| Dokumentenidentifikation |
DE102004020692A1 17.11.2005 |
| Titel |
Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen einer Beeren- oder Obstbrannt-Spirituose mit Hilfe von Vakuumdestillation |
| Anmelder |
Wesergold Getränkeindustrie GmbH & Co. KG, 31737 Rinteln, DE |
| Erfinder |
Hartinger sen., Richard, 19230 Schwechow, DE |
| Vertreter |
Uexküll & Stolberg, 22607 Hamburg |
| DE-Anmeldedatum |
28.04.2004 |
| DE-Aktenzeichen |
102004020692 |
| Offenlegungstag |
17.11.2005 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
17.11.2005 |
| IPC-Hauptklasse |
C12G 3/00
|
| IPC-Nebenklasse |
C12G 1/00
|
| Zusammenfassung |
Mit dem Ziel, ein Verfahren zum Herstellen einer Beeren- oder Obstbrannt-Spirituose sowie eine entsprechende Vorrichtung anzugeben, mittels derer eine effektive, insbesondere auf die Schonung der fruchtspezifischen Aromakomponenten bezogene Gegenstromdestillation einer abzubrennenden Maische (1) möglich wird, ist erfindungsgemäß vorgesehen, den Siedepunkt in der abzubrennenden flüssigen Brennmaische (1) herabzusetzen, und zwar indem der Gesamtdruck der Atmosphäre im Inneren eines im wesentlichen gasdicht ausgeführten Destillierapparates (2) erniedrigt wird. Dadurch ist ein hinsichtlich fruchtspezifischer Aromakomponenten äußerst schonendes Verfahren zum Herstellen eines Branddestillates möglich. Das derart gewonnene Branddestillat dient letztendlich zum Herstellen der trinkfertigen Spirituose, die somit eine deutlich höhere Konzentration an fruchtspezifischen Aromakomponenten aufweist, was die Qualität der Spirituose wesentlich verbessert.
|
| Beschreibung[de] |
|
Die vorliegende Erfindung betrifft allgemein ein Verfahren zum Herstellen
einer Beeren- oder Obstbrannt-Spirituose gemäß dem Oberbegriff von Patentanspruch
1, und insbesondere ein Verfahren zum Verbessern der Qualität von Beeren- oder Obstbrannt-Spirituosen,
sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gemäß dem Oberbegriff von
Patentanspruch 5.
Verfahren zur Herstellung von Beeren- oder Obstbrannt-Spirituosen
der eingangs genannten Art sowie entsprechende Vorrichtungen sind aus der Brennereitechnologie
bekannt. Bei einem solchen Verfahren ist üblicherweise vorgesehen, zunächst einen
aus leichtflüchtigen Substanzen bestehenden Destillatdampf durch Erhitzen einer
Brennmaische in einer Brennblase des Destillierapparates zu erzeugen. Durch Dephlegmation
des Destillatdampfes in einem Dephlegmator wird anschließend ein Restdestillatdampf
mit erhöhter Konzentration an leichtflüchtigen Substanzen und ein flüssiges Phlegma
mit niedriger Konzentration leichtflüchtiger Substanzen abgetrennt. Im weiteren
Verlauf erfolgt dann ein Abkühlen und Verflüssigen des Restdestillatdampfes in einer
zum Destillierapparat zugehörigen Kühlervorrichtung, um ein flüssiges Branddestillat
zu erzeugen, aus welchem schließlich eine trinkfertige Spirituose durch Verschnitt
etc. bereitet wird.
Während zur Herstellung einer solchen Spirituose in der Vergangenheit
überwiegend Destillierapparat-Typen eingesetzt wurden, die nach dem Prinzip der
Gleichstromdestillation arbeiten, geht man heutzutage in der Regel auf einen anderen
Destillierapparat-Typ über, der nach dem Prinzip der Gegenstromdestillation funktioniert.
Der Grund hierfür ist insbesondere darin zu sehen, dass an Obstbrannt-Spirituosen
immer höhere Ansprüche hinsichtlich ihrer Qualität, und insbesondere hinsichtlich
ihres Aromas, d.h. ihrer riechbaren und schmeckbaren Aromastoffe, gestellt werden.
