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Dokumentenidentifikation EP1754872 05.04.2007
EP-Veröffentlichungsnummer 0001754872
Titel Ottomotor mit variabler Ventilsteuerung und einem Betrieb im Atkinsonzyklus
Anmelder Ford Global Technologies, LLC, Dearborn, Mich., US
Erfinder Lenz, Ingo, 50858 Koeln, DE;
Phlips, Patrick Joseph, 50858 Koeln, DE;
Brinkmann, Franz, 50354 Hürth-Efferen, DE;
Biundo, John, MI 48088 Warren, US;
Boggs, David, MI 48301 Bloomfield Hills, US
Vertreter derzeit kein Vertreter bestellt
Vertragsstaaten AT, BE, BG, CH, CY, CZ, DE, DK, EE, ES, FI, FR, GB, GR, HU, IE, IS, IT, LI, LT, LU, LV, MC, NL, PL, PT, RO, SE, SI, SK, TR
Sprache des Dokument DE
EP-Anmeldetag 17.08.2005
EP-Aktenzeichen 051075455
EP-Offenlegungsdatum 21.02.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 05.04.2007
IPC-Hauptklasse F02D 13/02(2006.01)A, F, I, 20070123, B, H, EP
IPC-Nebenklasse F02B 27/00(2006.01)A, L, I, 20070123, B, H, EP   F02B 41/04(2006.01)A, L, I, 20070123, B, H, EP   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft einen Ottomotor mit variabler Ventilsteuerung und einem Betrieb im Atkinsonzyklus gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.

Unter der Bezeichnung "Atkinsonzyklus" bzw. "Atkinsontakt" ist eine Steuerungstechnik für Ottomotoren bekannt, durch welche die Motoreffizienz gesteigert werden kann. Eine Definition und Analyse eines Otto-Atkinsontaktes, der ein variables Schließen der Einlaßventile und ein veränderliches Brennkammervolumen erfordert, findet sich bei Luria et al. (The Otto-Atkinson engine, a new concept in automotive economy, SAE Technical Paper 820352 ) und Boggs et al. (The Otto-Atkinson engine - Fuel Economy and Emission Results and Hardware Design, SAE Technical Paper 950089 ). In einer einfachen Form erfordert der Atkinsontakt lediglich ein erhöhtes Kompressionsverhältnis und ein spätes Schließen der Einlaßventile (vgl. Blakey, S., et al., "A Design and Experimental Study of an Otto Atkinson Cycle Engine Using Late Intake Valve Closing", SAE Technical Paper 910451 ). Der Atkinsonzyklus wird bei Verbrennungsmotoren nach dem Stand der Technik insbesondere zur Effizienzsteigerung im Volllastbereich eingesetzt. Die Verwendung eines Atkinsonzyklus ist auch bei speziellen Verbrennungsmotoren zur Verwendung in Hybridfahrzeugen bekannt, bei denen der Verbrennungsmotor stets in relativ eng vorgegebenen Motorbetriebsparameterbereichen arbeiten kann.

Das Prinzip des Atkinsonzyklus in seiner einfachen Form wird nachfolgend anhand der Figuren 1 und 2 näher erläutert. Figur 1 zeigt im linken Bereich einen Viertakt-Ottomotor in einem konventionellen Betriebsmodus; im rechten Bereich sind die jeweils entsprechenden Phasen in einem Atkinsonzyklus dargestellt.

Die jeweils erste Zylinderdarstellung von links zeigt den Zylinder zum Zeitpunkt des Schließens der Einlaßventile. Ein wesentliches Merkmal des Atkinsonzyklus besteht darin, daß sich der Kolben zu diesem Zeitpunkt nicht am unteren Totpunkt (BDC) befindet, sondern bereits dahinter, so daß ein Teil des über das geöffnete Einlaßventil angesaugten Gemisches wieder in den Einlaßkanal zurück befördert wird. Dieses späte Schließen der Einlaßventile ermöglicht es, den Expansionszyklus (vgl. dritte Darstellung von links) über ein größeres Volumen durchzuführen, wodurch ein verbesserter thermodynamischer Wirkungsgrad erzielt wird. Hierdurch ist das effektive Verdichtungsverhältnis (d. h. das von dem Kolben verdrängte Volumen ab dem Schließzeitpunkt des Einlaßventils) gegenüber dem Expansionsverhältnis reduziert, wobei gleichzeitig der (maximale) Kompressionsdruck, der durch die Klopfneigung des verwendeten Kraftstoffes begrenzt ist, gegenüber einem konventionell betriebenen Motor im Wesentlichen beibehalten wird, vgl. die jeweils mittlere Darstellung in Figur 1. Ein Ottomotor mit Atkinsonbetrieb erfordert einen größeren geometrischen Hubraum und somit ein höheres geometrisches Kompressionsverhältnis als ein konventioneller Motor gleicher Leistung. Der Ablauf eines Atkinson-Zyklus ist in einem logarithmischen Druckdiagramm abhängig von dem Zylindervolumen qualitativ in Figur 2 dargestellt. Die durch das vergrößerte Expansionsvolumen erzielte Arbeit ist schraffiert gekennzeichnet.

