Die Erfindung betrifft eine Prägeform und ein Prägewerkzeug zum Prägen
von Reliefstrukturen, deren Verwendung zum Prägen von beugungsoptischen Strukturen
sowie ein Verfahren zur Herstellung der Prägeform.
Hologramme, Kinegramme® oder ähnliche auf Beugungseffekten
beruhende Elemente stellen aufgrund ihres mit Änderung des Betrachtungswinkels auftretenden
Farbwechselspiels sowie der Möglichkeit, vom Betrachtungswinkel abhängige lesbare
Informationen zu erzeugen, ein beliebtes Echtheitsmerkmal dar, da dieser so genannte
„optisch variable Effekt" praktisch nicht durch einfache Mittel imitiert
werden kann. Sie bieten ferner einen sehr guten Schutz gegen Fälschungen mittels
Farbkopierern. Denn das Kopiergerät kann nur die unter einem bestimmten Betrachtungswinkel
erkennbare Information und Farbe des Hologramms wiedergeben, der optisch variable
Effekt dagegen geht verloren.
Üblicherweise werden die in der Sicherungstechnik verwendeten Hologramme
als Prägehologramme hergestellt, das heißt, die in den Beugungsstrukturen gespeicherte
holografische Information wird in eine Reliefstruktur umgesetzt. Die Reliefstruktur
liegt letztendlich auf plattenförmigen Nikkelfolien vor, die als Prägeform dienen.
Einzelne oder mehrere dieser Prägformen werden auf einen Spannzylinder aufgeklebt
oder aufgespannt, um ein kontinuierliches Prägen einer Hologramm-Prägefolie oder
eines vernetzbaren Lacks zu ermöglichen. Aus der Prägeform können auch andere Prägewerkzeuge
hergestellt werden, wie z.B. Prägestempel oder Endlosprägebänder.
In den Druckschriften WO 98/01278 A1 und EP
1369 262 A2 werden Varianten zur Herstellung von Prägezylindern beschrieben.
Die EP 0 420 261 A2 beschreibt detailliert
das gesamte Verfahren beginnend mit der filmtechnischen Hologrammherstellung bis
hin zur Applikation eines daraus abgeleiteten Prägehologramms im Transferverfahren
auf das Endprodukt, z.B. auf eine Chipkarte oder Banknote.
Die Herstellung der Prägeform, die auch als „Shim" bezeichnet
wird, ist sehr aufwändig. Zunächst wird von einem Modell ein laserrekonstruierbares
Hologramm auf einem Silberschichtfilm hergestellt, welches als „Primärhologramm"
bezeichnet wird. Das im Primärhologramm als Grauwertstruktur vorliegende Hologramm
wird anschließend in ein Oberflächenrelief umgewandelt, indem es beispielsweise
in Fotoresistschichten kopiert wird, und wird dann als „Sekundärhologramm"
oder auch als „Resistmaster" bezeichnet. Häufig werden als Substrat für die
Fotoresistschichten Glasplatten verwendet, so dass das Sekundärhologramm bisweilen
auch als „Glasmaster" bezeichnet wird. Der Glasmaster selbst kann mangels
Stabilität zum Prägen nicht verwendet werden. Daher wird der Glasmaster zunächst
versilbert, um ihn elektrisch leitfähig zu machen, damit in einem nächsten Schritt
auf elektrogalvanischem Weg eine Nickelschicht auf dem Glasmaster aufgebaut und
anschließend von diesem abgezogen werden kann. Dieser Nickelabzug wird als „Prägemaster"
bezeichnet und kann theoretisch zum Prägen verwendet werden.
Allerdings stellt der Prägemaster ein teures Unikat dar und wird wegen
der Verletzungs- und Abnutzungsgefahr im Allgemeinen nicht zum Prägen von Hologrammen
verwendet. Außerdem bildet der Prägemaster lediglich eine einzelne Motivzelle ab.
Daher werden vom Prägemaster wiederum auf elektrogalvanischem Wege so genannte „Submaster"
abgeformt und von mehreren Submastern eine erste Prägeform, die so genannte „Prägematrize"
nochmals auf elektrogalvanischem Wege hergestellt, um eine Platte mit mehreren Motivzellen
zu erhalten. Wenn der Prägemaster die Reliefstruktur als Positiv-Relief trägt, dann
trägt die Prägmatrize dieselbe Reliefstruktur ebenfalls als Positivrelief.
