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Dokumentenidentifikation EP1739067 15.02.2007
EP-Veröffentlichungsnummer 0001739067
Titel Verfahren zur Herstellung eines Bodenhilfsstoffs
Anmelder Wolf, Roland, 47057 Duisburg, DE;
Wedig, Harald, Swalmen, NL
Erfinder Wolf, Roland, 47057 Duisburg, DE;
Wedig, Harald, 6071 Swalmen, NL
Vertreter derzeit kein Vertreter bestellt
Vertragsstaaten AT, BE, BG, CH, CY, CZ, DE, DK, EE, ES, FI, FR, GB, GR, HU, IE, IS, IT, LI, LT, LU, MC, NL, PL, PT, RO, SE, SI, SK, TR
Sprache des Dokument DE
EP-Anmeldetag 30.06.2005
EP-Aktenzeichen 051059194
EP-Offenlegungsdatum 03.01.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.02.2007
IPC-Hauptklasse C05F 11/02(2006.01)A, F, I, 20061205, B, H, EP
IPC-Nebenklasse C05F 11/04(2006.01)A, L, I, 20061205, B, H, EP   A01G 9/04(2006.01)A, L, I, 20061205, B, H, EP   A01G 31/00(2006.01)A, L, I, 20061205, B, H, EP   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Bodenhilfsstoffs, den dadurch erhältlichen Bodenhilfsstoff und ein Bodenprodukt, dass den Bodenhilfsstoff enthält.

Terra preta bezeichnet eine äußerst fruchtbare anthropogene Bodenart Amazoniens. Terra preta findet sich dort, wo Indiokulturen schon vor mehr als 2000 Jahren begannen, standorttreue Landwirtschaft zu betreiben. Es handelt sich um eine dunkle Bodenart, die sich durch hohe Verfügbarkeit von verschiedenen Wachstumsstoffen auszeichnet. Gefunden wurde in ihr Holzkohlestücke unterschiedlichster Größe, Ton, Schluff, Sand, Keramikreste, Kalk (Muscheln) sowie verwitterte organische Abfälle, wie zum Beispiel Knochen, Pflanzenreste, Fäkalien. Diese durch den Menschen entstandene Bodenart speichert Wasser und bewahrt Nährstoffe vor Auswaschung und Oxidierung, so dass sie wesentlich fruchtbarer ist, als die ursprünglich dort vorhandenen, stark oxidierten Böden des tropischen Regenwaldes.

Terra preta benötigt fast keine Düngemittel und liefert dauerhaft höhere Erträge als die im Rahmen der Brandrodung nur wenige Jahre hintereinander bewirtschafteten Böden.

Es ist schon versucht worden, Terra preta künstlich herzustellen, insbesondere wurde versucht, die genaue stoffliche Zusammensetzung zu ermitteln und nachzubauen. Dabei wurde die Rolle der Holzkohle als Wasserspeicher und Speicher der Nährstoffe erkannt. Die Fruchtbarkeit der Terra preta konnte dadurch aber nicht reproduziert werden.

Es besteht daher immer noch Bedarf nach einem Bodenhilfsstoff, der genutzt werden kann, um die Eigenschaften der Terra preta nachzuahmen.

Überraschenderweise wurde gefunden, dass ein solcher Bodenhilfsstoff erhalten werden kann, durch ein Verfahren, umfassend die folgenden Schritte:

  • a) Bereitstellen von Holzkohle mit einer mittleren Korngröße ≤ 25 mm,
  • b) Inkontaktbringen der Holzkohle mit Wasser und Pflanzennährstoffen, um ein Wachstumsmedium zu erhalten,
  • c) Inkontaktbringen des Wachstumsmediums mit Bodenmikroorganismen, um ein Kulturmedium zu erhalten,
  • d) Inkubation des Kulturmediums bei Temperaturen zwischen 25 bis 35°C für mindestens drei Tage.

