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Dokumentenidentifikation DE102004024000A1 08.12.2005
Titel Nachbehandlung von Pigmenten in ionischen Flüssigkeiten
Anmelder Clariant GmbH, 65929 Frankfurt, DE
Erfinder Mehltretter, Gerald, Dr., 60385 Frankfurt, DE;
Metz, Hans Joachim, Dr., 64285 Darmstadt, DE;
Plüg, Carsten, Dr., 64342 Seeheim-Jugenheim, DE
DE-Anmeldedatum 14.05.2004
DE-Aktenzeichen 102004024000
Offenlegungstag 08.12.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 08.12.2005
IPC-Hauptklasse C09B 67/54
IPC-Nebenklasse C09B 67/36   
Zusammenfassung Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Nachbehandlung organischer Pigmente, dadurch gekennzeichnet, dass man das gegebenenfalls gemahlene organische Rohpigment und eine oder mehrere ionische Flüssigkeiten aufeinander einwirken lässt.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung liegt auf dem Gebiet organischer Buntpigmente. Es ist bekannt, dass organische Pigmente, insbesondere Azopigmente, aus der Syntheselösung in kleinen unlöslichen Teilchen (Primärkristalliten) ausfallen, die noch einer Nachbehandlung (Finish) bedürfen. Dabei müssen physikalische Eigenschaften, wie Kristallform, Kristallgröße und -güte, sowie Teilchengrößenverteilung in Richtung auf ein gewünschtes Optimum verändert werden. Trocknet man nämlich einen Rohpigment-Presskuchen direkt nach der Synthese und dem Waschen, so lagern sich die Primärteilchen oft in erheblichem Maße zu Agglomeraten und Aggregaten zusammen. Das führt zu kornharten, farbschwachen und schlecht dispergierbaren Pigmenten, die sich oft auch durch Mahlung nicht mehr in eine anwendungstechnisch brauchbare Form bringen lassen.

Polycyclische Pigmente fallen aus der Syntheselösung meist als grobkristalline Rohpigmente aus, die anschließend durch geeignete Verfahren, wie z.B. Mahlung, feinverteilt werden müssen. Die so erhaltenen Präpigmente bedürfen in den meisten Fällen ebenfalls einer Nachbehandlung, um die gewünschten physikalischen Eigenschaften zu erzielen.

Der übliche Pigmentfinish ist eine thermische Nachbehandlung, wobei durch Erhitzen der Pigment-Rohsuspension oder des salzfrei gewaschenen, isolierten und wieder angeteigten Pigmentpresskuchens in Wasser und/oder organischen Lösemitteln eine bessere Ausbildung von Kristallen erreicht wird. Dabei wird der Feinstkornanteil, der besonders für die Agglomerationsneigung der Pigmente verantwortlich ist, verringert und folglich eine engere Korngrößenverteilung erzielt. In organischen Lösemitteln werden besonders schwerlösliche Pigmente bei Temperaturen von 80 bis 150°C nachbehandelt. Es werden dafür z.B. Alkohole, Eisessig, Chlorbenzol, o-Dichlorbenzol und Dimethylformamid verwendet.

Die bislang üblichen Finishverfahren sind apparativ und energetisch aufwendig, da oftmals unter Druck geheizt und das Lösungsmittel abdestilliert wird. Da organische Lösungsmittel meist brennbar sind, müssen entsprechende Maßnahmen zur Anlagensicherheit getroffen werden.

Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand darin, ein geeignetes Finishverfahren für organische Pigmente bereitzustellen, das im Hinblick auf Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Resourceneinsatz dem bislang üblichen Lösemittelfinish überlegen ist.

Organische Salze, die bei Temperaturen von weniger als 100°C flüssig sind, werden als ionische Flüssigkeiten bezeichnet.

Es wurde nun gefunden, dass ionische Flüssigkeiten überraschenderweise ein geeignetes Finishmedium für organische Pigmente sind.

Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher ein Verfahren zur Nachbehandlung organischer Pigmente, dadurch gekennzeichnet, dass man das gegebenenfalls gemahlene organische Rohpigment und eine oder mehrere ionische Flüssigkeiten aufeinander einwirken lässt.

