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Dokumentenidentifikation DE10139841B4 09.03.2006
Titel Textilrücken für Teppichboden
Anmelder Techtex GmbH Vliesstoffe, 09648 Mittweida, DE
Erfinder Böttcher, Peter, Dr., 09127 Chemnitz, DE;
Schimanz, Barbara, 09212 Limbach-Oberfrohna, DE;
Erth, Holger, 09224 Grüna, DE;
Hunger, Manfred, 09112 Chemnitz, DE
DE-Anmeldedatum 14.08.2001
DE-Aktenzeichen 10139841
Offenlegungstag 13.03.2003
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 09.03.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 09.03.2006
IPC-Hauptklasse D04H 11/08(2006.01)A, F, I, ,  ,  ,   
IPC-Nebenklasse D04H 1/52(2006.01)A, L, I, ,  ,  ,      D05C 17/02(2006.01)A, L, I, ,  ,  ,      

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf einen Textilrücken für Teppichboden, bestehend aus einem durch Faser- oder Fadenmaschen verfestigten Vliesstoff mit dreidimensionaler Faseranordnung. Der Textilrücken bildet die dem Boden zugewandte Seite, mit dem sich die Funktions- und Verlegeeigenschaften des Teppichbodens beeinflussen lassen.

Vliesrückenkonstruktionen von Teppichböden gewinnen als Alternative zu Schaumrücken immer mehr an Bedeutung, weil sie den textilen Charakter eines Teppichbodens unterstützen. Bisher kommen vor allem Nadelvliesstoffe zum Einsatz. Die maschenverstärkten Vliesstoffe Maliwatt und Malivlies werden ebenfalls schon in großem Umfang als Teppichrücken eingesetzt.

Auch die DE 199 45 988 A1 beschreibt ein Verfahren zur Stabilisierung eines Florteppichs mit einem verfestigenden Rücken, bei dem anstelle eines zusätzlichen Jutegewebes oder eines Schaumrückens ein Nonwoven auf den getufteten Teppichrücken mittels hydrodynamischer Wasservernadelung befestigt wird. Die aufzubringende Schicht kann dabei aus einem einfachen leichten Krempelvlies oder einem Komposit bestehen. Das Nonwoven ist nur mit den auf der Rückseite sichtbaren, dort umgelenkten Florfasern und mit der Rückenseite des Primärträgers vernadelt, womit die Florfasern im Rücken stabilisiert sind.

Aus der DD 203 575 ist ein nähgewirkter Polstoff zur Herstellung von Möbelbezügen bekannt, der aus einem Vlies und aus einem oder mehreren Fadensystemen besteht, von denen mindestens ein Fadensystem Polschlingen bildet und wobei das Vlies zusätzlich in sich verfestigt ist, in dem aus dem Vlies gezogene Faserbündel so angeordnet sind, dass sie sich von der den Polschlingen zugewandten Seite aus durch das Vlies hindurch erstrecken und aus diesen Faserbündeln auf der den Polschlingen abgewandten Seite Maschenstäbchen und Maschenreihen gebildet sind. Dabei besteht ein Teil oder die Gesamtheit der aus den Faserbündeln gebildeten Maschen zusätzlich noch aus den Fäden des Polfadensystems. Damit soll eine Erhöhung der Festigkeit und Erweiterung der Mustermöglichkeit des Polstoffes erreicht werden.

Eine ausgeprägte Faserpolstruktur aus vertikal abstehenden Faserteilen mit einer sehr hohen Parallelität und gleichmäßiger Höhe weist dieser Polstoff somit nicht auf.

Innerhalb der Vielfalt von Vliesstoffen werden jedoch bisher nur wenige voluminöse Produkte als Textilrücken für Teppichböden eingesetzt, welche über gute druckelastische Eigenschaften verfügen. Ursache hierfür ist die vorwiegend horizontale Ausrichtung der Fasern, wie sie bei der Bildung des Vlieses entsteht und für die Verfestigung der Flächengebilde benötigt wird, aber durch die Verfestigung selbst nur unbedeutend verändert wird.

Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, einen Textilrücken für Teppichböden zu entwickeln, der hinsichtlich seiner Nutzungseigenschaften die Vorteile herkömmlicher Vliesrücken um eine hohe Druckelastizität erweitert und kostengünstig herstellbar ist.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die im Anspruch 1 aufgezeigten Merkmale gelöst. Vorteilhafte Ausführungen sind in den Unteransprüchen enthalten.