Eine weitere grundsätzlich bekannte Maßnahme zur Erhöhung der Kraftstoffeffizienz ist der Einsatz einer variablen Nockenwellensteuerung. Bei der Nockenwellensteuerung handelt es sich um eine bekannte Technologie, die zunehmend bei Benzinmotoren mit doppelten oben liegenden Nockenwellen eingesetzt wird und mittlerweile auch im Kleinwagensegment wirtschaftlich einsetzbar ist.

Mittels der variablen Nockenwellensteuerung wird u.a. versucht, die konventionelle Drosselklappen-Laststeuerung zu ersetzen, da diese relativ hohe Strömungsverluste (nachfolgend als "Pumpverluste" bezeichnet) mit sich bringt. Ein derartiger Betrieb eines Ottomotors ohne Drosselklappen kann beispielsweise über mechanische Ventilstellglieder mit einer hohen Flexibilität hinsichtlich der Öffnungs- und Schließzeitpunkte sowie des Ventilhubes erfolgen. Die Steuerung der Zylinderfüllung über den Ventilhub erfordert dabei jedoch eine große mechanische Präzision in der Ausführung, damit es bei kleinen Hüben nicht zu Ungleichheiten zwischen den verschiedenen Zylindern kommt. Diese Anforderungen verteuern die entsprechenden Systeme, verkomplizieren ihre Wartung und erhöhen die Störanfälligkeit.

Unter Kostenaspekten strebt man weiterhin an, Motorenfamilien mit Motoren unterschiedlicher Leistung zu konzipieren, die in Entwicklung, Herstellung und Wartung möglichst große Ähnlichkeiten aufweisen.

Vor diesem Hintergrund bestand eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung darin, einen besonders kostengünstigen Ottomotor mit verbesserter Kraftstoffökonomie und vorteilhaften Drehmomenteigenschaften zu entwickeln, bei dessen Entwicklung auf ein leistungsstärkeres Mitglied einer Motorenfamilie zurückgegriffen werden kann.

Die Lösung der vorgenannten Aufgabe erfolgt anhand der Merkmale des Patentanspruches 1.

Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen beschrieben.

Ein Merkmal der Erfindung, das auch unabhängig von den übrigen Merkmalen der Erfindung eingesetzt werden kann, besteht darin, daß der Verbrennungsmotor - vorzugsweise über seinen gesamten Betriebsbereich, d.h. Leerlauf, Teillast, Volllast - in einem Atkinsonzyklus betrieben wird. Hierzu ist die Einlaßventilsteuerung bevorzugt derart ausgebildet, daß das Schließen der Einlaßventile stets erst im Kompressionstakt jeweils deutlich nach dem unteren Totpunkt des Zylinderkolbens erfolgt. Dadurch, daß der Motor stets im Atkinsonbetrieb betrieben werden kann, kann dieser mit einem konstanten erhöhten geometrischen Kompressionsverhältnis betrieben werden, so daß aufwendige Einrichtungen, z. B. zur Kolbenhubverstellung, nicht erforderlich sind.

