Technisches Gebiet
Diese Erfindung bezieht sich allgemein auf das Metallraffinieren,
wobei dem schmelzflüssigen Metall von einer Stelle über der Oberfläche des schmelzflüssigen
Metalls Sauerstoff zugeführt wird, und sie ist bei einer Verwendung mit Stahlraffinierverfahren
wie z. B. dem Sauerstoffaufblasverfahren besonders nützlich.
Stand der Technik
Bei dem Raffinieren von Metallen wie z. B. der Herstellung von Stahl
unter Verwendung des Sauerstoffaufblasverfahrens (BOP) wird Sauerstoff in das schmelzflüssige
Metallbad eingeleitet, um mit Bestandteilen des schmelzflüssigen Metalls zu reagieren,
von denen einige in einer schmelzflüssigen Schlacke enthalten sind, die zusammen
mit dem schmelzflüssigen Metall das schmelzflüssige Bad ausbildet. Diese Reaktionen
dienen zur Zufuhr von Wärme zu dem schmelzflüssigen Metall, um einerseits dazu beizutragen,
das Metall in einem schmelzflüssigen Zustand zu halten, und andererseits dazu zu
dienen, unerwünschte Bestandteile zu entfernen, um die für das Endprodukt erwünschte
chemische Zusammensetzung der Schmelze zu erreichen.
Der Sauerstoff kann dem schmelzflüssigen Bad von einer Stelle über
der Badoberfläche wie z. B. in der BOP-Praxis oder von einer Stelle unter der Oberfläche
des schmelzflüssigen Bades wie z. B. in der Praxis des Schnellsauerstoffaufblasverfahrens
(Q-BOP) und in der Praxis der Argon-Sauerstoff-Entkohlung (AOD) zugeführt werden.
Die Zufuhr von Sauerstoff zu dem schmelzflüssigen Bad von einer Stelle
über der schmelzflüssigen Badoberfläche ist weniger kompliziert und weniger kostspielig
als eine Sauerstoffzufuhr zu dem schmelzflüssigen Bad von einer Stelle unterhalb
der schmelzflüssigen Badoberfläche, da das letztere Verfahren den Verschleiß der
feuerfesten Materialen erhöht, eine häufige Ersetzung der untergetauchten Einblasvorrichtungen
wie z. B. der Blasformen aufgrund der durch die untergetauchte Sauerstoffeinblasung
erzeugten rauen Umgebung erfordert und die Verwendung eines inerten oder Kohlenwasserstoff-Umhüllungsgases
zum Schutz der Blasformen notwendig macht. Die hohen Kosten kommen zustande durch
den höheren Verbrauch an feuerfesten Materialen, durch die Kosten der Umhüllungsgase
und Ersatzblasformen, und die durch die erforderliche Blasformenersetzung auftretende
Stillstandszeit. Allerdings ist ein Sauerstoffeinblasen von oben bei dem Metallraffinieren
weniger effektiv als ein Einblasen von unten her, da mit Einblaspraktiken von oben
her ein geringeres Vermischen des schmelzflüssigen Metallbades bewerkstelligt wird.
Dies führt im allgemeinen zu niedrigeren Erträgen für Metallraffinier-Einblasverfahren
von oben gegenüber vergleichbaren Einblasverfahren von unten her. Zum Beispiel ist
der Eisen- und Manganertrag bei Konverterverfahren eines Sauerstoffeinblasens von
oben wie z. B. dem BOP niedriger als die jeweiligen Erträge bei Konverterverfahren
eines Sauerstoffeinblasens von unten wie z. B. dem Q-BOP, da für ein adäquates Vermischen
des Metalls und der Schlacke eine nur ungenügende Gasumrührenergie zur Verfügung
steht. Weiterhin ist der Verbrauch von Aluminium für die Stahldesoxidation bei dem
BOP im Vergleich zu dem Q-BOP aufgrund eines höheren Gehalts von gelöstem Sauerstoff
an dem Ende des Raffinierverfahrens höher.
