Die Erfindung betrifft einen flammhemmenden Füllstoff auf Basis von Aluminiumhydroxid, seine Verwendung in Polymeren und ein Verfahren zu seiner Herstellung, bei dem Aluminiumhydroxid in Form von Bayerit oder einer Bayerit/Gibbsit-Mischung bei Temperaturen von mindestens 170°C in Gegenwart von Wasser und Kristallwachstumsregulator unter Druck modifiziert wird.
Beschreibung[de]
Die vorliegende Erfindung betrifft einen flammhemmenden Füll-stoff,
ein Verfahren zu seiner Herstellung und seine Verwendung in Kunststoffen und Kautschuk.
Es ist seit langem bekannt Kunststoffe und Kautschuk, allgemein im
Folgenden Polymersysteme genannt, mit mineralischen Füllstoffen flammhemmend auszurüsten.
Als mineralische Füllstoffe sind in dieser Hinsicht Metallhydroxide, insbesondere
Aluminiumhydroxide (wie beispielsweise ATH) und Magnesiumhydroxide verwendet worden.
Die Metallhydroxide werden dabei allein oder in Kombination miteinander und gegebenenfalls
in Kombination mit weiteren, auch organischen, beispielsweise halogenhaltigen Flammschutzadditiven
eingesetzt.
Die Flammschutzwirkung beruht dabei im Wesentlichen auf einer endothermen
Zersetzung der Kristalle, der Freisetzung von Wasser in Form von Wasserdampf, einem
Verdünnungseffekt der Polymermatrix und in gewissem Ausmaß der Bildung einer mehr
oder weniger festen Ascheschicht („Verkohlung"), die eine gewisse mechanische
Stabilisierung des brennenden Polymers zur Folge hat. Dadurch kann beispielsweise
brennendes Abtropfen reduziert oder sogar ganz vermieden werden. Ferner wirkt die
verkrustete Ascheschicht an der Oberfläche des brennenden Polymers als eine Art
„Schutzbarriere" für die darunter liegenden Polymerschichten, wodurch ein
schnelles Weiterbrennen vermieden werden kann.
Ferner ist der Einsatz einer Kombination solcher Metallhydroxide mit
Tonmineralien, insbesondere organisch interkalierte Schichtsilikate, für diesen
Zweck beispielsweise aus der EP 0 333 514
A1, der WO-A-00/68312 und der WO-A-00/66657 bekannt.
Ein Nachteil der bekannten flammhemmenden Füllstoffe ist jedoch, dass
sich der enthaltene Mineralstoff bereits bei Temperaturen zersetzt, die im Verlauf
des Herstellungsverfahrens oder Verarbeitungsverfahrens für damit ausgerüstete Polymersysteme
auftreten. So beginnt ATH sich bereits ab etwa 200 °C zu zersetzen. Dies schließt
seine Verwendung in solchen Polymersystemen aus, die bei wesentlich höheren Temperaturen
verarbeitet werden müssen, wie beispielsweise Polyamid (PA) oder Polybutylenterephthalat
(PBT). Auch in Leiterplatten für gedruckte Schaltungen, wo Löten mit hoher Temperatur
notwendig ist (beispielsweise 288°C in sog. FR-4 Leiterplatten) kann Standard-ATH
nicht oder nur bedingt eingesetzt werden.
Ein weiterer Nachteil kann die Unverträglichkeit zwischen den Mineralien
und den Kunststoffen sein. So gibt es beispielsweise eine Unverträglichkeit bei
Magnesiumhydroxid und Polyestern. Diese lässt sich z.B. in einem übermäßig starken
Drehmomentanstieg als Anzeichen für eine chemische Reaktion (Viskositätsanstieg)
in einem Haake-Laborkneter bei Verwendung von ca. 30–50 Gew.-% Magnesiumhydroxid
in PBT feststellen.
Außerdem haben Flammschutzsysteme, die Kombinationen von Metallhydroxiden
oder halogenierten Flammschutzmitteln mit organisch interkalierten Tonmineralien
(Schichtsilikate) beispielsweise auf Basis von Bentonit oder Hektorit (sog. „Nanoclays")
umfassen, die nachteilige Eigenschaft, sich beim Erhitzen zu stark zu verfärben.
Dies ist im Wesentlichen auf das Tonmaterial zurückzuführen, das auf natürliche
Materialien basiert, die variierende Mengen an und Arten von Verunreinigungen enthalten.
Ein weiterer Grund für das Auftreten von Verfärbungen beim Einsatz von Nanoclays
ist die begrenzte thermische Stabilität der für die Modifizierung der natürlichen
oder synthetischen Schichtsilikate eingesetzten chemischen Verbindungen wie z.B.
(aber nicht ausschließlich) die sog. quartären Ammoniumsalze. Beispiele hierfür
sind: Distearyldimethylammoniumchlorid oder Stearylbenzyldimethylammoniumchlorid.
Ein weiterer Nachteil der Verwendung der genannten Schichtsilikate
besteht darin, dass ihre flammhemmende Wirkung erst durch ein Delaminieren (auch
Exfolieren genannt) der einzelnen Silikatschichten zu Stande kommt. Dies geschieht
i.d.R. entweder bei der Synthese des Polymeren oder während der Mischungsherstellung
in gängigen Mischaggregaten wie beispielsweise Innenmischern oder Buss Ko-Knetern
oder Doppelschneckenextrudern oder auch auf Walzwerken. So können unterschiedliche
Mischvorschriften oder Maschinen zu unterschiedlichen, teilweise nicht reproduzierbaren
Ergebnissen führen. Die Kosten für solche Materialien sind darüberhinaus sehr viel
höher als für Metallhydroxide wie ATH.
Der vorliegenden Erfindung hat daher die Aufgabe zugrunde gelegen,
einen flammhemmenden Füllstoff bereitzustellen, der preiswert ist, synthetisch hergestellt
werden kann, sich erst bei höheren Temperaturen zersetzt als es bei Aluminiumhydroxid
der Fall ist, weniger Verfärbung bei höheren Temperaturen zeigt als Kombinationen
von Metallhydroxid oder halogenierten Flammschutzmitteln mit organisch interkalierten
Schichtsilikaten und eine günstigere Aschebildung zeigt als die bekannten Materialien,
wobei insgesamt die Flammschutzeigenschaften möglichst noch verbessert sind.
Diese Aufgabe wird durch einen flammhemmenden Füllstoff gelöst, der
aus Aluminiumhydroxid in Form von Bayerit oder einer Bayerit/Gibbsit-Mischung durch
Hydrothermalbehandlung bei einer Temperatur von mindestens 170 °C in Gegenwart
von Wasser und Kristallwachstumsregulator unter Druck herstellbar ist, wobei der
Bayerit-Anteil in einer Bayerit/Gibbsit-Mischung, bezogen auf das Gewicht von Bayerit
und Gibbsit, im Bereich von 50 bis 100 %, insbesondere 70 bis 100 %, bevorzugt 80
bis 100 %, besonders bevorzugt 90 bis 100% liegt.
Die Erfindung umfasst den flammhemmenden Füllstoff als solchen, das
Herstellungsverfahren für diesen Füllstoff, seine Verwendung und damit ausgerüstete
Polymersysteme. Bevorzugte Ausführungsformen des Verfahrens sind Gegenstand der
jeweiligen Unteransprüche.
