Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung
eines Bodenhilfsstoffs, den dadurch erhältlichen Bodenhilfsstoff und ein Bodenprodukt,
dass den Bodenhilfsstoff enthält.
Terra preta bezeichnet eine äußerst fruchtbare
anthropogene Bodenart Amazoniens. Terra preta findet sich dort, wo Indiokulturen
schon vor mehr als 2000 Jahren begannen, standorttreue Landwirtschaft zu betreiben.
Es handelt sich um eine dunkle Bodenart, die sich durch hohe Verfügbarkeit
von verschiedenen Wachstumsstoffen auszeichnet. Gefunden wurde in ihr Holzkohlestücke
unterschiedlichster Größe, Ton, Schluff, Sand, Keramikreste, Kalk (Muscheln)
sowie verwitterte organische Abfälle, wie zum Beispiel Knochen, Pflanzenreste,
Fäkalien. Diese durch den Menschen entstandene Bodenart speichert Wasser und
bewahrt Nährstoffe vor Auswaschung und Oxidierung, so dass sie wesentlich fruchtbarer
ist, als die ursprünglich dort vorhandenen, stark oxidierten Böden des
tropischen Regenwaldes.
Terra preta benötigt fast keine Düngemittel und
liefert dauerhaft höhere Erträge als die im Rahmen der Brandrodung nur
wenige Jahre hintereinander bewirtschafteten Böden.
Es ist schon versucht worden, Terra preta künstlich
herzustellen, insbesondere wurde versucht, die genaue stoffliche Zusammensetzung
zu ermitteln und nachzubauen. Dabei wurde die Rolle der Holzkohle als Wasserspeicher
und Speicher der Nährstoffe erkannt. Die Fruchtbarkeit der Terra preta konnte
dadurch aber nicht reproduziert werden.
Es besteht daher immer noch Bedarf nach einem Bodenhilfsstoff,
der genutzt werden kann, um die Eigenschaften der Terra preta nachzuahmen.
Überraschenderweise wurde gefunden, dass ein solcher
Bodenhilfsstoff erhalten werden kann, durch ein Verfahren, umfassend die folgenden
Schritte:
- a) Bereitstellen von Holzkohle mit einer mittleren Korngröße ≤
25 mm,
- b) Inkontaktbringen der Holzkohle mit Wasser und Pflanzennährstoffen, um
ein Wachstumsmedium zu erhalten,
- c) Inkontaktbringen des Wachstumsmediums mit Bodenmikroorganismen, um ein Kulturmedium
zu erhalten,
- d) Inkubation des Kulturmediums bei Temperaturen zwischen 25 bis 35°C für
mindestens drei Tage.
Holzkohle besitzt die dem Ausgangstoff Holz eigenen Kapillare
in unterschiedlichen Durchmessern. Hierdurch ergibt sich eine vielgestaltige, große
Oberfläche. So hat 1 Gramm Holzkohle eine Oberfläche von bis zu 5.000
m2. Die unterschiedlichen Durchmesser der Kapillaren sorgen auf engem
Raum für unterschiedliche Lebensbedingungen. Die Kapillarkräfte verhindern
eine Ausdunstung des in der Holzkohle gespeicherten Wassers. Belüftete und
unter Luftabschluss stehende Bereiche liegen hierbei dicht beieinander.
Im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen, in der Holzkohle
nur als Wasser- und Nährstoffspeicher angesehen wurde, wird erfindungsgemäß
eine biologische Aktivierung mit Bodenmikroorganismen erreicht. Die Holzkohle dient
somit nicht nur als physikalisches Speichermedium für Wasser und Nährstoffe,
sondern zugleich als Träger und Lebensraum für Mirkoorganismen. Es wird
vermutet, dass dies eine optimale Erschließung der Nährstoffe und Mineralien
für die Pflanzenwurzeln ermöglicht.
Als "Mikrobiotop" bietet Holzkohle sowohl aerobe als auch
anaerobe Bereiche. Die Mikroorganismen überleben in der Holzkohle auch dann
noch, wenn das umgebende Substrat durch Austrocknung oder Auswaschung als Lebensraum
unbrauchbar wird.
