Die vorliegende Erfindung betrifft ein Blindspot-Sensorsystem zur Detektion und/oder Klassifikation von Objekten in einem definierten Überwachungsbereich eines Kraftfahrzeugs mittels Radar-Technik, umfassend wenigstens ein erstes Mittel zum Aussenden eines ersten Radarstrahls sowie ein zweites Mittel zum Aussenden eines zweiten Radarstrahls. Erfindungsgemäß ist der radiale Sichtbereich des ersten Radarstrahls (Strahl I) gegen die Fahrtrichtung (vx) des Kraftfahrzeugs derart geneigt und der radiale Sichtbereich des zweiten Radarstrahls (Strahl II) im Wesentlichen senkrecht zur Fahrtrichtung (vx) derart orientiert, dass die Sichtbereiche der Radarsteheln (I und II) sich wenigstens teilweise überlappen und zusammen im Wesentlichen die Abmaße des Überwachungsbereiches abdecken; wobei zumindest der erste Radarstrahl (Strahl I) sowohl im CW- als auch im FMCW-Modulationsmodus betreibbar ist. Die vorliegende Erfindung eignet sich insbesondere für den Einsatz in einem Assistenzsystem, beispielsweise zum Spurwechsel, moderner Kraftfahrzeuge jedweder Art.
Beschreibung[de]
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Blindspot-Sensorsystem zur
Detektion und/oder Klassifikation von Objekten in einem definierten Überwachungsbereich
eines Kraftfahrzeuges mittels Radar-Technik, umfassend wenigstens ein erstes Mittel
zum Aussenden eines ersten Radarstrahles sowie ein zweites Mittel zum Aussenden
eines zweiten Radarstrahles.
Es ist bekannt, in Kraftfahrzeugen sog. Blindspot-Überwachungssysteme
vorzusehen, welche den Fahrer von der Anwesenheit von Objekten im Bereich des sog.
"Toten-Winkels" der Außenspiegel informieren. Moderne Systeme sollen dabei zwischen
für die Funktion relevante Objekte (fahrende Fahrzeuge, LKW, Motorräder, usw.) und
nicht relevante Objekte (Infrastruktur wie Verkehrszeichen, Ampeln, etc., Leitplanken,
parkende Fahrzeuge, usw.) unterscheiden können. Diesbezügliche Anforderungen bestehen
also in der Detektion, Positionierung und Klassifikation von Objekten des Straßenverkehrs
in Bezug auf einen definierten Überwachungsbereich, der typischerweise den an die
Außenspiegel eines Fahrzeug angrenzenden Bereich umfasst und den seitlichen Fahrzeugbereich
einschließt. Falls sich ein relevantes Objekt innerhalb des Überwachungsbereiches
befindet, wird der Fahrer gewarnt.
Im Stand der Technik sind verschiedenste Lösungsansätze für das Problem
bekannt. Die einfachste technische Lösung besteht in der Verwendung von gekrümmten
Außenspiegeln, die den durch den Spiegel nicht abgedeckten Bereich minimieren. Diese
Lösung ist jedoch beispielsweise in den USA verboten, außerdem führt die Krümmung
des Spiegels zu Verzerrungen, so dass eine Abschätzung der Objektentfernung durch
den Fahrer aufgrund des Spiegelbildes erschwert wird.
Ein weiterer Lösungsansatz besteht darin, die relevanten Objekte mittels
Sensoren zu detektieren und basierend auf der verarbeiteten Sensorinformation die
Fahrer zu informieren.
Die dazu eingesetzten Sensoren unterscheiden sich in den physikalischen
Detektionsprinzipien sowie ihren gemessenen Objekteigenschaften. Bekannt sind hierbei
Lösungen basierend auf Infrarot-Laserdioden, Kamera basierende Lösung mit entsprechender
Bildverarbeitung oder aber Radar basierende Systeme.
Die unterschiedlichen Sensoren haben dabei verschiedene, für die Applikation
relevante Vor- und Nachteile, die bei einer Blindspot-Systemauslegung berücksichtigt
werden müssen. Bei der Auswahl der Sensoren sind deshalb Randbedingungen wie Systemintegration,
Systemüberwachungsbereich, Preis, Performance, usw. zu berücksichtigen.
Verkehrsteilnehmer, die aktiv am Straßenverkehr teilnehmen (fahrende
PKW' s, LKW' s, etc.) sind für ein Blindspot-System als relevant zu klassifizieren.
Statische Objekte und Objekte, die nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen (Straßenrandbebauung,
parkende Fahrzeuge, etc.) sind dagegen vom Blindspot-System als nicht relevant zu
betrachten. Befindet sich ein relevantes Objekt innerhalb des überwachungsbereiches,
sollte ein Blindspot-System dies signalisieren. Handelt es sich hingegen um ein
nicht relevantes Objekt, sollte keine Systemreaktion erfolgen.
Der Überwachungsbereich, in dem die Objekte erkannt werden sollen,
ist typischerweise durch eine Zone beginnend hinter den Außenspiegel eines Fahrzeuges
definiert (vgl. erhellt hinterlegten Bereich in 1).
Diese Zone überstreicht die angrenzende Fahrspur und reicht bis zu einer maximalen
Entfernung hinter das mit einem Blindspot-System ausgerüsteten Fahrzeug zurück.
Insbesondere deckt der Überwachungsbereich den "Toten-Winkel" (blind
spot) der Außenspiegel des Fahrzeugs ab. In der Regel ist es zweckdienlich, beide
Fahrzeugseiten, also rechten und linken Außenspiegel, mit einem solchen Blindspot-System
auszustatten, da besagte Probleme sowohl bei einem Spurwechsel auf die linke Fahrspur
wie auch auf die rechte Fahrspur auftreten können.
Die Klassifikation eines detektierten Objektes in relevant beziehungsweise
nicht relevant kann unter anderem bevorzugt vom Bewegungszustand des Objektes relativ
zum Fahrzeug abhängig sein.
Bewegt sich ein mit einem Blindspot-System ausgerüsteten Fahrzeug
(in 2 und den übrigen Figuren als "host car" bezeichnet)
in einem Koordinatensystem entlang der x - Achse mit positiver Geschwindigkeit,
so sind im Sinne der Systemfunktion Objekte – wie beispielhaft in
3 aufgeführt – als relevant beziehungsweise nicht
relevant zu klassifizieren, wobei die dort genannten Geschwindigkeiten v0
und v1 jeweils Applikationsgrößen sind.
Die Systemfunktionalität einer "Blind-Spot - Überwachung" –
Applikation besteht also darin, den Fahrer eines Kraftfahrzeuges vor der Existenz
eines relevanten Objektes, welches sich auf einer benachbarten Spur in dem vom Fahrer
schlecht einsehbaren Bereich seitlich hinter und neben dem eigenen Fahrzeug, also
innerhalb des weiter oben definierten Überwachungsbereiches, befindet, zu warnen.
Die Intention der Systemfunktion ist somit die Assistenz des Fahrers,
insbesondere während eines Spurwechselvorgangs.
Nachfolgend werden typische Anwendungsfälle eines "Blind-Spot - Überwachung"
Systems beschrieben sowie die jeweils gewünschte Systemreaktion veranschaulicht.
Im ersten Fall (siehe 4) befindet sich
das mit einem Blindspot-System ausgestattete Fahrzeug (jeweils dunkel dargestellt)
auf einer mehrspurigen Fahrbahn und wird von einem Fahrzeug (jeweils hell dargestellt)
auf der linken Spur überholt.
Die 4.1. bis 4.6.
geben die zeitliche Abfolge des Szenarios an, wobei die aktiviert bzw. deaktiviert
dargestellten "Warnlampen" oberhalb der einzelnen Figuren eine bevorzugt gewünschte
Systemreaktion wiedergeben.
"Aktiviert" (vgl. 4.2. bis.
