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Dokumentenidentifikation DE102005023599A1 23.11.2006
Titel Bioartifizielles Herzgewebetransplantat und Verfahren zu seiner Herstellung
Anmelder CorLife GbR (vertretungsberechtigte Gesellschafter: Prof. Dr. Alex Haverich, 30916 Iserhagen;
Dr. Clemens Meyer-Kobbe, 31157 Sarstedt),, 30625 Hannover, DE
Erfinder Haverich, Axel, Prof. Dr., 30916 Isernhagen, DE;
Lichtenberg, Artur, Dr., 30916 Isernhagen, DE;
Cebotari, Serghei, Dr., 30627 Hannover, DE;
Tudorache, Igor, 30625 Hannover, DE
Vertreter Gramm, Lins & Partner GbR, 30173 Hannover
DE-Anmeldedatum 18.05.2005
DE-Aktenzeichen 102005023599
Offenlegungstag 23.11.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 23.11.2006
IPC-Hauptklasse C12N 5/06(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse C12N 5/08(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   
Zusammenfassung Es wird ein Verfahren zur Herstellung eines bioartifiziellen Herzgewebetransplantats vorgeschlagen, das zu ausgezeichneten biomechanischen Eigenschaften am Produkt führt und eine hohe Zellfreiheit bei optimaler Schonung der Matrix garantiert. Bei dem Verfahren werden in und/oder an einer extrazellulären Matrix anhaftende biologische Zellen von einem Herzgewebepräparat, insbesondere einer Herzklappe oder einem Herzgefäß, in vitro entfernt. Das Verfahren umfasst die folgenden Schritte in der genannten Reihenfolge:
a) Bereitstellen des Herzgewebepräparats natürlichen Ursprungs;
b) Entfernen in dem Gewebe befindlicher Zellen von der extrazellulären Matrix mit Hilfe einer Azellularisierungslösung aus einer wässrigen Lösung wenigstens eines starken anionischen Detergenzes, die mindestens Natriumdeoxycholat enthält;
c) osmotisches Behandeln des Gewebes mit destilliertem oder entionisiertem Wasser;
d) Behandeln des Gewebes mit physiologischer Salzlösung unter kontinuierlichem Durchlauf oder unter wenigstens dreimaligem Auswechseln der Spüllösung.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein bioartifizielles Herzgewebetransplantat und ein Verfahren zu seiner Herstellung.

Unter einem bioartifiziellen Transplantat verstehen wir hier ein für eine Transplantation in Ersatz eines natürlichen Organs, Organteils oder Gewebes am Menschen vorgesehenes Körpergewebe aus allogener oder xenogener Quelle, das durch Entfernen insbesondere der darauf befindlichen Zellen, aber auch anderer Komponenten, wie Proteinen, Blutteilen und sonstigen immunogenen Komponenten für eine Implantation in einem anderen Körper geeignet gemacht wurde und so ein ursprünglich biologisches, aber manipuliertes und daher bioartifizielles Produkt darstellt. Das bioartifizielle Produkt kann ausschließlich seiner individuellen Spezifität beraubt sein, nämlich in erster Linie azellularisiert sein, oder es kann bereits individuell für den vorgesehenen Empfänger angepasst sein, z. B. durch in vitro Besiedlung mit empfängergeeigneten oder empfängereigenen Zellen, oder auch durch Aufbringen einer besonderen Beschichtung oder Behandlung, die den Einbau beim Empfänger erleichtern soll.

Im vorliegenden Fall handelt es sich bei dem bioartifiziellen Produkt um ein bioartifizielles Herzgewebetransplantat.