Es wurde überraschenderweise gefunden, dass der erfindungsgemäße Füllstoff
sehr gute Flammschutzeigenschaften zeigt, dabei aber preiswert unter Einsatz einfacher
Mittel hergestellt werden kann. Insbesondere die außerordentliche Temperaturstabilität,
eine geringe Verfärbungsneigung und die sehr günstige Bildung einer Ascheschicht
bzw. die Konsistenz der gebildeten Ascheschicht sind absolut unerwartet. Insbesondere
sind diese sehr guten flammhemmenden Eigenschaften dadurch überraschend und unerwartet,
da es sich bei den erzeugten Füllstoffvarianten um Böhmitkristalle (AlOOH) handelt.
Im Gegensatz zum Aluminiumhydroxid (Al(OH)3) ist die für die endotherme
Zersetzung benötigte Energie bei Böhmiten wesentlich geringer als bei Al(OH)3,
wodurch die flammhemmende Wirkung üblicherweise wesentlich verschlechtert wird.
Der Ausgangsstoff für die Herstellung des erfindungsgemäßen flammhemmenden
Füllstoffes ist eine wässrige Aluminiumhydroxid-Suspension (eine Bayerit-Suspension
oder insbesondere eine Suspension einer Bayerit/Gibbsit-Mischung). Der Bayerit-Anteil
in einer solchen Bayerit/Gibbsit-Mischung liegt, bezogen auf das Gewicht von Bayerit
und Gibbsit, im Bereich von 50 bis 100, insbesondere 70 bis 100%, bevorzugt 80 bis
100, besonders bevorzugt 90 bis 100.
Der als Ausgangsmaterial eingesetzte Bayerit kann beispielsweise gemäß
dem in der EP 1 206 412 B1 beschriebenen
Verfahren hergestellt werden, siehe dort insbesondere die Offenbarung auf Seite
3, Absatz 21. Gegebenenfalls wird Gibbsit in der gewünschten Menge zugesetzt, wobei
die BET-Oberfläche und die Teilchengröße zuvor durch geeignete Wahl der Kristall-Fällungsparameter
des Gibbsits und gegebenenfalls durch Mahlung auf den gewünschten Bereich eingestellt
werden können.
Der erfindungsgemäße flammhemmende Füllstoff kann aus dem eingesetzten
Aluminiumhydroxid durch eine Hydrothermalbehandlung hergestellt werden, die die
Anwesenheit von Wasser bei Temperaturen von mindestens 170 °C bis max. 340 °C,
insbesondere mindestens 190 °C bis 250 °C oder 190 °C bis 215 °C
unter Druck erfordert. Gleichzeitig ist zum Erhalt des erfindungsgemäßen Füllstoffs
die Anwesenheit eines Kristallwachtumsregulators erforderlich.
Das eingesetzte Aluminiumhydroxid weist vorzugsweise eine spezifische
Oberfläche von 1 bis 100 m2/g, insbesondere 10 bis 60m2/g,
und bevorzugt 20 bis 40 m2/g, besonders bevorzugt etwa 30 m2/g auf.
Ferner weist das eingesetzte Aluminiumhydroxid eine mittlere Teilchengröße
d50 von 0,1 bis 10 &mgr;m, vorzugsweise 0,5 bis 4 &mgr;m, insbesondere
1 bis 3 &mgr;m, besonders bevorzugt etwa 2 &mgr;m auf.
Vorzugsweise weist eine eingesetzte Aluminiumhydroxid-Mischung (Bayerit/Gibbsit-Mischung)
eine spezifische Oberfläche nach BET von ca. 30 m2/g und einem d50-Wert
vorzugsweise zwischen 0,1 und 5 &mgr;m, insbesondere zwischen 0,5 und 4 &mgr;m,
und bevorzugt zwischen 0,9 und 2,5 &mgr;m, besonders bevorzugt ca. 2 &mgr;m auf.
Die Menge an eingesetztem Aluminiumhydroxid liegt beispielswiese im
Bereich von 1 bis 30 Gew.%, vorzugsweise 5 bis 20 Gew.%, insbesondere 6 bis 10,
beispielsweise 8 Gew.%, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht von
Wasser und Aluminiumhydroxid. Es wird also im wesentlichen eine wässrige Suspension
von Aluminiumhydroxid eingesetzt, die den jeweils angegebenen Gehalt an festem Aluminiumhydroxid
(Bayerit oder Bayerit/Gibbsit-Mischung) aufweist.
Die Hydrothermalbehandlung, die die Modifizierung bewirkt, erfolgt
unter Druck, der beispielsweise in einem Bereich von 7 bis 144,2 bar, insbesondere
12 bis 54,3 bar, bevorzugt bis 23 bar liegt. Ein solcher Druck kann sich beispielsweise
autogen in einem Autoklaven aufbauen.
Der Zeitraum, der für die Hydrothermalbehandlung zur Herstellung des
erfindungsgemäßen flammhemmenden Füllstoffs notwendig ist, hängt auch von den jeweils
eingesetzten Materialien, Mengen und Temperatur- und Druckbedingungen ab. Beispielsweise
kann die Hydrothermalbehandlung über einen Zeitraum von mindestens 10 Minuten, insbesondere
mindestens 15 Minuten, bevorzugt mindestens 30 Minuten, bevorzugter mindestens etwa
1 Stunde oder länger erfolgen, wobei Zeiträume von bis zu 2 Tagen, insbesondere
bis zu 24 Stunden, bevorzugter bis zu 5 Stunden möglich sind.
Als Kristallwachstumsregulator kann beispielsweise eine Säure eingesetzt
werden, wobei der pH-Wert dabei vorzugsweise im Bereich von 0,5 bis 6, insbesondere
1 bis 5 liegt und bevorzugt 1 bis 4,5 liegt. Besonders bevorzugt ist er kleiner
als 4.
Es kann aber auch eine Base als Kristallwachstumsregulator eingesetzt
werden, wobei der pH-wert dabei vorzugsweise im Bereich von 10 bis 14, insbesondere
11 bis 14 liegt und bevorzugt 12 bis 14 liegt. Besonders bevorzugt ist er größer
als 12.
Als eine solche kristallwachstumsregulierende Säure kann beispielsweise
Salzsäure (HCl) oder Amidosulfonsäure (NH2SO3H) eingesetzt
werden. Die dabei eingesetzte Säure beeinflusst die makroskopische Kristallstruktur.
Beispielsweise ergibt sich bei Zusatz von Salzsäure eine faserige Kristallstruktur,
während der Zusatz von Amidosulfonsäure zu einer plättchenförmigen Kristallform
führt. Die Menge an Säure richtet sich dabei nach dem gewünschten pH-Wert.
Als kristallwachstumsregulierende Base kann alternativ beispielsweise
Natronlauge (NaOH) eingesetzt werden. Die Menge an Base richtet sich dabei wiederum
nach dem gewünschten pH-wert. Unter Zugabe von Natronlauge (pH > 12) ergibt sich
eine ovale/ellipsenförmige Kristallstruktur.
Der entstandene modifizierte Feststoff wird nach dem Abkühlen, z.B.
auf 50–60 °C oder weniger, von der wässrigen Flüssigkeit abgetrennt, beispielsweise
durch Filtration, anschließend gewaschen, beispielsweise mit Wasser, und getrocknet.
