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Dokumentenidentifikation DE102005007871A1 20.07.2006
Titel Bei Raumtemperatur flüssige Klebstoff-Formulierungen mit geringem Lösemittelanteil und hohem Festkörperanteil
Anmelder Jowat AG, 32758 Detmold, DE
Erfinder Terfloth, Christian, Dr., 32760 Detmold, DE;
Louven, Johannes-Wilhelm, Dr., 32805 Horn-Bad Meinberg, DE
Vertreter Patentanwälte Gesthuysen, von Rohr & Eggert, 45128 Essen
DE-Anmeldedatum 21.02.2005
DE-Aktenzeichen 102005007871
Offenlegungstag 20.07.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 20.07.2006
IPC-Hauptklasse C09J 11/04(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse
Zusammenfassung Gegenstand der Erfindung ist ein Klebstoffsystem auf Basis einer bei Raumtemperatur (25°C, Atmosphärendruck) vorzugsweise flüssigen, lösemittelbasierten Klebstoffdispersion, insbesondere in Form einer 1-Komponenten-Formulierung, wobei das Klebstoffsystem neben mindestens einem Lösemittel als weitere Klebstoffkomponente(n) mindestens ein Polymer, Harz und/oder Wachs enthält, wobei der Feststoffanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, mindestens 70 Gew.-% beträgt und/oder vorzugsweise nanoteilige anorganische Füllstoffe phasenstabil dispergiert sind. Die nanoteiligen anorganischen Füllstoffpartikel lassen sich phasenstabil in das erfindungsgemäße Klebstoffsystem einarbeiten und führen zu einer drastischen Erhöhung des Feststoff-/Festkörperanteils bzw. zu einer drastischen Reduktion des Lösemittelanteils. Dennoch ist nach wie vor ein Sprühauftrag des erfindungsgemäßen Klebstoffsystems möglich, ohne daß der erzielte Sprühauftrag in negativer Weise beeinträchtigt wird.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betriff das Gebiet lösemittelarmer bzw. festkörperreicher Flüssigklebstoffe, insbesondere für die Polstermöbel- und Matratzenindustrie.

Insbesondere betrifft die vorliegende Erfindung ein Klebstoffsystem auf Basis einer Klebstoffdispersion mit hierin phasenstabil dispergierten, nanoteiligen anorganischen Füllstoffen, vorzugsweise in Form einer 1-Komponenten-Formulierung, sowie die Verwendung dieses Klebstoffsystems zu Klebe- und Beschichtungszwecken, vorzugsweise für die Polstermöbel- und Matratzenindustrie, insbesondere zum Verkleben von Polstermöbeln und Matratzen.

Zur Fertigung von Polstermöbeln und Matratzen werden grundsätzlich drei unterschiedliche Klebstoffsysteme eingesetzt, nämlich

  • – schmelzklebstoffbasierende Klebstoffsysteme
  • – Klebstoffsysteme auf wäßriger Basis sowie
  • – Klebstoffsysteme auf Lösemittelbasis.

Die unterschiedlichen Klebstoffsysteme unterscheiden sich deutlich in ihrer Applikationstechnik. Bei einem Vergleich der jeweiligen Klebstoffsysteme resultieren zum Teil überraschende Vor- und Nachteile beim Einsatz dieser Klebstoffe.

Schmelzklebstoffe besitzen zum einen den großen Vorteil der Lösemittelfreiheit, zum anderen kann ohne jegliche Wartezeit direkt nach der Klebstoffapplikation eine Verklebung durchgeführt werden. Doch die Handhabung bei Anwendungen im Polstermöbelbereich ist äußerst schwierig, und aufgrund der hohen Verarbeitungstemperaturen ist bei Einsatz dieser Klebstoffe stets mit einem größeren Gefahrenpotential zu rechnen. Oft kann eine entsprechend den Verarbeitungserfordernissen benötigte längere "offene Zeit" bzw. Verarbeitungszeit nur dadurch erfolgreich erreicht werden, daß hohe Klebstoffmengen aufgetragen werden. Dies ist im Vergleich zu anderen Klebstoffsystemen nicht ressourcenschonend und zudem material- und kostenintensiv. Um ein größeres Verarbeitungsfenster zu erhalten, werden für manche Anwendungen in diesen Applikationsfeldern daher bisweilen dauerklebrige Formulierungen eingesetzt; hier resultiert zumeist eine geringe Wärmefestigkeit. Andererseits dürfen speziell Klebstoffe, welche im Matratzenbereich eingesetzt werden, nicht zu nachklebrig sein, da beim nachfolgenden "Beziehen" der Matratzen die Bezüge nur schwierig über oberflächenklebrige Klebstoff-Fugen zu ziehen sind oder die Bezüge die Klebenähte oft einschnüren. Aufgrund der mehrfachen Aufheizprozesse sowohl bei der Herstellung wie auch bei der Verarbeitung bedarf es stets eines relativ hohen Energieaufwandes, um diese Klebstoffe fachgerecht einsetzen zu können.

Auch die vielfach sehr voreilig als umweltgünstig eingestuften wäßrigen Klebstoffsysteme beinhalten gerade auch unter Berücksichtigung von ökologischen Aspekten mehrere Nachteile. Oft muß das in den Dispersionsklebstoffen enthaltene Wasser vor der Verklebung erst durch unterschiedlichste zeit- oder energieaufwendige Trockentechniken entfernt werden. Bei der Sprühapplikation findet man bei wäßrigen Systemen zudem oft erhebliche Mengen an lungengängigen Teilchen. Oftmals dienen gerade bei den wäßrigen Systemen halogenorganische Bindemittel als Klebstoffgrundgerüst, die sogar dazu führen können, daß Klebstoffreste dieser Produktgruppe manchmal nur als Sondermüll zu entsorgen sind. Nicht selten findet man in wäßrigen Klebstoffen in deutlich meßbarem prozentualem Bereich Lösemittel, die oft als Filmbildehilfsmittel oder auch als Hochsieder klassifiziert werden.

Auch heute noch werden im Bereich der Polstermöbel- und Matratzenindustrie neben den vorgenannten Klebstoffsystemen auch Klebstoffsysteme auf Lösemittelbasis mit zum Teil noch sehr hohen Lösemittelanteilen, im allgemeinen mit Lösemittelanteilen von mehr 50 %, zum Verkleben von Schaumstoffen, Textilien, Vliesen, Filzen, Polsterwatte und dergleichen untereinander sowie auf Holz, Hartfaser- und Spanplatten, Gummihaar, Pappe oder ähnlichen Polsterwerkstoffen eingesetzt, die mittels Sprüh- oder Walzauftragstechnik auf die zu verklebenden Substraten aufgetragen werden.