Aus dem Stande der Technik sind zahlreiche Verfahren zur Azellularisierung (auch Dezellularisierung genannt) biologischer Gewebe bekannt. Diese Verfahren dienen im Allgemeinen dem Zweck, biologische Transplantate für den Empfänger besser geeignet zu machen. Bei der Transplantation von Organen und Geweben, die von Organspendern stammen (allogene Transplantate, Homografts) oder tierischen Ursprungs sind (Xenotransplantate), kommt es zu Immunabstoßungsreaktionen, die schlimmstenfalls zum Verlust des Organs oder Gewebes führen können. Der Transplantatempfänger muss deshalb lebenslang Immunsuppressiva einnehmen, die eine solche Abstoßungsreaktion verhindern.

Um die Abstoßung der Transplantate grundsätzlich auszuschalten, wird seit langer Zeit versucht, das dafür bereitgestellte allogene oder auch xenogene Material für den Empfänger vorzubereiten, indem zunächst alle immunogenen Komponenten einschließlich der in den Geweben vorhandenen empfängerfremden Zellen entfernt werden. Da dies alle lebenden Zellen umfasst, sollte es gleichzeitig wirkungsvoll Kontaminationen durch Bakterien und Viren beseitigen können, was den Einsatz von Transplantaten tierischen Ursprungs vielfach erst ermöglicht. Nach der Entfernung dieser Zellen und sonstigen Komponenten bleibt in der Regel nur die extrazelluläre Matrix des Gewebes oder Organs erhalten, die aus den Hauptkomponenten, Kollagen, Fibrin und/oder Elastin besteht und weitere strukturgebende Substanzen wie Hyaluronine und Proteoglycane enthalten kann. Die extrazelluläre Matrix wird auch als interstitielles Gewebe oder interstitielles Bindegewebe bezeichnet.

In frühen Versuchen wurden die azellularisierten Gewebe vor der Transplantation zwischenkonserviert, beispielsweise kryokonserviert oder mit Glutaraldehyd fixiert. Dies führte jedoch zu Kalzifizierungen und anderen schwerwiegenden Nachteilen beim natürlichen Ein- und Umbau des Gewebes im Empfänger.

Man ging daher bald danach dazu über, die azellularisierten Konstrukte weiter für den Empfänger vorzubereiten, indem die entfernten Zellen durch andere ersetzt werden sollten, bevorzugt durch empfängereigene in vitro vermehrte Zellen des Empfängers von für das jeweilige bioartifizielle Transplantat geeigneter Art. Das größte Problem besteht dabei darin, das Transplantat naturähnlich wiederzubesiedeln, da in der Natur komplexe lokale Strukturen und eine Vielzahl von Zelltypen beteiligt sein können. Es wurde jedoch beobachtet, dass vorbesiedelte Transplantate im Körper des Transplantatempfängers umgebaut werden, so dass eine ein oder mehrschichtige Anfangsbesiedlung bestimmter Zellen ausreichend sein kann, wie beispielsweise in US 6 652 583 (Hopkins), US 5 843 182 (Goldstein) und US 5 899 936 (Goldstein) beschrieben. Dennoch kann auch ein rebesiedeltes Transplantat zu Problemen führen, wenn z.B. ein zu starkes Überwachsen des Transplantats mit körpereigenen Zellen erfolgt, so dass die geometrischen und mechanischen Eigenschaften zu stark beeinflusst werden (Hyperplasie).

Grundlage für die Konstruktion bioartifizieller Gewebetransplantate bleibt weiterhin eine wirkungsvolle Azellularisierung natürlichen biologischen Materials. Die Azellularisierung kann eine mechanische und/oder chemische Entfernung der Zellen vorsehen. Bei einer mechanischen Behandlung kann im Allgemeinen die extrazelluläre Matrix nicht geschont werden, so dass sich mechanische Behandlungsschritte auf die Entfernung außen anhaftender Zellen oder Membrane beschränken sollten. Chemische Azellularisierungsverfahren überwiegen daher bei weitem. Als chemische Mittel zum Ablösen, bzw. Verdauen oder Lysieren der Zellen werden unter anderem alkalische Lösungen, Enzyme, Glycerin, nicht-ionische und ionische Detergenzien verwendet, und zwar einzeln und in verschiedensten Kombinationen.

