Die Erfindung bezieht sich auf eine Wasser stabilisierende Zusammensetzung.
In der Veterinärmedizin, vor allem im Bereich der Schweine- und
Geflügelproduktion, werden vermehrt Lebendimpfstoffe über das Trinkwasser
appliziert. Diese Art der Verabreichung führt zur sicheren und guten Immunisierung
der Tiere, da sie den natürlichen Weg vieler Infektionen nachahmt und somit
sämtliche Teile der Immunantwort stimuliert. Gleichzeitig ist die Gabe von
Lebendimpfstoffen über das Trinkwasser eine ökonomisch sinnvolle und aus
Tierschutzgründen zu bevorzugende Art der Impfung.
Dem Wasser kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, da es gleichzeitig
das Lösungs- und das Transportmittel für die Lebendimpfstämme ist.
Die Wasserqualität entscheidet letztlich über das Überleben der Impfstoffe
auf ihrem Weg bis zum Tier. Die Wasserqualität kann jedoch sehr unterschiedlich
sein und insbesondere in Abhängigkeit vom Produktionsbetrieb, der Wasserversorgung
und der Zeit schwanken. Dies kann die Wirksamkeit von Lebendimpfstoffen verändern
bzw. beeinträchtigen.
Zur Stabilisierung von Lebendimpfstoffen wird dem Trinkwasser häufig
Magermilchpulver zugesetzt. Magermilchpulver löst sich aber sehr schlecht im
Trinkwasser, so daß es zu Verstopfungen des Tränkesystems kommen kann.
Ferner sind Tabletten bekannt, die außer einem Mittel zur Wasserstabilisierung
einen blauen Farbstoff enthalten, der dem Anwender die Verbreitung des Wasserstabilisators
und des Impfstoffes über das Tränkesystem und die Aufnahme durch das Tier
indiziert. Die Anwendung ist jedoch wegen der ungünstigen Auflösungseigenschaften
der Tabletten mühselig.
Ferner bekannt ist ein Pulver, das ein Mittel zum Stabilisieren von
Wasser und einen blauen Farbstoff enthält. Das Pulver staubt sehr und ist äußerst
schlecht in Wasser einmischbar. Die Bestandteile neigen dazu aufzuschwimmen oder
zu sedimentieren, so daß stark umgerührt werden muß. Nicht aufgelöste
Partikel können das Tränkesystem verstopfen.
Davon ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine anwendungsfreundlichere
Wasser stabilisierende Zusammensetzung zur Verfügung zu stellen.
Die Aufgabe wird durch eine Wasser stabilisierende Zusammensetzung
mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der
Zusammensetzung sind in den Unteransprüchen 2 bis 13 angegeben. Eine Kombination
einer Flasche mit der Zusammensetzung ist in den Unteransprüchen 14 und 15
angegeben.
Die erfindungsgemäße Wasser stabilisierende Zusammensetzung
umfaßt ein Mittel zum Stabilisieren von Wirkstoffen im Trinkwasser und eine
Brausemischung.
Bei der Brausemischung handelt es sich um eine Mischung, die beim
Auflösen in Wasser ein Gas entwickelt und stark aufbraust. Aufgrund der enthaltenen
Brausemischung braust die Wasser stabilisierende Zusammensetzung beim Eingeben in
das Trinkwasser auf, wodurch die Auflösung und Verteilung des Mittels zum Stabilisieren
von Wirkstoffen im Trinkwasser intensiviert wird. Infolgedessen kommt es zu einer
besonders schnellen und gleichmäßigen Einmischung des Mittels zum Stabilisieren
von Wirkstoffen in das Trinkwasser. Ein Einrühren der Zusammensetzung in das
Trinkwasser ist nicht erforderlich bzw. der Aufwand für das Einrühren
kann beträchtlich reduziert werden. Verunreinigungen des Tränkesystems,
die dessen Funktion beeinträchtigen, werden vermieden. Die Zusammensetzung
ist infolgedessen besonders anwendungsfreundlich.
Gemäß einer Ausgestaltung umfaßt das Mittel zum Stabilisieren
mindestens einen der folgenden Bestandteile: einen Komplexbildner, ein Reduktionsmittel,
ein Puffermittel, einen Farbstoff.
