| Dokumentenidentifikation |
DE102005023742A1 23.11.2006 |
| Titel |
Verfahren zur Koordination konkurrierender Prozesse oder zur Steuerung des Transports von mobilen Einheiten innerhalb eines Netzwerkes |
| Anmelder |
Technische Universität Dresden, 01069 Dresden, DE |
| Erfinder |
Helbing, Dirk, Prof. Dr., 01309 Dresden, DE; Lämmer, Stefan, Dipl.-Ing., 01067 Dresden, DE |
| Vertreter |
Dr. Heyner & Dr. Sperling Patentanwälte, 01277 Dresden |
| DE-Anmeldedatum |
17.05.2005 |
| DE-Aktenzeichen |
102005023742 |
| Offenlegungstag |
23.11.2006 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
23.11.2006 |
| IPC-Hauptklasse |
G05B 13/04(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
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| IPC-Nebenklasse |
G08G 1/01(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE
H04L 12/28(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE
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| Zusammenfassung |
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Koordination konkurrierender Prozesse oder zur Steuerung des Transports von mobilen Einheiten innerhalb eines Netzwerkes, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass a die Steuerung des Netzwerkes dezentral und selbstorganisierend in den Steuereinheiten der Knotenpunkte oder lokal begrenzter Subnetzwerke erfolgt, wobei die Steuereinheiten benachbarter Knotenpunkte bzw. Subnetzwerke miteinander zum Datenaustausch in Verbindung stehen, b1 Daten aus Voraussagemodellen der lokalen Prozessabläufe am jeweiligen Knoten und/oder Daten aus Voraussagemodellen der lokalen Prozessabläufe an benachbarten Knoten und/oder b2 Daten von Datenerfassungselementen des jeweiligen Knotens bzw. der mit ihm verbundenen Kanten und/oder Daten von Datenerfassungselementen benachbarter Knoten bzw. der mit ihnen verbundenen Kanten c für die lokale Simulation und Optimierung von Schaltungen der Steuereinheit zur Ermittlung der Leistungsfähigkeit (Performance) der Knoten oder Subnetzwerke unter Berücksichtigung der Pufferkapazität der Kanten auf der Basis von Modellen für Kurzzeitprognosen bei fest angenommenen Schaltzuständen benachbarter Knoten eingesetzt werden, wobei c1 durch Kombination von Schaltungen hoher Priorität für die betroffenen Einzelknoten mehrere Schaltungen hoher Performance für die Subnetzwerke erzeugt werden und c2 ein Test der Steuerungen hoher Performance in den Subnetzwerken erfolgt und anschließend c3 im jeweiligen ...
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| Beschreibung[de] |
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Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung des Transports
von mobilen Einheiten innerhalb eines Netzwerkes, insbesondere zur Steuerung eines
Verkehrsnetzes oder zur Steuerung eines komplexen Produktionsprozesses. Die Erfindung
ist weiterhin anwendbar zur Steuerung von Logistikprozessen und im weiteren Sinne
auch für die Steuerung von Informationsübertragungsprozessen oder die
Koordination von ineinander greifenden Organisations- bzw. Programmabläufen.
Derartige Verfahren werden eingesetzt, um beispielsweise innerhalb
von Verkehrsnetzen einen optimierten Verkehrsfluss der Fahrzeuge und Fußgänger
zu ermöglichen. Adaptive Steuerungsverfahren sind auch zur Steuerung von Produktionsprozessen
oder in der chemischen Prozess- und Verfahrenstechnik im Einsatz. Generell ist jedoch
anzumerken, dass die Abhängigkeit der Dynamik komplexer Systeme mit nichtlinearem
Verhalten von der Netzwerkstruktur bis heute nur unvollständig verstanden wird
und entsprechende Optimierungsverfahren daher heuristischer Natur oder Best-Practice-Ansätze
sind. Dies ist bei großen Systemen auch mit dem überbordenden Rechenaufwand
begründet, der mit einer wachsenden Anzahl von Netzwerkknoten „explodiert".
Die verwendeten Verfahren haben folglich zahlreiche Unzulänglichkeiten. Ein
gängiger Ansatz ist zum Beispiel die ereignisorientierte Simulationstechnik.
Sie neigt jedoch zu „Aktionismus", während eine Minimierung der durchschnittlichen
Wartezeiten im System paradoxerweise oft Zeitverzögerungen erfordert, um konkurrierende
Prozesse besser zu koordinieren. Die Liste der eingesetzten Verfahren und ihrer
jeweils unterschiedlichen Defizite ließe sich beliebig verlängern. Obwohl
viele Verfahren Lösungsansätze für Teilprobleme liefern, fehlt bisher
ein genereller Ansatz zur systematischen Koordination von konkurrierenden (Abfertigungs-)
Prozessen in großen Netzwerken bei unregelmäßiger zeitlicher Variation
von Nachfrage- und Kapazitätsgrößen.
Verfahren zur Verkehrsregelung in Verkehrsnetzwerken sind in verschiedenster
Ausgestaltung im Stand der Technik bekannt. Verwandte Probleme treten auch beim
Routing von Datenströmen in Netzwerken auf, beispielsweise dem Internet. Allerdings
sind die bestehenden Unterschiede erheblich: Während die mobilen Einheiten
in Verkehrsnetzen überwiegend von den Kanten (Straßen) aufgenommen werden,
dort die größten Zeitverzögerungen erfahren und nicht verloren gehen,
werden Daten überwiegend in den Netzwerkknoten (Servern) zwischengespeichert
und verlieren dort Zeit bzw. gehen verloren, wenn die Speicherkapazität erreicht
ist. Weiterhin sind in Datennetzen Umschaltzeiten vernachlässigbar und Nutzungskonflikte
von anderer Art. Daher sind die Verfahren zum adaptiven Datenrouting zur Lichtsignalsteuerung
nicht geeignet.
Die bekanntesten und verbreitetsten Strategien zur Verkehrsregelung
in Verkehrsnetzwerken befassen sich mit der Synchronisation des Verkehrs entlang
von Verkehrsadern mit dem Ziel der Erzeugung von Grünen Wellen, deren Eigenschaft
es ist, dass der Verkehr entlang der Verkehrsader fließt, und dass dadurch
der Kraftstoffverbrauch reduziert und die Reisezeiten verkürzt werden können.
Auf Beispiele für die verschiedenen Realisierungsmöglichkeiten wird nachfolgend
kurz verwiesen.
Nach der DE 44 36 339 A1
ist ein Verfahren zur verkehrsadaptiven Steuerung einer Verkehrsampelanlage bekannt,
wobei Sensoren zur Verkehrserfassung im Kreuzungsbereich zyklisch Daten liefern,
welche in konkrete Steuersequenzen für die Verkehrsampel umgewandelt werden.
Bei dem Verfahren wird neben den für die Verkehrssicherheit erforderlichen
Prinzipien kein vorgefertigtes Modell benötigt. Die Grünphasen werden
in Abhängigkeit von zeitlichen Schwankungen des Verkehrsaufkommens dem Verkehrsstrom
angepasst.
Nach der DE 198 41 457 A1
ist ein Verfahren zur Ermittlung eines verkehrsabhängigen Signalprogrammes
für Signalgruppen von Lichtsignal-Anlagen bekannt, bei dem die Signalfolgen
von Signalgruppen durch Signalprogramme bestimmt werden. Die Signalprogramme werden
unter Berücksichtigung von aktuellen, durch Verkehrsdetektoren ermittelten
Daten an den aktuellen Verkehrsablauf angepasst. Dabei werden Signalprogramme verschiedener
Ordnung erzeugt, die mit einer Qualitätsfunktion bewertet werden und aus deren
Kombination weitere Signalprogramme erzeugt werden. Das als optimal ermittelte Signalprogramm
wird schließlich zur Steuerung der Lichtsignalanlage verwendet.
Nach der DE 196 47 127 A1
ist ein Verfahren zur automatischen Verkehrsüberwachung mit Staudynamikanalyse
bekannt, bei der erfindungsgemäß laufend eine Schätzung der zeitabhängigen
Positionen der stromaufwärtigen Stauflanke und der stromabwärtigen Stauflanke
nach charakteristischen Beziehungen vorgenommen wird, welche den Fluss und die Dichte
des Verkehrs und des Staus, den Zeitpunkt, zu dem die stromaufwärtige Stauflanke
eine jeweils erste Messstelle passiert, den Zeitpunkt, zu dem die stromabwärtige Stauflanke
diese Messstelle passiert, sowie den Fluss und die mittlere Fahrzeuggeschwindigkeit
an dieser ersten sowie an einer stromaufwärts der stromaufwärtigen Stauflanke
gelegenen zweiten Messstelle berücksichtigt.
Die EP 1 057 155 B1
offenbart ein Verfahren zur Verkehrsleitung in einem Straßennetz, wobei auch
die Gefahr einer Blockierung einer stromabwärts liegenden Verbindung bei einer
Zuteilungsbestimmung beurteilt und in einem Zentralrechner verarbeitet wird.
Den Verfahren nach dem Stand der Technik ist der Nachteil zu Eigen,
dass die Steuerkonzepte entweder keine gute Koordination benachbarter Ampeln gewährleisten
oder von zentral gesteuerten Steuereinheiten ausgehen, welche eine Vernetzung der
einzelnen Ampelanlagen mit einem Zentralrechner voraussetzen. Die zentralrechnergestützten
Verkehrsleit- und Regelsysteme sind aufgrund der erforderlichen Datenverbindungsleitungen
kostenaufwändig und leiden tendenziell unter einer Überlastung der Steuer-
oder Entscheidungszentrale. Weiterhin sind die Programme und Steuerroutinen zu wenig
adaptiv, um auf plötzliche und zufällige Änderungen der Verkehrssituation
zu reagieren.
Verallgemeinernd kann gesagt werden, dass die Grüne-Welle-Methode,
die im Voraus berechnete Kontrollschemata enthält, zwanghaft den Verkehrsfluss
in vorberechnete Muster, wie feste Signalfolgen oder Programmabläufe, zu fügen
versucht. Da die Verkehrsbelastung in der Realität jedoch variiert, wurde der
Bedarf an Reaktionsfunktionen der Signalsteuerung bald offensichtlich, was zur Weiterentwicklung
der traditionellen Systeme führte. Allerdings funktionieren die daraus entstandenen
Systeme nur unter idealisierten Bedingungen optimal oder die zugrunde gelegten Näherungsverfahren
wirken sich nachteilig aus.
