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Dokumentenidentifikation DE202006009102U1 14.09.2006
Titel Holzfreies Fachwerkssystem
Anmelder Wagner, Eckard, 07333 Unterwellenborn, DE
Vertreter Pain & Bertram, 07318 Saalfeld
DE-Aktenzeichen 202006009102
Date of advertisement in the Patentblatt (Patent Gazette) 14.09.2006
Registration date 10.08.2006
Application date from patent application 23.03.2006
IPC-Hauptklasse E04F 13/02(2006.01)A, F, I, 20060323, B, H, DE

Beschreibung[de]
Bisheriger Stand der Technik und dessen Nachteile

Fachwerkhäuser, Scheunen u.a. Bauwerke wurden seit Jahrhunderten und werden auch jetzt unter Verwendung von Ho9lzbalkenkonstruktionen errichtet, wobei die Statik der Holzbalkenkonstruktionen exakt berechnet sein muß, da diese dem Bauwerk die erforderliche Stabilität gewährleisten müssen. Die Fächer zwischen den Holzbalken wurden und werden bislang mit verschiedenen Materialien ausgekleidet, abgedichtet und verputzt.

Da alte Fachwerkgebäude durch das Verwittern, Aufreißen, Verdrehen, Auslaugen oder Verfaulen der von Außen sichtbaren Holzbalken einer Überarbeitung bedürfen, wurde bislang das alte Fachwerk mit Holzbohlen aufgedoppelt, beschädigte Fächer ausgebessert, abgedichtet und wieder verputzt. Bei derartigen Reparaturmaßnahmen wird nach Außen hin sichtbar, daß die Holzbalkenkonstruktion durch die Verwendung der aufgedoppelten Holzbohlen nicht mehr der Ursprünglichkeit entspricht, d.h. Maserungen, Äste, Risse und dergleichen mehr nicht mehr sichtbar sind.

Neuerrichtete Fachwerksbauten werden wie bisher mit statisch berechneter Holzbalkenkonstruktion errichtet und die Fächer zwischen den Balken ausgemauert, Wärmeschutz angebracht, verputzt und schließlich farblich gestaltet. Verschiedentlich ist auch zu beobachten, daß alte Fachwerkgebäude komplett überputzt werden und insoweit die Fachwerkholzkonstruktion für das Auge nicht mehr erkennbar ist.

Die Nachteile der bisherigen Bauweise bestehen darin, daß das Holz immer arbeitet, sich verdreht, sich verzieht, aufreißt, auslaugt, verfault oder verwittert. Hieraus folgt, daß nach einer bestimmten Anzahl von Jahren auch hier wieder eine Aufdopplung mit Bohlen erfolgen muß, welche aufgrund ihrer Bohlenstärke nicht miteinander verzapft werden können. In vielen Fällen werden die Fächer zwischen der Balkenkonstruktion mit Füllmasse ausgefüllt, beispielsweise mit Styropor und häufig mit der mit Holzbohlen aufgedoppelten Holzkonstruktion bündig gestaltet, so daß der Betrachter zwangsläufig davon ausgehen muß, daß hier eine Imitation eines Fachwerkes vorliegt.

Insbesondere bei Straßenzügen mit mehreren Holzfachwerkfassaden fällt insoweit sofort im Vergleich mit ursprünglich belassenen Holzkonstruktionen die Imitation auf, was im Interesse der Erhaltung und Wahrung der Ursprünglichkeit tunlichst vermieden werden sollte.

Ein weiterer Nachteil besteht darin, daß dem heutigen Stand der Technik entsprechende Rollädenkästen aber auch aus Granit oder anderem Steinmaterial bestehende Fensterbänke nicht eingebracht werden können.

Des Weiteren sind erhöhte Aufwendungen hinsichtlich des Wärmeschutzes im Inneren des jeweiligen Gebäudes erforderlich, was wiederum einen hohen Investitionsaufwand erfordert.

Alles in allem erfordert die Neuherstellung von Holzfachwerksbauwerken aber auch die Reparatur von alten bestehenden Holzfachwerkskonstruktionen einen erheblichen finanziellen Aufwand und birgt unverändert die vorbeschriebenen Nachteile.

Erfindungsgemäß wird daher ein holzfreies Fachwerksystem ohne Verwendung von jeglichem Holzmaterial vorgeschlagen.