Die Trocknung kann auf einem üblichen Weg erfolgen. Geeignet ist beispielsweise
Trocknung in einem Ofen bei mindestens 105°C mit ggf. erforderlicher anschließender
mechanischer Zerkleinerung in einer hierfür geeigneten Mühle, z.B. einer Stiftmühle,
einer Kugelmühle oder einer Prallmühle.
Ein bevorzugtes Trocknungsverfahren ist die Sprühtrocknung in handelsüblichen
Sprühtürmen, wie sie beispielsweise von der Fa. Niro erhältlich sind. Als Trockengas
wird vorzugsweise Luft eingesetzt, deren Menge und Temperatur vorteilhaft so bemessen
wird, dass sie eine Austrittstemperatur von 100 bis 150°C hat. Die Sprühtrocknung
wird vorteilhaft an einer Suspension durchgeführt. Dabei wird der vorzugsweise mit
Wasser gewaschene Feststoff erneut in Wasser re-suspendiert. Der Feststoffgehalt
der Suspension liegt dabei zwischen 5 und 15 Gew.-%, kann aber durch Zugabe eines
geeigneten Dispergiermittels bis ca. 50 Gew.-% gesteigert werden. Geeignete Dispergiermittel
sind beispielsweise Salze der Polyacrylsäure, Ameisensäure oder Essigsäure. Sie
können in den hierfür üblichen Mengen verwendet werden, beispielsweise in einer
Menge von 0,01 bis 5 Gew-%, bevorzugt von 0,05 bis 1 Gew-%. Bei geeigneter Auslegung
des Sprühturms kann alternativ auch eine Pastenversprühung erfolgen.
Der erfindungsgemäße flammhemmende Füllstoff kann zur Flammschutzausrüstung
von Polymeren, d.h. Thermoplaste, Elastomere und Duroplaste, eingesetzt werden (unvernetzt
und ggf. vernetzt). Das Polymer kann insbesondere ein thermoplastisches Polymer
(z.B. Polyolefin, Vinylpolymer, Styrolpolymer, Po1yacrylat), ein thermoplastisches
Polykondensat (z.B. Polyamid, Polyester) oder ein duroplastisches Polykondensat
(z.B. Phenol-Kunststoffe, ungesättigte Polyesterharze) oder ein Polyaddukt (z.B.
Epoxidharze, Polyurethane) sein. In Frage kommen sowohl die Homo- als auch die Copolymere
sowie geeignete Mischungen aus mindestens zwei der Polymeren. Bevorzugt sind dabei
die (thermoplastischen oder vernetzten) Polyolefine und deren Copolymere wie z.B.
PE, LDPE, LLDPE, HDPE, EVA, EEA, EMA, EBA, PP, auch die Kautschuke und PVC.
Der erfindungsgemäße flammhemmende Füllstoff kann allein oder zusammen
mit anderen bekannten flammhemmenden Füllstoffen eingesetzt werden, insbesondere
mit Aluminiumhydroxid (ATH), Magnesiumhydroxid (MDH), einem halogenhaltigen Flammschutzmittel,
Phosphor bzw. organischen Phosphorverbindungen, oder auch stickstoffhaltigen Flammschutzmitteln
(wie z.B. Melamincyanurat).
Ein entsprechend ausgerüstetes Polymersystem enthält den erfindungsgemäßen
Füllstoff in einer für Flammschutzzwecke ausreichenden Menge. Geeignet sind beispielsweise
0,1 bis 250 Teile (phr), insbesondere 5 bis 150 Teile (phr), bevorzugt 10 bis 120
Teile (phr), besonders bevorzugt 15 bis 80 Teile (phr) des erfindungsgemäßen Füllstoffs,
bezogen auf 100 Teile (phr) des Kunststoffs. Sollten noch andere flammhemmende Füllstoffe
eingesetzt werden, liegt ihre Menge im Allgemeinen im Bereich von 249,9 bis 0 Teile
(phr), bezogen auf 100 Teile (phr) des Kunststoffes. Die Angabe „phr" bedeutet
dabei „Teile (parts) pro hundert Teile (per hundred parts) Polymer".
Der erfindungsgemäße flammhemmende Füllstoff kann beispielsweise aus
einer wässrigen Bayerit-Gibbsit-Suspension unter Zugabe mindestens eines Kristallwachstumsregulators
hydrothermal in einem Autoklaven hergestellt werden. Ein geeigneter Autoklav besitzt
eine Heizvorrichtung zur Einstellung der erforderlichen Endtemperatur, ist hinreichend
säure- und druckbeständig und mit einem Rührwerk ausgestattet. Als Kristallwachstumsregulator
wird z.B. mindestens eine Säure oder mindestens eine Base eingesetzt. Im Anschluss
an den hydrothermalen Prozess wird der erhaltene Feststoff über einen geeigneten
Filter, z.B. einen Papierfilter, abfiltriert und in ca. 80 °C heißes, destilliertes
Wasser zweimal neu re-suspendiert und erneut abfiltriert. Bei diesem Waschprozess
wird pro 100 g Feststoff mindestens 1,5 l Wasser eingesetzt.
Daran anschließend erfolgt die Trocknung, beispielsweise bei mindestens
105 °C in einem Ofen. Im Anschluss an die Ofentrocknung erfolgt eine Zerkleinerung
z.B. mit einem Mörser. Alternativ kann hierzu auch eine Mühle, z.B. eine Stiftmühle,
eingesetzt werden. Alternativ zur Ofentrocknung kann eine Trocknung auch in einem
Sprühturm erfolgen. Dazu wird der erfindungsgemäße Füllstoff nach dem letzten Waschvorgang
erneut re-suspendiert. Vorteilhaft geschieht dies mit destilliertem Wasser und einem
Feststoffgehalt von ca. 10 Gew.-%. Um den Feststoffgehalt zu steigern, können geeignete
Dispergiermittel, beispielsweise Salze der Polyacrylsäure, eingesetzt werden.
Es kann aber auch mittels eines Bandtrockners oder durch Verfahren
getrocknet werden, bei denen das Produkt mit heißer Luft verwirbelt und dabei durch
eine Art Mühle gefördert wird.
Die Herstellung von Böhmit unter hydrothermalen Bedingungen mit Aluminiumhydroxid
als Rohstoff ist bereits bekannt.
In der WO 98/58876 wird die Herstellung von Böhmit beschrieben, allerdings
aus einer Fällungsreaktion einer übersättigten Natriumaluminatlösung bei Temperaturen
unter 100°C.
In der US-A-6 143 816 wird ein hydrothermales Verfahren zur Herstellung
von Böhmit beschrieben, bei dem das Ausgangsmaterial Hydrargillit und kein (vorzugsweise
durch Mahlen aktiviertes) Bayerit ist. Ferner wird kein Kristallwachstumsregulator
verwendet. Diese Kristalle zeigen nicht die erfindungsgemäßen hervorragenden Flammschutzeigenschaften
in Kunststoffen, wie das Anwendungsvergleichsbeispiel V5 in den Tabellen 1 und 2
belegt.