Zweckmäßigerweise wird dabei so verfahren, dass man die nach der Pigmentsynthese oder die nach einer Feinverteilung, z.B. durch Mahlung, vorliegende Suspension des Rohpigments filtriert, wäscht, zum Pulverrohpigment trocknet und mit einer ionischen Flüssigkeit oder einer Mischung aus mehreren ionischen Flüssigkeiten versetzt. Anstelle des getrockneten Pulverrohpigments kann auch ein wasserfeuchtes oder lösemittelfeuchtes Rohpigment, z.B. ein Filterkuchen oder Presskuchen, eingesetzt werden.

Die erfindungsgemäße Nachbehandlung wird zweckmäßigerweise in einem beheizbaren Reaktionsgefäß mit Rührvorrichtung durchgeführt. Die ionische Flüssigkeit kann in flüssiger oder in fester Form zum Rohpigment gegeben und dann die Mischung durch Heizen auf eine Temperatur oberhalb des Schmelzpunktes der ionischen Flüssigkeit gebracht werden. Der bevorzugte Temperaturbereich für die Nachbehandlung liegt zwischen 25°C und 280°C, bevorzugt zwischen 80 und 200°C.

Relativ zum Gewicht des Rohpigments wird die ionische Flüssigkeit zweckmäßig in einer Menge (ionische Flüssigkeit: Pigment) von (0,5 : 1) bis (30 : 1), bevorzugt (1 : 1) bis (20 : 1), eingesetzt.

Beim Einsatz von wasserfeuchtem oder lösemittelfeuchtem Rohpigment kann das Wasser oder das Lösemittel während der Nachbehandlung im Gemisch verbleiben oder aus dem Gemisch durch Destillation vor oder während der Nachbehandlung entfernt werden.

Es kann vorteilhaft sein, bei der Nachbehandlung zusätzliche Mengen an Wasser oder organischen Lösemitteln, wie z.B. Kohlenwasserstoffen, Alkoholen, Ethern, Aminen, Carbonsäuren, Carbonsäureestern oder -amiden, wie z.B. N-Methyl-pyrrolidon, zuzusetzen. Der Anteil an Wasser oder organischem Lösemittel kann dabei im Bereich von 1 bis 90 Gew.-%, bevorzugt im Bereich von 5 bis 50 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Pigmentsuspension, liegen.

Die Dauer der Nachbehandlung kann in weiten Grenzen schwanken, zweckmäßig sind 10 Minuten bis 10 Stunden, vorzugsweise 30 Minuten bis 5 Stunden.

Anschließend wird das Pigment durch Filtration von der ionischen Flüssigkeit abgetrennt. Es kann vorteilhaft sein, vor der Filtration Wasser oder ein organisches Lösemittel z.B. aus der Gruppe der Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Ether, Amine, Carbonsäuren, Carbonsäureester oder -amide, wie z.B. N-Methylpyrrolidon zuzusetzen, um die Filtration zu erleichtern. Aus dem Filtrat kann die ionische Flüssigkeit durch Extraktion oder durch Abdestillieren von Wasser und/oder organischen Lösemitteln zurückgewonnen und erneut für die Nachbehandlung von Pigmenten eingesetzt werden.

Die ionische Flüssigkeit kann mit Wasser mischbar oder unmischbar sein. Als ionische Flüssigkeiten kommen organische Salze in Betracht, die einen Schmelzpunkt von weniger als 100°C besitzen und die mit der allgemeinen Formel [A]n+[B]n- beschrieben werden können, wobei

n = 1, 2 oder 3 ist und

[B]n- ein organisches oder ein anorganisches Anion ist, ausgewählt aus der Gruppe Halogenid, Borat, Phosphat, Phosphonat, Antimonat, Arsenat, Zinkat, Cuprat, Aluminat, Carbonat, Alkylcarbonat, Alkylsulfonat, Sulfat, Alkylsulfat, Alkylethersulfat, Amid, Imid, Carbanion und anionischer Metallkomplex;