4.5.) bedeutet hierbei, dass sich ein relevantes Objekt
innerhalb des Überwachungsbereiches befindet und erkannt wurde – der Fahrer
wird gewarnt. "Deaktiviert" (vgl. 4.1. und
4.6.) bedeutet, dass sich kein relevantes Objekt im
Überwachungsbereich befindet – es erfolgt keinerlei Warnung.
In dem in 4 gezeigten Szenario betritt
das nachzuweisende Objekt den Überwachungsbereich in Fahrtrichtung von hinten, verweilt
eine gewisse Zeit im Bereich und verlässt ihn anschließend in Fahrtrichtung nach
vorne. Dabei können relativ hohe Relativgeschwindigkeiten zwischen den Objekten
in dieser Konfiguration auftreten, falls sich das überholende Fahrzeug mit hoher
Differenzgeschwindigkeit nähert. In einem solchen Fall ist jedoch der Systemnutzen
fraglich, da die Zeitspanne, in der eine Warnung an den Fahrer ausgegeben wird eine
minimale Zeit (etwa 1s) nicht unterschreiten sollte, um dem Fahrer Möglichkeit zu
geben zu reagieren. Objekte, die den Überwachungsbereich von hinten betreten, können
somit eine geringe Systemreaktionszeit bewirken.
5 zeigt einen weiteren Anwendungsfall,
nämlich den Überholvorgang auf der rechten Spur. Das mit einem Blindspot-System
ausgerüstete Fahrzeug (in den 5.1. bis 5.6.
jeweils dunkel dargestellt) fährt auf der rechten Seite an einem relevanten Objekt
(beispielsweise einem fahrenden Fahrzeug – jeweils hell dargestellt) vorbei,
das sich auf der linken Nachbarspur befindet.
Das relevante Objekt betritt den Überwachungsbereich in diesem Fall
in Fahrtrichtung von vorne. Eine Warnung ist in einem solchen Szenario nur dann
sinnvoll, wenn sich das überholte Fahrzeug eine gewisse Mindestzeit im Überwachungsbereich
aufhält.
Ein weiteres Szenario, in dem eine Blind-Spot - Funktionalität wünschenswert
ist, ist der Fall, in dem sich ein relevantes Objekt seitlich des Überwachungsbereiches
annähert (vgl. 6).
In diesem Fall des sog. Einschervorgangs sind die auftretenden Relativgeschwindigkeiten
weitaus geringer als zuvor in den zu 5 und
6 beschriebenen Fällen. Daraus folgt, dass
Objekte, die den Überwachungsbereich von der Seite betreten, eine tolerierbare längere
Systemreaktionszeit erlauben.
Bei der Auflistung der typischen Anwendungsfälle eines Blindspot-Systems
sollten nicht nur Szenarien in Betracht gezogen werden, die eine positive Systemreaktion
erfordern, sondern auch solche, die keinerlei Systemsreaktion auslösen sollten.
Die nachfolgenden Szenarien stellen typische Fälle dar, die sehr häufig
auftreten und keine Warnung eines Bindspot-Systems auslösen sollten:
In dem in 7 dargestellten Szenario wird ein mit einem
Blindspot-System ausgerüstetes Fahrzeug ("host car") von einem Objekt auf der übernächsten
Spur überholt. Da sich zu keiner Zeit ein relevantes Objekt im Überwachungsbereich
befindet, sollte bei horizontalen Positionsbestimmungen zum Überwachungsbereich
ein Blindspot-System keinerlei Warnimpuls abgeben.
Ein weiteres häufig auftretendes Szenario ist die Annäherung eines
relevanten Objektes auf der eigenen Fahrspur (vgl. 8).
In diesem Fall sollte ein Blindspot-Überwachungssystem ebenfalls keine
Warnung ausgeben, da sich wiederum kein relevantes Objekt im Überwachungsbereich
befindet.
Ein weiteres Szenario, dass häufig auftreten kann, ist der Fall, in
dem ein nicht relevantes Objekt in den Überwachungsbereich des "Blindspot-Detection"
Systems eintritt.
9 stellt die Annäherung an eine Fahrbahn-
bzw. Straßenbegrenzung, also an ein statisches Objekt wie das einer Leitplanke oder
einer Wand, dar. Hier sollte ein Blindspot-System in der Lage sein, die Straßenbegrenzung
zu detektieren und als nicht relevant einzustufen, also eine Objektklassifizierung
durchzuführen. Eine Warnung soll in einem solchen Szenario wiederum nicht erzeug
werden.
Ausgehend von wünschenswerten Systemreaktionen sowie den beschriebenen
typischen Anwendungsfällen liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
ein Blindspot-Sensorsystem bereitzustellen, welches die eingangs genannten Anforderungen
erfüllt. Insbesondere soll das Blindspot-Sensorsystem:
– eine hohe Nachweiswahrscheinlichkeit für die zu detektierenden Objekte
aufweisen;
– eine Bestimmung der relativen Objektgeschwindigkeit erlauben;
– eine Bestimmung von Objektposition relativ zum Überwachungsbereich gestatten,
also ob ein Objekt innerhalb oder außerhalb des Bereiches liegt, wobei nicht notwendigerweise
ein Objekt innerhalb des Bereiches genau zu positionieren ist; und/oder
– eine Klassifikation der detektierten Objekte in relevant und nicht relevant
durchführen.
Darüber hinaus kann optional eine Klassifikation der Fahrumgebung
des Fahrzeugs für die Systemfunktion zweckdienlich sein.
Des weiteren ist die erforderliche Performance derart auszulegen,
dass Fehlalarm- und Falschalarmraten sich in einem tolerierbarem Bereich halten.
Schließlich soll das Blindspot-Sensorsystem für das Automotive Umfeld
geeignet sein;, d.h. die üblichen Anforderungen hinsichtlich Robustheit, Infrastruktur,
Umweltbedingungen, Größe, Integrierbarkeit, usw. erfüllen.
Diese Aufgabe wird durch ein Blindspot-Sensorsystem mit den Merkmalen
gemäß Patentanspruch 1 gelöst.
Vorteilhafte Aus- und Weiterbildungen, welche einzeln oder in Kombination
miteinander eingesetzt werden können, sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
Die Erfindung baut auf gattungsgemäßen Blindspot-Sensorsystemen zur
Detektion und/oder Klassifikation von Objekten in einem definierten Überwachungsbereich
eines Kraftfahrzeuges, umfassend wenigstens ein erstes Mittel zum Aussenden eines
ersten Radarstrahles sowie ein zweites Mittel zum Aussenden eines zweiten Radarstrahles,
dadurch auf, dass der radiale Sichtbereich des ersten Radarstrahls (Strahl I) gegen
die Fahrtrichtung (vx) des Kraftfahrzeugs derart geneigt und der radiale
Sichtbereich des zweiten Radarstrahls (Strahl II) im wesentlichen senkrecht zur
Fahrtrichtung (vx) derart orientiert ist, dass die Sichtbereiche der
Radarstrahlen (I und II) sich wenigstens teilweise überlappen und zusammen im Wesentlichen
die Abmaße des Überwachungsbereiches abdecken; wobei zumindest der erste Radarstrahl
(Strahl I) sowohl im CW- als auch im FMCW- Modulationsmodus betreibbar ist.
Die Realisierung eines Blindspot-Sensorssystems mit wenigstens zweier,
teils speziell betriebener, Radarsensoren weist nachstehend genannte besonders relevante
Vorteile auf:
– eine hohe Nachweiswahrscheinlichkeit für die nachzuweisenden Objekte
(LKW' s, PKW' s, Leitplanken, etc.), welche eine hinreichende Struktur aufweisen
und zumindest größtenteils aus Metall bestehen;
– eine Unempfindlichkeit gegenüber teils extreme Umweltbedingungen wie
wechselnde Lichtverhältnisse, Temperaturschwankungen von –40°C bis +85°C
und mehr, Regen, Schnee, etc.;
– eine präzise Bestimmung von radialer Geschwindigkeit und Entfernung
der nachgewiesenen Objekte;
– die Möglichkeit der Objektklassifizierung durch typische struktur- und
materialabhängige Komponenten in den Radarsignalen; und/oder
– die Möglichkeit einer Mustererkennung durch typische struktur- und materialabhängige
Komponenten im Radarspektrum.
