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Dokumentenidentifikation DE19919559B4 10.11.2005
Titel Kombinationswerkzeug und Verfahren zur Herstellung einer Bohrung mit einem teilweise von der zylindrischen Form abweichenden Querschnitt
Anmelder Federal-Mogul Nürnberg GmbH, 90441 Nürnberg, DE
Erfinder Paul, Bernd, 91183 Abenberg, DE
Vertreter HOFFMANN & EITLE, 81925 München
DE-Anmeldedatum 29.04.1999
DE-Aktenzeichen 19919559
Offenlegungstag 09.11.2000
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 10.11.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 10.11.2005
IPC-Hauptklasse B23B 29/034
IPC-Nebenklasse B23B 35/00   

Beschreibung[de]
Technisches Gebiet

Die Erfindung betrifft ein Kombinationswerkzeug zur Bearbeitung von Bohrungen, die einen zumindest teilweise von der zylindrischen Form abweichenden Querschnitt aufweisen, mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Patentanspruchs 1. Die vorliegende Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung einer derartigen Bohrung mit einem erfindungsgemäßen Kombinationswerkzeug mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Patentanspruchs 7.

Aus der DE 197 17 835 A1 ist ein Werkzeug bekannt, dessen Schneide über ein fliehkraftbetätigtes Element in radialer Richtung verstellt werden kann. In Abhängigkeit der Drehzahl des Werkzeugs kann auf diese Weise der Schneidenträger verstellt werden, um damit die auf dem Schneidenträger sitzende Schneide nachzujustieren. Auf diese Weise läßt sich ein Verschleiß der Schneide kompensieren. Da die Abnutzung der Schneide nur zu einem sehr geringen Grad durch Nachjustieren kompensiert werden kann, ohne daß das Werkzeug ausgetauscht werden muß, ist der auslenkbare Bereich des Schneidenträgers und damit der Schneide äußerst gering. Eine Ausstellbewegung der Schneide ist nur in eine Richtung möglich, nämlich indem die Schneide zum Ausgleich des Verschleißes radial nach außen bewegt wird.

In der DE 197 20 823 A1 wird ein Werkzeug beschrieben, das zur Bearbeitung von koaxial zueinander liegenden Werkstückbohrungen in bezug auf die Achse der Bohrungen exzentrisch eingefahren werden kann. Dazu sind an dem Grundkörper des Werkzeugs den Schneiden gegenüberliegende Stützelemente vorgesehen, die radial eingefahren werden können. Auf diese Weise kann der Grundkörper mit den Schneiden in die Bohrung eingefahren werden, ohne daß diese die Wandung der Bohrungen berühren. Zur Bearbeitung der Bohrungen werden die Stützkörper radial ausgefahren, so daß das Werkzeug in den Bohrungen zentriert wird. Das Ein- und Ausfahren der Stützelemente kann dabei mechanisch über eine Stellstange oder hydraulisch erfolgen.

Aus der DE 196 11 708 A1 ist ein Bohrkopf bekannt, bei dem an einer Bohrstange befestigte Schneidwerkzeuge quer zur Rotationsachse verstellbar sind. Auf diese Weise sollen auch keglige oder ballige Bohrungen hergestellt werden können. Das Verstellen der Rotationsachse wird erreicht, indem die Rotationsachse durch ein Druckmittel gegen die Federkraft eines Drehteils verschoben wird. Der konstruktive Aufwand für diesen Bohrkopf mit dem hydraulischen Stellantrieb und dem Federpaket ist außerordentlich hoch.

In der DE 40 00 025 C2 ist eine Vorrichtung zur spanabhebenden Bearbeitung von von der genauen Zylinderform geringfügig abweichenden Werkstücken beschrieben. Dazu wird eine federnde Platte, die durch einen Einstich exzentrisch geschwächt ist, durch die Beaufschlagung eines Druckmittels verformt, so daß eine Bohrstange mit einem daran befestigten Schneidmeißel eine Schwenkbewegung ausführt. Die Steuerung des Druckfluids über eine Druckfluidquelle wird in Abhängigkeit von elektrischen Signalen gesteuert, die beispielsweise über Fotoabtaster Daten über die Relativlage in Vorschubrichtung und in Umfangsrichtung zwischen Werkstück und Schneide an einen Rechner liefern. Insbesondere kann diese Steuerung in Kombination mit einer CNC-Steuerung für eine Werkzeugmaschine verwendet werden. Die hydraulische Verstellung der Bohrstange mit dem Schneidmeißel erfordert einen außergewöhnlich hohen konstruktiven Aufwand sowie einen großen Regelungsaufwand.

