PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE102005016018A1 19.10.2006
Titel Hörhilfevorrichtung zur Schallübertragung in einem flüssigen Medium und entsprechendes Verfahren zum Betreiben einer Hörhilfevorrichtung
Anmelder Siemens Audiologische Technik GmbH, 91058 Erlangen, DE
Erfinder Rass, Uwe, 90480 Nürnberg, DE
Vertreter Berg, P., Dipl.-Ing., Pat.-Ass., 80339 München
DE-Anmeldedatum 07.04.2005
DE-Aktenzeichen 102005016018
Offenlegungstag 19.10.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 19.10.2006
IPC-Hauptklasse H04R 25/02(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse H04R 17/00(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   
Zusammenfassung Die Schallübertragung von einem Hörgerät (HG) zu einem Trommelfell (T) soll optimiert werden. Hierzu ist vorgeschlagen, dass der Raum im Ohrkanal (O) zwischen dem Trommelfell (T) und dem Hörgerät (HG) mit einem flüssigen oder fließfähigen Medium (F) gefüllt wird. Der Schallwandler (R) des Hörgeräts (HG) ist bezüglich seiner akustischen Impedanz an das flüssige Medium (F) angepasst, so dass eine verlustarme Übertragung des Schalls von dem Schallwandler (R) über das flüssige Medium (F) zu dem Trommelfell (T) erfolgt.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Hörhilfevorrichtung zum Tragen im Ohrkanal mit einem Schallwandler. Darüber hinaus betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zum Betreiben einer derartigen Hörhilfevorrichtung.

Herkömmliche Hörgerätelautsprecher, die wegen der Aufnahme und Umsetzung von Hörgerätesignalen auch als Hörgeräte-Receiver bezeichnet werden, arbeiten an der Schnittstelle zu einem abgeschlossenen Luftvolumen im Ohrkanal. Die Effektivität und Charakteristik dieser Schallübertragung ist abhängig vom Volumen und der individuellen Ohrkanalgeometrie. Ist dieses abgeschlossene Luftvolumen, auch als Restvolumen bezeichnet, klein, so kann beispielsweise bei gleichem Energieaufwand ein höherer Schalldruckpegel erzielt werden. Es ist daher erstrebenswert, das Hörgerät so nah wie möglich am Trommelfell zu platzieren.

In diesem Zusammenhang sind Im-Ohr-Hörgeräte bekannt, die tief im knöchernen Teil des Ohrkanals sitzen. Für sie ist es notwenig, in dem entsprechenden Bereich einen Ohrabdruck zu gewinnen. Das Abnehmen des Ohrabdrucks nahe am Trommelfell ist jedoch riskant, da das Trommelfell beschädigt werden kann. Außerdem ist das Platzieren des Geräts im knöchernen Teil unangenehm für den Nutzer. Aus diesen Gründen wird stets ein Mindestabstand des Hörgeräts zum Trommelfell eingehalten.

Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, die Übertragung des Schalls von einem Hörgerät zu einem Trommelfell zu optimieren.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch eine Hörhilfevorrichtung zum Tragen im Ohrkanal mit einem Schallwandler, wobei der Schallwandler bezüglich seiner akustischen Impedanz an ein flüssiges oder fließfähiges bzw. viskoelastisches Medium angepasst ist.

Darüber hinaus wird erfindungsgemäß bereitgestellt ein Verfahren zum Betreiben einer Hörhilfevorrichtung durch Einbringen der Hörhilfevorrichtung oder eines Teils davon in einen Ohrkanal, Füllen eines Raums im Ohrkanal zwischen Trommelfell und der Hörhilfevorrichtung bzw. des Teils davon mit einem flüssigen oder fließfähigen Medium und Übertragen eines Schalls von einem Schallwandler der Hörhilfevorrichtung über das flüssige oder fließfähige Medium zu dem Trommelfell.

Ein Vorteil der erfindungsgemäßen Hörhilfevorrichtung bzw. des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Betreiben einer solchen Hörhilfevorrichtung besteht darin, dass es zu keinen Verlusten kommt, die durch Kompression der Luft in dem Raum zwischen dem Hörgerät und dem Trommelfell entstehen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die erfindungsgemäße Hörhilfevorrichtung unempfindlich gegenüber Cerumen ist, da das Cerumen im Wesentlichen die gleichen akustischen Eigenschaften besitzt, wie die Flüssigkeit bzw. das Gel, das zwischen das Hörgerät und das Trommelfell eingebracht wird.

Vorzugsweise besteht der Schallwandler aus einem piezoelektrischen Material. Insbesondere eignen sich hierfür piezoelektrische Keramiken mit hohem piezoelektrischen Wandlerkoeffizienten. Diese sind zum einen sehr robust und andererseits günstig in der Herstellung.

Als piezoelektrischer Schallwandler kann nicht nur ein Dickenschwinger, sondern auch beispielsweise ein Biegeschwinger oder ein Scherschwinger verwendet werden. Maßgeblich ist lediglich, dass die Verformung des Piezos direkt auf die Flüssigkeitssäule zum Trommelfell übertragen wird. Je nach zur Verfügung stehendem Bauraum und angestrebtem Wirkungsgrad kann dann ein entsprechend geeigneter Piezo ausgesucht werden.