Eine Möglichkeit zur Adressierung dieses Problems besteht in einem
Einblasen des Sauerstoffs von sowohl ober- wie unterhalb der Oberfläche des schmelzflüssigen
Metalls. Dies verringert zwar etwas die Kosten, die mit einer Sauerstoffeinblasung
von unterhalb der Oberfläche des schmelzflüssigen Metalls und der Häufigkeit der
Blasformenersetzung verbunden sind, jedoch wäre nun der Betrieb von zwei separaten
Sauerstoffzufuhrsystemen erforderlich. Eine weitere Möglichkeit zur Adressierung
dieses Problems besteht in einem Einblasen des Sauerstoffs in den Ofenkopfraum von
einem nur kurzen Abstand von der Oberfläche des schmelzflüssigen Metalls aus, um
eine zusätzliche Vermischung des Metalls und der Schlacke mindestens über einen
Teil des Sauerstoffeinblaszeitraums hinweg bereitzustellen. Jedoch ist diese Praxis
aufgrund des erhöhten Verschleißes der Sauerstoffeinblaslanze immer noch unbefriedigend.
Insofern das BOP bei etwa 60% der weltweiten Stahlherstellung benutzt
wird, wäre jede Verbesserung bezüglich Verfahren eines Sauerstoffeinblasens von
oben wie z. B. dem BOP hoch erwünscht.
Dementsprechend besteht eine Aufgabe dieser Erfindung in der Bereitstellung
eines verbesserten Verfahrens zum Raffinieren von Metall, das eine Sauerstoffzufuhr
zu dem schmelzflüssigen Metall von oberhalb der Oberfläche des schmelzflüssigen
Metalls verwendet und welches dem schmelzflüssigen Metallbad auf effektive Weise
eine Gasrührenergie zuführen kann, ohne die Integrität der Sauerstoffeinblaslanze
zu beeinträchtigen.
Zusammenfassung der Erfindung
Die obigen und weitere Aufgaben, die dem Fachmann anhand dieser Beschreibung
deutlich werden, werden durch die vorliegende Erfindung gelöst, die ein Verfahren
gemäß Anspruch 1 zum Raffinieren eines schmelzflüssigen Metallbades ist, das Eisen,
Silizium und Kohlenstoff enthält.
Wie hier verwendet bezeichnet der Begriff "Kopfraum" denjenigen Raum,
der über der ruhenden schmelzflüssigen Badoberfläche und unter derjenigen Ebene
liegt, die durch die oberste Öffnung des Metallraffinierofens ausgebildet wird.
Wie hier verwendet bezeichnet der Begriff "kohärenter Strahl" einen
Gasstrom, der seiner Länge entlang einen im wesentlichen konstanten Durchmesser
aufweist.
Wie hier verwendet bezeichnet der Begriff "Entkohlen" die Kohlenstoffentfernung
von schmelzflüssigem Metall, indem Kohlenstoff mit Sauerstoff zur Reaktion gebracht
wird, damit Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid ausgebildet wird.
Wie hier verwendet bezeichnet der Begriff "Überschall-Strahllänge"
die Länge eines Strahls aus einer Düse, dessen Axialgeschwindigkeit, gemessen bei
Umgebungsatmosphärenbedingungen, Überschallgeschwindigkeit beträgt.
Wie hier verwendet bezeichnet der Begriff "Axialgeschwindigkeit" die
Geschwindigkeit eines Gasstroms an seiner axialen Mittellinie entlang.
Wie hier verwendet bezeichnet "Strahlkraft" die berechnete Eindringkraft
des Strahls, die proportional ist zu dem Produkt der Gasdichte und des Quadrats
der Gasgeschwindigkeit, integriert innerhalb der durch die ursprüngliche Düsenfläche
definierten Fläche des Gasstroms, die gleich &pgr;d2/4 ist.
Wie hier verwendet bezeichnen "Umgebungsatmosphärenbedingungen" das
Vorliegen von Umgebungsluft bei einer Temperatur in dem Bereich von –17,8°C
bis 37,8°C (0 bis 100° Fahrenheit). Für die Zwecke dieser Erfindung sind
die hier nützlichen Gasstrahlen 23 und 30 solche Strahlen, die
die im folgenden festgelegten Kriterien bezüglich der Axialgeschwindigkeit und der
Aufrechterhaltung der Strahlkraft bei einer Strahllänge von 30 d erfüllen, wenn
sie unter Modelltestbedingungen und Umgebungsatmosphärenbedingungen getestet werden.