Generell ist es bekannt, zur Fertigung von beispielsweise konischen oder balligen Bohrungen, die einen von der zylindrischen Form abweichenden Querschnitt aufweisen, Werkzeuge einzusetzen, deren Werkzeugschneiden hydraulisch ausgelenkt werden können, so daß in Abhängigkeit vom Vorschub eine Aussteuerung der Werkzeugschneiden erfolgen kann. Auf diese Weise lassen sich konische Durchmesservergrößerungen mit einer hinreichenden Fertigungsgenauigkeit bearbeiten. Eine Richtungsumkehr der Werkzeugschneiden, wie sie beispielsweise für den Übergang von einer sich konisch aufweitenden in eine sich konisch verjüngende Bohrung erforderlich ist, ist nicht mit einer ausreichend hohen Genauigkeit möglich, da hydraulische Stellantriebe nicht hysteresefrei arbeiten und daher keine sehr engen Toleranzen zulassen.

Bei der Herstellung einer Kolbenbolzenbohrung an einem Verbrennungsmotorkolben mit einer sich zur Kolbenmitte hin konisch aufweitenden Bohrung wird daher derzeit zunächst jeweils von der Kolbenaußenseite der zylindrische Teil der ersten Bohrung feingebohrt, also beispielsweise gerieben, und der erste konische Abschnitt bearbeitet. Anschließend wird von der ersten Kolbenseite der zweite zylindrische Teil der Bohrung feingebohrt und daraufhin der zweite konische Abschnitt gefertigt. Dies bedeutet, daß der Kolben vor der Bearbeitung der zweiten zylindrischen und konischen Fläche um 180° gedreht werden muß, da eine spielfreie bzw. hysteresefreie Richtungsumkehr der Werkzeugschneidenbewegung nicht möglich ist. Dies bringt einen deutlich erhöhten Kosten- und Zeitaufwand mit sich. Zusätzlich entsteht durch das Umspannen des Werkstücks das Risiko, daß beim Bohren der zweiten Bohrung ein Versatz in bezug zu der ersten Bohrung auftritt.

Als Weiterentwicklung dieses Verfahrens ist es auch bekannt, nach der Bearbeitung des ersten konischen Abschnitts des Kolbens das aussteuerbare Bearbeitungswerkzeug vollständig von der Bearbeitungsebene zurückzufahren und den Werkzeugträger vollständig durch das Werkstück hindurch zu fahren. Daraufhin wird unter gleichzeitigem Zurückverfahren des Werkzeugträgers das Bearbeitungswerkzeug zur Bearbeitung der zweiten konischen Fläche ausgefahren. Nach der Bearbeitung der zweiten konischen Fläche kann das Bearbeitungswerkzeug wieder von der Bearbeitungsebene zurückgefahren werden und mit dem Werkzeugträger aus dem Werkstück gefahren werden. Auf diese Weise kann der Hystereseeffekt dann umgangen werden, wenn nur zwei voneinander unabhängige konische Flächen zu bearbeiten sind. Falls diese Flächen direkt aneinander anstoßen, oder mehr als zwei konische Flächen mit abwechselnd sich verjüngendem und aufweitendem Querschnitt zu bearbeiten sind, können die bekannten Werkzeuge nur hysteresebehaftet und damit ungenau arbeiten.

Darstellung der Erfindung

Der vorliegenden Erfindung liegt daher das technische Problem zugrunde, ein Werkzeug für die spanabhebende Bearbeitung der eingangs genannten Art bereitzustellen, das in der Lage ist, Bohrungen, die einen von der zylindrischen Form abweichenden Querschnitt aufweisen, auch bei einer Richtungsumkehr der Aussteuerbewegung des Bearbeitungswerkzeugs mit einer hohen Genauigkeit zu bearbeiten. Darüber hinaus soll ein Verfahren der eingangs genannten Art bereitgestellt werden, mit dem eine Bohrung mit von der zylindrischen Form abweichendem Querschnitt mit hoher Fertigungsgenauigkeit hergestellt werden kann.

Dieses technische Problem wird mit einem Kombinationswerkzeug mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 sowie mit einem Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 7 gelöst.