Neuere Entwicklungen integrieren eine größere Adaptabilität,
wobei die lokale Steuerung auf der Vorhersage des Verkehrsaufkommens eines globalen
Netzwerkes von Verkehrsadern beruht, in die lokale Schnittpunktsteuerungen integriert
werden. Diese im Stand der Wissenschaft bekannten Modelle und Methoden erfordern
große Datensammlungen und einen sehr hohen Prozessaufwand. Dazu erfordert die
globale Koordination ständig Daten, die schwer zu erhalten oder online auszuwerten
sind. Weiterhin impliziert eine globale Optimierung eine große Sensitivität
auf weit entfernte Abläufe, welche die Flexibilität bei der Anpassung
an lokale Abläufe unnötig einschränkt.
Insgesamt ist den Verfahren nach dem Stand der Technik nachteilig
gemeinsam, dass die Systeme nur schwerfällig oder nicht angemessen auf Ausnahmeereignisse,
wie im Falle von Verkehrsnetzwerken auf Unfälle, Baustellen oder andere temporäre
Änderungen im Straßennetz, Ausfälle von Datenleitungen, Steuerungsanlagen
oder Zentralrechnern, natürliche oder industrielle Störfaktoren, Katastrophen
oder auch terroristische Angriffe reagieren.
Aufgabe der Erfindung ist es somit, ein adaptives Verfahren zur Koordination
konkurrierender Prozesse oder zur Steuerung des Transports von mobilen Einheiten
in Netzwerken zur Verfügung zu stellen, welches einen hohen Grad an Flexibilität
bei großer Robustheit gegenüber lokalen Ausfällen oder Störungen
aufweist.
Die Aufgabe der Erfindung wird durch ein Verfahren zur Koordination
von konkurrierenden Abfertigungsprozessen, etwa des Transports von mobilen Einheiten
innerhalb eines Netzwerkes gelöst, welches Knotenpunkte und Kanten aufweist.
Dabei sind die Knotenpunkte mit Steuereinheiten und die Knoten und/oder Kanten mit
Datenerfassungselementen, z. B. Sensoren, zur Erfassung von Daten ausgestattet und
besitzen eine begrenzte Abfertigungskapazität an zu bedienenden Einheiten.
Die die Knotenpunkte verbindenden Kanten haben eine begrenzte Pufferkapazität
an aufnehmbaren Einheiten, wobei an den Knoten mittels der Steuereinheiten ein (Schalt-)
Zustand der Abfertigung von mobilen Einheiten, ein (Schalt-)Zustand der Nicht-Abfertigung
und jeweils zwischen diesen ein Umschaltzustand angenommen wird. Das Verfahren ist
dadurch gekennzeichnet, dass
- a die Steuerung des Netzwerkes dezentral und selbstorganisierend in den Steuereinheiten
der Knotenpunkte oder lokal begrenzter Subnetzwerke erfolgt, wobei die Steuereinheiten
benachbarter Knotenpunkte bzw. Subnetzwerke miteinander zum Datenaustausch in Verbindung
stehen und dass
- b1 Daten aus Voraussagemodellen der lokalen Prozessabläufe am jeweiligen
Knoten und/oder Daten aus Voraussagemodellen der lokalen Prozessabläufe an
benachbarten Knoten und/oder
- b2 Daten von Datenerfassungselementen des jeweiligen Knotens bzw. der mit ihm
verbundenen Kanten und/oder Daten von Datenerfassungselementen benachbarter Knoten
bzw. der mit ihnen verbundenen Kanten
- c für die lokale Simulation und Optimierung von Schaltungen der Steuereinheit
zur Ermittlung der Leistungsfähigkeit (Performance) der Knoten oder Subnetzwerke
unter Berücksichtigung der Pufferkapazität der Kanten auf der Basis von
Modellen für Kurzzeitprognosen bei fest angenommenen Schaltzuständen benachbarter
Knoten eingesetzt werden, wobei
- c1 für die Subnetzwerke mehrere Schaltungen hoher Performance durch Kombination
von Schaltungen hoher Priorität für die betroffenen Einzelknoten erzeugt
werden und
- c2 ein Test der Schaltungen hoher Performance in den Subnetzwerken erfolgt und
anschließend
- c3 die Schaltung mit der besten Performance ausgewählt und die zugehörigen
Steuersignale für die betroffenen Knoten ausgegeben werden.
Das Verfahren ist bevorzugt dadurch gekennzeichnet, dass die in die
lokale Simulation und Optimierung in Verfahrensschritt c einbezogenen Zielfunktionen
benachbarter Knoten in Abhängigkeit ihrer Entfernung zu den Grenzen des Subnetzwerks
gewichtet werden. Vor allem im Randbereich des jeweils optimierten Subsystems werden
die Knoten geringer gewichtet.
Die Wichtung im dezentralen Steuerungsverfahren kann beispielsweise
durch den Ausdruck
erfolgen, der bei der Optimierung der Steuerung maximiert wird. Hierbei steht w
für das Gewicht, das die Abfertigung von Kante i nach j am Knoten n auf die
Optimierung haben soll, und f(t) für eine Ziel- bzw. Bewertungsfunktion. Das
erfindungsgemäße Verfahren weist für die Simulation und Optimierung
in Verfahrensschritt c bevorzugt folgende Eigenschaften auf:
- d1 bei geringer Nachfrage von den mobilen Einheiten erfolgt an den Knoten eine
einzelne Abfertigung der Einheiten ohne Wartezeiten, so dass die Anzahl der abgefertigten
Einheiten proportional zu den durchschnittlich ankommenden Einheiten ist, wobei
- d2 bei hoher Nachfrage mit unvermeidbaren Wartezeiten eine gruppenweise Abfertigung
der Einheiten durch längere Schaltphasen zur Minimierung der Umschaltverluste
erfolgt, wobei
- d3 die Minimierung der Umschaltverluste bei Bedarf mit der priorisierten Abfertigung
von zielnahen mobilen Einheiten kombiniert wird, um diese schnell aus dem Netzwerk
zu entfernen,
- d4 Schaltzeitverluste durch vorzeitiges Umschalten zugunsten einer Synchronisation
von benachbarten Abfertigungsschaltzuständen durch eine prognostizierte höhere
Abfertigungskapazität an benachbarten Knoten überkompensiert werden,
- d5 Pufferkapazität bei hoher Nachfrage in den dem Knoten nachfolgenden
Kanten reserviert wird, wobei die pro Kante zugestandene Pufferkapazität adaptiv
angepasst wird,
- d6 eine Priorisierung, nach der die Einheiten an den Knoten abgefertigt werden,
auf der Grundlage individueller Eigenschaften der Einheiten möglich ist und
dass
- d7 eine Beschränkung der maximalen Dauer der Nichtabfertigung bei extrem
hoher Nachfrage durch Kontingentierung gewährleistet wird.
Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
dass die erforderlichen Modellparameter durch eine Kombination mehrerer alternativer
Simulations- und Messdaten ermittelt werden und dass bei Fehlen oder Unplausibilität
von (Mess-)Daten gemäß Verfahrensschritt b2 die fehlenden bzw. unbrauchbaren
Daten durch ein Prognosemodell geschätzt werden und/oder dass bei Fehlen oder
Unplausibilität von Simulations- oder Messdaten gemäß Verfahrensschritt
b1 nach einer fest vorgegebenen Steuerung (Festzeitsteuerung) gesteuert wird.
Eine weitere Ausgestaltung der Erfindung ergibt sich dadurch, dass
bei hoher Nachfrage mit Wartezeiten an den Knoten parallel zur gruppenweisen Abfertigung
von Einheiten zu passender Zeit eine Einzelabfertigung von Einheiten erfolgt, die
ansonsten zu konfliktbehafteten Abfertigungsströmen gehören.
Soweit erforderlich, übermitteln die Einheiten Daten zu ihren
Zielen an die Steuereinheiten der nächstgelegenen Knoten.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist bevorzugt für die
Steuerung eines Verkehrsnetzes verwendbar, wobei die Knoten des Netzwerkes die Kreuzungen
und die Steuereinheiten die Ampeln und die Kanten die Straßenabschnitte und
die mobilen Einheiten Fahrzeuge und/oder Fußgänger des Verkehrsnetzes
darstellen.
Weiterhin ist das Verfahren verwendbar für die Steuerung von
Produktionsprozessen. In diesem Fall stellen z. B. die Knoten Produktionsmaschinen,
die Steuereinheiten die Maschinensteuerung, die Kanten die Transportwege
und Puffer zwischen den Produktionsmaschinen sowie die mobilen Einheiten die aus
dem Produktionsprozess hervorgehenden Produkte dar. Verschiedene Ziele entsprechen
verschiedenen Produktsorten (Artikeln) und unterschiedliche Routen unterschiedlichen
Produktionsabläufen.
Nach einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung ist das erfindungsgemäße
Verfahren verwendbar für die Steuerung der Logistik eines Gütertransportes,
wobei die Knoten die Umschlagplätze, die Kanten die Transportwege und die mobilen
Einheiten die Transportgüter darstellen.
Bei der Anwendung auf die Koordination von Organisationsabläufen
entsprechen die Einheiten den Vorgängen und die Knoten den Bearbeitern, während
die Kanten die Verwaltungs- oder Beförderungswege der Vorgänge beschreiben.
Die Steuerung entspricht den vorgenommenen Priorisierungsentscheidungen. Entsprechend
lassen sich Programmabläufe behandeln, bei denen die Knoten Programmmodulen
entsprechen, die Verarbeitungsprozesse von Daten vollziehen. Die Weitergabe von
Daten zwischen Programmmodulen definiert die Kanten des Netzwerks aufeinander folgender
Verarbeitungsprozesse. Die Steuerung dient der Koordination und Harmonisierung der
Prozesse im Sinne eines besseren Einsatzes von Verarbeitungskapazitäten und
einer schnelleren Abarbeitung.
Eine mögliche Erweiterung des Anwendungsbereiches des erfindungsgemäßen
Steuerungsverfahrens ergibt sich auf dem Gebiet der Biotechnologie und Medizin.
Letztendlich lässt sich auch die Verteilung von Substanzen oder Wirkstoffen
in Zellen, Geweben oder Organismen als logistischer Vorgang beschreiben. Das vorgeschlagene
Steuerverfahren könnte man daher zur Manipulation dieses Verteilungsprozesses,
etwa zum gezielteren Einsatz von Pharmaka einsetzen.
