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Dokumentenidentifikation DE102004051104A1 27.04.2006
Titel Opake Kunststoffe
Anmelder Merck Patent GmbH, 64293 Darmstadt, DE
Erfinder Kieser, Manfred, Dr., 64291 Darmstadt, DE;
Schum, Markus, 64385 Reichelsheim, DE
DE-Anmeldedatum 19.10.2004
DE-Aktenzeichen 102004051104
Offenlegungstag 27.04.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 27.04.2006
IPC-Hauptklasse C08K 7/10(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse C08J 3/20(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   C08K 9/02(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   C09C 1/28(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindung betrifft opake Kunststoffe, die zur Reduzierung der Sichtbarkeit von Fließlinien und Bindenähten Effektpigmente auf der Basis von Glasplättchen enthalten.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft opake Kunststoffe, die zur Reduzierung der Sichtbarkeit von Fließlinien und Bindenähten Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen enthalten.

Fliesslinien und Bindenähte sind in der Verarbeitung von thermoplastischen Kunststoffen, insbesondere beim Spritzgießen ein Problem. Bei diesem Prinzip der Formteilherstellung werden entsprechend der zu fertigenden Formteile ausgebildete Formhohlräume mit Schmelze gefüllt. Zur Gewährleistung einer hohen Produktqualität, d.h. sowohl einer im gesamten Formteil ausreichenden Festigkeit als auch einer optischen Einheitlichkeit, ist es notwendig, an den Bindenähten, das sind die Stellen im Formteil, an denen die zuvor getrennten Schmelzstränge wieder aufeinanderstoßen, eine innige Vermischung der Schmelzstränge zu erreichen.

Aus der DE 100 52 841 A1 ist beispielsweise bekannt die einzelnen Schmelzstränge mindestens abschnittsweise in Schwingung bzw. Pulsation zu versetzen, wodurch sich die Schmelzen im Bereich der Bindenähte aufgrund der Schwingungsunterschiede durchdringen und die Bindenähte an der Fügestelle der Schmelzstränge eine intensive Verbindung miteinander eingehen.

In der WO 2004/073950 wird eine Spritzeinheit beschrieben, bei der mindestens zwei Schmelzströme in zeitlich wechselnder Folge über ein Kanalsystem ein oder mehreren Formhohlräumen zugeführt werden um das Problem der Fließlinien zu minimieren.

Die im Stand der Technik beschriebenen technischen Verfahren zur Unterdrückung der Fließlinien sind in der Regel nicht geeignet bei Kunststoffen mit Effektpigmenten. Probleme beim Spritzgießen treten insbesondere auf, wenn den Kunststoffen plättchenförmige Effektpigmente zugesetzt werden. Es ergeben sich dann inhomogene Pigment-Orientierungen und damit visuell deutlich sichtbare Störungen in Form von Bindenähten und Fliesslinien im Kunststoff.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es fließlinienarme opake Kunststoffe, die Effektpigment-Einfärbungen aufweisen, zur Verfügung zu stellen.

Überraschenderweise wurde nun gefunden, dass man mit Hilfe spezieller Pigmentrezepturen die Sichtbarkeit von Fliesslinien und Bindenähten in opaken Kunststoffen reduzieren kann. Durch den Zusatz von Effektpigmenten auf Basis von Glasplättchen zu opaken oder verhältnismäßig deckenden Einfärbungen von Kunststoffen lassen sich die Fließlinien und Bindenähte nahezu unsichtbar machen.

Gegenstand der Erfindung sind daher opake Kunststoffe, die zur Reduzierung der Sichtbarkeit von Fließlinien und Bindenähten Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen enthalten.

Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen zeichnen sich durch einen besonders hellen Glanz aus. Da Fliesslinien und Bindenähte in opaken oder deckenden eingefärbten Kunststoffen im allgemeinen nicht sichtbar sind, wird diese Beobachtung mit den brillanten Glanzeigenschaften von beschichteten Glasplättchen kombiniert. Auf diese Weise lassen sich Bindenähte und Fließlinien je nach dem Deckvermögen bzw. der Grundeinfärbung des Kunststoffes ganz bzw. weitgehend unsichtbar machen.