Da die Lebensdauer einer solchen Matrize aber selten mehr als zehntausend
Prägungen beträgt, werden die Prägmatrizen ihrerseits vervielfacht, indem damit
zunächst eine große Anzahl von Nutzen in eine thermoplastische Kunststoffplatte,
z.B. Plexiglas, geprägt wird. Diese Kunststoffplatte wird auch als „Plastikmaster"
bezeichnet. Sie wird anschließend wiederum versilbert – wie schon zuvor der
Glasmaster – und bildet den so genannten „Silbermaster". Von dem Silbermaster
wird wie schon zuvor von dem Silberabzug auf galvanischem Wege ein Nickelabzug,
der so genannte „erste Nickelmaster", und von diesem wiederum ein weiterer
Nickelabzug, der so genannte „zweite Nickelmaster", hergestellt. Der zweite
Nickelmaster führt somit zu einer Nickelplatte, von der dann wiederum auf galvanischem
Wege die endgültige Prägeform, das „Shim", abgeformt wird. Auf dieser Prägeform
liegt die Reliefstruktur wieder als Positiv-Relief vor. Aus der Prägeform wird dann
das Prägewerkzeug hergestellt, indem beispielsweise durch Laserschneiden und Schweißen
ein Prägzylinder erzeugt wird.
Nachteilhaft an den bekannten Prägeformen – sei es die Prägematrize
oder das endgültige Shim – ist der hohe Verschleiß der Reliefstrukturen durch
die hohe mechanische Belastung beim Prägen. Das heißt, die Prägewerkzeuge sind nur
begrenzt einsetzbar und müssen regelmäßig ersetzt werden, was hohe Produktionskosten
verursacht. Insbesondere beim Prägen in aushärtende Lacke, wie einem UV-härtbaren
Lack, verschmutzen die Reliefstrukturen mit der Zeit und das geprägte Hologramm
verliert dadurch an Brillanz.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, die Haltbarkeit der
Prägewerkzeuge, insbesondere der Prägeformen, zu verbessern.
Diese Aufgabe wird durch eine Prägeform und ein Verfahren zur Herstellung
derselben mit den Merkmalen der nebengeordneten Ansprüche gelöst. In davon abhängigen
Ansprüchen sind vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungen der Erfindung angegeben.
Dementsprechend wird die Prägeform zumindest im Bereich der Reliefstruktur
mittels einer zusätzlichen Schicht veredelt. Als Veredelungsschicht wird vorzugsweise
ein Material gewählt, welches weniger stark an dem Material, in das bei der Hologrammherstellung
mit der Prägeform geprägt wird, haftet, als die unveredelte Oberfläche der Prägeform
bzw. des Nickelmasters. Mittels der zusätzlichen Veredelungsschicht bleibt die Prägeform
daher längere Zeit unverschmutzt, so dass brillantere Hologramme erzeugbar sind.
Ein besonders stabiler Verbund der Veredelungsschicht mit der Prägeform
lässt sich jedoch gemäß einer bevorzugten Herstellungsvariante erzielen, wenn die
Veredelungsschicht nicht unmittelbar auf die Prägeform, sondern zunächst auf den
zweiten Nickelmaster aufgedampft wird. Indem anschließend die Prägeform galvanisch
auf der Veredelungsschicht aufgebracht wird, entsteht eine innige Verbindung der
Veredelungsschicht mit der Prägeform, die stärker ist als die Verbindung der Veredelungsschicht
mit dem zweiten Nickelmaster. Die Prägeform wird dann zusammen mit der Veredelungsschicht
von dem zweiten Nickelmaster abgezogen, so dass man eine Prägeform mit durch die
Veredelungsschicht veredelter Oberfläche erhält.
Als besonders geeignete Materialien für die Veredelungsschicht haben
sich metallische Materialien, wie Gold oder Chrom, und insbesondere Hartstoffbeschichtungen
erwiesen. Vorzugsweise handelt es sich bei den Hartstoffbeschichtungen um CrN, TiN,
AlCrN, AlTiN, TiCN, TiAlCN, DLC (Diamond Like Carbon), MoSe2.
