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Dokumentenidentifikation DE69923763T2 13.04.2006
EP-Veröffentlichungsnummer 0001042240
Titel VERFAHREN UND VORRICHTUNG ZUM BIEGEN VON GLASPLATTEN
Anmelder Saint-Gobain Glass France, Courbevoie, FR
Erfinder DIEDEREN, Werner, D-52134 Herzogenrath, DE;
OLLFISCH, Karl-Josef, NL-6462 SW Kerkrade, NL;
HEINING, Klaus-Peter, D-52066 Aachen, DE;
DAHLHOFF, Knut, D-52064 Aachen, DE;
KORSTEN, Wilfried, D-52525 Heinsberg, DE;
RADERMACHER, Herbert, B-4730 Raeren, BE
Vertreter derzeit kein Vertreter bestellt
DE-Aktenzeichen 69923763
Vertragsstaaten AT, BE, CH, CY, DE, DK, ES, FI, FR, GB, GR, IE, IT, LI, LU, MC, NL, PT, SE
Sprache des Dokument FR
EP-Anmeldetag 20.10.1999
EP-Aktenzeichen 999490808
WO-Anmeldetag 20.10.1999
PCT-Aktenzeichen PCT/FR99/02549
WO-Veröffentlichungsnummer 0000023388
WO-Veröffentlichungsdatum 27.04.2000
EP-Offenlegungsdatum 11.10.2000
EP date of grant 16.02.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 13.04.2006
IPC-Hauptklasse C03B 23/035(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, EP
IPC-Nebenklasse C03B 23/03(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, EP   

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Biegen von Glasscheiben mit einer flächigen Biegeform, an welche die Glasscheiben mit Hilfe eines durch Absaugen von Luft aus dem Raum zwischen der Formfläche und der dieser zugewandten Glasscheibenfläche erzeugten Druckgefälles angepresst werden, wobei das Druckgefälle am Rand der Glasscheibe am größten ist und zu deren Mitte hin abnimmt, indem man Luft im Bereich der Formfläche über Belüftungsöffnungen zuführt, sowie auf eine insbesondere zum Durchführen eines solchen Verfahrens geeignete Vorrichtung.

Aus dem Dokument EP 0 241 355 B1 kennt man eine einschlägige Vorrichtung, bei der eine Schürze den äußeren Rand der Biegeform mit einem umlaufenden Ringspalt umgibt. Durch diesen Ringspalt ist es möglich, die sich im Raum zwischen der Glasscheibe und der Biegeformfläche befindliche Luft abzusaugen. Die daraus resultierende Druckdifferenz zur Atmosphäre auf der freien Seite der Glasscheibe presst diese gegen die Formfläche. Danach wird ein Pressring gegen die freie Seite der Glasscheibe gepresst, welcher deren Rand die erwünschte Zielkontur gibt.

Direkte Berührungen zwischen metallischen Formflächen und daran gepressten Glasoberflächen werden bekanntlich mittels hitzefester Gewebe-Zwischenlagen (vgl. EP-A1-0 767 146) verhindert. Bei hohen Pressdrücken und/oder starken Luftdruckdifferenzen lassen sich jedoch sichtbare Spuren des Gewebes in der (bei Biegetemperatur weichen) Glasoberfläche nicht vollständig vermeiden.

In einer Variante der bekannten Vorrichtung wird deshalb unter Druck stehende Warmluft durch über die Biegeformfläche gleichmäßig verteilte Kanäle zwischen die Formfläche und die Glasoberfläche eingeblasen. Damit soll sich ein Luftpolster bilden, auf dem die Glasscheibe schwimmt. Man kann mit dieser Form auch solche Scheiben biegen, deren zentrale Zone emailliert bzw. mit einem Siebdruck versehen ist, und/oder eine besonders gute optische Qualität ohne Gewebespuren erzielen.