In der US-A-S 401 703 und in der US-A-5 306 680 wird ein hydrothermaler
Prozess beschrieben, wobei Aluminiumhydroxid in einer wässrigen oder alkalischen
Lösung unter Druck behandelt wird. Als Ausgangsmaterial wurde nur „Aluminiumhydroxid"
angegeben. In dem erfindungsgemäßen Füllstoffbeispiel 2 wurde das Bayerit/Gibbsit-Gemisch
ebenfalls in einer alkalischen Lösung hydrothermal behandelt. Die in 3
gezeigten Kristallite sind jedoch rundlich bzw. oval ausgebildet und haben nicht
die in der US-A-5 401 703 und der US-A-S 306 680, 4
und 5 gezeigte eckige Kristallstruktur. Diese
eckige Kristallstruktur erhält man allerdings, wenn man wie in der US-A-S 306 680
beschrieben, den Füllstoff wie in Füllstoff-Vergleichsbeispiel 1 angegeben herstellt.
In der US-A-6 080 380 wird ein hydrothermaler Prozess beschrieben,
bei dem allerdings Aluminiumhydroxid als Rohstoff bei Temperaturen oberhalb 300
°C und entsprechend hohen Drücken zu Aluminiumoxid umgewandelt wird.
Das folgende Füllstoff-Vergleichsbeispiel 1 zeigt das Ergebnis einer
dem Stand der Technik entsprechenden Herstellung von Böhmit, nicht aber einer erfindungsgemäßen
Herstellung von Böhmit.
Füllstoff-Vergleichsbeispiel 1
Dazu wurden 5 l einer wässrigen Gibbsit-Suspension mit einem Feststoffanteil
von 80 g/l in einem 10 l-Autoklav vorgelegt. Das Gibbsit (=Hydrargillit) hatte einen
mittleren Korndurchmesser von 1,3 &mgr;m. Unter ständigem Rühren wurde die Suspension
bis zu 230 °C aufgeheizt und 14 Minuten lang autogen bei dieser Temperatur gehalten.
Danach wurde die Suspension auf Raumtemperatur gekühlt, abfiltriert, mit destilliertem
Wasser gewaschen und bei 105 °C 24 Stunden lang getrocknet und mittels eines
Mörsers de-agglomeriert. 1 zeigt eine REM-Aufnahme
des nicht erfindungsgemäßen Füllstoff-Vergleichsbeispiels 1. Die einzelnen Kristalle
haben weder eine ovale/ellipsenförmige Struktur, noch sind sie faserförmig oder
plättchenförmig.
Die in den folgenden erfindungsgemäßen Füllstoff-Beispielen verwendete
wässrige Bayerit/Gibbsit-Suspension hatte einen Feststoffgehalt von 80 g/l. Die
spezifische Oberfläche gemäß BET betrug 30 m2/g mit einer mittleren Teilchengröße
d50 von 2 &mgr;m.
Füllstoffbeispiel 1 (Erfindung)
Im vorliegenden Füllstoffbeispiel 1 wurde in einem 10 l-Autoklav 5
l der Bayerit/Gibbsit-Suspension vorgelegt. Danach wurde als Kristallwachstumsregulator
Amidosulfonsäure zugefügt, bis sich ein pH-Wert von 1,7 einstellte. Anschließend
wurde die Suspension unter ständigem Rühren in dem Autoklaven auf 210 °C aufgeheizt
(Aufheizrate ca. 2 °C/min) und unter ständigem Rühren eine Stunde lang bei dieser
Temperatur gehalten. Der Druck im Autoklaven stellt sich dabei autogen entsprechend
der vorliegenden Temperatur ein. Danach erfolgte unter Rühren eine Abkühlung auf
50 bis 60 °C (Kühlrate: ca. 1,5 °C/min). Die Suspension wurde anschließend
mittels Filterpapier abfiltriert. Der so erhaltene Filterkuchen wurde daraufhin
zweimal in destilliertes Wasser re-suspendiert und erneut abfiltriert. Bei jeder
Re-Suspension wurden pro 100 g Feststoff 1,5 l destilliertes Wasser verwendet.
Im Anschluss daran wurde das Filtrat erneut in destilliertem Wasser
re-suspendiert mit einem Feststoffgehalt von 10 Gew.-% und anschließend mit einem
Technikumssprühtrockner (Niro Atomizer, Typ „Minor Production") versprüht.
Der Durchsatz des Sprühturms betrug ca. 2,5 kg/h Feststoff, die Zulufttemperatur
ca. 500 °C und die Ablufttemperatur 120 bis 130 °C. 2
zeigt eine REM-Aufnahme des erfindungsgemäßen Füll-stoffbeispiels 1.
Der auf diese Weise hergestellte, erfindungsgemäße Füllstoff kann
anschließend als Flammschutzmittel in Polymermischungen eingesetzt werden. Dies
kann auch in Kombination mit beispielsweise herkömmlichem ATH, MDH, halogenhaltigen,
phosphor- oder stickstoffhaltigen Flammschutzmitteln oder sonstigen flammhemmenden
Additiven erfolgen.
Der erhaltene Füllstoff läßt sich wie folgt charakterisieren:
Kristalliner Böhmit, plättchenförmig
BET: zwischen 70 und 150 m2/g
d10: 0, 2 bis 0, 5 &mgr;m
d50: 0, 5 bis 3, 0 &mgr;m
d90: 3, 0 bis 7, 0 &mgr;m
Einzelne, unregelmäßig erscheinende plättchenförmige Kristalle, die
teilweise zu einer unregelmäßigen Kornstruktur gemäß 2
zusammenwachsen. Die einzelnen Kristalle (nicht gemeint sind die aus den Kristallen
zusammengesetzten Körner) haben eine Dicke von etwa 0,03 bis 0,08 &mgr; und passen
in einen Kreis mit einem Durchmesser bis max. ca. 0,35 &mgr;m.
Füllstoffbeispiel 2
Im vorliegenden Füllstoffbeispiel 2 wurde in einem 10 l-Autoklav 5
l der Bayerit-Hydrargillit-Suspension vorgelegt. Anschließend wurde als Kristallwachstumsregulator
konzentrierte Natronlauge zugefügt, bis sich ein pH-Wert von 13 einstellte. Danach
wurde die Suspension unter ständigem Rühren in dem Autoklaven auf 180 °C aufgeheizt
(Aufheizrate ca. 2 °C/min) und unter ständigem Rühren drei Stunden lang bei
dieser Temperatur gehalten. Der Druck im Autoklaven stellt sich dabei autogen entsprechend
der vorliegenden Temperatur ein. Danach erfolgte unter Rühren eine Abkühlung auf
50 bis 60 °C (Kühlrate: ca. 1,5 °C/min). Die Suspension wurde anschließend
mittels Filterpapier abfiltriert. Der so erhaltene Filterkuchen wurde anschließend
zweimal in destilliertes Wasser re-suspendiert und erneut abfiltriert. Bei jeder
Re-Suspension wurden pro 100 g Feststoff 3 l destilliertes Wasser verwendet.
Im Anschluss daran wurde das Filtrat während 16 Stunden lang in einem
Ofen bei 105 °C getrocknet und zum De-Agglomerieren leicht gemörsert.
3 zeigt eine REM-Aufnahme des erfindungsgemäßen Füllstoffbeispiels
2.
Der auf diese Weise hergestellte, erfindungsgemäße Füllstoff kann
anschließend als Flammschutzmittel in Polymermischungen eingesetzt werden. Dies
kann auch in Kombination mit beispielsweise herkömmlichem ATH, MDH, halogenhaltigen,
phosphoroder stickstoffhaltigen Flammschutzmitteln oder sonstigen flammhemmenden
Additiven erfolgen.