Dies wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, daß ein neu zu errichtendes Gebäude unter Verwendung verschiedenster Mauersteine hochgemauert wird, als wäre es nicht als Fachwerkgebäude vorgesehen. Alle Bauwerksfassaden (1) werden Außen mit einem handelsüblichen und herkömmlichen Unterputz (2) versehen. Nach einer von einem Architekten unter Beachtung statischer Gesichtspunkte hergestellten Fachwerksplanung wird auf den so angebrachten Unterputz (2) an der für Fachwerkskonstruktion vorgesehenen äußeren Fassade das künftige Fachwerk auf dem Unterputz aufgezeichnet. Nach Aushärtung und Austrocknung des Unterputzes werden nunmehr entsprechend der aufgezeichneten Fachwerkskonstruktion handelsübliche Putzschienen (5) mit Dübeln oder schnellhärtendem Kleber bzw. Ansatzputz auf dem Unterputz befestigt und die Ecken und Kanten der Putzschienen (5) mit Acryl (4) abgedichtet.

Nach Beendigung dieses Arbeitsganges werden die so entstandenen Fächerflächen ca. 0,8 bis 1,5 cm stark oder wahlweise nach gegebenen Bedingungen mit zum Unterputz (2) kompatiblen Haftputz (7) bündig mit den Oberkanten der Putzschienen (5) verputzt, wobei hier unterschiedliche Putzstrukturen, beispielsweise Filzputz, Strukturputz und anderes mehr aufgebracht werden können. In die somit entstandenen und später als Holzkonstruktion sichtbar werdenden und nicht mit Haftputz ausgefüllten Flächen wird nunmehr eine Spachtelmasse (3) mit einer Stärke von ca. 0,3 bis 0,4 cm glatt gestrichen aufgetragen. Dabei ist zu beachten, daß entweder jeweils die später als Balkenkonstruktion sichtbar werdenden Längsbalken oder aber zunächst die Querbalken mit Spachtelmasse (3) ausgefüllt werden, wobei zu beachten ist, daß die Stöße der aufeinander treffenden zu imitierenden Balken sauber ausgearbeitet werden. Kurz vor Aushärten dieser Spachtelmasse werden dann in diese Spachtelmasse mit entsprechendem Werkzeug holzähnliche Maserungen, Äste oder andere holzübliche Eigenschaften hergestellt. Auch nach Außen stirnseitig sichtbare Kopfbalken können entsprechend der üblichen Holzstruktur gestaltet werden.

Nach dem Aushärten und Austrocknung des Haftputzes (7) in den Fächern werden die sich an den Putzschienen (5) gebildeten Rundbildungen auf der Balkenseite abgetragen und anschließend die gesamte Fassade sowohl im Fächerbereich als auch im Balkenbereich mit farblosem Tiefengrund behandelt. Nach Austrocknen des Tiefengrundes werden die großen Felder zweimal mit einem Farbanstrich nach Wahl der Bauherren versehen und die Balken in Erscheinung tretender Flächen mit einem etwas dünneren Farbanstrich dreimal überstrichen, wobei Farbgestaltung sowohl der Fächerflächen als auch der Balkenkonstruktion regional unterschiedlich sein kann.

Nach Abschluß der vorbeschriebenen Arbeiten bietet sich für den Betrachter eine Fachwerksfassadengestaltung, die sich von einer mit Holzbalkenkonstruktion versehenen Fassade nicht unterscheidet.

Selbstverständlich werden vor den vorbeschriebenen Arbeitsgängen die in der Architektenzeichnung enthaltenen Mauerwerksöffnungen wie Fenster, Türen und Tore sowie die dazugehörigen Fensterbänke und Rollädenkästen eingebaut, die sich sodann gestalterisch in die sich ergebende holzfreie Fachwerksgestaltung einfügen, wobei auch eine Bündigkeit der Öffnungselemente mit der imitierten Balkenkonstruktion erreicht werden kann. Die einzelnen Arbeitsgänge sowie die vorbeschriebenen Materialien, Schichten und Farbgestaltungen sind in den 1 und 2 sowie der dazugehörigen Bezugszeichenliste dargestellt.

Mit dem erfindungsgemäßen holzfreien Fachwerksgestaltungssystem werden alle Nachteile des eingangs geschilderten Standes der Technik vermieden. Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß das vorbeschriebene holzfreie Fachwerksgestaltungssystem auch auf Styropor o.ä. Vollwärmeschutzfassaden aufgebracht werden kann. Da kein Holz verwendet wird, gibt es keinerlei Verdrehungen, Verziehungen, Auslaugungen, Verfaulungen und Verwitterungen. Die erfindungsgemäße Fassadengestaltung gestattet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere hinsichtlich der angedeuteten Balkenkonstruktion, der farblichen Gestaltung sowohl der vermeintlichen Balken als auch der Flächen zwischen den Balken in jeweiliger Anlehnung an die regionalen Bedingungen. Wärmeschutzmaßnahmen werden bereits durch das Mauerwerk erfüllt, so daß eine zusätzliche Wärmeschutzisolierung nicht erforderlich wird. In Städten und Fachwerksgebieten können bestehende Fachwerksfassaden nachgebildet werden sowie neue Fassaden dem schon bestehenden Fachwerksbestand angepaßt werden.