Holzkohle besitzt die dem Ausgangstoff Holz eigenen Kapillare in unterschiedlichen Durchmessern. Hierdurch ergibt sich eine vielgestaltige, große Oberfläche. So hat 1 Gramm Holzkohle eine Oberfläche von bis zu 5.000 m2. Die unterschiedlichen Durchmesser der Kapillaren sorgen auf engem Raum für unterschiedliche Lebensbedingungen. Die Kapillarkräfte verhindern eine Ausdunstung des in der Holzkohle gespeicherten Wassers. Belüftete und unter Luftabschluss stehende Bereiche liegen hierbei dicht beieinander.

Im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen, in der Holzkohle nur als Wasser- und Nährstoffspeicher angesehen wurde, wird erfindungsgemäß eine biologische Aktivierung mit Bodenmikroorganismen erreicht. Die Holzkohle dient somit nicht nur als physikalisches Speichermedium für Wasser und Nährstoffe, sondern zugleich als Träger und Lebensraum für Mirkoorganismen. Es wird vermutet, dass dies eine optimale Erschließung der Nährstoffe und Mineralien für die Pflanzenwurzeln ermöglicht.

Als "Mikrobiotop" bietet Holzkohle sowohl aerobe als auch anaerobe Bereiche. Die Mikroorganismen überleben in der Holzkohle auch dann noch, wenn das umgebende Substrat durch Austrocknung oder Auswaschung als Lebensraum unbrauchbar wird.

Erfindungsgemäß kann Holzkohle verschiedenster Holzarten eingesetzt werden und zwar sowohl sortenreine Holzkohle als auch Holzkohle, die aus mehreren Holzarten gemischt wird. Geeignete Holzkohle ist beispielsweise Buchenholzkohle.

Die Holzkohle wird typischerweise zerkleinert eingesetzt, wobei die bevorzugte Korngröße im Bereich von 2-10 mm liegt. Sie wird anschließend mit Wasser und Pflanzennährstoffen in Kontakt gebracht. Pflanzennährstoffe können organische oder anorganischer Herkunft sein. Typische Pflanzennährstoffe sind insbesondere Nitrat, Phosphat und Kalium.

Die einzusetzenden Mengen an Wasser und Pflanzennährstoffen hängen ab von der Art der Holzkohle. Für 1 Kilogramm Holzkohle haben sich Mengen von 1-3 kg Wasser und 0,05-0,02 kg Pflanzennährstoffe (Trockengewicht) als geeignet erwiesen. Die Holzkohle wird mit Wasser und den Pflanzennährstoffen vermischt und anschließend mit Bodenmikroorganismen in Kontakt gebracht. Die Bodenmikroorganismen werden beispielsweise in Form von Bodenproben eingebracht. Alternativ hierzu können auch Mikroorganismennährlösungen verwendet werden, in denen eine spezifische Zusammensetzung der Mikroorganismen erreicht wird. Als vorteilhaft wird angesehen, wenn es sich um eine Mischung einer Vielzahl von Bakterien handelt, unter anderem anaerobe und aerobe Bakterien, Stickstofffixierer, Photosynthesebakterien, aber auch Myzeten.

Ein besonders geeignete Mischung ist beispielsweise unter dem Namen "effektive Mikroorganismen" erhältlich unter anderem von den Firmen Mikro Veda Handelsgesellschaft mbH in Xanten oder EMIKO Handelsgesellschaft mbH in Dützhof. Effektive Mikroorganismen sind Mischungen von über 80 Arten von Mikroorganismen, die symbiotisch zusammen leben. Hefen, Milchsäurebakterien und Photosynthesebakterien bilden dabei die größte Gruppe. Die verschiedenen Gruppen leben teils von den Stoffwechselprodukten der anderen.

Nach Kombination von Holzkohle, Wasser, Nährstoffen und Mikroorganismen erfolgt eine Inkubation des Kulturmediums bei geeigneten Wachstumstemperaturen, typischerweise zwischen 25-35 °C. Eine geeignete Zeitdauer hängt ab von der Art der eingesetzten Mikroorganismen. Sie liegt typischerweise bei einem Zeitraum von 5-10 Tagen.