Da Radarsensoren zudem unsichtbar hinter für Radarstrahlen "transparente"
Materialien wie Kunststoffe etc. verbaut werden können, zudem eine bewährte Robustheit
und Infrastruktur aufweisen, eignet sich die vorliegende Erfindung insbesondere
als Applikation in modernen Kraftfahrzeugen.
Gemäß einer ersten einfachen Ausgestaltung wechseln CW- und FMCW-
Modulationsmodus sich sequentiell ab.
Zur Steigerung von Nachweiswahrscheinlichkeit und präziseren Bestimmung
der Objektgeschwindigkeit ist vorgesehen, dass mehrere FMCW- Modulationsmodi sich
mit wenigstens einem CW-Modulationsmodus abwechseln, insbesondere fünf FMCW- zu
einem CW- Modi.
Zur Vermeidung von Messungenauigkeiten, insbesondere im CW-Modi, wird
vorgeschlagen, dass mehreren FMCW- Modulationsmodi wenigstens zwei CW- Modulationsmodi
folgen, vorzugsweise fünf FMCW- zu zwei CW- Modi.
In einer einfachen Ausführung der Erfindung sind die Mittel zum Aussenden
von erstem und zweitem Radarstrahl durch einen 2-Strahl-Sensor realisiert. Dem Vorteil
raumnaher Kommunikation steht der Nachteil verhältnismäßig großer Bauräume gegenüber.
Da je nach Fahrzeugtyp kleindimensionierte Bauteile zunehmend entscheidungserheblich
sind wird vorgeschlagen, die Mittel zum Aussenden von erstem und zweitem Radarstrahl
durch je einen 1-Strahl-Sensor zu realisieren. Derartige Separierungen erlaubt zudem
vorteilhaft neuartige Sensoranordnungen.
Während 2-Strahl-Sensoren beispielsweise im Außenspiegel, im Kotflügel
oder in der hinteren Stoßstange verbaut werden müssen, lassen sich 1-Strahl-Sensoren
beliebig kombinieren. Erfindungsgemäß bevorzugt ist beispielsweise der 1-Strahl-Sensor
für den ersten Radarstrahl (Strahl I) im Außenspiegel, im Kotflügel, im vorderen
Radkasten, in der B-Säule oder im Türschweller und der 1-Strahl-Sensor für den zweiten
Radarstrahl (Strahl II) in der hinteren Stoßstange verbaut.
Zweckmäßigerweise weist der erste Radarstrahl (Strahl I) eine Breite
von 30° bis 50°, insbesondere von 40° und einen Tilt zur Längsachse
des Kraftfahrzeuges von 2° bis 13°, insbesondere von 5° oder 10°
und der zweite Radarstrahl (Strahl II) eine Breite von 70° bis 140°, insbesondere
von 80° oder 130° und einen Tilt zur Längsachse des Kraftfahrzeuges von
2° bis 53°, insbesondere von 5°, 20° oder 50°, auf.
Wie nachfolgend mit Bezug auf die begleitenden Zeichnungen sowie anhand
bevorzugter Ausführungsformen beispielhaft erläutert, eignet sich die vorliegende
Erfindung insbesondere zur Detektion und/oder Klassifikation von Objekten in einem
definierten Überwachungsbereich eines Kraftfahrzeuges.
Es zeigen schematisch:
1 den typischen Überwachungsbereich eines
"Blindspot-Überwachungssystems;
2 die Definition eines mit einem Blindspot-System
ausgerüsteten Fahrzeugs im Koordinatensystems;
3 Beispiele für relevante und nicht relevante
Objekte;
4 einen Überholvorgang auf der linken
benachbarten Fahrspur;
5 einen Überholvorgang auf der rechten
Fahrspur;
6 einen Einschervorgang;
7 einen Überholvorgang auf der übernächsten
rechten Fahrspur;
8 die Annäherung eines relevanten Objektes
auf der eigenen Fahrspur;
9 die Annäherung des "host car" an eine
Fahrbahnbegrenzung;
10 die beispielhafte Anordnung zweier
teilweise überlappender Sichtbereiche des/der Radar Sensoren eines "Blind-Spot -
Überwachung" Systems nach der Erfindung;
11 zwei Einbausituationen des Blindspot-Sensorsystems
hinter der Fahrzeugstoßstange für die linke Fahrzeugseite;
12 weitere (alternative) Anordnungen
der Sensoren für die Blindspot-Überwachung Applikation;
13 weitere Einzelheiten und Spezifikationen
der in den 12.1 bis 12.6
dargestellten einzelnen Anordnungen;
14 die schematische Darstellung eines
ersten typischen Autobahn - Szenarios;
15 die zum in 14
dargestellten Szenario korrespondierenden FMCW - Peaks im Strahl II;
16 eine Objekterkennung und Positionierung
bei Annäherung von hinten;
17 die zum in 14
dargestellten Szenario korrespondierenden FMCW - Peaks im Strahl I;
18 die mögliche Abfolge der CW und FMCW
- Frequenzmodulation während der Messzyklen des Sensors;
19 die zeitliche (sequentielle) Abfolge
der FMCW und CW - Peaks im Strahlbereich I;
20 die zeitliche Abfolge der FMCW und
CW - Peaks im Strahlbereich II;
21 die erkannte Objektgeschwindigkeit
und Objektentfernung in den Strahlen I + II während des Autobahnszenarios nach
14;
22 die schematische Darstellung eines
zweiten Autobahn - Szenarios;
23 die zum in 22
dargestellten Szenario korrespondierenden Radarsignale bei der Annäherung an eine
Leitplanke und der Annäherung an einen LKW;
24 die schematische Darstellung eines
dritten Autobahn - Szenarios;
25 die zum in 24
dargestellten Szenario korrespondierenden Radarsignale bei der Vorbeifahrt an einer
Leitplanke und der Parallelfahrt mit einem PKW;
26 die Klassifizierung von Objekten,
die von vorne in den Überwachungsbereich eintreten;
27 die schematische Darstellung eines
vierten Autobahn - Szenarios;
28 die zum in 27
dargestellten komplexen Szenario korrespondierenden Radarsignale mit LKW, PKW und
Leitplanke;
29 die schematische Darstellung eines
fünften Autobahn - Szenarios;
30 die zum in 29
dargestellten Szenario korrespondierenden Radarsignale bei Annäherung an eine Leitplanke;
31 die Einzel FMCW Spektren des Sichtbereichs
im Strahl II im Leitplankenszenario nach 29;
32 die Einzel FMCW Spektren des Sichtbereichs
im Strahl I im Leitplankenszenario nach 29;
33 die schematische Darstellung eines
sechsten Autobahn - Szenarios;
34 die zum in 33
dargestellten Szenario korrespondierenden Radarsignale bei einem Übergang von Leitplanke
zu Betonwand;
35 die Einzel FMCW Spektren des Sichtbereichs
im Strahl II im Leitplanken-Betonmauerszenario nach 33;
36 die Einzel FMCW Spektren des Sichtbereichs
im Strahl I im Leitplanken-Betonmauerszenario nach 33;
37 die in Anlehnung zum in
14 dargestellten Szenario korrespondierenden Radarsignale,
bei dem das Fahrzeug von zwei Pkw auf der Nachbarspur überholt wird; und
38 die in Anlehnung zum in
14 dargestellten Szenario korrespondierenden Radarsignale,
bei dem das Fahrzeug von einem Lkw mit Anhänger auf der Nachbarspur überholt wird.
Ebenso wie bei den eingangs beschriebenen Figuren sind in der nachfolgenden
Beschreibung der bevorzugten Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung gleiche
oder vergleichbare Komponenten gleich dargestellt.