Das Patent US-5.669.952 offenbart ein Verfahren und eine Vorrichtung zum besonders tiefen Biegen von Glasscheiben, bei dem eine obere vollflächig-konvexe Biegeform mit einem unteren Biegering zusammenwirkt. Die bereits durch Schwerkraft vorgeformte, auf dem Ring abgelegte Glasscheibe wird nach dem Annähern an die obere Biegeform über Austrittskanäle im zentralen Bereich der Formfläche mit einem Druckluftkissen beaufschlagt. Dieses wird hier als Tiefziehstempel eingesetzt, denn es soll die Biegung der Glasscheibe ohne flächigen Kontakt mit der Formfläche noch weiter vertiefen. In einer Ausführungsvariante hat die obere Biegeform mehrere abgeteilte Kammern. Damit können über den Verlauf der Formfläche unterschiedliche Druckniveaus geschaffen werden. In einer anderen Ausführungsvariante sind im peripheren Bereich der Biegeformfläche Abströmöffnungen vorgesehen. Sie münden in drucklose (mit der Atmosphäre verbundene) Kammern innerhalb der oberen Biegeform. Auf diesem Wege kann die eingeblasene Luft wieder abströmen.

Bekannt sind auch Biegeformen mit mehreren Unterdruck-Kammern (US 4.877.437). Diese lassen generell einen Unterdruck auf die gesamte an der Biegeform anliegende Glasscheibenfläche einwirken. Lokal kann der Druck an besonders engen Radien der Biegeformfläche noch weiter abgesenkt werden, um auch dort eine gute Anlage der Scheibenfläche an der Formfläche sicherzustellen und Ausbeulungen auszuschließen. Mit diesen bekannten reinen Vakuum-Biegeformen lassen sich Gewebeabdrücke auch dann nicht ausschließen, wenn mehrere unterschiedliche Unterdruckniveaus vorgesehen sind. Selbst mit einer Form, die nur im Randbereich Absaugöffnungen hat, lässt sich der Presskontakt des Glases zur Formfläche im mittleren Bereich nicht vermeiden. Je geringer nämlich der Abstand zwischen Glas und Form wird, desto schneller strömt noch verbleibende Luft ab und desto größer wird in dem betreffenden Bereich die Druckdifferenz zur Atmosphäre.

Aus dem Dokument EP 0 182 638 B1 ist schließlich eine ebene Transportplatte für Glasscheiben bekannt, deren Arbeitsfläche sowohl Absaugöffnungen zum Heben und Halten des Gewichts der Glasscheiben durch Unterdruck als auch Belüftungsöffnungen zum Erzeugen eines Luftpolsters als Abstandhalter zwischen den Glasscheiben und der Arbeitsfläche umfasst. Auch mit dieser Anordnung, bei der die Absaug- und Belüftungsöffnungen gleichmäßig gemischt über die Gesamtfläche verteilt sind, soll durch Vermeiden jeglichen mechanischen Kontakts eine Beeinträchtigung der empfindlichen Glasoberflächen verhindert werden.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Biegen von Glasscheiben, bei dem zwischen der Formfläche und der Glasscheibe ein vom Rand zum Zentrum hin veränderliches Druckniveau erzeugt wird, im Hinblick auf das Vermeiden von Pressspuren, weiter zu optimieren, sowie eine Vorrichtung anzugeben, die insbesondere zum Durchführen dieses Verfahrens geeignet ist.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe hinsichtlich des Verfahrens mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst. Die Merkmale des Patentanspruchs 6 geben eine entsprechende Vorrichtung an. Die Merkmale der den unabhängigen Ansprüchen jeweils nachgeordneten Unteransprüche geben vorteilhafte Weiterbildungen dieser Gegenstände an.