[A]+ ein Kation ist, ausgewählt aus

  • – Ammonium-Kationen der allgemeinen Formel [NR1R2R3R4]+,
  • – Phosphonium-Kationen der allgemeinen Formel [PR1R2R3R4]+,
  • – Imidazolium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei der Imidazol-Kern substituiert sein kann mit wenigstens einem Rest aus der Gruppe C1-C6-Alkyl, C1-C6-Alkoxy, C1-C6-Aminoalkyl, C6-C12-Aryl oder C6-C12-Aryl-C1-C6-Alkyl,
  • – Pyrrolidinium-Kationen der allgemeinen Formel
  • – Pyridinium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei der Pyridin-Kern substituiert sein kann mit wenigstens einem Rest aus der Gruppe C1-C6-Alkyl, C1-C6-Alkoxy, C1-C6-Aminoalkyl, C6-C12-Aryl oder C6-C12-Aryl-C1-C6-Alkyl,
  • – Pyrazolium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei der Pyrazol-Kern substituiert sein kann mit wenigstens einem Rest aus der Gruppe C1-C6-Alkyl, C1-C6-Alkoxy, C1-C6-Aminoalkyl, C6-C12-Aryl oder C6-C12-Aryl-C1-C6-Alkyl,
  • – Triazolium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei der Triazol-Kern substituiert sein kann mit wenigstens einem Rest aus der Gruppe C1-C6-Alkyl, C1-C6-Alkoxy, C1-C6-Aminoalkyl, C6-C12-Aryl oder C6-C12-Aryl-C1-C6-Alkyl,
  • – Guanidinium-Kationen der allgemeinen Formel
  • – Isouronium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei X ausgewählt ist aus der Gruppe Sauerstoff und Schwefel; und die Reste R1, R2, R3, R4, R5, R6 unabhängig voneinander ausgewählt sind aus der Gruppe:

    – Wasserstoff,

    – lineare oder verzweigte, gesättigte oder ungesättigte, aliphatische oder alicyclische Alkylgruppen mit 1 bis 20 Kohlenstoffatomen,

    – Heteroarylgruppen mit 3 bis 8 Kohlenstoffatomen im Heteroaryl-Rest und wenigstens einem Heteroatom ausgewählt aus N, O und S, das mit wenigstens einer Gruppe ausgewählt aus C1-C6-Alkylgruppen und/oder Halogenatomen substituiert sein kann;

    – Arylgruppen mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen im Arylrest, die gegebenenfalls mit wenigstens einer C1-C6-Alkylgruppe und/oder einem Halogenatom substituiert sein können.

Bevorzugte Anionen der ionischen Flüssigkeiten sind Chlorid (Cl), Bromid (Br-), Tetrafluoroborat ([BF4]-), Tetrachloroborat ([BCl4]-), Tetracyanoborat ([B(CN)4]-), Bis[oxolato(2-)]-borat ([B(OOC-COO)2]-), Bis[malonato(2-)]-borat ([B(OOC-CH2-COO)2]-), Bis[1,2-benzoldiolato(2-)-O,O']-borat ([B(O-C6H4-O)2]-), Bis[2,2'-biphenyldiolato(2-)-O,O']-borat ([B(O-C6H4-C6H4-O)2]-), Bis[salicylato(2-)]-borat ([B(O-C6H4-COO)2]-), Hexafluorophosphat ((PF6]-), Tris(pentafluoroethyl)-trisfluoro-phosphat ([(C2F5)3PF3]-), Tris(heptafluoropropyl)-trisfluoro-phosphat ([(C3F7)3PF3]-), Tris(nonafluorobutyl)-trisfluoro-phosphat ([(C4F9)3PF3]-), Bis(pentafluoroethyl)-phosphonat ([(C2H5)2P(O)O]-), Bis(2,4,4-trimethyl-pentyl)-phosphonat ([(C8H17)2P(O)O]-), Hexafluoroantimonat ([SbF6]-), Hexafluoroarsenat ([SbF6]-), Tetrachlorozinkat ([ZnCl4]-), Dichlorocuprat ([CuCl2]-), Tetrachloroaluminat ([AlCl4]-), Carbonat ([CO3]2-), Decanoat (C10H21CO2]-), Triflat ([CF3SO3]-), Nonaflat ([C2F5SO3]-), Tosylat ([CH3-C6H4-SO3]-), Sulfat ([SO4]2-), Methylsulfat ([CH3SO4]-), Diethylenglycolmonomethylethersulfat ([CH3-(OCH2CH2)2-SO4]-), Dicyanamid ([(CN)2N]-), Bis(trifluormethyl)imid ([(CF3)2N]-), Bis(trifluormethylsulfonyl)imid ([(CF3SO2)2N]-), Bis(trifluormethylsulfonyl)methan ([(CF3SO2)2CH]-), Tris(trifluormethylsulfonyl)methid ([(CF3SO2)3C]-), Cobalt-tetracarbonyl ([Co(CO)4]-].