Der erhaltene Füllstoff läßt sich wie folgt charakterisieren:
Kristalliner Böhmit, oval bis ellipsenförmig
BET: zwischen 8 und 40 m2/g
d10: 0, 4 bis 0, 7 &mgr;m
d50: 0, 7 bis 2, 2 &mgr;m
d90: 2, 2 bis 4, 5 &mgr;m
Ovale/ellipsenförmige Kristalle, die nicht oder kaum agglomerieren
(d.h. keine bzw. kaum Kornbildung) gemäß 3. Die einzelnen
Kristalle haben eine Dicke von ca. 0,1 bis 0,2 &mgr;m mit einer Länge der großen
Achse von ca. 1,6 bis 3,2 &mgr;m und einer Länge der kleinen Achse von ca. 1,4 bis
2,0 &mgr;m.
Füllstoffbeispiel 3
Im vorliegenden Füllstoffbeispiel 3 wurde in einem 10 l-Autoklav 5
l der Bayerit-Gibbsit-Suspension vorgelegt. Anschließend wurde als Kristallwachstumsregulator
Salzsäure zugefügt, bis sich ein pH-Wert von 1,7 einstellte. Danach wurde die Suspension
unter ständigem Rühren in dem Autoklaven auf 210 °C aufgeheizt (Aufheizrate
ca. 2 °C/min) und unter ständigem Rühren drei Stunden lang bei dieser Temperatur
gehalten. Der Druck im Autoklaven stellt sich dabei autogen entsprechend der vorliegenden
Temperatur ein. Danach erfolgte unter Rühren eine Abkühlung auf 50 bis 60 °C
(Kühlrate: ca. 1,5 °C/min). Die Suspension wurde anschließend mittels Filterpapier
abfiltriert. Der so erhaltene Filterkuchen wurde anschließend zweimal in destilliertes
Wasser re-suspendiert und erneut abfiltriert. Bei jeder Re-Suspension wurden pro
100 g Feststoff 1,5 l destilliertes Wasser verwendet.
Im Anschluss daran wurde das Filtrat 16 Stunden lang in einem Ofen
bei 105 °C getrocknet und zum De-Agglomerieren leicht gemörsert. 4
zeigt eine REM-Aufnahme des erfindungsgemäßen Füllstoffbeispiels 3.
Der erhaltene Füllstoff läßt sich wie folgt charakterisieren:
Kristalliner Böhmit, faserförmig
BET: zwischen 80 und 150 m2/g
d10: 0, 04 bis 0, 15 &mgr;m
d50: 0, 15 bis 0, 8 &mgr;m
d90: 0, 8 bis 2, 0 &mgr;m
Faserförmige Kristallstruktur gemäß 4,
die teilweise zu kugelförmigen Gebilden (Körner) zusammenwachsen. Länge der einzelnen
Fasern: ca. 0,3 bis 3 &mgr;m, Durchmesser ca. 0,05 bis 0,15 &mgr;m.
Der auf diese Weise hergestellte, erfindungsgemäße Füllstoff kann
anschließend als Flammschutzmittel in Polymermischungen eingesetzt werden. Dies
kann auch in Kombination mit beispielsweise herkömmlichem ATH, MDH, halogenhaltigen,
phosphoroder stickstoffhaltigen Flammschutzmitteln oder sonstigen flammhemmenden
Additiven erfolgen.
Anwendungsbeispiele
Im Folgenden sind Anwendungsbeispiele für die mit dem erfindungsgemäßen
Füllstoff (Füllstoffbeispiel 1, 2 und 3) ausgerüsteten Kunststoffe zusammen mit
Vergleichsprodukten (Anwendungsvergleichsbeispiele V1 bis V5) sowohl hinsichtlich
der Zusammensetzung (Tabelle 1) als auch den relevanten Testergebnissen (Tabelle
2) angegeben.
Die Mischungen sind alle in einer dem Fachmann bekannten üblichen
Art und Weise auf einem Walzwerk (Typ W150M der Fa. Collin) hergestellt worden.
Nach der Mischungsherstellung auf dem Walzwerk wurden mittels einer
Zweiplattenpresse Kunststoffplatten hergestellt, aus denen die für die weiteren
Tests notwendigen Probekörper ausgestanzt wurden.
Als relevante Testwerte/-ergebnisse werden folgende Prüfungen vorgenommen:
– Cone- Kalorimeterdaten nach ASTM E 1354 bei 35 kW/m2 an 3
mm dicken Platten. Angegeben wird der „Peak Heat Release Rate"-Wert in kW/m2
(Abk.: PHRR; dies ist die maximale Leistungsabgabe pro Flächeneinheit, die im Cone-Kalorimeter
bei der Verbrennung der Probe gemessen wird). Je geringer der PHRR-Wert, desto besser
ist die Probe flammgeschützt. Angegeben wird ferner der „Time To Ignition"-Wert
in s (Abk.: TTI; dies ist der Zeitpunkt, bei der die Probe durch die Wärmebestrahlung
im Cone-Kalorimeter zu brennen beginnt). Je höher, der TTI-Wert, desto besser ist
die Probe flammgeschützt. Vorteilhaft ist demnach ein geringer PHRR-Wert bei einem
möglichst gleichzeitig hohen TTI-Wert. Vielfach wird zur weiteren Charakterisierung
der Quotient aus dem TTI- und dem PHRR-Wert berechnet (der sog. „Fire Performance
Index", FPI). Aus den Definitionen der jeweiligen Einzelgrößen geht hervor, dass
ein größerer FPI-Index eine bessere Flammschutzwirkung darstellt.
– Der Sauerstoffindex (LOI-Wert) nach ASTM D 2863 an 15 cm langen, 2 mm
dicken und 50 mm breiten Prüfkörpern. Ein höherer LOI-Wert zeigt einen besseren
Flammschutz an.
– Der UL94 V-Wert an 3.2 mm dicken Proben. Nach der UL94-V-Norm erfolgt
eine Einstufung in „nicht erfüllt: NE", V 2 (besser), V 1 (noch besser) oder
V 0 (höchste Einstufung).
Ferner wurde die Aschebildung dadurch quantifiziert, dass der im Cone-Kalorimeter
zu testende Prüfkörper vor und nach der Verbrennung gewogen wird. Hieraus lässt
sich der Quotient A aus der Masse Mn nach der Verbrennung und Mv
vor der Verbrennung berechnen:
A = Mn/Mv.
Dieser lässt sich mit dem theoretisch zu berechnenden Ascherückstandswert
Ath vergleichen. Der theoretische Ascherückstandswert Ath
berechnet sich, indem man in guter Näherung annimmt, dass alle organischen Komponenten
rückstandslos verbrennen und die Asche folglich nur aus den jeweiligen anorganischen
Komponenten, nämlich den Oxiden der beteiligten Füllstoffe besteht. So wandelt sich
Aluminiumhydroxid (ATH) Al(OH)3 und auch Böhmit AlO(OH) bekanntlich in
Al2O3 um und Magnesiumhydroxid (MDH) Mg(OH)2 in
MgO.
