Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum kontinuierlichen Behandeln
von textilen Materialien in Schlauchform, insbesondere Rundgestricken sowie eine
Vorrichtung zur Durchführung eines derartigen Verfahrens.
Schlauchwaren sind einerseits in Leibweiten, andererseits in breite
Schlauchwaren einteilbar. Leibweiten-Schlauchwaren werden komplett im Schlauch ausgerüstet.
Bei breiten Schlauchwaren wird innerhalb des Ausrüstungsprozesses
ein Aufschneiden vorgenommen. Am Ende der Ausrüstung liegen derartige Materialien
immer als so genannte offen breite Ware vor.
Das Aufschneiden der Schlauchware erfolgt je nach vorgesehener Technologie
und bekannten Anlagen zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Aus dem Stand der Technik ist es bekannt, für das Entwässern und Aufschneiden
diskrete Anlagen bzw. Vorrichtungen einzusetzen. Die einzelnen Prozessschritte werden
dann nacheinander ausgeführt.
Bei einer auf die Firma Erhardt + Leimer GmbH, Augsburg, zurückgehenden
Strangaufdreh- und Schlauchaufschneidanlage wird zunächst ein Entdrallen vorgenommen,
indem ein Drehteller am Einlauf der Strangaufdrehanlage vorgesehen ist. Um ein problemloses
Öffnen des Stranges zu erreichen, ist gemäß diesem Stand der Technik eine vorherige,
gleichmäßige Entwässerung entscheidend, wofür eine Strangquetsche vorgesehen ist.
Über eine nachgeordnete Strangmulde soll dann eine Synchronisation von Quetsche
und Strangaufdrehanlage realisiert werden.
Ein spezieller, sehr großbauender Strangaufdreher ermittelt sensorisch
einen vorhandenen Restdrall und eliminiert diesen durch Gegendrehbewegung und Steuerung
des vorerwähnten Drehtellers. Die Aufdreheinheit ist bei der zitierten Lösung durch
einen mehrere Meter hohen Turm gekennzeichnet. Für sehr dehnungsempfindliche Ware
ist der Turm höhenverstellbar ausgeführt, wodurch ein Anpassen der Bahnspannung
an warenspezifische Erfordernisse vorgenommen wird.
Mit einem Schlauchaufschneidgerät wird dann die Schlauchware aufgeschnitten,
wobei ein fotoelektronischer Spaltsensor das Schneidmesser in der Fallmasche führt.
Ein nachgeschaltetes Entdoublierkreuz breitet den aufgeschnittenen Schlauch aus.
Im Falle dass die ausgebreitete Bahn eine hohe Gleichmäßigkeit der Restfeuchte über
die gesamte Warenbahn aufweisen soll, kommt ein Hochleistungs-Quetschwerk vor dem
Warenauslauf zur Anwendung.
Es besteht also bei der vorbeschriebenen technischen Lösung nicht
die Möglichkeit, nasse Ware zu verarbeiten; vielmehr ist mindestens eine Vorentwässerung
auf einer Strangquetsche mit allen nachteiligen Folgen für das zu behandelnde Material
notwendig.
Problematisch ist weiterhin die Tatsache, dass das Signal zum Bewegen
des Drehtellers vom Strangaufdreher abgeleitet wird. Da aber eine Strangquetsche
und ein Warenspeicher dazwischen notwendig sind, wirkt eine Bewegung des Drehtellers
nicht sofort auf das Ausdrehen der Ware für den Strangöffner.
Bei den Schlauchöffnern und Längsschneidvorrichtungen der Firma Corino,
Italien, ist ebenfalls eine Vorentwässerung über Strangquetsche notwendig, wobei
die endgültige Entwässerung nach dem Schneiden mit offen breiter Ware vorgenommen
wird.
Hinsichtlich des Standes der Technik sei der Vollständigkeit halber
noch darauf aufmerksam gemacht, dass eine Entwässerung im Schlauch durch Zentrifugieren
im Rahmen eines gesonderten Prozessschritts möglich ist, wobei allerdings als wesentliche
Nachteile das Be- und Entladen der Zentrifuge, die notwendige Stellfläche für die
erforderliche Warenzwischenlagerung und die Qualitätsprobleme durch Knitter und
Schleuderfalten anzusehen sind.
