Die Erfindung betrifft ein Hundetrockenfutter, das dadurch gekennzeichnet
ist, dass es in Form eines Parallelepipeds mit Abmessungen von 29 bis 40 mm ×
29 bis 40 mm × 19 bis 30 mm vorliegt. Die Erfindung betrifft auch eine Verwendung
eines solchen Futters zur Verlangsamung der Geschwindigkeit der Futteraufnahme durch
die Hunde oder als Zusatzstoff oder Tierarzneimittel insbesondere für dessen
Verwendung bei der Verbesserung der bukkodentalen Hygiene bei Hunden.
Ursprünglich waren Hunde vom Wolf abstammende jagende Fleischfresser
(Encyclopédie du chien, Verlag Hatier Royal Canin, 1997). Ihr Mund und ihr
Gebiss entsprechen denen von Raubtieren und sind gut geeignet, um lebende oder tote
Beuten zu erfassen, sie zu beißen, zu zerreißen und um ihr Fleisch zu
kauen.
Die Domestizierung der Hunde durch den Menschen hat die Spezies Hund
sowohl in ihren Formen und Rassen als auch in ihren Verhalten stark verändert.
Was die Formen der Hunde betrifft, werden sie gewöhnlich in drei
große Kategorien eingeteilt: die kleinen Rassen (1 bis 10 kg), die mittelgroßen
Rassen (11 bis 25 kg) und die großen Rassen (26 bis 80 kg und mehr). In der
letzten Kategorie werden die größten Hunde manchmal als Riesenrassen bezeichnet.
Die Domestizierung hat auch das Ernährungsverhalten der Hunde
verändert. Dadurch, dass sie nicht mehr verpflichtet sind, lebende oder tote
Beuten zu jagen, um sich zu ernähren, und dadurch, dass ihnen verzehrfertige
Nahrung zur Verfügung steht, unabhängig davon, ob es sich um Eigenzubereitungen
oder industrielles Futter (Nassfutter oder Trockenfutter) handelt, haben die Hunde
nicht mehr die Gewohnheit, ihre Nahrung zu beißen, zu zerreißen und zu
kauen. Sie verschlingen dieses Futter schnell, fast ohne ihr Gebiss zu verwenden
und ohne dass ihr Speichel, der reich an Wasser und Enzymen ist, die Zeit hat, das
Futter zu durchtränken. Die auf dieser Weise ernährten Hunde sind um so
gefräßiger, da das angebotene Futter immer schmackhafter ist. Außerdem
sind die gefräßigsten Hunde diejenigen von großer Größe,
deren tägliche Nahrungsbedürfnisse am höchsten sind.
So hört man oft, dass sich Hundebesitzer oder -züchter darüber
beschweren, dass ihre Hunde zu schnell fressen und folglich der Gefahr gesundheitlicher
Störungen unterliegen.
Die Tierärzte beschreiben in der Tat mehrere Hundekrankheiten,
die ihre Ursache in einer zu schnellen Aufnahme des Futters haben.
Die gutartigste, aber dennoch sowohl für die Hunde als auch für
ihre Besitzer sehr unangenehme Erkrankung, für die man eine zu schnelle Futteraufnahme
verantwortlich machen kann, ist die Bildung von Zahnstein und Zahnbelag, die allen
peridentalen Erkrankungen zugrunde liegen (A. Grimberg und Ph. Beltramo, Recueil
de Médecine Vétérinaire, 1991, 167 (10/11), 997–1003). Um
die Bildung von Zahnstein und Zahnbelag bei Haustieren zu bekämpfen, wurden
zahlreiche Verfahren, einschließlich der Verwendung chemischer Zusatzstoffe,
vorgeschlagen. Die Firma Colgate-Palmolive Company hat zum Beispiel mehrere patentierte
Mittel vorgeschlagen: durch ein extrudiertes, ernährungswissenschaftlich ausgewogenes
Futter, das bevorzugt die Form eines Zylinders oder einer Scheibe ("disc shape")
aufweist und faserige Streifen enthält (EP 0
575 021, US 899534), oder durch
ein "Kauprodukt" ("chew product"), das kein ausgewogenes Futter, sondern eine verzehrbare
flexible Zellmatrix ist, die ein cellulosehaltiges Material und einen Zusatzstoff
enthält (EP 0 552 897, US
822241).