Durch die Anwendung bestimmter Mittel in bestimmter Reihenfolge erhofft man sich ganz bestimmte Effekte.

So schreibt beispielsweise die US 6 448 076 (Dennis et al) für die Azellularisierung speziell von Nerven vor, das Nervenpräparat zunächst in Glyzerin einzulegen, um die Zellmembranen aufzureißen und sodann intrazelluläre Proteine durch Einlegen in wenigstens eine Detergenzlösung zu denaturieren und zu entfernen.

Aus dem US-Patent 6 376 244 ist es bekannt, eine dezellularisierte Nierenmatrix zu erzeugen, indem das Nierenpräparat zunächst in destilliertes Wasser eingelegt wird, um die Zellmembranen zu zerstören, und danach zelluläres Material mit alkalischer Detergenzlösung extrahiert wird.

Gemäß US 6 734 018 ist zur Herstellung eines Weichgewebe-Transplantats ein Behandeln des Gewebes mit einer Extraktionslösung, einer Behandlungslösung und einer Waschlösung vorgesehen, wobei die Extraktionslösung eine alkalische Lösung mit einem nicht-ionischen Detergenz und wenigstens einer Endonuclease ist und die Behandlungslösung ein anionisches Detergenz enthält. Die Behandlung mit anionischem Detergenz dient dort nicht nur zur Azellularisierung, sondern gleichzeitig zur Behandlung des Gewebes, nämlich zur Beeinflussung der Wiederbesiedlung. Dabei wird ausgeführt, dass eine Behandlung mit einem starken anionischen Tensid zu Wechselwirkungen mit den Matrixproteinen und zur Anlagerung des Tensids (oder Detergenz) in dem azellularisierten Gewebe führen kann, so dass das anionische Detergenz in der Matrix zurückgehalten und bis nach der Transplanation in dem Gewebe erhalten bleiben kann. Dies ist wegen damit verbundener toxischer Effekte einerseits unerwünscht, in Maßen jedoch auch erwünscht, um so die Rebesiedlungsgeschwindigkeit zu modulieren, die durch die Anwesenheit des Detergenzes verlangsamt wird.

In US 6 734 018 wird auch bereits ausführlicher auf die Bedeutung und Wichtigkeit der Schrittreihenfolge eingegangen. So wird ausgeführt, dass die Behandlung mit SDS vor einer Behandlung mit Salzlösung zu anderen Ergebnissen führt als die Behandlung mit SDS nach einer Behandlung mit Salzlösung.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein schonendes und effizientes Verfahren zur Herstellung einer stabilen, funktionell intakten und nach Transplantation möglichst haltbaren azellularisierten Herzgewebematrix zu schaffen. Dabei soll angestrebt werden, dass eine Transplantation mit und ohne Rebesiedlung mit patienteneigenen Zellen möglich ist.

Zur Lösung dieser Aufgabe sieht die Erfindung bei einem Verfahren zur Herstellung eines bioartifiziellen Herzgewebe-Transplantats, bei welchem in und/oder an einer extrazellulären Matrix anhaftende biologische Zellen von einem Herzgewebepräparat, insbesondere einer Herzklappe oder einem Herzgefäß, in vitro entfernt werden, vor, dass das Verfahren folgende Schritte in der genannten Reihenfolge aufweist:

  • a) Bereitstellen des Herzgewebepräparats natürlichen Ursprungs;
  • b) Entfernen in dem Gewebe befindlicher Zellen von der extrazellulären Matrix mit Hilfe einer Azellularisierungslösung aus einer wässrigen Lösung wenigstens eines starken anionischen Detergenzes, die mindestens Natriumdeoxycholat enthält;
  • c) osmotisches Behandeln des Gewebes mit destilliertem oder entionisiertem Wasser;
  • d) Behandeln des Gewebes mit physiologischer Salzlösung.