Gasstrahlen mit einer Axialgeschwindigkeit von weniger als Mach 1 und einer Strahlkraft
von weniger als 20% der ursprünglichen Strahlkraft bei einer Strahllänge von 30
d werden im folgenden dadurch gekennzeichnet, dass sie eine "breite Kontaktfläche
mit dem schmelzflüssigen Metall" aufweisen. Gasstrahlen mit einer Axialgeschwindigkeit
von größer als Mach 1 und einer Strahlkraft von größer als 50% der ursprünglichen
Strahlkraft bei einer Strahllänge von 30 d werden im folgenden dadurch gekennzeichnet,
dass sie über eine "kleinere Kontaktfläche mit dem schmelzflüssigen Metall" verfügen.
Wie hier verwendet bezeichnen "Modelltestbedingungen" die folgenden
Bedingungen. Die Strahlen werden in einer Freiluft-Testeinrichtung Himmel charakterisiert.
Die Strahlen werden ausgebildet und in die Umgebungsluft eingeblasen, wobei die
Struktur des Strahls unter Verwendung eines Pitot-Rohrs abgetastet wird. Das Pitot-Rohr
misst den dynamischen Druck des strömenden Gases, aus dem verschiedene Strahleigenschaften
bestimmt werden können. Diese Abtastung kann sich im dreidimensionalen Raum bewegen,
sodass eine vollständige räumliche Bestimmung möglich wird. Typischerweise wird
nur einer der Strahlen abgetastet und es wird davon ausgegangen, dass die nicht
abgetasteten Strahlen identisch zu dem abgetasteten Strahl ausfallen. Die erstellten
Messungen betreffen 1) das axiale dynamische Druckprofil (Mittellinie) und 2) das
radiale dynamische Druckprofil (entnommen an verschiedenen axialen Positionen).
Die Machzahl, Geschwindigkeit und Kraftprofile werden aus den Pitot-Rohr-Messungen
unter Verwendung wohlbekannter gasdynamischer Beziehungen berechnet.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
1 ist eine repräsentative Illustration
und stellt die erste Phase bzw. weiche Einblasperiode des Metallraffinierverfahrens
dieser Erfindung dar.
2 ist eine repräsentative Illustration
und zeigt die zweite Phase bzw. harte Einblasperiode des Metallraffinierverfahrens
dieser Erfindung.
3 ist eine frontale Ansicht einer bevorzugten
Ausführungsform einer für die Praxis dieser Erfindung nützlichen Lanze.
Die Bezugsziffern in den Zeichnungen sind für die allgemeinen Elemente
die Gleichen.
Ausführliche Beschreibung
Die Erfindung wird nun ausführlich mit Bezug auf die Zeichnungen sowie
mit Bezug auf ihre Verwendung in einem BOP beschrieben werden.
1 illustriert einen Sauerstoffaufblasofen
20, in dem eine Charge 21 raffiniert wird, um Stahl zu erzeugen.
Die Charge weist typischerweise schmelzflüssiges Eisen wie z. B. heißes
Metall aus einem Hochofen, Stahlschrott, und Schlacke ausbildende Mittel wie z.
B. Kalk, dolomitischen Kalk oder Fluorit auf. Die Charge hat typischerweise eine
Siliziumkonzentration von etwa 0,05 bis 2,0 Gew.-% und eine Kohlenstoffkonzentration
von etwa 4 bis 4,5 Gew.-%.
Während der ersten Phase bzw. weichen Einblasperiode des gesamten
Sauerstoffeinblaszeitraums wird Raffiniersauerstoff von einer Sauerstofflanze
22 in einem oder mehreren Gasströmen 23 in den
Kopfraum 24 des Ofens 20 eingeblasen. In der in 1
illustrierten Ausführungsform wird eine Mehrzahl von Gasströmen 23 verwendet.