Die hohen Lösemittelanteile sind aus ökologischen und ökonomischen Gründen nachteilig: Zum einen gefährden die Lösemittel bei der Herstellung der Klebstoffsysteme das mit der Herstellung befaßte Personal, welches diesen Lösemitteln bei der Herstellung dauerhaft ausgesetzt ist. Hier müssen aufwendige Absaugvorrichtungen vorgesehen werden. Des weiteren müssen Vorkehrungen gegen Explosionen, beispielsweise durch elektrostatische Entladung, getroffen werden. Der Lösemitelanteil in solchen lösemittelbasierten Klebstoffsystemen kann aber nicht ohne weiteres reduziert werden, da dies ansonsten zu einer drastischen Viskositätserhöhung solcher Klebemittelsysteme führen würde, was den erforderlichen Sprühauftrag unmöglich machen würde.

Deshalb wird nach Lösungen gesucht, um den Lösemitelanteil in derartigen lösemittelbasierten Klebstoffsystemen zu reduzieren bzw. den Festkörperanteil entsprechend zu erhöhen. Wünschenswerterweise sind dabei Lösemittelanteile von unter 30 Gew.-%, vorzugsweise unter 20 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt von 10 Gew.-% und weniger, bezogen auf das Klebstoffsystem, angestrebt.

Das der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende Problem liegt somit in der Bereitstellung eines lösemittelbasierten Klebstoffsystems, welches die zuvor geschilderten Nachteile des Standes der Technik zumindest im wesentlichen vermeidet oder zumindest verringert bzw. abschwächt.

Insbesondere besteht eine der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende Aufgabe darin, ein lösemittelbasiertes Klebstoffsystem mit hohem Feststoffanteil (synonym: Festkörperanteil) bzw. geringem Lösemittelanteil bereitzustellen, welches aber dennoch zumindest im wesentlichen gleiche Handhabungs- und Verarbeitungseigenschaften wie klebstoffreichere aufweist, insbesondere für den Sprühauftrag geeignet ist.

Die Anmelderin hat nun überraschenderweise herausgefunden, daß sich der Feststoffanteil (Festkörperanteil) lösemittelbasierter Klebstoffsysteme drastisch erhöhen bzw. deren Lösemittelanteil drastisch verringern läßt, indem in derartigen Klebstoffsystemen nanoteilige anorganische Füllstoffe eingebracht und hierin dispergiert werden. Die Inkorporierung der nanoteiligen anorganischen Füllstoffe liefert darüber hinaus noch eine Vielzahl weiterer Vorteile, wie sie nachfolgend noch im Detail erörtert sind.

Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit ein Klebstoffsystem auf Basis einer Klebstoffdispersion, wobei in dem Klebstoffsystem nanoteilige anorganische Füllstoffe dispergiert sind.

Vorteilhafterweise sind die nanoteiligen anorganischen Füllstoffe phasenstabil in der Klebstoffdispersion eingebracht bzw. phasenstabil hierin dispergiert.

Vorzugsweise ist das erfindungsgemäße Klebstoffsystem auf Basis einer bei Raumtemperatur (25°C, Atmosphärendruck) flüssigen lösemittelbasierten Klebstoffdispersion ausgebildet, weil dies eine erleichterte Handhabung und optimale Anwendbarkeit (z. B. Sprühauftrag) ermöglicht.

Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist das erfindungsgemäße Klebstoffsystem als 1-Komponenten-Formulierung ausgebildet. Dies bedeutet, daß alle Bestandteile des erfindungsgemäßen Klebstoffsystems bereits anwendungsfertig innerhalb eines einzigen Systems bzw. einer einzigen Komponente vorliegen, so daß der Anwendung des Klebstoffsystems vorausgehendes, arbeitsaufwendiges und fehleranfälliges Mischen der einzelnen Bestandteile vollständig entfällt.

Im allgemeinen enthält das erfindungsgemäße Klebstoffsystem neben mindestens einem Lösemittel, insbesondere einem organischen Lösemittel, als weitere Klebstoffkomponente(n) mindestens ein Polymer, Harz und/oder Wachs. Das Polymer, Harz und/oder Wachs ist die eigentliche Klebekomponente und bewirkt die Verklebung der zu verklebenden Substrate.

Eine Besonderheit des erfindungsgemäßen Klebstoffsystems muß darin gesehen werden, daß der Feststoffanteil (Festkörperanteil), bezogen auf das Klebstoffsystem, mindestens 70 Gew.-% beträgt bzw. daß der Lösemittelanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, höchstens 30 Gew.-% beträgt. Bei den erfindungsgemäßen Klebstoffsystemen nach der vorliegenden Erfindung handelt es sich somit um bei Raumtemperatur im allgemeinen flüssige Klebstoff-Formulierungen mit hohem Festkörperanteil und geringem Lösemittelanteil.

Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform betrifft die vorliegende Erfindung ein Klebstoffsystem auf Basis einer bei Raumtemperatur (25°C, Atmosphärendruck) vorzugsweise flüssigen, lösemittelbasierten Klebstoffdispersion, insbesondere in Form einer 1-Komponenten-Formulierung, wobei das Klebstoffsystem neben mindestens einem Lösemittel als weitere Klebstoffkomponente(n) mindestens ein Polymer, Harz und/oder Wachs enthält, wobei der Feststoffanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, mindestens 70 Gew.-% beträgt bzw. der Lösemittelanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, höchstens 30 Gew.-% beträgt und/oder wobei in dem Klebstoffsystem vorzugsweise nanoteilige anorganische Füllstoffe phasenstabil dispergiert sind.

Vorzugsweise liegt der Feststoffanteil des Klebstoffsystems, bezogen auf das Klebstoffsystem, bei mindestens 75 Gew.-%, insbesondere mindestens 80 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 85 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 90 Gew.-% oder mehr, bzw. liegt der Lösemittelanteil des Klebstoffsystems, bezogen auf das Klebstoffsystem, bei höchstens 25 Gew.-%, insbesondere höchstens 20 Gew.-%, vorzugsweise höchstens 15 Gew.-%, besonders bevorzugt höchstens 10 Gew.-%.

Im allgemeinen ist das erfindungsgemäße Klebstoffsystem durch einen Feststoffanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, von 70 bis 95 Gew.-%, insbesondere 75 bis 90 Gew.-%, gekennzeichnet bzw. durch einen Lösemittelanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, von 5 bis 30 Gew.-%, insbesondere 10 bis 25 Gew.-%, gekennzeichnet.