Bevorzugt wird heiße Luft gerade in dem Maße nachgeliefert, dass in dem interessierenden Bereich ein möglichst wenig reduzierter Druck im Vergleich mit dem jenseits der Glasscheibe wirksamen Druckniveau -also gegenüber z.B. dem Atmosphärendruck oder einem Staudruck- herrscht. Zum Vermeiden von Gewebeeindrücken genügt es allerdings nicht, die Belüftungskammer bzw. Teile der Formfläche nur mit der Atmosphäre zu verbinden, wie es im erörterten Stand der Technik in anderem Zusammenhang bekannt ist. Zum Schwächen des Vakuums ist eine gewisse positive Zufuhr von Luft unter einem begrenzten, ggf. regelbaren Überdruck erforderlich. Außerdem könnte ein Kontakt der auf Biegetemperatur erhitzten Glasscheibe mit nicht hinreichend erhitzter Umgebungsluft das Biegeergebnis durch unerwünschtes Abkühlen negativ beeinträchtigen.

Durch Begrenzen des zwischen die Glasfläche und dir Formfläche eingespeisten Drucks und durch Absaugen der zugeführten heißen Luft noch innerhalb des von der Glasscheibe überdeckten Bereichs der Formfläche wird jede Beulenbildung vermieden, die beim Stand der Technik nicht vollständig auszuschließen ist. Natürlich erfordert die Steuerung der Druckverhältnisse große Sorgfalt. Durch das erfindungsgemäß vorgesehene gesteuerte Nachliefern von Luft vorzugsweise zum Scheibenzentrum, werden die Kontaktkräfte zwischen Glas und Form bzw. Gewebe im zentralen Bereich reproduzierbar minimiert.

Besonders bevorzugt liegt die Luftzufuhrzone im zentralen Bereich der Formfläche und der jeweiligen Glasscheibe und wird die zugeführte Luft rund um diesen Bereich wieder abgeführt. Als besonders effektiv hat sich dabei die Aufgliederung des im Raum zwischen der Formfläche und der Glasscheibe herrschenden Druckniveaus in drei Zonen erwiesen. Die äußerste, die sich entlang dem Rand der Biegeform erstreckt, wird nach wie vor mit einem starken Vakuum beaufschlagt, um die Glasscheibe an der Formfläche zu fixieren. Die mittlere Zone wird mit einem weniger stark reduzierten Druck beaufschlagt um einerseits ebenfalls einen gewissen Beitrag zum Halten der Glasscheibe zu leisten, um andererseits und hauptsächlich jedoch die in der inneren oder zentralen Zone zugeführte Luft auf kurzem Wege wieder abzuführen.

Wenn die Formfläche der Biegeform selbst zum Erzeugen des steuerbaren Druckgefälles Absaugöffnungen neben den Belüftungsöffnungen umfasst, kann die Schürze des gattungsgemäßen Standes der Technik entfallen und damit die Biegeform etwas kompakter als bisher ausgeführt werden. Gleichzeitig wird damit sichergestellt, dass nach dem Ansetzen der unteren Ringbiegeform an den Rand der Glasscheibe kein Luftpolster zwischen Formfläche und Glas eingesperrt wird. Die beim Gegenstand der US-5.669.952 gerade beabsichtigte Ausbeulung der Glasscheibe von der Biegeform hinweg wird hier vollständig vermieden.

Es sei angemerkt, dass die Anwendung des hier beschriebenen Verfahrens von der räumlichen Anordnung der flächigen Biegeform innerhalb der Biegevorrichtung nicht abhängt, wenn auch die Erfindung hier anhand einer oberen Biegeform erläutert wird. Es ist überall dort anwendbar, wo Gewebeeindrücke einer flächigen Biegeform auf den Glasscheiben vermieden werden sollen.