Bei der Gleichstromdestillation handelt es sich um eine einfache Destillationsweise,
bei der eine vergorene Maische, die sogenannte "Brennmaische", in der Brennblase
des Destillierapparates erhitzt wird, infolgedessen leichtflüchtige Substanzen der
Maische als Destillatdampf verdampfen und anschließend in dem Kühler zu einem Destillat
kondensieren. Durch eine wiederholte, in der Regel zweimalige Destillation wird
dann jenes Branddestillat gewonnen, das anschließend zu der fertigen Spirituose
weiterzuverarbeiten ist.
Da bei der Gleichstromdestillation das beim ersten Durchgang gewonnene
Destillat in der Regel nicht konzentriert genug ist, muss dieses Destillat einer
weiteren und gegebenenfalls sogar mehreren Destillationen hintereinander unterzogen
werden, um eine hinreichende Alkoholverstärkung zu erreichen. Die Verstärkung durch
mehrfache Destillation ist jedoch zeit-, personal- und energieaufwendig.
Im Gegensatz zur Gleichstromdestillation, wo die aus der Maische durch
Erhitzung verdampfenden, leichtflüchtigen Substanzen stets die gleiche Richtung
aufweisen, wird bei der sogenannten „Gegenstromdestillation" dem aufsteigenden
Destillatdampf stets ein Flüssigkeitsstrom entgegengeführt, so dass zwischen der
Dampf- und der Flüssigkeitsphase ein Wärme- und Stoffaustausch stattfinden kann.
Wie bei der Gleichstromdestillation ist auch bei der Gegenstromdestillation
vorgesehen, zunächst die abzudestillierende Brennmaische in der Brennblase des Destillierapparates
zu erhitzen. Der als Folge der Erhitzung aus der Brennblase aufsteigende Destillatdampf
gelangt im weiteren Verlauf über einen sogenannten Verstärker und ein Geistrohr
in einen Kühler, in dem der Destillatdampf abkühlt und sich vollständig verflüssigt.
Aus dem Kühler läuft dann das derart gewonnene Destillat in eine sogenannte Vorlage.
Im Unterschied zur Gleichstromdestillation wird bei der Gegenstromdestillation
der beim Durchgang durch den Destillierapparat zu einem Kondensat kondensierende
Destillatdampf nicht vollständig als Destillat abgenommen. Stattdessen ist vorgesehen,
dass ein Teil des Kondensats in flüssiger Form wieder zurück in die Brennmaische
geführt wird, so dass eine mehrmalige Aufkochung des Kondensates in der Brennblase
erfolgen kann.
Die Alkoholverstärkung wird bei der Gegenstromdestillation durch den
bereits genannten Verstärker erzielt, ohne dass hierzu eine mehrfache Destillation
– wie bei der Gleichstromdestillation – durchgeführt werden muss. Dazu
ist vorgesehen, dass der Destillierapparat einen Aufsatz aus mehreren übereinander
angeordneten Kammern oder Böden aufweist, die genauso wie die Brennblase des Destillierapparates
mit Flüssigkeit angefüllt sind. In der Fruchtbrennerei sind diese Kammern in der
Regel als Glockenböden ausgebildet. Jeder Glockenboden besteht dabei üblicherweise
aus einer kreisförmigen Bodenplatte mit einem hochgezogenen Rand, der in der Mitte
einen offenen, aufwärts gerichteten Stutzen enthalten kann. Ein Verstärker mit mehreren
Glockenböden ist derart ausgeführt, dass einem aufwärts gerichteten Dampfstrom ständig
ein herabfließender Flüssigkeitsstrom (Rücklauf) bei Siedetemperatur entgegengeführt
wird.
Der Vorteil von solch einem auf dem Gegenstromprinzip
basierenden Verfahren ist insbesondere darin zu sehen, dass der Rücklauf auf seinem
Weg von der Stelle niedriger Temperatur (oberer Boden) zur Stelle höherer Temperatur
(Brennblase) die schwerer siedenden Anteile (Wasser) kontinuierlich aufnimmt, während
er an den aufwärts gerichteten Dampfstrom die leichter siedenden Anteile (Alkohol)
abgibt, so dass es zu einer Alkoholanreicherung im sogenannten Restdestillatdampf
kommt. Diese Art der Verstärkung wird auch Rektifikation genannt.
