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Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Roheisenerzeugung in einem mit sauerstoffangereichertem Heißwind oder technischem Sauerstoff und kohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmitteln betriebenen Hochofen, bei dem der Einsatz von Hochofenkoks auf das für die Aufrechterhaltung der Durchströmbarkeit der Beschickungssäule theoretisch notwendige Minimum abgesenkt wird.

Die Erfindung ist praktisch in allen Hochöfen anwendbar, in denen durch Zuführung von Ersatzreduktionsmitteln die Einsparung von Hochofenkoks vorgesehen ist.

Aus dem Stand der Technik sind zahlreiche Verfahren zur Roheisenerzeugung im Hochofen bekannt, bei denen zur Senkung des Koksverbrauches andere Reduktionsmittel, die als Ersatzreduktionsmittel bezeichnet werden, zum Einsatz kommen.

Als solche Ersatzreduktionsmittel sind reduzierende Gase wie Erdgas, Fraktionen aus der Erdöldestillation wie Heiz- und Schweröle, Braun- und Steinkohlenstäube, aber auch bestimmte heizwertreiche Fraktionen aus der Abfallaufbereitung sowie plastereiche Fraktionen der Altautoverwertung bekannt.

Aus der umfangreichen Literatur sei auf die Übersichtsarbeiten von Peters und Schmöle, „Einblasen von Ersatzreduktionsmitteln in den Hochofen – Auswirkungen auf Metallurgie und Kosten", Stahl und Eisen 122 (2002), Nr. 4, S. 43 – 50, verwiesen. In dieser Ausarbeitung wird über die Wirkungsweise praktisch aller infrage kommenden Ersatzreduktionsmittel berichtet. So wird insbesondere gezeigt, wie mit zunehmender Einblasrate die Formengastemperatur sinkt, was letztlich auch die Höhe der Einblasrate begrenzt. Durch Erhöhung des Sauerstoffanteiles im Heißwind und/oder der Heißwindtemperatur kann die Formengastemperatur in bestimmten Grenzen in dem für den jeweiligen Hochofenbetrieb günstigen Temperaturbereich gehalten werden. Die Höhe der Einblasrate wird letztlich sowohl durch betriebstechnische wie auch durch wirtschaftliche Faktoren begrenzt. An die verschiedentlich als Ersatzreduktionsmittel eingesetzten Reststoffe werden dabei konkrete Anforderungen gestellt, die von Buchwalder et al. in Stahl und Eisen 123 (2003), Nr. 1, S. 29 – 37 definiert werden.

Weiterhin ist bekannt, von CO2 befreites Gichtgas als Ersatzreduktionsmittel in den Hochofen zurückzuführen und über die Blasformen im Gestell oder über zusätzliche Blasformen in der Rast bzw. im unteren Schacht einzublasen. Nachteilig ist dabei, dass zur Erreichung der geforderten Formengastemperaturen ein Teil des im Reduktionsgas vorhandenen CO + H2 mit dem gleichfalls zugeführten Sauerstoff in den Blasformen zu CO2 und H2O verbrannt werden muss. Dadurch wird einerseits das Reduktionspotential erheblich geschmälert, andererseits reagieren CO2 und H2O mit dem Kokskohlenstoff endotherm zu CO und H2, wodurch die Temperatur gleichfalls abgesenkt wird, was die Zufuhr von Ersatzreduktionsmitteln begrenzt. Dieser Nachteil soll durch verschiedene Lösungsvorschläge vermieden oder zumindest begrenzt werden. Minshang Qiu u. a. schlagen deshalb eine indirekte Aufheizung auf 900 ° in Wärmetauschern vor, siehe Ironmaking and Steelmaking 15 (1988) 6, S. 287 – 292 „Blast furnace operation with full oxygen blast", was einen erheblichen materiellen Aufwand erfordert und gleichfalls zur Temperaturabsenkung im Wirbelbereich führt.

Allen diesen Vorschlägen zur Zuführung von Ersatzreduktionsmitteln in den Hochofen haftet der Nachteil an, dass sie durch ihre niedrigen Vergasungstemperaturen in der Wirbelzone und durch die endotherme Reaktion des dabei gebildeten CO2 und H2O mit dem Kokskohlenstoff auch bei Aufheizung und erhöhtem Sauerstoffeinsatz direkt zur Absenkung der Formengastemperatur führen, wodurch kein maximaler Einsatz von Ersatzreduktionsmitteln möglich ist. Als Beispiel seien die Temperaturen des Reduktionsgases aufgeführt, die bei stöchiometrischem Umsatz von Ersatzreduktionsmitteln mit Sauerstoff ohne Vorwärmung zu CO und H2, also ohne CO2- und H2O-Bildung, entstehen:

Demgegenüber beträgt die geforderte Formengastemperatur z.B. 2200 °C. Mit diesen Ersatzreduktionsmitteln kann deshalb die gewünschte Zielstellung nicht erreicht werden.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Roheisenerzeugung im Hochofen bei gleichzeitigem Einsatz von Ersatzreduktionsmitteln zu realisieren, bei dem ein minimierter Koksverbrauch erreicht wird.

Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass als Ersatzreduktionsmittel kohlenstoffreiche und wasserstoffarme Stoffe eingesetzt werden, die gemeinsam mit Sauerstoff oder sauerstoffangereichertem Heißwind exotherm und nach folgender Gleichung reagieren: CxHy + x/2 O2 ⇌ xCO + y/2 H2 + Energie, wobei die Temperatur dieses CO-reichen, H2-armen Gases auf Grund der Exothermie der Reaktion Werte ≥ 2200 °C erreicht. Solche Temperaturen, die gleichzeitig die gewünschte Formengastemperatur darstellen, werden erreicht, wenn das C/H-Verhältnis des Ersatzreduktionsmittels > 20:1. vorzugsweise > 40:1 ist.

Solche Ersatzreduktionsmittel sind vorzugsweise aus C/H-haltigen Materialien mit hohem Gehalt an flüchtigen Bestandteilen durch thermische Vorbehandlung herstellbar. Beispiele sind die Herstellung von Petrolkoksen durch Pyrolyse schwerer Erdölrückstände oder die Herstellung von Schwelkoksen aus Braunkohlen oder aus Steinkohlen mit hohem Gehalt an flüchtigen Bestandteilen oder auch aus Biomassen. Solche Produkte weisen unter den o. g. Bedingungen folgende Ergebnisse aus:

Ähnliche Werte sind erreichbar, wenn anstelle von Sauerstoff auf beispielsweise 1100 °C vorgewärmter und mit Sauerstoff angereicherter Heißwind zum Einsatz kommt. Damit besteht die Möglichkeit, das Verfahren auch in unter üblichen Bedingungen betriebenen Hochöfen anzuwenden, indem zum Heißwind bestimmte Mengen an Sauerstoff zugeführt werden. Die kohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmittel müssen auf Korngrößen < 500 &mgr;m, vorzugsweise auf < 200 &mgr;m aufgemahlen werden. Der Einsatz hochinkohlter Kohlen wie Magerkohlen oder Anthrazite, die ähnliche C/H-Verhältnisse wie die Schwelkokse aufweisen, ist wegen ihrer geringen Reaktionsfähigkeit problematisch. Sie werden bei der kurzen Aufenthaltszeit im Blasformbereich nicht vollständig umgesetzt und können zu Durchströmungsschwierigkeiten im Schacht führen.

Die bei der thermischen Behandlung entstehenden flüchtigen Produkte, die aus Gasen und kondensierbaren Ölen bestehen, können zusätzlich zu gasförmigen Reduktionsmitteln aufgearbeitet in die Rast des Hochofens eingeführt oder anderweitig verwendet werden.

Liegt die Temperatur des Gases aus dem Umsatz der hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmittel mit Sauerstoff oder sauerstoffangereichertem Heißwind über der gewünschten Formengastemperatur von 2200 °C, so können zur Anpassung der Gastemperatur auf die gewünschte Formengastemperatur zusätzliche, endotherm reagierende Ersatzreduktionsmittel zugeführt werden.

Die Erfindung wird an nachfolgenden Beispielen erläutert, bei denen hochkohlenstoffhaltiger Braunkohlenschwelkoks und von CO2-befreigtes, rückgeführtes Gichtgas über die Blasformen im Gestell des Hochofens zugeführt werden.

Der Hochofen zeichnet sich zunächst durch folgende Parameter aus: Roheisenproduktion 60 t/h Verbrauch an Hochofenkoks 432 kg/t Roheisen (RE) Oeleinsatz 2 kg/t RE Kunststoffeinsatz 68 kg/t RE Sauerstoff 38 Nm3/t RE Blasformtemperatur 2200 °C Gichtgas 1820 Nm3/t RE davon 438 Nm3/t RE für Cowperheizung 1382 Nm3/t RE für Export

Nach Absenkung des Hochofenkokseinsatzes sowie der anderen Ersatzreduktionsmittel und Substitutionen durch Braunkohlenschwelkoks und rückgeführtes, von CO2 befreites Gichtgas ergeben sich bei Einsatz von Sauerstoff anstelle von Heißwind folgende Werte bei gleicher Roheisenproduktion: Hochofenkoksverbrauch 210 kg/t RE Braunkohlenschwelkoksstaub 290 kg/t RE Sauerstoff gesamt 403 Nm3/t RE von CO2 befreites Gichtgas 250 Nm3/t RE

Die gesamte aus den Zusatzreduktionsmitteln Braunkohlenschwelkoksstaub und rückgeführten, von CO2 befreiten Gichtgas erzeugte CO-Menge beträgt 800 Nm3/t RE. Davon kommen 490 Nm3 aus der Vergasung des Schwelkoksstaubes und 310 Nm3/t RE aus rückgeführtem, von CO2 befreitem Gichtgas. Die Blasformtemperatur wurde mit 2200 °C konstant gehalten. An Stelle des rückgeführten, von CO2 befreiten Gichtgases können als Zusatzreduktionsmittel auch 2 kg Oel/t RE und 120 kg Kunst-stoffe/t RE eingesetzt werden.

