| Dokumentenidentifikation |
DE102005027293A1 04.01.2007 |
| Titel |
Verwendung von Meerrettich als Breitbandantibiotikum, speziell beim Pferd |
| Anmelder |
Brosig, Stefan, Dr., 70563 Stuttgart, DE |
| Erfinder |
Brosig, Stefan, Dr., 70563 Stuttgart, DE |
| DE-Anmeldedatum |
14.06.2005 |
| DE-Aktenzeichen |
102005027293 |
| Offenlegungstag |
04.01.2007 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
04.01.2007 |
| IPC-Hauptklasse |
A61K 36/31(2006.01)A, F, I, 20061011, B, H, DE
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| IPC-Nebenklasse |
A23K 1/17(2006.01)A, L, I, 20061011, B, H, DE
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| IPC additional class |
A61P 31/04 (2006.01) A, L, N, 20061011, B, H, DE
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| Zusammenfassung |
Zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen beim Pferd über den Blutkreislauf wird frischer Meerrettich in einer Menge von mehr als 10 Gramm, bevorzugt ungefähr 20 Gramm oder mehr, pro 100 Kilo Körpergewicht verwendet. Für lokale Anwendungen (z. B. im Maul- und Zahnbereich) genügen schon Mengen von ungefähr 5 bis 10 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht. Der Meerrettich wird erst kurz vor dem Füttern gerieben/zerkleinert, um seine Wirkstoffe zu erzeugen.
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| Beschreibung[de] |
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Technisches Gebiet
Die Erfindung betrifft die Bekämpfung von bakteriellen Infektionen
in vivo, bevorzugt beim Pferd, aber auch bei anderen Haustierarten wie Rind und
Schwein.
Meerrettich wird, wie anderen Pflanzen auch (z.B. Knoblauch), eine
antibiotische Wirkung nachgesagt. Darüberhinaus wird er bei Pferden in einer
geringen Menge (zwei Eßlöffel frisch geriebener Meerrettich für ein
500 Kilo Pferd) bei Husten als Schleimlöser eingesetzt. Einige Indianerstämme
Nordamerikas (z.B. die Cherokee) setzten ihn schon lange gegen Bronchitis und Karies
ein. Als wirksame Substanzen werden die Senföle angesehen, die enzymatisch
aus Vorläufersubstanzen bei der Zerstörung der Zellwände entstehen
(z.B. Allylisothiocyanat aus Sinigrin).
Die allgemeine Lehrmeinung ist aber, daß die antibiotische Wirkung
dieser Naturstoffe wesentlich schwächer ist, als die von in der Pharmazie verwendeter
Antibiotika und die genannten Naturstoffe Antibiotika daher nicht ersetzen können.
Für Meerrettich sind darüberhinaus beim Menschen Nebenwirkungen
bei langfristiger Gabe in hoher Menge bekannt, z.B. Magengeschwüre.
Daher lautet eine Empfehlung, nicht mehr als 20 g frischen Meerrettich
pro Tag zu sich zu nehmen. Auch diese Menge übt nur eine schwache antibiotische
Wirkung aus.
Klassische Antibiotika haben aber erhebliche Nachteile. So werden
z.B. viele Erreger schon nach recht kurzer Zeit gegen die Antibiotika resistent.
Außerdem wird die Darmflora aus nützlichen Bakterien ebenfalls zerstört.
Darüberhinaus istbeim Menschen bekannt, daß jede langanhaltende Behandlung
mit Antibiotika die Wahrscheinlichkeit einer Allergie um ungefähr 40% erhöht.
Letzteres scheint mit der veränderten Darmflora zusammenzuhängen.
Weiterhin haben sich die gängigen Antibiotika bei einigen Infektionen
als unzureichend erwiesen, nämlich solchen, bei denen die Keime in schlecht
durchblutetem Gewebe sitzen, z.B. in Gelenken. Dazu gehört zum Beispiel die
Borreliose, die Antibiotikagaben über Wochen mit ungewissem Ausgang erfordert.
Auch für den schlecht zu behandelnden ehemaligen kaiserlichen Hauptgewährsmangel
periodische Augenentzündung („Mondblindheit") wird von einigen Medizinern
neuerdings eine Infektion mit Bakterien als Ursache vermutet.