Ein Verkehrsnetz, welches zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens geeignet ist, weist eine Vielzahl von Kreuzungen, Straßenabschnitten,
Sensoren und Ampelanlagen mit computer- oder prozessorgestützten Steuereinrichtungen
auf und ist weiterhin dadurch gekennzeichnet, dass den Kreuzungen Ampelanlagen und
Kreuzungen oder Straßenabschnitten Sensoren zugeordnet sind, wobei die Steuereinrichtungen
zum Empfang von Daten mit den Sensoren und die Steuereinrichtungen benachbarter
Ampelanlagen zum Austausch von Daten in Verbindung stehen.
Gemäß einer Vorzugsausgestaltung der Erfindung sind die
Datenverbindung zwischen den Sensoren und den Steuereinrichtungen der Ampelanlagen
sowie zwischen den Steuereinrichtungen benachbarter Ampelanlagen drahtlos ausgebildet.
Beispielsweise können die Datenverbindungen als wireless LAN (WLAN), als Bluetooth,
als Infrarotverbindung, als Radarsignal, als Laserlink oder deren Weiterentwicklungen
umgesetzt sein.
Unter einem Netzwerk im Sinne der beschriebenen Erfindung ist eine
Vielzahl von Knoten und Kanten zu verstehen, die miteinander in Verbindung stehen.
Unter einem Knoten wird gemäß dem dargelegtem Hauptanwendungsgebiet der
Erfindung eine Straßenkreuzung verstanden, jedoch ist die Anwendung des erfindungsgemäßen
Prinzips auch auf komplexe Produktions- oder Organisationsprozesse sowie auf Organisationsprozesse
oder Programmabläufe möglich, wobei ein Knoten dort beispielsweise einer
Verarbeitungsmaschine, einem Bearbeiter oder einem Datenverarbeitungsprozess entsprechen
würde.
Eine Kante entspricht in einem Verkehrsnetzwerk einem Straßenabschnitt,
in einem Produktionsprozess einem Transportweg der Produkte von einem Verarbeitungsschritt
zum nächsten oder einem (Zwischen-)Puffer, in einem Organisationsprozess oder
Programmablauf beispielsweise der Weiterleitung bzw. dem Austausch von Daten.
Die Abfertigungskapazität eines Knotens entspricht seinem maximalen
Durchsatz, wohingegen die Pufferkapazität einer Kante ihrer maximalen Aufnahmekapazität
für Einheiten, d. h. der maximalen Warteschlange, entspricht. Weiterhin entspricht
die Abfertigungsdauer der Zeitspanne, bis eine in Abfertigung befindliche Einheit
den Knoten verlassen hat, also der Zeitspanne, welche zwischen dem Verlassen der
vorhergehenden Kante durch eine Einheit und dem Erreichen der nachfolgenden Kante
des Knotens verstreicht.
Unter einer Priorisierung wird ein optimiertes Abfertigungsschema
verstanden, da es beim zeitnahen Eintreffen von Einheiten an einem Knoten zu einer
Überschreitung der Abfertigungskapazität oder Abfertigungskonflikten an
dem Knoten kommt und eine Priorisierung der abzufertigenden Einheiten gegenüber
anderen Einheiten vorgenommen werden muss, um ein optimales Abfertigungsergebnis
zu erreichen.
Eine Steuereinheit stellt ein Systemelement dar, das Priorisierungsentscheidungen
für die Reihenfolge und/oder Parallelität von Bedienungs-
bzw. Abfertigungsprozessen umsetzt. Eine Steuereinheit ist jeweils einem Knoten
zugeordnet und nach dem Hauptanwendungsgebiet der Erfindung zum Beispiel als Ampelanlage
ausgebildet.
Der Schaltzustand der Abfertigung von mobilen Einheiten am Knoten
entspricht beim Verkehrsnetzwerk einer grün geschalteten Ampel und der Schaltzustand
der Nicht-Abfertigung einer roten Ampel. Zwischen diesen Schaltzuständen ist
ein Umschaltzustand vorgesehen, welcher einer gelb geschalteten Ampel entspricht.
Es wurde gefunden, dass ein erwünschtes Maß an Flexibilität
durch die Unabhängigkeit der lokalen Steuerung von zentralen Steuer- oder Regelkontrollzentren
ermöglicht wird. Um die gestellte Aufgabe zu lösen, wird konzeptionsgemäß
ein autonomes, adaptives Steuerungsverfahren basierend auf einer bedarfssensitiven
Selbstorganisation von Knotenpunkten vorgeschlagen, welches zu einem angemessenen
Abfertigungsbetrieb führt und darüber hinaus sinnvollerweise Synchronisationsmuster,
wie im Falle von Verkehrsnetzwerken eine Grüne Welle, selbständig erzeugt.
Besonders vorteilhaft schlägt sich dabei nieder, dass das erfindungsgemäße
Verfahren nicht nur die mit einem Verkehrsstrom mobiler Einheiten verbundene nachgefragte
Kapazität berücksichtigt, sondern darüber hinaus auch die verfügbare
bzw. angebotene Kapazität der folgenden Netzwerkkanten.
Die verallgemeinerungsfähige Konzeption wird nachfolgend am Beispiel
eines Verfahrens zur Steuerung eines Verkehrsnetzwerkes erläutert. Nach der
Konzeption der Erfindung wird ein Prinzip zur Realisierung einer selbstorganisierten
Steuerung von Knoten durch einen geeigneten Koordinationsmechanismus vorgeschlagen.
Das Konzept wird in 1 veranschaulicht.
1) Das aus Kanten (Richtungsfahrbahnen, Straßenabschnitten) und
sie verbindenden Knoten (Verbindungsstücken, Kreuzungen) bestehende (Straßen-)Netzwerk
wird zunächst in so genannte Kernbereiche n unterteilt. Diese können beispielsweise
einzelnen Knoten entsprechen, aber auch den Knoten, die sich innerhalb eines quadratischen,
sechseckigen oder anders definierten, zusammenhängenden Subsystems befinden.
2 illustriert beispielhaft quadratisch gewählte
Subsysteme (dicke Linien).
2) Zu jedem Kernbereich wird ein zugehöriger Randbereich bestimmt,
der in 2 mit den dünnen durchgezogene Linien umrahmt
ist. Er ist dadurch definiert, dass die in ihm befindlichen Einheiten (Fahrzeuge
oder andere Verkehrsteilnehmer) innerhalb eines vorzugebenden Optimierungszeithorizonts
T' den Kernbereich erreichen oder beeinflussen können bzw. dadurch, wie weit
im Kernbereich befindliche Einheiten innerhalb dieser Zeit gelangen können.
Der Kernbereich und sein Randbereich zusammen definieren ein Subnetzwerk, in dem
die lokale Optimierung der (Lichtsignal-)Steuerung stattfindet. Besteht der Kernbereich
aus einem einzigen Knoten, genügt es im Prinzip, sich auf das Subnetzwerk zu
beschränken, in dem Fahrzeuge von der Ampelschaltung am Knoten n betroffen
sein können und die Ampelschaltung somit beeinflussen können sollten.
Daher erfolgt eine Beschränkung auf den Radius, der von Fahrzeugen während
der maximalen Grünzeit T' durchmessen werden kann. Dieser Radius entspricht
etwa einem Viertel bis zur Hälfte der maximalen, gesetzlich vorgeschriebenen
Zykluszeit T. In dieser Zeit beeinflussen nur jene Fahrzeuge das für eine Lichtsignalanlage
maßgebliche Geschehen, die sich in einem Radius V0T' um die Lichtsignalanlage
befinden, wobei V0 die maximale, gesetzlich vorgeschriebene Geschwindigkeit
ist. De facto kann man sich sogar auf den Radius T' beschränken, wobei ≈
V0/3 die mittlere Geschwindigkeit im behinderten Verkehr repräsentiert.
Man beachte, dass bei geringem Verkehrsaufkommen mit hohen mittleren Geschwindigkeiten
die optimalen Grünzeiten kurz sind, um die Wartezeiten der Fahrzeuge zu verkürzen.
Für den Stadtverkehr ist es somit sinnvoll, einen Radius von etwa 300 bis 500
Metern bei der lokalen (dezentralen) Lichtsignaloptimierung zu berücksichtigen.
Größere Radien können zu etwas besseren Ergebnissen führen,
geringere Radien zu deutlich schlechteren Ergebnissen. Wegen der abnehmenden Vorhersagegenauigkeit
einer Verkehrsprognose über längere Zeiträume macht es jedoch wenig
Sinn, T' und damit den Radius viel größer als angegeben zu wählen.
Infolgedessen kann eine dezentrale Steuerung nahe an das Systemoptimum gelangen;
bei wesentlich größerer Flexibilität.
3) Bei der Lichtsignaloptimierung handelt es sich um ein kombinatorisches
so genanntes NP-hartes Optimierungsproblem, bei dem die erforderliche Rechenzeit
mehr als polynomial mit der Systemgröße bzw. der Anzahl der Knoten wächst,
so dass selbst Supercomputer überfordert sein können, die optimale Lösung
in Echtzeit zu bestimmen. Die Optimierung in Subnetzwerken reduziert die Anzahl
möglicher Lösungen und damit die Rechenzeit erheblich.
Eine derartige dezentrale Optimierung kann dann und nur dann gute Gesamtlösungen
liefern, wenn das Optimierungsverfahren die Steuerungen von benachbarten, d. h.
über Kanten verbundene Bereiche koordiniert und aufeinander abstimmt, was durch
die Erfindung erreicht wird. Hierbei müssen genügend und außerdem
geeignete Parameter variiert werden, was man unter anderem durch Wahl der Größe
der Subsysteme und des Optimierungszeithorizonts, aber auch durch die Optimierungstiefe,
d. h. die Anzahl verglichener Alternativlösungen erreichen kann.