Nach dem Zentrifugieren wird die Ware in der bereits beschriebenen
Weise entwirrt, ausgedreht, geöffnet und aufgeschnitten. Ein zusätzliches Überdehnen
oder Krumpfen bei natürlichen Fasern ist beim Anwenden einer Zentrifuge nicht möglich.
Aus dem Vorgenannten ist es daher Aufgabe der Erfindung, ein weiterentwickeltes
Verfahren sowie eine zugehörige Vorrichtung zum kontinuierlichen Behandeln von textilen
Materialien in Schlauchform, insbesondere Rundgestricken anzugeben, welches einerseits
eine schonende Behandlung der Materialien ermöglicht, und wobei andererseits durch
kanten- und maschengeraden Warendurchlauf eine einfache Aufschneidevorrichtung zum
Einsatz kommen kann.
Letztendlich soll verfahrensseitig an der Aufschneidevorrichtung im
Vergleich zum Stand der Technik für eine geringere Beanspruchung der Schlauchware
Sorge getragen werden.
Die Lösung der Aufgabe der Erfindung erfolgt mit einem Verfahren gemäß
Definition nach Patentanspruch 1 sowie einer Vorrichtung zur Durchführung eines
derartigen Verfahrens gemäß der Merkmalskombination nach Patentanspruch 5, wobei
die Unteransprüche mindestens zweckmäßige Ausgestaltungen und Weiterbildungen darstellen.
Erfindungsgemäß wird demnach bei dem kontinuierlichen Verfahren und
der zugehörigen Vorrichtung zum Nass-in-Nass-Ausrüsten von Rundgestricken in Schlauchform
eine Vorentwässerung des geöffneten Schlauches mittels Ringsaugdüse und Vakuum vorgenommen,
wobei die Schlauchware anschließend aufgeschnitten und danach in offen breiter Form
ausgerüstet, entwässert, getrocknet, kondensiert oder fixiert wird.
Bezüglich der Vorteile beim Einsatz von Rundausbreiter für textile
Schlauchware und der Entfernung von Feuchte mittels Ringsaugdüse sei ergänzend auf
die DE 101 12 045 A1, die
DE 198 28 206 A1 sowie die
EP 0 014 787 A1 verwiesen. Die zitierten
Lösungen haben eine Ringsaugdüse gemein, welche zur Entwässerung oder Nassveredelung
von textiler Schlauchware mittels Vakuum-Extraktion dient. Die Rundausbreiter für
eine solche Vorrichtung besitzen jeweils einen Spreizring, der unterhalb der Schlauchware
frei von jeder Befestigung gelagert ist, und einen an den Spreizringen arretierten
Zentrierring. Die Zentrierringe sind in Laufrichtung der Schlauchware unmittelbar
vor und hinter der Ringsaugdüse gemäß DE
101 12 045 A1 positioniert.
Der erfindungsgemäße Verfahrensablauf wird wie folgt realisiert.
In einem ersten Schritt erfolgt ein mechanisches Entwirren und vollständiges
Ausdrehen nassbehandelter Schlauchware. Im Anschluss wird die Schlauchware geöffnet
und eine schonende Vorentwässerung der geöffneten Ware mittels Ringsaugdüse und
Vakuum vorgenommen, wobei gleichzeitig ein Ordnen und Richten der Maschen am gesamten
Umfang durch gezielte Überdehnung der Schlauchware vorgenommen wird.
In einem nächsten Schritt besteht falkultativ die Möglichkeit, ein
weiteres Überdehnen oder Krumpfen nach der Vorentwässerung durchzuführen.
Das Aufschneiden der Schlauchware erfolgt trennreihenfrei, wobei nach
dem Schnitt ein Entdoublieren erfolgt.
Die nach dem Entdoublieren breitliegende Ware kann einerseits nass
gelegt werden. Andererseits besteht aber die Möglichkeit, nach dem Entdoublieren
die breitliegende Ware vollständig zu entwässern, zu trocknen und zu fixieren.