Der erfindungsgemäße Textilrücken ermöglicht, die zunehmenden Forderungen an Teppichböden hinsichtlich Schall- und Trittdämmung sowie Wärmeisolierung zu erfüllen. Grund ist ein hoher Anteil der im Vliesstoff enthaltenen Gesamtfaserlänge, der senkrecht zum Vliesstoffquerschnitt und somit parallel zur Beanspruchungsaufnahme im Gebrauch angeordnet ist. Gleichzeitig ergibt der Effekt des Velourisierens durch Vernadeln eine Zusatzverfestigung der im Vliesquerschnitt horizontal angeordneten Fasern durch Ausbildung vertikaler Faserpfropfen und eine Fixierung des Bindefadensystems durch eingenadelte Faserteile aus dem Vliesquerschnitt; Effekte, die sich positiv in den Eigenschaftsverbesserungen hinsichtlich Maßstabilität, Querfestigkeit und Reduzierung der Maschenlaufneigung zeigen. Die kostengünstige Herstellung des Textilrückens, seine Anpassung an alle Teppichbodenarten und die erweiterten Möglichkeiten in der Verlegetechnik durch alternative Verlegemethoden sind weitere nennenswerte Vorteile.

Die Erfindung wird nachstehend anhand von Ausführungsbeispielen näher beschrieben. Die dazugehörigen Zeichnungen zeigen in

1 den schematischen Querschnitt des Textilrückens mit dreidimensionaler Faseranordnung aus einem auf einer Oberflächenseite velourisierten, durch Fasermaschen verfestigten Vliesstoff,

2 den schematischen Querschnitt des Textilrückens mit dreidimensionaler Faseranordnung aus einem auf einer Oberflächenseite velourisierten, durch Fadenmaschen verfestigten Vliesstoff.

Wie in 1 dargestellt, besteht der erfindungsgemäße Textilrücken aus einem durch Fasermaschen 4 verfestigten Vliesstoff 1, der auf der den Fasermaschen 4 gegenüberliegenden Seite 5 mit einer Faserpolschicht 7 ausgestattet ist. Die Faserpolschicht 7 wird von vielen parallelen Faserteilen 6 gebildet, die senkrecht zum Querschnitt des Vliesstoffes 1 angeordnet sind und eine hohe Gleichmäßigkeit in ihrer Länge aufweisen. Die Faserteile 6 sind auf der Oberfläche in einer sehr hohen Dichte angeordnet, die mindestens 1200 Faserteile 6 pro cm2 Vliesstoff entspricht. Die Höhe der von der Oberfläche vertikal abstehenden Faserteile 6 liegt vorzugsweise zwischen 2 bis 10 mm. Höhe und Dichte der Faserteile 6 sind in Abhängigkeit vom Materialeinsatz für den Vliesstoff 1, dem zu verlegenden Teppichboden und der angewandten Verlegetechnik variierbar.

Erreicht wird diese Oberflächenstruktur mit einer Vielzahl abstehender Faserteile 6 durch einen als Velourisieren zu bezeichnenden Vernadelungsprozess. Dabei wird ein durch Fasermaschen 4 verfestigtes Faservlies von der mit Fasermaschen 4 versehenen Oberflächenseite 5 mit senkrecht einwirkenden Nadeln durchstochen. Diese Nadeln haben an der Spitze eine gabelzinkenförmige Aussparung (Gabelnadeln) oder kurz nach der Spitze auf dem Dreikantschaft in gleichem Abstand von der Spitze je einen Widerhaken (Kranz- oder Kronennadeln). In diese Öffnungen der durchstechenden Nadel gelangen parallel zum Vliesstoffquerschnitt angeordnete Faserteile und werden beim Durchstechen aus dem Vliesstoffquerschnitt herausgestoßen oder -gezogen und als Faserteil oder -schlinge 6 mit hoher Parallelität und großer Höhengleichmäßigkeit vertikal zum Vliesstoffquerschnitt so angeordnet, daß jedes Faserteil 6 mit einem bzw. beiden Enden 8 im Vliesstoff 1 mechanisch eingebunden ist.

