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Dokumentenidentifikation DE202005010950U1 21.12.2006
Titel Prothesen-Liner
Anmelder Ferd. Hauber GmbH & Co. KG, 72622 Nürtingen, DE
Vertreter Dreiss, Fuhlendorf, Steimle & Becker, 70188 Stuttgart
DE-Aktenzeichen 202005010950
Date of advertisement in the Patentblatt (Patent Gazette) 21.12.2006
Registration date 16.11.2006
Application date from patent application 05.07.2005
IPC-Hauptklasse A61F 2/80(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse A61L 15/44(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf einen Prothesen-Liner nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

Die weichelastische Hülse derartiger Prothesen-Liner hat neben polsternden und stoßdämpfenden Wirkungen vor allem die Aufgabe, den Stumpf luftdicht zu umschließen, so dass der Liner nicht vom Stumpf abgezogen werden kann und daher eine Prothese über eine mechanische Verbindung mit dem Liner und damit mit dem Stumpf sicher verbunden werden kann. Dafür muss die weichelastische Hülse eines solchen Liners sich eng an die Haut des Trägers anschmiegen, nachdem sie durch Umstülpen auf den Stumpf des Trägers unter Vermeidung jeglichen Lufteinschlusses gebracht worden ist. In der Regel ist es also erwünscht, dass das Linermaterial direkten Kontakt mit der Haut des Prothesenträgers hat. Die zusätzliche Verwendung eines textilen Überzuges als Lage zwischen Stumpf und Liner ist allgemein als nachteilig bekannt, da die hierdurch eingeschlossene Luft zu vermehrter Schweißbildung führt und weil bei Verwendung eines solchen Strumpfes in der Regel über dessen Poren zusätzlich Luft in den Liner eindringt und dieser dann leichter vom Stumpf abrutschen kann. Es versteht sich, dass sich zwischen der Haut und dem Liner zwangsweise ein feuchtwarmes Milieu bildet, welches die Vermehrung von Bakterien und Pilzen begünstigt. Sowohl die Hülse des Prothesen-Liners als auch der Extremitätenstumpf des Patienten müssen stets sorgfältig gereinigt werden. Dennoch besteht eine latente Gefahr dahingehend, dass sich zwischen den Kontaktflächen Bakterien und/oder Pilze bilden, die zu Irritationen der Haut des Extremitätenstumpfes führen können.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, einen Prothesen-Liner der eingangs genannten Art zu schaffen, dem zusätzlich zu der Vorsorge durch gründliches Reinigen eine verbesserte Verträglichkeit eigen ist.

Zur Lösung dieser Aufgabe sind bei einem Prothesen-Liner der genannten Art die im Anspruch 1 angegebenen Merkmale vorgesehen.

Durch die erfindungsgemäßen Maßnahmen ist außerhalb der notwendigen täglichen Reinigung eine materialspezifische Vorsorge gegenüber möglichen Irritationen der Haut durch Bakterien und/oder Pilzinfektionen gegeben.

Eine bevorzugte Ausführung eines Prothesen-Liners verwendet ein Silikon bzw. ein Silikon-Kautschuk mit antibakterieller und/oder fungizider Wirkung. Solche antibakterielle und/oder fungizide Silikonmaterialien sind an sich bekannt, wobei neben chemischen Bakteriziden/Fungiziden die unterschiedlichsten Metalle und Metallverbindung und auch Herstellungsverfahren verwendet werden. In bevorzugter Weise wird bei der erfindungsgemäßen Anwendung als antibakterieller und/oder fungizider Wirkstoff Silber in einer nicht toxischen Konzentration verwendet, da dies hier am effektivsten und Silber am wenigstens toxisch ist.

Der Prothesen-Liner kann als becherförmige, das heißt distal geschlossene Hülse oder als schlauchförmige Hülse ausgebildet sein, wobei die Hülse entweder insgesamt aus einem weichelastischen Kunststoffmaterial mit antibakterieller und/oder fungizider Wirkung sein oder auch nur an ihrer Innenfläche mit einem solchen Material beschichtet sein kann.