Obwohl die Glanz-Effekte der Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen in opaken oder deckend eingefärbten Kunststoffen nicht mehr so brillant sind wie in einem hochtransparenten Kunststoffmaterial, können nunmehr für die Kunststoffteile, in denen der Einsatz von plättchenförmigen Effektpigmenten aufgrund der visuell als sehr störend empfundenen Fließlinien und Bindenähte bisher nicht akzeptiert wurde, neue Effektmöglichkeiten erschlossen werden.

Als opake oder deckend eingefärbte Kunststoffe werden in dieser Anmeldung Kunststoffe verstanden, die bei 1,5 mm Schichtdicke eine Transmission von max. 20 %, vorzugsweise von ≤ 15 %, insbesondere von ≤ 10 % aufweisen, gemessen nach Justierung auf 100 % mit einem Translucer der Fa. Gabriel Chemie.

Alle dem Fachmann bekannten Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen sind geeignet, insbesondere solche, wie sie z.B. in der U.S. 3,331,699, WO 97/46624, JP H7-759, WO 02/090448, WO 03/006558, WO 2004/055119 beschrieben werden.

Besonders bevorzugt sind hochbrillante grobe Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen mit einer Dicke von 0,5–10 &mgr;m, insbesondere 0,5–5 &mgr;m. Die Ausdehnung in den beiden anderen Bereichen beträgt üblicherweise 5–400 &mgr;m, vorzugsweise 10-300 &mgr;m und insbesondere 20–200 &mgr;m. Ganz besonders bevorzugt sind Effektpigmente mit einer Dicke von < 3 &mgr;m, insbesondere < 1,5 &mgr;m. Insbesondere geeignet sind grobe Effektpigmente mit einem Durchmesser in der Fläche von 10–300 &mgr;m und einer Dicke von < 3 &mgr;m oder solche mit einem Durchmesser von 20–200 &mgr;m und einer Dicke von < 1,5 &mgr;m.

Die Glasplättchen mit diesen Dimensionen können z. B. nach dem in der EP 0 289 240 B1 beschriebenen Verfahren hergestellt werden.

Die Glasplättchen können aus allen dem Fachmann bekannten Glastypen bestehen, wie z.B. Fensterglas, C-Glas, E-Glas, ECR-Glas, Duran®-Glas, Aluminiumborosilikatglas, Laborgeräteglas oder optisches Glas. Insbesondere bevorzugt ist Borosilikat-Glas, C-Glas oder ECR-Glas. Der Brechungsindex der Glasplättchen liegt vorzugsweise bei 1,45–1,80, insbesondere bei 1,50–1,70.

Häufig empfiehlt es sich die Glasplättchen auf der Oberfläche mit einer SiO2-Belegung vor chemischer Veränderung wie Quellung, Auslaugen von Glasbestandteilen oder Auflösung in den aggressiven sauren Belegungslösungen zu schützen. Während des Glühprozesses kommt es im Fall der Glasplättchen an der Grenzfläche zwischen Glaskörper und aufgefälltem SiO2 zu einem innigen Verbund der chemisch verwandten Materialien. Aufgrund der hohen Erweichungstemperatur gibt die aufgefällte SiO2-Hülle den Substraten auch beim Glühen oberhalb von 700 °C die erforderliche mechanische Stabilität. Auch die Haftung der auf die SiO2-Schichten folgenden Beschichtungen) ist sehr gut, auch oberhalb 700 °C.

Die Dicke der SiO2-Schicht auf dem Substrat kann in Abhängigkeit vom gewünschten Effekt in weiten Bereichen variiert werden. Die SiO2-Schicht weist Dicken von 5–350 nm, vorzugsweise von 5–150 nm, auf. Für die Steuerung von Glanz und Farbstärke sind Schichtdicken von 30–100 nm bevorzugt.

Die SiO2-Schicht kann auch mit Rußpartikeln, anorganischen Farbpigmenten, und/oder Metallpartikeln dotiert sein, sofern diese Dotierung an Luft oder unter Inertgas bei Temperaturen > 700 °C stabil ist. Der Anteil an Dotiermittel in der SiO2-Matrix beträgt dann 1–30 Gew.%, vorzugsweise 2–20 Gew.%, insbesondere 5–20 Gew.%.

