriebene Aufgabe
mit einer gaserzeugenden Zusammensetzung gelöst werden kann, die eine spezifische
Polymerverbindung als Brennstoff, Oxidationsmittel auf der Basis von Ammoniumnitrat
und Salze von Oxysäuren, gegebenenfalls in Kombination mit einem Mittel zum Einstellen
der Verbrennungsgeschwindigkeit, wie z.B. Kohlenstoff, und einem Katalysator, der
die Verbrennung steuert, wie z.B. einem Metalloxid, enthält. Die vorliegende Erfindung
ist das Resultat dieser Untersuchungen.
Die vorliegende Erfindung stellt eine gaserzeugende Zusammensetzung
bereit, umfassend:
(a) 3 bis 40 Gew.% eines Polyacrylamids, das als Brennstoff verwendet wird;
(b) 30 bis 94 Gew.% eines Oxidationsmittels, ausgewählt aus Ammoniumnitrat und
phasenstabilisiertem Ammoniumnitrat; und
(c) 0,5 bis 20 Gew.% mindestens eines Verbrennungsbeschleunigers, ausgewählt
aus Metallnitraten, Metallnitriten, Perchloraten und Chloraten.
Die vorliegende Erfindung stellt weiterhin bereit:
einen Formkörper aus einer gaserzeugenden Zusammensetzung in Form eines Zylinders
mit einem einzigen durchgehenden Loch oder eines Zylinders mit einer Vielzahl von
durchgehenden Löchern, erhalten durch Extrudieren der zuvor beschriebenen
gaserzeugenden Zusammensetzung;
einen Formkörper aus einer gaserzeugenden Zusammensetzung in Form von Pellets bzw.
in Form eines Granulats, erhalten durch Formpressen der zuvor beschriebenen gaserzeugenden
Zusammensetzung; und
einen Formkörper aus einer gaserzeugenden Zusammensetzung in Form eines Films, erhalten
durch Formen der zuvor beschriebenen gaserzeugenden Zusammensetzung zu einem Film.
Die vorliegende Erfindung betrifft ebenfalls eine Aufblasvorrichtung
für einen Airbag, die die zuvor beschriebene gaserzeugende Zusammensetzung enthält.
Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung sind in den abhängigen
Patentansprüchen angegeben.
Die vorliegende Erfindung stellt eine gaserzeugende Zusammensetzung
für Airbags bereit, die als Aufprallschutzsysteme für Personen in Fahrzeugen verwendet
werden, sowie einen Formkörper aus dieser Zusammensetzung. Erfindungsgemäß werden
eine gaserzeugende Zusammensetzung, die weniger giftig oder gefährlich ist, die
leicht gehandhabt werden kann, die effizient verbrennt, die sich durch eine hervorragende
Gaserzeugungskapazität auszeichnet und die bei der Verbrennung wenig Rückstände
bildet, sowie ein Formkörper aus dieser Zusammensetzung bereitgestellt.
Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung
Die Polymerverbindung, die entsprechend der vorliegenden Erfindung
als Bestandteil (a) verwendet wird, ist ein Polyacrylamid, das als Brennstoff und
als Bindemittel in der gaserzeugenden Zusammensetzung dient. Im Hinblick auf die
benötigte Menge an Sauerstoff, die Verbrennungseigenschaften, die Wärmebeständigkeit
usw. der Zusammensetzung, die ein Ammoniumnitrat enthält, wird mindestens eine polymere
Verbindung als Bestandteil (a) verwendet. Polyacrylamide sind bei der Betriebstemperatur
(–30 bis 90°C) der gaserzeugenden Mittel fest.
Beispiele für die Polyacrylamide umfassen Polyacrylamid und aminiertes
Polyacrylamid.
Diese polymeren Verbindungen werden durch die folgenden allgemeinen
Formeln (i) und (ii) dargestellt:
(i) (CH2CHCONH2)n
(ii) (CH2CHCONHNH2)n
worin n den Polymerisationsgrad darstellt und bevorzugt im Bereich von 20000 bis
400000 liegt.
Diese Polyacrylverbindungen sind kaum giftig. Polyacrylamid hat z.B.
eine akute Toxizität LD50 (oral, Mäuse) von 1200 mg/kg oder mehr und
wirkt nicht mutagen. Herkömmlich verwendetes Natriumazid hat dagegen eine akute
Toxizität LD50 von 27 mg/kg. Diese Polyacrylverbindungen sind deshalb
wesentlich sicherer als Natriumazid.