In dieser ersten Phase des gesamten Sauerstoffeinblaszeitraums wird ein sauerstoffhaltiger
Gasstrom, der mindestens etwa 80% Sauerstoff und vorzugsweise reinen Sauerstoff
aufweist, in der Form von Sauerstoffstrahlen 23 ausgestoßen, die eine breite
Kontaktfläche mit der Oberfläche des schmelzflüssigen Metallbades bereitstellen.
Wie noch ausführlicher beschrieben werden wird, ist in dieser ersten Phase des Sauerstoffraffinierverfahrens
eine relativ breite Kontaktfläche mit der Oberfläche des schmelzflüssigen Metallbades
und jeglichem nicht geschmolzenen Schrott erwünscht, um die Ausbildung von FeO und
SiO2 zu unterstützen, die den Schmelzpunkt der Schlacke absenken, und
um die mit diesen Reaktionen verbundene Wärme freizusetzen, damit ein schnelles
Schmelzen und eine Ausbildung des schmelzflüssigen Schlacketeils des schmelzflüssigen
Bades unterstützt wird. Die Reaktion eines Teils des eingeblasenen Sauerstoffgases
mit CO in dem Kopfraum des Behälters stellt zusätzliche Wärme bereit, damit die
schmelzflüssige Schlacke rasch ausgebildet und der Schrott zusätzlich geschmolzen
wird. Die Gasstrahlen 23 treten durch Lavaldüsen aus, die einen konvergierenden
Abschnitt, einen sich verengenden Abschnitt und einen divergierenden Austrittsabschnitt
mit einem Auslassdurchmesser d und einer Austrittsgeschwindigkeit aufweisen, welche
Mach 1 übersteigt und typischerweise in dem Bereich von Mach 1,5 bis Mach 2,5 liegt.
Für ein gesteigertes Mitreißen der Umgebungsatmosphäre in die Sauerstoffstrahlen
23 und eine dadurch stattfindende Verbreiterung der Kontaktfläche dieser
Strahlen werden die Gasstrahlen 23 durch eine Gashülle 25 umgeben,
die ein sekundäres sauerstoffhaltiges Gas und mindestens ein inertes Gas aufweist.
Das bevorzugte inerte Gas ist Stickstoff. Weitere in der Praxis dieser Erfindung
anwendbare inerte Gase beinhalten Argon, Kohlendioxid und Helium. Die Durchflussraten
des sekundären sauerstoffhaltigen Gases und des inerten Gases liegen jeweils typischerweise
in dem Bereich von zwei (2) bis zehn (10) Prozent des gesamten Stroms aller Gasstrahlen
23. Die Sauerstoffstrahlen 23 interagieren mit der Umgebungsatmosphäre,
um ein Gebiet mit turbulentem Vermischen zu erzeugen, welches die Umgebungsatmosphäre
mitreißt und bewirkt, dass die Sauerstoffstrahlen 23 ihre Strahlgeschwindigkeit
und -kraft verlieren, sodass bei einem Abstand von 30 d von dem Düsenaustritt bei
Umgebungsatmosphärenbedingungen die Axialgeschwindigkeit der Gasstrahlen
23 weniger als Mach 1 und die Strahlkraft weniger als 20%, vorzugsweise
jedoch weniger als 10% der ursprünglichen Strahlkraft an dem Düsenaustritt beträgt.
Dieser Verlust an Strahlkraft ist ein Maß dafür, wie weit die Gasstrahlen
23 ausgebreitet werden, damit sie weniger weit eindringen, einen größeren
Oberflächenkontakt und eine höhere chemische Reaktion mit der Umgebungsatmosphäre,
mit nicht geschmolzenem Schrott und mit der Oberfläche des schmelzflüssigen Bades
bereitstellen.
Die Sauerstoffgasströme 23 weisen bei ihrer Injektion in
den Kopfraum 24 von der Lanze 22 aus eine Überschallgeschwindigkeit
auf, aber aufgrund des inerten Gases in der Gashülle, die den/die Raffiniersauerstoff-Gasstrom/ströme
von der Atmosphäre innerhalb des Ofenkopfraums abschirmt, fällt die Geschwindigkeit
der Gasströme 23 rasch und signifikant auf Unterschallgeschwindigkeit ab,
bevor die Ströme 23 die Oberfläche der Metallcharge 21 erreichen.