Außer durch Rektifikation lässt sich eine Verstärkung ebenfalls durch
den Vorgang der sogenannten Dephlegmation erzielen. Hierunter versteht man eine
Teilkondensation, bei der aus einem von der erhitzten Brennmaische aufsteigenden
Destillatdampf, der Komponenten unterschiedlicher Siedepunkte aufweist, gleichzeitig
ein mit leichtflüchtigen bzw. leicht siedenden Komponenten angereicherter Destillatdampf
und eine Flüssigkeit mit Anreicherung von schwerer flüchtigen bzw. schwerer siedenden
Komponenten entsteht.
Im weiteren Verlauf trifft anschließend der im wesentlichen aus Alkohol
und Wasser bestehende Destillatdampf auf eine Kühlfläche einer Kühlvorrichtung,
infolgedessen vornehmlich Wasserdampf als Komponente mit dem höchsten Siedepunkt
kondensiert. Die Kühlfläche ist entsprechend bemessen bzw. ausgelegt, dass keine
vollständige Kondensation des Destillatdampfes erfolgen kann. Als Folge dieser Teilkondensation
bildet sich als Kondensat eine alkoholärmere Flüssigkeit, das sogenannte Phlegma,
während der alkoholreiche Restdestillatdampf verbleibt.
Unabhängig davon, ob zur Herstellung des Restdestillatdampfes das
Prinzip der Verstärkung mittels Rektifikation oder mittels Dephlegmation zum Einsatz
kommt, gelangt dieser Restdestillatdampf im weiteren Verlauf des auf dem Gegenstromprinzip
basierenden Destillationsverfahrens anschließend in einen Kühler, in welchem er
abkühlt und als flüssiges Branddestillat kondensiert. Dieses Branddestillat dient
letztendlich als Grundlage der durch Verschnitt etc. herzustellenden trinkfertigen
Spirituose.
Der Nachteil des auf dem Gegenstromprinzip basierenden Destillationsverfahrens
ist insbesondere darin zu sehen, dass durch den aufwändigen Destillations- und Rektifikations-
bzw. Rektifikationsprozess die leichtflüchtigen und für eine Frucht spezifischen
Aromakomponenten, die sich aus einer komplexen Vielzahl chemischer Verbindungen,
insbesondere aus Alkohole, Aldehyde, Ketone, Ester sowie organische Säuren, zusammensetzen,
aufgrund ihrer äußerst hitzeempfindlichen Natur erheblich geschädigt oder gar irreversibel
zerstört werden. Die Folge hiervon ist, dass verfahrensbedingt letztendlich in der
fertigen Spirituose nur noch ein geringer Anteil jenes ursprünglich in der Brennmaische
vorhandenen, spezifischen Fruchtaromas verbleibt. Somit ist in der fertigen Spirituose
eine deutliche Aromaschwächung festzustellen, was die Qualität der Spirituose herabsetzt.
Zu dieser brennereitechnisch bedingten Aromaschwächung kommt zusätzlich
noch ein rohstoffbedingter Faktor hinzu, der in Zukunft noch stärker ins Gewicht
fallen wird. Das liegt vor allem daran, dass die für die Brennmaische verarbeiteten
Fruchtrohstoffe aufgrund von Überzüchtungen in zunehmendem Maße nur noch ein mäßig
ausgeprägtes und keinesfalls mehr intensives natürliches Aroma aufweisen. Dieser
Effekt ist der Tatsache zuzurechnen, dass im Tafelobstbau der Trend immer mehr dahingeht,
möglichst große Früchte zu produzieren. Brennereitechnologisch sind derartige Maßnahmen
mit erheblichen Qualitätsverschlechterungen der als Fruchtrohstoff für die Brennmaische
dienenden Früchte verbunden, da diese eine mangelhafte Aromaausbildung aufweisen.