Die erfindungsgemäße gaserzeugende Zusammensetzung enthält den Bestandteil
(a) in einer Menge im Bereich von 3 bis 40 Gew.% und bevorzugt in einer Menge im
Bereich von 5 bis 30 Gew.%.
Das Oxidationsmittel, das entsprechend der vorliegenden Erfindung
als Bestandteil (b) der gaserzeugenden Zusammensetzung verwendet wird, ist Ammoniumnitrat
oder phasenstabilisiertes Ammoniumnitrat. Ammoniumnitrat, das gewöhnlich als Düngemittel
oder zur Herstellung von Sprengstoffen usw. verwendet wird, besteht aus Stickstoff,
Sauerstoff und Wasserstoff und bildet deshalb bei der Verbrennung keine festen Rückstände.
Entsprechend der vorliegenden Erfindung kann Ammoniumnitrat als solches als Oxidationsmittel
verwendet werden. Es ist jedoch bevorzugt, dass ein sogenanntes "phasenstabilisiertes
Ammoniumnitrat" verwendet wird, das eine geringe Menge an Kaliumsalzen oder anderen
Additiven enthält, da Ammoniumnitrat innerhalb des Bereichs der Betriebstemperatur
verschiedene Phasenumwandlungspunkte aufweist.
Die erfindungsgemäße gaserzeugende Zusammensetzung enthält den Bestandteil
(b) in einer Menge im Bereich von 30 bis 94 Gew.% und bevorzugt in einer Menge im
Bereich von 50 bis 85 Gew.%.
Eine binäre Zusammensetzung, die aus der Polymerverbindung, d.h. dem
zuvor beschriebenen Bestandteil (a), und dem Oxidationsmittel, d.h. dem zuvor beschriebenen
Bestandteil (b), besteht, brennt langsam ab und hat unzureichende Verbrennungseigenschaften.
Die Verbrennungsgeschwindigkeit kann jedoch deutlich erhöht werden, wenn mindestens
ein Verbrennungsbeschleuniger, ausgewählt aus Metallnitraten, Metallnitriten,
Perchloraten und Chloraten, als Bestandteil (c) zu der gaserzeugenden Zusammensetzung
gegeben wird.
Der Verbrennungsbeschleuniger, der erfindungsgemäß als Bestandteil
(c) verwendet wird, umfasst bevorzugt mindestens einen Bestandteil, ausgewählt aus
Kaliumnitrat, Natriumnitrat, Strontiumnitrat, Kaliumnitrit, Natriumnitrit, Ammoniumperchlorat,
Natriumperchlorat, Kaliumperchlorat, Natriumchlorat und Kaliumchlorat. Kaliumnitrat,
Kaliumperchlorat, Kaliumnitrit oder Kaliumchlorat werden besonders bevorzugt verwendet,
da diese Verbindungen nicht nur die Verbrennungsgeschwindigkeit der Zusammensetzung,
umfassend die zuvor beschriebenen Bestandteile (a) und (b), erhöhen, sondern auch
mit dem Ammoniumnitrat, das als Bestandteil (b) verwendet wird, ein phasenstabilisiertes
Ammoniumnitrat bilden, wodurch verhindert wird, dass sich das Volumen der gaserzeugenden
Zusammensetzung innerhalb des Betriebstemperaturbereichs verändert.
Wenn die Menge an Bestandteil (c), die zu der gaserzeugenden Zusammensetzung
gegeben wird, erhöht wird, kann die Verbrennungsgeschwindigkeit der gaserzeugenden
Zusammensetzung weiterhin erhöht werden, aber gleichzeitig wird die Menge an Verbrennungsrückständen
erhöht. Deshalb enthält die erfindungsgemäße gaserzeugende Zusammensetzung den Bestandteil
(c) in einer Menge im Bereich von 0,5 bis 20 Gew.% und bevorzugt in einer Menge
im Bereich von 3 bis 15 Gew.%.
Zusätzlich zu den zuvor beschriebenen Bestandteilen (a), (b) und (c)
kann die erfindungsgemäße gaserzeugende Zusammensetzung ein Mittel zum Einstellen
der Verbrennungsgeschwindigkeit, ausgewählt aus Kohlenstoff, Metallpulvern und Borpulver,
als Bestandteil (d) enthalten. Das Metallpulver, das als Mittel zum Einstellen der
Verbrennungsgeschwindigkeit, d.h. als Bestandteil (d), verwendet wird, kann z.B.
mindestens einen Bestandteil umfassen, ausgewählt aus Aluminiumpulver, Eisenpulver
und Magnesiumpulver.