Die Glasplättchen, mit oder ohne stabilisierende SiO2-Schicht, werden nachfolgend mit einer oder mehreren Schichten belegt. Vorzugsweise handelt es sich bei den Schichten um solche aus Metall, Metalloxid, Metallsuboxid, Metalloxinitrid, Metallsulfid, BiOCl und/oder Seltenen Erden allein oder Kombinationen davon. Besonders bevorzugt werden die Glasplättchen mit einer hochbrechenden Beschichtung belegt, z.B. mit TiO2, ZrO2, SnO2, ZnO, Ce2O3, Fe2O3, Fe3O4, Cr2O3, CoO, Co3O4, VO2, V2O3, NiO, ferner mit Pseudobrookit, Titansuboxiden (TiO2 teilweise reduziert mit Oxidationszahlen von < 4 bis 2 wie die niederen Oxide Ti3O5, Ti2O3 bis zu TiO), Titanoxynitriden, FeO(OH), dünnen semitransparenten Metallschichten, z. B. Al, Fe, Cr, Ag, Au, Pt, Pd bzw. Kombinationen davon. Die TiO2-Schicht kann in der Rutil- oder in der Anatasmodifikation vorliegen, vorzugsweise handelt es sich um Rutilschichten. Die Herstellung von Rutil erfolgt vorzugsweise nach dem Verfahren aus der EP 0 271 767.

Sofern die Glasplättchen mit einer Metalloxidschicht belegt werden, handelt es sich insbesondere um TiO2, Fe2O3, Fe3O4, SnO2, ZrO2, Cr2O3 oder Pseudobrookit. Insbesondere bevorzugt ist Titandioxid.

Bei Mehrschichtpigmenten auf Basis von Glasplättchen (mit oder ohne SiO2-Schutzschicht) mit zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben oder mehr Schichten werden vorzugsweise Interferenzpakete bestehend aus alternierenden hoch- und niedrig-brechenden Schichten auf die Oberfläche aufgebracht. Derartige Mehrschichtpigmente besitzen zu den einfach beschichteten Pigmenten einen gesteigerten Glanz und eine nochmals gesteigerte Interferenzfarbe.

Unter hochbrechenden Beschichtungen sind in dieser Anmeldung Schichten mit einem Brechungsindex von > 1,8, unter niedrigbrechenden Schichten solche mit n ≤ 1,8 zu verstehen.

Die Dicke der einzelnen Schichten richtet sich nach der gewünschten Interferenzfarbe. Vorzugsweise beträgt die Dicke der Schicht 60–300 nm.

Als hochbrechende Schicht kommen vorzugsweise Metalloxide, wie z.B. mit TiO2, ZrO2, SnO2, ZnO, Ce2O3, Fe2O3, Fe3O4, Cr2O3, CoO, Co3O4, VO2, V2O3, NiO, in Frage.

Als farblose niedrigbrechende Materialien sind vorzugsweise Metalloxide bzw. die entsprechenden Oxidhydrate, wie z.B. SiO2, Al2O3, AlO(OH), B2O3, Verbindungen wie MgF2, MgSiO3 oder ein Gemisch der genannten Metalloxide, geeignet.

Besonders bevorzugte Mehrschichtpigmente besitzen eine Schichtenfolge aus TiO2-SiO2-TiO2.

Weiterhin können geeignete Effektpigmente auch eine semitransparente Metallschicht als äußere Schicht aufweisen. Derartige Beschichtungen sind z.B. aus der DE 38 25 702 A1 bekannt. Bei den Metallschichten handelt es sich vorzugsweise um Chrom- oder Aluminiumschichten mit Schichtdicken von 5–25 nm.

Weiterhin können als hochbrechende Schichten auch farblose hochbrechende Materialien, wie z. B. Metalloxide, insbesondere TiO2 und ZrO2, verwendet werden, die mit Temperatur-stabilen absorbierenden Farbmitteln, wie z. B. rotes Eisenoxid, Thenards Blau, eingefärbt sind. Die absorbierenden Farbmittel können auch auf die hochbrechende Beschichtung als Film aufgebracht werden. Berliner Blau und Karminrot werden vorzugsweise auf die bereits kalzinierten TiO2- und ZrO2-Schichten aufgebracht. Beispiele für derartige Beschichtungen sind z. B. bekannt aus der DE 23 13 332.