Es ist bekannt, eine im Branddestillat auftretende und verfahrensbedingte
Aromaschwäche zu behandeln, indem beispielsweise aromaschwache Destillate mit aromakräftigen
Destillaten der gleichen Fruchtrohstoffart verschnitten werden. Zwar mag ein solches
Verfahren zur Behandlung fehlerhafter Spirituosen den Effekt einer "Verbesserung"
dahingehend aufweisen, dass die Spirituosen genießbar werden, die Gewinnung eines
qualitativ hochwertigen Produktes mit einer ausgeprägten Aromanote ist aber praktisch
aussichtslos, da die Aromaschädigung irreversibel ist. Des weiteren wird für dieses
Verfahren zur Behandlung von aromaschwachen Destillaten vorausgesetzt, dass bereits
ein aromakräftiges Destillat vorhanden ist; diese Voraussetzung kann in der Regel
oftmals nicht gewährleistet werden. Ferner wird ein aromaschwaches Destillat grundsätzlich
nur "auf Kosten" eines qualitativ wertvollen Branddestillates behandelt, was keinesfalls
erwünscht sein kann.
Ausgehend von den in dem Stand der Technik vorliegenden und obig angesprochenen
Problemen hinsichtlich der beim Brennvorgang verfahrensbedingt auftretenden, irreversiblen
Aromaschädigung liegt der vorliegenden Erfindung somit die Aufgabe zu Grunde, ein
Herstellungsverfahren für eine Spirituose der eingangs genannten Art sowie eine
entsprechende Vorrichtung anzugeben, mittels derer eine effektive und insbesondere
auf die Schonung der fruchtspezifischen Aromakomponenten bezogene Gegenstromdestillation
der abzubrennenden Maische möglich ist.
Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art
erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass vor dem Verfahrensschritt
des Erhitzens der Brennmaische ein zusätzlicher Verfahrensschritt einer Siedepunkterniedrigung
in der Brennmaische durch Gesamtdruckerniedrigung der Atmosphäre im Inneren des
Destillierapparates vorgesehen ist, wobei der Destillierapparat, der eine Brennblase,
einen Dephlegmator und einen Kühler aufweist, im wesentlichen gasdicht ausgeführt
ist.
Das der vorliegenden Erfindung zu Grunde liegende technische Problem
wird ferner durch eine Vorrichtung zur Durchführung des vorstehend genannten Verfahrens
gelöst, die dadurch gekennzeichnet ist, dass der Destillierapparat ferner eine Vakuumvorrichtung
zur Gesamtdruckerniedrigung der Atmosphäre in dem Destillierapparat aufweist, und
die dadurch gekennzeichnet ist, dass der Destillierapparat ein im wesentlichen gasdichtes,
geschlossenes System ausbildet.
Die Vorteile der Erfindung liegen insbesondere darin, dass ein einfach
zu realisierendes und dabei sehr effektives Verfahren zur Qualitätsverbesserung
von Frucht-Spirituosen erzielbar ist. Dabei ist vorgesehen, durch Anlegen eines
Vakuums den Gesamtdruck der Atmosphäre im Inneren des im wesentlichen gasdicht ausgeführten
Destillierapparates entsprechend zu erniedrigen, infolgedessen die Siedetemperatur
der in der Brennblase vorhandenen flüssigen Brennmaische herabgesetzt werden kann.
Da die Siedetemperatur des in der Brennmaische enthaltenen Alkohols und die Siedetemperatur
der in der Brennmaische noch unzerstört enthaltenen fruchtspezifischen Aromakomponenten
deutlich niedriger als die Siedetemperatur des den Hauptbestandteil der Brennmaische
darstellenden Wassers sind, verdampfen bereits bei niedrigeren Temperaturen diese
leichtflüchtigen Substanzen und liegen dann in der Gestalt eines Destillatdampfes
vor. Zum Erzeugen dieses aus leichtflüchtigen Substanzen bestehenden Destillatdampfes
genügt also eine Temperaturerhöhung der Brennmaische auf eine – im Vergleich
zu der aus dem Stand der Technik bekannten und unter Normaldruck arbeitenden Destilliertechnik
– deutlich niedrigere Temperatur.
