Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf die Herstellung von Wasserstoffcyanid
(HCN) durch ein Reagieren von Ammoniak und eines Kohlenwasserstoffgases in der Anwesenheit
eines Metallkatalysators aus der Platingruppe, während der Katalysator durch Induktion
bei einer Frequenz von 0,5 bis 30 MHz erhitzt wird.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
Wasserstoffcyanide sind hoch toxische, aber wirtschaftlich bedeutende
chemische Verbindungen mit einer breiten Vielfalt von industriellen Anwendungen.
Wasserstoffcyanid wird kommerziell hergestellt, indem man Ammoniak, ein Übermaß
an Kohlenwasserstoffgas und ein oxidierendes Gas mit einem metallischen Katalysator
aus der Platinmetallgruppe miteinander in Kontakt bringt. Das überschüssige Kohlenwasserstoffgas
wird entzündet und die so erzeugte Wärme ist ausreichend, um eine endotherme Reaktion
des Ammoniaks und des verbleibenden Kohlenwasserstoffgases herbeizuführen und auf
diese Weise Wasserstoffcyanid zu erzeugen.
Der Transport von Wasserstoffcyanid ist mit potentiellen Gefahren
verbunden. Eine Möglichkeit, um diese potentiellen Gefahren zu vermeiden, besteht
darin, das Produkt an der Stelle zu produzieren, wo es benutzt werden soll. Dies
erfordert jedoch die Einrichtung einer großen Anzahl von kleinen Produktionsanlagen.
Solche Produktionsanlagen sind in der Vergangenheit sehr teuer gewesen.
Es ist ein Ziel der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren für die
Herstellung von HCN zu liefern, welches auf einer relativ kleinen Skala betrieben
werden kann, dies jedoch auf eine wirksame Weise und bei niedrigen Einrichtungskosten.
Die vorliegende Erfindung bringt den Gebrauch der Induktionserhitzung
eines aus einem Metall der Platingruppe bestehenden Katalysators zum Einsatz, um
das Ammoniak dazu zu veranlassen mit dem Kohlenwasserstoffgas zu reagieren und Wasserstoffcyanid
zu bilden. Die Reaktion ist endotherm und durch den Gebrauch der Induktionserhitzung
kann die Menge an verwendeter Energie sorgfältig geregelt werden, so dass ein Minimum
an Energie vergeudet wird.
DE-A-1,078,554 lehrt die Herstellung von HCN aus einer Stickstoff
enthaltenden Verbindung und aus einem Kohlenwasserstoff unter der Abwesenheit von
Sauerstoff indem man diese gasförmigen Ausgangsmaterialien in ein Rohr einführt,
welches mit einem katalytischen Material beschichtet ist. Als Katalysator können
Platin oder Platinlegierungen verwendet werden, wobei die Reaktionspartner in einem
Verhältnis von etwa 1 : 1 in das Rohr eingeführt werden. Das Erhitzen des Rohres
auf die Reaktionstemperatur von 1150°C wird durch ein elektrisches Heizen mit
Heizelementen erreicht. Die Induktionserhitzung des Katalysators wird in dieser
Referenz nicht offenbart.
Die Verwendung einer Induktionserhitzung, um einen Katalysator zu
erhitzen und um chemische Reaktionen von verschiedenen Typen hervorzurufen ist bekannt;
zum Beispiel wird in dem U.S. Patent 5,110,996 von Edward dadurch Vinylidinfluorid
erzeugt, dass man Dichlorfluormethan mit Methan reagieren lässt und das Reaktionsrohr
ein nicht metallisches Auskleidungsmaterial und wahlweise einen metallischen Katalysator
enthält – siehe Spalte 3 Zeile 5. Die herkömmliche Induktionserhitzung wird
bei Frequenzen von etwa 0,1 bis 0,2 MHz durchgeführt.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
Die vorliegende Erfindung stellt ein Verfahren zur Herstellung von
Wasserstoffcyanid dar, welches ein Reagieren einer Mischung aus Ammoniakdampf und
aus einem Kohlenwasserstoffgas bei der Reaktionstemperatur in Anwesenheit eines
Metallkatalysators aus der Platingruppe sowie ein Zurückgewinnen des Wasserstoffcyanids
umfasst und welches gekennzeichnet ist durch ein Erhitzen des besagten Katalysators
durch eine Induktionserhitzung bei einer Frequenz von 0,5 bis 30 MHz auf die Reaktionstemperatur
und durch ein Überleiten jener Mischung aus Ammoniakdampf und aus einem Kohlenwasserstoffgas
in Kontakt mit jenem erhitzten Katalysator.