Bei einer weiteren Ausgestaltung können auch die Merkmale nach Anspruch 7 vorgesehen sein. Haupt- und Innenliner können jeweils becherförmig oder strumpf- beziehungsweise schlauchförmig ausgebildet sein. Diese Ausführung hat den Vorteil, dass nur eine geringe Menge Silber für einen dünnen Schlauch- bzw. Strumpfüberzug benötigt wird und dieser in jedem bekannten Liner getragen werden kann. Wenn die Wirkung des antibakteriellen/fungiziden Zusatzes nachlässt, muss lediglich der Innenliner ausgetauscht werden, was zu Kosteneinsparungen führt.

Weitere Einzelheiten der Erfindung sind der folgenden Beschreibung zu entnehmen, in der die Erfindung anhand des in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispieles näher beschrieben und erläutert ist.

Die einzige Figur zeigt in schematischer, längsgeschnittener Darstellung einen Prothesen-Liner gemäß einem Ausführungsbeispiel vorliegender Erfindung.

Der in der Zeichnung dargestellte Prothesen-Liner 10 besitzt eine Hülse 11 aus weichelastischem Kunststoff von beispielsweise etwa 6 mm Dicke, die an ihrem oberen Ende offen zum Überstülpen über einen Extremitätenstumpf eines Patienten ist und die an ihrem unteren, einer Prothese zugewandten Ende, becherförmig geschlossen und mit einem Distalanschluss 12 versehen ist.

Beim dargestellten Ausführungsbeispiel ist die Hülse 11 an ihrem distalen Bereich mit einer Matrix beziehungsweise Verstärkung 13 versehen, die in diesem Bereich die Längendehnung der Hülse 11 minimieren soll und die mit der Hülse 11 flächig verbunden ist. Der Distalanschluss 12 besitzt eine Innengewindemuffe 14, die die Hülse 11 in Richtung der Außenseite des Liners durchdringt und die im distalen Bereich mit einer Tasse 15 fest verbunden ist, die eine Verankerung der Innengewindemuffe 14 mit der Hülse 11 bewirkt. Die Innengewindemuffe 14 hat den Zweck, eine Möglichkeit zur Befestigung einer Prothese an dem Liner 10 und über diesen letztendlich an dem Extremitätenstumpf zur Verfügung zu stellen. Hierzu kann in bekannter Weise beispielsweise ein Stift in die Muffe 14 des Liners 10 eingeschraubt werden, welcher dann wiederum nach dem Einsteigen in einen harten Prothesenschaft in diesem über einen manuell lösbaren Einweg-Verriegelungsmechanismus verbunden wird.

Beim bevorzugten Ausführungsbeispiel vorliegender Erfindung ist die weichelastische Hülse 11 aus einem Silikon, das mit einem antibaktieriellen und/oder fungiziden Wirkstoff versehen ist. Dieser Wirkstoff ist beim Ausführungsbeispiel Silber. Der antibakterielle und/oder fungizide Wirkstoff kann entweder lediglich auf der Innenfläche der weichelastischen Hülse 11 vorgesehen oder aber im für die weichelastische Hülse 11 verwendeten Silikon vollständig enthalten sein. Silikone mit antibakterieller und/oder fungizider Wirkung sind an sich bekannt.

Gemäß einem nicht dargestellten Ausführungsbeispiel vorliegender Erfindung besteht der Prothesen-Liner aus einem Hauptliner in Form einer hier mit einem Distalanschluss versehenen Hülse aus weichelastischem Kunststoffmaterial und aus einem davon separaten Unterzieh- beziehungsweise Innenliner, dessen hier becherförmige Hülse und nur diese in oben beschriebener Weise antibakteriell und/oder fungizid ausgebildet ist. Dieser Innenliner kann vergleichsweise dünn, zum Beispiel bei einer Wandstärke von 2 mm, sein und als gegen Mikroben wirkende Zwischenschicht zwischen dem Stumpf und dem Hauptliner getragen werden. Es wird also für die relativ dünne weichelastische Kunststoffhülse auch nur eine relativ geringe Menge an antibakteriellem und/oder fungizidem Wirkstoff benötigt.