Ein solcher dezentraler Optimierungsansatz kann deshalb sehr gute
Lösungen liefern, weil zwar in der Regel nur eine einzige optimale Lösung
(Steuerung) existiert, aber die Anzahl nahezu optimaler Lösungen schon mit
geringem Abstand zur optimalen Lösung schnell zunimmt. Die Optimierungsstrategie
ist daher, bei drastisch gesteigerter numerischer Performance nahezu systemoptimale
Lösungen durch dezentrale, aber koordinierte Optimierung zu erreichen. Unter
den nahezu systemoptimalen Lösungen werden solche ausgewählt, die gleichzeitig
den lokalen Gegebenheiten am besten gerecht werden. Hierdurch erreicht die vorgeschlagene
Erfindung eine geringere Sensitivität gegenüber weit entfernten Abläufen
zugunsten einer größeren Adaptivität und Flexibilität gegenüber
dem lokalen Geschehen.
4) Die Optimierung der Steuerung in den Kernbereichen findet in bestimmten
Zeitschritten statt, beispielsweise in Zeitschritten, die vergleichbar mit der Umschaltzeit
&tgr; sind.
5) Bei der Optimierung im Inneren eines Kernbereichs wird die während
des Planungshorizonts T' vorgesehene Steuerung im zugehörigen Randbereich normalerweise
nicht geändert. Festzeitschaltungen oder anderweitig vorgegebene Steuerungen
an einzelnen Knoten werden bei der Optimierung als zeitabhängige, aber nicht
veränderbare Randbedingung berücksichtigt.
6) Alle Knoten, im Bedarfsfall sogar die einzelnen Abfertigungseinheiten
(Lichtsignalanlagen), bekommen vom Subsystem n abhängige Gewichte w zugewiesen,
deren Größe in 2 durch die Länge der
vertikalen Balken an den Knoten der gestrichelt dargestellten Straßen illustriert
ist. Erfindungsgemäß spielt die Wahl der Gewichte eine entscheidende Rolle
für die Performance bzw. Güte der Lösung im Gesamtsystem und allen
Kernbereichen. Als Beispiel nehmen wir im Folgenden an, dass die Gewichte im Inneren
des Kernbereichs gleich 1 und außerhalb des jeweils dezentral optimierten Kern-
und Rand-Bereichs gleich 0 gesetzt werden. Letzteres macht das Optimierungsverfahren
erheblich effizienter. Zur weiteren Erläuterung diskutieren wir nun drei beispielhafte
Spezifikationen der Gewichte im Randbereich eines Kernbereichs:
- a) Werden die Gewichte im Randbereich gleich 0 gesetzt, dann gibt es bei der
Optimierung keine Rücksichtnahme auf benachbarte Kernbereiche. Eine Koordination
zwischen Nachbarbereichen ist damit unwahrscheinlich und die erwartete Lösung
fernab vom Systemoptimum. Diese Optimierung könnte man als „egoistische
lokale Kontrolle" bezeichnen und mit „Kleinstaaterei" vergleichen.
- b) Die Gewichte im Randbereich werden wie innerhalb des jeweils betrachteten
Kernbereichs (gleich 1) gewählt, so wie dies bei konventionellen Parallelisierungsalgorithmen
mit der Halomethode geschieht, wobei der Halo dem Randbereich entspricht: Für
diesen Fall wird eine große Sensitivität gegenüber weit entfernten
Geschehnissen erwartet, welche die Flexibilität der Reaktion auf lokale Ereignisse
einschränkt. Darüber hinaus kann es geschehen, dass sich die Optimierung
an eine Steuerung im Randbereich adaptiert, die unter Umständen bereits im
nächsten Zeitschritt revidiert wird, was eine wirksame Koordination untergräbt.
Derartige Probleme treten oft dann auf, wenn sich mehrere Prozesse auf der gleichen
Zeitskala aneinander anzupassen versuchen.
- c) Wir schlagen daher vor, die Gewichte im Randbereich so zu wählen, dass
sie in geeigneter Weise mit wachsendem Abstand vom jeweiligen Kernbereich auf 0
abfallen, also umso kleiner sind, je länger Einheiten benötigen, um in
den Kernbereich zu gelangen. Dies führt zur Rücksichtnahme auf benachbarte
Kernbereiche. Das heißt, suboptimale Lösungen (wie zusätzliche Wartezeiten)
werden unter Umständen dann in Kauf genommen, wenn sie in den Randbereichen
überkompensiert werden. Dieser Optimierungsansatz fördert die Koordination
zwischen Nachbarbereichen und synchronisierte Steuerungen. Er kann als „altruistische
dezentrale Steuerung" bezeichnet werden und führt erfindungsgemäß
zu nahezu systemoptimalen Zuständen. Weit entfernte Geschehnisse haben dabei
einen geringen Einfluss auf das lokale Geschehen, während die lokale Situation
und die Situation in Nachbarbereichen berücksichtigt wird. Ein weiterer Vorteil
ist, dass im Unterschied zu Variante b) eine leichte Verschiebung der Kernbereiche
überwiegend zu ähnlichen Lösungen führt. Die Spezifikation der
Kernbereiche wirkt sich also nicht so willkürlich wie bei der Vorgehensweise
b) aus. Aus ähnlichen Gründen wird die Revidierungsproblematik des Verfahrens
b) reduziert.
7) Die lokale (dezentrale) Optimierung in den Kernbereichen erfolgt
sinnvollerweise anhand eines datenbankgestützten Verfahrens. In der Datenbank
sind (optional) eine Festzeitsteuerung sowie eine bestimmte Anzahl B der besten
bisherigen Lichtsignalsteuerungen hinterlegt, und zwar in einer Vorzugsausführung
in Abhängigkeit von Parametern, welche die Situation im jeweiligen
Subnetzwerk charakterisieren, wie etwa dem Verkehrsaufkommen im Kern- oder Randbereich
oder dem mittleren Füllgrad
der Streckenabschnitte. Derartige Parameter können verfahrensbegleitend erhoben
werden, beispielsweise durch exponentielle oder gleitende Mittelung von Simulations-
oder Messwerten, durch in der Datenbank hinterlegte Erfahrungswerte über die
Verkehrssituation an vergleichbaren Tagen oder als (Fit-)Funktion bestimmter Simulations-
oder Messwerte.
Diese in der Datenbank hinterlegten Steuerungen stellen den Ausgangspunkt
der Erzeugung alternativer Steuerungen durch Variation einzelner Steuerungsparameter
dar. Fällt ihre Bewertung besser aus als die Bt-beste in der Datenbank hinterlegte
Steuerung aus, so ersetzt sie diese, vorausgesetzt die Lösung ist vorschriftsgemäß
oder technisch möglich. Andernfalls wird sie verworfen.
Mit einer solchen Verfahrensweise wird allmählich ein Lerneffekt
erzielt, d. h. die vorgehaltene Ausgangsmenge guter Lösungen wird immer besser
und stabilisiert sich schließlich, so dass sich eine gewisse Regelmäßigkeit
in der Steuerung des Systems einstellt. Diese ist erwünscht, damit sich Fahrer
in ihrem Routenwahlverhalten auf die Steuerung einstellen können. Weiterhin
hat die Variation der besten Steuerungsvarianten den Vorteil, dass man bei der Optimierung
nicht jedes Mal von vorne anfängt (wie etwa bei enumerativen Verfahren), sondern
die knappe Optimierungszeit wesentlich besser nutzen kann, was die Optimierung größerer
Kernbereiche und somit die Gewinnung besserer Lösungen erlaubt.
In der beschriebenen Weise lernt das Steuerungsverfahren immer bessere
Steuerungsvarianten, die von der Netzwerktopologie und von den Zustandsvariablen
des Systems abhängen, aber in jedem Zeitpunkt flexibel auf die jeweilige Verkehrslage
vor Ort reagiert.
8) Gestartet wird bei der Optimierung mit einer geeigneten Festzeitsteuerung,
welche die Rückfallebene ist (falls Sensoren ausfallen). In jedem Zeittakt
werden aber neue Varianten durchprobiert. Bei der Variation der Steuerung werden
für die nicht mit einem festen Programm gesteuerten Knoten des Kernbereichs
beispielsweise folgende Steuerungsparameter variiert: Umschaltzeitpunkt, nächste
bediente Signalgruppe, etc., auf einer langsameren Zeitskala eventuell auch Parameter
wie der Planungs- bzw. Optimierungszeithorizont usw.
Zur numerischen Effizienzsteigerung der Optimierung werden erfindungsgemäß
Varianten, die besonders aussichtsreich sind, zuerst erzeugt und getestet, da die
Anzahl der in jedem Zeitschritt testbaren Varianten durch die Rechenleistung beschränkt
ist. Dies gilt beispielsweise a) für die Auswahl der Signalgruppen, b) für
die Variation der Grünzeiten und c) für die Variation der Umschaltzeitpunkte:
- a) Zunächst werden zur Reduktion der Komplexität die Kombinationen
der Grünphasen an allen benachbarten Ampeln einer Kreuzung auf die kompatiblen,
das heißt konflikt- bzw. garantiert unfallfreien Grünschaltungen eingeschränkt.
Die Zahl der Grünphasen bzw. Schaltkombinationen lässt sich deutlich reduzieren,
wenn man lediglich diejenigen betrachtet, bei denen nur kompatible Flüsse gemeinsam
abgefertigt werden, d. h. grün zugewiesen bekommen. Flüsse sind kompatibel,
wenn sich ihre Fahrlinien nicht kreuzen. Diese "sicheren" Kombinationen dürfen
jedoch nicht mit den herkömmlichen Ampelphasen verwechselt werden, wo kompatible
Flüsse zwangsweise gemeinsam bedient werden. Hier ist es beispielsweise auch
möglich, nur einer einzigen rechts abbiegenden Spur grün zu geben, während
alle anderen Ampeln rot zeigen. Dies ist dann sinnvoll, wenn Streckenkapazitäten
für andere Verkehrsströme dringender erforderlich sind und somit besser
freigehalten (reserviert) werden. Auch der Zustand "alle Ampeln rot" ist sicher
und damit erlaubt. Er kann sinnvoll sein, um ein schnelleres Freischalten für
eintreffende Einzelfahrzeuge zu ermöglichen. Die Menge aller sicheren (kompatiblen)
Schaltkombinationen findet man, indem man aus der Liste aller möglichen Kombinationen
diejenigen eliminiert, bei denen inkompatible Flüsse gemeinsam grün haben.