Rein rechnerisch lässt sich anhand der Molekulargewichte berechnen,
dass beispielsweise 100 g ATH nach vollständiger Umwandlung in die Oxidphase Al2O3
aufgrund des Wasserverlustes nur noch 65,3 g wiegen (oder prozentual 65,3%). Analog
gilt für MDH, dass sich 100 g Mg(OH)2 in 69,1 g MgO (oder prozentual
69,1%) umwandeln. Durch Glühen in einem Tiegel bei 1200 °C wurde der prozentuale
Umwandlungsfaktor bei dem erfindungsgemäßen Füllstoff zu 81,9 % bestimmt. Beispielsweise
lässt sich der theoretische Ascherückstand Ath bei einer Kunststoffrezeptur
bestehend aus:
berechnen zu:
Die Angabe „phr" bedeutet dabei „Teile (parts) pro hundert
Teile (per hundred parts) Polymer".
Je größer die Differenz
D = A – Ath
zwischen dem aus der Messung bestimmten Wert A und dem theoretischen Wert Ath
ist, desto besser ist die Aschebildung bzw. höher ist der Ascherückstand
bei der verbrannten Probe.
– Der Weißgrad nach ISO-Brightness R457 an gepressten Kunststoffplatten
mit einem Gerät der Fa. Elrepho, Typ Elrepho 2000.
Anwendungsbeispiel V1 (Vergleich)
396,9 g (=100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 595,4 g (=150 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 4,8 g (=1,2 phr) Aminosilan
Ameo der Fa. Degussa AG und 2, 9 g (=0, 75 phr) des Antioxidationsmittels Ethanox
310 der Fa. Albemarle Corporation bei einer Walzentemperatur von 140 °C zu einem
Walzfell von 1000 g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei eine
bessere Ankopplung des Füllstoffes an die Polymermatrix.
Anwendungsbeispiel V2 (Vergleich)
396,9 g (=100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 563,6 g (=142 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 31,8 g (=8 phr) des Nanoclays
Nanofil 15 der Fa. Süd-Chemie sowie mit 4,8 g (=1,2 phr) Aminosilan Ameo der Fa.
Degussa AG und 2, 9 g (=0, 75 phr) des Antioxidationsmittels Ethanox 310 der Fa.
Albemarle Corporation bei einer Walzentemperatur von 140 °C zu einem Walzfell
von 1000 g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei eine bessere
Ankopplung des Füllstoffes an die Polymermatrix.
Anwendungsbeispiel V3 (Vergleich)
396,9 g (=100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 543,8 g (=137 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 51,6 g (=13 phr) des Nanoclays
Nanofil 15 der Fa. Süd-Chemie sowie mit 4,8 g (=1,2 phr) Aminosilan Ameo der Fa.
Degussa AG und 2,9 g (=0,75 phr) des Antioxidationsmittels Ethanox 310 der Fa. Albemarle
Corporation bei einer Walzentemperatur von 140 °C zu einem Walzfell von 1000
g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei eine bessere Ankopplung
des Füllstoffes an die Polymermatrix.
Anwendungsbeispiel V4 (Vergleich)
396,9 g (=100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 416,8 g (=105 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 178,6 g (=45 phr) des nicht
erfindungsgemäßen Füllstoffs aus Füllstoff-Vergleichsbeispiel 1 sowie mit 4,8 g
(=1,2 phr) Aminosilan Ameo der Fa. Degussa AG und 2,9 g (0,75 phr) des Antioxidationsmittels
Ethanox 310 der Fa. Albemarle Corporation bei einer Walzentemperatur von 140°C
zu einem Walzfell von 1000 g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei
eine bessere Ankopplung des Füll-stoffes an die Polymermatrix.
Anwendungsbeispiel V5 (Vergleich)
396,9 g (=100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 416,8 g (=105 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 178,6 g (=45 phr) des von
der Fa. Nabaltec erhältlichen Böhmit-Füllstoffes Apyral AOH 180 sowie mit 4,8 g
(=1,2 phr) Aminosilan Ameo der Fa. Degussa AG und 2,9 g (0,75 phr) des Antioxidationsmittels
Ethanox 310 der Fa. Albemarle Corporation bei einer Walzentemperatur von 140°C
zu einem Walzfell von 1000 g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei
eine bessere Ankopplung des Füllstoffes an die Polymermatrix.
Anwendungsbeispiel 1 (Erfindung)
396,9 g (= 100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 476,3 g (= 120 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 119,1 g (= 30 phr) des
erfindungsgemäßen Füllstoffs (Füllstoffbeispiel 1) sowie mit 4,8 g (= 1,2 phr) Aminosilan
Ameo der Fa. Degussa AG und 2,9 g (0,75 phr) des Antioxidationsmittels Ethanox 310
der Fa. Albemarle Corporation bei einer Walzentemperatur von 140 °C zu einem
Walzfell von 1000 g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei eine
bessere Ankopplung des Füll-stoffes an die Polymermatrix.
Anwendungsbeispiel 2 (Erfindung)
396,9 g (=100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 416,8 g (=105 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 178,6 g (=45 phr) des erfindungsgemäßen
Füllstoffs (Füllstoffbeispiel 1) sowie mit 4,8 g (=1,2 phr) Aminosilan Ameo der
Fa. Degussa AG und 2,9 g (0,75 phr) des Antioxidationsmittels Ethanox 310 der Fa.
Albemarle Corporation bei einer Walzentemperatur von 140 °C zu einem Walzfell
von 1000 g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei eine bessere
Ankopplung des Füll-stoffes an die Polymermatrix.
Anwendungsbeispiel 3 (Erfindung)
396,9 g (=100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 416,8 g (=105 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 178,6 g (=45 phr) des erfindungsgemäßen
Füllstoffs (Füllstoffbeispiel 2) sowie mit 4,8 g (=1,2 phr) Aminosilan Ameo der
Fa. Degussa AG und 2,9 g (0,75 phr) des Antioxidationsmittels Ethanox 310 der Fa.
Albemarle Corporation bei einer Walzentemperatur von 140 °C zu einem Walzfell
von 1000 g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei eine bessere
Ankopplung des Füllstoffes an die Polymermatrix.
Anwendungsbeispiel 4 (Erfindung)
396,9 g (=100 phr) Ethylenvinylacetat (EVA) Escorene Ultra UL00119
der Fa. ExxonMobil wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 535,8 g (=135 phr) Aluminiumhydroxid
Martinal OL-104/LE der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 59,5 g (=15 phr) des erfindungsgemäßen
Füllstoffs (Füllstoffbeispiel 3) sowie mit 4,8 g (=1,2 phr) Aminosilan Ameo der
Fa. Degussa AG und 2,9 g (0,75 phr) des Antioxidationsmittels Ethanox 310 der Fa.
Albemarle Corporation bei einer Walzentemperatur von 140 °C zu einem Walzfell
von 1000 g (=251,95 phr) verarbeitet. Das Aminosilan bewirkt dabei eine bessere
Ankopplung des Füll-stoffes an die Polymermatrix.
Die folgende Tabelle 1 gibt die Formulierungen der erfindungsgemäßen
Anwendungsbeispiele und Vergleichsanwendungsbeispiele an.
Tabelle 1
Tabelle 2 gibt die für die erfindungsgemäßen Anwendungsbeispiele und
die Vergleichsanwendungsbeispiele ermittelten Werte für TTI, PHRR, FPI, LOI, UL94V,
D sowie einige Weißgrad und Gelbwerte an.