Ein Komplexbildner ist in der Lage, im Trinkwasser enthaltene Schwermetalle
zu inaktivieren, die anderenfalls Lebendimpfstoffe oder andere Wirkstoffe destabilisieren.
Ein Reduktionsmittel neutralisiert ein Oxidationsmittel, das im Trinkwasser beispielsweise
in Form von Rückständen von Reinigungsmitteln enthalten sein kann, die
ebenfalls Lebendimpfstoffe und andere Wirkstoffe destabilisieren können. Ein
Puffermittel puffert den pH-Wert auf einen für Lebendimpfstoffe oder andere
Wirkstoffe besonders günstigen Wert. Ein Farbstoff ermöglicht die optische
Kontrolle des Tränkesystems auf Befüllung mit wirkstoffhaltigem Wasser.
Ferner soll der Farbstoff durch nicht-permanente Färbung von Schnabel, Rachen
und Zunge der Tiere die Aufnahme wirkstoffhaltigen Wassers kontrollierbar machen.
Gleichzeitig wertet der Farbstoff die Wasser stabilisierende Zusammensetzung und
das eingefärbte Trinkwasser optisch auf. Die Farbe ist z.B. blau oder grün.
Gemäß einer Ausgestaltung ist der Komplexbildner ausgewählt
aus mindestens einer der folgenden Substanzen: Zitronensäure, Magermilch, Thiosulfat,
Adipinsäure, Benzoesäure und andere organische Säuren.
Gemäß einer Ausgestaltung ist das Reduktionsmittel ausgewählt
aus mindestens einer der folgenden Substanzen: Thiosulfat, Lactose,
Hydrogencarbonat (Bicarbonat), Carbonat.
Gemäß einer Ausgestaltung ist das Puffermittel ausgewählt
aus mindestens einer der folgenden Substanzen: Zitronensäure, Hydrogencarbonat
(Bicarbonat), Carbonat.
Gemäß einer Ausgestaltung ist der Farbstoff ein Lebensmittelfarbstoff.
Die Aufnahme von Lebensmittelfarbstoff durch das Tier ist unbedenklich.
Gemäß einer Ausgestaltung umfaßt die Brausemischung
Hydrogencarbonat und eine organische Säure. Beim Auflösen in Wasser entwickelt
die organische Säure aus Hydrogencarbonat oder Carbonat Kohlendioxid. Das Hydrogencarbonat
ist z.B. Natriumhydrogencarbonat. Die organische Säure ist beispielsweise Zitronensäure,
Benzoesäure, Adipinsäure oder Weinsäure. Hydrogencarbonat kann gleichzeitig
als Reduktionsmittel und Puffermittel und die organische Säure kann gleichzeitig
als Komplexbildner und Puffermittel dienen.
Die Wasser stabilisierende Zusammensetzung kann grundsätzlich
in flüssiger oder in fester Form vorliegen. Gemäß einer Ausgestaltung
ist die Wasser stabilisierende Zusammensetzung fest. Sie kann z.B. tablettenförmig
oder pulverförmig oder granulatförmig sein. In beiden Fällen wird
durch die Brausemischung die Auflösung und das Einmischen der Wasser stabilisierenden
Zusammensetzung verbessert. Gemäß einer Ausgestaltung hat die Wasser stabilisierende
Zusammensetzung die Form eines Granulates. Granulate haben gegenüber Tabletten
oder einem Pulver Handhabungsvorteile. Sie lassen sich leichter fördern und
dosieren. Ferner kann ein Granulat im wesentlichen staubfrei bereitgestellt werden.
Gemäß ein weiteren Ausgestaltung umfaßt das Granulat
Partikel bzw. Granulate, welche sowohl das Mittel zum Stabilisieren als auch die
Brausemischung enthalten. Beim Auflösen im Wasser sprengt das von der Brausemischung
freigesetzte Gas die Granulatstruktur und an den Granulatkörnchen anhaftende
Blasen ziehen ein Aufschwimmen der Partikel bzw. Granulate nach sich. Dieser Effekt
gewährleistet eine schnelle Durchmischung des Mittels zum Stabilisieren von
Wirkstoffen mit dem Trinkwasser.