Ein weiteres Merkmal der Erfindung, das auch unabhängig von dem weiteren Merkmal der Erfindung eingesetzt werden kann, besteht darin, daß eine Laststeuerung durch eine Veränderung des Schließzeitpunktes der Einlaßventile erfolgt, wobei zur Verringerung der abgegebenen Last der Einlaßventilschließzeitpunkt nach spät verschoben wird bzw. zur Erhöhung der abgegebenen Last nach früh verschoben wird. Dabei verbleibt der Einlaßventilschließzeitpunkt in der Regel deutlich hinter dem unteren Totpunkt, so daß der Atkinsonzyklus aufrechterhalten bleibt. Durch die weitere Spätverstellung des Einlaßventilschließens wird ein zunehmend größerer Teil des eingelassenen Gemischs in den Ansaugkanal zurück befördert, so daß dieser Teil am Verbrennungsprozeß nicht teilnimmt. Die hierbei auftretenden Strömungsverluste sind - verglichen mit den Pumpverlusten an einer Drosselklappe - gering, so daß die Pumparbeit des Motors verringert wird.

Das Maß der hierdurch erzielbaren Laststeuerung reicht in der Regel nicht aus, um auf eine konventionelle Drosselklappe verzichten zu können, jedoch kann der Drosselungsgrad durch die Drosselklappe verringert werden, wodurch die Pumpverluste reduziert werden.

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung liegt der Schließzeitpunkt des Einlaßventils in einem Bereich von 40 ° bis 160 °, bevorzugt in einem Bereich von mehr als 80 ° bis 130 ° Kurbelwellenwinkel hinter dem unteren Totpunkt der Kolbenbewegung.

Die Verstellung des Einlaßventilschließzeitpunktes erfolgt bevorzugt mittels einer phasenverstellbaren Einlaßventilnockenwelle, d. h. einer Verstellung des Öffnungs- und Schließzeitpunktes sämtlicher Einlaßventile, wobei das Auslaßventil-timing in einer Ausführungsform der Erfindung jeweils unverändert bleibt. Das Auslaßventil-Timing kann alternativ im Hinblick auf einen optimierten Verbrennungsprozeß ebenfalls variiert werden; insbesondere ist eine gleichförmige Verstellung des Auslaßventiltimings mit dem Einlaßventiltiming möglich.

Im Rahmen der Erfindung sind auch andere Verstelleinrichtungen denkbar, so z. B. Verstellmechanismen, bei denen die Einlaßventilschließzeiteinstellung unabhängig von der Einlaßventilöffnungszeiteinstellung erfolgen kann. Es ist auch denkbar, daß die einzelnen Ventile mittels individueller Aktuatoren gesteuert werden, was eine maximale Steuerungsflexibilität gewährleistet. Die Erfindung kann auch bei Ottomotoren eingesetzt werden, die pro Zylinder jeweils mehrere Einlaß- und/oder Auslaßventile aufweisen.

Ein weiteres Merkmal der vorliegenden Erfindung, das auch unabhängig von den vorstehenden Merkmalen eingesetzt werden kann, besteht darin, daß das Ansaugsystem strömungsdynamisch derart dimensioniert ist, daß das drehzahlabhängige Maximum des Liefergrades, das als "dynamische Überhöhung" bezeichnet wird, erst bei einer Motordrehzahl erreicht wird, die oberhalb der Nenndrehzahl des Motors liegt, so daß diese dynamische Überhöhung nicht zum Tragen kommt.

Dem liegen folgende Überlegungen zugrunde: Der Liefergrad, d.h. das Verhältnis der tatsächlich erreichten Zylinderfüllung bezogen auf die geometrisch mögliche Zylinderfüllung, verändert sich über den Drehzahlbereich des Motors und hat aufgrund von Resonanzeffekten ein lokales Maximum ("dynamische Überhöhung"). Die Ansaugsysteme konventioneller Motoren sind häufig so ausgelegt, daß die dynamische Überhöhung im oberen Drehzahlbereich liegt, um dort die Leistungs- und Drehmomententfaltung des Motors zu unterstützen. Im Rahmen der Erfindung hat es sich jedoch als zweckmäßig herausgestellt, das Ansaugsystem so auszulegen, daß die dynamische Überhöhung außerhalb des nutzbaren Drehzahlbereichs, d.h. oberhalb der Nenndrehzahl auftritt, typischerweise bei etwa 20% oberhalb der Nenndrehzahl oder bei Drehzahlen oberhalb von etwa 7000 U/min. Dadurch wird einer zu starken Füllung und damit einer zu hohen Verdichtung im oberen Drehzahlbereich entgegengewirkt und somit gewährleistet, daß der Verbrennungsprozeß auch in diesem Drehzahlbereich stets unterhalb der Klopfgrenze stattfinden kann. Dadurch werden - im Gegensatz zu konventionellen Motoren - Maßnahmen zur Verhinderung eines Klopfens - wie z. B. eine zusätzliche Drosselung - überflüssig, was wiederum die Kraftstoffökonomie verbessert.