In bevorzugter Ausführung der Biegeform münden die Belüftungsöffnungen in den mittleren oder zentralen Bereich der Biegeformfläche aus, während die Absaugöffnungen entlang dem äußeren Rand der Biegeformfläche angeordnet sind. Zwar muss man damit nach wie vor in Kauf nehmen, dass am Rand der Glasoberfläche aufgrund der dort unvermeidlichen Berührung spätestens beim Pressen mit dem Biegering Gewebeeindrücke entstehen. Jedoch kann der mittlere Bereich der Glasoberfläche vollständig von Spuren freigehalten werden. Das ist insbesondere für den Einsatz der Glasscheiben in Kraftfahrzeugen wesentlich, wo im zentralen Haupt-Durchsichtbereich der Scheiben optische Fehler minimiert werden sollen, während im Randbereich höchste Anforderungen an die Maßgenauigkeit gestellt werden.

In besonders vorteilhafter Weiterbildung teilt man die Biegeformfläche in mindestens drei Zonen auf, nämlich eine zentrale Zone mit Belüftungsöffnungen, die äußere Randzone mit Absaugöffnungen für ein relativ starkes Vakuum und eine ringsum dazwischen verlaufende Zone mit Absaugöffnungen für ein reduziertes Vakuum. In diesem Fall wird die notwendige Haltekraft für die Glasscheibe primär durch die äußere Hochvakuumzone bereitgestellt, während die mittlere Unterdruckzone hauptsächlich dem Abführen der im zentralen Bereich zugeführten Luft auf kurzem Weg dient.

Selbstverständlich erfordert der Einsatz dieser Biegeform für jeden jeweils zu biegenden Glasscheibentyp eine höchst präzise Abstimmung der Verfahrens- und Vorrichtungsparameter wie

  • – die Flächenverhältnisse zwischen Unterdruck- und Belüftungszonen,
  • – die Abmessungen und Verteilung der Kanäle für Unter- und Überdruck,
  • – die benötigten Druckniveaus und ggf. deren Verläufe über der Zeit,
  • – die Temperatur der Biegeform und der einzublasenden Luft.

Es ist nicht möglich, generelle, für alle Glasscheibentypen gültige Einstellungen dieser Parameter anzugeben. Sie sind jedoch durch Versuche individuell mit angemessenem Aufwand ermittelbar.

Vorab lässt sich für jedes Glasscheibenmodell eine optimierte Aufteilung der Biegeformfläche in die jeweiligen Zonen durch eine geeignete Finit-Elemente-Simulation ermitteln. Wenn die noch ebene, auf Biegetemperatur erhitzte Glasscheibe erstmals in Kontakt zu der Biegeform gelangt, z. B. durch Hochblasen mittels eines Heißluftstroms, lässt sich ein Anfangskontakt zwischen Glas und Form auch in der zentralen Zone nicht vermeiden. Die auftretenden Kräfte sind allerdings zu gering -im Vergleich mit den bei Unterdruckbeaufschlagung wirksamen Druckdifferenzkräften-, um störende Gewebeeindrücke herbeizuführen. Danach legt sich die Glasscheibe in der Simulation und in Realität zu ihrem Rand hin im wesentlichen flächig an die sphärische Formfläche, wobei sich jedoch an bestimmten Stellen Beulen bilden, an denen das Glas nicht an der Form anliegt. Diese Beulen sind mit hinreichender Genauigkeit mit jeder Glasscheibe desselben Modelltyps reproduzierbar. Sie müssen mit erhöhter Druckdifferenz zum Anliegen an die Formfläche gebracht werden. Folglich ist die Aufteilung der Formfläche in Unterdruckzonen nach dieser Simulation so genau zu bestimmen, dass mit der realen Form ein gleichmäßiges Anliegen der Scheibe auf ganzer Fläche erreicht wird. Das bedeutet, dass beim Kontakt der Glasscheiben mit der Biegeform weder in deren zentralem Bereich noch in ihren Randzonen Ausbeulungen entstehen sollen.

Im Ergebnis werden mit dem hier erörterten Verfahren Glasscheiben hergestellt, deren Hauptsichtbereich praktisch keine Gewebeeindrücke hat, die jedoch bei der Messung der optischen Verzerrung nach den üblichen Verfahren den mit konventionellen Vakuum-Biegeformen erzeugten Scheiben absolut ebenbürtig sind.