Es wurde gefunden, dass die Einhaltung gerade dieser Schritte, deren Bedeutung nachfolgend noch erläutert wird, insbesondere bei der Azellularisierung von Herzgeweben besonders gute Resultate liefert. Durch das Verfahren werden azellularisierte bioartifizielle Transplantate erhalten, die gute mechanische und physiologische Eigenschaften besitzen. Die Transplantate versprechen aufgrund bisher durchgeführter Versuche, auch ohne vorherige in vitro Besiedlung im Körper gut angenommen zu werden und lassen aufgrund ihrer biomechanischen Eigenschaften eine lange Haltbarkeit erwarten. Für die Anwendung gerade bei Herzklappen ist besonders wichtig, dass die Basalmembran bei dem Verfahren intakt bleibt. Allgemein entspricht die Morphologie in einem hohen Maße der natürlichen Morphologie des zugrundeliegenden Gewebepräparats und es kann eine hohe Zellfreiheit erzielt werden.

Der erste Verfahrensschritt eines Azellularisierungsverfahrens umfasst immer die Bereitstellung eines natürlichen Gewebes, das allogenen oder xenogenen Ursprungs sein kann. Falls erforderlich wird das natürliche Gewebestück so präpariert, wie es für die Transplantation bei dem potentiellen Empfänger am besten geeignet ist. Es gibt jedoch auch solche Präparate, die für eine Gruppe von Transplantatempfängern immer geeignet sind, z. B. Herzklappen in einem bestimmten Ringgrößenbereich. Der Gefäßansatz um den Klappenring kann unterschiedlich lang ausgebildet sein, bzw. zugeschnitten werden. Schritt a) des Verfahrens umfasst daher das Aussuchen und Zuschneiden des natürlichen Präparates, ggf. auch nach Zwischenlagerung, und das Einbringen in eine für das Verfahren geeignete Apparatur oder ein geeignetes Gefäß, z. B. eine Schale oder Flasche.

Vorzugsweise handelt es sich bei dem Herzgewebepräparat um eine Pulmonalklappe (Valva truncti pulmonalis), eine Aortenklappe (Valva aortae), eine Trikuspidalklappe (Valva atrioventricularis dextra), eine Mitralklappe (Valva atrioventricularis sinistra), ein klappenloses Gefäßstück mit oder ohne Verzweigung oder ein Herzbeutelgewebestück für ein Herzgewebepatch.

Die im nächsten Schritt des Verfahrens verwendete Azellularisierungslösung (Schritt b) enthält erfindungsgemäß starke anionische Detergenzien und hierunter in jedem Fall Natriumdeoxycholat, da die Verwendung dieses Detergenzes sich für die Azellularisierung in dieser Verfahrensstufe und in Zusammenhang mit den übrigen Schritten als besonders wirkungsvoll herausgestellt hat.

Neben Natriumdeoxycholat sollte wenigstens ein weiteres anionisches Detergenz aus der Gruppe bestehend aus Salzen höherer aliphatischer Alkohole, vorzugsweise deren Sulfaten und Phosphaten, sulfonierten Alkanen und sulfonierten Alkylarenen, jeweils mit 7 bis 22 Kohlenstoffatomen in vorzugsweise nicht-verzweigter Kette, enthalten sein, da überraschenderweise gefunden wurde, dass sich diese Mischungen aus dem Gewebe leichter auswaschen lassen als die genannten Mittel einzeln.

Besonders bevorzugt ist derzeit, dass die Azellularisierungslösung neben Natriumdeoxycholat Natriumdodecylsulfat (SDS) enthält, vorzugsweise beide Komponenten in einer Konzentration zwischen 0,05 und 3 Gew.-%, zusammen nicht über 5 Gew.-% und in besonders bevorzugter Ausführungsform in Konzentrationen zwischen 0,3 und 1 Gew.-%, besonders bevorzugt je 0,5 Gew.-%.