Die Drehzahl, bei der die dynamische Überhöhung auftritt, hängt, wie dem Fachmann allgemein bekannt ist, in relativ komplexer Weise von der Ansaugsystemgeometrie ab. Im Rahmen einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird vorgeschlagen, das Ansaugsystem in der Länge signifikant zu verkürzen, was in der Regel zu einem Anstieg der Drehzahl, bei der die dynamische Erhöhung auftritt, führt. Darüber hinaus sind im Rahmen der Erfindung auch andere Maßnahmen möglich, um die Resonanzeigenschaften des Ansaugsystems anzupassen, z.B. eine Veränderung des Durchmessers und/oder des Profils des Ansaugkanals.

Die vorliegende Erfindung läßt sich besonders vorteilhaft im Rahmen eines Konzeptes für eine Motorenfamilie einsetzen, indem ein konventionell betriebener Motor mit vergleichsweise größerer Nennleistung und größerem Hubraum im Hinblick auf die Erfindung modifiziert wird, um so einen Motor mit geringerer Nennleistung zu erhalten. Hierzu sind lediglich relativ geringfügige Modifikationen erforderlich, so die Erhöhung des geometrischen Kompressionsverhältnisses, die Änderung der Hubkurve der Einlaßventile sowie der Ansauggeometrie. Ferner ist eine Verstellmöglichkeit wenigstens für den Einlaßventilschließzeitpunkt erforderlich. Der größere Hubraum des größeren Motorenfamilienmitgliedes wird für den vergrößerten Expansionstakt des Atkinsonzyklus genutzt, so daß die Zylindergeometrie gleich bleiben kann. Hierdurch werden mehrere Vorteile erzielt: Zum einen kann auf einheitliche Komponenten, insbesondere einen gleichen Motorblock für verschiedene Motormodelle zurückgegriffen werden. Da die Motoren einer Motorenfamilie im unteren und mittleren Leistungsbereich in der Regel gleiche äußere Abmessungen aufweisen, ist der größere geometrische Hubraum bei dem erfindungsgemäßen Motor hinsichtlich der Fertigungskosten nicht von Nachteil, da dieser aufgrund der größeren Hubraums größere Hohlräume enthält, und somit der Materialeinsatz nicht größer ist als bei einem Motor mit kleinerem Hubraum. Ferner arbeitet der erfindungsgemäße Motor aufgrund des Atkinsonbetriebs und der Einlaßventil-Laststeuerung besonders sparsam, was insbesondere im unteren Fahrzeugsegment von Bedeutung ist. Ferner hat sich herausgestellt, daß mit einem Motor gemäß der vorliegenden Erfindung ein im Vergleich zu konventionell im Atkinsonzyklus betriebenen Ottomotoren vergrößerter einsetzbarer Drehmoment/Lastbereich sowie ein vorteilhafter Volllast-Drehmomentverlauf erzielt werden kann.

Die vorliegende Erfindung wird bevorzugt bei einem Viertakt-Ottomotor eingesetzt, auf den sich auch die nachfolgende Beschreibung bezieht. Es ist darüber hinaus jedoch auch denkbar, das erfindungsgemäße Konzept bei einem Zweitakt-Ottomotor einzusetzen, sofern bei diesem geeignete Maßnahmen zur selektiven Steuerung des Gemischeinlasstimings zur Verfügung stehen.

Neben dem Einsatz bei einem Vergaser-Verbrennungsmotor oder einem Motor mit Saugrohreinspritzung kann das erfindungsgemäße Konzept auch bei einem Motor mit Direkteinspritzung realisiert werden. In diesem Falle wird bei der verlängerten Einlaßphase des Atkinsonzyklus lediglich Ansaugluft in den Einlaßkanal zurückgeschoben.