- b) Weiterhin kann ein guter Startwert für die Grünzeitdauer nach einem
Nachfrage- und Angebotsprinzip festgelegt werden:
Hierzu wird für einen einzelnen Knoten ein Optimierungs-Prinzip herangezogen,
welches ermittelt, wie viele Fahrzeuge in einer bestimmten Grünzeit abgefertigt
werden könnten. Dabei werden Wechselwirkungseffekte zwischen benachbarten Knoten
zunächst vernachlässigt. Jedoch wird der verfügbare Platz in den
Anschluss-Straßen durch zeitabhängige Spezifikation der Funktion Q(t')
berücksichtigt (s. Punkt 9). Die Anzahl N'i(t) der Fahrzeuge, die
den Straßenabschnitt vom gegenwärtigen Zeitpunkt t0 bis zum
Zeitpunkt t verlassen, lässt sich abschätzen als
wobei Ii die Anzahl der Spuren ist, die in die gleiche Richtung führen,
und Q(t') der den Straßenabschnitt i zum Zeitpunkt t' verlassende Fahrzeugfluss.
Q(t') ist gleich 0, wenn in einem der stromabwärtigen Straßenabschnitte
keine Kapazität verfügbar ist.
Im Vergleich dazu lässt sich die Anzahl Ni(t) der
Fahrzeuge, die den Straßenabschnitt vom gegenwärtigen Zeitpunkt t0
bis zum Zeitpunkt t verlassen, wenn zum Zeitpunkt t0 auf gelb und zum
Zeitpunkt t0 + &tgr; auf grün geschaltet würde, abschätzen
als
wobei &tgr; die Schaltzeit bezeichnet. Die Formel
reflektiert den Schaltzeitverlust, d. h. die Anzahl der Fahrzeuge, die durch das
Umschalten zwischen dem Abfertigen verschiedener Richtungen (die Gelbzeit/Verlustzeit
&tgr;) weniger abgefertigt würden.
Es werden nun die Prognosewerte für die bis zum Zeitpunkt t abfertigbaren
Fahrzeugzahlen über alle gleichzeitig abfertigbaren Verkehrsströme i ∊
I, d. h. alle kompatiblen Grünphasen, summiert:
usw. Für eine einzelne Kreuzung ist dann Folgendes festzustellen: Wenn die
Signalgruppe J (d. h. die entsprechende Kombination kompatibler Grünzeiten)
zum gegenwärtigen Zeitpunkt t0 auf grün geschaltet würde,
so würde sie bis zum Zeitpunkt t die größtmögliche Anzahl von
Fahrzeugen abfertigen, wenn der Ausdruck
NJ(t) – N'I(t) = NJ(t) – NI(t)
– &Dgr;NI(t0)(5)
unter allen möglichen Signalgruppen J den maximalen Wert annimmt. Solange der
Ausdruck negativ ist, ist es am besten, die aktuell aktive (d. h. freigeschaltete)
Signalgruppe weiterzubetreiben. Zum Umschalten von der Bedienung von Signalgruppe
I auf Signalgruppe J muss also der Wert NJ(t) mindestens um den Schwellwert
&Dgr;NI(t0) besser ausfallen als der Wert NI(t),
um die Umschaltverluste auszugleichen. Die Umschaltverluste &Dgr;NI(t0)
müssen daher überkompensiert werden, und die Signalgruppe muss überdies
die meisten Fahrzeuge bis zum Zeitpunkt t abfertigen können.
Zur Koordination mit benachbarten Kreuzungen ist es unter Umständen
sinnvoll, auch zweit- und drittbeste Lösungen mit zu berücksichtigen.
Dies begründet sich auch dadurch, dass derzeit noch die Wahl des Zeithorizonts
&Dgr;t = t – t0 offen ist, von dem die beste Wahl der Signalgruppe
abhängen kann.
Es werden daher die Abfertigungsraten von Fahrzeugen pro Zeiteinheit
bestimmt, d. h. die Durchsätze
Demgegenüber steht der Wert
für eine Fortsetzung der laufenden Grünphasen. Durch den Zusatzterm &Dgr;Ni(t0)/(t
– t0) gibt es immer eine gewisse Tendenz zur Fortsetzung laufender
Grünphasen, die aber nicht bedingungslos ist, sondern Umschaltverluste genau
abwägt.
Die für verschiedene Signalgruppen J und Zeitpunkte t resultierenden
Werte QJ(t) und Q'I(t) können in eine Rangfolge gebracht
werden. Sie bestimmt die Präferenz für die Wahl verschiedener Signalgruppen,
d. h. ihre Priorität aus Sicht eines einzelnen Knotens. Berücksichtigt
werden beispielsweise alle Signalgruppen, deren Wert Q'I(t)
bzw. QJ(t) zu einem der Zeitpunkte t um nicht mehr als einen bestimmten
Prozentsatz &egr; unter der besten Lösung liegt. Es kann nämlich vernünftig
sein, eine Signalgruppe mit hoher, aber nicht höchster Priorität zu wählen,
wenn dadurch eine Koordination mit Ampelschaltungen an benachbarten Knoten erreicht
werden kann. Dadurch wird die Synchronisation zwischen benachbarten Knoten erleichtert.
Daher werden für eine Grünschaltung alle Signalgruppen hoher Priorität
in Betracht gezogen. Sehr niedrige Werte von Q'i(t) = N'i(t)/(t
– t0) geben dagegen Anlass, die Bedienung des Straßenabschnitts
i abzubrechen, d. h. die entsprechende Ampel rot zu schalten.
Die Erfindung ist nicht beschränkt auf das hier ausgeführte
Ausführungsbeispiel zur Identifikation besonders aussichtreicher Steuerungen
von Einzelknoten.
- c) Nur dann, wenn eine kleine Verzögerung eines Umschaltzeitpunkts zu einer
Verbesserung geführt hat, wird eine weitere Verzögerung getestet. Eine
Variation des Endes der Grünzeitdauer beginnt sinnvollerweise mit der mittleren,
verkehrszustandabhängigen Grünzeitdauer in der Vergangenheit.
9) Zu gegebenen Randbedingungen und angenommenen Steuerungen wird
die Verkehrsdynamik im Subsystem anhand eines geeigneten Verkehrsmodells unter Berücksichtigung
der Abzweigewahrscheinlichkeiten der Fahrzeuge ermittelt, für deren Bestimmung
Sensormessungen oder gängige Schätzmodelle herangezogen werden können.
Wenn das Verkehrsaufkommen in den Randbereichen und Beziehungen für die Abzweigewahrscheinlichkeiten
&agr;ij(t) bekannt sind bzw. geeignet vorausgesetzt werden, lassen
sich die Verkehrsströme im Netz über kurze Zeiträume für jede
beliebige Kombination und Schaltfolge von Lichtsignalen prognostizieren. Hierzu
wurden in der Vergangenheit verschiedene Modelle entwickelt wie Fahrzeugfolgemodelle,
zelluläre Automaten, fluiddynamische Verkehrsmodelle usw.
Beispielsweise kann man den zeitabhängigen Verkehrsfluss in Netzwerken
mit folgenden Formeln (oder mit Formeln ähnlichen Inhalts oder ähnlicher
Wirkung) näherungsweise beschreiben: Zunächst unterteilt man das Netzwerk
in homogene Straßenabschnitte (Richtungsfahrbahnen) i mit einer konstanten
Spurzahl Ii. Der Verkehrsfluss zum Zeitpunkt t einfahrender Fahrzeuge
sei durch Q(t) bezeichnet und der Verkehrsfluss der den Streckenabschnitt verlassenden
Fahrzeuge durch Q(t). Die Abzweigewahrscheinlichkeit (relative Abzweigehäufigkeit)
zum Zeitpunkt t von Straßenabschnitt i in einen benachbarten Abschnitt j sei
&agr;ij(t) ≥ 0. Dann gilt wegen der Erhaltung der Fahrzeugzahl:
Durch eine einfache Verallgemeinerung ist auch die Unterscheidung
von Fahrzeugen mit verschiedenen Zielend möglich.
Der tatsächliche Zufluss Q(t) ist durch die maximal verfügbare
bzw. angebotene Kapazität Q(t) begrenzt (das "Angebot"), der tatsächliche
Abfluss Q(t) durch die maximal nachgefragte Kapazität Q(t) (die "Nachfrage").
Realisiert wird an einem Knoten bestenfalls das Minimum von "Angebot" und "Nachfrage",
d. h.
für alle j. Daraus kann man zusammen mit
0 ≤ Qarrj(t) ≤ Qarr,potj(t),
0 ≤ Qdepi(t) ≤ Qdep,poti(t)
und Gleichung (8) geeignete Werte Q(t) bestimmen, z. B. durch Lösung eines
Gleichungssystems. Dabei ermittelt man die angebotene Kapazität pro Spur nach
der Formel:
wobei sich die am weitesten vom stromabwärtigen Ende des Straßenabschnitts
i entfernt stehenden Fahrzeuge am Ort li(t) befinden. Wenn auf dem Abschnitt
i keine Fahrzeuge stehen, also freier Verkehr herrscht (li(t) = 0), dann
ist der Ausfluss aus dem Streckenabschnitt i pro Spur durch den Zufluss Q von Fahrzeugen
zum Zeitpunkt t – Li/V gegeben. Hierbei bezeichnet Li
die Länge und V die zulässige Höchstgeschwindigkeit sowie Li/V
die freie (unbehinderte) Fahrtzeit auf Streckenabschnitt i. Falls es eine Warteschlange
im Streckenabschnitt i gibt (li(t) > 0), bestimmt
der maximale Ausfluss Q aus dem Stau pro Spur den Verkehrsfluss von Fahrzeugen,
die den Straßenabschnitt i verlassen. Für die angebotene Kapazität
pro Spur gilt:
Demzufolge ist der potenzielle Zufluss gleich null, wenn die Ampel
von Streckenabschnitt i zum Streckenabschnitt j nicht freigeschaltet ist (&ggr;ij(t)
= 0). Bei Freischaltung/grüner Ampel (&ggr;ij(t) = 1) kann ein
maximaler Verkehrsfluss Q vom Streckenabschnitt j aufgenommen werden, wenn sich
der Stau nicht bis zum Ende der Strecke ausdehnt (lj(t) < Lj).
Wenn jedoch lj(t) = Lj ist, wird der maximale Zufluss durch
den Abfluss Q aus dem Streckenstück j zur Zeit t – Lj/|c|
bestimmt, wobei c ≈ –15 km/h die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Störungen
im behinderten Verkehr ist.