In einer solchen bevorzugten Lösung von beispielsweise 0,5 Gew.-% SDS und 0,5 Gew.-% Natriumdeoxycholat in Wasser wird das natürliche Gewebe wie an sich aus anderen Azellularisierungsverfahren grundsätzlich bekannt behandelt. Vorzugsweise kann das natürliche Gewebe für ca. 24 Stunden, je nach Gewebe aber auch länger oder kürzer, bei Raumtemperatur oder leicht reduzierter Raumtemperatur, etwa bei 15 bis 30 °C, unter Schütteln oder Schwenken in einem Behälter mit oder ohne Einspannvorrichtung für das Gewebe behandelt werden. Das Gewebe soll dabei vollständig von der Azellularisierungslösung bedeckt sein. Die Azellularisierungszeit kann der Fachmann mit Hilfe von Vorversuchen an das jeweils zu behandelnde Gewebe anpassen, auch kann die Azellularisierungslösung mehrfach gewechselt werden, falls dies bei der jeweiligen Azellularisierungsaufgabe vorteilhaft erscheint.

Für diesen wie für die anderen Behandlungsschritte gilt, dass im Wesentlichen alle im Stande der Technik üblichen Vorgehensweisen angewendet werden können, d.h. Einlegen in den jeweiligen Lösungen in Schalen oder Behältern, Behandeln in besonderen Bioreaktoren, teils auch unter pulsatilem Druck, Spülen mit einer über die Behandlungsdauer im Kreislauf geführten Lösung, usw.. Die Lösungen- können je nach Bedarf ein- oder mehrfach ausgetauscht werden. Selbstverständlich wird unter sterilen Bedingungen gearbeitet.

Im nächsten Verfahrensschritt (Schritt c) erfolgt eine osmotische Behandlung des Gewebes für im Allgemeinen wenigstens 20 Stunden mit destilliertem oder entionisiertem Wasser. Dieser Schritt hat sich überraschenderweise im Zusammenhang des Gesamtverfahrens als vorteilhaft herausgestellt, obwohl ein Quellen der Matrix, wie es in destilliertem oder entionisiertem Wasser zwangsweise erfolgt sonst nicht als vorteilhaft angesehen wird. Die Behandlung mit destilliertem Wasser ist innerhalb von Azellularisierungsverfahren grundsätzlich bekannt, jedoch sonst für die Lyse der Zellen, d. h. der Zellmembranen, die hier bereits im vorausgegangenen Schritt größtenteils entfernt worden sind. Bei der Erfindung erfolgt also in diesem Schritt eine Behandlung der extrazellulären Matrix, die hierdurch offenbar – im Zusammenhang mit den übrigen Schritten – in einen positiven Zustand versetzt wird.

Im letzten Schritt (Schritt d) des Verfahrens wird das Gewebe mit physiologischer Salzlösung, und zwar vorzugsweise unter kontinuierlichem Durchlauf oder unter wenigstens 3maligem Auswechseln der Spüllösung behandelt. Unter einer physiologischen Salzlösung wird hier eine im Wesentlichen isotonische Lösung verstanden, bei der es sich insbesondere um eine gepufferte Salzlösung handeln kann. Vorzugsweise wird PBS oder physiologische Kochsalzlösung verwendet.

Das Spülen vorzugsweise mit PBS erfolgt im Allgemeinen durch Einlegen des Präparats in diese Lösung und Schütteln oder Schwenken bei 15 bis 30 °C bzw. Raumtemperatur über vorzugsweise 72 bis 96 Stunden. Dabei sollte die Lösung mindestens 3mal, vorzugsweise aber etwa 6 bis 8mal, beispielsweise 7mal gewechselt werden. Es kann alternativ auch ein kontinuierliches Spülen mit PBS im Durchlauf erfolgen.