Dabei ist die Abhängigkeit des Siedepunktes der Brennmaische von dem
Atmosphärendruck anhand einer entsprechenden Dampfdruckkurve der Brennmaische ersichtlich,
wonach der Siedepunkt um etwa 15°C herabgesetzt werden kann, wenn sich der Atmosphärendruck
jeweils um die Hälfte verringert. Bei der als – im chemischen Sinne –
hochsiedende Substanz einzuordnenden Brennmaische ergibt eine Druckerniedrigung
in der Atmosphäre des Destillierapparates von 760 Torr (Normaldruck) auf 20 Tor
eine Siedepunkterniedrigung in der Brennmaische um etwa 100°C. Das Abbrennen
bzw. Destillieren der Brennmaische unter Vakuumbedingungen, d.h. unter einem im
Vergleich zum Normaldruck von 760 Torr reduzierten Atmosphärendruck, stellt von
daher ein hinsichtlich der hitzempfindlichen fruchtspezifischen Aromakomponenten
äußerst schonendes Verfahren zur Gewinnung eines qualitativ hochwertigen Branddestillates
dar. Somit kann erreicht werden, dass in der letztendlich aus dem Branddestillat
gewonnenen trinkfertigen Spirituose eine deutlich höhere Konzentration an ursprünglichen
und unzerstörten fruchtspezifischen Aromakomponenten vorhanden ist, was die Qualität
der Spirituose wesentlich verbessert.
Selbstverständlich ist es einem Fachmann leicht ersichtlich, dass
der durch das erfindungsgemäße Verfahren hinzugefügte Verfahrensschritt der Siedepunkterniedrigung
durch Gesamtdruckerniedrigung der Atmosphäre im Inneren des Destillierapparates
gegebenenfalls auch während des Abbrennvorganges wiederholt durchgeführt werden
muss, da sich der Gesamtdruck der Atmosphäre im Inneren des Destillierapparates
während der Erzeugung des Destillatdampfes wieder erhöht. Hierzu könnte beispielsweise
eine entsprechende Steuerung eingesetzt werden, mit deren Hilfe während des gesamten
Brennvorganges der Gesamtdruck im Inneren des Destillierapparates in einem bestimmten,
reduzierten Druckniveaubereich gehalten werden kann.
Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung wird eine Möglichkeit zur Durchführung
des vorstehend beschriebenen Verfahrens angegeben. Hierbei wird eine Vakuumvorrichtung
zur Gesamtdruckerniedrigung eingesetzt, welche beispielsweise eine Wasserstrahlpumpe
mit einem Arbeitsbereich von etwa 10 bis 15 Torr oder eine Drehschieberpumpe mit
einem Arbeitsbereich von etwa 0,01 bis 1 Torr sein kann.
Bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung sind bezüglich des Verfahrens
in den Unteransprüchen 2 bis 4 und bezüglich der Vorrichtung in den Unteransprüchen
6 bis 9 angegeben.
So ist für das Verfahren bevorzugt vorgesehen, dass das während der
Dephlegmation abgetrennte flüssige Phlegma kontinuierlich zu der in der Brennblase
vorhandenen Brennmaische zurückgeführt wird. Hierdurch kann beim Brennvorgang eine
besonders optimierte Verstärkung erzielt werden. In einer besonders bevorzugten
Realisierung des erfindungsgemäßen Verfahrens fließt dabei das während der Dephlegmation
abgetrennte und hinsichtlich des Alkohol- und Aromakomponentengehalts reduzierte,
flüssige Phlegma als Rücklauf auf einen oberen Glockenboden des Dephlegmators zurück,
während der hinsichtlich des Alkohol- und Aromakomponentengehalts angereicherte
Restdestillatdampf in der nachgeschalteten Kühlervorrichtung vollständig verflüssigt
und als Branddestillat abgezogen werden kann. Somit ist eine Verstärkung des Destillatdampfes
hinsichtlich leichtflüchtiger Substanzen, insbesondere hinsichtlich
Alkohol und natürlichen Aromakomponenten, einsetzbar.
Für das Verfahren ist ferner bevorzugt vorgesehen, dass das Abkühlen
und Verflüssigen des Restdestillates in mehreren, voneinander getrennten Kühlstufen
erfolgt, um jeweils unterschiedliche Branddestillat-Fraktionen gewinnen zu können.