Die erfindungsgemäße Hörhilfevorrichtung, z. B. ein Hörgerät, kann eine flexible äußere Schale bzw. Hörgeräteschale aufweisen. Durch die Flexibilität dieser Schale steigt nicht nur der Tragekomfort, sondern es kann auch eine Abdichtwirkung gegenüber der Flüssigkeit zwischen dem Hörgerät und dem Trommelfell erzielt werden, ohne dass eine eigene Abdichtkomponente notwendig wäre. Dadurch lässt sich der Aufbau der Hörhilfevorrichtung verhältnismäßig einfach gestalten.

Die Flüssigkeit bzw. das fließfähige Medium zwischen der Hörhilfevorrichtung und dem Trommelfell hinsichtlich der Viskosität kann an den speziell eingesetzten Schallwandler angepasst werden. Damit kann sowohl bei piezoelektrischen Wandlern als auch bei Wandlern nach dem Prinzip von Unterwasserlautsprechern eine optimale Schallübertragung stattfinden.

Die vorliegende Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnung näher erläutert, die eine Prinzipskizze zu einem Querschnitt eines in einem Ohrkanal eingesetzten erfindungsgemäßen Hörgeräts darstellt.

Das nachfolgend näher geschilderte Ausführungsbeispiel stellt eine bevorzugte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung dar.

Entsprechend dem in der FIG gewählten Beispiel besitzt ein Im-Ohr-Hörgerät HG als Ausgangs- bzw. Schallwandlerkomponente einen Receiver R, der die elektrischen Signale des Hörgeräts HG in akustische Signale umsetzt. Der Receiver R ist zur Abstrahlung akustischer Signale in eine Flüssigkeit oder ein fließfähiges bzw. viskoelastisches Medium (z. B. Gel) optimiert. Im vorliegenden Fall wird zur Schallwandlung ein piezoelektrischer Dickenschwinger verwendet, der die Schwingungen über eine nicht dargestellte Membran an die angrenzende Flüssigkeit überträgt. Diese Membran besitzt ausschließlich Schutzfunktion, um das Piezobauelement und gegebenenfalls weitere Bauelemente vor der Flüssigkeit zu schützen.

In dem in der FIG dargestellten Zustand ist das Hörgerät HG in einen Ohrkanal O eingesetzt. Der Ohrkanal O endet am Trommelfell T. In dem Raum zwischen dem Trommelfell T und dem Hörgerät HG ist eine Flüssigkeit F bzw. ein Gel eingebracht. Die Hörgeräteschale besteht aus einem sehr flexiblen Material und besitzt einen etwas größeren Querschnitt als der Ohrkanal O. Dadurch wird eine ausreichende Dichtwirkung erzielt. Dies schließt jedoch nicht aus, dass zusätzliche Dichtungsmittel an dem Hörgerät HG vorgesehen sind, die ein Ausströmen der Flüssigkeit F aus dem Ohrkanal O verhindern.

Mit Hilfe geeigneter Instrumente ist der Raum zwischen dem Hörgerät HG bzw. dem Receiver R und dem Trommelfell T vollständig mit der gewünschten Flüssigkeit F zu füllen. Luftblasen in diesem Raum würden nämlich den Wirkungsrad des Hörgeräts deutlich herabsetzen, da diese kompressibel sind und vor dem Receiver R eine gute Abstrahlung verhindern.

Dadurch dass das Füllmittel vor dem Trommelfell im Gegensatz zu Luft nicht kompressibel ist, lässt sich bei der Schallübertragung ein sehr hoher Wirkungsgrad erzielen. Durch die Wahl der Viskosität des Füllmittels (Flüssigkeit, Gel, etc.) lassen sich die Übertragungsparameter für akustische Wellen weiter optimieren und einstellen.

Der Receiver R wandelt das elektrische Signal des Hörgeräts HG in eine Bewegung der Flüssigkeits- bzw. Gel-Säule um, die wiederum ohne Kompressionsverluste die Schwingung an das Trommelfell weitergibt. Dabei ist der Übergangswiderstand von der Flüssigkeit zum Trommelfell geringer als von Luft auf das Trommelfell. Dies bedeutet, dass durch die Wahl der Flüssigkeit bzw. des Gels und des Receivers die Impedanz des Systems optimal an das Trommelfell angepasst werden kann.


Anspruch[de]
Hörhilfevorrichtung (HG) zum Tragen im Ohrkanal mit

– einem Schallwandler (R), dadurch gekennzeichnet, dass

– der Schallwandler (R) bezüglich seiner akustischen Impedanz an ein flüssiges oder fließfähiges Medium (F) angepasst ist.
Hörhilfevorrichtung (HG) nach Anspruch 1, wobei der Schallwandler (R) aus einem piezoelektrischen Material besteht. Hörhilfevorrichtung (HG) nach Anspruch 2, wobei der piezoelektrische Schallwandler ein Biegeschwinger ist. Hörhilfevorrichtung (HG) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, die eine flexible, äußere Schale aufweist. Verfahren zum Betreiben einer Hörhilfevorrichtung (HG) gekennzeichnet durch

– Einbringen der Hörhilfevorrichtung (HG) oder eines Teils davon in einem Ohrkanal (O),

– Füllen eines Raums im Ohrkanal (O) zwischen dem Trommelfell (T) und der Hörhilfevorrichtung (HG) bzw. des Teils davon mit einem flüssigen oder fließfähigen Medium (F) und

– Übertragen eines Schalls von einem Schallwandler (R) der Hörhilfevorrichtung (HR) über das flüssige oder fließfähige Medium (F) zu dem Trommelfell (T).
Verfahren nach Anspruch 5, wobei die Viskosität des flüssigen oder fließfähigen Mediums (F) an den Schallwandler (R) angepasst wird.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

  Patente PDF

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com