Für eine gute Handhabung und optimale Anwendbarkeit ist es vorteilhaft, wenn das erfindungsgemäße Klebstoffsystem unter Normalbedingungen (25°C, Atmosphärendruck) eine Brookfield-Viskosität im Bereich von 5.000 bis 20.000 mPas, insbesondere 10.000 bis 17.500 mPas, aufweist.

Was die nanoteiligen anorganischen Füllstoffe anbelangt, welche phasenstabil in das erfindungsgemäße Klebstoffsystem inkorporiert bzw. hierin dispergiert sind, so weisen diese im allgemeinen mittlere Teilchendurchmesser (Primärkorn) von 1 bis 500 nm, insbesondere 10 bis 350 nm, vorzugsweise 10 bis 100 nm, bevorzugt 20 bis 50 nm auf. Dabei weisen im allgemeinen mindestens 70 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 75 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 80 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt mindestens 95 Gew.-% oder mehr der nanoteiligen anorganischen Füllstoffpartikel die vorgenannten Teilchengröße auf (Gaußverteilung).

Was die chemische Natur der nanoteiligen anorganischen Füllstoffpartikel anbelangt, so können diese insbesondere ausgewählt sein aus der Gruppe von anorganischen Metalloxiden, -sulfaten und -silikaten, vorzugsweise Alkali- und/oder Erdalkalisulfaten, besonders bevorzugt Bariumsulfat. Beispielsweise können die eingesetzten nanoteiligen anorganischen Füllstoffe ausgewählt sein aus der Gruppe von Zirkoniumoxiden, Titaniumoxiden, insbesondere in der Anatasmodifikation, und Bariumsulfaten, besonders bevorzugt Bariumsulfaten. Erfindungsgemäß ganz besonders bevorzugt ist Bariumsulfat.

Im allgemeinen sind die anorganischen Füllstoffpartikel oberflächenmodifiziert, insbesondere hydrophobiert, so daß sie phasenstabil in lösemittelbasierten Dispersionen dispergierbar sind. Eine derartige Oberflächenmodifizierung, insbesondere Hydrophobierung, kann durch organische Moleküle, insbesondere organische Polymere, erreicht werden, mit denen die Oberflächen der anorganischen Füllstoffpartikel versehen bzw. beschichtet sind.

Erfindungsgemäß geeignete nanoteilige, in organischen Lösemitteln phasenstabil dispergierbare anorganische Füllstoffpartikel sind im Handel erhältlich, beispielsweise von der Bühler AG, Uzwil, Schweiz, oder von der Solvay Barium Strontium GmbH & Co. KG, Hannover, Deutschland. Erfindungsgemäß geeignete nanoteilige anorganische Füllstoffpartikel sind insbesondere kommerziell in anwendungsfertiger Form, d. h. als lösemittelbasierte Feststoffdispersionen, kommerziell erhältlich, so daß die lösemittelbasierten Dispersionen der nanoteiligen anorganischen Füllstoffpartikel ohne weiteres in die Klebstoffmasse eingearbeitet werden können und auf diese Weise die erfindungsgemäßen Klebstoffsysteme resultieren.

Überraschend ist, daß sich die nanoteiligen anorganischen Füllstoffpartikel phasenstabil in die erfindungsgemäßen Klebstoffsysteme einarbeiten lassen und gleichzeitig zu einer drastischen Erhöhung des Feststoffanteils (Festkörperanteils) bzw. zu einer drastischen Reduktion des Lösemittelanteils führen, ohne die Anwendungseigenschaften bzw. die Leistungsfähigkeit in negativer Weise zu beeinflussen: Die Viskosität der resultierenden Klebstoff-Formulierungen wird – im Vergleich zu Klebstoff-Formulierungen ohne diese nanoteiligen anorganischen Füllstoffe – nicht wesentlich beeinflußt, und trotz der Anwesenheit relativ großer Mengen an nanoteiligen anorganischen Füllstoffpartikeln ist nach wie vor ein Sprühauftrag des erfindungsgemäßen Klebstoffsystems möglich, ohne daß die Sprühbilder bzw. der erzielte Sprühauftrag in negativer Weise beeinträchtigt werden. Darüber hinaus führen die nanoteiligen anorganischen Füllstoffe in dem erfindungsgemäßen Klebstoffsystem unter anderem auch zu einer verbesserten Wärmestandfestigkeit, einer verbesserten Abbindefestigkeit und einer verbesserten Kratzbeständigkeit der resultierenden Klebstoffverbindung. Durch die drastische Reduktion des Lösemittelanteils bzw. die drastische Erhöhung des Festkörperanteils infolge der Anwesenheit der nanoteiligen anorganischen Füllstoffpartikel wird ein verbesserter Arbeitsschutz gewährleistet, insbesondere das Risiko der Entzündung durch elektrostatische Entladungen beim Verarbeiten oder Auftragen der erfindungsgemäßen Klebstoff-Formulierungen erreicht. Weitere Vorteile der erfindungsgemäßen Klebstoffsysteme werden nachfolgend noch eingehend diskutiert.

Was die erfindungsgemäß eingesetzten Polymere anbelangt, so ist der Begriff des Polymers erfindungsgemäß sehr weit zu verstehen und umfaßt jede Art von Polymeren und Copolymeren, welche sich für die Anwendung in Klebstoffen eignen. Dies ist dem Fachmann hinlänglich bekannt. Erfindungsgemäß kommen auch Mischungen von verschiedenen Polymeren oder aber Mischungen von Polymeren mit Wachsen und/oder Harzen zum Einsatz. Erfindungsgemäß bevorzugte Polymere sind ausgewählt aus der Gruppe von styrolbasierten Homo- und Copolymeren, insbesondere styrolbasierten Kautschuken, vorzugsweise Polystyrolbutadienen und/oder Polystyrolisoprenen bzw. Polystyrolbutadienkautschuken und/oder Polystyrolisoprenkautschuken.

Was das erfindungsgemäß eingesetzte Harz anbelangt, so ist auch dieser Begriff erfindungsgemäß sehr weit zu verstehen. Nach DIN 55958 (12/1988) ist der Begriff "Harze" ein technologischer Sammelbegriff für flüssige bis feste organische Produkte, für die eine mehr oder weniger breite Verteilung der relativen Molmasse charakteristisch ist. Harze weisen meist eine amorphe Struktur auf und brechen als Folge ihrer recht niedrigen Molmassen und verhältnismäßig hohen Glasübergangstemperaturen im allgemeinen muschelartig. Für weitere diesbezügliche Einzelheiten kann verwiesen werden auf Römpp Chemielexikon, 10. Auflage, Band 3, 1997, Georg Thieme Verlag Stuttgart/New York, Seite 1692, Stichwort: "Harze", sowie die dort referierte Literatur, wobei der gesamte Inhalt der vorgenannten Textstellen hiermit durch Bezugnahme eingeschlossen ist.