Das Spülen sollte solange durchgeführt werden, bis in der Spüllösung keine oder eine nicht mehr zelltoxische Restkonzentration an Detergenz gemessen wird.

Der Salzlösung in Schritt d) können auch bei derartigen Verfahren übliche Zusätze, wie Antibiotika und/oder Antimykotika zugegeben sein.

Im Anschluss an das Verfahren kann das bioartifizielle Herzgewebetransplantat eingesetzt werden. Bis zur Verwendung kann es einige Zeit kühl gelagert werden, wobei es sich in isotonischer Lösung befinden sollte. Das Transplantat kann auch kryokonserviert werden, falls eine unmittelbare Verwendung nicht möglich ist.

Das Verfahren wird im weiteren anhand von Versuchsbeispielen erläutert werden, wobei eine Übersicht zu den biomechanischen Eigenschaften in Tabelle 1 gegeben wird. Die biomechanischen Eigenschaften unterscheiden sich deutlich von denen, die mit in der Schrittfolge oder der Zusammensetzungen der Lösungen abweichenden Verfahren erzielt werden können.

Das bioartifizielle Herzgewebetransplantat kann so, wie nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhalten, implantiert werden. Nach derzeitigem Wissensstand wird angenommen, dass die Azellularisierung allein oder zumindest im Wesentlichen mit anionischem Detergenz gerade eine Herzgewebematrix schonend zu dezellularisieren vermag, wobei die Matrixproteine sich in einem solchen Ladungszustand befinden, der optimal für eine Wiederbesiedlung im Körper des Empfängers oder in vitro zu sein scheint, ohne dass noch zelltoxische Konzentrationen an tensidischem Azellularisierungsmittel in der Matrix vorhanden wären. Auch die biomechanischen Eigenschaften sind geeignet, dass eine unmittelbare Implantation des noch unbesiedelten Herzgewebetransplantats möglich ist.

Das azellularisierte Herzgewebepräparat kann aber auch vor der Transplantation in vitro mit lebensfähigen biologischen Zellen re-besiedelt werden, vorzugsweise mit Endothelzellen. Die für eine Rebesiedlung in vitro verwendeten Zellen sind vorzugsweise autologe Zellen des potentiellen Transplantatempfängers, die ihm in Vorbereitung der Transplantation entnommen und in vitro vermehrt wurden. Die hierzu erforderlichen Verfahren sind im Stande der Technik bekannt.

Beispiel:

Eine Pulmonalklappe (Valva truncti pulmonalis) mit Gefäßkonduit wurde einem porcinem Herzen entnommen und zur Entfernung von Blutresten mit PBS-Lösung gespült. Zur Azellularisierung erfolgte eine 24stündige Inkubation in einer 0,5% Natriumcholat/0,5% SDS-Lösung bei 20 °C unter Schütteln. Danach wurde das Gewebe für 24 Stunden mit destilliertem Wasser bei 20 °C unter Schütteln inkubiert. Abschließend wurde das Gewebe für 96 Stunden bei 20 °C unter Schütteln in PBS-Lösung gespült. Bei diesem Vorgang wurde die PBS-Lösung alle 12 Stunden gewechselt.

Biomechanische Testungen:

Proben porciner Pulmonalklappenwände (5 Proben pro Untersuchungsgruppe) wurden auf eine Länge und Breite von 15 mm mal 10 mm zugeschnitten und so in speziell dafür konstruierten Klammern gehaltert, dass die unbelastete Referenzlänge des unter seinem eigenen Gewicht hängenden Probestücks 10 mm betrug. Die Querschnittsfläche entlang der so definierten Referenzlänge wurde mit einem kontaktfreien Lasermicrometer (LDM-303H-SP, Takikawa Engineering Co., Tokyo, Japan) bestimmt. Die Proben wurden für eine Testung in Längs- und Querrichtung in Bezug auf die Gefäßrichtung (Arteria Pulmonaris) zugeschnitten und während der Testung mit PBS-Lösung feucht gehalten.