10 zeigt eine beispielhafte Anordnung
der beiden Radar - Strahlbereiche. Strahl I deckt einen Sektor von ca. 40° in
der horizontalen Ebene der benachbarten Fahrbahn ab. Er ist gegenüber der Längsrichtung
des Fahrzeug ca. 10° verkippt. Strahl II besitzt einen Sektor von ca. 130°
und ist senkrecht zur Längsrichtung des Fahrzeugs orientiert. Der abzudeckende Überwachungsbereich,
in dem die Objekte nachgewiesen und klassifiziert werden sollen, ist erhellt gezeichnet.
Die hier ausgewählten Strahlbreiten und Strahlorientierungen sind
auf den gewünschten Überwachungsbereich (erhellt hinterlegt) ausgelegt. Ein anderweitig
definierter Überwachungsbereich würde eine Anpassung von Strahlbreite und Strahlorientierung
erfordern. Die prinzipielle Auslegung und Konfiguration der beiden Strahlbereiche
wäre jedoch gleich. Sie ist notwendig um die weiter unten beschriebenen Strategien/Lösungen
der Teilanforderungen für die Signalauswertung anwenden zu können.
Das vorgeschlagene Sensorsystem beruht auf der bevorzugten Verwendung
von 24 GHz, ggf. auch 77 GHz, Radarsensoren. Radarstrahlung mit einer entsprechenden
Wellenlänge von einigen Millimetern hat die vorteilhafte Eigenschaft, durch eine
Vielzahl von Kunststoffmaterialien ohne merkenswerte Beeinflussung hindurchtreten
zu können. Da die Mehrzahl der KFZ - Stoßfänger derzeit aus Kunststoff gefertigt
sind, bietet dies die Möglichkeit, das erfindungsgemäße Blindspot-Sensorsystem hinter
dem hinteren Stoßfänger zu verbauen. Es ist somit unsichtbar und vor äußeren Einwirkungen
wie etwa Steinschlag geschützt. Dies ist zugleich ein nicht unerheblicher Vorteil
in der Systemintegration gegenüber anderen Sensorkonzepten wie etwa Video, Infrarot,
Laser.
Das geforderte Gesichtsfeld der Radarstrahlen erlaubt sowohl einen
zweistrahligen Sensor als auch zwei einstrahlige Sensoren zu verwenden. Die erst
Variante hat den klaren Vorteil, dass nur ein Gehäuse mit entsprechender Infrastruktur
benötigt wird. Jedoch setzt das geforderte Gesichtsfeld dann enge Grenzen an den
Einbauort des Sensors.
Werden zwei einstrahlige Sensoren verwendet, so benötigt man zusätzlich
eine hinreichend leistungsfähige Schnittstelle zwischen den beiden Sensoren. Dafür
ist man bei der Verwendung von zwei Sensoren sehr flexibel bei den möglichen Einbauorten
der einzelnen Sensoren, da die einstrahligen Sensoren deutlich kleiner (etwa halb
so groß) sind als ein zweistrahligen Sensor.
In 11 sind typische Einbausituationen
für die vorgeschlagene Sensorkonfiguration dargestellt. Diese Sensorkonfiguration
ist primär aus zweierlei Überlegungen ausgewählt worden. Einerseits soll das System
z.B. in einen PKW integrierbar sein. Bei der Verwendung von 24
GHz Radarsensoren begrenzt die benötigte Antennenfläche die Abmessungen des Sensors.
Etwa für einen in 11.1 gezeigten zweistrahligen Sensor
mit den in 10 gezeigtem Gesichtsfeld beträgt die benötigte
Antennenfläche etwa 150 × 60 mm. Aufgrund der geforderten Ausrichtung des
Sensors und seiner Größe findet man in einem konventionellen PKW nur bedingt geeignete
Einbauorte.
Denkt man an zwei Einzelsensoren (siehe 11.2)
für die Realisierung des Überwachungsbereiches, so vereinfacht dies vorteilhaft
die Integration der Sensoren in das Fahrzeug dahingehend, dass die Einzelsensoren
entsprechend kleiner dimensionierbar sind, auch wenn nun eine hinreichend schnelle
Kommunikation zwischen den beiden Einzelsensoren benötigt wird.
Alternativ zu der in 11 vorgestellten
Anordnung ist es möglich, alternative Strahlkonfigurationen mit entsprechenden Einbauorten
am Fahrzeug bei gegebenem Überwachungsbereich anzuwenden.
12 zeigt für einen gegebenen Überwachungsbereich
(hell hinterlegt) mögliche Strahlanordnungen für ein Blindspot-Sensorsystem.
12.1 zeigt die aus dem Stand der Technik bekannte klassische
Anordnung mit nur einem Radar-Strahl.
12.2. bis 12.6
zeigen Strahlanordnungen nach der Erfindung, bei welchen die nachfolgend beschriebenen
Signalverarbeitungsstrategien angewendet werden können, wobei weitere Einzelheiten
und Spezifikationen der in den 12.1 bis 12.6
dargestellten einzelnen Anordnungen in 13 niedergelegt
sind.
Nachfolgend werden Nachweis-, Klassifikations- und Mustererkennungsstrategien,
die bei der Realisierung des erfindungsgemäßen Blindspot-Sensorsystem alternativ
oder kumulativ Anwendung finden können, im Detail beschrieben sowie ihre Anwendung
anhand einer jeweils zugrundeliegenden Teilanforderung diskutiert.
Teilanforderung A - Separation von Objekt und Umgebung/Objektpositionierung.
Die Objekterkennung und Klassifikation soll vorzugsweise mit Hilfe eines zweistrahligen
Radarsensors erfolgen. Der Sensor besitzt innerhalb der zwei Strahlkeulen keinerlei
Winkelauflösung, sie messen ausschließlich radiale Entfernungen und Geschwindigkeiten
im Sichtbereich der Radarkeulen. Dennoch sollen die Objekte in Bezug auf einen vorgegebenen
Überwachungsbereich positioniert werden. Im typischen Anwendungsfall stellt die
Separation der relevanten Objekte von der Umgebung eine weitere Anforderung, da
im typischen Anwendungsfall eine ausgeprägte Mehrzielumgebung vorherrscht (z.B.
Fahrzeug neben Leitplanke):
Das erfindungsgemäße Blindspot-System führt die Objektpositionierung und die Objekterkennung
durch eine gezielte Anordnung und Auslegung der beiden Sichtbereiche des/der Sensoren
durch.
Um den gesamten Überwachungsbereich abdecken zu können, wird ein Sensor
mit einem sehr ausgedehnten horizontalen Gesichtsfeld benötigt. Dieses wird in der
vorgestellten Konfiguration durch den Strahl II des Sensors realisiert, der einen
Öffnungswinkel von ca. 130° in der horizontalen Ebene aufweist (siehe
10). Das Blindspot-Sensorsystem ist insbesondere für
den Einsatz auf mehrspurigen, zumeist baulich begrenzten, Fahrbahnen (z.B. Autobahn
mit Leitplankenbegrenzung) konzipiert.
Dieses Umfeld stellt für einen Sensor, der ausschließlich senkrecht
zu Bewegungsrichtung des Fahrzeuges ausgerichtet ist (Strahl II), eine ausgeprägte
Mehrzielumgebung da. Da insbesondere jeder metallische Gegenstand zu einem Nachweis
führt, ist eine rechtzeitige Erkennung und Klassifizierung von Objekten in einer
solchen Mehrzielumgebung sehr schwierig.
Zur Verdeutlichung soll ein typisches Autobahnszenario diskutiert
werden. Das mit dem Blindspot-Sensorsystem ausgerüstete Fahrzeug (host car) fährt
auf der rechten Spur einer zweispurigen Autobahn, deren zweite Spur durch eine Leitplanke
begrenzt ist. Das Fahrzeug wird sukzessive von fünf Fahrzeugen überholt.
14 zeigt eine schematische Darstellung des Szenarios.