Der Erfindung liegt der Gedanke zugrunde, ein Feinbohrwerkzeug in einem weiteren Bearbeitungswerkzeug zur spanabhebenden Bearbeitung an einem einzigen Grundkörper zu kombinieren, wobei das weitere Bearbeitungswerkzeug mechanisch aussteuerbar ist, um einen von der zylindrischen Form abweichenden Querschnitt zu bearbeiten. Durch die Kombination des Feinbohrwerkzeugs mit dem mechanisch aussteuerbaren weiteren Bearbeitungswerkzeug wird sowohl eine sehr hohe Präzision bei der Bearbeitung des zylindrischen Teils einer Bohrung sowie bei der Bearbeitung des von der zylindrischen Form abweichenden Teils einer Bohrung gewährleistet. Die mechanische Aussteuerbarkeit des weiteren Bearbeitungswerkzeugs stellt dabei sicher, daß die Auslenkung des weiteren Bearbeitungswerkzeugs auch bei einer Richtungsumkehr der Ausstellrichtung, wie sie beispielsweise für den Übergang von einer sich konisch aufweitenden in eine sich konisch verjüngende Bohrung auftritt, mit hoher Präzision und hysteresefrei möglich ist. Das weitere Bearbeitungswerkzeug wird in Form von einer aussteuerbaren Werkzeugschneide über einen Auslenkkeil radial zu der Rotationsachse des Grundkörpers bewegt. Der Auslenkkeil ist über eine Zugstange mit einer NC-Achse der Maschinenspindel der Werkzeugmaschine verbunden ist. Die Verbindung zwischen dem Auslenkkeil und der Zugstange erfolgt vorzugsweise über eine Nut in der Zugstange, in die ein komplementär dazu geformtes Teil des Auslenkkeils spielfrei eingreift.

Vorzugsweise wird die Zugstange über eine Kugelrollenspindel betätigt, die von einer NC-Achse der Maschinenspindel gesteuert wird. Kugelrollenspindeln ermöglichen ein äußerst exaktes und spielfreies Zustellen in axialer Richtung bei gleichzeitig sehr niedrigen Reibverlusten. Auf diese Weise kann eine hysteresefreie Aussteuerbewegung der Werkzeugschneide erreicht werden, die auch bei einer Richtungsumkehr der Aussteuerbewegung eine Bearbeitung einer Bohrung mit sehr engen Fertigungstoleranzen zuläßt.

Vorzugsweise wird die Aussteuerbewegung der Werkzeugschneide in Abhängigkeit des Spindel- oder Werkzeugschlittenvorschubs durch eine entsprechende Programmierung der NC-Maschine gesteuert. Auf diese Weise ist eine sehr einfache Bearbeitung einer Bohrung mit einem zumindest teilweise von der zylindrischen Form abweichenden Querschnitt mit einer sehr hohen Genauigkeit möglich. Durch die Steuerung des Auslenkwegs der aussteuerbaren Werkzeugschneide über den Spindel- oder Werkzeugschlittenvorschub können beliebige rotationssymmetrische Innenkonturen einer Bohrung bei entsprechender Werkzeugschneidengeometrie durch das erfindungsgemäße Kombinationswerkzeug bearbeitet werden, wobei eine beliebige Anzahl von Umkehrungen der Richtung der Aussteuerbewegung möglich ist, ohne daß dadurch die Genauigkeit der Bearbeitung beeinträchtigt würde.

Mit einem erfindungsgemäßen Kombinationswerkzeug wird es dadurch erstmals ermöglicht, in einem einzigen Bearbeitungsgang eine Bohrung mit einer Richtungsumkehr der Werkzeugschneiden, beispielsweise bei dem Übergang von einem sich konisch aufweitenden in einen sich konisch verjüngenden Querschnitt oder einem in Längsrichtung balligen Querschnitt, mit sehr enger Fertigungstoleranz auszuführen.