Grundsätzlich können erfindungsgemäß alle Harze zur Anwendung kommen, welche üblicherweise für Klebstoffe eingesetzt werden. Dies ist dem Fachmann hinlänglich bekannt. Insbesondere können Mischungen von unterschiedlichen Harzen oder aber Mischungen von Harzen mit Polymeren und/oder Wachsen zum Einsatz kommen. Erfindungsgemäß verwendbare Harze sind ausgewählt aus der Gruppe von natürlichen und synthetischen Harzen, insbesondere gegebenenfalls modifizierten und/oder derivatisierten Kolophoniumharzen, vorzugsweise gegebenenfalls modifizierten und/oder derivatisierten Balsam-, Wurzel- und Tallharzen, besonders bevorzugt gegebenenfalls modifizierten und/oder derivatisierten Balsamharzen. Darüber hinaus können aber auch Phenol- oder Kohlenwasserstoffharze zum Einsatz kommen, wenngleich diese weniger bevorzugt sind.

Erfindungsgemäß besonders bevorzugt sind jedoch die sogenannten Kolophoniumharze. Der Name "Kolophonium" ist abgeleitet von der lydischen Stadt Kolophon, einem antiken Handelszentrum für Kolophonium; bei Kolophoniumharzen handelt es sich um natürliche Harze, die aus dem Rohharz von Koniferen gewonnen werden, wobei man drei Typen von Kolophoniumharzen unterscheidet, nämlich Balsamharz als Destillationsrückstand von Terpentinöl, Wurzelharz als Extrakt von Koniferen-Wurzelstöcken und Tallharz als Destillationsrückstand von Tallöl. Für weitere diesbezügliche Einzelheiten kann verwiesen werden auf Römpp Chemielexikon, 10. Auflage, Band 3, 1997, Georg Thieme Verlag Stuttgart/New York, Seite 2215, Stichwort: "Kolophonium", sowie die dort referierte Literatur, wobei der gesamte Inhalt der vorgenannten Textstellen hiermit durch Bezugnahme eingeschlossen ist.

Die erfindungsgemäß eingesetzten Harze, insbesondere Kolophoniumharze, vorzugsweise Balsamharze, können – wie zuvor erwähnt – gegebenenfalls modifiziert und/oder derivatisiert sein; Beispiele für modifizierte bzw. derivatisierte Kolophoniumharze sind deren hydrierte oder isomerisierte oder polymerisierte Derivate entsprechender Ausgangsharze oder aber beispielsweise deren Ester (z. B. Glycerin und/oder Pentaerythritester).

Was die erfindungsgemäß eingesetzten Wachse anbelangt, so können sämtliche Wachse eingesetzt werden, welche im allgemeinen für Klebstoffe verwendet werden, was dem Fachmann hinlänglich bekannt ist. Insbesondere können die Wachse als Gemisch verschiedener Wachse oder aber als eine Mischung von Wachsen mit Polymeren und/oder Harzen eingesetzt werden. Auch der Begriff "Wachs", wie er erfindungsgemäß verwendet wird, ist sehr weit zu verstehen. Es handelt sich um eine phänomenologische bzw. warenkundliche Bezeichnung – ähnlich wie der Begriff "Harz" – für eine Reihe natürlicher oder künstlich gewonnener Stoffe, die im allgemeinen bei 20°C knetbar, fest bis brüchig, hart, grob bis feinkristallin, durchscheinend bis opak, jedoch nicht glasartig sind und über 40°C ohne Zersetzung schmelzend, schon wenig oberhalb des Schmelzpunktes verhältnismäßig niedrigviskos und nicht fadenziehend sind, eine stark temperaturabhängige Konsistenz und Löslichkeit aufweisen und unter leichtem Druck polierbar sind. Wachse unterscheiden sich von ähnlichen synthetischen oder natürlichen Produkte (z. B. Harzen, plastischen Massen, Metallseifen usw.) hauptsächlich darin, daß sie im allgemeinen etwa zwischen 50 und etwa 90°C, in Ausnahmefällen auch bis zu etwa 200°C, in den schmelzflüssigen, niedrigviskosen Zustand übergehen und praktisch frei von aschebildenden Verbindungen sind. Für weitere diesbezügliche Einzelheiten kann verwiesen werden auf Römpp Chemielexikon, 10. Auflage, Band 6, 1999, Georg Thieme Verlag Stuttgart/New York, Seite 4906, Stichwort: "Wachse", und die dort referierte Literatur, wobei der gesamte Inhalt der vorgenannten Textstellen hiermit durch Bezugnahme eingeschlossen ist.

Erfindungsgemäß einsetzbare Wachse sind insbesondere ausgewählt aus der Gruppe von natürlichen Wachsen, insbesondere pflanzlichen, tierischen oder Mineralwachsen; chemisch modifizierten Wachsen; und synthetischen Wachsen, insbesondere Polyalkylenwachsen und Polyethylenglykolwachsen.

Was das erfindungsgemäß eingesetzte Lösemittel anbelangt, so handelt es sich im allgemeinen um ein organisches Lösemittel, vorzugsweise aus der Gruppe von Ketonen, Estern, Alkoholen, gegebenenfalls halogenierten aliphatischen oder aromatischen Kohlenwasserstoffen oder Kohlenwasserstoffgemischen und sonstigen aromatischen Lösemitteln. Vorzugsweise werden jedoch zumindest im wesentlichen aromaten- und halogenfreie organische Lösemittel eingesetzt, vorzugsweise aus der Gruppe von Ketonen, Estern und zumindest im wesentlichen aromaten- und n-hexanfreien Kohlenwasserstoffen und Kohlenwasserstoffgemischen. Beispiele für erfindungsgemäß einsetzbare organische Lösemittel sind z. B. aromatenfreies n-hexanarmes Siedegrenzbenzin oder aber Ketone (z. B. Aceton oder Butanon) oder aber auch sogenannte ökologisch verträgliche, sogenannte "grüne" Lösemittel, wie z. B. 2-Ethylhexylester der Milchsäure oder Dimethyladipinsäureester.