Dabei kondensieren in den vorderen, stromaufwärts liegenden Kühlstufen der Kühlervorrichtung
zunächst die schwerflüchtigen Substanzen des Restdestillates, die in vermehrtem
Maße unerwünschte und insbesondere aromanegative Stoffe, wie etwa Fuselöle etc.,
aufweisen. Bei den hinteren Kühlstufen fallen hauptsächlich die besonders leichtflüchtigen
Substanzen, wie Aldehyde, Essigester und Methylalkohol, an, die ebenfalls auf Grund
ihrer negativen Wirkung nicht im Branddestillat und in der trinkfertigen Spirituose
erwünscht sind. Das zur Fertigstellung der trinkfertigen Spirituose benötigte Branddestillat,
welches aus Trinkalkohol und natürlichen Aromakomponenten besteht, fällt hingegen
bei den mittleren Kühlstufen an. Selbstverständlich ist hier aber auch denkbar,
durch eine entsprechende Anordnung und Auslegung der einzelnen Kühlstufen, insbesondere
durch Einstellung ihrer Temperatur, eine andere Aufteilung der Fraktionen zu erzielen.
Als vorteilhafte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist
vorgesehen, dass die Vakuumvorrichtung stromabwärts hinter zumindest einer Kühlstufe
der Kühlvorrichtung an der Destillierapparatur angeschlossen ist. Dadurch wird erreicht,
dass in dem Fall, wenn die Vakuumvorrichtung während des Abbrennvorganges nochmals
aktiviert werden muss, nicht auch der durch Erwärmen der Brennmaische gewonnene
Destillatdampf abgepumpt wird, und zwar weil dieser bereits in der vorgeschalteten
Kühlstufe abgekühlt und destilliert vorliegt. Selbstverständlich ist es aber auch
möglich, die Pumpe mit einem entsprechenden Dampfabscheider oder Filter auszurüsten.
Besonders bevorzugt ist in einer Weiterentwicklung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung ferner eine Steuerung vorgesehen, die in Abhängigkeit der Temperatur
der Brennmaische, in Abhängigkeit des Atmosphärendruckes innerhalb der Destillierapparatur
sowie in Abhängigkeit der unterschiedlichen Kühltemperaturen der einzelnen Kühlstufen
sowohl die Heizung der Brennblase als auch die Kühlung der Kühlstufen sowie die
Vakuumvorrichtung steuert. Durch ein entsprechendes Nachregulieren der steuerbaren
Größen (Brennmaischen-Temperatur, Druck in der Destillierapparatur, Kühlstufen-Temperatur)
lässt sich somit besonders schnell und auf effektive Weise das Branddestillat aus
der Brennmaische mittels Verdampfung und Kondensation gewinnen. Denkbar wäre ferner,
mittels einer geeigneten Sensoranordnung kontinuierlich die Güte, insbesondere die
Konzentration der fruchtspezifischen Aromakomponenten, in dem fertig gebrannten
Destillat zu ermitteln, um diese Güte-Information als weiteren Parameter zur Steuerung
und Regelung des Brennprozesses zu verwenden.
Besonders vorteilhaft, wenn auch teilweise aus der Lösungsmittelchemie
bekannt, kann als Vakuumvorrichtung eine Membranpumpe eingesetzt werden. Mit einer
derartigen Pumpe lässt sich mit einem minimalen Steuer- und Regelaufwand schnell
und sicher der Trinkalkohol sowie die erwünschten Aromakomponenten aus der Brennmaische
ermitteln und mittels Verdampfung und Kondensation gewinnen. Dadurch kann durch
eine optimierte Anordnung und Einstellung der Baugruppen des Destillierapparates
ein vollkommen selbständiger Prozessablauf erreicht werden. Insbesondere würde hier
eine für die Prozessregelung unter Umständen notwendige Steuerung entfallen. Auch
wären Nachregelungen während des gesamten Prozesses nicht mehr erforderlich.
Im folgenden wird ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung
anhand einer Zeichnung näher erläutert.
1 zeigt eine schematische Darstellung
einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Herstellen
einer Obstbrannt-Spirituose. Wie dargestellt setzt sich die Vorrichtung
100 aus einer Brennblase 101, einem Dephlegmator 102
mit (nicht explizit dargestellten) Glockenböden, einer Kühlvorrichtung
103 und einer Vakuumpumpe 104 zusammen. Es handelt sich hierbei
um ein sogenanntes diskontinuierlich arbeitendes Blasen-Brenngerät. Hierbei ist
vorgesehen, dass die Brennblase 101 die zu destillierende Brennmaische
1 aufnimmt. Im Dom oberhalb der Brennblase 101 sitzt entweder
ein (nicht dargestellter) helmartiger Aufbau oder ein Verstärker 105, der
mit einer Mehrzahl (in der Regel zwei bis drei) Glockenböden sowie einem Dephlegmator
102 ausgestattet ist.