So ist es beispielsweise für die Bearbeitung einer Kolbenbolzenbohrung an einem Verbrennungsmotorkolben mit sich zur Kolbenmitte hin konisch aufweitender Bohrung möglich, auf ein Zurückfahren des aussteuerbaren Bearbeitungswerkzeugs aus der Bearbeitungsebene nach dem ersten Abschnitt der Bearbeitung und der Bearbeitung des zweiten Bohrungsabschnitts in einem zweiten separaten Bearbeitungsschritt durch erneutes Ausfahren des Bearbeitungswerkzeugs beim Zurückverfahren des Werkzeugträgers zu verzichten. Vielmehr kann die Bearbeitung der Bohrung mit dem erfindungsgemäßen Kombinationswerkzeug nun in einem einzigen Arbeitsgang mit Endbearbeitungstoleranzen hergestellt werden, indem zunächst das Feinbohrwerkzeug, wie eine Reibahle oder ähnliches, den zylindrischen Teil der Bohrung bearbeitet, woraufhin bei Beginn des konischen Teils der Bohrung das weitere Bearbeitungswerkzeug, also die Aussteuerschneide, über die Zugstange ausgefahren wird, so daß die Bohrung konisch zur Kolbenmitte hin bearbeitet werden kann. Anstatt das aussteuerbare Bearbeitungswerkzeug nun aus der Bearbeitungsebene zurückzufahren und den Werkzeugträger vollständig durch das Werkstück hindurchzufahren und das Bearbeitungswerkzeug erneut auszufahren, können die Bearbeitungswerkzeuge nun bis zum Beginn der zweiten Bohrung vorgefahren werden und die konische Fläche der zweiten Bohrung durch Zurückfahren der Aussteuerschneide bearbeitet werden. Anschließend wird der zylindrische Teil der zweiten Bohrung mit dem Feinbohrwerkzeug feinbearbeitet. Die Bearbeitungswerkzeuge können dann im Eilgang aus dem Werkstück zurückgefahren werden.

Durch das oben beschriebene Verfahren zur Bearbeitung einer Kolbenbolzenbohrung mit einem erfindungsgemäßen Kombinationswerkzeug können die Taktzeiten erheblich reduziert werden. Gleichzeitig wird die Fertigungsgenauigkeit deutlich erhöht, da die beiden Bohrungen ohne das Risiko eines Versatzes durch Umspannen des Werkstücks oder mehrfaches Anfahren des Werkzeugs gefertigt werden.

Kurze Beschreibung der Zeichnungen

Im folgenden ist zur weiteren Erläuterung und zum besseren Verständnis ein Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen näher beschrieben und erläutert. Es zeigen:

1 eine schematische Darstellung eines erfindungsgemäßen Kombinationswerkzeugs mit teilweise ausgefahrenem Bearbeitungswerkzeug während der Bearbeitung eines Werkstücks;

2 einen Schnitt durch das in 1 gezeigte Kombinationswerkzeug mit teilweise ausgefahrenem Bearbeitungswerkzeug; und

3 eine schematische Darstellung eines erfindungsgemäßen Kombinationswerkzeugs mit Anschluß an eine NC-Maschinenspindel.

Beschreibung eines Ausführungsbeispiels der Erfindung

In den 1 und 2 ist ein erfindungsgemäßes Kombinationswerkzeug 1 schematisch dargestellt. Das Kombinationswerkzeug 1 weist einen Grundkörper 2 auf, der eine im wesentlichen zylindrische Form hat. Auf dem Grundkörper 2 ist, wie in 1 dargestellt, ein Feinbohrwerkzeug 3 lösbar angebracht. Zusätzlich trägt der Grundkörper 2 ein weiteres Bearbeitungswerkzeug 4, das im wesentlichen senkrecht zu der Rotationsachse 5 des Grundkörpers 2 aussteuerbar ist.

In dem Grundkörper 2 ist exzentrisch zu der Rotationsachse 5 eine Zugstange 6 mit einer Kugelrollenspindel verschiebbar angeordnet, die eine Nut 9 aufweist. Die Nut 9 verläuft schräg in Bezug zu der Rotationsachse 5 des Grundkörpers 2, in der in 1 dargestellten Ausführungsform ist das dem Bearbeitungszentrum zugewandte Ende (links in der Figur) näher an der Rotationsachse 5 angeordnet, als das dem Bearbeitungszentrum abgewandte Ende der Nut 9. wie in 2 dargestellt, erstreckt sich die Nut 9 zum einen vollständig durch einen in der Figur unteren Abschnitt der Zugstange 6 und zweigt zusätzlich in einem mittleren Bereich der Zugstange 6 in Bezug zu der Zeichnung senkrecht nach oben ab. Damit weist die Nut 9 einen im wesentlichen T-förmigen Querschnitt auf.