Es besteht also weiterhin der Bedarf nach einem breitbandig wirkenden
Antibiotikum, welches mit weniger Nebenwirkungen Infektionen effektiv bekämpft.
Aufgabe der Erfindung
Aufgabe der Erfindung ist es, eine gegen Bakterien in vivo breitbandig
antibiotisch wirkende Substanz bereitzustellen, besonders für Pferde, aber
auch andere Haustierarten welche deutlich weniger Nebenwirkungen hat, als herkömmliche
Antibiotika.
Darstellung der Erfindung
Die Aufgabe wird durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 angegebenen
Merkmale gelöst. Wesentliches Merkmal hierfür ist die Verwendung von frischem
(also frisch geerntet oder haltbar gelagert, kein getrockneter und keiner aus Glas
oder Dose) Meerrettich in einer Menge von ungefähr 20 Gramm oder mehr pro 100
Kilo Körpergewicht. Überraschenderweise hat es sich gezeigt, daß
schon diese Menge ausreicht, um beim Pferd vielfältige Infektionen äußerst
effektiv zu bekämpfen. So wurde z.B. bei Pferden Einschuß (Phlegmone),
Zahninfektionen, Kiefervereiterungen, Husten und Borreliose erfolgreich behandelt.
Beim Einschuß als Folge eines Ballentritts wurde erst 10 Tage
lang eine Menge von 20 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht verfüttert, dann
weitere 45 Tage bis zum vollständigen Heilen der Wunde eine von 10 Gramm auf
5 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht abfallende Menge.
Die Kiefervereiterung wurde duch eine 8-wöchige Behandlung bei
konstant 25 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht behandelt.
Die Borreliose gemäß Fremdmitteilung über 6 Wochen
mit ebenfalls 25 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht.
Selbst nach acht Wochen Meerrettichfütterung war die einzige
Änderung im Blutbild eine geringfügige Abnahme der Zahl der roten Blutkörperchen.
(Eine solche Wirkung ist zum Beispiel auch für den Knoblauch bekannt.) Die
Tiere sind munter und zeigen keine Anzeichen einer Beeinträchtigung. Acht Wochen
herkömmliche Antibiotika hätten hingegen das Blutbild stark gestört
und die nützliche Darmflora vernichtet.
Für eine lokale Behandlung, die nicht über den Blutkreislauf
erfolgt, reichen schon geringere Mengen Meerrettich aus. So kann man z.B. Infektionen
im Maul-/Zahnbereich bereits mit Mengen von ungefähr 5 g oder mehr pro 100
Kilo Körpergewicht erfolgreich behandeln.
Zur erfolgreichen Behandlung von Husten reicht diese Menge erfahungsgemäß
meist nicht aus, und es sind Mengen von ungefähr 10 oder mehr Gramm pro 100
Kilo Körpergewicht über mehrere Tage nötig.
Die angegebenen Mengen beziehen sich auf einen durchschnittlichen
in Deutschland wachsenden Meerrettich, wie er in den Herbst- und Wintermonaten frisch
angeboten wird. In der warmen Jahreszeit, in der der gelagerte Meerrettich an Qualität
verliert, kann die notwendige Dosis abweichen und höher liegen.
Es ist vorteilhaft, Meerrettich zusammen mit Ingwer zu verabreichen,
da der Ingwer eine eventuell doch vorhandene magenschädigende Wirkung wenigstens
teilweise kompensiert. Außerdem ist es günstig, den Meerrettich in eingeweichten
Heu- oder Wiesencobs zu verabreichen, die die Schärfe zu einem großen
Teil absorbieren und damit auch die Fütterung großer Mengen (mehr als
25 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht, falls dies nötig sein sollte) erlauben.
(Heu- bzw. Wiesencobs sind fein zerhäckseltes Heu bzw. technisch getrocknetes
Gras, das in Pelletform gepreßt wurde. Es hat den Vorteil, ein völlig
natürliches Futter zu sein. In geschredderter Form kann es auch trocken verfüttert
werden. Als trockene Pellets besteht hingegen die Gefahr einer Schlundverstopfung,
daher ist es dann besser, die Pellets/Cobs einzuweichen.)