Hierdurch wird die Holzkohle besiedelt (beimpft). In typischen, humusarmen Böden sind solche Mikroorganismen wetterbedingten Milieuwechseln ausgesetzt, denen sie nicht standhalten können. Dauerhafte Bodenimpfungen mit Mikroorganismen scheiterten daher nach kurzer Zeit, weil durch Austrocknung oder Ausschwemmung Mikroorganismen verloren gehen und eine Rückbesiedlung nur sehr zögerlich und nicht vollständig eintritt. Durch die Bereitstellung des "Mikrobiotops" in der Holzkohle ist eine Rückbesiedlung des Bodens wesentlich vereinfacht. Nur diese kontinuierliche Besiedlung führt zusammen mit Durchlüftung, Wasserhaltekapazität und Nährstoffspeicherfähigkeit zu einem äußerst fruchtbaren Bodenhilfs- und -nährstoff.

Grundsätzlich kann der Bodenhilfsstoff so direkt in Böden eingearbeitet werden. Er kann auch direkt in reiner Form in Pflanztöpfen als Ersatz für Hydrokultursubstrate eingesetzt werden. Er kann aber auch mit Erde oder einem anderen Pflanzsubstrat zunächst vermischt werden und dann aufgebracht oder verpackt und zur späteren Verwendung gelagert werden. Auch der Bodenhilfsstoff kann verpackt und zur späteren Verwendung gelagert werden.

Gegenstand der Erfindung ist weiterhin ein Bodenhilfsstoff, der durch das erfindungsgemäße Verfahren erhältlich ist.

Gegenstand der Erfindung ist weiterhin ein Bodenhilfsstoff enthaltend Holzkohle, Wasser, Pflanzennährstoffe und Bodenmikroorganismen.

Gegenstand der Erfindung ist weiterhin ein Bodenprodukt enthaltend den Bodenhilfsstoff und Erde oder ein anderes Pflanzensubstrat in einem Gewichtsverhältnis von 1:99 bis 20:80 Gew.-%.

Die vorliegende Erfindung wird durch die folgenden Beispiele näher beschrieben

Beispiel 1

10 kg Holzkohle mit einer mittleren Korngröße von 15 mm, gewonnen aus handelsüblicher Buchenholzgrillkohle, die gemörsert wurde, wurden mit 25 I Wasser und 1,5 kg handelsüblichem NPK-Pflanzendünger (Stickstoff, Phosphor, Kalium) versetzt. Die Mischung wurde innig vermischt. Anschließend wurden effektive Mikroorganismen in einer Menge von 1 I EM 1 nach Professor Teruo Higa, Landwirtschaftliche Fakultät der Ryukyu-Universität Okinawa, Japan (Firma Veda Handelsgesellschaft mbH) als wässrige Lösung aufgesprüht.

Diese Mischung wurde bei einer Temperatur von 30 bis 35°C für einen Zeitraum von 9 Tagen in einer lichtgeschützten Brutvorrichtung gelagert.

Das erhaltene Produkt wurde mit 225 I Pflanzerde vermischt. Die so behandelte Erde wurde als Pflanzsubstrat für 100 unbewurzelte Johannisbeerstecklingen eingesetzt.

Den derart gepflanzten Stecklingen wurden zwei Vergleichsgruppen vorgestellt:

Vergleichsgruppe 1: 100 Johannisbeerstecklinge wurden im Vergleichsboden ohne den oben beschriebenen Bodenhilfs- und Nährstoff gepflanzt. Es erfolgte zu Beginn eine Düngung mit Vergleichspflanzendünger.