Die Überschall-Strahllänge jeder der Gasströme 23 beträgt weniger als 30
d. Wenn die Geschwindigkeit der Gasströme 23 die Schallgeschwindigkeit
unterschreitet, breitet sich jeder der Gasströme 23 mit einem Halbwinkel
von etwa 10° aus, wodurch ihre Durchmesser erhöht werden und ein weicher, d.
h. weniger stark eindringender Strom sowie ein großes Ausmaß an Oberflächenkontakt
mit der Umgebungsatmosphäre und mit der Oberfläche des schmelzflüssigen Bades bewerkstelligt
wird. Da der Kopfraum oxidierbare Spezies wie z. B. Kohlenmonoxid enthält, würde,
wenn die Strömung des inerten Gases nicht in der Nähe des/der Raffiniersauerstoffstroms/ströme
vorhanden wäre, die Raffiniersauerstoffströme einer begrenzten Verbrennungsreaktion
unterzogen werden, die ein Ausbreiten verhindern würde.
Während oder vor dieser ersten Phase bzw. weichen Einblasperiode des
Sauerstoffeinblaszeitraums werden Flussmittel wie z. B. Kalk und Dolomit zu der
Charge hinzugefügt, um die erwünschten chemischen Eigenschaften der Schlacke zu
bewerkstelligen und um ausgebildetes Siliziumdioxid zu neutralisieren. Die weich
eingeblasenen Sauerstoffströme treten mit einem größeren Teil der Chargenoberfläche
in Kontakt, um rascher und gleichförmiger mit Kohlenstoff, Silizium und anderen
metallischen Komponenten in der Charge zu reagieren, damit die Flussmittel geschmolzen
werden und eine schmelzflüssige Schlacke 26 innerhalb des Kopfraums über
der Oberfläche des schmelzflüssigen Metalls ausgebildet wird, welche die erwünschten
chemischen Eigenschaften aufweist, um die Ofenauskleidung zu schützen und die Entfernung
von Verunreinigungen wie z. B. Phosphor und Schwefel zu erleichtern. Weiterhin werden
die weich eingeblasenen Sauerstoffströme weniger wahrscheinlich durch nicht geschmolzenen
Schrott reflektiert, der zu Beginn des Sauerstoffblaszeitraums vorliegen kann, was
andernfalls zu einer Beschädigung der Lanze oder der Ofenauskleidung führen könnte.
Darüber hinaus dient die sich ausbreitende Beschaffenheit der weich eingeblasenen
Sauerstoffströme dazu, eine signifikante Menge an Kopfraumatmosphäre in den Strömen
23 mitzureißen. Die Kopfraumatmosphäre enthält einen hohen Prozentsatz
an Kohlenmonoxid und ein Teil des mitgerissenen Kohlenmonoxids wird mit dem
Sauerstoff in den Gasströmen 23 zur Ausbildung von Kohlendioxid verbrannt.
Die sich ergebende Wärme, die durch diese Verbrennung freigesetzt wird, erhöht die
Menge an Schrott, der geschmolzen werden kann, was die Kosten verringert und die
Produktivität erhöht. Der in der Gashülle 25 enthaltene zusätzliche Sauerstoff
reagiert auch mit Kohlenmonoxid, was das Ausmaß an während dieser anfänglichen bzw.
weichen Einblasperiode erzeugter Wärme zusätzlich erhöht. Die erste Phase bzw. weiche
Einblasperiode wird fortgeführt, solange mindestens 50% und vorzugsweise mindestens
75% des Siliziums in dem schmelzflüssigen Metall oxidiert und zu Siliziumdioxid
umgewandelt worden ist.