15 zeigt die zum in 14
dargestellten Szenario korrespondierenden FMCW - Peaks im Strahl II, d.h. dargestellt
sind die detektierten Frequenzmaxima (Peaks) im FMCW - Radarspektrum des Strahls
II, wobei Peaks, die den überholenden Fahrzeugen zuzuordnen sind, mit Fzg gekennzeichnet
sind, so dass die restlichen Peaks der Leitplanke zuzuordnen sind.
Wie dem FMCW - Radarprinzip eigen, ist die einzelne Frequenzposition
hierbei proportional zur radialen Objektentfernung und Geschwindigkeit des jeweiligen
Reflexpunktes am Objekt.
Aufgrund des großen Öffnungswinkels im Strahl II (±65°),
fallen sowohl die Leitplankenbegrenzung sowie deren Metallpfosten als auch die überholenden
Fahrzeuge in den Überwachungsbereich des Sensors.
Da der Sensor ausschließlich radiale Größen misst und sich im Überwachungsbereich
sehr viele Ziele mit vergleichbarer Entfernung und Relativgeschwindigkeit befinden,
ist eine Separation der relevanten (Fahrzeuge) von den nicht relevanten Objekten
(wie Leitplankenpfosten) mit Hilfe des Strahles II erst dann sicher möglich, wenn
in dem vorliegenden Szenario der radiale Abstand der relevanten Objekte deutlich
kleiner ist, als der kleinste radiale Abstand der nicht relevanten Objekte.
Dies ist für eine zuverlässige und rechtzeitige Erkennung und Klassifikation
der Objekte nicht ausreichend!
Um dennoch eine rechtzeitige Objekterkennung und Klassifikation durchführen
zu können, wird – wie bereits erwähnt – eine Anordnung vorgeschlagen,
die aus zwei teilweise überlappenden Sensor Überwachungsbereichen besteht.
Die Strategie besteht darin, die an die benachbarte Fahrspur angrenzende
Leitplanke durch gezielte Auswahl des Sichtbereiches von Strahl I sowie seiner Orientierung
in Bezug auf das Fahrzeug auszublenden.
Der Nachweisbereich von Strahl I ist so gewählt, dass er vornehmlich
die angrenzende Fahrspur überwacht und somit nicht durch die Leitplanke oder ähnliche
nicht relevante Objekte beeinflusst wird.
Objekte, die mit einer definierten radialen Entfernung im Strahl I
detektiert werden, befinden sich auf der angrenzenden Fahrspur und sind als mögliche
relevante Objekte zu klassifizieren. In 16 sind die
geometrischen Verhältnisse schematisch verdeutlicht.
Die angegebenen Radien rmax und rmin sind dabei
von der Wahl der Strahlbreite und der Orientierung des Strahls I abhängig. Der Sektor
zwischen rmax und rmin stellt hierbei ein Bereich dar, in
dem die Ziele zu erkennen sind und ihre Signale in den Radarspektren verfolgt werden.
Die Entscheidung, ob sich das Objekt auf der benachbarten oder übernächsten
Spur befindet wird dann getroffen, wenn die Objektspur den radialen Abstand rmin
unterschreitet. Danach erfolgt die Positionierung aufgrund der radialen Positionsbestimmung
in Strahl II.
Aus der Geometrie der Strahlkeulen von Strahl I und II wird deutlich,
dass es beider Strahlen bedarf, um ein Objekt in Bezug auf den Überwachungsbereich
positionieren zu können. Aufgrund der Bereichsüberlappung werden Objekte aus Strahl
I im Strahlbereich II weiterverfolgt, bis sie den Überwachungsbereich verlassen.
Das beschriebene System führt eine Objektfrüherkennung mit Hilfe des
Strahles I durch. Dies ist sinnvoll, da Objekte mit hoher Relativgeschwindigkeit
sich bei der beschriebenen Anwendung dem System von hinten, also aus der Blickrichtung
von Strahl I nähern. Gerade in dieser Richtung muss das System in der Lage sein,
Objekte mit einer hohen Relativgeschwindigkeit sicher zu erkennen.
In 17 sind die detektierten Frequenzmaxima
für das diskutierte Autobahnszenario im Strahl I dargestellt. Es wird deutlich,
dass durch die Auswahl von Strahlorientierung und Strahlform die relevanten von
den nicht relevanten Objekten deutlich getrennt worden sind.
Im Strahl I sind in dem vorliegenden Szenario fast ausschließlich
die relevanten Objekte zu erkennen (z.B. Fahrzeuge, die auf der benachbarten Spur
vorbeifahren). Aufgrund der Strahlorientierung werden diese Objekte jedoch nur bis
zu einem minimalen radialen Abstand gesehen. Dieser minimale Abstand reicht nicht
aus, um ausschließlich mit Hilfe von Strahl I Aussagen über die Objektposition relativ
zum Überwachungsbereich machen zu können.
Strahl I dient demzufolge dazu, Objekte, die sich von hinten auf der
benachbarten Spur nähern frühzeitig zu erkennen. Da sich die Strahlbereiche überlappen,
werden Objekte, die sich auf der benachbarten Spur von hinten nähern, in beiden
Strahlbereichen nachgewiesen.
Teilanforderung B - Zuverlässige Erkennung von Objekten mit hoher
Differenzgeschwindigkeit. Wie bereits beschrieben muss das System in der Lage sein,
Objekte, die sich dem ausgerüsteten Fahrzeug ("host car")von hinten mit relativ
hoher Differenzgeschwindigkeit nähren (etwa > 40 Km/h), sicher zu erkennen:
Der eingesetzte Radarsensor zumindest für Strahl I bietet die Möglichkeit der Modulationsumschaltung,
d.h. er kann sowohl im CW als auch im FMCW - Modulationsmode betrieben werden. Beide
Modulationsarten haben spezifische Vorteile und ergänzen sich in dem Vermögen, Objekte
zu erkennen, zu separieren sowie ihren radiale Position und Geschwindigkeit zu bestimmen.
Im CW - Mode ist der Sensor in der Lage, ausschließlich die Geschwindigkeit
von Objekten im Überwachungsbereich des Sensors zu vermessen. Der Sensor misst also
lediglich das Vorhandensein von Objekten sowie deren Relativgeschwindigkeit. Eine
Objekttrennung kann nur aufgrund unterschiedlicher Geschwindigkeit erfolgen.
Der Geschwindigkeitsmessbereich wird hierbei auf den für die Anwendung
sinnvollen Bereich eingeschränkt (etwa 0...30 m/s). Der räumliche Überwachungsbereich
ist im CW - Mode einerseits durch den Öffnungswinkel der Antenne sowie der Empfindlichkeit
des Sensors bestimmt (im Vergleich zum FMCW - Mode gibt es keinen
festen maximalen radialen Nachweisbereich!).
Insbesondere ist der radiale Sichtbereich für relevante Objekte (PKW,
LKW, ...) größer als der maximale Sichtbereich, in dem eine radiale Positionsbestimmung
durchgeführt werden kann.
Der FMCW - Mode hat den Vorteil, dass sowohl radiale Objektentfernungen
als auch radiale Relativgeschwindigkeiten von Objekten im Überwachungsbereich gleichzeitig
bestimmt werden können.
Der radiale Überwachungsbereich ist hierbei jedoch durch die Objektgeschwindigkeit
und dem radialen Abstand begrenzt. Etwa für Objekte mit Relativgeschwindigkeit vrelativ
= 0 beträgt die maximale Entfernung rmax (abhängig von der Sensorauslegung).
Für ein Objekt mit der Relativgeschwindigkeit v = v0 hingegen nur (rmax
– k·v0) (k>0), ist also entsprechend kleiner.
Zudem besitzt die FMCW - Signalauswertung den Nachteil von Mehrdeutigkeiten
in einer Mehrziel - Umgebung. Befinden sich mehr als ein Objekt im Überwachungsbereich
des Sensors, so kann in einem einzelnen FMCW - Messzyklus nicht eindeutig die radialen
Entfernungen und Geschwindigkeiten der Objekte bestimmt werden. Dies hat zur Folge,
das es zu Fehlinterpretationen der FMCW - Daten kommen kann und virtuelle Objekte
(Geisterziele) gebildete werden.