Vergleichsgruppe 2: 100 Johannisbeerstecklinge wurden im Vergleichsboden folgender Beschaffenheit gepflanzt: Dem Vergleichsboden wurde dieselbe Menge der wie in Beispiel 1 beschriebenen mit Wasser und Nährstoffen versetzten Holzkohle beigemischt, ohne diese zuvor mit EM1 zu durchmengen und zu inkubieren.

Die Pflanzung aller Gruppen erfolgte in 2,5 I Töpfen als Freilandversuch. Nach der Initialwässerung wurden alle Gruppen nicht mehr künstlich gewässert.

Nach 4 Monaten waren folgende Resultate festzustellen:

Vergleichsgruppe 1:
Totalausfall der Setzlinge.
Vergleichsgruppe 2:
60% der Setzlinge waren angegangen, jedoch von kümmerlichem Wuchs und durch Trockenheit geschädigt. Bei fast allen Setzlingen waren die Blätter teilweise gelb verfärbt.
Gruppe nach Beispiel 1:
Alle Setzlinge waren angegangen und kräftiger gewachsen als die Setzlinge in Vergleichsgruppe 2. Die Blätter zeigten durchgängig sattgrüne Färbung.

Beispiel 2

10 kg Weidenholzkohle einer mittleren Korngröße von 20 mm wurden mit 30 I Wasser und 2 kg handelsüblichem NPK-Pflanzendünger (Stickstoff, Phosphor, Kalium) versetzt. Die Mischung wurde innig vermischt. Anschließend wurden 1 I effektive Mikroorganismen EM 1 nach Professor Teruo Higa, Landwirtschaftliche Fakultät der Ryukyu-Universität Okinawa, Japan als wässrige Lösung mit einer Gießkanne aufgetragen.

Diese Mischung wurde bei einer Temperatur von 30 bis 35°C für einen Zeitraum von 10 Tagen in einer lichtgeschützten Brutvorrichtung gelagert.

Das erhaltene Produkt wurde mit 120 I Pflanzerde vermischt. Die so behandelte Erde wurde als Pflanzsubstrat für 100 unbewurzelte Johannisbeerstecklinge eingesetzt.


Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung eines Bodenhilfsstoffs umfassend die folgenden Schritte a) Bereitstellen von Holzkohle mit einer mittleren Korngröße ≤ 25 mm, b) Inkontaktbringen der Holzkohle mit Wasser und Pflanzennährstoffen, um ein Wachstumsmedium zu erhalten, c) Inkontaktbringen des Wachstumsmediums mit Bodenmikroorganismen, um ein Kulturmedium zu erhalten, d) Inkubation des Kulturmediums bei Temperaturen zwischen 25 bis 37°C für mindestens drei Tage. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Holzkohle eine mittlere Korngröße zwischen 2 und 10 mm aufweist. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Pflanzennährstoffe organischer oder anorganischer Herkunft sind. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass pro kg Holzkohle 1 bis 3 kg Wasser und 0,05 bis 0,2 kg Pflanzennährstoffe zugesetzt werden. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Bodenmikroorganismen in Form von Bodenproben oder in Form von Mikroorganismen-Nährlösungen zugefügt werden. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Mikroorganismen ausgewählt aus anaeroben und aeroben Bakterien, Stickstoffbindern, Photosynthesebakterien, Myzeten und Mischungen davon ausgewählt werden. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Inkubation für einen Zeitraum von fünf bis zehn Tagen erfolgt. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Bodenhilfsstoff mit Erde oder einem anderen Pflanzensubstrat vermischt wird. Bodenhilfsstoff enthaltend Holzkohle, Wasser, Pflanzennährstoffe und Bodenmikroorganismen. Bodenhilfsstoff nach Anspruch 9 erhältlich durch ein Verfahren gemäß Anspruch 1. Bodenprodukt enthaltend einen Bodenhilfsstoff nach einem der Ansprüche 9 oder 10 sowie Erde oder ein anderes Pflanzensubstrat in einem Gewichtsverhältnis von 1:99 bis 20:80 Gew.-%.






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