Besonders bevorzugte Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen werden nachfolgend genannt:

Glasplättchen + TiO2

Glasplättchen + Fe2O3

Glasplättchen + Fe3O4

Glasplättchen + Cr2O3

Glasplättchen + Pseudobrookit

Glasplättchen + TiO2 + Berliner Blau

Glasplättchen + TiO2 + Karminrot

Glasplättchen + TiO2 + SiO2 + TiO2

Glasplättchen + TiO2 + Cr

Glasplättchen + SiO2 + TiO2

Glasplättchen + SiO2 + Fe2O3

Glasplättchen + SiO2 + Fe3O4

Glasplättchen + SiO2 + Cr2O3

Glasplättchen + SiO2 + Pseudobrookit

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Berliner Blau

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Karminrot

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + SiO2 + TiO2

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Cr

Glasplättchen + TiO2 + SiO2

Glasplättchen + Fe2O3 + SiO2

Glasplättchen + Fe3O4 + SiO2

Glasplättchen + Cr2O3 + SiO2

Glasplättchen + Pseudobrookit + SiO2

Glasplättchen + TiO2 + Berliner Blau + SiO2

Glasplättchen + TiO2 + Karminrot + SiO2

Glasplättchen + TiO2 + SiO2 + TiO2 + SiO2

Glasplättchen + TiO2 + Cr + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + Fe2O3 + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + Fe3O4 + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + Cr2O3 + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + Pseudobrookit + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Berliner Blau + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Karminrot + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + SiO2 + TiO2 + SiO2

Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Cr + SiO2

Die Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen lassen sich in der Regel relativ leicht herstellen.

Die Metalloxidschichten werden vorzugsweise nasschemisch aufgebracht, wobei die zur Herstellung von Perlglanzpigmenten entwickelten nasschemischen Beschichtungsverfahren angewendet werden können. Derartige Verfahren sind z.B. beschrieben in DE 14 67 468, DE 19 59 988, DE 20 09 566, DE 22 14 545, DE 22 15 191, DE 22 44, 298, DE 23 13 331, DE 15 22 572, DE 31 37 808, DE 31 37 809, DE 31 51 343, DE 31 51 354, DE 31 51 355, DE 32 11 602, DE 32 35 017 oder auch in weiteren dem Fachmann bekannten Patentdokumenten und sonstigen Publikationen.

Bei der Nassbeschichtung werden die Substratpartikel in Wasser suspendiert und mit ein oder mehreren hydrolysierbaren Metallsalzen oder einer Wasserglaslösung bei einem für die Hydrolyse geeigneten pH-Wert versetzt, der so gewählt wird, dass die Metalloxide bzw. Metalloxidhydrate direkt auf den Plättchen ausgefällt werden, ohne dass es zu Nebenfällungen kommt. Der pH-Wert wird üblicherweise durch gleichzeitiges Zudosieren einer Base und/oder Säure konstant gehalten. Anschließend werden die Pigmente abgetrennt, gewaschen und bei 50–150 °C für 6–18 h getrocknet und gegebenenfalls 0,5–3 h geglüht, wobei die Glühtemperatur im Hinblick auf die jeweils vorliegende Beschichtung optimiert werden kann. In der Regel liegen die Glühtemperaturen zwischen 500 und 1000 °C, vorzugsweise zwischen 600 und 900 °C. Falls gewünscht, können die Pigmente nach Aufbringen einzelner Beschichtungen abgetrennt, getrocknet und ggf. geglüht werden, um dann zur Auffällung der weiteren Schichten wieder resuspendiert zu werden.

Die Auffällung der SiO2-Schutzschicht sofern vorhanden, auf das Substrat erfolgt in der Regel durch Zugabe einer Kalium- oder Natronwasserglas-Lösung bei einem geeigneten pH-Wert.

Weiterhin kann die Beschichtung auch in einem Wirbelbettreaktor durch Gasphasenbeschichtung erfolgen, wobei z. B. die in EP 0 045 851 und EP 0 106 235 zur Herstellung von Perlglanzpigmenten vorgeschlagenen Verfahren entsprechend angewendet werden können.

Der Farbton der Effektpigmente kann in sehr weiten Grenzen durch die unterschiedliche Wahl der Belegungsmengen bzw. der daraus resultierenden Schichtdicken variiert werden. Die Feinabstimmung für einen bestimmten Farbton kann über die reine Mengenwahl hinaus durch visuell oder messtechnisch kontrolliertes Anfahren der gewünschten Farbe erreicht werden.