Im Folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren beispielhaft näher erläutert. Es zeigen:

Figur 1
eine schematische Darstellung verschiedener Zylinderzustände eines konventionellen Verbrennungszyklus im Vergleich zu einem Atkinsonzyklus;
Figur 2
ein Druck/Zylindervolumendiagramm zur Erläuterung des Prinzips eines Atkinsonzyklus;
Figur 3
ein Zylinderdruck/Volumendiagramm mit einem Zylinderdruckverlauf für ein Motorbetriebsverfahren gemäß der Erfindung im Vergleich zu Druckverläufen für konventionelle Motorbetriebsverfahren;
Figur 4
ein Diagramm des drehzahlabhängigen Liefergradverlaufs für verschiedene Motorkonzepte;
Figur 5
ein Drehmoment/Drehzahl-Diagramm für einen erfindungsgemäßen Ottomotor, und
Figur 6
eine schematische Darstellung des Ventiltimings für einen erfindungsgemäßen Ottomotor.

In Figur 3 ist der Druckverlauf im Verlauf eines Verbrennungszyklus für einen Viertakt-Ottomotor abhängig vom aktuellen Zylindervolumen für verschiedene Motorbetriebsverfahren in einem Druckbereich bis 2 bar dargestellt. Die gepunktete Linie zeigt den Druckverlauf für einen konventionell betriebenen Verbrennungsmotor mit einem Hubraum von 1,4 Liter. Demgegenüber zeigt die gestrichelt gezeichnete Linie einen Motor mit einem (geometrischen) Hubraum von 1,6 Liter im Atkinsonbetrieb, wobei aufgrund des verringerten effektiven Ansaugvolumens die Leistung dieses Motors in etwa der des konventionellen 1,4-Liter-Motors entspricht. Wie aus dem Diagramm ersichtlich, geht die Druckkurve des Atkinson-Motors im Ansaugtakt (unten) von einem höheren Zylindervolumen aus, wobei dann beim Arbeitstakt auch eine Expansionsarbeit über einen weiteren Weg geleistet wird (siehe Kurvenverlauf im Diagramm rechts oben). In dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist das Kompressionsverhältnis von etwa 11 bei einem konventionellen Motor auf 12,3 beim Atkinsonmotor erhöht. Die tatsächlichen Werte für das für den Atkinsonzyklus modifizierte Kompressionsverhältnis hängen von verschiedenen Parametern ab, u.a. dem verwendeten Kraftstoff und der damit einhergehenden Klopfneigung und dem Verhältnis zwischen dem effektiven Ansaugvolumen und dem Expansionsvolumen. So ist bei einem RON-91-Kraftstoff eine Erhöhung des Kompressionsverhältnisses von typischerweise 9,7 auf etwa 10,8 möglich; bei einem RON-95-Kraftstoff von 11 auf 12,3. Die Grenzwerte für die im Rahmen der Erfindung verwendbaren Kompressionsverhältnisse liegen bei etwa 13 bis 14:1. Gegenüber einem vergleichbaren Motor ohne Atkinsonbetrieb ergibt sich eine Vergrößerung des geometrischen Kompressionsverhältnisses von etwa 5 % bis 17 %.

Da, wie aus Figur 3 ersichtlich, das effektive Ansaugvolumen aufgrund des verzögerten Einlaßventilschließens bei konventionellem Motor und Atkinsonmotor in etwa gleich ist, ergeben sich auch vergleichbare Pumpverluste an der Drosselklappe. Diese Pumpverluste lassen sich dadurch reduzieren, daß eine Laststeuerung über eine Spätverstellung der Einlaßventile vorgenommen wird. Bei einer vom Fahrer vorgegebenen Lastanforderung kann hierdurch der Drosselungsgrad an der Drosselklappe zumindest reduziert werden, was die Pumpverluste verringert. Eine entsprechende Druckverlaufskurve für einen 1,6-Liter-Atkinsonmotor mit verlängerter Einlaßzeit ist mit einer durchgezogenen Linie in Figur 3 dargestellt. Da durch die ventilbedingte Lastregelung die Drosselung geringer ausfallen kann, liegt die Ansaugkurve für diesen Motor auf einem höheren Druckniveau (d.h. einem geringeren Unterdruckniveau); im Beispiel bei etwa 0,6 bar anstelle von 0,4 bar. Hierdurch werden die Pumpverluste vermindert. Im weiteren Verlauf des Verbrennungszyklus verhält sich die Druckkurve in etwa wie die des Atkinsonmotors ohne Lastreduktion.