Die Probestücke wurden dann mit 0,01 Newton vorbelastet und nach und nach bis zum makroskopischen Versagen gelängt. Dieser Schritt erfolgte in einer Materialtestungs-Apparatur (Modell 1445, Zwick GmbH, Ulm, Deutschland) bei einer Geschwindigkeit von 0,1 mm Dehnung pro Sekunde. Es wurden für jedes getestete Probestück Kraft-Auslängungs- und Spannungs-Dehnungs-Kurven aufgenommen und die Grenzspannung, strukturelle Steifigkeit, Grenzdehnung des Probestücks (Bruchdehnung) und das Elastizitätsmodul (Young's Modul) bestimmt. Die Struktursteifigkeit und das Elastizitätsmodul wurden im linearen Bereich der Kraft-Auslängungs- bzw. Spannungs-Dehnungs-Kurven bestimmt. Die Grenzspannung und die Reißkraft wurden an dem Punkt genommen, an dem der erste signifikante Abfall der Zugspannung bzw. der Kraft zu erkennen war (Tabelle 1).

Definition der in Tabelle 1 angegebenen Messparameter: Reißkraft FR[N]:

Als Reißkraft bezeichnet man die gemessene Kraft im Augenblick des Reißens. Die Reißkraft wurde an dem Punkt genommen, an dem der erste signifikante Abfall der Kraft zu erkennen war.

Reißfestigkeit &dgr;R[N/mm2]:

Die Reißfestigkeit ist der Quotient aus der im Augenblick des Reißens gemessenen Kraft FR und dem Anfangsquerschnitt A0[N/mm2] [entspricht MPa] &dgr;R = FR/A0[N/mm2][entspricht MPa]

Elastizitätsmodul E[N/mm2]:

Der Elastizitätsmodul (E-Modul) ist ein Maß für die Festigkeit eines Materials. Er gibt an, um wie viel sich ein Stoff unter einer bestimmten Belastung dehnt.

Der E-Modul ist definiert als die Steigung im Graphen der Spannungs-Dehnungs-Kurve innerhalb des Elastizitätsbereichs. Bei linearem Verlauf der Spannungs-Dehnungs-Kurve (Proportionalitätsbereich) gilt: E = &dgr;/&egr; [N/mm2][entspricht MPa]

Dabei bezeichnet &dgr; die (Zug-)Spannung und &egr; die Dehnung.

Die Testergebnisse werden anhand der Abbildungen verdeutlicht. Es zeigen:

mit Trypsin-Lösung (0,05% Trypsin/0,02% EDTA) behandelte Klappe;

mit Natriumdeoxycholat-Lösung/(1%ig) behandelte Klappe;

mit Natriumdeoxycholat und SDS (je 0,5%ige Lösungen) behandelte Klappe

mit SDS-Lösung (1%ig) behandelte Klappe

Spannungs-Dehnungs-Kurven (oben) und Kraft-Auslängungskurven (unten).

Die bis 1d) zeigen rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen mit verschiedenen Azellularisierungslösungen (bei sonst gleichem Verfahren) behandelter porciner Pulmonalklappenbereiche. Gezeigt ist jeweils eine Intraluminaloberfläche mit Transversalschnitt von Wand (im Bild jeweils oben) und Segel (im Bild jeweils unten).

Wie zu erkennen ist, schädigt die Trypsinbehandlung die Basalmembran stark. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren und Natriumdeoxycholat in der Azellularisierungslösung ergeben sich augenscheinlich gute Ergebnisse.