Zur Erhöhung der Licht-, Wasser- und Wetterstabilität empfiehlt es sich häufig, in Abhängigkeit vom Einsatzgebiet, das fertige Pigment einer Nachbeschichtung oder Nachbehandlung zu unterziehen. Als Nachbeschichtungen bzw. Nachbehandlungen kommen beispielsweise die in den DE-PS 22 15 191, DE-OS 31 51 354, DE-OS 32 35 017 oder DE-OS 33 34 598 beschriebenen Verfahren in Frage. Durch diese Nachbeschichtung wird die chemische und photochemische Stabilität weiter erhöht oder die Handhabung des Pigments, insbesondere die Einarbeitung in unterschiedliche Medien, erleichtert. Zur Verbesserung der Benetzbarkeit, Dispergierbarkeit und/oder Verträglichkeit mit den Anwendermedien können beispielsweise funktionelle Beschichtungen aus Al2O3 oder ZrO2 oder deren Gemische auf die Pigmentoberfläche aufgebracht werden. Weiterhin sind organische Nachbeschichtungen möglich, z.B. mit Silanen, wie beispielsweise beschrieben in der EP 0090259, EP 0 634 459, WO 99/57204, WO 96/32446, WO 99/57204, U.S. 5,759,255, U.S. 5,571,851, WO 01/92425 oder in J.J. Ponjeé, Philips Technical Review, Vol. 44, No. 3, 81 ff. und P.H. Harding J.C. Berg, J. Adhesion Sci. Technol. Vol. 11 No. 4, S. 471–493.

Zur Erhöhung der Vergilbungsinhibierung empfiehlt es sich häufig noch eine finale kalzinierte SiO2- oder Al2O3-Schicht auf das Effektpigment aufzubringen, wie beispielsweise in der DE 102004039554 beschrieben.

Das Effektpigment bzw. ein Effektgemisch auf Basis von Glasplättchen wird dem Kunststoff in Mengen von 0,1 bis 10 Gew.%, vorzugsweise 0,2 bis 4 Gew.% und ganz besonders bevorzugt 0,3 bis 2 Gew.% zugemischt. Die Zusatzmenge der Effektpigmente ist allerdings abhängig von der Schichtdicke und dem Durchmesser der Glasplättchen. Selbstverständlich kann der thermoplastische Kunststoff auch ein Gemisch verschiedener Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen enthalten. Vorzugsweise enthält der Kunststoff aber nur ein Effektpigment.

Als Pigmente für die mehr oder weniger stark deckende Grundeinfärbung des Kunststoffs sind prinzipiell alle anorganischen und organischen Pigmente, einzeln oder in Kombination verschiedener, geeignet, die z.B. im Color Index aufgeführt bzw. auf dem Pigment-Markt erhältlich sind.

Beispiele für geeignete organische Pigmente sind Monoazopigmente, Disazopigmente, Anthanthronpigmente, Anthrachinonpigmente, Anthrapyrimidinpigmente, Chinacridonpigmente, Chinophthalonpigmente, Diaoxazinpigmente, Flavanthronpigmente, Indanthronpigmente, Isoindolinpigmente, Isoindolinopigmente, Isoviolanthronpigmente, Metallkomplexpigmente, Perinonpigmente, Perylenpigmente, Phthalocyaninpigmente, Pyranthronpigmente, Thioindigopigmente, Triarylcarboniumpigmente.

Beispiele für geeignete anorganische Pigmente sind Weißpigmente, insbesondere Titandioxid (C.I. Pigment White 6), Zinkweiß, Zinksulfid, Lithopone, Bleiweiß; Schwarzpigment, insbesondere Eisenoxidschwarz (C.I. Pigment Black 11), Eisen-Mangan-Schwarz, Spinellschwarz (C.I. Pigment Black 27, Ruß (C.I Pigment Black 6 und 7) und Buntpigmente.