In Figur 4 ist der Liefergrad, d.h. das Verhältnis von tatsächlich eingelassenem Gemischvolumen zum geometrischen Gesamtvolumen, abhängig von der Motordrehzahl qualitativ für verschiedene Motortypen dargestellt. Bei einem konventionellen Motor mit üblichem Saugrohr ergibt sich eine dynamische Überhöhung mit einem Maximum im oberen nutzbaren Drehzahlbereich. Dieser Effekt ist, wie aus der lang gestrichelt dargestellten Kurve in Figur 4 ersichtlich, bei einem Atkinsonmotor mit demselben Ansaugsystem deutlich stärker ausgeprägt, was mit den insgesamt kürzeren Einlaßphasen in Zusammenhang steht. Die sehr stark ansteigende dynamische Überhöhung führt zu einer zu starken Luftzufuhr im oberen Drehzahlbereich, so daß eine die Pumpverluste vergrößernde zusätzliche Drosselung erforderlich ist, um ein Motorklopfen zu vermeiden. Aus diesem Grund wird bei dem erfindungsgemäßen Motor das Liefergradmaximum aus dem nutzbaren Drehzahlbereich herausgelegt, so daß sich in dem nutzbaren Drehzahlbereich ein relativ flacher Liefergradverlauf ergibt.

Durch diese Maßnahmen wird, wie in Figur 5 qualitativ dargestellt, bei dem erfindungsgemäßen Motor ein relativ großer nutzbarer Drehmoment-/Lastbereich erzielt, wobei auch der dargestellte Volllast-Drehmomentverlauf besonders günstig ist, da dieser im unteren Drehzahlbereich einem drehmomentoptimierten, hubraumkleineren konventionellen Motor und im oberen Drehzahlbereich einem leistungsoptimierten konventionellen Motor entspricht.

In Figur 6 ist ein mögliches Ventiltiming für einen erfindungsgemäßen Ottomotor qualitativ dargestellt. Der Ottomotor (nicht dargestellt) verfügt über zwei Nockenwellen für die Einlaß- und Auslaßventile, wobei die Einlaßventile über eine im Stand der Technik allgemein bekannte Phasenverstellungseinrichtung in ihrem Timing veränderbar sind. Die Phasenverstellung erfolgt abhängig von den jeweiligen Fahreranforderungen auf der Basis von Steuersignalen einer mikroprozessorgesteuerten Motorsteuerung, wobei die Steuersignale auf entsprechende Aktuatoren wirken. Im Rahmen der Erfindung erfolgt eine Spätverstellung des Einlaßtimings zu Zwecken der Laststeuerung. Hierzu wird die Einlaßkurve (IVO = Einlaßventilöffnungszeitpunkt, IVC = Einlaßventilschließzeitpunkt) von dem durchgezogen gezeichneten Ausgangswert nach rechts verschoben, wobei der Einlaßventilschließzeitpunkt stets deutlich hinter dem unteren Totpunkt (BDC) der Kolbenbewegung liegt. Die dargestellte Verschiebung erfolgt, sofern eine Drosselung des Motors erforderlich ist, also in dem überwiegenden Teil aller Betriebszustände einschließlich des Leerlaufsbetriebszustandes. Im Volllastbereich entspricht das Einlaßventiltiming in etwa der durchgezogenen Linie. Die Motorsteuerung berechnet jeweils, welche Lastminderung durch die Einlaßventilzeitverstellung aktuell erreichbar ist. Die zusätzlich erforderliche Lastminderung wird dann durch Einstellung einer elektronischen Drosselklappe bewirkt.


Anspruch[de]
Ottomotor mit einem Ansaugsystem und einer Mehrzahl von Zylindern mit jeweils den Zylindern zugeordneten Einlaß- und Auslaßventilen mit einer Ventilverstelleinrichtung, mittels derer wenigstens der Schließzeitpunkt der Einlaßventile veränderbar ist, wobei der Motor zum Betrieb in einem Atkinsonzyklus ausgebildet ist, bei dem ein Schließen der Einlaßventile nach dem unteren Totpunkt der Kolbenbewegung im Verdichtungstakt derart erfolgt, daß das Expansionsverhältnis gegenüber dem Verdichtungsverhältnis vergrößert ist,