Erfindungsgemäß kann Holzkohle verschiedenster
Holzarten eingesetzt werden und zwar sowohl sortenreine Holzkohle als auch Holzkohle,
die aus mehreren Holzarten gemischt wird. Geeignete Holzkohle ist beispielsweise
Buchenholzkohle.
Die Holzkohle wird typischerweise zerkleinert eingesetzt,
wobei die bevorzugte Korngröße im Bereich von 2-10 mm liegt. Sie wird
anschließend mit Wasser und Pflanzennährstoffen in Kontakt gebracht. Pflanzennährstoffe
können organische oder anorganischer Herkunft sein. Typische Pflanzennährstoffe
sind insbesondere Nitrat, Phosphat und Kalium.
Die einzusetzenden Mengen an Wasser und Pflanzennährstoffen
hängen ab von der Art der Holzkohle. Für 1 Kilogramm Holzkohle haben sich
Mengen von 1-3 kg Wasser und 0,05-0,02 kg Pflanzennährstoffe (Trockengewicht)
als geeignet erwiesen. Die Holzkohle wird mit Wasser und den Pflanzennährstoffen
vermischt und anschließend mit Bodenmikroorganismen in Kontakt gebracht. Die
Bodenmikroorganismen werden beispielsweise in Form von Bodenproben eingebracht.
Alternativ hierzu können auch Mikroorganismennährlösungen verwendet
werden, in denen eine spezifische Zusammensetzung der Mikroorganismen erreicht wird.
Als vorteilhaft wird angesehen, wenn es sich um eine Mischung einer Vielzahl von
Bakterien handelt, unter anderem anaerobe und aerobe Bakterien, Stickstofffixierer,
Photosynthesebakterien, aber auch Myzeten.
Ein besonders geeignete Mischung ist beispielsweise unter
dem Namen "effektive Mikroorganismen" erhältlich unter anderem von den Firmen
Mikro Veda Handelsgesellschaft mbH in Xanten oder EMIKO Handelsgesellschaft mbH
in Dützhof. Effektive Mikroorganismen sind Mischungen von über 80 Arten
von Mikroorganismen, die symbiotisch zusammen leben. Hefen, Milchsäurebakterien
und Photosynthesebakterien bilden dabei die größte Gruppe. Die verschiedenen
Gruppen leben teils von den Stoffwechselprodukten der anderen.
Nach Kombination von Holzkohle, Wasser, Nährstoffen
und Mikroorganismen erfolgt eine Inkubation des Kulturmediums bei geeigneten Wachstumstemperaturen,
typischerweise zwischen 25-35 °C. Eine geeignete Zeitdauer hängt ab von
der Art der eingesetzten Mikroorganismen. Sie liegt typischerweise bei einem Zeitraum
von 5-10 Tagen.
Hierdurch wird die Holzkohle besiedelt (beimpft). In typischen,
humusarmen Böden sind solche Mikroorganismen wetterbedingten Milieuwechseln
ausgesetzt, denen sie nicht standhalten können. Dauerhafte Bodenimpfungen mit
Mikroorganismen scheiterten daher nach kurzer Zeit, weil durch Austrocknung oder
Ausschwemmung Mikroorganismen verloren gehen und eine Rückbesiedlung nur sehr
zögerlich und nicht vollständig eintritt. Durch die Bereitstellung des
"Mikrobiotops" in der Holzkohle ist eine Rückbesiedlung des Bodens wesentlich
vereinfacht. Nur diese kontinuierliche Besiedlung führt zusammen mit Durchlüftung,
Wasserhaltekapazität und Nährstoffspeicherfähigkeit zu einem äußerst
fruchtbaren Bodenhilfs- und -nährstoff.
Grundsätzlich kann der Bodenhilfsstoff so direkt in
Böden eingearbeitet werden. Er kann auch direkt in reiner Form in Pflanztöpfen
als Ersatz für Hydrokultursubstrate eingesetzt werden. Er kann aber auch mit
Erde oder einem anderen Pflanzsubstrat zunächst vermischt werden und dann aufgebracht
oder verpackt und zur späteren Verwendung gelagert werden. Auch der Bodenhilfsstoff
kann verpackt und zur späteren Verwendung gelagert werden.
Gegenstand der Erfindung ist weiterhin ein Bodenhilfsstoff,
der durch das erfindungsgemäße Verfahren erhältlich ist.