Am anderen Extrem der Schwere der Erkrankungen, die durch eine zu
schnelle Futteraufnahme verursacht werden können, steht das Syndrom der Ausdehnung
– Drehung des Magens des Hundes, insbesondere, aber nicht ausschließlich,
bei Hunden großer Rassen. Die zu schnelle Aufnahme einer Mahlzeit gilt als
Risikofaktor hierfür, ohne dass in der Veterinärliteratur die Art oder
die Qualität des Futters dafür verantwortlich gemacht werden können
(Véronique Viateau, Recueil de Médecine Vétérinaire, 1993, 169
(11/12), 985–997; C. F. Burrows und L. A. Ignaszewski, Journal of Small Animal
Practice, 1990, 31, 495–501). Die zu schnelle Nahrungsaufnahme verursacht
eine Aerophagie mit einer schnellen Ansammlung von Gasen, die den Magen ausdehnen,
was zu einem Magenvolvulus führen kann (W. G. Guilford, Strombeck's Small Animal
Gastroenterology, 3. Aufl., W. B. Saunders Company Verl., 1996, S. 303–317).
Es besteht somit die Notwendigkeit, neue Mittel zu finden, damit Hunde,
insbesondere Hunde großer Rassen, die Nahrung langsamer aufnehmen.
Die industriellen Futtermittel für Hunde sind in zwei große
Kategorien unterteilt: Nassfutter und Trockenfutter. Es sind die Trockenfuttermittel,
die derzeit die größten Wachstumsraten auf dem Markt der Tiernahrung erfahren.
Im Vergleich zum Nassfutter bietet Trockenfutter zahlreiche Vorteile.
Es ist praktisch zu verwenden und leicht aufzubewahren. Außerdem ist es durch
seinen Wassergehalt von unter 14% billiger als Nassfutter: man braucht nur durchschnittlich
1 kg Trockenfutter, um die Nährstoffzufuhr zu erhalten, die 4 kg Nassfutter
entspricht.
Die Hundetrockenfuttermittel liegen in zwei großen Kategorien
vor: Monokomponentenfutter und Multikomponentenfutter.
Monokomponentenfutter ist Futter, dessen Einheitsbestandteile identisch
sind. Diese können in Abhängigkeit von der Herstellungstechnologie Granula,
Krümel, Flocken, Kroketten, usw. sein.
Multikomponentenfutter ist Futter, das mindestens zwei verschiedene
Einheitsbestandteile umfassen.
Die Anmelderin hat überraschend entdeckt, dass es möglich
ist, die Nahrungsaufnahme durch Hunde, insbesondere durch große Hunde oder
Hunde einer großen Rasse, zu verlangsamen, indem ihnen ein Trockenfutter angeboten
wird, von dem ein Einheitsbestandteil die Form eines Parallelepipeds mit genau definierten
Abmessungen aufweist. Das Parallelepiped kann völlig flache Seiten oder leicht
gewölbte Seiten und glatte Ränder oder Ränder haben, die Kerben und
Rillen und aufweisen.
Die drei Abmessungen des parallelepipedischen Futterbestandteils der
Erfindung betragen 29 bis 40 Millimeter (mm) × 29 bis 40 Millimeter ×
19 bis 30 Millimeter.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform der Erfindung hat
der Einheitsbestandteil des Futters Abmessungen von 29 bis 33 Millimeter ×
29 bis 32 Millimeter × 19 bis 25 Millimeter.
Die Erfindung betrifft auch Hundetrockenfutter, von dem ein Einheitsbestandteil
die vorstehend beschriebene Form und Abmessungen aufweist. Die Form und Abmessungen
des Futters sind unabhängig von deren Zusammensetzung, vorausgesetzt es enthält:
- – mindestens eine Proteinquelle tierischen oder pflanzlichen Ursprungs
und/oder
- – mindestens eine Quelle von langsamen oder schnellen Kohlenhydraten,
insbesondere Zerealien und/oder deren Nebenprodukte und/oder
- – mindestens eine Fettquelle tierischen oder pflanzlichen Ursprungs.