Weitere Einzelheiten und Vorteile des Verfahrens und der zu seiner Durchführung verwendbaren Vorrichtung gehen aus der Zeichnung eines Ausführungsbeispiels und deren sich im folgenden anschließender eingehender Beschreibung hervor.

Die Zeichnungen zeigen in vereinfachter Darstellung:

1 zeigt eine schematische Schnittansicht einer mit Unterdruck- und Überdruckkammern und den entsprechenden, in die Formfläche austretenden Kanälen ausgestatteten Biegeform für Glasscheiben,

2 ist eine Ansicht der Formfläche zur Verdeutlichung von deren modellspezifischer Aufteilung in mehrere mit Ansaug- bzw. Belüftungsöffnungen versehene Zonen.

1 zeigt einen schematischen Querschnitt durch eine Biegeform 1 mit einer sphärisch gekrümmten Formfläche 2. Mittels Halterungen 3 ist die im wesentlichen kastenförmige Biegeform 1 an einer nicht gezeigten Biegestation herkömmlicher Art befestigt. In an sich bekannter Weise ist der Innenraum der Biegeform durch Stege 4, 5 in mehrere Kammern unterteilt.

Der umlaufende Steg 5 umschreibt einen zusammenhängenden mittleren oder zentralen Bereich B der Formfläche 2. Er bestimmt damit innerhalb der Biegeform 1 den Umriss einer Belüftungskammer 6. Dieser kann von außen über einen Belüftungskanal 7 Luft zugeführt werden, die anschließend über eine Vielzahl von Belüftungsöffnungen 8, welche aus der Belüftungskammer 6 in den Bereich B der Formfläche 2 austreten, in die Umgebung entweichen kann.

Durch den Steg 5 sowie einen damit verbundenen Deckel 9, in dem der Belüftungskanal 7 ausmündet, ist die Belüftungskammer 6 im Innenraum der Biegeform 1 druckdicht gegen eine Entlüftungskammer 10 abgeteilt, welche die Belüftungskammer 6 in der Projektion auf die Formfläche 2 rings umschließt. Ihr Außenumfang wird durch den umlaufenden Steg 4 umschrieben. Die mit ggf. veränderlichem Abstand nebeneinander verlaufenden Stege 4 und 5 umschließen in der Projektion auf die Formfläche 2 einen ringförmigen Entlüftungsbereich E. Eine Vielzahl von Absaugöffnungen 11, die in diesen Bereich E ausmünden, verbindet die Entlüftungskammer 10 mit der Umgebung. Über einen Entlüftungskanal 12 ist durch die Absaugöffnungen 11 eintretende Luft aus der Entlüftungskammer 10 absaugbar.

Durch den Steg 4 sowie einen damit verbundenen Deckel 13, in dem der Entlüftungskanal 12 ausmündet, ist die Entlüftungskammer 10 im Innenraum der Biegeform 1 wiederum druckdicht gegen eine Vakuumkammer 14 abgeteilt. Diese ist ihrerseits nach außen durch einen umlaufenden Randsteg 15 sowie einen Außendeckel 16 der Biegeform 1 abgeschlossen. Der Steg 4 und der Randsteg 15 umschreiben zwischen sich wieder eine ringförmige äußere Zone, die auf die Formfläche 2 projiziert einen äußeren Bereich V bildet. Auch über diesen ist wieder eine Vielzahl von Absaugöffnungen 17 verteilt, welche die Vakuumkammer 14 mit der Umgebung verbinden. Durch die Absaugöffnungen 17 in die Vakuumkammer 14 eintretende Luft ist über einen Vakuumkanal 18 absaugbar.