Die zeitliche Entwicklung der Lage des Stauendes kann mit folgender
Formel berechnet werden:
Dabei ist li(t) ≤ Li die Entfernung zum
stromabwärtigen Ende des Straßenabschnitts i, V die zulässige Höchstgeschwindigkeit,
&tgr;' = 1.8 s die sichere Folgezeit und &rgr;jam die Fahrzeugdichte
pro Spur im gestauten Verkehr (z. B. vor einer roten Ampel).
Statt der oben genannten (Nährungs-)Formeln können auch
Formeln ähnlichen Inhalts oder ähnlicher Wirkung verwendet werden. Schließlich
ist die maximale Aufnahmekapazität des Streckenstücks i für Fahrzeuge
bestimmt durch die Spurzahl Ii und die Länge Li eines
Straßenabschnitts i. Sie wird berechnet durch die Formel
IiLi&rgr;jam.(13)
10) Soweit zur Berechnung der zeitabhängigen Verkehrsströme
in Abhängigkeit von den Ampelschaltungen, die durch die zeitabhängigen
Werte von &ggr;ij(t) gegeben sind. Wir kommen nun zur Spezifikation
des Bewertungs- und Auswahlverfahrens leistungsfähiger Lichtsignalsteuerungen
im Rahmen des vorgeschlagenen lokalen Optimierungsansatzes, d. h. im Rahmen des
dezentralen Steuerungsverfahrens.
Ist das Steuerungsziel die Optimierung des Durchsatzes der Fahrzeuge,
die zwischen dem Zeitpunkt t0 und t0 + T' von Lichtsignalanlagen
abgefertigt werden, dann maximiert man beispielsweise den Ausdruck:
wobei sich die Summe über alle durch Lichtsignalanlagen abgefertigten Wechsel
von einem Streckenabschnitt i in einen Streckenabschnitt j erstreckt. Wenn der Streckenabschnitt
i nicht in den Streckenabschnitt j führt, gilt &agr;ij = 0.
Statt einer globalen, d. h. systemweiten Optimierung, die rechentechnisch
nicht zu bewältigen ist, wird erfindungsgemäß mit dem dezentralen
Steuerungsverfahren die Maximierung des Performancemaßes
im Subnetzwerk n verfolgt. Dabei bezeichnet w ≥ 0 das Gewicht, wie stark
die Ampelsteuerung für den Wechsel von Streckenabschnitt i in den Streckenabschnitt
j bewertet wird (s. Punkt 6). Wählt man w abfallend, wie dies unter Punkt 6c)
ausgeführt und in 2 symbolisch dargestellt ist,
so wird Rücksicht auf den Durchsatz an benachbarten Knoten genommen, und es
kann in der Nachbarschaft eine Durchsatz-steigernde Kooperation entstehen. Das Performancemaß
(15) lässt sich auf beliebige Optimierungskriterien verallgemeinern:
Hierbei bezeichnet f(t) eine beliebige Bewertungs- bzw. Zielfunktion
von Simulations- oder Messgrößen der Kanten i und j
oder des sie verbindenden Knotens zum Zeitpunkt t. Berücksichtigt werden können
beispielsweise
- a) die Anzahl der wartenden Einheiten (Warteschlangenlänge),
- b) die Bedien- und/oder Wartezeiten,
- c) die Anzahl der eintreffenden Einheiten,
- d) die Anzahl der abgefertigten Einheiten,
- e) die potenzielle Abfertigungskapazität,
- f) die Pufferkapazität,
- g) die Priorität der Einheiten (z. B. Rettungsfahrzeuge, ÖPNV),
- h) eine bevorzugte Abfertigungsmenge,
- i) der Energieverbrauch oder die Kosten der Abfertigung,
- k) die Nähe zum Ziel.
Zur priorisierten Entfernung zielnaher Fahrzeuge aus dem System (siehe
Punkt k) können beispielsweise zielnahe Fahrzeuge stärker gewichtet werden
(sofern der Lichtsignalsteuerung entsprechende Informationen zur Verfügung
gestellt werden, z. B. durch Informationsaustausch mit Zielführungssystemen
von Fahrzeugen). Zu diesem Zweck könnte Formel (2) ersetzt werden durch:
Dabei meint die mittlere Fahrtstrecke der Fahrzeuge im Streckenabschnitt
i zu ihrem Ziel und Dd die Fahrtstrecke der Fahrzeuge in Streckenabschnitt
i mit dem Ziel d. Q(t) ist der Fahrzeugfluss von Fahrzeugen mit Ziel d, die den
Streckenabschnitt i zum Zeitpunkt t verlassen. Alternativ zur mittleren Fahrtstrecke
kann auch die erwartete Fahrtzeit gewählt werden. Es kommen aber auch andere
Formeln mit vergleichbarer Wirkung in Frage.
11) Das vorgeschlagene Steuerungsverfahren sieht vor, viele Größen
auf mehrere Weisen zu berechnen, um eine zuverlässigere Gesamtschätzung
zu erreichen. Beispielsweise können die Abzweigewahrscheinlichkeiten aus benachbarten
Sensordaten (den relativen Abzweigehäufigkeiten), aus Verkehrssimulationen
und aus Routenwahlmodellen auf der Basis von Daten über die Ziele der Fahrer
ermittelt werden. Weiterhin wird vorgeschlagen, bei der Schätzung der Abfertigungszeiten
einer Einheit an nahe gelegenen Kanten Messwerte und/oder Kurzzeitprognosen, an
entfernten Kanten dagegen historische Messwerte für vergleichbare Situationen
stärker zu gewichten.
Zur redundanten Gesamtschätzung einer Größe x werden
die einzelnen Simulations- oder Messwerte xk verschiedener Verfahren
k mit ihrer Zuverlässigkeit zk (z.B. dem Inversen der Standardabweichung)
gewichtet:
Die Nichtverfügbarkeit einer dieser Datenquellen gefährdet
die Funktionsfähigkeit der Steuerung nicht, was sie robust gegenüber Störungen
macht. Fällt beispielsweise die n-te Messung oder Datenquelle aus, erfolgt
die Bestimmung über:
entsprechend der Zuverlässigkeit zn = 0 des n-ten Werts.
12) Die Beschränkung der maximalen Grün- und Zykluszeit
bei extrem hohem Verkehrsaufkommen erfolgt erforderlichenfalls durch Kontingentierung.
Im Prinzip wird hierzu die Grünzeit künstlich beendet, wenn sie einen
bestimmten Bruchteil u einer maximalen Zykluszeit T innerhalb eines Zeitintervalls
T überschreitet. Der Bruchteil u kann beispielsweise proportional zum relativen
Verkehrsaufkommen oder entsprechend Nutzer- oder systemoptimaler Gesichtspunkte
spezifiziert gewählt werden.
13) Besonders vorteilhaft ist das Betreiben der Anlage zusammen mit
einem grünen Pfeil für Rechtsabbieger, um eine parallele Einzelabfertigung
von Fahrzeugen in geeigneten Zeitlücken auch während des Bündelbetriebs
bei starkem Verkehrsaufkommen zuzulassen. Dies ist vor allem für Nebenstraßen
mit einer kleinen Spurzahl von Bedeutung.
14) Eine stärke Berücksichtigung von Nebenstraßen i
mit kleiner Spurzahl Ii kann erreicht werden, indem der Parameter Ii
in den Optimierungsformeln künstlich erhöht wird. Insbesondere wird die
Bedeutung der Spurzahl ignoriert, indem man in den Optimierungsformeln generell
Ii = 1 setzt. Dies führt zu einer gleichrangigen Behandlung von
Haupt- und Nebenstraßen, wobei sich jedoch die durchschnittlichen Fahrtzeiten
erhöhen.
15) Nachdem die optimale Netzwerksteuerung bestimmt wurde, kann zusätzlich
auch die Dynamik der einzelnen Einheiten entlang der Kanten optimiert werden, um
beispielsweise einen vermeidbaren Kraftstoffverbrauch durch überflüssiges
Abbremsen und Beschleunigen zu vermeiden. Dies setzt voraus, dass die Einheiten
Informationen und/oder Anweisungen seitens der Signalsteuerung entgegennehmen, etwa
mittels Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation.
16) Das unter Punkt 1) bis 14) skizzierte Optimierungsverfahren kann
so modifiziert werden, dass es sich zur Optimierung der Netzwerkstruktur eignet.
Dazu ergänzt oder entfernt man Kanten oder Knoten im System und/oder ihre Spurzahl
bzw. Kapazität, eventuell auch Abbiegeverbote. Eine derartige Optimierung hat
vor allem verkehrsplanerische Anwendungen und kann auch offline durchgeführt
werden.
Die Eigenschaften der erfindungsgemäß vorgeschlagenen Verkehrssteuerung
lassen sich wie folgt beschreiben:
Das Schema und die Reihenfolge der Bedienung von mobilen Einheiten (Fahrzeugen oder
Fußgängern) wird auf der Basis einer Kurzzeitverkehrsprognose unter angenommenen
Schaltzuständen der benachbarten Ampeln in einem bestimmten "Einflussbereich"
(Subnetzwerk = Kern- und Randbereich) ermittelt, d. h. das Optimierungsprinzip wird
nur lokal angewandt und definiert damit ein dezentrales Steuerungsprinzip.
Dadurch erfordert nur dieser Schritt eine kombinatorische Optimierung,
und zwar nur für kurze Zeiträume und für wenige benachbarte Lichtsignalanlagen.
Die Entkopplung weit entfernter Steuerungsbereiche und die Koordination von Nachbarbereichen
erfolgt durch geringere Gewichtung der weiter entfernten Knoten im Randbereich.
Ansonsten könnte eine lokale Variation einer Ampelschaltung bei globaler Optimierung
eine Lichtsignalanlage am anderen Ende der Stadt beeinflussen. Dies würde eine
extreme Sensitivität der Lichtsignalsteuerung gegenüber kleinen Störungen
mit sich bringen, welche zulasten der Vorhersagbarkeit des Systemverhaltens (z.
B. der Abzweigewahrscheinlichkeiten) ginge und damit zu chaotischen Reaktionen von
Fahrern auf die unvorhersagbar variierende Schaltungsdynamik führen könnte.
Dies hätte wiederum eine schlechte Gesamtperformance des Systems zur Folge.
Ein lokales Steuerungsprinzip erreicht also eine geringere Sensitivität (größere
Robustheit) gegenüber weit entfernten Abläufen zugunsten einer größeren
Flexibilität, auf die Situation und Abläufe vor Ort zu reagieren.