Bevorzugte organische Kationen der ionischen Flüssigkeiten sind Tetramethyl-ammonium, Tetraethyl-ammonium, Tetrabutyl-ammonium, Trioctyl-methyl-ammonium, 1,1-Dimethyl-pyrrolidinium, 1-Ethyl-1-methyl-pyrrolidinium, 1-Butyl-1-methyl-pyrrolidinium, 1-Butyl-1-ethyl-pyrrolidinium, 1-Hexyl-1-methyl-pyrrolidinium, 1-Octyl-1-methyl-pyrrolidinium, 1,1-Dipropyl-pyrrolidinium, 1,1-Dibutyl-pyrrolidinium, 1,1-Dihexylpyrrolidinium, Tetrabutyl-phosphonium, Trihexyl-(tetradecyl)-phosphonium, Triisobutyl-methyl-phosphonium, Benzyl-triphenyl-phosphonium, 1-Methyl-imidazolium, 1-Butylimidazolium, 1,3-Dimethylimidazolium, 1-Ethyl-3-methyl-imidazolium, 1-Butyl-3-methyl-imidazolium, 1-Pentyl-3-methyl-imidazolium, 1-Hexyl-3-methyl-imidazolium, 1-Methyl-3-octyl-imidazolium, 1-Decyl-3-methyl-imidazolium, 1-Dodecyl-3-methyl-imidazolium, 1-Methyl-3-tetradecyl-imidazolium, 1-Hexadecyl-3-methyl-imidazolium, 1-Methyl-3-octadecyl-imidazolium, 1-Benzyl-3-methyl-imidazolium, 1-Methyl-3-(3'-phenylpropyl)-imidazolium, 1,2-Dimethyl-3-propyl-imidazolium, 1-Ethyl-2,3-dimethyl-imidazolium, 1-Butyl-2,3-dimethyl-imidazolium, 1-Hexyl-2,3-dimethyl-imidazolium, 1-Hexadecyl-2,3-dimethyl-imidazolium, N-Ethyl-pyridinium, N-Butyl-pyridinium, 3-Methyl-N-butyl-pyridinium, 4-Methyl-N-butyl-pyridinium, 3,4-Dimethyl-N-butyl-pyridinium, 3,5-Dimethyl-N-butyl-pyridinium, 3-Ethyl-N-butyl-pyridinium, N-Hexyl-pyridinium, 3-Methyl-N-hexyl-pyridinium, 4-Methyl-N-hexyl-pyridinium, N-Octyl-pyridinium, 3-Methyl-N-octyl-pyridinium, 4-Methyl-N-octyl-pyridinium, Diethylpyrazolium, Ethyltriazolium, Guanidinium, N,N,N',N'-Tetramethyl-N''-ethylguanidinium, N-Pentamethyl-N-isopropylguanidinium, N-Pentamethyl-N-propylguanidinium, Hexamethylguanidinium, O-Methyl-N,N,N',N'-tetramethylisouronium, O-Ethyl-N,N,N',N'-tetramethylisouronium, S-Ethyl-N,N,N',N'-tetramethylisothiouronium.

Die erfindungsgemäße Nachbehandlung kann bei allen organischen Buntpigmenten, wie Azopigmenten und polycyclischen Pigmenten, vorgenommen werden. Azopigmente können Monoazo-, Disazo-, Disazokondensations-, Naphthol- oder Metallkomplexpigmente sein.