Die Mengen der einzelnen Bestandteile des Klebstoffsystems können in weiten Bereichen variieren. Im allgemeinen enthält das Klebstoffsystem nach der vorliegenden Erfindung, bezogen auf das Klebstoffsystem,

  • – mindestens ein organisch basiertes Lösemittel in Mengen von 1 bis 30 Gew.-%, insbesondere 5 bis 20 Gew.-%, vorzugsweise 5 bis 10 Gew.-%,
  • – mindestens ein Polymer, Harz und/oder Wachs in Mengen von 5 bis 70 Gew.-%, insbesondere 10 bis 65 Gew.-%, vorzugsweise 15 bis 50 Gew.-%,
  • – mindestens einen vorzugsweise nanoteiligen anorganischen Füllstoff in Mengen von 5 bis 65 Gew.-%, insbesondere 15 bis 60 Gew.-%, vorzugsweise 20 bis 55 Gew.-%.

Dennoch kann es anwendungsbedingt oder einzelfallabhängig gegebenenfalls erforderlich sein, von den vorgenannten Werten abzuweichen.

Wenn das erfindungsgemäße Klebstoffsystem ein Gemisch von Polymere(n) und Harze(n) enthält, so kann das Polymer/Harz-Mischungsverhältnis in diesem Polymer/Harz-Gemisch in weiten Bereichen variieren. Im allgemeinen liegt das gewichtsbezogene Polymer/Harz-Mischungsverhältnis in solchen Polymer/Harz-Gemischen im Bereich von 2 : 1 bis 1 : 7, insbesondere 1 : 1 bis 1 : 6, vorzugsweise 1 : 2 bis 1 : 5.

Was den Festkörper- bzw. Feststoffanteil des erfindungsgemäßen Klebstoffsystems anbelangt, so geht dieser im allgemeinen einerseits auf die Polymere, Harze und/oder Wachse und andererseits die anorganischen Füllstoffpartikel zurück. Das gewichtsbezogene Mengenverhältnis von Polymer, Harz und/oder Wachs einerseits zu anorganischen Füllstoffen andererseits in dem erfindungsgemäßen Klebstoffsystem kann in weiten Bereich variieren. Im allgemeinen liegt das gewichtsbezogene Mengenverhältnis von Polymer, Harz und/oder Wachs zu anorganischen Füllstoffen in dem erfindungsgemäßen Klebstoffsystem im Bereich von 15 : 1 bis 1 : 15, insbesondere 10 : 1 bis 1 10, vorzugsweise 5 : 1 bis 1 : 2.

Aufgrund seiner Leistungsfähigkeit ermöglicht das erfindungsgemäße Klebstoffsystem eine weite Anwendbarkeit. Im allgemeinen kann das erfindungsgemäße Klebstoffsystem zu Klebe- und/oder Beschichtungszwecken aller Art eingesetzt werden. Vorzugsweise eignet sich das erfindungsgemäße Klebstoffsystem zur Verwendung für die Polstermöbel- und/oder Matratzenindustrie bzw. zum Verkleben von Polstermöbeln und Matratzen. Beispielsweise lassen sich mit dem erfindungsgemäßen Klebstoffsystem Schaumstoffe, Textilien, Vliese, Filze, Polsterwatten usw. untereinander, aber auch auf anderen Substraten, wie z. B. Holz, Hartfaser- und Spanplatten, Gummihaar, Pappe oder ähnlichen Polsterwerkstoffen verkleben. Der Auftrag des erfindungsgemäßen Klebstoffsystem erfolgt beispielsweise mittels Sprüh- oder Walzenauftragstechnik auf die zu verklebenden Substrate.

Schließlich sind weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung verklebte Substrate, insbesondere Polstermöbel und Matratzen, welche Klebeverbindungen aufweisen, die durch das erfindungsgemäße Klebstoffsystem erhalten sind.

Mit dem erfindungsgemäßen Klebstoffsystem lassen sich insbesondere die nach dem Stand der Technik im Bereich der Polstermöbel- und Matratzenindustrie eingesetzten Klebstoffe mit zum Teil noch hohen Lösemittelanteilen zum Verkleben von Schaumstoffen, Textilien, Vliesen, Filz, Polsterwatte untereinander sowie auf Holz, Hartfaser- und Spanplatten, Gummihaar, Pappe oder ähnliche Polsterwerkstoffe ohne weiteres substituieren, wobei das erfindungsgemäße Klebstoffsystem z. B. problemlos mittels Sprüh- oder Walzenauftragstechnik auf zu verklebende Substrate aufgetragen werden kann, so daß sich seine Handhabbarkeit und Anwendbarkeit nicht von der herkömmlicher Klebstoffe mit hohen Lösemittelanteilen von mehr als 30 Gew.-% unterscheidet. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen ist es von großem Vorteil, daß es in dem Klebstoffsystem nach der vorliegenden Erfindung gelungen ist, den Lösemittelanteil drastisch zu reduzieren: Waren in der Vergangenheit oft Klebstoffe mit Lösemittelanteilen von mehr als 50 Gew.-% im Einsatz (sogenannte konventionelle Schaumpolsterklebstoffe), so konnten im Rahmen der vorliegenden Erfindung lösemittelhaltige Klebstoffsysteme mit einem Festkörperanteil von bis zu mehr als 90 Gew.-% bzw. mit einem Lösemittelanteil von bis zu weniger als 10 Gew.-% entwickelt werden. Mit dem erfindungsgemäßen Klebstoffsystem ist somit eine neue Klebstoffgeneration entwickelt worden, die durch viele auffallende Merkmale hervorsticht.

Zielsetzung der vorliegenden Erfindung war es unter anderem, die Lösemittelemissionen bei nahezu identischer Auftragstechnik drastisch zu reduzieren, indem für diese Anwendungen der Festkörperanteil in diesen neuen Klebstoffen deutlich erhöht wird.

Bei dem Klebstoffsystem nach der vorliegenden Erfindung handelt es sich insbesondere um einkomponentige Klebstoff-Formulierungen, z. B. auf Basis von Styrolcopolymeren, wie z. B. Styrolbutadien und/oder Styrolisopren, in organischen Lösemitteln, z. B. auf Basis von aromatenfreiem n-hexanarmem Siedegrenzenbenzin oder Ketonen (z. B. Aceton oder Butanon) oder auch sogenannten "grünen" Lösemitteln, wie z. B. dem 2-Ethylhexylester der Milchsäure oder Dimethyladipinsäureester. In diesen Polymerlösungen können weiterhin in erheblichem Maße nachwachsende Rohstoffe auf Basis von Balsam- und/oder Tallharzen sowie deren Derivate als Glycerin- und/oder Pentaerythritester und/oder auch die hydrierten oder isomerisierten oder polymerisierten Derivate entsprechender Ausgangsharze enthalten sein. Weiterhin sind in den erfindungsgemäßen Klebstoffen noch nanoteilige mineralische Substanzen bzw. nanoteilige anorganische Füllstoffe, z. B. auf Basis von Bariumsulfat, phasenstabil eindispergiert.