Der FMCW - Mode bietet grundsätzlich die Möglichkeit, Objekte nach
Entfernung und Geschwindigkeit zu trennen.
Der sequentielle Betrieb des CW und FMCW Radar - Modulationsverfahren
ermöglicht es, die Vorteile beider Verfahren zu kombinieren und Synergieeffekte
auszunutzen.
Die hohe Sensitivität des CW - Mode erlaubt es, die Geschwindigkeit
von Objekten (insbesondere von Objekten mit hoher Relativgeschwindigkeit) zu einem
sehr frühen Zeitpunkt zu bestimmen. Somit erfolgt eine Objektfrüherkennung und die
Signalverarbeitung des FMCW - Mode kann gezielt auf die Präsenz von Objekten mit
der detektierten Objektgeschwindigkeit im CW - Mode sensibilisiert werden.
Hierdurch kann die Position und Geschwindigkeit von Objekten zu einem
sehr frühen Zeitpunkt sicher bestimmt werden und Mehrdeutigkeiten in der FMCW -
Signalverarbeitung vermieden werden.
18 zeigt die mögliche Abfolge der CW
und FMCW - Frequenzmodulation während der Messzyklen des Sensors.
Zur Verdeutlichung soll an dieser Stelle erneut das oben beschriebene
Autobahnszenario diskutiert werden (siehe 14).
19 und 20 zeigen die gemessenen
FMCW- und CW - Frequenzmaxima während des Szenarios als Funktion der Zeit.
Die Frequenzmaxima im CW - Mode repräsentieren die radiale Relativgeschwindigkeit
der Objekte in den jeweiligen Strahlbereichen. In beiden 19
und 20 ist deutlich zu erkennen, dass Objektgeschwindigkeit
im CW - Mode zeitlich vor der Detektion der Objekte im FMCW - Mode stattfindet.
Somit kann in der FMCW - Signalauswertung gezielt nach Objekten mit
der CW - Geschwindigkeit gesucht werden. Hierdurch wird die radiale Entfernung dieser
Objekte zu einem Zeitpunkt bestimmt, an dem es in einer alleinigen FMCW - Datenauswertung
nicht sicher möglich wäre.
In 21 ist das Ergebnis der CW und FMCW
- Datenanalyse während des diskutierten Autobahnszenarios als Funktion der Zeit
dargestellt. In den beiden Diagrammen sind dabei sowohl die ermittelte Objektgeschwindigkeit
aufgrund der CW - Daten als auch die Geschwindigkeit basierend auf den FMCW - Daten
gezeigt.
Beide Verfahren ergänzen sich in ihrem Vermögen, Objekte zu detektieren
und zu klassifizieren. Aufgrund des Messprinzips ist der CW - Mode nicht in der
Lage, Objekte zu erkennen, die keine Relativgeschwindigkeit zum Sensor besitzen.
Ein typisches Objekt, das für eine Blind-Spot - Anwendung von Bedeutung
ist, stellt die Fahrbahnbegrenzung (Leitplanke) dar. In dem diskutierten Szenario
bewegt sich das Fahrzeug parallel zu dieser Fahrbahnbegrenzung. Demzufolge ist sie
im CW - Mode im Strahl I nicht zu sehen.
Währenddessen wird die Leitplanke als statisches Objekt im FMCW -
Mode erkannt und kann für eine Blind-Spot - Anwendung verwendet werden.
Teilanforderung C - Objekt und Fahrsituationsklassifikation in relevante
und nicht relevante Objekte. Neben der Erkennung und Positionierung der Objekte
relativ zum Überwachungsbereich muss das System in der Lage sein, Objekte zu klassifizieren.
Wie in 3 beispielhaft gezeigt, kann die Relevanz eines
Objektes unter anderem durch die Relativgeschwindigkeit bestimmt sein:
Da das vorgeschlagene Sensorsystem in der Lage ist, die Geschwindigkeit von Fahrzeugen
zu bestimmen, die sich entgegen der Fahrtrichtung, also von hinten dem System nähren,
ist eine Klassifikation der Objekte in diesen Fällen relativ einfach.
Demgegenüber deutlich komplizierter ist der Sachverhalt, wenn sich
ein Objekt dem Überwachungsbereich von vorne oder der Seite nähert. In diesem Fall
ist die direkte Vermessung der Relativgeschwindigkeit problematisch bzw. nicht ohne
ein Modell der Fahrumgebung oder weitere Mittel, beispielsweise eines nach vorne
gerichteten dritten Radarstrahls, möglich.
Da die Absolutbewegung des mit dem System ausgerüsteten Fahrzeugs
nicht bekannt ist, kann aus den gemessenen Objektabständen und Relativgeschwindigkeiten
nicht ohne weiteres auf den Bewegungszustandes des Objektes allein geschlossen werden.
Zur Veranschaulichung der Problematik ist in 22
ein zweites typisches Autobahnszenario dargestellt, in der das mit dem System ausgerüstete
Fahrzeug sich zunächst einer Leitplanke und anschließend einem LKW nähert.
23 zeigt die zum in 22
dargestellten Szenario korrespondierenden Radarsignale bei der Annäherung an eine
Leitplanke und der Annäherung an einen LKW. Das obere Diagramm zeigt die FMCW -
Peakpositionen und Intensität des Strahl I als Funktion der Zeit; das untere die
entsprechenden Informationen für den Strahl II.
Ebenfalls zur Veranschaulichung der Problematik ist in 24
ein drittes typisches Autobahnszenario dargestellt, in der das mit dem System ausgerüstete
Fahrzeug zunächst an einer Leitplanke vorbeifährt und anschließend mit einem PKW
parallel fährt. 25 zeigt die zum in 24
dargestellten Szenario korrespondierenden Radarsignale bei der Vorbeifahrt an der
Leitplanke und Parallelfahrt mit dem PKW. Das obere Diagramm zeigt wiederum die
FMCW - Peakpositionen und Intensität des Strahl I als Funktion der Zeit; das untere
die entsprechenden Informationen für den Strahl II.
Leitplanke und PKW bzw. LKW treten in den 22
und 23 bzw. 24
und 25 dargestellten Szenarien in den vorderen
Überwachungsbereich ein. Da jeweils beide Objekte sich dem Überwachungsbereich von
vorne nähern, kann keine Objekterkennung bzw. Geschwindigkeitsbestimmung im Strahlbereich
I erfolgen.
Das System muss dennoch zwischen den beiden Objekten Leitplanke (nicht
relevantes Objekt) und LKW (relevantes Objekt) entscheiden können.
Dazu werden erfindungsgemäß bevorzugt folgende Strategien implementiert.
Falls es sich bei dem im Strahl II detektierten Objekt um ein statisches Objekt
handelt, so wird dieses Objekt nach einer Zeit tmin im Strahl I zu detektieren
sein. Diese Zeitspanne ist definiert durch die Eigengeschwindigkeit des Fahrzeugs
und den lateralen Abstand der beiden Strahlkeulen. Wie in 26
veranschaulicht gilt somit folgender Zusammenhang:
Wird demzufolge ein Objekt im Strahl II erkannt, ohne dass dieses
Objekt bereits durch den Strahlbereich I gelaufen ist, so wird, nachdem das Fahrzeug
die Strecke dxStrahl I Strahl II durchlaufen hat, nach Objekten in vordefiniertem
radialen Abstand in Strahl I gesucht. Wird ein solches Objekt, das zudem positive
Relativgeschwindigkeit besitzt, nachgewiesen, so kann darauf geschlossen werden,
dass es sich um ein statisches Objekt handelt und somit als nicht relevant zu klassifizieren
ist.
Wird hingegen kein Objekt detektiert, so kann davon ausgegangen werden,
dass sich das Objekt parallel zum ausgerüsteten Fahrzeug mitbewegt und somit, falls
es sich im Überwachungsbereich befindet, als relevant zu klassifizieren ist.