Es ist bevorzugt, dass die gaserzeugende Zusammensetzung entsprechend
der vorliegenden Erfindung den Bestandteil (d) in einer Menge von 5 Gew.% oder weniger
enthält.
Die erfindungsgemäße gaserzeugende Zusammensetzung kann ebenfalls
einen Katalysator, der die Verbrennung steuert, ausgewählt aus Metalloxiden, als
Bestandteil (e) enthalten, wodurch die Verbrennungsgeschwindigkeit weiterhin erhöht
wird. Die Metalloxidpulver, die erfindungsgemäß als Katalysatoren, die die Verbrennung
steuern, d.h. als Bestandteil (e), verwendet werden, können z.B. mindestens einen
Bestandteil umfassen, ausgewählt aus Kupferoxid, Eisenoxid, Zinkoxid, Cobaltoxid
und Manganoxid. Die gaserzeugende Zusammensetzung entsprechend der vorliegenden
Erfindung enthält den Bestandteil (e) bevorzugt in einer Menge von 5 Gew.% oder
weniger.
Eine besonders bevorzugte Ausführungsform der erfindungsgemäßen gaserzeugenden
Zusammensetzung ist eine Zusammensetzung, die 6 bis 16 Gew.% eines Polyacrylamids,
das als Bestandteil (a) verwendet wird, 70 bis 85 Gew.% Ammoniumnitrat, das als
Bestandteil (b) verwendet wird, und 3 bis 12 Gew.% Kaliumperchlorat, das als Bestandteil
(c) verwendet wird, enthält.
Verglichen mit gaserzeugenden Zusammensetzungen, die ein Azid enthalten,
zeichnen sich die gaserzeugenden Zusammensetzungen entsprechend der vorliegenden
Erfindung bei gleichem Gewicht durch eine deutlich verbesserte Gaserzeugungskapazität
aus und sie bilden weniger Verbrennungsrückstände, so dass die Aufblasvorrichtungen
kleiner dimensioniert werden können. Die Formkörper, die unter Verwendung der erfindungsgemäßen
gaserzeugenden Zusammensetzung hergestellt werden können, können erhalten werden,
indem Wasser oder ein organisches Lösungsmittel, das in Abhängigkeit von der Art
des Bestandteils (a) gewählt wird, zu der gaserzeugenden Zusammensetzung gegeben
wird, das erhaltene Gemisch homogen vermischt wird und dann extrudiert wird, wobei
ein Formkörper in Form eines Zylinders mit einem einzigen durchgehenden Loch oder
eines Zylinders mit einer Vielzahl von durchgehenden Löchern erhalten wird. Alternativ
kann das Gemisch z.B. unter Verwendung einer Tablettiermaschine formgepresst werden,
wobei ein Formkörper in Form von Pellets bzw. in Form eines Granulats erhalten wird.
Das Gemisch kann ebenfalls zu einem Formkörper in Form eines Films verarbeitet werden.
Die gaserzeugende Zusammensetzung entsprechend der vorliegenden Erfindung kann in
Form solcher Formkörper in eine Aufblasvorrichtung eingebracht werden.
Die erfindungsgemäßen gaserzeugenden Zusammensetzungen und die daraus
hergestellten Formkörper können in Aufblasvorrichtungen für Airbags zum Schutz des
Fahrers eines Fahrzeugs, in Aufblasvorrichtungen für Airbags zum Schutz des Beifahrers
oder in Aufblasvorrichtungen für Airbags für den Seitenaufprallschutz verwendet
werden. Sie können ebenfalls in Hybrid-Aufblasvorrichtungen verwendet werden. Deshalb
ist es nicht mehr erforderlich, eine Aufblasvorrichtung für einen Airbag zum Schutz
des Fahrers eines Fahrzeugs mit Filtern zum Filtern von Rückständen
zu versehen, da sich die erfindungsgemäßen gaserzeugenden Zusammensetzungen und
die daraus hergestellten Formkörper durch eine hervorragende Gaserzeugungskapazität
auszeichnen und beim Verbrennen nur wenig Rückstände bilden. Deshalb muss die Aufblasvorrichtung
lediglich mit einer kleinen Menge eines Kühlmittels versehen werden, um zu verhindern,
dass die Verbrennungsflamme austritt. Wenn die erfindungsgemäßen gaserzeugenden
Zusammensetzungen und die daraus hergestellten Formkörper verwendet werden, können
deshalb das Volumen, der äußere Durchmesser und die Höhe der Verbrennungskammer
auf jeweils 40 cm3 oder weniger, 60 mm oder weniger und 40 mm oder weniger
reduziert werden. Im Fall einer Hybrid-Aufblasvorrichtung kann ein komprimiertes
Gas, das keinen Sauerstoff enthält, verwendet werden, da die erfindungsgemäße gaserzeugende
Zusammensetzung und der daraus hergestellte Formkörper zum Verbrennen keinen oder
fast keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen.