Der aus der Brennblase 101 beim Erhitzen der Brennmaische
1 aufsteigende Destillatdampf 2 gelangt über den Verstärker
105 als Restdestillatdampf 3 in ein (nicht explizit gezeigtes)
Geistrohr und von dort in eine aus mehreren Kühlstufen bestehende Kühlvorrichtung
103, in welcher der Restdestillatdampf 3 vollständig abkühlt und
von daher in den flüssigen Aggregatzustand übergeht. Aus der Kühlvorrichtung
103 bzw. den einzelnen Kühlstufen fließt das Branddestillat 4
letztendlich in eine Destillatvorlage 106.
Die Verstärkungseinrichtung 105 der bevorzugten Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung ist derart ausgelegt, dass aus der relativ alkoholarmen
Brennmaische 1 in einem Abtrieb ein Branddestillat
4 mit hohem Alkoholgehalt und hohem Fruchtaromagehalt gewonnen werden kann.
Der Weg hierzu führt über den Verstärker 105, der nach dem Prinzip der
Rektifikation und/oder Dephlegmation arbeitet. Diese Art von Verstärker
105 können einen Wasserkasten-Dephlegmator, einen Röhren-Dephlegmator oder
auch eine Kombination hiervon enthalten. Solche Dephlegmator-Typen sind aus dem
Fachgebiet der Brennereitechnologie bekannt und werden hier nicht näher erläutert.
Die Kühlvorrichtung 103 setzt sich aus mehreren hintereinandergeschalteten
Kühlstufen zusammen, wobei zahlreiche verschiedene Kühler-Typen, wie etwa Schlangenkühler,
Tellerkühler oder Röhrenkühler, eingesetzt werden können. In der in 1
dargestellten Ausführungsform wird die erste Kühlstufe mit Kühlwasser
5, in besonders bevorzugter Weise im Gegenstrom, versorgt. Um eine bessere
Kühlwirkung zu gewährleisten, ist die zweite Kühlstufe mit Eiswasser 6
als Kühlmittel gespeist. Der aus dem (nicht explizit dargestellten) Geistrohr in
den Kühler 103 eingeleitete Restdestillatdampf 3 kühlt innerhalb
der einzelnen Kühlstufen ab und kondensiert dort. Als Ausgang der Kühlstufen dient
die Destillatvorlage 106, in der kontinuierlich das vom Kühler
103 ablaufende Branddestillat 4 beobachtet und jederzeit Destillatmenge
und Alkohol- bzw. Aromakomponentenkonzentration festgestellt werden können.
Obwohl in der dargestellten Ausführungsform nur eine einzelne Destillatvorlage
106 angedeutet wird, ist es ferner denkbar, mehrere und insbesondere an
unterschiedlichen Entfernungen zum Dephlegmator 102 angeordnete Destillatvorlagen
106 vorzusehen. Ferner ist denkbar, dass in der Destillatvorlage
106 die Grädigkeit und Güte des Branddestillates kontinuierlich festgestellt
wird, um damit einen Anhaltspunkt über den Zeitpunkt für das Verkosten des Branddestillates
4 vor dem Umstellen auf die einzelnen Alkoholfraktionen zu erhalten.
Erfindungsgemäß ist zwischen den Kühlstufen und der Destillatvorlage
106 eine Vakuumvorrichtung 104 vorgesehen, mit Hilfe derer der
Gesamtdruck innerhalb der im wesentlichen gasdichten Destillierapparatur
100 erniedrigt werden kann, um somit den Siedepunkt der Brennmaische
1 in der Brennblase 101 einzustellen.
Mit dem Ziel, ein möglichst qualitativ hochwertiges Branddestillat
4 zu erzeugen, ist ferner denkbar, eine (nicht explizit dargestellte) Steuerung
zum Einstellen, Regeln und Steuern der Temperatur der Brennmaische 1 in
der Brennblase 101, der Temperatur der Kühler 103 sowie des Drucks
innerhalb des Destillierapparates 100 vorzusehen, um somit während des
gesamten Brennprozesses die verschiedenen Parameter entsprechend einstellen oder
nachregeln zu können.