Mit lösemittelhaltigen Schaumpolsterklebstoffen werden seit vielen Jahren Polstermöbel und Matratzen hergestellt. Nach dem Stand der Technik haben die eingesetzten Klebstoffe einen Festkörperanteil, d. h. einen Anteil an reiner Klebsubstanz, zwischen 20 und 30 Gew.-% und enthalten 70 bis 80 Gew.-% Lösemittel, welche während der Verarbeitung, z. B. bei der Herstellung entsprechender Substrate, in die Umwelt emittiert werden. Weiter wurden im Stand der Technik auch festkörperreichere Klebstoffe, z. B. die sogenannten "HighSolids", bei fast identischen Verarbeitungseigenschaften mit Festkörpergehalten bis zu ca. 65 Gew.- %, entwickelt, und später konnten mit den sogenannten "Super HighSolids" mit Festkörperanteilen von ca. 75 bis 80 Gew.-% bei weiterhin guten Verarbeitungseigenschaften die Lösemittelmengen weiter reduziert werden. Aufgrund der drastischen Reduktion der Lösemittelemission hat diese Produktgruppe im entsprechenden Anwendungssegment weiterhin enorme Bedeutung, die mit rein wäßrigen Systemen nicht zu erreichen ist.

Dennoch bestand weiterhin ein enormer Bedarf an einer weitergehenden Reduktion des Lösemittelanteils bei gleichzeitiger Optimierung der Anwendungseigenschaften. Erst mit der vorliegenden Erfindung ist erstmals die Bereitstellung eines geeigneten Klebstoffsystems gelungen, welches diese Anforderungen erfüllt. Dies ist unter anderem auch unter ökologischen und ökonomischen wie sicherheitstechnischen Gesichtspunkten ein enormer Fortschritt: Während beispielsweise früher in diesem Anwendungssegment bei Einsatz festkörperärmerer, brennbare Lösemittel enthaltender Klebstoffe immer wieder Brand- und Explosionsschäden aufgetreten sind und in den geschlossenen Kammern von Federkernmatratzen im Zusammenhang mit elektrostatischen Entladungen Entzündungen zu beobachten waren, besteht bei dem Klebstoffsystem nach der vorliegenden Erfindung keinerlei Brand- bzw. Explosionsgefahr mehr; die Lösemittelmengen sind derart gering, daß die Explosionsgrenzen deutlich unterschritten werden und Brandrisiken bei sachgemäßer Verarbeitung ausgeschlossen werden können.

Das erfindungsgemäße Klebstoffsystem ist aber auch wäßrigen Klebstoff-Formulierungen auf diesem Gebiet überlegen: Wäßrige Klebstoff-Formulierungen für diese Anwendungsbereiche (d. h. in der Matratzen- und Polstermöbelindustrie) enthalten – neben einem hohen Wasseranteil, welcher unter hohem Energieaufwand aus den Klebstoffen verdunstet werden muß – oft in erheblichen Prozentanteilen flüchtige organische Lösemittel. Die in den erfindungsgemäßen Klebstoffen eingesetzten Rohstoffe können dagegen derart ausgewählt werden, daß sie frei von organischen Halogenverbindungen sind, wie man sie bisweilen in einigen wäßrigen Klebstoff-Formulierungen des Standes der Technik vorfindet. Die erfindungsgemäßen Klebstoffe können derart zusammengestellt werden, daß sie hauptsächlich auf nachwachsenden und mineralischen Rohstoffen basieren. Die erfindungsgemäßen Klebstoffe zeichnen sich weiterhin dadurch aus, daß bei Sprühauftrag die Partikel im Vergleich zu manchen wäßrigen Systemen nicht lungengängig sind.

Nach dem Auftrag (z. B. Sprühauftrag) der erfindungsgemäßen Klebstoffe auf die zu verklebenden Substrate werden die Substrate, z. B. Textilien, Vliese, Stoffe, Kunststoffolien, Schaumstoffe, Filz etc., mit- oder untereinander verklebt. Sofort nach dem Verkleben liegt eine ausgezeichnete Verarbeitungsfestigkeit vor.

Durch eine geeignete Auswahl der Polymere, Harze und/oder Wachse (in der Regel nachwachsende Naturrohstoffe), der mineralischen Rohstoffe (d. h. nanoteilige anorganische Füllstoffpartikel) sowie durch Optimierungen in der Lösemittelzusammensetzung kann die Verarbeitungsviskosität soweit reduziert werden, daß bei verbesserter Auftragstechnik (z. B. optimale Düsen und Druckeinstellungen) der Klebstoff auf automatischen oder auch manuellen Sprühauftragsanlagen auf die zu verklebenden Substrate aufgetragen werden kann. Um den Festkörperanteil noch weiter zu erhöhen, kann es von Vorteil sein, den Klebstoff vor dem Auftragen zur Erniedrigung der Viskosität zum Erzielen besserer Sprühauftragsbilder zu erwärmen.

Das erfindungsgemäße Klebstoffsystem, im allgemeinen mit einem VOC-Anteil (flüchtige organische Verbindungen) < 10 Gew.-%, erfüllt z. B. auch die Bedingungen, bzw. Prüfkriterien, die zur Erlangung des EG-Umweltzeichens für Bettmatratzen erforderlich sind (siehe Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften L 236/12 vom 4. September 2002, Prüfkriterien des "European ECO-Label for Furniture", siehe dort auch "Anhang Klebstoffe", Ziffer 7.).

Die erfindungsgemäßen festkörperreichen Klebstoffe erfüllen eine Vielzahl der in der Verklebungspraxis üblichen Anforderungen, wovon folgend nur einige aufgezählt werden:

  • 1. eine sehr hohe Klebaggressivität bzw. Anfangsklebrigkeit
  • 2. eine gute Wärmefestigkeit
  • 3. eine hohe Festigkeit bei Spannungsverklebungen
  • 4. Unmittelbar nach Klebstoffauftrag ohne jegliche Ablüftzeit findet man eine ausgezeichnete Anfangshaftung.
  • 5. lange offene Zeit (z. B. 1 bis 30 Minuten)
  • 6. ausgezeichnete Ergiebigkeit des Klebstoffes bei der Verarbeitung
  • 7. keine Nachklebrigkeit der Klebstoff-Fuge
  • 8. Die Verklebung der Substrate ist sowohl bei einseitigem wie auch zweiseitigem Klebstoffauftrag möglich.
  • 9. Der Klebstoff ist pumpbar.
  • 10. Der Klebstoff kann mit Sprühpistolen oder Walzenauftragsgeräten verarbeitet werden.
  • 11. Sowohl in den Lösemitteln wie auch in der Klebstoff-Festsubstanz sind keine halogenorganischen Verbindungen vorhanden.
  • 12. Der Klebstoff ist frei von Azoverbindungen.
  • 13. Der Klebstoff enthält hauptsächlich mineralische Anteile und ist in erheblichem Maße auf nachwachsenden Rohstoffen aufgebaut, d. h. eine Großzahl der Rohstoffe ist bioverfügbar.
  • 14. Es können unterschiedlichste im Polster- und Matratzenbereich einzusetzende Materialien verklebt werden.
  • 15. Bei der Verarbeitung ist kein Overspray zu beobachten; entsprechende Sprühpartikel sind so groß, daß keine Lungengängigkeit der Sprühpartikel vorliegt.
  • 16. Der Klebstoff erfüllt die Prüfkriterien für das European ECO-Label Umweltkennzeichen für Bettmatratzen.