Die Prägestrukturen sollen durch die Veredelungsschicht möglichst
wenig eingeebnet werden. Deshalb sind für die Veredelungsschicht Schichtdicken im
Bereich von 100 nm bis 1000 nm sinnvoll. Besonders bevorzugt werden Schichtdicken
im Bereiche von 200 nm.
Die Veredelungsschicht kann mit jedem geeigneten Verfahren aufgebracht
werden, z.B. thermisch Aufdampfen, Sputtern, Elektronenstrahlaufdampfen, Lichtbogenbedampfung
etc. Die metallische Beschichtung, z.B. mit Gold, wird vorzugsweise thermisch aufgedampft.
Für die Beschichtung mit Chrom ist Sputtern bevorzugt. Im Prinzip kann auch mit
Elektronenstrahlaufdampfverfahren gearbeitet werden. Die Hartstoffbeschichtungen
werden vorzugsweise mittels Lichtbogenbedampfung (arc evaporation) aufgebracht.
Durch die Veredelungsschicht lässt sich die Laufleistung herkömmlicher
Nickelmatrizen um mehr als 50% steigern. Aufgrund der verbesserten Haltbarkeit sinken
die Produktionskosten entsprechend. Auch die Hologrammqualität der mit den veredelten
Prägeformen geprägten Kunststofffolien und Lacke ist aufgrund der stabileren Reliefoberfläche
wesentlich erhöht. Denn je geringer die Abnutzung der Reliefoberfläche ist, desto
brillanter wird das damit geprägte Reliefmuster.
Selbstverständlich muss der zweite Nickelmaster nicht notwendigerweise
aus Nickel bestehen. Auch muss der Master nicht notwendigerweise galvanisch hergestellt
werden. Die galvanische Herstellung des Masters aus Nikkel ist jedoch wegen der
weiten Verbreitung dieser Technologie zu bevorzugen. Insbesondere ist die Erfindung
auch nicht beschränkt auf die Veredelung der Oberfläche des Shims, sondern kann
in entsprechender Weise auch zur Oberflächenveredelung jedes zur Prägung geeigneten
Werkzeugs, also z.B. des Prägemasters, der Submaster und der von den Submastern
abgeformten Prägematrize eingesetzt werden, mit der dann die Plastikmaster geprägt
werden.
Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung wird eine weitere Erhöhung
der Haltbarkeit der Prägeformen durch Beschichten der Veredelungsschicht mit einem
Nanolack erzielt, der beispielsweise aufgesprüht wird. Das Aufsprühen ist technisch
wenig aufwändig, und es hat sich gezeigt, dass damit eine ausreichend gleichmäßige
Oberflächenbeschichtung mit Schichtdicken im Nanometerbereich erzielbar ist.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird die unveredelte
Oberfläche, die mit der Veredelungsschicht versehen wird, vor der Veredelung gereinigt.
Zur Reinigung wird die Oberfläche insbesondere ausgeheizt und gegebenenfalls anschließend
plasmavorbehandelt. Als Plasmavorbehandlung können Wasserstoffplasmen, Argonplasmen
oder Sauerstoffplasmen oder Mixturen daraus eingesetzt werden. Das Ausheizen erfolgt
z.B. über mehrere Stunden bei ca. 150 bis 500°C im Vakuum. Der Reinigungsprozess
führt zu einer besseren Haftung der Veredelungsschichten zum Untergrund.
Zur besseren Haftung zwischen Veredelungsschicht und zu veredelnder
Oberfläche kann auf diese als Haftvermittler eine dünne Metallschicht, insbesondere
von ca. 1 bis 50 nm, aufgedampft werden.
Aus der so hergestellten Prägeform lassen sich dann
Prägewerkzeuge herstellen, wie z.B. Prägezylinder oder Endlosprägebänder oder auch
einfache Prägestempel. Insbesondere können unmittelbar von den Submastern Prägeformen
für Prägestempel mit nur einer oder wenigen Motivzellen hergestellt werden. Nachfolgend
wird die Erfindung anhand der begleitenden Zeichnungen beispielhaft erläutert. Darin
zeigen:
1 einen Nickelmaster mit Oberflächenrelief,
2 den Nickelmaster aus 1
mit Veredelungsschicht auf dem Oberflächenrelief und
3 einen Nickel-Shim mit Oberflächenrelief
und Veredelungs schicht beim Abziehen von dem Nickelmaster.