Gemäß einer Ausgestaltung umfaßt das Granulat Partikel
aus unter Druck verfestigtem Pulver. Die Partikel sind unter Druck aus einem pulverförmigen
Mittel zum Stabilisieren oder seinen pulverförmigen Bestandteilen und einer
pulverförmigen Brausemischung oder ihren pulverförmigen Bestandteilen
zusammensetzbar, so daß sie das Mittel zum Stabilisieren und die Brausemischung
umfassen.
Gemäß einer Ausgestaltung umfaßt die Zusammensetzung
Partikel bzw. Granulate aus unter Druck verfestigtem Pulver mit einer Partikelgröße
des Pulvers von maximal etwa 100 &mgr;m. Gemäß einer weiteren Ausgestaltung
haben die Partikel der Zusammensetzung eine Größe von mindestens etwa
300 &mgr;m und maximal etwa 3 mm. Der genannte Partikelgrößenbereich
ist für die Anwendung des Granulates besonders vorteilhaft.
Gemäß einer Ausgestaltung weist eine Kombination aus einer
Flasche und einer darin angeordneten Wasser stabilisierenden Zusammensetzung der
vorstehend erläuterten Art an der Flasche eine Verschlußkappe mit einem
definierten Nennvolumen auf. Die Verschlußkappe kann zum Eindosieren der Wasser
stabilisierenden Zusammensetzung in ein Tränkesystem genutzt werden. Außerdem
kann sie dem dichten Abschluß der Flasche dienen. Hierzu ist die Verschlußkappe
gemäß einer Ausgestaltung eine mit der Flasche verschraubte Schraubkappe.
Bei einem erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung einer
Wasser stabilisierenden Zusammensetzung der vorerwähnten Art wird ein Mittel
zum Stabilisieren von Wirkstoffen und eine Brausemischung in Pulverform gemischt
und wird die Mischung kompaktiert bzw. granuliert.
Nach dem Verfahren werden Pulver zu Granulat mit den oben erwähnten
Anwendungsvorteilen verarbeitet. Es können sämtliche Bestandteile des
Mittels zum Stabilisieren und der Brausemischung in Pulverform zugegeben, gemischt
und kompaktiert werden. Es ist aber auch möglich, ein vorgefertigtes Mittel
zum Stabilisieren von Wirkstoffen in Pulverform mit einer vorgefertigten Brausemischung
in Pulverform zu mischen und die Mischung zu kompaktieren bzw. zu granulieren.
Für das Mischen der Pulver kann eine Vielzahl gängiger Rührwerke
oder anderer Mischertypen eingesetzt werden, die beim Mischen von Pulvern zum Einsatz
kommen. Ebenso können für das Kompaktieren bzw. Granulieren beliebige
Vorrichtungen zum Kompaktieren bzw. Granulieren von Pulvern Verwendung finden (wie
z.B. Tablettenpresse, Kollergang, Intensivmischer). Gemäß einer Ausgestaltung
wird mittels eines Doppelwalzenkompaktierers kompaktiert. Zum Kompaktieren kann
auch ein Extruder eingesetzt werden.
Gemäß einer weiteren Ausgestaltung wird das Kompaktat gebrochen
(z.B. mittels Kollergang), um eine gewünschte Partikelgrößenverteilung
herzustellen. Gemäß einer weiteren Ausgestaltung wird das gebrochene Kompaktat
gesiebt und der Siebdurchgang der Mischung dem Pulver zugeführt. Durch Aussiebung
und Rückführung der Feinanteile des gebrochenen Kompaktates in den Kompaktierungsprozeß
werden feinkörnige Bestandteile des Granulats vermieden. Das resultierende
Granulat ist im wesentlichen staubfrei.
Eine erfindungsgemäße Verwendung einer Wasser stabilisierenden
Zusammensetzung der vorerwähnten Art erfolgt zum Stabilisieren der Gabe von
Wirkstoffen über Trinkwasser.
Gemäß einer Ausgestaltung werden die Wasser stabilisierende
Zusammensetzung und die Wirkstoffe an derselben Aufgabestelle in ein Tränkesystem
eingemischt. Die Aufgabestelle ist beispielsweise ein Vorlaufbehälter oder
ein Reservoir, in dem die Mischung der Wasser stabilisierenden Zusammensetzung und
der Wirkstoffe mit dem Trinkwasser erfolgt. Die Aufgabestellung kann aber auch ein
Rohrstück in einem Leitungssystem sein.