Auf die erste Phase bzw. weiche Einblasperiode des Sauerstoffeinblaszeitraums
folgt eine zweite Phase bzw. harte Einblasperiode. Im allgemeinen macht die weiche
Einblasperiode einen Anfangsanteil von 10 bis 90% und vorzugsweise von 20 bis 80%
des gesamten Zeitraums aus, der aus der anfänglichen weichen Einblasperiode und
der nachfolgenden harten Einblasperiode ausgebildet wird. Die Übergangsperiode von
weichem zu hartem Einblasen hängt von der Ansprechzeit des Gassteuerungssystems
ab und liegt typischerweise in dem Bereich von 5 bis 90 s.
2 illustriert den Betrieb des Verfahrens
dieser Erfindung während der zweiten Phase bzw. Der harten Einblasperiode. Ein wichtiger
Vorteil dieser Erfindung besteht darin, dass die Lanze 22 während der harten
Einblasperiode nicht so nahe an die Oberfläche der schmelzflüssigen Bades wie bei
der konventionellen BOF-Praxis gebracht werden muss und zugleich immer noch Vorteile
durch eine hohe Vermischungsenergie ermöglicht werden.
Nun auf 2 Bezug nehmend wird während
der zweiten Phase bzw. harten Einblasperiode Raffiniersauerstoff in einem oder mehreren
Gasströmen 30 von der Lanze 22 in den Kopfraum 24 eingeblasen.
In der in 2 illustrierten Ausführungsform wird eine
Mehrzahl von Gasstrahlen 30 verwendet. Die Gasstrahlen 30 treten
durch Lavaldüsen aus, die mit einem konvergierenden Abschnitt, einem sich verengenden
Abschnitt und einem divergierenden Austrittsabschnitt versehen sind und eine Austrittsgeschwindigkeit
aufweisen, die Mach 1 übersteigt und typischerweise in dem Bereich von Mach 1,5
bis Mach 2,5 liegt. Im Unterschied zu der ersten Phase, in der Sauerstoff und inertes
Gas in einer Hülle um die Gasstrahlen herum bereitgestellt wurden, werden in der
zweiten Phase Sauerstoff und ein brennbares Fluid um die Gasstrahlen 30
herum zugeführt. Dieser Sauerstoff und das brennbare Fluid verbrennen, um eine Flammenhülle
31 um die Gasstrahlen 30 herum auszubilden. Die Durchflussrate
des Sauerstoffs und des brennbaren Gases werden so gewählt, dass eine Flammenhülle
erzeugt wird, die ein Mitreißen der Umgebungsatmosphäre in den Gasstrahlen
30 minimiert und die Aufrechterhaltung hinsichtlich der Axialgeschwindigkeit,
der Bewegungs- und der Vermischungsenergie der Strahlen maximiert. Typischerweise
liegt jeder dieser Gasströme in dem Bereich von zwei (2) bis zehn (10) Prozent des
gesamten Stroms aller Gasstrahlen 30. Die Flammenhülle 31 dient
dazu, eine Barriere zwischen den Gasstrahlen 30 und der Atmosphäre des
Kopfraums 24 auszubilden, wodurch die Kopfraumatmosphäre davon abgehalten
wird, in den Gasstrahlen 30 mitgerissen zu werden. Infolgedessen ist die
Axialgeschwindigkeit der Gasstrahlen 30 bei einem Abstand von 30 d zu dem
Düsenaustritt, wenn sie unter Umgebungsatmosphärenbedingungen getestet wird, durch
eine Axialgeschwindigkeit charakterisiert, die größer als Mach 1 und in der bevorzugten
Ausführungsform im wesentlichen gleich wie die Entwurfsaustrittsgeschwindigkeit
der Gasstrahlen 30 ist, und die Strahlkraft ist größer als 50% und vorzugsweise
größer als 70% der ursprünglichen Strahlkraft an dem Düsenaustritt. Diese größere
Aufrechterhaltung der Strahlaxialgeschwindigkeit und der Strahlkraft während der
zweiten Phase ist eine Maßangabe für den Grad, mit dem die Gasstrahlen
30 ihr Vermögen zu einem Auftreffen auf die Badoberfläche mit einer sehr
hohen Bewegungsenergie über eine relativ kleinere Fläche hinweg beibehalten, wodurch
dem schmelzflüssigen Bad mehr Vermischungsenergie zugeführt wird. Diese größere
Vermischungsenergie der Gasstrahlen 30 verbessert die Entkohlung des schmelzflüssigen
Metallbades und dadurch die Effizienz des Raffinierverfahrens.