Spezifische Ausführungsformen der Erfindung
Die vorliegende Erfindung wird im Folgenden an Hand von Beispielen
genauer beschrieben.
In den folgenden Tabellen 1 bis 5 bedeutet PAA Polyacrylamid, PAH
bedeutet aminiertes Polyacrylamid, AN bedeutet Ammoniumnitrat, KClO4
bedeutet Kaliumperchlorat, KNO3 bedeutet Kaliumnitrat, C bedeutet Kohlenstoff,
CuO bedeutet Kupferoxid, NQ bedeutet Nitroguanidin und PSAN bedeutet phasenstabilisiertes
Ammoniumnitrat (AN/KClO4 = 90/10).
Beispiele 1 bis 5 und Vergleichsbeispiele 1 und 2
Es wurden die in der Tabelle 1 angegebenen gaserzeugenden Zusammensetzungen
hergestellt. In der Tabelle 1 sind ebenfalls die berechnete theoretische Verbrennungstemperatur,
die Gaserzeugungskapazität [die Menge (Mol) an Gas, die aus 100 g der Zusammensetzung
gebildet wird] und die Menge an gebildeten Rückständen [die Menge (g) an festen
Rückständen, erhalten bei der Bildung von 1 Mol Gas, bei gewöhnlicher Temperatur]
für jede Zusammensetzung angegeben.
Tabelle 1Beispiele 6 bis 10
Es wurden die in der Tabelle 2 angegebenen gaserzeugenden Zusammensetzungen
hergestellt, und die Reibungsempfindlichkeit und die Hammerfallempfindlichkeit jeder
Zusammensetzung wurden entsprechend den Testverfahren für Sprengstoffe bestimmt,
die in den japanischen Industriestandards (JIS: K4810-1979) beschrieben werden.
Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengefasst.
Tabelle 2Beispiele 11 bis 13 und Vergleichsbeispiel 3
Es wurden die in der Tabelle 3 angegebenen gaserzeugenden Zusammensetzungen
hergestellt, und der Schmelzpunkt, die Temperatur, bei der eine Wärmeentwicklung
begann, und die Temperatur, bei der ein TG-Gewichtsverlust begann, wurden für jede
der Zusammensetzungen unter Verwendung einer Differenzialthermoanalysevorrichtung
(Model TAS-200, hergestellt von Rigaku K.K.) bestimmt. Die Messungen wurden bei
einer Temperaturanstiegsgeschwindigkeit von 20°C/Min. in einer Stickstoffgasatmosphäre
durchgeführt, wobei 1 bis 3 mg einer jeden Probe verwendet wurden. Die Ergebnisse
sind in Tabelle 3 zusammengefasst.
Tabelle 3Beispiele 14 bis 18
Die in der Tabelle 4 angegebenen gaserzeugenden Zusammensetzungen
wurden hergestellt und zu Strängen geformt. Dann wurde die Verbrennungsgeschwindigkeit
jeder Zusammensetzung unter einem Druck von 70 kg/cm2 in einer Stickstoffatmosphäre
bestimmt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 4 zusammengefasst.
Tabelle 4Beispiele 19 bis 21 und Vergleichsbeispiel 4
Die in der Tabelle 5 angegebenen gaserzeugenden Zusammensetzungen
wurden hergestellt, und dann wurde in einem Test überprüft, ob die Zusammensetzungen
leicht zur Explosion gebracht werden konnten, um zu überprüfen, ob die Zusammensetzungen
gefahrlos hergestellt werden können. Der Test wurde durchgeführt, indem jede der
Zusammensetzungen in ein Polyvinylchloridrohr (Außendurchmesser: 30 mm; Innendurchmesser:
25 mm; Länge: 200 mm) eingebracht wurde, und dann wurde das Rohr an einem Ende mit
einem Gummistopfen verschlossen. Dann wurde ein elektrisch angesteuerter Nr. 6 Initialsprengzünder
über das andere Ende in das Rohr eingeführt. Dann wurde das Rohr (in einer Tiefe
von 200 mm) in Sand eingegraben und danach zur Explosion gebracht. Nach Beendigung
des Tests wurde die Empfindlichkeit jeder Zusammensetzung anhand der Größe des gebildeten
Kraters und der Rückstände bewertet. Die Ergebnisse sind in Tabelle 5 zusammengefasst.