Die Vorgehensweise bei der dezentralen Steuerung ist so, dass in regelmäßigen
Zeitschritten, zum Beispiel alle 2 Sekunden, parallele Schaltentscheidungen in allen
Bereichen n getroffen werden, in denen ein vorzugsweise drahtloser Informationsaustausch
zwischen benachbarten Ampelsteuerungen erfolgt. Die Schaltentscheidungen basieren
auf dem Vergleich alternativer Steuerungsszenarien während eines Zeithorizonts
der maximalen Länge t – t0 = T', der situationsabhängig
gewählt werden kann. Ein sinnvoller Zeithorizont entspricht etwa der mittleren
Grünzeit plus dem 2- bis 3-fachen der Standardabweichung der Grünzeit.
Dieser Wert kann als exponentieller oder gleitender Mittelwert über ein Zeitfenster,
als Erfahrungswert oder als Funktion anderer Messgrößen, wie dem Verkehrsaufkommen
oder mittleren Füllgrad der Streckenabschnitte i des Bereichs n, gewählt
werden.
An den benachbarten Knotenpunkten eines Optimierungsbereichs werden
nicht alle denkbaren Kombinationen von Grünschaltungen miteinander kombiniert,
sondern nur Schaltungen hoher Priorität, da unwahrscheinlich ist, dass eine
sehr ungünstige Schaltung an einem Knoten durch eine sehr viel günstigere
Schaltung an einem Nachbarknoten kompensiert werden kann. Dies macht das Optimierungsverfahren
effizient, zusammen mit der Beschränkung auf kleine Subsysteme (Bereiche) von
benachbarten Lichtsignalanlagen. Die Überschneidung der Randbereiche mit benachbarten
Kernbereichen und die abfallende Gewichtung zum Rand dieser Bereiche hin macht es
wahrscheinlich, dass die für benachbarte Knoten ermittelten Schaltprogramme
meistens gut miteinander kompatibel sind, die Ampeln sich also kooperativ verhalten.
Beim Vergleich alternativer Steuerungsprogramme werden mögliche Umschaltverluste
entsprechend Formel (3) berücksichtigt. Dadurch ist ein häufiges Schalten
nur bei geringen Verkehrsflüssen wahrscheinlich, wo Umschaltverluste unbedeutend
sind. Bei größeren Verkehrsaufkommen sorgen sie für eine Tendenz
zur Fortsetzung einer bestehenden Grünzeit, solange Fahrzeuge effizient abgefertigt
werden.
Wenn das Verkehrsaufkommen gering ist, entspricht ein Einzelfahrzeug
bereits der längsten "Warteschlange" und kann daher allein die Grünfreigabe
erwirken. Bei geringem Verkehrsaufkommen werden die Einheiten also direkt bei ihrer
Ankunft einzeln abgefertigt. Zugunsten einer Verringerung der Reaktions- bzw. Umschaltzeiten
ist es sinnvoll, den Grundzustand der Ampeln rot zu wählen, wenn für ein
Zeitintervall, das größer als die Umschaltzeit &tgr; ist, kein weiteres
Fahrzeug folgt.
Das Zurückschalten auf eine rote Ampel nach dem Passieren eines
Fahrzeugs erlaubt eine schnellere Bedienung eines Fahrzeugs aus einer anderen Richtung.
Damit ein Fahrzeug vor seiner Einzelabfertigung nicht genötigt
ist, an der Ampel abzubremsen, muss das Fahrzeug so weit stromaufwärts der
Ampel detektiert werden, dass genügend Zeit zum Umschalten bleibt. Beträgt
die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs V0 und die
Umschaltzeit (Gelbphase) &tgr;, so muss der Sensor die passierenden Fahrzeuge
in einem Abstand l = V0&tgr; von der Lichtsignalanlage detektieren.
Beim Passieren des Querschnitts im Abstand 1 müsste die Umschaltung sofort
begonnen werden. Observiert der Sensor die Verkehrssituation sogar im Abstand l'
> l, so muss spätestens nach einem Zeitintervall von (l' – l)/V0
umgeschaltet werden. Der Umschaltzeitpunkt könnte von der tatsächlich
gemessenen Fahrzeuggeschwindigkeit v abhängig gemacht werden und wäre
Idealerweise (l' – l)/v, um ungenutzte Grünzeiten zu minimieren.
Bei größerem Verkehrsaufkommen, wenn eine Einzelabfertigung
wegen nahezu gleichzeitiger bzw. zeitnaher Ankünfte von Fahrzeugen nicht mehr
konfliktfrei möglich ist, bewirkt das vorgeschlagene Steuerungsverfahren eine
Bündelung von Einheiten durch längere Grün- und Rotphasen nach dem
Prinzip der Minimierung der Umschaltverluste. Das Bündelungsprinzip resultiert
automatisch aus der größeren Abfertigungsrate, die sich bei größeren
Verkehrsaufkommen durch ein Abfertigen gleichartiger Einheiten ergibt (im Vergleich
zur Einzelabfertigung unterschiedlicher Einheiten, die mit Umschalt- und Verlustzeiten
verbunden ist).
Bei Überlastung, d. h. wenn eine weitere Zunahme von Einheiten
im System dessen Durchsatz reduziert, kann das Prinzip der Minimierung der Umschaltverluste
mit der priorisierten Behandlung zielnaher Fahrzeuge kombiniert werden, um diese
so schnell wie möglich aus dem System zu entfernen und somit Platz für
andere Fahrzeuge zu schaffen, d. h. Staus und Warteschlangen zu reduzieren.
Die oben beispielhaft ausgeführte Lichtsignalsteuerung verfolgt
primär das Ziel der Durchsatzmaximierung, um damit die Gesamtwartezeiten zu
minimieren und die Gesamtfahrtzeiten zu minimieren. Als Ziel wurde also angenommen,
dass möglichst viele Fahrzeuge möglichst schnell voran kommen. Das vorgeschlagene
Verfahren zur Schaltung und Koordination der Lichtsignalanlagen löst durch
Performancevergleich von Kurzzeit-Verkehrsprognosen für alternative Steuerungsszenarien
unter anderem folgende Zielkonflikte:
- • Einerseits möchte man längstmögliche Grünphasen
zur Reduktion von Schaltzeitverlusten, andererseits eine "sofortige" Reaktion auf
Vorgänge an benachbarten Ampeln, wie sie zur Etablierung einer grünen
Welle erforderlich ist.
- • Trotz eines Mangels an Pufferkapazität in folgenden Strecken-Abschnitten
müssen wichtige Ströme priorisiert abgefertigt werden, deren Nichtabfertigung
zur Blockade anderer Ströme führen würde. Dies kann gegebenenfalls
die vorzeitige Beendigung der Grünzeit erforderlich machen, zumal die Systemperformance
ab einem bestimmten Füllgrad abnehmen kann.
Die erfindungsgemäße Steuerung, welche die typischen Merkmale
einer Regelung aufweist, löst diese Zielkonflikte dadurch, dass Schaltzeitverluste
durch ein vorzeitiges Umschalten zugunsten einer Synchronisation von benachbarten
Grünphasen (Grüne Welle) durch eine prognostizierte höhere Abfertigung
an den betroffenen Nachbarknoten überkompensiert werden. Eine derartige Koordination
benachbarter Kreuzungen ergibt sich automatisch durch die Berücksichtigung
der Verkehrsströme an benachbarten Kreuzungen. In gewisser Weise werden die
Koordinationsgewinne in Form von zusätzlich abgefertigten Fahrzeugen anteilig
den benachbarten Knoten gutgeschrieben, die bei einer Synchronisation gegenüber
ihrer optimalen Steuerung Verluste hinnehmen müssen. Wenn diese "Gutschrift"
die Verluste übertrifft, beteiligt sich die betroffene Lichtsignalanlage an
einer koordinierten Schaltung.
Ein weiterer Vorzug der erfindungsgemäßen Steuerung ist
ihre Robustheit und Ausfallsicherheit durch Redundanz: Wenn beispielsweise der Sensorinput
einer Lichtsignalsteuerung ausfällt, so würden die Steuereinheiten beispielsweise
automatisch entsprechend einer Festzeitsteuerung gesteuert (Rückfallebene).
Genauso können die Abzweigewahrscheinlichkeiten &agr;ij(t) und
die prognostizierten Abfertigungszeiten auf redundante Weise bestimmt werden.
Redundanz wird weiterhin dadurch erreicht, dass bei lokalem Ausfall
der Messungen der Verkehrssituation die Daten durch das der Verkehrsprognose
zugrunde liegende Simulationsmodell automatisch geschätzt werden. (Nach dem
Prinzip der Fahrzeugzahlerhaltung werden Fahrzeuge auf freier Strecke nicht produziert
oder vernichtet, so dass Simulationsmodelle aus lokalen Messwerten das dazwischen
liegende Verkehrsgeschehen rekonstruieren bzw. voraussagen können.)
Weitere erfindungsgemäße Vorteile bestehen in der selbstständigen
Reaktion der Knoten auf unerwartete Vorkommnisse wie Unfälle, Baustellen oder
andere nicht vorhersehbare Ereignisse, die den Transport der mobilen Einheiten behindern.
Die höhere Flexibilität führt zu Kosteneinsparungen, zumal auf den
Aufbau und die Erhaltung einer zentralen Infrastruktur und Datenleitungen im Vergleich
mit Verkehrsleitsystemen mit zentralen Verkehrsrechnern verzichtet werden kann.
Das dezentrale Steuerungsverfahren kann aber auch in einer eventuell vorhandenen
zentralen Infrastruktur umgesetzt werden und bestehende Festzeitsteuerungen oder
andere vorgegebene Steuerungsprogramme einzelner Knoten ohne Probleme integrieren.
Es ist bei der Informationsgewinnung und dem Datenaustausch jedoch auf die vorteilhafte
Nutzung moderner Sensortechnologien und drahtloser Kommunikationsmethoden zugeschnitten.