Jeder Gasstrahl 30 wird in den Kopfraum von einer Düse aus
injiziert, die typischerweise eine konvergierende/divergierende Düse mit einem Auslassdurchmesser
(d) ist. Jeder Gasstrahl 30 weist eine Überschall-Strahllänge von mindestens
30 d und bis zu 50 d oder mehr auf. Darüber hinaus ist jeder Gasstrahl
30 kohärent und behält seine Kohärenz über mindestens einen Teil des Abstands
innerhalb des Kopfraums von der Einblasstelle der Lanze 22 zu der Oberfläche
der Charge 21 hinweg bei. Im allgemeinen ist jeder Gasstrahl
30 kohärent und behält seine Kohärenz über einen Abstand von mindestens
30 d und bis zu 50 d oder mehr von seiner Injektion in den Kopfraum aus seiner Einblasdüse
an der Lanze 22 aus bei. Der/die Gasstrahlen) 30 kann können eine
Überschall-Strahllänge aufweisen und kann können über im wesentlichen den gesamten
Abstand innerhalb des Kopfraums von der Lanze zu der Oberfläche des schmelzflüssigen
Bades hin kohärent bleiben.
Die axiale Überschallgeschwindigkeit und die kohärente Natur des/der
Sauerstoffstrahls/en während der harten Einblasperiode ermöglichen es, dass der/die
Sauerstoffstrahlen mit einer sehr hohen Bewegungsenergie auf die Oberfläche des
schmelzflüssigen Metalls über eine relativ kleine Fläche hinweg
auftreffen, die kleiner als die Kontaktfläche während der ersten Phase ist, wodurch
die verfügbare Vermischungsenergie, die durch den/die Gasstrahlen) zu dem schmelzflüssigen
Metall geführt wird, maximiert und konzentriert wird. Dies wird in 2
durch die tiefe Eindringung 32 der Sauerstoffstrahlen in das schmelzflüssige
Metall dargestellt, was zu einem verbesserten Vermischen von Schlacke und Metall
mit einem geringeren Eisenoxidgehalt in der Schlacke und/oder gelöstem Sauerstoff
in dem raffinierten Metall, einem höheren Ertrag, geringeren Spritzern und Funken,
einer höheren Produktivität und einem niedrigeren Kohlenstoffgehalt des raffinierten
Metalls führt. Die zweite Phase des gesamten Raffinierens oder die Sauerstoffkontaktdauer
wird fortgeführt, bis das schmelzflüssige Metallbad entkohlt worden ist, um im wesentlichen
einen angestrebten Kohlenstoffpegel aufzuweisen, der typischerweise von etwa 0,03
bis 0,15 Gew.-% beträgt.
An dem Ende der zweiten Phase bzw. harten Einblasperiode wird die
Lanze aus dem Ofen herausgezogen und der/die Raffiniersauerstoffstrahl/strahlen
sowie das Oxidationsmittel und das brennbare Fluid für die Flammenhülle werden abgeschaltet.
Anschließend wird der Ofen geneigt, um den raffinierten Stahl in eine Gießpfanne
zu gießen. Zum Erhalt der erwünschten chemischen Endeigenschaften des Stahls und
zum Entfernen von unerwünschtem Sauerstoff, der in dem Stahl gelöst ist, werden
Legierungen und Desoxidationsmittel wie z. B. Aluminium und Silizium hinzugefügt.