Der Belüftungskanal 7 durchläuft die Ebene des Deckels 13 und des Außendeckels 16. Der Entlüftungskanal 12 durchläuft nur die Ebene des Außendeckels 16. Die jeweiligen Durchführungen sind selbstverständlich druckdicht. Die drei Kanäle 7, 12 und 18 sind in paralleler Anordnung in einem gemeinsamen Anschlussturm 19 zusammengefasst, der vom Außendeckel 16 abragt. Damit die Biegeform 1 bei Bedarf rasch gegen eine andere Form austauschbar ist, sieht man bevorzugt für die drei Kanäle 7, 12 und 18 eine gemeinsame Anschluss-Schnittstelle am freien Ende des Anschlussturms 19 vor. Bauliche Modifikationen der Biegeform 1 können zu einer anderen Gestaltung und Führung der Kanäle führen.

Innerhalb der Biegestation sind die Kanäle 12 und 18 mit Unterdruckerzeugern und ist der Kanal 7 mit einem Druckerzeuger verbunden. Über den Vakuumkanal 18 muss in an sich bekannter Weise in kürzester Zeit eine große Druckdifferenz aufgebaut werden, um den in der Regel noch nicht bestehenden Kontakt des Randes der Glasscheibe mit der Formfläche durch eine kräftige Luftströmung von außen in die Vakuumkammer 14 herbeizuführen. Deshalb hat dieser Kanal den größten Querschnitt.

Die Formfläche 2 ist in an sich bekannter Weise mit einem hier nicht gezeigten hitzebeständigen Gewebe überzogen. Dieses ist luftdurchlässig mit einem geringen Strömungswiderstand. Eine an der Formfläche 2 anliegende Glasscheibe 20 ist hier durch eine strichpunktierte Linie nur angedeutet. Schließlich ist schematisch auch noch eine untere Biegeform 21 in Gestalt eines Biegerings angedeutet. Diese hat in bekannter Weise die Aufgabe, den äußeren Rand der Glasscheibe 20 an die Formfläche anzudrücken. Sie kann in bekannter Weise auch als Transportauflage für die gebogenen Glasscheiben dienen.

Die Aufteilung der Formfläche 2 im Grundriss in die Bereiche B, E und V wird durch 2 verdeutlicht. Hier erkennt man besser, dass der Bereich B-Belüftung- zusammenhängend im Zentrum der Formfläche mit allseitigem Abstand von deren äußeren Rand liegt. Ferner sieht man, dass der Bereich E-Entlüftung- den Bereich B ringförmig umgibt und von diesem durch den Steg 5 abgeteilt ist. Schließlich umgibt der sich zwischen dem Steg 4 und dem Außensteg 15 erstreckende Bereich V-Vakuum- ringförmig den Bereich E. Es ist auch ersichtlich, dass jedenfalls der Steg 4 einen besonders spezifizierten Verlauf hat. Dieser wird insbesondere nach dem simulierten Verhalten (Verwerfungen, Ausbeulungen) des mit der Biegeform 1 zu verarbeitenden Glasscheibenmodells konstruiert. Die Absaug- und Belüftungsöffnungen sind hier vereinfachend gleichmäßig verteilt und sämtlich gleich groß gezeichnet. Es versteht sich, dass man in der Praxis sowohl die Größe der Öffnungen als auch ihre Verteilung über die Bereichsflächen bei Bedarf abweichend von dieser Darstellung variieren wird.

Die Bereichsaufteilung der Formfläche 2 ist auch auf den oberen Deckel 16 projizierbar. Für die Führung der Kanäle 7 und 12 sind deshalb auch Varianten denkbar, in denen sie -abweichend von der schematischen Darstellung in 1- direkt von außen her, ohne erst andere Kammern zu durchlaufen, mit der ihnen zugeordneten Kammer 6 bzw. 10 verbunden sind. Man könnte z. B. die Deckel 9 und 13 zusammenfassen, d. h. den Steg 5 ebenso wie den Steg 4 bis zum Deckel 13 hochziehen, und dann den Kanal 12 ausgehend vom Anschlussturm 19 innerhalb dieses Deckels oder innerhalb des Außendeckels seitlich zum Entlüftungsbereich 10 hinführen, wobei der Kanal 12 ggf. auch in mehrere Zweige aufteilbar ist, um die Strömungswege zu verkürzen und Luft gleichzeitig aus verschiedenen Abschnitten des Entlüftungsbereichs E abzusaugen.