Ebenso kann nach dem Entdoublieren die breitliegende Ware appretiert,
im Anschluss entwässert und getrocknet, kondensiert sowie gelegt oder gerollt werden.
Die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens umfasst zunächst einen
Verdrehmelder zum Ermitteln der Strangverdrehung der Schlauchware und Ableiten eines
Steuersignals für einen Drehteller, auf welcher sich ein Behälter mit der Schlauchware
befindet.
Weiterhin ist ein Ringausbreiter zum Öffnen der entwirrten Schlauchware
und mindestens eine Pendelwalze zur Steuerung der Warenspannung vorgesehen.
Mittels einer Ringsaugdüse mit zugeordneter Vakuumerzeugungseinrichtung
wird eine Vorentwässerung der geöffneten Schlauchware durchgeführt.
Mindestens eine Zugwalze dient als Leitantrieb der Vorrichtung.
Über einen Warenführungskorb mit zugeordneter üblicher Auftrennvorrichtung
erfolgt das Aufschneiden des Warenschlauches, der dann einer Entdoubliereinrichtung
zugeführt wird.
Über einen vor der Ringsaugdüse angeordneten Trog kann ein Benetzen
der geöffneten Schlauchware, wenn erforderlich, vorgenommen werden.
Bei einer Ausführungsform der Erfindung ist ein der Zugwalze als Leitantrieb
nachgeordneter Breithalter zum Überdehnen oder Krumpfen der noch nicht aufgeschnittenen
Schlauchware vorgesehen.
Zum Erhalt einer offen breiten Ware wird auf eine an sich bekannte
Ausbreitwalzen-Anordnung zurückgegriffen, wobei der Ausbreitwalzen-Anordnung eine
Appretureinrichtung sowie ein Trockner nachordenbar ist.
Eingangsseitig des Trockners kann ein Foulard vorgesehen sein.
Unter Umgehung des Appreturtrogs und des Foulards kann die offen breite
Ware nach dem Entwässern und Aufschneiden auf dem Trockner getrocknet und fixiert
werden. Wenn auf eine weitere Nassbehandlung oder Trocknung verzichtet werden soll,
ist der Entdoubliervorrichtung ein Nassleger mit zugeordnetem Warenbehälter zum
Ablegen der offen breiten Ware nachgeordnet.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren und der zugehörigen Vorrichtung
ist es möglich, die Hauptfunktionen Strangöffnen, Entwässern, Aufschneiden
und Nasslegen durchzuführen, wobei die Ware anschließend getrocknet auf Bandtrockner
oder appretiert und entwässert im Foulard und danach einer Trocknung oder Kondensierung
unterzogen werden kann.
Unter Einsatz des Strangöffners in Verbindung mit der Vakuum-Ringsaugdüsen-Anordnung
gelingt ein vollständiges mechanisches Ausdrehen der Schlauchware, wobei die gesamte
Vorrichtung nur eine geringe Bauhöhe erfordert und damit minimale Beanspruchungen
der Schlauchware bezüglich unerwünschter Verzüge gegeben sind. Der Maschendurchlauf
durch die erfindungsgemäße Vorrichtung erfolgt kantengerade mit zusätzlichem Richten
und Ordnen der Maschen am gesamten Umfang durch Überdehnung am unteren Führungsring
der Ringsaugdüse. Die Entwässerung erfolgt optimal, ohne Knitterfalten, Scheuerstellen
oder dergleichen, wie dies bei Zentrifugen unvermeidbar ist.
Die Entwässerungseffekte gestalten sich bei synthetischen Fasern wesentlich
günstiger, als dies bei einer Quetschwalzenanordnung der Fall ist. Aufgrund des
kanten- und maschengerechten Warendurchlaufs durch die Anlage ist aufgabengemäß
die Möglichkeit eines wild-Aufschneidens gegeben und es kann auf eine Trennreihe
im Rundgestrick verzichtet werden.
Da nach Entwässerung eine gebundene Warenführung der Schlauchware
auf kurzem Weg vorliegt, tritt bei der Schlauchöffnung an der Aufschneidevorrichtung
die gewünschte geringere Beanspruchung der Schlauchware auf.