In die Nut 9 der Zugstange 6 ist ein Auslenkkeil 7 eingepaßt, der in seinem der Nut 9 zugewandten Abschnitt eine zu der Nutform komplementäre T-Form aufweist. Entsprechend der Neigung der Nut 9 in Bezug zu der Rotationsachse 5 des Grundkörpers 2 verläuft auch der T-förmige Abschnitt des Auslenkkeils 7 in einem spitzen Winkel zu der Rotationsachse 5 des Grundkörpers 2. Damit kann sichergestellt werden, daß der Auslenkkeil 7 möglichst spielfrei in die Nut 9 der Zugstange 6 einpaßbar ist. Der Auslenkkeil 7 ist in seinem (in 2 oberen) der Zugstange 6 abgewandten Abschnitt mit dem weiteren Bearbeitungswerkzeug 4 lösbar verbunden. Der Auslenkkeil 7 ist mit diesem (in der Figur oberen) Abschnitt in einer Öffnung in dem Grundkörper 2 in radialer Richtung verschiebbar aufgenommen und geführt, so daß eine Relativbewegung des Auslenkkeils 7 mit dem weiteren Bearbeitungswerkzeugs 4 in Bezug zu dem Grundkörper 2 verhindert wird.

Zur Bewegung des weiteren Bearbeitungswerkzeugs 4 radial und senkrecht zu der Rotationsachse 5 des Grundkörpers 2 ist die Zugstange 6 mit der Kugelrollenspindel, wie in 3 dargestellt, an einer NC-Achse der Maschinenspindel 8 angeschlossen. Wird nun die Zugstange 6 durch die Kugelrollenspindel in Richtung der Rotationsachse 5 des Grundkörpers 2 bewegt, so gleitet der Auslenkkeil 7 in der Nut 9 und führt durch die Neigung der Nut 9 in Bezug zu der Rotationsachse 5 eine radiale Ausstellbewegung aus, durch die auch das mit dem Auslenkkeil 7 verbundene weitere Bearbeitungswerkzeug 4 relativ zu der Rotationsachse 5 bewegt wird.

Das weitere Bearbeitungswerkzeug 4 ist in 1 in einem teilweise ausgefahrenen Zustand dargestellt, wobei das Bearbeitungswerkzeug 4 mit einem Werkstück 10 in Eingriff ist. Ein erster Abschnitt des Werkstücks 10 (links in 1) wurde dabei bereits von dem Feinbohrwerkzeug 3 sowie dem weiteren Bearbeitungswerkzeug 4 bearbeitet, während der zweite Abschnitt des Werkstücks 10, beispielsweise einem Verbrennungsmotorkolben, nachbearbeitet wird.

Durch eine Bewegung der Kugelrollenspindel, respektive der Zugstange 6 in dem Grundkörper 2 über die NC-Achse der Maschinenspindel 8, wird der Auslenkkeil 7 so verschoben, daß dadurch die Aussteuerschneide des weiteren Bearbeitungswerkzeugs 4 senkrecht zu der Rotationsachse 5 des Grundkörpers 2 exakt positioniert wird. Durch eine Umkehr der Bewegungsrichtung der Kugelrollenspindel wird entsprechend die Aussteuerschneide des weiteren Bearbeitungswerkzeugs 4 über den Auslenkkeil 7 wieder zurückbewegt.

Auf diese Weise kann das weitere Bearbeitungswerkzeug 4 relativ zu dem Grundkörper 2 in radialer Richtung bewegt werden, wobei der mechanische Stellantrieb im Vergleich zu einem hydraulischen Stellantrieb hysteresefrei arbeitet. Über die Steuerung der Werkzeugmaschine läßt sich die Aussteuerbewegung des weiteren Bearbeitungswerkzeugs 4 auch beispielsweise in Abhängigkeit des Spindel- oder Werkzeugschlittenvorschubs durch eine entsprechende Programmierung steuern, um vorbestimmte Bohrungsinnenkonturen rechnergesteuert zu bearbeiten.

Das Feinbohrwerkzeug 3 kann je nach Einsatzzweck des Kombinationswerkzeugs 1 beispielsweise eine Reibahle oder ein ähnliches spanabhebendes Bearbeitungswerkzeug sein. Auf dem Grundkörper 2 können auch mehrere spanabhebende Bearbeitungswerkzeuge, beispielsweise am Umfang verteilt angeordnet sein.