Weitere Ausgestaltungen, Abwandlungen und Variationen sowie Vorteile der vorliegenden Erfindung sind für den Fachmann beim Lesen der Beschreibung ohne weiteres erkennbar und realisierbar, ohne daß er dabei den Rahmen der vorliegenden Erfindung verläßt.

Die vorliegende Erfindung wird anhand der folgenden Ausführungsbeispiele veranschaulicht, welche die vorliegende Erfindung jedoch nicht beschränken.

Ausführungsbeispiel I:

Erhöhung des Festkörpers eines bereits im Markt befindlichen Super HighSolids:

Der handelsübliche Schaumpolsterklebstoff "Jowatac-Super HighSolid® 459.804" (Jowat AG, Detmold; lösemittelbasierte Klebstoffdispersion auf Styrolcopolymerbasis mit ca. 80 Gew.-% Festkörperanteil) wird unter Eindispergieren von BaSO4 (Solvay Barium Strontium GmbH & Co. KG, Hannover; oberflächenmodifiziert, nanoteilig, Primärkorn ca. 20 bis 50 nm im Mittel, lösemittelbasierte Dispersion, ca. 70- bis 80%ig) im Festkörperanteil erhöht:

Jowatac SHS 459.84ca. 50 Gew.-% (bezogen auf ca. 80%ige Dispersion)

BaSO4 ca. 50 Gew.-% (bezogen auf Feststoff)

Überraschenderweise findet man einen nur geringfügigen Viskositätsanstieg, so daß die Verarbeitungseigenschaften denen der herkömmlichen Systeme entsprechen. Viskosität: ca. 15.000 mPas Festkörperanteil: ca. 90 Gew.-% Dichte: ca. 1,1 g/ml
Ausführungsbeispiel II: Nanoteilige BaSO4-Lösemitteldispersion (wie Bsp. I) 30,0 Gew.-% Styrolisoprenkautschuk 8,0 Gew.-% Styrolbutadienkautschuk 3,7 Gew.-% Balsamharz 55,0 Gew.-%

Die Bariumsulfat als nanoteilige Suspension enthaltende Lösemittelmischung wird in einem Misch- bzw. Lösebehälter vorgelegt. Die auf Styrolbutadien und/oder Styrolisopren basierenden Polymergranulate werden unter Rühren hinzudosiert. Nach dem Lösen der Polymere entsteht nach der Zugabe und Lösen der Naturharze bzw. deren Derivaten der verarbeitungsfertige Klebstoff. Die Verarbeitungseigenschaften sind folgende: Viskosität: ca. 17.500 mPas Festkörperanteil: ca. 90 Gew.-% Dichte: ca. 1,1 g/ml
Ausführungsbeispiel III: Siedegrenzenbenzin 60/95 6,3 Gew.-% Aceton 3,7 Gew.-% Styrolisoprenkautschuk 4,0 Gew.-% Styrolbutadienkautschuk 1,3 Gew.-% Balsamharz 25,7 Gew.-% BaSO4, nanodispers (wie Bsp. I und II) 50,0 Gew.-%

Das Siedegrenzenbenzin und das Aceton werden im Mischbehälter vorgelegt, die Kautschuke unter Rühren hinzudosiert und gelöst. Nach Erhalt einer homogenen, hochviskosen Lösung wird diese verharzt. Zur Erhöhung des Festkörpers wird unter intensivem Rühren das nanodisperse Bariumsulfat eindispergiert. Die Verarbeitungseigenschaften sind folgende: Viskosität: ca. 20.000 mPas Festkörperanteil: ca. 88 Gew.-% Dichte: ca. 1,2 g/ml

Als Fazit kann folgendes festgestellt werden:

Das erfindungsgemäße Klebstoffsystem fällt durch seinen extrem hohen Festkörperanteil auf. Trotzdem kann dieser Klebstoff z. B. mit unterschiedlichen Spritzpistolen verarbeitet werden. Hier ist z. B. der Einsatz der Drehstrahltechnik von Vorteil (z. B. mit entsprechenden Sprühpistolen der Fa. Walther Spritz- und Lackiersysteme, Wuppertal, oder der Fa. Krautzberger GmbH, Eltville).

Weiterhin besteht die Möglichkeit, daß die erfindungsgemäßen Klebstoffe auf automatischen Matratzenklebeanlagen mittels Auftragswalzen auf zu verklebende Substrate aufgetragen werden können.

Die Verklebung der Substrate ist sowohl bei einseitigem wie auch zweiseitigem Klebstoffauftrag möglich.


Anspruch[de]
  1. Klebstoffsystem auf Basis einer Klebstoffdispersion, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Klebstoffsystem nanoteilige anorganische Füllstoffe dispergiert sind.
  2. Klebstoffsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die nanoteiligen anorganischen Füllstoffe phasenstabil in der Klebstoffdispersion dispergiert sind.
  3. Klebstoffsystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Klebstoffsystem auf Basis einer bei Raumtemperatur (25°C, Atmosphärendruck) flüssigen lösemittelbasierten Klebstoffdispersion ausgebildet ist und/oder daß das Klebstoffsystem als 1-Komponenten-Formulierung ausgebildet ist.
  4. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Klebstoffsystem neben mindestens einem Lösemittel als weitere Klebstoffkomponente(n) mindestens ein Polymer, Harz und/oder Wachs enthält.
  5. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Feststoffanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, mindestens 70 Gew.-% beträgt und/oder daß der Lösemittelanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, höchstens 30 Gew.-% beträgt.
  6. Klebstoffsystem auf Basis einer bei Raumtemperatur (25°C, Atmosphärendruck) vorzugsweise flüssigen, lösemittelbasierten Klebstoffdispersion, insbesondere in Form einer 1-Komponenten-Formulierung, wobei das Klebstoffsystem neben mindestens einem Lösemittel als weitere Klebstoffkomponente(n) mindestens ein Polymer, Harz und/oder Wachs enthält,