Die biomechanischen Eigenschaften zu diesen Versuchen sind in Tabelle 1 quantifiziert. Typische Spannungs-Dehnungs-Kurven und Kraft-Auslängungskurven sind in gezeigt. Die schraffierten Steigungsdreiecke kennzeichnen die Bereiche, in denen der Elastizitätsmodul und die strukturelle Steifigkeit berechnet werden. Der mit gestrichelten Linien gekennzeichnete Kurvenpunkt kennzeichnet die Grenzspannung, die Grenzdehnung und die Reißkraft.

Es zeigt sich, dass die Steifigkeit in Longitudinal- und Transversalrichtung gegenüber nativen Vergleichsgeweben um nicht mehr als etwa ± 15% verändert ist. Auch das Young-Modul ist gegenüber nativen Vergleichsgeweben nur moderat erhöht. Die biomechanischen Eigenschaften des Verfahrensprodukts können daher als insgesamt gut bezeichnet werden.


Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung eines bioartifiziellen Herzgewebetransplantats, bei welchem in und/oder an einer extrazellulären Matrix anhaftende biologische Zellen von einem Herzgewebepräparat, insbesondere einer Herzklappe oder einem Herzgefäß, in vitro entfernt werden, wobei das Verfahren folgende Schritte in der genannten Reihenfolge aufweist:

a) Bereitstellen des Herzgewebepräparats natürlichen Ursprungs;

b) Entfernen in dem Gewebe befindlicher Zellen von der extrazellulären Matrix mit Hilfe einer Azellularisierungslösung aus einer wässrigen Lösung wenigstens eines starken anionischen Detergenzes, die mindestens Natriumdeoxycholat enthält;

c) osmotisches Behandeln des Gewebes mit destilliertem oder entionisiertem Wasser;

d) Behandeln des Gewebes mit physiologischer Salzlösung.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das bereitgestellte Herzgewebepräparat eine Pulmonalklappe (Valva truncti pulmonalis), eine Aortenklappe (Valva aortae), eine Trikuspidalklappe (Valva atrioventricularis dextra), eine Mitralklappe (Valva atrioventricularis sinistra), ein klappenloses Gefäßstück mit oder ohne Verzweigung oder ein Herzbeutelgewebestück für ein Herzgewebepatch, jeweils allogenen oder xenogenen Ursprungs ist. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Azellularisierungslösung neben Natriumdeoxycholat wenigstens ein weiteres anionisches Detergenz aus der Gruppe bestehend aus Salzen höherer aliphatischer Alkohole, vorzugsweise deren Sulfaten und Phosphaten, sulfonierten Alkanen und sulfonierten Alkylarenen, jeweils mit 7 bis 22 Kohlenstoffatomen in vorzugsweise nicht-verzweigter Kette, enthält. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Azellularisierungslösung neben Natiumdesoxycholat Natriumdodecylsulfat (SDS) enthält, vorzugsweise beide Komponenten in einer Konzentration zwischen 0,05 und 3 Gew.-%, zusammen nicht über 5 Gew.-%, weiter vorzugsweise zwischen 0,3 und 1 Gew.-%, besonders bevorzugt je 0,5 Gew.-%. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren bei Temperaturen zwischen ca. 15 und 30 °C durchgeführt wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass für die Behandlungsschritte a) bis d) das Gewebes in einem Behälter mit oder ohne Einspannvorrichtung für das Gewebepräparat in die entsprechende Behandlungslösung eingelegt und vollständig mit dieser bedeckt wird, wobei der Behälter vorzugsweise während der Behandlungsdauer oder Teilen der Behandlungsdauer geschüttelt oder geschwenkt wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Salzlösung in Schritt d) eine gepufferte Salzlösung, vorzugsweise PBS oder physiologische Kochsalzlösung ist. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Salzlösung in Schritt d) wenigstens 3mal, vorzugsweise wenigstens 6mal erneuert wird, oder dass unter kontinuierlichem Durchlauf der PBS-Lösung gearbeitet wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Salzlösung in Schritt d) Antibiotika und/oder Antimykotika zugesetzt sind.






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