Zur Erhöhung der Vorreduktion kann zusätzlich auf mindestens 900 °C aufgeheiztes, von CO2 befreites Gichtgas im Bereich der Rast bzw. des unteren Schachts in den Hochofen eingespeist werden. Dann verringert sich die Menge an zugeführtem Braunkohlenschwelkoks entsprechend.

Unter den gleichen Bedingungen wie beschrieben, soll der Sauerstoff durch sauerstoffangereicherten, auf 1100 °C aufgeheizten Heißwind ersetzt werden. Dies schafft die Möglichkeit, bestehende Hochöfen auf den Einsatz von hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmitteln und der Reduzierung des Hochofenkokses auf ca. 210 kg/t RE umzustellen, ohne dass das Betriebsregime wesentlich verändert werden muss. Die oben genannten 403 Nm3/t RE Sauerstoff werden durch 1440 Nm3/t RE Heißwind ersetzt, dessen Sauerstoffgehalt auf 28 Vol% angereichert wurde.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Roheisenerzeugung in einem Hochofen mit niedrigem Koksverbrauch unter Einsatz von hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmitteln, die gemeinsam mit sauerstoffangereichertem Heißwind oder technischem Sauerstoff dem Hochofen über die Blasformen im Gestell zugeführt werden, dadurch gekennzeichnet, dass die hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmittel ein Verhältnis von Masseprozent Kohlenstoff zu Masseprozent Wasserstoff von > 20:1, vorzugsweise > 40:1 aufweisen und die Relation der hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmittel zum sauerstoffangereicherten Heißwind oder technischen Sauerstoff so gewählt werden, dass die Reaktionstemperatur beim stöchiometrischen Umsatz der hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmittel und dem sauerstoffangereicherten Heißwind oder technischen Sauerstoff zu Kohlenmonoxid CO und Wasserstoff H2, also ohne dass in der Summenreaktion CO2 und H2O gebildet werden, im Bereich der auch ohne Zusatz von hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmittel betriebsüblichen Formengastemperatur > 1800 °C, vorzugsweise im Bereich von 2000-2200 °C liegt.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmittel durch Folgendes charakterisiert werden:

    – Herstellung aus kohlenstoff- und wasserstoffhaltigen Einsatzstoffen durch thermische Vorbehandlung bei Temperaturen zwischen 300 und 1200 °C, vorzugsweise zwischen 400 und 600 °C, wobei solche Einsatzstoffe für die thermische Vorbehandlung vorzugsweise Kohlen niedrigen Inkohlungsgrades, wie Braunkohlen oder Steinkohlen mit hohem Gehalt an flüchtigen Bestandteilen, aber auch Kunststoffe oder Biobrennstoffe oder bestimmte für die thermische Petrolkoks erzeugende Crackung geeignete Erdölfraktionen sein können.

    – Abtrennung des bei der thermischen Vorbehandlung entstehenden hochkohlenstoffhaltigen Produkts von den bei der thermischen Vorbehandlung entstehenden Gasen, Ölen und Teeren.

    – Aufmahlung des bei der thermischen Vorbehandlung entstehenden hochkohlenstoffreichen festen Produktes zu einem staubfeinen Material mit mittleren Korngrößen < 500 &mgr;m, vorzugsweise < 200 &mgr;m.

    – Zuführung des aus den bei der thermischen Vorbehandlung entstehenden hochkohlenstoffreichen festen Produktes erzeugten staubfeinen Materials als festes Ersatzreduktionsmittel über die Blasformen in das Gestell des Hochofens.

    – Erzeugung eines wasserstoff- und kohlenmonoxidreichen Gases durch partielle Oxidation der bei der thermischen Vorbehandlung der kohlenstoff- und wasserstoffhaltigen Einsatzstoffe entstehenden Gase, Öle und Teere gemeinsam oder in Teilen davon mit sauerstoffangereichertem Heißwind oder technischem Sauerstoff bei Temperaturen zwischen 800 °C und 1200 °C, vorzugsweise zwischen 850 °C – 950 °C.

    – Zuführung dieser aus der partiellen Oxidation der Gase, Öle und Teere erzeugten heißen wasserstoff- und kohlenmonoxidreichen Gase über gesonderte Blasformen in den Schacht bzw. die Rast und/oder über die Blasformen im Gestell des Hochofens.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die bei der thermischen Vorbehandlung der kohlenstoff- und wasserstoffhaltigen Einsatzstoffe entstehenden Gase, Öle und Teere eine energetische oder andersartige Verwendung finden.
  4. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zu den über die Blasformenformen in das Gestell eingeführten hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmitteln wasserstoff- und kohlenmonoxidreiche, z.B. aus rückgeführtem Gichtgas erzeugte, 800 °C bis 1200 °C, vorzugsweise 850 °C – 950 °C heiße Gase über gesonderte Blasformen in den Schacht und/oder die Rast des Hochofens eingeführt werden.
  5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4 dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zu den hochkohlenstoffhaltigen Ersatzreduktionsmitteln weitere feste, flüssige oder gasförmige Ersatzreduktionsmittel über die Blasformen im Gestell des Hochofens zugeführt werden.
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