Die opaken Kunststoffe können allein oder in Kombination mit den anorganischen oder organischen Pigmenten auch Füllstoffe enthalten. Es können alle dem Fachmann bekannten Füllstoffe eingesetzt werden, wie z.B. natürlicher und synthetischer Glimmer, Glasbeads oder Glaspulver, Nylon Powder, reine oder gefüllte Melaminharze, Talkum, Gläser, Kaolin, Oxide oder Hydroxide von Aluminium, Magnesium, Calcium, Zink, BiOCl, Bariumsulfat, Calciumsulfat, Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat, Kohlenstoff, sowie physikalische oder chemische Kombinationen dieser Stoffe.

Die Auswahl und die Menge an den jeweilig einzusetzenden "konventionellen" Pigmenten und/oder Füllstoffen ist dem Fachmann ohne weiteres möglich und hängt im wesentlichen von den Anforderungen an das fertig eingefärbte Kunststoffteil ab. Dabei sollte aber im Hinblick auf die Effektgestaltung der Anteil an konventioneller Pigmentierung so niedrig gewählt werden, dass man zwar fließlinienarme/freie Effektpigmentierungen erhält, aber den optischen Effekt der hochbrillanten Effektpigmente nicht allzu stark reduziert.

Als Kunststoffe kommen alle dem Fachmann bekannten thermoplastisch verarbeitbaren Formmassen in Betracht, unabhängig davon, ob diese amorph, teilkristallin oder mehrphasig sind. Geeignete thermoplastische Formmassen sind insbesondere solche, wie sie z.B. in Saechtling, Kunststoff Taschenbuch, 27. Ausgabe, Hanser Verlag München genannt werden, wie z.B. Polyethylen, Polypropylen, Polyamide, Polyester, Polyesterester, Polyetherester, Polyphenylenether, Polyacetal, Polybutylenterephthalat, Polymethylmethacrylat, Polyvinylacetal, Polystyrol, Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), Acrylnitril-Styrol-Acrylester (ASA), Polycarbonat, Polyethersulfone und Polyetherketone sowie deren Copolymeren und/oder Mischungen. Neben den genannten Kunststoffen sind weiterhin Formmassen aus Gießharzen geeignet, wie z.B. Epoxidharze und Acrylgießharze, z.B. für Gelcoats.

Die Herstellung des erfindungsgemäßen Kunststoffs erfolgt in der Regel so, dass in einem geeigneten Mischer das Kunststoffgranulat vorgelegt, mit eventuellen Zusätzen benetzt und danach das Effektpigment zugesetzt und untergemischt wird. Dem Kunststoffgranulat können bei der Einarbeitung des Effektpigments gegebenenfalls Haftmittel, organische polymerverträgliche Lösungsmittel, Stabilisatoren und/oder unter den Arbeitsbedingungen temperaturstabile Tenside zugesetzt werden. Die Pigmentierung des Kunststoffes erfolgt in der Regel über ein Farbkonzentrat (Masterbatch) oder Compound. Die so erhaltene Mischung kann dann direkt in einem Extruder oder einer Spritzgießmaschine verarbeitet werden. Die bei der Verarbeitung gebildeten Formkörper zeigen eine sehr homogene Verteilung des Effektpigments.

Gegenstand der Erfindung sind auch Formteile bestehend aus dem erfindungsgemäßen Effektpigment-enthaltenden opaken Kunststoff.

Die nachfolgenden Beispiele sollen die Erfindung näher erläutern, ohne sie jedoch zu beschränken.

Beispiel 1 (Vergleich)

Eine Mischung aus 0,5 Teilen Effektpigment (mit TiO2 beschichtete Glasplättchen der Teilchengröße 20–200 &mgr;m, Dicke ≤ 1 &mgr;m) und 99,5 Teilen eines mit 0,2 Teilen eines Haftmittels benetzten Polypropylengranulat werden auf einer Spritzgießmaschine zu Formteilen verspritzt. Das fertige Formteil zeigt einen Glanz bzw. Glitzereffekt. Auf Grund der Formteilgestalt zeigt das fertige Teil (Knopf) allerdings auch mehrere sehr störende Bindenähte.

Beispiel 2

Eine Mischung aus 0,5 Teilen Effektpigment (mit TiO2 beschichtete Glasplättchen der Teilchengröße 20–200 &mgr;m, Dicke ≤ 1 &mgr;m) und 99,5 Teilen eines mit 0,5 Teilen Pigment White 6 weiß eingefärbten mit 0,2 Teilen eines Haftmittels benetzten Polypropylengranulat werden auf einer Spritzgießmaschine zu Formteilen wie in Beispiel 1 verspritzt. Das fertige Formteil (Knopf) zeigt anders als im Beispiel 1 einen Glanz bzw. Glitzereffekt allerdings ohne sichtbare Bindenähte.