Gegenstand der Erfindung ist weiterhin ein Bodenhilfsstoff
enthaltend Holzkohle, Wasser, Pflanzennährstoffe und Bodenmikroorganismen.
Gegenstand der Erfindung ist weiterhin ein Bodenprodukt
enthaltend den Bodenhilfsstoff und Erde oder ein anderes Pflanzensubstrat in einem
Gewichtsverhältnis von 1:99 bis 20:80 Gew.-%.
Die vorliegende Erfindung wird durch die folgenden Beispiele
näher beschrieben
Beispiel 1
10 kg Holzkohle mit einer mittleren Korngröße
von 15 mm, gewonnen aus handelsüblicher Buchenholzgrillkohle, die gemörsert
wurde, wurden mit 25 I Wasser und 1,5 kg handelsüblichem NPK-Pflanzendünger
(Stickstoff, Phosphor, Kalium) versetzt. Die Mischung wurde innig vermischt. Anschließend
wurden effektive Mikroorganismen in einer Menge von 1 I EM 1 nach Professor Teruo
Higa, Landwirtschaftliche Fakultät der Ryukyu-Universität Okinawa, Japan
(Firma Veda Handelsgesellschaft mbH) als wässrige Lösung aufgesprüht.
Diese Mischung wurde bei einer Temperatur von 30 bis 35°C
für einen Zeitraum von 9 Tagen in einer lichtgeschützten Brutvorrichtung
gelagert.
Das erhaltene Produkt wurde mit 225 I Pflanzerde vermischt.
Die so behandelte Erde wurde als Pflanzsubstrat für 100 unbewurzelte Johannisbeerstecklingen
eingesetzt.
Den derart gepflanzten Stecklingen wurden zwei Vergleichsgruppen
vorgestellt:
Vergleichsgruppe 1: 100 Johannisbeerstecklinge wurden im
Vergleichsboden ohne den oben beschriebenen Bodenhilfs- und Nährstoff gepflanzt.
Es erfolgte zu Beginn eine Düngung mit Vergleichspflanzendünger.
Vergleichsgruppe 2: 100 Johannisbeerstecklinge wurden im
Vergleichsboden folgender Beschaffenheit gepflanzt: Dem Vergleichsboden wurde dieselbe
Menge der wie in Beispiel 1 beschriebenen mit Wasser und Nährstoffen versetzten
Holzkohle beigemischt, ohne diese zuvor mit EM1 zu durchmengen und zu inkubieren.
Die Pflanzung aller Gruppen erfolgte in 2,5 I Töpfen
als Freilandversuch. Nach der Initialwässerung wurden alle Gruppen nicht mehr
künstlich gewässert.
Nach 4 Monaten waren folgende Resultate festzustellen:
- Vergleichsgruppe 1:
- Totalausfall der Setzlinge.
- Vergleichsgruppe 2:
- 60% der Setzlinge waren angegangen, jedoch von kümmerlichem Wuchs und durch
Trockenheit geschädigt. Bei fast allen Setzlingen waren die Blätter teilweise
gelb verfärbt.
- Gruppe nach Beispiel 1:
- Alle Setzlinge waren angegangen und kräftiger gewachsen als die Setzlinge
in Vergleichsgruppe 2. Die Blätter zeigten durchgängig sattgrüne
Färbung.
Beispiel 2
10 kg Weidenholzkohle einer mittleren Korngröße
von 20 mm wurden mit 30 I Wasser und 2 kg handelsüblichem NPK-Pflanzendünger
(Stickstoff, Phosphor, Kalium) versetzt. Die Mischung wurde innig vermischt. Anschließend
wurden 1 I effektive Mikroorganismen EM 1 nach Professor Teruo Higa, Landwirtschaftliche
Fakultät der Ryukyu-Universität Okinawa, Japan als wässrige Lösung
mit einer Gießkanne aufgetragen.
Diese Mischung wurde bei einer Temperatur von 30 bis 35°C
für einen Zeitraum von 10 Tagen in einer lichtgeschützten Brutvorrichtung
gelagert.
Das erhaltene Produkt wurde mit 120 I Pflanzerde vermischt.
Die so behandelte Erde wurde als Pflanzsubstrat für 100 unbewurzelte Johannisbeerstecklinge
eingesetzt.