Mit dieser Biegeform 1 ist es möglich, auf die in 1 nur angedeutete Glasscheibe 20 nur entlang dem äußeren Rand im Bereich V ein starkes, die randseitige Haftung der Glasscheibe an der Formfläche sicherstellendes Vakuum einwirken zu lassen, während gleichzeitig im mittleren bzw. zentralen Bereich B durch Zufuhr von heißer Luft das randseitig herrschende Vakuum so stark zumindest geschwächt wird, dass einerseits keine Eindrücke des Gewebes in die Glasoberfläche entstehen, andererseits aber das Glas immer noch – ohne Beulenbildung – an der Formfläche anliegt.

In der Zwischen- oder Entlüftungszone E wird ein Unterdruck angelegt, der gegenüber dem Atmosphärendruck deutlich weniger als das randseitige Vakuum reduziert ist, jedoch sicher ausreicht, die im Bereich B zugeführte Luft restlos wieder abzusaugen. Dadurch bildet sich eine innere Zirkulation von Luft vom Bereich B zum Bereich E, wie in 1 durch kleine Pfeile jeweils zwischen einer Belüftungsöffnung 8 und einer Entlüftungsöffnung 11 angedeutet ist. Natürlich kann auch das starke randseitige Vakuum noch Luft aus dem zentralen Bereich abziehen. Jedoch bleibt in dem Raum zwischen dem Glas und der Formfläche ein relativ steiler (absoluter) Druckanstieg im Übergang vom Bereich V zum Bereich E und von dort zum Bereich B erhalten.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zum Biegen von Glasscheiben mit einer flächigen Biegeform (1), auf welche die Glasscheiben mit Hilfe eines durch Absaugen von Luft aus dem Raum zwischen der Formfläche (2) und der dieser zugewandten Glasscheibenfläche erzeugten Druckgefälles angepresst werden, wobei das Druckgefälle am Rand der Glasscheibe am größten ist und zu deren Mitte hin abnimmt, und wobei man in mindestens einem ausschließlich der Luftzufuhr dienenden begrenzten, zusammenhängenden Bereich (B) der Formfläche über darin ausmündende Belüftungsöffnungen (8) Luft zuführt, dadurch gekennzeichnet, dass die Luft durch Beaufschlagen von in die Formfläche (2) eingebrachten Absaugöffnungen (11, 17) mit Unterdruck innerhalb des von der jeweiligen Glasscheibe überdeckten Bereichs (B) abgeführt wird und dass der zwischen der Glasscheibe und der Formfläche (2) herrschende Druck auch im Bereich der zugeführten Luft höchstens gleich groß wie der Druck jenseits der Glasscheibe eingestellt wird.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Luft nur in einem zentralen Bereich (B) der Formfläche (2) zugeführt und in einem diesen umgebenden, jedoch vom Rand der Formfläche (2) beabstandeten mittleren Bereich (E) über die Absaugöffnungen (11) wieder abgeführt wird.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Glasscheiben durch Beaufschlagen von entlang dem äußeren Rand der Formfläche (2) angeordneten Absaugöffnungen (17) mit Vakuum an der Formfläche (2) festgelegt werden.
  4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass zum Absaugen der durch die Belüftungsöffnungen (11) zugeführte Luft im mittleren Bereich (E) der Formfläche Unterdruck mit einem weniger reduzierten Niveau als das am äußeren Rand der Formfläche (2) erzeugte Vakuum verwendet wird.
  5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Glasscheiben mittels einer unteren, auf ihren äußeren Rand einwirkenden Biegeform (21) gegen den äußeren Rand der flächigen oberen Biegeform gepresst werden.
  6. Vorrichtung zum Biegen von Glasscheiben insbesondere nach dem Verfahren gemäß Anspruch 1, umfassend:

    – eine flächige Biegeform (1), auf deren Formfläche (2) die Glasscheiben (20) mit Hilfe eines durch Absaugen von Luft aus dem Raum zwischen der Formfläche und der dieser zugewandten Glasscheibenfläche erzeugten Druckgefälles anpressbar sind, und mit in der Formfläche ausmündenden Belüftungsöffnungen (8) zum Reduzieren von durch das besagte Druckgefälle erzeugten, auf die Glasscheibenfläche wirkenden mechanischen Kontraktkräften, wobei die Formfläche (2) mindestens einen ersten Bereich (V) zum Erzeugen des Druckgefälles mittels über diesen Bereich verteilter Absaugöffnungen (17) sowie daneben einen zweiten Bereich (B) mit den Belüftungsöffnungen (8) umfasst.

    – durch einen Vakuumkanal (18) mit den Absaugöffnungen (17) verbundene Unterdruckerzeuger und eine Vakuumkammer (14),

    – Mittel zur kontrollierten Lieferung von Luft, die über einen Lufteintrittskanal (7) und eine Lufteintrittskammer (6) mit den Belüftungsöffnungen (8) verbunden sind, damit der zwischen der Glasscheibe und der Formfläche herrschende Druck höchstens gleich groß wie der Druck jenseits der Glasscheibe eingestellt wird.
  7. Vorrichtung nach dem vorstehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Bereich (V) der Formfläche (2), der die Absaugöffnungen (17) umfasst, entlang deren äußeren Rand und der die Belüftungsöffnungen (8) umfassende zweite Bereich (B) im Zentrum der Formfläche (2) mit allseitigem Abstand vom äußeren Rand angeordnet ist.
  8. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Vorrichtungsansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem ersten Bereich (V) und dem zweiten Bereich (B) ein dritter Bereich (E) mit in die Formfläche (2) ausmündenden Absaugöffnungen (11) und allseitigem Abstand vom äußeren Rand vorgesehen ist, wobei besagte Absaugöffnungen (11) in eine von der Vakuumkammer (14) unabhängige Luftauslasskammer (10) münden.
  9. Vorrichtung nach dem vorstehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der dritte Bereich (E) den zweiten Bereich (B) in der Formfläche (2) ringförmig allseitig umgibt.
  10. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Vorrichtungsansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass jeder Bereich (V; B; E) der Formfläche (2) innerhalb der Biegeform (1) einer Kammer (6; 10; 14) zugeordnet ist, welche über einen in sie ausmündenden Kanal (7; 12; 18) mit dem vorgesehenen Druckniveau beaufschlagbar ist.
  11. Vorrichtung nach dem vorstehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die Kammern (6; 10; 14) voneinander durch auf der Innenseite der Formfläche angeordnete Stege (4, 5) und Deckel (9, 13) getrennt sind.
  12. Vorrichtung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Gesamtheit der den Kammern (6; 10; 14) zugeordneten Kanäle (7; 12; 18) in einem gemeinsamen Anschlussturm (19) zusammengefasst ist.
  13. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Vorrichtungsansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Bereich (V) mit den randseitigen Absaugöffnungen (17) mit einer zwischen 40 und 200 mm liegenden, ggf. über den Längsverlauf veränderlichen Breite entlang dem Rand der Formfläche (2) angeordnet ist.
  14. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Vorrichtungsansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sie außerdem eine Ringform (21) zum Andrücken zumindest des äußeren Randes der Glasscheiben (20) an die Formfläche (2) umfasst.
Es folgen 2 Blatt Zeichnungen






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