Die Wasser stabilisierende Zusammensetzung kann mit verschiedenen
Wirkstoffen zur Anwendung kommen. Gemäß einer Ausgestaltung sind die Wirkstoffe
Lebendimpfstoffe oder Totimpfstoffe oder Probiotika. Die Lebendimpfstoffe sind z.B.
Salmonella-, Influenza-, Anämia- oder Geflügelpest-Impfstoffe.
Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen
näher erläutert, die sich auf die anliegenden Zeichnungen beziehen. In
den Zeichnungen zeigen:
1 eine Anlage zum Herstellen der Wasser stabilisierenden
Zusammensetzung in einer grobschematischen Skizze;
2 eine Flasche mit einer Verschlußkappe zum Aufbewahren
und Dosieren der Wasser stabilisierenden Zusammensetzung in Seitenansicht;
3 ein Tränkesystem für die Aufgabe einer
Wasser stabilisierenden Zusammensetzung gemeinsam mit einem Wirkstoff.
In der nachfolgenden Tabelle sind für ein Ausführungsbeispiel
(2 Alternativen) der Wasser stabilisierenden Zusammensetzung die Komponenten und
deren Gewichtsanteile:
Die obigen Komponenten werden in Pulverform eingesetzt.
Alternative 1 enthält Natriumhydrogencarbonat und Natriumcarbonat.
Alternative 2 enthält Natriumhydrogencarbonat und kein Natriumcarbonat.
Die Verarbeitung kann in einer Anlage gemäß 1
erfolgen. Die Pulver werden von oben einem nach unten konisch verjüngten Rührwerksmischer
1 zugeführt. Durch den Ausgang an der Unterseite des Rührwerksmischers
1 gelangen die vorgemischten Pulver in einen Doppelwalzenkompaktierer
2. Dieser ist grundsätzlich wie eine Walzen-Brikettierpresse aufgebaut.
Die Bestandteile der Mischung sind im wesentlichen gleichmäßig
über sämtliche Partikel des Kompaktats verteilt.
Unten wird das Kompaktat aus dem Doppelwalzen-Kompaktierer
2 in einen Brecher 3 ausgetragen. Dort wird das Kompaktat zu kleineren
Partikeln gebrochen.
Aus dem Brecher 3 gelangt das Granulat in eine Siebvorrichtung
4. Der feine Siebdurchgang wird als Recyclat von der Siebvorrichtung
4 in den Mischer 1 zurückgeführt. Der Siebrückstand
bildet das fertige Produkt.
Gemäß 2 wird das Produkt in
eine Flasche 5 gefüllt, die oben am Flaschenkörper um eine Öffnung
6 ein Schraubgewinde 7 aufweist, auf das eine Schraubkappe
8 aufgeschraubt wird. Die Schraubkappe 8 ist im wesentlichen topfförmig.
Ihr Hohlraum weist ein bestimmtes Nennvolumen auf und kann zum Dosieren des Granulats
herangezogen werden.
Gemäß 3 umfaßt ein Tränkesystem
einen Vorlagebehälter 9 für Trinkwasser, dem eine Einspeisung
10 für Trinkwasser zugeordnet ist. Der Vorlagebehälter
9 ist unten mit einem Leitungssystem 11 verbunden, das zu verschiedenen
Abgabestellen 12 in Form von Wassertrögen verzweigt ist. An den Abgabestellen
12 können beispielsweise Hühner oder anderes Geflügel Trinkwasser
aufnehmen.
In den Vorlagebehälter 9 werden dem Trinkwasser die
Wasser stabilisierende Zusammensetzung und ein Impfstoff zugemischt. Durch die Wirkung
der Brausemischung wird im Vorlaufbehälter 9 eine gleichmäßige
Verteilung der Zusammensetzung und des Impfstoffes erreicht, so daß die Abgabestellen
12 gleichmäßig mit Zusammensetzung und Impfstoff versorgt werden.
Somit ist die Impfstoffaufnahme anhand der Blaufärbung der Schnäbel der
Tiere erkennbar.