dadurch gekennzeichnet, daß

wenigstens in bestimmten Motorbetriebsparameterbereichen eine Laststeuerung durch eine Veränderung des Schließzeitpunktes der Einlaßventile erfolgt, wobei zur Verringerung der abgegebenen Last der Einlaßventilschließzeitpunkt nach spät verschoben ist, und daß

das Ansaugsystem strömungsdynamisch derart dimensioniert ist, daß das drehzahlabhängige Maximum bzw. die dynamische Überhöhung des Liefergrades erst bei einer Motordrehzahl auftritt, die oberhalb der Nenndrehzahl des Motors liegt.
Ottomotor nach Anspruch 1,

dadurch gekennzeichnet,

daß dieser im gesamten Drehzahl/Lastbereich ausschließlich mit einem Atkinsonzyklus betrieben wird.
Ottomotor nach Anspruch 1 oder 2,

dadurch gekennzeichnet, daß

der veränderliche Schließzeitpunkt des Einlaßventils in einem Bereich von 40 ° bis 160 °, bevorzugt mehr als 80 ° bis 130 ° Kurbelwellenwinkel nach dem unteren Totpunkt der Kolbenbewegung liegt.
Ottomotor nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3,

dadurch gekennzeichnet, daß

das Ansaugsystem des Motors eine Drosselklappe aufweist, und daß die Laststeuerung sowohl durch eine Veränderung des Einlaßventilschließzeitpunktes als auch durch die Veränderung der Drosselklappenstellung erfolgt.
Ottomotor nach Anspruch 4,

dadurch gekennzeichnet, daß

die Laststeuerung soweit wie möglich durch eine Veränderung des Einlaßventilschließzeitpunktes erfolgt und daß, falls die Veränderung des Einlaßventilschließzeitpunktes zum Erreichen der vorgegeben Last nicht ausreicht, eine zusätzliche Laststeuerung durch die Drosselklappe erfolgt.
Ottomotor nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 5,

dadurch gekennzeichnet, daß

die durch die Dimensionierung des Ansaugsystems bedingte Motordrehzahl, bei der die dynamische Überhöhung auftritt, in einem Drehzahlbereich von 5 % bis 50 % oberhalb der Nenndrehzahl des Motors liegt, vorzugsweise bei etwa 20 % oberhalb der Nenndrehzahl oder vorzugsweise oberhalb einer Motordrehzahl von etwa 7000 U/min..
Ottomotor nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 6,

dadurch gekennzeichnet, daß

das Ansaugsystem gegenüber einem Ansaugsystem eines vergleichbaren konventionellen Ottomotors, bei dem die Drehzahl, bei der die dynamische Überhöhung auftritt, unterhalb der Nenndrehzahl liegt, in der Länge verkürzt ausgebildet ist.
Ottomotor nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7,

dadurch gekennzeichnet, daß

das geometrische Kompressionsverhältnis des Motors einen Wert zwischen etwa 9:1 bis etwa 14:1 aufweist, oder daß das geometrische Kompressionsverhältnis gegenüber einem vergleichbaren Motor ohne Atkinsonbetrieb um etwa 5 % bis etwa 17 % vergrößert wird.
Ottomotor nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8,

dadurch gekennzeichnet, daß

dieser eine jeweils den Einlaßventilen zugeordnete Nockenwelle sowie eine jeweils den Auslaßventilen zugeordnete Nockenwelle aufweist, wobei die den Einlaßventilen zugeordnete Nockenwelle ein Verstellglied zum Zwecke einer selektiven Winkelverstellung gegenüber der Kurbelwelle des Motors aufweist, und daß die den Auslaßventilen zugeordnete Nockenwelle entweder ein unveränderliches Timing aufweist oder ebenfalls verstellbar ausgebildet ist, wobei die Verstellung vorzugsweise entsprechend der Einlaßventilverstellung erfolgt.
Ottomotor nach mindestens einem der Ansprüche 2 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß dieser Bestandteil einer Motorenfamilie von Motoren mit unterschiedlich großem Hubraum ist, und der Ottomotor konstruktiv im Wesentlichen mit einem Motormodell der Motorenfamilie mit größerem Hubraum übereinstimmt, wobei das Modell mit größerem Hubraum nicht zum Betrieb im Atkinson-Zyklus ausgebildet ist.






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