1 zeigt einen Nickelmaster
1, der beispielsweise der eingangs erwähnte Submaster oder der zweite Nickelmaster
sein kann, die das Reliefmuster jeweils als Negativ-Relief 2 enthalten
und von denen die zum Prägen verwendeten Prägeformen, also die Prägematrizen und
Shims, galvanisch abgeformt werden. Als Master 1 kann aber auch der eingangs
erwähnte Prägemaster oder der erste Nickelmaster dienen, auf denen das Reliefmuster
als Positiv-Relief vorliegt, wenn unmittelbar von diesen die Prägeformen abgeformt
werden sollen. Dann liegt die Reliefstruktur auf den Prägeformen als Negativ-Relief
vor.
Der Master 1 muss nicht notwendigerweise ein galvanisch erzeugter
Nickelmaster sein, sondern kann auch aus einem anderen Material galvanisch hergestellt
werden. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Master 1 mit dem Relief
2 auf nicht-galvanische Weise hergestellt wird, beispielsweise indem in
die Oberfläche eines Vollmaterials das abzuformende Relief 2 eingraviert
wird.
Das Relief 2 des Masters 1 wird zunächst mit einer
Veredelungsschicht 3 beschichtet (2). Dabei
handelt es sich vorzugsweise um ein Metall oder ein anderes Material, welches im
Zusammenwirken mit den später zu prägenden Substraten – wie z.B. Kunststofffolien
oder härtbaren Lacken – optimale Eigenschaften hinsichtlich Verschleißbeständigkeit
und Verschmutzungsresistenz besitzen. Zum späteren Prägen in UV-vernetzbare Lacke
hat sich als Material für die Veredelungsschicht 3 Chromnitrid als besonders
geeignet erwiesen. Auch die Verwendung von Gold hat sehr gute Ergebnisse erbracht.
So konnte die Einsatzdauer eines Prägewerkzeugs mit einer Veredelungsschicht aus
Gold um etwa 50% verlängert werden.
Die Veredelungsschicht 3 wird zumindest bereichsweise auf
das Relief 2 aufgebracht und erstreckt sich vorzugsweise nicht nur über
das Relief 2, sondern auch über daran angrenzende, reliefstrukturfreie
Oberflächenbereiche des Masters 1. Die Beschichtung ist aber von besonderer
Bedeutung im Bereich des Reliefs 2, da die Verschmutzungsgefahr und der
Verschleiß der Prägewerkzeuge gerade in diesem Bereich auftreten.
Im nächsten Schritt (3) wird eine Metallschicht
4 in üblicher Weise, z.B. aus Nickel, auf der Veredelungsschicht
3 galvanisch aufgebaut. Aufgrund des galvanischen Verfahrens ist es erforderlich,
dass die Veredelungsschicht 3 elektrisch leitend ist, also entweder elektrisch
leitend gemacht ist oder aus einem von Natur aus elektrisch leitenden Material,
insbesondere also aus einem Metall wie dem vorerwähnten Chromnitrid oder Gold, besteht.
Aufgrund der galvanischen Erzeugung der Metallschicht 4 ist
der Verbund zwischen der Metallschicht 4 und der Veredelungsschicht
3 wesentlich stabiler als der Verbund zwischen der Veredelungsschicht
3 und dem Master 1. Daher kann die Metallschicht 4 zusammen
mit der Veredelungsschicht 3 von dem Master 1 in einem nachfolgenden
Verfahrensschritt abgezogen werden und bildet dann die Grundlage für die Prägeform
mit einer durch die Veredelungsschicht 3 veredelten Oberfläche und einer
zur Reliefstruktur 2 des Masters 1 komplementären Reliefstruktur
2'.
Die Veredelungsschicht 3 kann zumindest im Bereich der Reliefstruktur
2' zusätzlich mit einem Nanolack besprüht werden, um die Prägeeigenschaften
der Reliefoberfläche 2' weiter zu verbessern.