Beispiel 3

Eine Mischung aus 0,7 Teilen Effektpigment (mit TiO2 beschichtete Glasplättchen der Teilchengröße 20–200 &mgr;m, Dicke ≤ 1 &mgr;m) und 99,3 Teilen eines mit 0,5 Teilen Pigment White 6 weiß und 0,2 Teilen Pigment Blue 15:3 eingefärbten mit 0,2 Teilen eines Haftmittels benetzten Polypropylengranulat werden auf einer Spritzgießmaschine zu Formteilen wie in Beispiel 1 verspritzt. Das fertige Formteil (Knopf) zeigt anders als im Beispiel 1 einen Glanz bzw. Glitzereffekt allerdings ohne sichtbare Bindenähte.


Anspruch[de]
  1. Opake Kunststoffe, dadurch gekennzeichnet, dass sie zur Reduzierung von Fließlinien und Bindenähten Effektpigmente auf Basis von Glasplättchen enthalten.
  2. Opake Kunststoffe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Kunststoff 0,1 bis 10 Gew.% an Effektpigment bezogen auf den Kunststoff enthält.
  3. Opake Kunststoffe nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Glasplättchen ein- oder mehrfach beschichtet ist.
  4. Opake Kunststoffe nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Glasplättchen mit Metallen, Metalloxiden, Metallsuboxiden, Metalloxinitriden, Metallsulfiden, BiOCl und/oder Seltenen Erden beschichtet ist.
  5. Opake Kunststoffe nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass Effektpigment ausgewählt ist aus der Gruppe

    Glasplättchen + TiO2

    Glasplättchen + Fe2O

    Glasplättchen + Fe3O4

    Glasplättchen + Cr2O3

    Glasplättchen + Pseudobrookit

    Glasplättchen + TiO2 + Berliner Blau

    Glasplättchen + TiO2 + Karminrot

    Glasplättchen + TiO2 + SiO2 + TiO2

    Glasplättchen + TiO2 + Cr

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2

    Glasplättchen + SiO2 + Fe2O

    Glasplättchen + SiO2 + Fe3O4

    Glasplättchen + SiO2 + Cr2O

    Glasplättchen + SiO2 + Pseudobrookit

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Berliner Blau

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Karminrot

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + SiO2 + TiO2

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Cr

    Glasplättchen + TiO2 + SiO2

    Glasplättchen + Fe2O3 + SiO2

    Glasplättchen + Fe3O4 + SiO2

    Glasplättchen + Cr2O3 + SiO2

    Glasplättchen + Pseudobrookit + SiO2

    Glasplättchen + TiO2 + Berliner Blau + SiO2

    Glasplättchen + TiO2 + Karminrot + SiO2

    Glasplättchen + TiO2 + SiO2 + TiO2 + SiO2

    Glasplättchen + TiO2 + Cr + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + Fe2O3 + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + Fe3O4 + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + Cr2O3 + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + Pseudobrookit + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Berliner Blau + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Karminrot + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + SiO2 + TiO2 + SiO2

    Glasplättchen + SiO2 + TiO2 + Cr + SiO2
  6. Opake Kunststoffe nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Glasplättchen einen Durchmesser in der Fläche von 5 bis 400 &mgr;m haben.
  7. Opake Kunststoffe nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Glasplättchen eine Dicke von < 5 &mgr;m aufweisen.
  8. Opake Kunststoffe nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Glasplättchen in der Fläche einen Durchmesser von 10–300 &mgr;m und eine Dicke von < 3 &mgr;m aufweisen.
  9. Opake Kunststoffe nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Glasplättchen in der Fläche einen Durchmesser von 20–200 &mgr;m und eine Dicke von < 1,5 &mgr;m aufweisen.
  10. Opake Kunststoffe nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei den Kunststoffen um thermoplastische Kunststoffe oder Gießharze handelt.
  11. Formteile aus opaken Kunststoffen gemäß einem der Ansprüche 1 bis 10.
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