Bei entsprechender Dimensionierung der einzelnen Bauteilkomponenten ist es möglich mehr als nur ein einziges aussteuerbares Werkzeug zusätzlich zu dem zumindest einen nicht aussteuerbaren Werkzeug in einem einzigen Grundkörper 2 vorzusehen. Dadurch können für unterschiedliche Bearbeitungsschritte jeweils die geeigneten Bearbeitungswerkzeuge exakt positionierbar eingesetzt werden, ohne für jeden Bearbeitungsschritt das alte Werkzeug zurückfahren und das neue Werkzeug in das Werkstück hineinfahren zu müssen.

Die vorliegende Erfindung ist nicht auf die beschriebene Ausführungsform beschränkt, in der die axiale Zustellbewegung der Zugstange 6 in dem Grundkörper 2 durch eine Kugelrollenspindel erfolgt. Alternativ ist auch die Verwendung einer herkömmlichen Gewindespindel oder eines Linearantriebs einsetzbar.

Weiterhin sind hier nicht näher erläuterte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung denkbar, nach denen die Verbindung zwischen der Zugstange 6 und dem Auslenkkeil 7 nicht über eine Nut 9 erfolgt, sondern beispielsweise über einen Nocken oder einen Keil, der auf der Zugstange 6 vorgesehen sein kann.

In dem Grundkörper 2 können zur Versorgung der einzelnen Komponenten mit Schmiermittel entsprechende Schmiermittelkanäle ausgebildet sein.


Anspruch[de]
  1. Kombinationswerkzeug für eine NC-Werkzeugmaschine zur spanabhebenden Bearbeitung einer Bohrung, insbesondere einer Kolbenbolzenbohrung, mit einem zumindest über einen Teil der Bohrlochlänge von der zylindrischen Form abweichenden Querschnitt, das einen Grundkörper (2) umfasst, der ein Feinbohrwerkzeug (3) trägt, dadurch gekennzeichnet, dass der Grundkörper (2) ein weiteres Bearbeitungswerkzeug (4) trägt, das während der Bearbeitung des Werkstückes mechanisch aussteuerbar ist.
  2. Kombinationswerkzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das weitere Bearbeitungswerkzeug (4) über einen mit einer Achse der Maschinenspindel der NC-Werkzeugmaschine verbundenen mechanischen Aussteuerantrieb (6, 7) aussteuerbar ist.
  3. Kombinationswerkzeug nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das weitere Bearbeitungswerkzeug (4) im wesentlichen senkrecht zu der Rotationsachse (5) des Grundkörpers (2) aussteuerbar ist.
  4. Kombinationswerkzeug nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der mechanische Aussteuerantrieb (6, 7) von einer Zugstange (6) mit Kugelrollenspindel und einem Auslenkkeil (7) gebildet ist.
  5. Kombinationswerkzeug nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der mechanische Aussteuerantrieb (6, 7) zu der Rotationsachse (5) des Grundkörpers (2) exzentrisch in dem Grundkörper (2) angeordnet ist.
  6. Kombinationswerkzeug nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Feinbohrwerkzeug (3) eine Reibahle ist.
  7. Verfahren für eine NC-Werkzeugmaschine zur spanabhebenden Bearbeitung einer Bohrung, insbesondere einer Kolbenbolzenbohrung, mit einem zumindest über einen Teil der Bohrlochlänge von der zylindrischen Form abweichenden Querschnitt, wie einem konischen oder balligen Querschnitt, mit einem Kombinationswerkzeug nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bohrung bereichsweise mit dem Feinbohrwerkzeug (3) und bereichsweise mit dem weiteren Bearbeitungswerkzeug (4) bearbeitet wird, das während der Bearbeitung ausgesteuert werden kann.
  8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung der Auslenkbewegung über den Spindel- oder Werkzeugschlittenvorschub geregelt wird.
  9. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerung der Auslenkbewegung über die NC-Steuerung der Werkzeugmaschine erfolgt.
  10. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß das weitere Bearbeitungswerkzeug (4) bei der Bearbeitung des zylindrischen Bohrabschnitts so weit einfahrbar ist, daß der Wirkradius des weiteren Bearbeitungswerkzeugs (4) kleiner als der des Feinbohrwerkzeugs (3) ist.
Es folgen 2 Blatt Zeichnungen






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