Als Azopigmente kommen insbesondere C.I. Pigment Yellow 16, 32, 83, 97, 120, 151, 154, 155, 175, 180, 181, 191, 194, 213, Pigment Orange 34, 36, 38, 62, 72, 74, Pigment Red 53:2, 112, 122, 137, 144, 170, 171, 175, 176, 185, 187, 188, 208, 214, 242, 247, 253; Pigment Violet 32; Pigment Brown 25 in Betracht.

Polycyclische Pigmente können z.B. Isoindolinon-, Isoindolin-, Anthanthron-, Thioindigo-, Chinophthalon-, Anthrachinon-, Dioxazin-, Phthalocyanin-, Chinacridon-, Perylen-, Perinon-, Diketopyrrolopyrrol-, Thiazinindigo- und Azomethin-Pigmente sein, insbesondere Pigment Violet 19, 23, Pigment Blue 15, Pigment Green 7, 36, 37, Pigment Red 122, 179, 202, 254, Pigment Yellow 139.

Es zeigte sich, dass die erfindungsgemäße Nachbehandlung den bislang üblichen wässrigen oder Lösemittel-Finish ersetzen kann. Darüber hinaus können sich bei einigen Pigmenten, in Abhängigkeit von Temperatur, Druck, Behandlungsdauer und Wasserzugabe, überraschenderweise noch weitere physikalische Eigenschaften ändern, wie z.B. die Kristallmodifikation oder das Verhältnis der gebildeten Kristallmodifikationen.

So entsteht z.B. aus rohem P.R. 170 der &agr;-Phase durch die erfindungsgemäße Nachbehandlung ein P.R. 170 der &bgr;-Phase oder der &ggr;-Phase oder einem Gemisch der &bgr;-Phase und der &ggr;-Phase.

Analog entsteht z.B. aus rohem P.Y. 213 der &bgr;-Phase durch die erfindungsgemäße Nachbehandlung ein P.Y 213 der &agr;-Phase.

In den nachfolgenden Beispielen wurden die coloristischen Eigenschaften der erhaltenen Pigmentproben im Alkyd-Melamin-Einbrennlack AM 5 durch Vergleichsmessungen bestimmt; als Referenz dienten jeweils die unbehandelten Proben.

Die Bewertung der Aufhellung erfolgte durch farbmetrische Messung der CIELAB-System gemäß DIN 6174; gemessen wurde an einem PCM-Gerät der Firma Gardner, wobei jeweils der Mittelwert aus drei Einzelwerten gebildet wurde. Die Bewertung des Volltons wurde visuell unter einer Abmusterungslampe entsprechend ASTM D1729 mit Tageslicht (CIE D65) durchgeführt.

Die Bestimmung der Kristallmodifikation der erhaltenen Pigmente erfolgte durch Röntgenpulverdiffraktometrie.

Zum Einsatz kamen folgende ionische Flüssigkeiten:

Beispiele 1 bis 4: Finish von P.R. 170 Trockenpigment mit ECOENG 41M

22,7 g Rohpigment P.R. 170 (Pulver, &agr;-Phase) wurden in einem 2 I-Kolben mit 200 ml ECOENG 41M vermischt und 30 Minuten bei RT verrührt. Die Mischung wurde innerhalb von 10 Minuten auf 120°C erhitzt und 2 Stunden bei dieser Temperatur gerührt. Dann wurde die Mischung mit 200 ml Wasser versetzt, heiß abfiltriert und mit 1200 ml Wasser gewaschen. Der Pigmentpresskuchen wurde 16 Stunden bei 100°C getrocknet, man erhält 22,3 g P.R. 170 als Gemisch der &bgr;-Phase und der &ggr;-Phase (Verhältnis etwa 95:5).

Das Filtrat wurde über Celite und Aktivkohle filtriert und anschließend das Wasser abdestilliert, um die ionische Flüssigkeit zurückzugewinnen.