Schließlich ist hervorzuheben, dass das vorgeschlagene Verfahren
besonders adaptiv, flexibel und robust gegenüber lokalen Variationen und Ausfällen
im System ist. Außerdem erlaubt es eine einfache und harmonisch auf das Gesamtverkehrssystem
abgestimmte, also rücksichtsvolle statt vorbehaltslose Priorisierung des öffentlichen
Personennahverkehrs. Hierzu wird ein ÖPNV-Fahrzeug mit einem größeren
Gewicht versehen wie ein PKW, z. B. entsprechend der durchschnittlichen Passagierzahl.
|
| Anspruch[de] |
Verfahren zur Koordination konkurrierender Prozesse oder zur Steuerung
des Transports von mobilen Einheiten innerhalb eines Netzwerkes, welches Knoten
und Kanten aufweist, wobei das Netzwerk in Kernbereiche n unterteilt wird, denen
jeweils ein Randbereich zugeordnet wird, so dass der Kernbereich und der dazugehörige
Randbereich jeweils ein zusammenhängendes Subnetzwerk von Knoten und Kanten
definieren, wobei die Kanten eine begrenzte Pufferkapazität an aufnehmbaren
Einheiten besitzen und die Knoten oder Kanten mit Datenerfassungselementen ausgestattet
sind und die Knoten eine begrenzte Abfertigungskapazität an zu bedienenden
Einheiten haben sowie mit Steuereinheiten ausgestattet sind, für die ein (Schalt-)Zustand
der Abfertigung von mobilen Einheiten, ein (Schalt-)Zustand der Nicht-Abfertigung
und zwischen diesen ein Umschaltzustand vorgesehen ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
a die Steuerung des Netzwerkes dezentral und selbstorganisierend in den Steuereinheiten
der Knotenpunkte oder lokal begrenzter Subnetzwerke erfolgt, wobei die Steuereinheiten
benachbarter Knotenpunkte bzw. Subnetzwerke miteinander zum Datenaustausch in Verbindung
stehen,
b1 Daten aus Voraussagemodellen der lokalen Prozessabläufe am jeweiligen Knoten
und/oder Daten aus Voraussagemodellen der lokalen Prozessabläufe an benachbarten
Knoten und/oder
b2 Daten von Datenerfassungselementen des jeweiligen Knotens bzw. der mit ihm verbundenen
Kanten und/oder Daten von Datenerfassungselementen benachbarter Knoten bzw. der
mit ihnen verbundenen Kanten
c für die lokale Simulation und Optimierung von Schaltungen der Steuereinheit
zur Ermittlung der Leistungsfähigkeit (Performance) der Knoten oder Subnetzwerke
unter Berücksichtigung der Pufferkapazität der Kanten auf der Basis von
Modellen für Kurzzeitprognosen bei fest angenommenen Schaltzuständen benachbarter
Knoten eingesetzt werden, wobei
c1 durch Kombination von Schaltungen hoher Priorität für die betroffenen
Einzelknoten mehrere Schaltungen hoher Performance für die Subnetzwerke erzeugt
werden und
c2 ein Test der Steuerungen hoher Performance in den Subnetzwerken erfolgt und anschließend
c3 im jeweiligen Kernbereich des Subnetzwerks die Steuerung mit der besten Performance
ausgewählt und in entsprechende Schaltzustände für die betroffenen
Knoten umgesetzt wird.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die in die lokale
Optimierung in Verfahrensschritt c einbezogenen Ziel- bzw. Optimierungskriterien
benachbarter Knoten in Abhängigkeit von der Lage im jeweiligen lokalen Optimierungsgebiet
(Subnetzwerk) gewichtet werden.
Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Wichtung
bei dem dezentralen Steuerungsverfahren durch die Maximierung des Ausdrucks
erfolgt, wobei f(t) eine beliebige Bewertungs- bzw. Zielfunktion von Simulations-
oder Messgrößen der Kanten i und j oder des sie verbindenden
Knotens zum Zeitpunkt t bezeichnet, w die Gewichtung, t0 den Startzeitpunkt
der Optimierung und T' den Planungs- bzw. Optimierungszeithorizont.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass für die Simulation in Verfahrensschritt c gilt, dass
d1 bei geringer Nachfrage von den mobilen Einheiten an den Knoten ohne Wartezeiten
eine einzelne, gleichberechtigte Abfertigung der Einheiten erfolgt, wobei die Anzahl
der abgefertigten Einheiten proportional zu den durchschnittlich ankommenden Einheiten
ist,
d2 bei hoher Nachfrage mit unvermeidbaren Wartezeiten eine gruppenweise Abfertigung
der Einheiten durch längere Schaltphasen nach dem Prinzip der Minimierung der
Umschaltverluste erfolgt, wobei
d3 die Minimierung der Umschaltverluste bei Bedarf mit der priorisierten Abfertigung
von zielnahen Einheiten kombiniert wird, um diese schnell aus dem Netzwerk zu entfernen,
d4 Schaltzeitverluste durch vorzeitiges Umschalten zugunsten einer Synchronisation
von benachbarten Abfertigungsschaltzuständen durch eine prognostizierte höhere
Abfertigungskapazität an benachbarten Knoten überkompensiert werden,
d5 Pufferkapazität bei Bedarf in den dem Knoten nachfolgenden Kanten reserviert
wird, wobei die pro Kante zugestandene Pufferkapazität adaptiv angepasst wird,
d6 eine Priorisierung, nach der die Einheiten an den Knoten abgefertigt werden auf
der Grundlage der Eigenschaften der Einheiten erfolgt und dass
d7 eine Beschränkung der maximalen Dauer der Nichtabfertigung durch Kontingentierung
erfolgt.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
dass die lokale (dezentrale) Optimierung ein datenbankgestütztes Verfahren
verwendet, in dem eine Anzahl von Steuerungen hoher Performance in Abhängigkeit
von Parametern hinterlegt werden, welche die Situation im jeweiligen Subnetzwerk
charakterisieren und verfahrensbegleitend erhoben werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die Kontingentierung nach nutzer- oder systemoptimalen Gesichtspunkten vorgenommen
wird,
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
dass die erforderlichen Modellparameter durch eine Kombination mehrerer alternativer
Simulations- und Messdaten ermittelt werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass bei der Schätzung der voraussichtlichen Abfertigungszeiten einer Einheit
an nahe gelegenen Kanten Messwerte und/oder Kurzzeitprognosen, an entfernten Kanten
dagegen historische Messwerten für vergleichbare Situationen stärker gewichtet
werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
dass bei Fehlen oder Unplausibilität von Messdaten gemäß Verfahrensschritt
b2 die fehlenden bzw. unbrauchbaren Daten durch ein Simulations- oder Schätzmodell
ersetzt werden und/oder dass bei Fehlen oder Unplausibilität von Simulations-
oder Messdaten gemäß Verfahrensschritt b1 nach einer fest vorgegebenen
Steuerung gesteuert wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet,
dass parallel zur gruppenweisen Abfertigung von Einheiten zu passenden Zeitpunkten
eine Einzelabfertigung von Einheiten erfolgt, die zu inkompatiblen, d.h. konfliktbehafteten
Abfertigungsprozessen gehören.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet,
dass Daten zu Zielen der Einheiten bzw. Prozesse mit den Steuereinheiten der Knoten
zur priorisierten Abfertigung zielnaher Einheiten bzw. Prozesse ausgetauscht werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet,
dass zur Koordination konkurrierender Prozesse oder zur Steuerung des Transports
mobiler Einheiten kontinuierliche Signale oder Steuereingriffe eingesetzt werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet,
dass es zur Optimierung einer Netzwerkstruktur durch Variation von Knoten und Kanten
verwendet wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet,
dass es mit einem Verfahren zur Optimierung der Abzweigewahrscheinlichkeiten kombiniert
wird.
Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet,
dass es mit einem Verfahren zur Optimierung der Dynamik der einzelnen Einheiten
entlang der Kanten kombiniert wird, wobei die Einheiten Informationen und/oder Anweisungen
seitens der Signalsteuerung entgegennehmen.
Verwendung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 15 für
die Steuerung eines Verkehrsnetzes, wobei die Knoten des Netzwerkes die Kreuzungen
und die Steuereinheiten die Ampeln und die Kanten die Straßenabschnitte und
die mobilen Einheiten Fahrzeuge und/oder andere Verkehrsteilnehmer des Verkehrsnetzes
darstellen.
Verkehrssystem mit einer Vielzahl von Kreuzungen, Straßenabschnitten,
Datenerfassungselementen und Ampelanlagen mit Steuereinrichtungen die zur Durchführung
eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 15 geeignet sind, dadurch gekennzeichnet,
dass den Kreuzungen Ampelanlagen und Sensoren zugeordnet sind, wobei die Steuereinrichtungen
zum Empfang von Daten mit den Sensoren in Verbindung stehen und dass die Steuereinrichtungen
benachbarter Ampelanlagen zum Austausch von Daten miteinander in Verbindung stehen.
Verkehrssystem nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Datenverbindung
zwischen den Sensoren und den Steuereinrichtungen der Ampelanlagen sowie zwischen
den Steuereinrichtungen benachbarter Ampelanlagen drahtlos ausgebildet ist.
Verkehrssystem nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, dass die Datenverbindung
als WirelessLAN (WLAN), als Bluetooth, als Infrarotverbindung, als Radarsignal,
als Laserlink oder Variante davon ausgebildet ist.
Verwendung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 15 für
die Steuerung eines Produktionsprozesses, wobei die Knoten die Produktionsmaschinen
oder produktiven Einheiten, die Kanten die Transportwege oder Zwischenlager zwischen
ihnen und die mobilen Einheiten die Produkte darstellen.
Verwendung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 15 für
die Steuerung der Logistik eines Gütertransportes, wobei die Knoten die Umschlagplätze,
die Kanten die Transportwege und die mobilen Einheiten die Transportgüter darstellen.
Verwendung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 15 zur
Koordination von Organisationsabläufen, wobei die Einheiten den Vorgängen
und die Knoten den Bearbeitern entsprechen, während die Kanten den Verwaltungs-
oder Beförderungsweg der Vorgänge beschreiben, wobei die Steuerung den
vorgenommenen Priorisierungsentscheidungen entspricht.
Verwendung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 15 für
die Behandlung von Programmabläufen, wobei die Knoten den Programmmodulen entsprechen,
die Verarbeitungsprozesse von Daten vollziehen, wobei die Weitergabe von Daten zwischen
den Programmmodulen die Kanten des Netzwerkes aufeinander folgender Verarbeitungsprozesse
definieren und die Steuerung der Koordination oder Harmonisierung der Prozesse dient.
Verwendung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 15 auf
dem Gebiet der Biotechnologie zur Steuerung des Verteilungsprozesses von Substanzen
oder Wirkstoffen in Zellen, Geweben oder Organismen.
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Patent Zeichnungen (PDF)
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