Üblicherweise arbeitet man bei der erfindungsgemäßen Oberflächenstrukturierung mit auf die Faserfeinheit des Vliesstoffes 1 abgestimmten feinen Gabel- oder Kronennadeln mit Stichdichten je cm2 Vliesstoff 1 von 400 bis 1000 Stich/cm2 und mit Durchstichtiefen der Nadeln zwischen 4 bis 12 mm. Damit wird erreicht, dass mindestens 25 % der im Vliesstoff 1 vorhandenen Faserlänge die vertikal zum Vliesstoffquerschnitt angeordneten Faserteile 6 und damit die Faserpolschicht 7 bilden. Für die Ausbildung einer sehr markanten Faserpolschicht 7 auf einer Oberflächenseite des Textilrückens werden die in den speziellen Strukturierungsnadelmaschinen aus dem Vliesstoffquerschnitt vertikal ausgetragenen Faserteile 6 in ein mitlaufendes Bürstenband eingetragen, um die vertikale Anordnung zu behalten und nicht umgelegt und dann durch folgende Nadeldurchstiche in schräger Lage fixiert zu werden.

Der in 2 gezeigte Textilrücken besteht aus einem mittels Bindefadenmaschen 2 verfestigten Vliesstoffes 1, bei dem die Faserpolschicht 7 auf der Maschenseite 9 ausgebildet ist. Der Vliesstoff 1 wird bei dieser Ausführung von der Fadenstegseite 3 mit Nadeln senkrecht durchstochen, wobei die im Vliesquerschnitt horizontal angeordneten Fasern bzw. Faserteile auf der Fadenmaschenseite 9 als eine Vielzahl vertikal angeordneter Faserteile 6 die Faserpolschicht 7 bilden.

In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform kann die Faserpolschicht 7 auch auf der Maschenseite 4 (1) bzw. auf der Maschenstegseite 3 (2) ausgebildet sein. In diesem Fall stechen die Nadeln von der Oberflächenseite 5 bzw. von der Fadenmaschenseite 9 zur Ausbildung der Faserpolschicht 7 in den Vliesstoff 1.

Die auf der Oberfläche befindliche Faserpolschicht 7 übernimmt beim Gebrauch des Textilrückens in Verbindung mit dem Teppichboden eine zusätzliche abfedernde, kraftaufnehmende Wirkung bei Trittbeanspruchungen einschließlich einer Dämm- und Isolationswirkung in den Hohlräumen zwischen den vertikal abstehenden Faserteilen 6. Dabei kann der erfindungsgemäße Textilrücken mit dem Teppichboden so verklebt werden, daß entweder die Fasermaschenseite 4 oder die Maschenstegseite 3 oder die Faserpolschicht 7 die auf dem Fußboden aufliegende Fläche bildet. Ist der Textilrücken so angeordnet, daß die Faserpolschicht 7 auf den Fußboden zeigt, bildet diese zusätzlich die schlingenartige Oberfläche für die mechanische Befestigung des Teppichbodens auf dem Fußboden mittels Klettband-Verschluß.

Die Verbindung von Textilrücken und Fußboden mittels geeigneter Kleber bei der Verlegung ist ebenfalls möglich.

Zur Erhöhung der Festigkeit des Textilrückens können im Vliesstoffquerschnitt bis 25 thermische Bindefasern enthalten sein, die einen zusätzlichen Bindeeffekt im Vliesstoffquerschnitt garantieren. Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der Eigenschaften des Textilrückens ist durch die Anordnung zusätzlicher textiler und/oder nichttextiler Flächen gegeben. Diese können direkt im Vliesstoffquerschnitt und/oder auf der der Faserpolschicht 7 abgewandten Seite 3, 4 angeordnet sein. Als textile Flächen können beispielsweise Gewebe, Gewirke, Gestricke und Vliesstoffe oder auch thermoplastische Klebefolien oder Klebevliese eingesetzt werden, die bereits bei der Vliesstoffherstellung mit eingearbeitet werden können.