Ein bevorzugtes Kohlenwasserstoffgas ist Methan, aber andere Kohlenwasserstoffgase
sind auch nützlich, zum Beispiel Kohlenwasserstoffgase mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen
und Mischungen solcher Gase. Vorzugsweise liegt das Molverhältnis
von Ammoniak zu den Kohlenstoffatomen in dem Kohlenwasserstoffgas bei annähernd
1. Eine bevorzugte Form eines Katalysators besteht aus Metallgewebe bzw. Metallgaze.
Der bevorzugte metallische Katalysator aus der Platingruppe ist Platin selbst; jedoch
können ebenfalls Mischungen von Metallen aus der Platingruppe verwendet werden.
Der Metallkatalysator aus der Platingruppe kann auch ein Metallgewebe sein, welches
ein Metall der Platingruppe enthält, oder das Metallgewebe kann aus einem Metall
der Platingruppe hergestellt sein. Der Katalysator kann auch aus einem keramischen
Substrat mit einem Metall aus der Platingruppe bestehen, welches auf der Oberfläche
des Substrats dispergiert ist, zum Beispiel können das Reaktionsrohr oder die Reaktionsrohre
keramisch sein und mit einem Metall aus der Platingruppe beschichtet sein, oder
der Katalysator kann aus keramischen Partikeln bestehen, welche mit einem Metall
aus der Platingruppe beschichtet sind. Der Katalysator sollte eine elektrische Leitfähigkeit
von mindestens etwa 1,0 Siemens pro Meter aufweisen, um wirksam durch die elektrische
Induktion erhitzt zu werden. Das Verfahren gemäß der Erfindung wird durchgeführt
bei einer Reaktionstemperatur in dem Bereich zwischen etwa 600 und etwa 1200 Grad
C.
Bei einer bevorzugten Ausführung wird die Induktionserwärmung pulsförmig
durchgeführt. Die Länge der Pulse wird natürlich abhängig sein von der Größe des
Reaktors und von dem Volumen sowie von der Temperatur des Gases, welches durch den
Reaktor hindurch tritt, aber gewöhnlich werden die Pulse mindestens gleich der Verweildauer
des Gases in dem Reaktionsrohr sein.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNG
Die Zeichnung ist ein Blockdiagramm einer geeigneten Vorrichtung für
die Durchführung des Verfahrens gemäß der Erfindung
DETAILLIERTE BESCHREIBUNGVorrichtung zur Induktionserhitzung
Die Vorrichtung ist in der Figur dargestellt. Das Quarzrohr
1 mit einem Durchmesser von 12 mm befindet sich im Innern eines Solenoids
aus Kupfer, welches das notwendige magnetische Wechselfeld erzeugt. Die Spule weist
8 Windungen über einer Höhe von 6 cm auf. Eine getrennte Kopplungsspule
3, welche die Energie in die Hauptspule koppelt, befindet sich unter der
Hauptspule und verfügt über 2 Windungen über einer Höhe von 1,5 cm. Ein Kondensator
4 ist parallel mit der Hauptspule verbunden und versetzt die Spule bei
der interessierten Frequenz in Resonanz. Fließendes Wasser tritt zur Kühlung durch
die Spulen hindurch und rund um den Kondensator herum. Die Energie wurde durch eine
im Handel erhältliche Ausrüstung erzeugt und verstärkt und sie wurde durch ein 50
Ohm Kabel auf den Reaktor übertragen. Der Katalysator 6 befindet sich innerhalb
des Quarzrohres 1. Ammoniak und Kohlenwasserstoffgas werden durch den Anschluss
7 zugeführt und das Reaktionsprodukt, HCN und Nebenprodukte, werden durch
den Anschluss 8 entfernt. Die Vorrichtung zur Induktionserhitzung ist in
einem Aluminiumgehäuse 9 untergebracht.