Die angesprochenen Senföle scheinen für die antibiotische
Wirkung gegen Bakterien nicht als einzige verantwortlich zu sein, denn auch zerstückelter
konservierter Meerrettich in Gläsern, der kaum noch über Senföle
verfügt, zeigt am Pferd noch eine, wenn auch schwächere, antibiotische
Wirkung. Dennoch tragen die Senföle zu einem erheblichen Teil zur antibiotischen
Wirkung bei. Nachteil der Senföle ist ihr hoher Dampfdruck, der dazu führt,
daß sie schnell aus dem Körper wieder ausgeschieden (zum Beispiel über
die Lunge ausgeatmet) werden. Dieser Nachteil kehrt sich aber in anderer Hinsicht
zu einem Vorteil um, denn er führt auch dazu, daß diese Substanzen schneller
als herkömmliche Antibiotika in ansonsten schlecht durchblutetes Gewebe hineindiffundieren!
Dies erlaubt es ihnen auch, sonst nur schlecht zugängliche Bakterien zu erreichen,
zum Beispiel Borrelien in Gelenken, oder auch Leptospiren im Auge (periodische Augenentzündung).
Aufgrund der hohen Ausscheidungsrate aus dem Körper ist es daher bevorzugt,
die notwendige Tagesmenge am Meerrettich auf ein Mal oder in einem kurzen Zeitraum
zu verabreichen, um zu gewährleisten, daß eine bestimmte Mindestkonzentration
im Blut oder/und Gewebe erreicht wird, die in der Lage ist, die Bakterien abzutöten.
Um die Senföle freizusetzen würde es genügen, wenn
die Tiere den Meerrettich gründlich zerkauten. Da dies manche aber nicht tun,
sondern größere Stückchen hinunterschlucken, ohne, daß die antibiotisch
wirksamen Substanzen entstehen konnten, ist es bevorzugt, den Meerrettich kurz vor
der Fütterung zu zerstückeln, so daß ein Großteil der Zellwände
zerstört wird. Dies kann z.B. durch Reiben geschehen, aber auch durch Pressen,
wie bei einer Knoblauchpresse (auch bei Knoblauch entsteht einer der antibiotisch
wirkenden Stoffe, das Allicin, erst nach Zerstörung der Zellwände durch
eine enzymatische Reaktion aus der Vorläufersubstanz Alliin.)
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| Anspruch[de] |
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Verwendung von Meerrettich zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen
beim pflanzenfressenden Haustier, besonders dem Pferd, über den Blutkreislauf,
dadurch gekennzeichnet, daß er mindestens mehrere Tage lang in einer
täglichen Menge von mehr als 10 Gramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht
verfüttert wird.
Verwendung von Meerrettich nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß er in einer täglichen Menge von ungefähr 20 oder mehr Gramm pro
100 kg Körpergewicht verfüttert wird.
Verwendung von Meerrettich zur lokalen Bekämpfung von bakteriellen
Infektionen im Maulbereich des pflanzenfressenden Haustieres, besonders des Pferdes,
dadurch gekennzeichnet, daß er mindestens mehrere Tage lang in einer täglichen
Menge von ungefähr 5 g oder mehr pro 100 kg Körpergewicht verfüttert
wird.
Verwendung von Meerrettich nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet,
daß er in einer täglichen Menge von ungefähr 10 oder mehr Gramm pro
100 kg Körpergewicht verfüttert wird.
Verwendung von Meerrettich nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Tagesdosis in einer Portion oder innerhalb
eines Zeitraums von nur wenigen Stunden verabreicht wird.
Verwendung von Meerrettich nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß es sich um deutschen oder mitteleuropäischen
Meerrettich handelt.
Verwendung von Meerrettich nach mindestens einem der
Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß es sich um japanischen
Meerrettich, Wasabi, handelt.
Verwendung von Meerrettich nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Meerrettich in einem Zustand verfüttert
wird, in dem die Zellwände beschädigt sind, so daß er Senföle
enthält, die bei dieser Beschädigung entstehen und daß er so zeitig
verfüttert wird, daß die labilen Senföle noch zu mindestens 30% vorhanden
sind.
Verwendung von Meerrettich nach mindestens einem der Ansprüche
1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Meerrettich frisch gerieben, frisch
zerstückelt oder frisch gequetscht verfüttert wird.
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Patent Zeichnungen (PDF)
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