1- Brennmaische
2- Destillatdampf
3- Restdestillatdampf
4- Branddestillat
5- Kühlsohle
6- Eiswasser
100- Destillierapparat
101- Brennblase
102- Dephlegmator
103- Kühler
104- Vakuumvorrichtung
105- Verstärker
106- Destillatvorlage
|
| Anspruch[de] |
- Verfahren zum Herstellen einer Beeren- oder Obstbrannt-Spirituose,
insbesondere eines Beeren- oder Obstbranntweines oder Obstgeistes, aus einer Brennmaische
(1) mit Hilfe eines Destillierapparates (100), der eine Brennblase
(101), einen Dephlegmator (102) und einen Kühler (103)
aufweist, mit folgenden Verfahrensschritten:
– Erhitzen der Brennmaische (1) in der Brennblase (101)
zum Erzeugen eines aus leichtflüchtigen Substanzen bestehenden Destillatdampfes
(2);
– Dephlegmation des Destillatdampfes (2) in dem Dephlegmator (102)
zum Abtrennen eines Restdestillatdampfes (3) mit erhöhter Konzentration
an leichtflüchtigen Substanzen und eines flüssigen Phlegmas mit niedriger Konzentration
an leichtflüchtigen Substanzen;
– Abkühlen und Verflüssigen des Restdestillatdampfes (3) in dem Kühler
(103) zum Erzeugen eines flüssigen Branddestillates (4);
– Fertigstellen der Spirituose aus dem Branddestillat (4),
gekennzeichnet durch den folgenden Verfahrensschritt vor dem Verfahrensschritt des
Erhitzens der Brennmaische (1):
– Siedepunkterniedrigung in der flüssigen Brennmaische (1) durch
Gesamtdruckerniedrigung der Atmosphäre im Inneren des im wesentlichen gasdicht ausgeführten
Destillierapparates (2).
- Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das während
der Dephlegmation abgetrennte flüssige Phlegma kontinuierlich zu der in der Brennblase
(101) vorhandenen Brennmaische (1) zurückgeführt wird.
- Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der
Destillatdampf (2) durch einen Rektifikationsprozess der Brennmaische (1)
erzeugt wird.
- Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass das Abkühlen und Verflüssigen des Restdestillatdampfes (3)
in mehreren voneinander getrennten Kühlstufen erfolgt, um verschiedene Destillatfraktionen
zu erzeugen.
- Vorrichtung zum Destillieren eines Branddestillates (4) aus
einer als Brennmaische (1) dienenden vergorenen Maische für die Herstellung
einer Beeren- oder Obstbrannt-Spirituose, insbesondere eines Beeren- oder Obstbranntweines
oder Obstgeistes, mit:
– einer Brennblase (101) zum Erhitzen der Brennmaische (1),
um einen aus leichtflüchtigen Substanzen bestehenden Destillatdampf (2)
zu erzeugen;
– einem Dephlegmator (102) zum Abtrennen eines Restdestillatdampfes
(3) mit erhöhter Konzentration an leichtflüchtigen Substanzen und eines
flüssigen Phlegmas mit niedriger Konzentration an leichtflüchtigen Substanzen;
– einer Kühlvorrichtung (103) zum Abkühlen und Verflüssigen des Restdestillatdampfes
(3) und zum Erzeugen des Branddestillates (4),
dadurch gekennzeichnet, dass
der Destillierapparat (100) ferner eine Vakuumvorrichtung (104)
zur Gesamtdruckerniedrigung der Atmosphäre in dem als gasdichtes und geschlossenes
System ausgebildeten Destillierapparat (100) aufweist.
- Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühlvorrichtung
(103) aus mehreren hintereinander separat angeordneten Kühlstufen besteht.
- Vorrichtung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass die
Vakuumvorrichtung (104) stromabwärts hinter zumindest einer Kühlstufe der
Kühlvorrichtung (103) angeschlossen ist.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass die Vakuumvorrichtung (104) eine Membranpumpe aufweist.
- Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
dass die Kühlstufen zumindest teilweise mit Kühlsole (5) oder Eiswasser
(6) betrieben werden.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen
|
|
|