1. Ausführungsbeispiel

Der Textilrücken besteht aus einem durch Fasermaschen 4 verfestigten Vliesstoff „Malivlies" mit einer Flächenmasse von 165 g/m2 und aus 100 % Polypropylen der Feinheit 6,7 dtex. Die Verfestigungsparameter auf der Nähwirkmaschine sind eine Maschinenfeinheit 18 F und eine Stichlänge von 2,0 mm. Dieses Malivlies wurde auf einer Strukturierungsnadelmaschine mit folgenden Parametern vernadelt: Einstichseite: Fasermaschenseite 4 Stichdichte: 600 Stich/cm2 Nadelart: Kronennadel 15 × 18 × 38 S111 Stichtiefe: 9 mm

Der Textilrücken besitzt auf der Vliesstoffoberfläche 5 die Faserpolschicht 7 aus vertikal angeordneten Faserteilen 6 mit einer Dichte von mindestens 3200 Faserteilen je cm2 Vliesstoffoberfläche und einer Höhe von mindestens 2,0 mm. Gegenüber dem Ausgangsvliesstoff „Malivlies" weist der Textilrücken mit der erfindungsgemäßen Faserpoloberfläche folgende Eigenschaftsänderungen auf:

Zunahme der

  • – Dicke um 50 %
  • – Höchstzugkraft längs um 15 %
  • – relativen Zusammendrückbarkeit um 30 %
  • – Abnahme der Maßänderung bei Lagerung in Wasser bzw. bei 60 °C Trockenhitze um über 50 %.

2. Ausführungsbeispiel

Im 2. Ausführungsbeispiel besteht der Textilrücken aus einem durch Fadenmaschen 2 verfestigten Vliesstoff 1. Dieser auch als Maliwatt bekannte Vliesstoff 1 hat eine Flächenmasse von 180 g/m2 und besteht aus Polypropylenfasern der Feinheit 6,7 dtex im Vlies und einem Bindefaden aus Polyester der Feinheit 76 dtex. Die Verfestigungsparameter auf der Nähwirkmaschine sind eine Maschinenfeinheit 14F und eine Stichlänge von 1,6 mm. Dieser Maliwatt-Vliesstoff wird auf einer Strukturierungsnadelmaschine mit folgenden Parametern vernadelt:

Einstichseite: Maschenstegseite 3 Stichdichte: 900 Stich/cm2 Nadelart: Kronennadel 15 × 18 × 40 S111 Stichtiefe: 10 mm

Dieser Textilrücken besitzt auf der Fadenmaschenseite 9 eine Faserpolschicht 7 aus vertikal angeordneten Faserteilen 6 mit einer Dichte von mindestens 2700 Faserteilen je cm2 Vliesstoffoberfläche und einer Höhe von mindestens 4,0 mm. Gegenüber dem Ausgangsvliesstoff 1 weist der Textilrücken mit der erfindungsgemäßen Faserpoloberfläche folgende Eigenschaftsänderungen auf:

Zunahme der

  • – Dicke um 50 %
  • – Höchstzugkraft quer um 75 %
  • – relativen Zusammendrückbarkeit um 30 %
  • – Druckelastizität um 40 %


Anspruch[de]
  1. Textilrücken für Teppichboden, bestehend aus einem durch Fasermaschen (4) oder Fadenmaschen (2) verfestigten Vliesstoff (1) mit dreidimensionaler Faseranordnung, der auf einer Seite eine Faserpolschicht (7) besitzt, die aus vertikal zum Vliesstoffquerschnitt abstehenden Faserteilen (6) gebildet ist, welche auf der Oberfläche der Faserpolschicht (7) eine hohe Parallelität und Höhengleichmäßigkeit aufweisen, wobei pro cm2 Vliesstoffoberfläche mindestens 1200 vertikal abstehende Faserteile (6) angeordnet sind und wobei ein oder beide Enden (8) der Faserteile (6) im Vliesstoffquerschnitt mechanisch eingebunden sind.
  2. Textilrücken nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Höhe der vertikal abstehenden Faserteile (6) vorzugsweise zwischen 2 bis 10 mm beträgt.
  3. Textilrücken nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Vliesstoff (1) aus einem Faser- oder Filamentvlies besteht.
  4. Textilrücken nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Vliesstoff (1) bis 25 Masseprozent thermoplastische Bindefasern enthält.
  5. Textilrücken nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass im Vliesstoffquerschnitt und/oder der Faserpolschicht (7) abgewandten Seiten zusätzlich textile und/oder nichttextile Bahnen angeordnet sind.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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