3 illustriert eine bevorzugte Anordnung
eines Lanzenkopfes, der zur Durchführung des Verfahrens dieser Erfindung benutzt
werden kann. Nun auf 3 Bezug nehmend sind vier Sauerstoffdüsen
5 gezeigt, die an einer Stirnseite 7 einer Lanze 22 angeordnet
sind. In der Praxis dieser Erfindung werden vorzugsweise von 1 bis 6 und am bevorzugtesten
von 3 bis 5 Sauerstoffdüsen verwendet, wobei jede Sauerstoffdüse einen weich eingeblasenen
Gasstrom und anschließend einen hart eingeblasenen kohärenten Überschall-Gasstrahl
bereitstellt. Die Sauerstoffdüsen 5 werden vorzugsweise unter einem von
der Mittellinie der Lanze aus nach außen weisenden Winkel angeordnet, der in dem
Bereich von etwa 6 bis 20° liegen kann. Wie in 3
dargestellt sind die Sauerstoffdüsen 5 vorzugsweise in einem Kreis an der
Stirnseite 7 der Lanze 22 angeordnet. Sauerstoffströme werden
aus den Düsen 5 sowohl während der anfänglichen weich eingeblasenen wie
während den nachfolgenden harten Einblasperioden des Verfahrens der Erfindung ausgestoßen.
An der Stirnseite 7 der Lanze 22 befinden sich ebenfalls
ein innerer Ring von Löchern 8 und ein äußerer Ring von Löchern
9. Vorzugsweise und wie in 3 dargestellt sind
die äußeren Löcher 9 zu den inneren Löchern an jeweiligen Radien an der
Lanzenstirnseite ausgerichtet. Sowohl der innere Ring von Löchern wie der äußere
Ring von Löchern liegen in einer kreisförmigen Anordnung um die Sauerstoffdüse(n)
herum vor. Während der anfänglichen weichen Einblasperiode wird Sauerstoff aus dem
äußeren Ring von Löchern 9 und inertes Gas wie z. B. Stickstoff wird aus
dem inneren Ring von Löchern 8 herausgeleitet, um die Gashülle auszubilden,
welche den/die weich eingeblasenen Gasstrom/ströme umgibt und die Expansion des/der
weich eingeblasenen Gasstroms/ströme ermöglicht. Der durch den äußeren Ring von
Löchern 9 ausgeleitete Sauerstoff ist ein mindestens 80 Molprozent Sauerstoff
aufweisendes Fluid. An dem Ende der weichen Einblasperiode wird die Inertgasströmung
durch die Löcher 8 angehalten und durch den Strom von brennbarem Fluid,
d. h. Brennstoff ersetzt. Der bevorzugte Brennstoff ist Methan oder Erdgas. Weitere
in der Praxis dieser Erfindung verwendbare Brennstoffe beinhalten Propan, Butan,
Butylen, Wasserstoff, Koksofengas und Öl. Der Brennstoff vermischt sich mit dem
durch die äußeren Löcher 9 zugeführten Sauerstoff und verbrennt mit diesem,
um die Flammenhülle auszubilden. Diese umgibt den/die hart eingeblasenen Sauerstoffstrahl/en
und dient dazu, letztere kohärent und über mindestens einen Teil des Abstands hinweg
bei einer Überschallgeschwindigkeit zu halten, wenn der/die Strahl/en von der Lanze
zu der Oberfläche des schmelzflüssigen Metalls laufen.
Obgleich die Erfindung ausführlich mit Bezug auf eine bestimmte bevorzugte
Ausführungsform im Zusammenhang mit der BOP-Praxis beschrieben worden ist, verstehen
sich für den Fachmann weitere Ausführungsformen der Erfindung, die in den Rahmen
der Ansprüche fallen. Zum Beispiel kann die Erfindung mit unter der Oberfläche stattfindenden
Einblasverfahren wie z. B. dem Q-BOP und dem AOD-Verfahren angewendet werden. Weiterhin
könnte dort, wo das inerte Gas oder das brennbare Fluid und der Sauerstoff durch
alternierende Löcher der Zufuhranordnung strömen, diese Zufuhranordnung einen einzelnen
Ring von Löchern um die Raffiniersauerstoffdüse(n) herum aufweisen. Anstelle von
Ringen von Löchern 8 und 9 wie in 3
dargestellt könnte zudem auch eine andere Zufuhranordnung wie z. B. ringförmige
Öffnungen um die Raffiniersauerstoffdüse(n) herum verwendet werden.