Es versteht sich von selbst, dass schon wegen des großflächigen intimen Hautkontaktes über vielen Stunden Prothesen-Liner keine toxischen oder andere die Haut irritierende Eigenschaften haben dürfen. Aus diesem Grund wird erfindungsgemäß vorzugsweise Silber in einer nicht-toxischen Konzentration zur Erzeugung der antibakteriellen/fungiziden Wirkung verwendet. Ebenso versteht es sich, dass für den Prothesen-Liner auch Elastomere mit antibakterieller und/oder fungizider Wirkung verwendet werden können, deren Wirkstoff aus einem anderen Metall als Silber oder aus einer hierfür verwendeten bekannten Metallverbindung sein kann; auch eine die Wirkung bietende welche chemische Ausrüstung ist möglich.

Des Weiteren ist es gemäß anderen Ausführungsbeispielen möglich, als elastomere Kunststoffe, zum Beispiel PU (Polyurethan) oder ein TPE (thermoplastisches Elastomer) zu verwenden, das mit einem der vorgenannten antibakteriellen und/oder fungiziden Wirkstoffen ausgerüstet ist.

Weiterhin versteht sich, dass sich die Erfindung nicht auf Prothesen-Liner der beschriebenen Ausführung beschränkt, sondern selbstverständlich auch auf alle anderen bekannten Ausführungsformen von elastomeren Stumpfüberzügen angewendet werden kann. Solche elastomeren Stumpfüberzüge werden becherförmig oder aber auch schlauchförmig im Prothesenbau zur Erzielung von beispielsweise Polsterungseffekten oder zum Abdichten gegen das Eindringen von Luft zwischen Bein und proximaler Prothesenschaftöffnung verwendet.


Anspruch[de]
Prothesen-Liner (10), mit einer Hülse (11) aus einem weichelastischen Kunststoffmaterial, gekennzeichnet durch die Verwendung eines weichelastischen Kunststoffmaterials mit antibakterieller und/oder fungizider Wirkung. Prothesen-Liner nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das antibakteriell und/oder fungizid wirkende Kunststoffmaterial ein Silikon ist. Prothesen-Liner nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das antibakteriell und/oder fungizid wirkende Kunststoffmaterial ein Polyurethan ist. Prothesen-Liner nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das antibakteriell und/oder fungizid wirkende Kunststoffmaterial ein thermoplastisches Elastomer ist. Prothesen-Liner nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der antibakterielle und/oder fungizide Wirkstoff im Kunststoffmaterial enthalten ist. Prothesen-Liner nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Innenfläche der Hülse (11) aus dem betreffenden Kunststoffmaterial mit dem antibakteriellen und/oder fungiziden Wirkstoff beschichtet ist. Prothesen-Liner nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, gekennzeichnet durch einen Hauptliner mit einer Hülse aus einem weichelastischen Kunststoffmaterial und einen Unterzieh- beziehungsweise Innenliner, der aus einem weichelastischen Kunststoffmaterial mit antibakterieller und/oder fungizider Wirkung besteht. Prothesen-Liner nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der antibakterielle und/oder fungizide Wirkstoff ein Metall oder eine Metallverbindung, vorzugsweise Silber oder eine Silberverbindung ist. Prothesen-Liner nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Hülse (11) distalseitig geschlossen ist. Prothesen-Liner nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Hülse (11) mit einem Distalanschluss (12) versehen ist. Prothesen-Liner nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet dass die Hülse (11) schlauchförmig ausgebildet ist.






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