BEISPIEL
Ein Stück von 5,5 g eines aus 90% Platin/10% Rhodium bestehenden Drahtgewebes
wurde aufgerollt und in dem Quarzrohneaktor innerhalb der Spulen zur Induktionserhitzung
angeordnet. Die Höhe des Drahtgewebes in dem Rohr betrug 5,7 cm Methan- und Ammoniakströme
wurden in einem Verhältnis von 1 : 1 mit einem Gesamtfluss von 50 ml/min gestartet.
Die Induktionsenergie wurde eingeschaltet und die Fließgeschwindigkeiten sowie die
Leistungszufuhr wurden während der Zeitdauer des Arbeitsbetriebes von etwa 5 Stunden
verändert. Die Ergebnisse bei einer gesamten Zuführungsgeschwindigkeit von 50 ml/min
und einer Leistungszufuhr von 245 Watt werden in der nachfolgenden Tabelle gezeigt.
Die Selektivität der Reaktion in Bezug auf Wasserstoffcyanid betrug
88,7% und die Umwandlungen von Ammoniak und Methan lagen bei > 90%.
Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung von Wasserstoffcyanid, welches ein Reagieren
einer Mischung aus Ammoniakdampf und einem Kohlenwasserstoffgas bei der Reaktionstemperatur
in der Anwesenheit eines Metalls aus der Platingruppe sowie ein Zurückgewinnen des
Wasserstoffcyanids umfasst, gekennzeichnet durch ein Erhitzen des besagten Katalysators
durch eine Induktionserhitzung bei einer Frequenz von 0,5 bis 30 MHz auf die Reaktionstemperatur
und durch ein Überleiten jener Mischung aus Ammoniakdampf und einem Kohlenwasserstoffgas
in Kontakt mit jenem erhitzten Katalysator.
Verfahren gemäß Anspruch 1, bei welchem das Kohlenwasserstoffgas Methan
ist und bei welchem das Molverhältnis von Methan zu Ammoniak bei annähernd 1 liegt.
Verfahren gemäß Anspruch 1, bei welchem der Katalysator aus der Platinmetallgruppe
eine elektrische Leitfähigkeit von mindestens etwa 1,0 Siemens pro Meter aufweist.
Verfahren gemäß Anspruch 1, bei welchem das Metall des Katalysators
aus der Platinmetallgruppe aus Platin besteht.
Verfahren gemäß Anspruch 2, bei welchem der Katalysator aus der Platinmetallgruppe
aus einem Metalldrahtgewebe besteht, welches mindestens ein Metall aus der Platingruppe
enthält.
Verfahren gemäß Anspruch 1, bei welchem die Reaktionstemperatur in
dem Bereich zwischen etwa 600 und etwa 1200 Grad C liegt.
Verfahren gemäß Anspruch 1, bei welchem der Katalysator aus der Platinmetallgruppe
auf die Innenseite eines Reaktionsrohres beschichtet ist.
Verfahren gemäß Anspruch 1, bei welchem die Induktionserwärmung pulsförmig
durchgeführt wird.
Verfahren gemäß Anspruch 8, bei welchem die Länge der Pulse der Induktionserwärmung
in etwa gleich der Verweildauer ist, während welcher die Gase sich im Kontakt mit
dem Katalysator befinden.