Gemäß nachstehender Tabelle wurden die Finishbedingungen variiert:

Beispiel 5: Finish von P. R. 170 (feuchter Presskuchen) mit ECOENG 41M

Es wurde gemäß Beispiel 1 verfahren, aber anstelle des getrockneten Rohpigments wurden 136 g Rohpigment P. R. 170 als wasserfeuchter Presskuchen (alpha-Phase) eingesetzt. Die Mischung aus Rohpigment, ECOENG 41M und Wasser wurde innerhalb von 10 Minuten auf 110°C erhitzt und 30 Minuten bei dieser Temperatur gerührt, dabei wurde das Wasser mittels eines Rückflusskühlers in der Mischung gehalten. Nach der Aufarbeitung analog Beispiel 1 erhält man 22,3 g P.R. 170 in der beta-Phase.

Beispiel 6: Finish von P.R. 170 (Trockenpigment) mit [BMIM][PF6]

Es wurde gemäß Beispiel 1 verfahren, aber anstelle von 200 ml ECOENG 41MTM wurden 200 ml [BMIM][PF6] verwendet und die Mischung für 2 Stunden auf 150°C erhitzt. Man erhält 22,5 g P.R. 170 in der beta-Phase.

Beispiel 7: Finish von P.R. 170 (Trockenpigment) mit CYPHOS 3653

Es wurde gemäß Beispiel 6 verfahren, aber anstelle von 200 ml [BMIM][PF6] wurden 200 ml CYPHOS 3653 verwendet. Man erhält 22.4 g P.R. 170 in der beta-Phase.

Unter der alpha-Phase von P.R. 170 wird diejenige Kristallmodifikation verstanden, die sich durch folgende charakteristische Linien im Röntgenpulverdiagramm auszeichnet (Cu-K&agr;-Strahlung, 2&THgr;-Werte in Grad): 7.6 (stark), 25.7 (stark), 5.2, 8.2, 11.7, 13.5, 15.9, 18.9, 23.5 (alle mittelstark).

Unter der beta-Phase versteht man diejenige Kristallmodifikation von P.R. 170, die sich durch folgende charakteristische Linien im Röntgenpulverdiagramm auszeichnet: 25.5 (stark), 7.1, 8.2, 11.3, 12.8, 15.1, 17.9 (alle schwach).

Die gamma-Phase zeichnet sich durch folgende Linien aus: 25.7 (stark), 7.3, 11.3, 12.9, 15.4, 18.2 (alle mittelstark).

Alle Linienlagen aller Modifikationen aller Pigmente sind mit einer Ungenauigkeit von ± 0.2° behaftet.

Beispiel 8: Finish von P.Y. 213 (Trockenpigment) mit ECOENG 41M

Es wurde wie in Beispiel 1 verfahren, jedoch wurde P.Y. 213 (Pulver, beta-Phase) statt P. R. 170 eingesetzt und die Mischung für 2 Stunden auf 150°C erhitzt. Man erhält 22,5 g P. Y. 213 in der alpha-Phase.

Das durch die Nachbehandlung entstandene Pigment zeichnet sich gegenüber der unbehandelten Form (brauner Farbton) durch einen brillanten gelben Farbton aus.

Beispiel 9: Finish von Kupferphthalocyanin (Rohblau) mit ECOENG 41M

Es wurde wie in Beispiel 1 verfahren, jedoch wurden 25g Kupferphthalocyanin (Rohblau) statt P.R. 170 eingesetzt und die Mischung für 3 Stunden auf 130°C erhitzt. Man erhält 24,4 g Kupferphthalocyanin in der beta-Phase.

Das durch die Nachbehandlung entstandene Pigment zeichnet sich gegenüber der unbehandelten Form (trübes Blau) durch einen brillanten grünstichig-blauen Farbton aus.

