Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines organischen
und organisch-mineralischen Düngemittels unter Verwendung von Vinasse.
Aus Melassefermentationspropzessen werden Zuckerrüben- und Zuckerrohr-Vinassen
gewonnen. Für die Verwendung von Vinasse als organisches Düngemittel ist nach dem
derzeitigen Stand der chemischen Technologie die Zuckerrüben-Vinasse von der Menge
her vorrangig. Der größer werdende Anteil von Rohrzucker-Vinasse in der Verwendung
als Düngemittel durch geeignete Technologien in der Aufbereitung der Melasse ist
anzunehmen, zumal der Bedarf an organischen Düngemitteln weltweit steigt.
In der novellierten Düngemittelverordnung vom 26. November 2003 ist
die Vinasse eine organische N-K-Lösung auf der Basis weitgehend entzuckerter Rübenmelasse.
Die so definierte Vinasse ist als seuchenhygienisch unbedenklicher Dünger zugelassen.
Vinasse ist frei von Krankheitskeimen; sie ist nach guter fachlicher Praxis anzuwenden.
Die Durchschnittsgehalte der Zuckerrübenvinasse werden wie folgt angegeben:
3.5% N, 7.5% K2O, 0,2–0,5% MgO und P2O5 und
50% organische Masse.
Von der in großen Mengen zur Verfügung stehenden Zuckerrohrmelasse
wird z. Zt. nur ein geringer Teil zu Vinasse kondensiert. Die alleinige Nutzung
der Rohrvinasse zur Düngung ist ebenso gegeben wie die Vermischung mit Rübenvinasse.
Zum Stand der Agrartechnik gehört, dass die Vinassen in flüssiger
Form auf die landwirtschaftlichen Flächen gesprüht werden. Das ist in der Tat aufwendig
und bedarf besonderer Gerätschaften, die nicht stets vorhanden sind. Die Anschaffung
von eigens dafür geeigneter Tankwagen mit jeweiligen Spritzvorrichtungen ist notwendig.
Es wurde nun gefunden, dass durch Vermischen der Vinasse mit Feststoffen
und durch nachfolgendes Agglomerieren die flüssigen Vinassen anteilig in Feststoffdünger
umgewandelt werden können. Diese Feststoffdünger, Granulate oder Pellets, können
mit den vorhandenen, in der Sandwirtschaft gebräuchlichen Düngerstreuern auf den
Äckern ausgebracht werden. Dadurch kann der Einsatz von Vinassen in der landwirtschaftlichen
Düngung um ein Vielfaches gesteigert werden. Insbesondere kann dadurch der bekannte
Mangel an Stickstoff für die biologische Landwirtschaft verringert, wenn nicht sogar
behoben werden. Denn der Anreiz ist gegeben, große Mengen an Rübenzucker- und Rohrzuckervinassen
herzugestellen, weil zum Ausbringen der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
Düngemittel keine Spezialfahrzeuge benötigt werden.
Die nach dem Verfahren hergestellten Agglomerate können in üblicher
Weise auch für den Garten- und Gärtnereibedarf in handliche Verpackung gefüllt und
so in den Handel gebracht werden. Der nach dem Verfahren hergstellte Dünger eignet
sich für Pflanzen aller Art, z. B. für Blumen, Gemüse und Obst.
Die verfahrenstechnisch beschriebene Herstellung des Düngers kann
hinsichtlich der späteren Verwendung entsprechende "Rezepturen" aufweisen.
Erfindungsgemäß sind zur Herstellung der hier beschriebenen Düngemitteln
beide Arten der Vinasse allein oder in Mischung miteinander einsetzbar.
Vinassen sind Flüssigkeiten, deren Anteile an Feuchtigkeit bei der
Rübenvinasse 30–45% und bei der Rohrvinasse 45–60% betragen. Produkte
mit diesen Flüssigkeitsgehalten sind nicht problemlos agglomerierbar. Sie lassen
sich jedoch durch Zugabe von Feststoffen agglomerieren. Die Feststoffe müssen feinteilig
sein. Sie werden umgangssprachlich als Pulver oder Mehle bezeichnet Hierzu gehören
z. B. Tonmehle, Bentonite, Kalkmehle, Carbokalk, Gesteinsmehle u.a.
Neben den erwähnten anorganischen Naturstoffen werden vorzugsweise
organische Stoffe als Feststoffe verwendet werden. Hierzu gehören beispielsweise
Stroh, Grünabfälle, Federmehl, Hornmehl, Guano, Fleischmehl, Mist, Kompost, Torf,
Rindenabfälle, Rindenmulch und andere pflanzenverträgliche, zur Düngung geeignete
organische Stoffe.
Neben den genannten Feststoffen kann auch Gülle verwendet werden.
Es ist bekannt, dass Gülle mit Vinasse mischbar ist. Ausserdem sind Verfahren bekannt,
Gülle mit organischen Stoffen, z. B. mit gemahlenem Stroh zu agglomerieren und dann
zu kompostieren (DE 39 32 002 C2;
DE 199 00 071 A1). Ein solcher
Kompost kann zur Herstellung des erfindungsgemäßen Düngers verwendet werden.
Wenn grobteilige Feststoffe eingesetzt werden, dann sind sie zuvor
durch Zerkleinerung aufzubereiten und zwar unter 5 mm, vorzugsweise unter 2 mm.
Zu den grobteiligen Feststoffen gehören z. B. Stroh, Grünabfälle, Kompost, Mist
und Rindenabfälle
Grobteilige organische Feststoffe wie Grünabfälle, Kompost, Mist u.a.
enthalten in der Regel Feuchtigkeiten über 25%. Solche Feststoffe sind mit den gebräuchlichen
Zerkleinerungsmaschinen nicht unter 5 mm, denn unter 2 mm zu zerkleinern.