In 23 und 25
sind die aufgezeichneten FMCW - Spektren als Funktion der Zeit für die in
22 und 24 beschriebenen
Szenarien dargestellt.
Teilanforderung D - Mustererkennung im Radarspektrum. Um zusätzliche
Informationen über die detektierten Objekte zu erhalten, wird eine Mustererkennung
in den detektierten FMCW - Spektren der beiden Radarkeulen durchgeführt:
Dabei wird nach bestimmten Charakteristika der häufig auftretenden Objekte im FMCW
Spektrum gesucht, so dass beispielsweise durch Vergleich mit in einem Speicher hinterlegten
typischen Referenzmustern zuverlässige Zusatzinformationen über die detektierten
Objekte gewonnen werden können.
Insbesondere werden die Informationen der beiden Sensor - Sichtbereiche
(Strahl I ; Strahl II) fusioniert, um die Robustheit der Klassifizierung zu erhöhen,
bzw. eine Unterscheidung verschiedener Klassen zu ermöglichen.
Zur Veranschaulichung der Vorgehensweise soll nachfolgend anhand verschiedener
Beispiele diskutiert werden: 27 zeigt ein viertes Autobahnszenario. In diesem Szenario
wird das Fahrzeug ("host car")zunächst von einem LKW auf der linken nächsten Spur
überholt. Anschließend fährt ein PKW auf der übernächsten Spur an dem Fahrzeug vorbei.
Zuletzt fährt das Fahrzeug entlang einer im Überwachungsbereich beginnenden Leitplanke
entlang.
In 28 sind die aufgezeichneten FMCW -
Spektren als Funktion der Zeit für das in 27 beschriebene
Szenario dargestellt.
Bei der Klassifikation wird in den FMCW Spektren nach für das zu klassifizierende
Objekt typischen Merkmalen gesucht. Folgende Merkmale werden bei der Auswertung
der FMCW Spektren berücksichtigt und am Beispiel einer Leitplankenerkennung (vgl.
29 bis 32) illustriert:
Intensitätsverteilung des FMCW Signals – bei dem in 29
dargestellten Szenario bewegt sich das Fahrzeug ("host car") im Wesentlichen parallel
zur Leitplanke und nähert sich dieser als Funktion der Zeit an. Eine Leitplanke
besteht zumeist aus einer horizontalen Metallstruktur, die mittels regelmäßig angeordneten
Metallpfosten getragen wird. Im FMCW Spektrum im Strahl II zeichnet sich das durch
einen Hauptreflex (größte Intensität im Spektrum) aus (vgl. 31),
der den minimalen Abstand zur Leitplanke repräsentiert und einer Vielzahl regelmäßig
(konstanter Abstand der Pfosten) angeordneter Reflexe aufgrund der Leitplankenpfosten.
Im Strahl I hingegen ist aufgrund der geometrischen Verhältnisse nur eine Reihe
von regelmäßig angeordneten Reflexen aufgrund der Leitplankenpfosten erkennbar (siehe
32 – wobei Amplitude sowie Frequenz jeweils in
"willkürlichen Einheiten" [w.E.] aufgetragen sind). Mit Hilfe des minimalen Abstandes
zur Leitplanke, der aufgrund der Informationen im Strahl II bestimmt werden kann
und der Eigengeschwindigkeit, lässt sich die Position der Reflexpunkte im Strahl
I vorherbestimmen. Kombiniert man die Informationen aus Strahl I und II so lässt
sich vorteilhaft eine verlässliche Aussage über das Vorhandensein und die Position
einer Leitplanke im Überwachungsbereich erzielen.
Zeitliche Variation des Signals – die Leitplanke ist aufgrund
ihrer physikalischen Eigenschaften (regelmäßige Anordnung von Metallteilen, hohe
Symmetrie) ein sehr "stabiles" Ziel für das Radar, entsprechend ist die zeitliche
Variation der Signale gering im Vergleich zu anderen Objekten (etwa Fußgänger).
Zeitliche Variation der Struktur – aufgrund der Eigengeschwindigkeit
und der geometrischen Verhältnisse ist die zeitliche Entwicklung der Reflexpunkte
der Leitplankenpfosten vorherbestimmt. Der Hauptreflexpunkt der Leitplanke bleibt
bei Parallelfahrt entsprechend dem Abstand zur Leitplanke ortsfest mit Relativgeschwindigkeit
0 m/s. Die Struktur ist aufgrund der räumlichen Ausdehnung der Leitplanke für eine
entsprechend lange Zeit sichtbar.
Räumliche Variation der Struktur – ist bestimmt durch die geometrischen
Verhältnisse und bei der Leitplanke eher gering.
Strukturunterschied innerhalb der beiden unterschiedlichen FMCW Messungen
[(Frequenzrampe mit positiver Steigung (untere Kurve im 31)
Frequenzrampe mit negativer Steigung (obere Kurve in 31)]
unter Berücksichtigung der Eigengeschwindigkeit und Bewegungsrichtung – charakteristisch
für eine Leitplanke ist z.B. die Übereinstimmung der beiden FMCW Messungen für den
Hauptreflex sowie der geschwindigkeitsabhängigen Verschiebung der Reflexpunkte die
den Leitplankenpfosten zugeordnet werden können.
Strukturbreite (Zusammenfassung mehrerer Intensitätsmaxima zu einer
Struktur, die einem Objekt zugeordnet werden kann) – wie bereits geschildert
ist die Leitplanke durch eine Vielzahl von charakteristischen Reflexpunkten im Spektrum
charakterisiert. Diese Reflexpunkte können allesamt dem Ziel Leitplanke zugeordnet
werden.
Intensitätsverteilung innerhalb einer Struktur als Funktion der Frequenz
– charakteristisch für die Leitplanke ist das Intensitätsmaxima im Hauptreflex
sowie Reflexe geringerer Intensität im Anschluss an den Hauptreflex.
Vergleich der Strukturen in den beiden Strahlregionen – direkter
Zusammenhang zwischen der Position der Leitplanken Reflexpunkte im Strahlbereich
I und II aufgrund von geometrischen Überlegungen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Merkmale der Objektklassifikation
dabei entweder aus der Übertragung der physikalischen/geometrischen Objekteigenschaften
auf seine FMCW radarspezifische Auswirkung abgeleitet, oder durch Referenzdaten
auf Basis von typischen Messungen der jeweiligen Objektklassen generiert werden.
33 zeigt ein sechstes typisches Autobahnszenario,
bei dem sich das Fahrzeug ("host car") zunächst parallel zu einer Leitplanke und
anschließend parallel zu einer Betonwand bewegt. Der Unterschied ist deutlich in
den FMCW Spektren der beiden Strahlbereiche zu erkennen (vgl. 34).
Bewegt sich das Fahrzeug entlang einer Betonmauer, so fehlen die Reflexe aufgrund
der Leitplankenpfosten. Der Hauptreflex ist dagegen in beiden Fällen vorhanden.
Dieser Unterschied wird besonders deutlich, wenn die FMCW Spektren
eines einzelnen Messzyklus der beiden Sichtbereiche betrachtet und diese mit dem
Leitplankenszenario verglichen werden (siehe 35 und
36).
Abschließend sind, in Anlehnung zu dem in 14
dargestellten Szenario, in den 37 und 38
jeweils zwei Überholszenarien dargestellt, in denen das mit dem Blindspot-Sensorsystem
ausgerüstete Fahrzeug ("host car") von zwei PKW's (37)
bzw. einem LKW mit Anhänger (38) überholt wird.
Deutlich erkennbar ist, wie sich ein PKW und ein LKW hinreichend in
ihrer jeweiligen Abmessung unterscheiden. Dies wird ebenfalls in den aufgezeichneten
FMCW Signalen deutlich. Die FKCW Struktur eines LKW ist deutlich ausgedehnter und
strukturierter im Vergleich zum PKW.