Die Erfindung soll nachstehend anhand eines Ausführungsbeispiels sowie
unter Zuhilfenahme von Figuren näher erläutert werden.
Hierbei zeigen:
1 ein Schema einer erfindungsgemäßen
Anlage mit Nassablegen der offen breiten Ware in einen Warenbehälter und
2 ein Anlagenschema mit der Möglichkeit
des nachträglichen Appretierens der offen breit vorliegenden Ware und anschließender
Foulard-Behandlung und Trocknung/Kondensierung.
Bei den Darstellungen gemäß 1 und
2 wird das aus einer Nassbehandlung kommende
Rundgestrick 1 aus dem Warenbehälter 2 entnommen, welcher auf
einer Drehteller 3 steht. Das Abziehen des Rundgestrickes 1 erfolgt
mittels Abzugswalze 6.
Die Verdrehung des Stranges oder Schlauches erfasst ein Verdrehmelder
4, der ein Steuersignal zur entsprechend gegensinnigen Drehung des Warenbehälters
2 mit Hilfe der Drehteller 3 liefert.
Zur Steuerung der Warenspannung ist eine Pendelwalze 7 vorgesehen,
wobei durch deren Be- oder Entlastung die gewünschte Einstellung der Warenspannung
erfolgen kann.
Eine einlassseitige Zugwalze ist mit dem Bezugszeichen 6
versehen.
Falls notwendig, kann das Rundgestrick 1 durch einen Trog
8 geführt werden, in dem die Möglichkeit besteht, die Schlauchware einem
zusätzlichen Benetzen zu unterziehen.
Die mittels Ringausbreiter 5 geöffnete Schlauchware gelangt
zur Vorentwässerung auf eine Ringsaugdüse 9. Den notwendigen Unterdruck
für die Entwässerung erzeugt eine Vorrichtung 11. Zwischen Ringsaugdüse
9 und der Vorrichtung zur Vakuumerzeugung 11 ist ein Separator
10 vorgesehen, der dem Abtrennen des aus der Ware abgesaugten Wassers,
das als Luft-Wasser-Gemisch vorliegt, dient.
Nach einer Zugwalze 12 als Leitantrieb wird das Rundgestrick
1, welches als Schlauchware vorliegt, über entsprechende Leitwalzen gefördert.
Ein Breithalter 13 dient dem gezielten Überdehnen und Krumpfen
des Rundgestrickes.
Die Ware wird im Anschluss über eine Pendelwalze 14 gefördert
und gelangt auf einen einstellbaren Warenführungskorb 15. Durch eine Schneidvorrichtung
16 wird die Schlauchware aufgeschnitten.
Mit Hilfe der Entdoubliereinrichtung 17 wird die aufgeschnittene
Schlauchware ausgebreitet.
Eine Zugwalze 18, eine Ausbreitwalze 19, eine Leitwalze
20 und eine weitere Zugwalze 21 dient dem Fördern der offen breiten
Ware zum Nassleger 22. Die Ware wird mit Hilfe des Nasslegers
22 in einem Warenbehälter oder Transportwagen 23 abgelegt.
Bei dem Ausführungsbeispiel gemäß 2 wird
ausgangsseitig der Ausbreitwalze 19 bzw. der nachgeordneten Leitwalze
20 mittels der Zugwalze 21 die offen breit liegende Warenbahn
einer Appretureinrichtung 24 zugeführt. Am Ausgang der Appretureinrichtung
24 ist ein Foulard 25 vorgesehen, wobei die Ware nach der Foulard-Behandlung
einem Trockner 26 zum Trocknen, Kondensieren bzw. Fixieren zugeführt wird.
Aus den Darstellungen gemäß Ausführungsbeispiel wird
ersichtlich, dass das Verfahren kontinuierlich durchführbar ist, wobei ein Nass-in-Nass-Ausrüsten
von Rundgestricken in Schlauchform erfolgen kann. Hierbei wird die Vorentwässerung
in geöffneter Schlauchform mit anschließendem Aufschneiden realisiert, wobei danach
die Ware in offen breiter Form ausgerüstet und entwässert werden kann.