Tabelle 2
Es zeigt sich, dass die mit den erfindungsgemäßen Füllstoffen ausgestatteten
EVA-Mischungen Anwendungsbeispiel 1, Anwendungsbeispiel 2 und Anwendungsbeispiel
3 (wobei immer jeweils ein Teil des ATH durch den jeweiligen erfindungsgemäßen Füll-stoff
bei gleichem Gesamtfüllgrad der Mischung ausgetauscht wurde) im Vergleich zur lediglich
mit ATH flammgeschützten Mischung V1 später zu brennen beginnen (höhere TTI-Werte)
und dabei gleichzeitig wesentlich niedrigere PHRR-Werte aufweisen. Letzteres bedeutet,
dass die Probe während der Verbrennung ein niedrigeres Wärmestrahlungsmaximum erzeugt,
d.h. sie brennt zwar, aber weniger intensiv. Auch zeigen die mit den erfindungsgemäß
ausgestatteten EVA-Mischungen im Vergleich zu Anwendungsvergleichsbeispiel V1 die
höchsten FPI- (Fire Performance Index) Werte. Zwar lässt sich auch mit dem Nanoclay
in den Anwendungsvergleichsbeispielen V2 und V3 der TTI- und der FPI-Wert im Vergleich
zur lediglich mit ATH flammgeschützter Mischung V1 steigern; allerdings erkennt
man bei Vergleichsanwendungsbeispiel V3, dass bei höheren Dosierungen des Nanoclays
als in V2 der PHRR-Wert sogar noch über den PHRR-Wert des Vergleichsanwendungsbeispiels
V1 wieder ansteigt, was auf ein intensiveres Brennen hinweist.
Insbesondere zeigt ein Vergleich von V4 und V5 mit V1, dass sich bei
Verwendung der nicht erfindungsgemäßen Füllstoffe (d.h. Böhmit nach dem Stand der
Technik hergestellt) keine Vorteile in den Brandwerten ergeben. Dabei wurde in V4
der gemäß Füllstoff-Vergleichsbeispiel 1 hergestellte und in V5 der kommerziell
erhältliche Böhmit Apyral AOH 180 der Fa. Nabaltec verwendet. Die Mischungen beginnen
früher zu brennen (geringere TTI-Werte als bei V1) und zeigen die höchsten PHRR
Werte in Tabelle 2. Damit ist auch der FPI-Index der geringste in Tabelle 2 überhaupt.
Auch bei den LOI-Werten und der UL94V-Einstufung ergeben sich keine Vorteile im
Vergleich zu V1. Insbesondere zeigt V4 eine deutliche Verringerung auf lediglich
33 % O2.
Der Sauerstoffindex LOI verbessert sich nur bei den erfindungsgemäßen
Mischungen (Füllstoffbeispiel 1, 2 und 3) im Vergleich zu V1. Bei V2 und V3 (beide
Mischungen enthalten Nanoclays) ergibt sich sogar ein etwas geringerer (und somit
schlechterer) LOI-Wert als bei V1.
Im Gegensatz zum Vergleichsanwendungsbeispiel V1 führen alle erfindungsgemäßen
Füllstoffe (Füllstoffbeispiel 1, 2 und 3) ebenfalls zu einer Brandeinstufung in
die UL-Klasse V0.
Die Differenz D zwischen dem aus der Messung bestimmten Ascherückstandswert
A und dem theoretisch berechneten Wert Ath zeigt bei den Mischungen in
den Anwendungsbeispielen 1, 2 und 3 mit den erfindungsgemäßen Füllstoffen (Füllstoffbeispiel
1, und 2) die höchsten Werte (bei den Mischungen mit dem Nanoclay wurde dabei ein
prozentualer Umwandlungsfaktor von 65% verwendet, da nach Angaben des Herstellers
35 Gew.-% organischer Natur und somit nach dem Verbrennungsvorgang nicht mehr in
signifikanter Menge vorhanden sind).
Beispielhaft ist ebenfalls an den Vergleichsanwendungsbeispielen V1
und V3 und an dem erfindungsgemäßen Anwendungsbeispiel 2 der Weißgrad sowie der
Gelbwert an gepressten Platten bestimmt worden. Man erkennt deutlich die Vorteile
bei dem erfindungsgemäßen Anwendungsbeispiel 2 gegenüber der Nanoclay-Mischung:
obwohl hier 45 phr des erfindungsgemäßen Füllstoffs aus Füllstoffbeispiel 1 eingearbeitet
wurden, ist sowohl der Weißgrad höher, als auch der Gelbwert niedriger als in V3,
das mit 13 phr Nanoclays einen vergleichsweise niedrigen ATH-Ersatz enthält.
Anwendungsbeispiel V6 (Vergleich)
100 phr (=350 g) Polypropylen (PP) Moplen RP 320 H der Fa. Basell
wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 185,7 phr (=650 g) Magnesiumhydroxid Magnifin
H 5 MV der Fa. Martinswerk GmbH bei einer Walzentemperatur von 170 °C zu einem
Walzfell von 285,5 phr (=1000 g) verarbeitet.
Anwendungsbeispiel V7 (Vergleich)
100 phr (=350 g) Polypropylen (PP) Moplen RP 320 H der Fa. Basell
wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 170,2 phr (=595,7 g) Magnesiumhydroxid Magnifin
H 5 MV der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 15,5 phr (=54,3 g) des Nanoclays Nanofil
15 der Fa. Süd-Chemie bei einer Walzentemperatur von 170 °C zu einem Walzfell
von 285,7 phr (=1000 g) verarbeitet.
Anwendungsbeispiel 5 (Erfindung)
100 phr (=350 g) Polypropylen (PP) Moplen RP 320 H der Fa. Borealis
wurden auf dem Collin-Walzwerk mit 130 phr (=455 g) Magnesiumhydroxid Magnifin H
5 MV der Fa. Martinswerk GmbH zusammen mit 55,7 phr (=195 g) des erfindungsgemäßen
Füll-stoffs (Füllstoffbeispiel 1) bei einer Walzentemperatur von 170 °C zu einem
Walzfell von 285,7 phr (=1000 g) verarbeitet.
Die folgende Tabelle 3 gibt die Formulierungen des Anwendungsbeispiels
5 und der Vergleichsanwendungsbeispiele V6 und V7 an.
Tabelle 3
Tabelle 4 gibt für die Vergleichsanwendungsbeispiele V6 und V7 und
das erfindungsgemäße Anwendungsbeispiel 5 die Differenzwerte D zwischen dem gemessenen
und dem theoretischen Ascherückstandswert an.
Tabelle 4
Es zeigt sich, dass mit dem erfindungsgemäßen Füllstoff eine wesentliche
Verbesserung des Ascherückstandes erreicht wird.
5 zeigt eine TGA des erfindungsgemäßen
Füllstoffes aus Füllstoffbeispiel 1 im Vergleich zu ATH Martinal OL-104/LE der Fa.
Martinswerk GmbH und MDH Magnifin H 5, ebenfalls von der Firma Martinswerk GmbH.
Gemessen wurde in Luft mit einer Aufheizrate von 1 K/min.
Anhand der Darstellung von 5 wird die
verbesserte thermische Stabilität des erfindungsgemäßen Füllstoffes deutlich.
Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung eines flammhemmenden Füllstoffs auf Basis
von Aluminiumhydroxid, dadurch gekennzeichnet, dass Aluminiumhydroxid in
Form von Bayerit oder einer Bayerit/Gibbsit-Mischung bei einer Temperatur von mindestens
170 °C in Gegenwart von Wasser und Kristallwachstumsregulator unter Druck modifiziert
wird.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Bayerit-Anteil
in einer Bayerit/Gibbsit-Mischung, bezogen auf das Gewicht von Bayerit und Gibbsit,
im Bereich von 50 bis 100 %, insbesondere 70 bis 100 %, bevorzugt 80 bis 100 %,
besonders bevorzugt 90 bis 100 % liegt.
Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das
eingesetzte Aluminiumhydroxid eine spezifische Oberfläche von 1 bis 100 m2/g,
insbesondere 10 bis 60 m2/g, und bevorzugt 20 bis 40 m2/g,
besonders bevorzugt etwa 30 m2/g aufweist.
Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass das
eingesetzte Aluminiumhydroxid eine mittlere Teilchengröße d50 von 0,1
bis 10 &mgr;m, vorzugsweise 0,5 bis 4 &mgr;m, insbesondere 1 bis 3 &mgr;m, besonders
bevorzugt etwa 2 &mgr;m aufweist.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
dass die Menge an Aluminiumhydroxid im Bereich von 1 bis 30 Gew.%, vorzugsweise
5 bis 20 Gew.%, insbesondere 6 bis 10 Gew.% liegt, bezogen auf das Gesamtgewicht
von Wasser und Aluminiumhydroxid.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Temperatur im Bereich von 170°C bis maximal 340 °C, vorzugsweise
190 °C bis 250°C, bevorzugter 190 °C bis 215 °C liegt.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Modifizierung unter Druck in einem Bereich von 7 bis 144,2 bar, insbesondere
12 bis 54,3 bar, bevorzugt bis 23 bar erfolgt.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass die Modifizierung unter autogenem Druck in einem Autoklaven erfolgt.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
dass die Modifizierung über einen Zeitraum von mindestens 10 Minuten, insbesondere
mindestens 15 Minuten, bevorzugt mindestens 30 Minuten, bevorzugter mindestens etwa
1 Stunde erfolgt.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet,
dass als Kristallwachstumsregulator Säure eingesetzt wird, wobei der pH-Wert vorzugsweise
im Bereich von 0,5 bis 6, insbesondere 1 bis 5 liegt und bevorzugt 1 bis 4,5 beträgt,
insbesondere kleiner als 4 ist, oder Base eingesetzt wird, wobei der pH-Wert vorzugsweise
im Bereich von 10 bis 14, insbesondere 11 bis 14 liegt und bevorzugt 12 bis 14 beträgt,
insbesondere größer als 12 ist.
Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass als kristallwachstumregulierende
Säure Salzsäure oder Amidosulfonsäure eingesetzt wird, oder als kristallwachstumregulierende
Base Natronlauge eingesetzt wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet,
dass der entstandene Feststoff nach dem Abkühlen von der wässrigen Flüssigkeit abgetrennt,
gewaschen und getrocknet wird.
Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Trocknung
in einem Ofen, durch Sprühtrocknung, mittels eines Bandtrockners oder durch Verfahren
erfolgt, bei denen das Produkt mit heißer Luft verwirbelt und dabei durch eine Art
Mühle gefördert wird.
Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass der gewaschene
Feststoff zur Sprühtrocknung erneut suspensiert wird, wobei gegebenenfalls noch
Dispergierhilfsmittel zugesetzt wird.
Flammhemmender Füllstoff, der nach dem Verfahren gemäß einem der Ansprüche
1 bis 14 herstellbar ist.
Verwendung eines flammhemmenden Füllstoffs auf Basis von Aluminiumhydroxid
herstellbar nach dem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 14 zur Flammschutzausrüstung
von Polymeren oder Mischungen von Polymeren, insbesondere von Thermoplasten, Elastomeren
und Duroplasten (alle genannten in unvernetzter oder vernetzter Form) oder von Mischungen
derselben.
Verwendung nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, dass das Polymer
thermoplastisches Polymer, insbesondere Polyolefin, Vinylpolymer, Styrolpolymer,
Polyacrylat; thermoplastisches Polykondensat, insbesondere Polyamid, Polyester;
duroplastisches Polykondensat, insbesondere Phenol-Kunststoff, ungesättigtes Polyesterharz;
oder ein Polyaddukt, insbesondere Epoxidharz, Polyurethan ist, wobei diese sowohl
Homo- als auch Copolymere oder geeignete Mischungen aus mindestens zwei der Polymeren
sein können, und insbesondere thermoplastische oder vernetzte Polyolefine und deren
Copolymere, bevorzugt PE, LDPE, LLDPE, HDPE, EVA, EEA, EMA, EBA, PP, sind sowie
Kautschuke und PVC.
Verwendung nach Anspruch 16 oder 17, dadurch gekennzeichnet, dass
der flammhemmende Füllstoff allein oder zusammen mit anderen flammhemmenden Additiven
eingesetzt wird, insbesondere mit einem Aluminiumhydroxid (ATH), Magnesiumhydroxid
(MDH), Huntit, einem halogenhaltigen Flammschutzmittel, Phosphor bzw. organischen
Phosphorverbindungen, oder auch stickstoffhaltigen Flammschutzmitteln, insbesondere
Melamincyanurat.
Polymerzusammensetzung, dadurch gekennzeichnet, dass ein Polymer oder
eine Mischung von Polymeren mit einem Füll-stoff auf Basis von Aluminiumhydroxid
herstellbar nach dem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 14 flammhemmend ausgerüstet
ist, wobei gegebenenfalls auch andere flammhemmende Additive vorhanden sein können,
insbesondere einer oder mehrere ausgewählt aus Aluminiumhydroxid (ATH), Magnesiumhydroxid
(MDH), Huntit, halogenhaltigen Flammschutzmitteln, Phosphor bzw. organischen Phosphorverbindungen,
oder auch stickstoffhaltigen Flammschutzmitteln, insbesondere Melamincyanurat.
Polymerzusammensetzung nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, dass
sie 0,1 bis 250 Teile (phr), insbesondere 5 bis 150 Teile (phr), bevorzugt 10 bis
120 Teile (phr), besonders bevorzugt 15 bis 80 Teile (phr) des erfindungsgemäßen
Füllstoffs, bezogen auf 100 Teile (phr) Polymer enthält, wobei wenn noch andere
flammhemmende Additive eingesetzt werden, ihre Menge vorzugsweise im Bereich von
249,9 bis 0 Teile (phr), bezogen auf 100 Teile (phr) Polymer liegt.
Kristalliner Böhmit gekennzeichnet durch die folgenden Parameter:
BET: zwischen 70 und 150 m2/g
d10: 0, 2 bis 0, 5 &mgr;m
d50 : 0, 5 bis 3, 0 &mgr;m
d90: 3, 0 bis 7, 0 &mgr;m.
Kristalliner Böhmit gekennzeichnet durch die folgenden Parameter:
BET: zwischen 8 und 40 m2/g
d10: 0,4 bis 0,7 &mgr;m
d50: 0,7 bis 2,2 &mgr;m
d90: 2, 2 bis 4, 5 &mgr;m.
Kristalliner Böhmit gekennzeichnet durch die folgenden Parameter:
BET: zwischen 80 und 150 m2/g
d10: 0, 04 bis 0, 15 &mgr;m
d50: 0, 15 bis 0, 8 &mgr;m
d90: 0, 8 bis 2, 0 &mgr;m.