    dadurch gekennzeichnet

    daß der Feststoffanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, mindestens 70 Gew.-% beträgt und/oder

    daß in dem Klebstoffsystem vorzugsweise nanoteilige anorganische Füllstoffe phasenstabil dispergiert sind.
  7. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Feststoffanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, mindestens 75 Gew.-%, insbesondere mindestens 80 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 85 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 90 Gew.-% oder mehr, beträgt und/oder daß der Lösemittelanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, höchstens 25 Gew.-%, insbesondere höchstens 20 Gew.-%, vorzugsweise höchstens 15 Gew.-%, besonders bevorzugt höchstens 10 Gew.-%, beträgt.
  8. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen Feststoffanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, von 70 Gew.-% bis 95 Gew.-%, insbesondere von 75 Gew.-% bis 90 Gew.-%, und/oder gekennzeichnet durch einen Lösemittelanteil, bezogen auf das Klebstoffsystem, von 5 bis 30 Gew.-%, insbesondere 10 bis 25 Gew.-%.
  9. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Klebstoffsystem unter Normalbedingungen (25°C, Atmosphärendruck) eine Brookfield-Viskosität im Bereich von 5.000 bis 20.000 mPas, insbesondere 10.000 bis 17.500 mPas, aufweist.
  10. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die nanoteiligen anorganischen Füllstoffe mittlere Teilchendurchmesser (Primärkorn) von 1 bis 500 nm, insbesondere 10 bis 350 nm, vorzugsweise 10 bis 100 nm, bevorzugt 20 bis 50 nm, aufweisen, insbesondere wobei mindestens 70 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 75 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 80 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt mindestens 95 Gew.-% der nanoteiligen anorganischen Füllstoffpartikel die vorgenannten Teilchengrößen aufweisen.
  11. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die nanoteiligen anorganischen Füllstoffe ausgewählt sind aus der Gruppe von anorganischen Metalloxiden, -sulfaten und -silikaten, vorzugsweise Alkali- und/oder Erdalkalisulfaten, besonders bevorzugt Bariumsulfat.
  12. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die nanoteiligen anorganischen Füllstoffe ausgewählt sind aus der Gruppe von Zirkoniumoxiden, Titaniumoxiden, insbesondere in der Anatasmodifikation, und Bariumsulfaten, besonders bevorzugt Bariumsulfat.
  13. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die anorganischen Füllstoffpartikel oberflächenmodifiziert, insbesondere hydrophobiert, sind, insbesondere so daß sie phasenstabil in lösemittelbasierten Dispersionen dispergierbar sind.
  14. Klebstoffsystem nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberflächenmodifizierung, insbesondere Hydrophobierung, durch organische Moleküle, insbesondere mittels Oberflächenbeschichtung (Coating), erreicht wird.
  15. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Polymer ausgewählt ist aus der Gruppe von styrolbasierten Homo- und Copolymeren sowie styrolbasierten Kautschuken, insbesondere Polystyrolbutadienen und Polystyrolisoprenen sowie Polystyrolbutadienkautschuken und Polystyrolisoprenkautschuken.
  16. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Harz ausgewählt ist aus der Gruppe von natürlichen und synthetischen Harzen, insbesondere gegebenenfalls modifizierten und/oder derivatisierten Kolophoniumharzen, vorzugsweise Balsam-, Wurzel- und Tallharzen, besonders bevorzugt Balsamharzen, oder aber Phenol- und Kohlenwasserstoffharzen.
  17. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Wachs ausgewählt ist aus der Gruppe von natürlichen Wachsen, insbesondere pflanzlichen, tierischen oder Mineralwachsen; chemisch modifizierten Wachsen; und synthetischen Wachsen, insbesondere Polyalkylenwachsen und Polyethylenglykolwachsen.
  18. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Lösemittel ausgewählt ist aus organisch basierten Lösemitteln, vorzugsweise aus der Gruppe von Ketonen, Estern, Alkoholen, gegebenenfalls halogenierten aliphatischen oder aromatischen Kohlenwasserstoffen oder Kohlenwasserstoffgemischen und sonstigen aliphatischen oder aromatischen Lösemitteln, vorzugsweise aus der Gruppe von Ketonen, Estern und zumindest im wesentlichen aromaten- und n-hexanfreien Kohlenwasserstoffen und Kohlenwasserstoffgemischen.
  19. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Klebstoffsystem, bezogen auf das Klebstoffsystem,

    – mindestens ein organisch basiertes Lösemittel in Mengen von 1 bis 30 Gew.-%, insbesondere 5 bis 20 Gew.-%, vorzugsweise 5 bis 10 Gew.-%,

    – mindestens ein Polymer, Harz und/oder Wachs in Mengen von 5 bis 70 Gew.-%, insbesondere 10 bis 65 Gew.-%, vorzugsweise 15 bis 50 Gew.-%,

    – mindestens einen vorzugsweise nanoteiligen anorganischen Füllstoff in Mengen von 5 bis 65 Gew.-%, insbesondere 15 bis 60 Gew.-%, vorzugsweise 20 bis 55 Gew.-%,

    enthält.
  20. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Klebstoffsystem ein Polymer/Harz-Gemisch enthält, insbesondere mit einem Polymer/Harz-Mischungsverhältnis im Bereich von 2 : 1 bis 1 : 7, insbesondere 1 : 1 bis 1 : 6, vorzugsweise 1 : 2 bis 1 : 5.
  21. Klebstoffsystem nach einem oder mehreren der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Mengenverhältnis von Polymer, Harz und/oder Wachs zu anorganischen Füllstoffen in dem Klebstoffsystem im Bereich von 15 : 1 bis 1 : 15, insbesondere 10 : 1 bis 1 : 10, vorzugsweise 5 : 1 bis 1 : 2, variiert.
  22. Verwendung eines Klebstoffsystems nach einem der Ansprüche 1 bis 21 zu Klebe- und/oder Beschichtungszwecken.
  23. Verwendung eines Klebstoffsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 21 in der Polstermöbel- und Matratzenindustrie und/oder zum Verkleben von Polstermöbeln und Matratzen.
  24. Verklebte Substrate, insbesondere Polstermöbel und Matratzen, dadurch gekennzeichnet, daß sie Klebeverbindungen aufweisen, welche unter Verwendung eines Klebstoffsystems nach einem der Ansprüche 1 bis 21 erhalten sind.
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