Es ist ein Gegenstand der Erfindung, dass solche organischen Feststoffe
vor der Zerkleinerung getrocknet werden. Hierfür eignen sich die bekannten Trockner
wie z. B. Band- oder Trommeltrockner. Die organischen Feststoffe sollen bis auf
eine Restfeuchte von unter ca. 25% getrocknet werden. So getrocknet können sie mit
den gebräuchlichen Zerkleinerungsmaschinen/Mühlen auf die gewünschte Körnung von
unter 5 mm gemahlen werden.
In der Agglomerationstechnik wird unterschieden zwischen der Rollagglomeration,
auch als Granulierung bezeichnet, und der Pressagglomeration, auch Pelletierung
genannt. Für die Rollgranulierung eignen sich Maschinen wie Granulierteller, Granulierkonus
und Granuliertrommel, insbesondere die sogenannte DELA-Trommel, die zum Austrag
hin ansteigt.
Zum Zwecke der Granulierung wird die flüssige Vinasse in die Granulierräume
– Trommel, Konus oder Teller – dosiert und die feinteiligen Feststoffe
über eine regelbare Fördereinrichtung vorteilhafterweise unmittelbar dort zugegeben,
wo die Vinasse in einen der genannten Granulierräume einläuft.
Durch den Drehvorgang der Maschinen und den Kontakt zwischen der Vinasse
und den Feststoffteilchen bilden sich Granulate. Die Größe der Granulate kann über
die Parameter Umdrehungsgeschwindigkeit, Winkelstellung der Granulierräume und Zulaufmengen
an Flüssigkeit und Feststoff beeinflusst werden.
Zur Erzeugung von Granulaten eignen sich als feinteilige Feststoffe
die zuvor bereits erwähnten Tiermehle wie Federmehl, Hornmehl, Fleischmehl u.a.,
sowie anorganische Mehle wie Tonmehl, Kalkmehl, Gesteinsmehl u.a.
Bei der Agglomeration durch Pressung wird zur Vorbereitung die Vinasse
mit zerkleinerten organischen oder anorganische Feststoffen gemischt und anschließend
gepresst. Die Zusammensetzung der Mischung muss so erfolgen, dass eine pressfähige
Mischung entsteht. Zum Erreichen der pressfähigen Mischung können der Aufmahlungsgrad
und die Mischungsanteile der zugesetzten Feststoffe beitragen. Die Wahl der Mischungskomponenten
ist entscheidend für die Pressfähigkeit. Hierfür stehen sowohl organische als auch
natürliche anorganische Feststoffe zur Verfügung, die gleichzeitig Düngungscharakter
und eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit aufweisen müssen. Beispielsweise können
als Feststoffe zerkleinerter Kompost und Gesteinmehl zugemischt werden.
Die Notwendigkeit nach einer der genannten Arten der Agglomeration
einen Trocknungsvorgang in den Verfahrensablauf einzuschalten, ist abhängig von
der Art der verwendeten Feststoffe. Nach einem Trocknungsvorgang soll die Restfeuchte
unter 30% liegen. Saugfähige Feststoffe, insbesondere solche, die ein relativ hohes
Porenvolumen aufweisen, können einen Trocknungsvorgang erübrigen. Dazu gehört beispielsweise
das Naturprodukt Diatomeenerde; bekannt auch unter der Bezeichnung Kieselgur. Kieselgur
ist Siliziumdioxid, das aus den Überresten der Kieselpanzer von Diatomeen entstanden
ist und geeignet ist, Flüssigkeiten aufzunehmen. Ebenso kann beispielsweise gebrannter
Gips (CaSO4 1/2N2O) wegen seiner Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen,
verwendet werden.
Das Trocknen der Agglomerate trägt dazu bei, die Festigkeit der Agglomerate
zu steigern. Eine Erhöhung der Festigkeit kann erfindungsgemäß auch dadurch erzielt
werden, dass selbsthärtende Feststoffe, wie z. B. Zement, der Mischung beigegeben
werden. Die Festigkeit der Agglomerate verbessert deren Streufähigkeit. Eine zu
geringe Festigkeit kann zur Staubbildung führen. Der entstandene Staub kann verweht
und damit der beabsichtigten Düngung entzogen werden. Die erfindungsgemäß erzielte
Festigkeit der hergestellten Agglomerate ist also notwendig, um deren Streufähigkeit
mit den üblichen Düngerstreuern zu erreichen und zu garantieren. Zur Streufähigkeit
der Agglomerate zählt auch deren Größe, um eine möglichst große Streubreite zu erreichen.
Granulate, die durch die Rollgranulation hergestellt werden, sollen
vorzugsweise eine Körnung zwischen 2 mm bis 8 mm aufweisen. Das Überkorn wird einem
Zerkleinerungsvorgang zugeführt, während das Unterkorn einer Mischung vor der Agglomeration
beigegeben wird.
Die durch Pressen hergestellten Pellets haben in der Regel eine zylindrische
Form. Üblich sind Durchmesser von 4 bis 6 mm und Längen von 6 bis 10 mm.
Für die Herstellung von sogenannten Pellets werden Pelletierpressen
benutzt. Man unterscheidet Schneckenpressen, Pressen mit Ringmatrizen und solche
mit Flachmatrizen.
Die nach den beschriebenen Verfahren hergstellten organischen und
organisch-mineralischen Produkte sind ebenfalls Gegenstand der Erfindung. Ihr neuartiger
Charakter besteht vor allem darin, dem ökologischen Landbau mehr Stickstoff über
organische Dünger zur Verfügung zu stellen und organische Produkte der Kreislaufwirtschaft
umweltfreundlich zu verarbeiten und so zu einer besseren Umwelt beizutragen.