Im Unterschied zu Balkenkonstruktionen aus Holz können bei dem erfindungsgemäßen Fachwerkssystem Granit- bzw. anderweitige Steinfensterbänke, aber auch Rolladenkästen und Rolladen eingebaut werden, ohne daß die äußere Ansicht beeinträchtigt wird. Mit dem erfindungsgemäßen System können sowohl sehr alte bis jüngste Holzfachwerksfassaden nachgestaltet bzw. imitiert werden. Mit dem erfindungsgemäßen Fachwerksgestaltungssystem können sowohl bestehende Holzfachwerksfassaden kostengünstig durch komplettes Überputzen und Durchführen der einzelnen vorbeschriebenen Arbeitsschritte völlig neu bzw. angepaßt gestaltet werden, aber auch neue Bauwerke ohne Verwendung von Holz mit Fachwerksfassaden versehen werden.

Mit der vorbeschriebenen erfindungsgemäßen holzfreien Fachwerksfassadengestaltung erübrigt sich jegliche Ver- und Bearbeitung von Holzelementen sowie hierfür erforderliche Befestigungsmaterialien, wie Dübel, Schrauben und dgl. mehr. Die Anwendung des vorgeschlagenen holzfreien Fachwerksgestaltungssystems in allen erwähnten Bereichen gewährleistet im Vergleich zur herkömmlichen Gestaltung von Fachwerkfassaden mit Holzbalkenkonstruktion einen wesentlich geringeren finanziellen Aufwand sowie eine über Jahrzehnte längere Ansehlichkeit und Bestandsfähigkeit der Fassade.

1Mauerwerk 2Unterputz 3Spachtelmasse maseriert 4Acrylfuge 5Putzschiene 6Hart-PVC-Überzug 7Haftputz in den Flächen

Anspruch[de]
  1. Holzfreies Fachwerksystem, dadurch gekennzeichnet, daß auf eine mit Unterputz (2) versehene Bauwerkfassade (1) auf der Grundlage einer unter Beachtung statischer Gesichtspunkte hergestellten Fachwerksplanung handelsübliche Putzschienen (5) in herkömmlicher Weise befestigt und die sich dadurch ergebenden Fächerflächen mit zum Unterputz (2) kompatiblen Haftputz (7) bündig verputzt wurden, so daß zischen diesen Fächerflächen die später als imitiertes Holzbalkensystem freistehenden Flächen entstanden sind, die ihrerseits einen Auftrag von Spachtelmasse (3) erhalten, in welche wiederum unter Zuhilfenahme von entsprechenden Werkzeug holzähnliche Maserung, Äste und andere holzähnliche Eigenschaften eingebracht wurden und nach Aushärten und Austrocknung sowohl die Fächerflächen (7) als auch das imitierte Holzbalkensystem mit Tiefengrund und unterschiedlichen Farbanstrich versehen worden sind.
  2. Holzfreies Fachwerksystem gemäß Anspruch Nr. 1, dadurch gekennzeichnet, daß die befestigten Putzschienen an den Ecken und Kanten mit einer Acrylfuge (4) abgedichtet sind und der aufzutragende Haftputz in den Flächen (7) eine Stärke von 0,8 bis 1,5 mm mit entsprechenden Putzstrukturen erhalten hat.
  3. Holzfreies Fachwerksystem gemäß den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß in den durch die Putzschienen (5) begrenzten freigebliebenen und als imitierte Balkenkonstruktion sichtbar gewordenen Flächen eine Spachtelmasse (3) mit einer Stärke von 0,3 bis 0,4 cm glatt gestrichen aufgebracht und mit holzähnlichen Maserungen gestaltet worden ist.
  4. Holzfreies Fachwerksystem gemäß den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl die Fächerflächen (7) als auch die imitierten Balkenkonstruktionen einen farblich abgesetzten Anstrich erhalten haben.
  5. Holzfreies Fachwerksystem gemäß Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die in dem Bauwerk (1) vorhandenen Bauwerksöffnungen wie Fenster, Türen und Tore, aber auch Fensterbände und Rolladenkästen auf der Grundlage der Architektenplanung vorher harmonisch in das sichtbare Fachwerksystem eingebracht worden sind.
Es folgen 2 Blatt Zeichnungen






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