Tabelle 5Beispiel 22
Zu 120 g pulverförmigem Polyacrylamid, 810 g pulverförmigem Ammoniumnitrat
und 70 g pulverförmigem Kaliumperchlorat wurden 65 g Wasser gegeben. Nach dem homogenen
Vermischen der Bestandteile wurde das erhaltene Gemisch zu einem pulverförmigen
Extrudat mit einem äußeren Durchmesser von 2,5 mm, einem inneren Durchmesser von
0,8 mm und einer Länge von 2 mm geformt. Das pulverförmige Extrudat wurde 72 Stunden
lang bei 80°C getrocknet, und dann wurden 25,4 g des Extrudatpulvers in eine
Aufblasvorrichtung eingebracht und in einem 60 l Behälter einem Verbrennungstest
unterworfen. Der Druck in dem Behälter erreichte 51 ms nach dem Initiieren der Verbrennung
einen Wert von 2,2 kgf/cm2. Nach Beendigung der Verbrennung wurde das
gaserzeugende Mittel in dem Behälter analysiert, wobei sich herausstellte, dass
keiner der Bestandteile den zulässigen Grenzwert überschritten hatte.
Anspruch[de]
Gaserzeugende Zusammensetzung, umfassend:
(a) 3 bis 40 Gew.% eines Polyacrylamids, das als Brennstoff verwendet wird;
(b) 30 bis 94 Gew.% eines Oxidationsmittels, ausgewählt aus Ammoniumnitrat und phasenstabilisiertem
Ammoniumnitrat; und
(c) 0,5 bis 20 Gew.% mindestens eines Verbrennungsbeschleunigers, ausgewählt aus
Metallnitraten, Metallnitriten, Perchloraten und Chloraten.
Gaserzeugende Zusammensetzung nach Anspruch 1, weiterhin umfassend
einen oder mehrere Bestandteile, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus:
(d) Mitteln zum Einstellen der Verbrennungsgeschwindigkeit, ausgewählt aus Kohlenstoff,
Metallpulvern und Borpulver; und
(e) Katalysatoren, die die Verbrennung steuern, ausgewählt aus Metalloxiden.
Gaserzeugende Zusammensetzung nach Anspruch 2, umfassend höchstens
5 Gew.% des Bestandteils (d) und höchstens 5 Gew.% des Bestandteils (e).
Gaserzeugende Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder 2, wobei der Verbrennungsbeschleuniger,
der als Bestandteil (c) verwendet wird, mindestens einen Bestandteil umfasst, ausgewählt
aus Kaliumnitrat, Natriumnitrat, Strontiumnitrat, Kaliumnitrit, Natriumnitrit, Ammoniumperchlorat,
Natriumperchlorat, Kaliumperchlorat, Natriumchlorat und Kaliumchlorat.
Gaserzeugende Zusammensetzung nach Anspruch 2 oder 3, wobei der Katalysator,
der die Verbrennung steuert und der als Bestandteil (e) verwendet wird, mindestens
einen Bestandteil umfasst, ausgewählt aus Kupferoxid, Eisenoxid, Zinkoxid, Cobaltoxid
und Manganoxid.
Gaserzeugende Zusammensetzung nach Anspruch 1, umfassend 6 bis 16 Gew.%
eines Polyacrylamids, das als Bestandteil (a) verwendet wird, 70 bis 85 Gew.% Ammoniumnitrat,
das als Bestandteil (b) verwendet wird, und 3 bis 12 Gew.% Kaliumperchlorat, das
als Bestandteil (c) verwendet wird.
Formkörper aus einer gaserzeugenden Zusammensetzung in Form eines Zylinders
mit einem einzigen durchgehenden Loch oder eines Zylinders mit einer Vielzahl von
durchgehenden Löchern, erhalten durch Extrudieren der gaserzeugenden Zusammensetzung
nach Anspruch 1 oder 2.
Formkörper aus einer gaserzeugenden Zusammensetzung in Form von Pellets,
erhalten durch Formpressen der gaserzeugenden Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder
2.
Formkörper aus einer gaserzeugenden Zusammensetzung in Form eines Films,
erhalten durch Formen der gaserzeugenden Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder 2
zu einem Film.
Aufblasvorrichtung für einen Airbag, umfassend die gaserzeugende Zusammensetzung
nach Anspruch 1 oder 2.