Die Breite der Struktur sowie ihre Intensitätsverteilung sind charakteristisch
für die jeweilige Objektklasse LKW bzw. PKW und werden bei der Klassifizierung herangezogen.
Die vorliegende Erfindung hat sich insbesondere als Applikation eines
Blindspot-Sensorsystems basierend auf Radarsensoren (etwa 24 GHz oder 77GHz) geeignet
zum Aussenden wenigstens eines ersten und eines zweiten Radarstrahls mit folgenden
Eigenschaften bewährt:
– Zwei Radarstrahlen mit zwei teilweise überlappenden Sichtbereichen (Strahl
I/Strahl II);
– Sichtbereich I ist gegen die Fahrtrichtung geneigt und überwacht die
angrenzende Fahrspur;
– Sichtbereich II ist im Wesentlichen senkrecht zur Fahrrichtung orientiert
und deckt mit einem weiten Sektorbereich den Überwachungsbereich des Systems ab;
– die Sichtbereiche besitzen einen Überlappungsbereich und sind gegeneinander
verkippt;
– Umschaltbares Radar Modulationsprinzip des/der Sensoren) vornehmlich
im Strahlbereich I (FMCW und CW) (mindestens jedoch FMCW, um radiale Entfernung
und Geschwindigkeit bestimmen zu können);
– Bi-Statische Auslegung des/der Radarsensoren;
– Radiale Sichtbereiche des/der Sensoren deckt zusammen mindestens die
Ausmaße des Überwachungsbereiches ab. Ein größerer Sichtbereich des/der Sensors,
insb. im Strahlbereich I, ist sinnvoll, um Objekte früh erkennen und verfolgen zu
können;
– Radiale Auflösung typisch dr < 0.5m;
– Radiale Geschwindigkeitsauflösung typisch dv < 2m/s; sowie
– Messzykluszeit für (FMCW und CW) typisch dt < 30 ms.
Die vorliegende Erfindung eignet sich damit insbesondere für den Einsatz
in einem Assistenzsystem, beispielsweise zum Spurwechsel, moderner Kraftfahrzeuge
jedweder Art.
Anspruch[de]
Blindspot-Sensorsystem zur Detektion und/oder Klassifikation von Objekten
in einem definierten Überwachungsbereich eines Kraftfahrzeuges, umfassend wenigstens
ein erstes Mittel zum Aussenden eines ersten Radarstrahles sowie ein zweites Mittel
zum Aussenden eines zweiten Radarstrahles, wobei
– der radiale Sichtbereich des ersten Radarstrahls (Strahl I) gegen die Fahrtrichtung
(vx) des Kraftfahrzeugs derart geneigt und der radiale Sichtbereich des
zweiten Radarstrahls (Strahl II) im wesentlichen senkrecht zur Fahrtrichtung (vx)
derart orientiert ist, dass die Sichtbereiche der Radarstrahlen (I und II) sich
wenigstens teilweise überlappen und zusammen im Wesentlichen die Abmaße des Überwachungsbereiches
abdecken; und wobei
– zumindest der erste Radarstrahl (Strahl I) sowohl im CW- als auch im FMCW-
Modulationsmodus betreibbar ist.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
CW- und FMCW- Modulationsmodus sich sequentiell abwechseln.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
mehrere FMCW- Modulationsmodi sich mit wenigstens einem CW- Modulationsmodus abwechseln,
insbesondere fünf FMCW- zu einem CW- Modi.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass
mehreren FMCW- Modulationsmodi wenigstens zwei CW- Modulationsmodi folgen, insbesondere
fünf FMCW- zu zwei CW- Modi.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Mittel zum Aussenden von erstem und zweitem Radarstrahl durch einen 2-Strahl-Sensor
realisiert sind.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Mittel zum Aussenden von erstem und zweitem Radarstrahl durch je einen
1-Strahl-Sensor realisiert sind.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet,
dass der oder die Strahl-Sensor (en) im Außenspiegel, im Kotflügel oder in der hinteren
Stoßstange verbaut sind.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass
der Strahl-Sensor für den ersten Radarstrahl (Strahl I) im Außenspiegel, im Kotflügel,
im vorderen Radkasten, in der B-Säule oder im Türschweller und der Strahl-Sensor
für den zweiten Radarstrahl (Strahl II) in der hinteren Stoßstange verbaut sind.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass der erste Radarstrahl (Strahl I) eine Breite von 30° bis
50°, insbesondere von 40° und einen Tilt zur Längsachse des Kraftfahrzeuges
von 2° bis 13°, insbesondere von 5° oder 10°, aufweist.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass der zweite Radarstrahl (Strahl II) eine Breite von 70°
bis 140°, insbesondere von 80° oder 130° und einen Tilt zur Längsachse
des Kraftfahrzeuges von 2° bis 53°, insbesondere von 5°, 20° oder
50°, aufweist.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass eine Objektfrüherkennung vornehmlich mit Hilfe des ersten Radarstrahls
(Strahl I) erfolgt.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass
der erste Radarstrahl (Strahl I) einen definiert einstellbaren maximalen (rmax)
und einem definiert einstellbaren minimalen (rmin) Radius aufweist, welcher
einen Nachweisbereich darstellt.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass
der Nachweisbereich des ersten Radarstrahls (Strahl I) so gewählt ist, dass er vornehmlich
die angrenzende Fahrspur überwacht.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet,
dass eine Entscheidung, ob sich ein Objekt auf der benachbarten oder übernächsten
Spur befindet, dann getroffen wird, wenn die Objektspur den radialen Abstand rmin
unterschreitet.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der Ansprüche 11 bis 14, dadurch
gekennzeichnet, dass Objekte, die mit einer definierten radialen Entfernung im ersten
Radarstrahl (Strahl I) detektiert werden, definitionsgemäß sich auf der angrenzenden
Fahrspur befinden.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass
definitionsgemäß sich auf der angrenzenden Fahrspur befindende Objekte im Strahlbereich
II weiterverfolgt werden, bis die den Überwachungsbereich verlassen.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass die Positionierung eines Objekts in Bezug auf den Überwachungsbereich
vornehmlich mit Hilfe des zweiten Radarstrahls (Strahl II), insbesondere aufgrund
der radialen Positionsbestimmung in Strahl II, erfolgt.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass die Klassifizierung eines Objekts in relevant und nicht relevant
durch eine Bestimmung der Relativgeschwindigkeit des Objekts erfolgt, wobei gilt
mit
dxStrahl I Strahl II = lateralen Abstand der beiden Strahlkeulen; und
veigen = Eigengeschwindigkeit des Fahrzeug/Objekts.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass eine Mustererkennung vorgesehen ist.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, dass
die Merkmale der Objektklassifikation entweder aus der Übertragung der physikalischen/geometrischen
Objekteigenschaften auf seine FMCW radarspezifische Auswirkung abgeleitet und/oder
durch Referenzdaten auf Basis von typischen Messungen der jeweiligen Objektklassen
generiert werden.
Blindspot-Sensorsystem nach Anspruch 19 oder 20, dadurch gekennzeichnet,
dass folgende Merkmale bei der Auswertung der FMCW Spektren berücksichtigt werden:
– die Intensitätsverteilung des FMCW Signals;
– die zeitliche Variation des Signals;
– die zeitliche Variation der Struktur;
– die räumliche Variation der Struktur;
– der Strukturunterschied innerhalb der beiden unterschiedlichen FMCW-Messungen
unter Berücksichtigung der Eigengeschwindigkeit und Bewegungsrichtung;
– der Strukturbereite;
– der Strukturbereite;
– der Intensitätsverteilung innerhalb einer Struktur als Funktion der Frequenz;
und/oder
– der Vergleich der Strukturen in den beiden Strahlregionen.
Blindspot-Sensorsystem nach einem der Ansprüche 19 bis 21, dadurch
gekennzeichnet, dass typische Charakteristika von im FMCW Spektrum gefundener Objekte
mit in einem Speicher hinterlegten Referenzmustern vergleichen werden.