Beispiel 10: Finish von Kupferphthalocyanin (Rohblau) mit CYPHOS 3653

Es wurde wie in Beispiel 9 verfahren, jedoch wurde CYPHOS 3653 anstelle von ECOENG 41M verwendet. Man erhält 21,7 g Kupferphthalocyanin in der beta-Phase als brillantes, grünstichig-blaues Pigment.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Nachbehandlung organischer Pigmente, dadurch gekennzeichnet, dass man das gegebenenfalls gemahlene organische Rohpigment und eine oder mehrere ionische Flüssigkeiten aufeinander einwirken lässt.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die ionische Flüssigkeit die allgemeine Formel [A]n+[B]n- aufweist, wobei

    n=1, 2 oder 3 ist und

    [B]n- ein organisches oder ein anorganisches Anion ist, ausgewählt aus der Gruppe Halogenid, Borat, Phosphat, Phosphonat, Antimonat, Arsenat, Zinkat, Cuprat, Aluminat, Carbonat, Alkylcarbonat, Alkylsulfonat, Sulfat, Alkylsulfat, Alkylethersulfat, Amid, Imid, Carbanion und anionischer Metallkomplex;

    [A]+ ein Kation ist, ausgewählt aus

    – Ammonium-Kationen der allgemeinen Formel [NR1R2R3R4]+,

    – Phosphonium-Kationen der allgemeinen Formel [PR1R2R3R4]+,

    – Imidazolium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei der Imidazol-Kern substituiert sein kann mit wenigstens einem Rest aus der Gruppe C1-C6-Alkyl, C1-C6-Alkoxy, C1-C6-Aminoalkyl, C6-C12-Aryl oder C6-C12-Aryl-C1-C6-Alkyl;

    – Pyrrolidinium-Kationen der allgemeinen Formel
    – Pyridinium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei der Pyridin-Kern substituiert sein kann mit wenigstens einem Rest aus der Gruppe C1-C6-Alkyl, C1-C6-Alkoxy, C1-C6-Aminoalkyl, C6-C12-Aryl oder C6-C12-Aryl-C1-C6-Alkyl,

    – Pyrazolium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei der Pyrazol-Kern substituiert sein kann mit wenigstens einem Rest aus der Gruppe C1-C6-Alkyl, C1-C6-Alkoxy, C1-C6-Aminoalkyl, C6-C12-Aryl oder C6-C12-Aryl-C1-C6-Alkyl,

    – Triazolium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei der Triazol-Kern substituiert sein kann mit wenigstens einem Rest aus der Gruppe C1-C6-Alkyl, C1-C6-Alkoxy, C1-C6-Aminoalkyl, C6-C12-Aryl oder C6-C12-Aryl-C1-C6-Alkyl,

    – Guanidinium-Kationen der allgemeinen Formel


    – Isouronium-Kationen der allgemeinen Formel
    wobei X ausgewählt ist aus der Gruppe Sauerstoff und Schwefel und die Reste R1, R2, R3, R4, R5, R6 unabhängig voneinander ausgewählt sind aus der Gruppe:

    – Wasserstoff,

    – lineare oder verzweigte, gesättigte oder ungesättigte, aliphatische oder alicyclische Alkylgruppen mit 1 bis 20 Kohlenstoffatomen,

    – Heteroarylgruppen mit 3 bis 8 Kohlenstoffatomen im Heteroaryl-Rest und wenigstens einem Heteroatom ausgewählt aus N, O und S, das mit wenigstens einer Gruppe ausgewählt aus C1-C6-Alkylgruppen und/oder Halogenatomen substituiert sein kann;

    – Arylgruppen mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen im Arylrest, die gegebenenfalls mit wenigstens einer C1-C6-Alkylgruppe und/oder einem Halogenatom substituiert sein können.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Rohpigment in Form eines Pulvers, Filterkuchens oder Presskuchens eingesetzt wird.
  4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Nachbehandlung mit ionischen Flüssigkeiten bei einer Temperatur zwischen 25°C und 280°C durchgeführt wird.
  5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Nachbehandlung mit ionischen Flüssigkeiten bei einer Temperatur zwischen 80 und 200°C durchgeführt wird.
  6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Gewichtsmenge ionische Flüssigkeit: Pigment zwischen 0,5:1 und 30:1 liegt.
  7. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Dauer der Nachbehandlung 10 Minuten bis 10 Stunden beträgt.
  8. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Nachbehandlung in Gegenwart von Wasser oder organischem Lösemittel durchgeführt wird.
  9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Menge an Wasser oder organischem Lösemittel 1 bis 90 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Pigmentsuspension, beträgt.
  10. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Pigment ein Azopigment oder ein polycyclisches Pigment ist.
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