Ein Nahrungsmittel der Erfindung kann auch als Trägerstoff für
jeden Zusatzstoff oder jedes Tierarzneimittel dienen, die für die bukkodentale
Hygiene der Hunde geeignet sind.
Die nachfolgenden Beispiele veranschaulichen die Erfindung.
Beispiel 1
Es wurden Hundetrockenfutter der bekannten großen Marken aus
dem Handel gekauft. Die Art und die Form der Einheitsbestandteile von jedem Futter
werden beschrieben. Dann werden mit dem Messschieber die Abmessungen von 10 Einheitsbestandteilen
jedes Futters gemessen.
Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle 1 dargestellt:
Die Scheibenform ist demnach die geläufigste. Es ist ebenfalls
festzustellen, dass keines der untersuchten Futtermittel Einheitsbestandteile aufweist,
welche die Form und die Abmessungen des Einheitsbestandteils der Erfindung aufweisen.
Beispiel 2
Es wird ein Futtermittel für erwachsene Hunde in Form von Mehl
hergestellt, welches folgende Zusammensetzung aufweist:
– Rohprotein:
26,0%
– Lysin:
1,36%
– Arginin:
1,63%
– Methionin:
0,55%
– Fette:
16,0%
– Rohfaser:
2,50%
– Mineralstoffe:
5,80%
– Calcium:
1,00%
– Phosphor:
0,70%
Ausgehend von diesem Mehlfutter werden mit demselben Extruder der
Marke Wenger zwei Trockenfuttermittel hergestellt:
- – ein Kontrollfutter, dessen Einheitsbestandteil die Form einer gewöhnlichen
Krokette in Form einer Scheibe mit 16,0 Millimeter Durchmesser und 9,1 Millimeter
Dicke hat,
- – ein Versuchsfutter, dessen Einheitsbestandteil die parallelepipedische
Form der Erfindung und Abmessungen von 33 × 32 × 20 Millimeter hat.
Diese beiden Futtermittel werden folgenderweise getrennt an Hunde
großer Rassen verteilt: Bei einer ersten Mahlzeit wird das Kontrollfutter in
einer der gewohnten Ration jeden Hundes entsprechenden Menge verteilt, und die Zeit
für dessen Aufnahme wird gemessen. Bei der nächsten Mahlzeit wird das
Kontrollfutter durch das Versuchsfutter ersetzt.
Der Versuch erfolgte an 3 Hunden der Rasse Rottweiler, 5 Hunden der
Rasse Leonberger und 4 Hunden der Rasse Deutsche Dogge.
Da die Hunde von unterschiedlicher Rasse und Größe sind
und einen unterschiedlichen Appetit haben und somit unterschiedliche
Rationen erhalten, wird die Zeit für die Aufnahme der Kontroll- und Versuchsfutter
von jedem Hund einheitlich in Sekunden pro 100 Gramm aufgenommenes Futter dargestellt.
Die einzelnen Ergebnisse sind in der beigefügten Tabelle 2 dargestellt.
Diese Ergebnisse zeigen, dass unabhängig von dem Hund die Zeit
für die Aufnahme des Versuchsfutters länger ist als die des Kontrollfutters.
Beispiel 3
Es wird ein Mehlfutter hergestellt, welches enthält:
– Rohprotein:
31,0%
– Lysin:
1,78%
– Arginin:
1,95%
– Methionin:
0,84%
– Fette:
25,0%
– Mineralstoffe:
6,50%
– Calcium:
1,35%
– Phosphor:
1,00%
Ausgehend von diesem Mehlfutter werden mit demselben Extruder der
Marke Wenger zwei Trockenfutter hergestellt:
- – ein Kontrollfutter 2, dessen Einheitsbestandteil die Form einer Scheibe
mit 14,4 Millimeter Durchmesser und 8,0 Millimeter Dicke hat, und
- – ein Versuchsfutter 2, dessen Einheitsbestandteil die Form des parallelepipedischen
Futters der Erfindung und Abmessungen von 29 × 29 × 19 Millimeter hat.
Bei einer ersten Mahlzeit werden 5 600 Gramm des Kontrollfutters 2
an eine Gruppe von 7 jungen Hündinnen der Rasse Neufundländer
verteilt, die im Rudel leben und gefüttert werden, und die Zeit für die
Aufnahme der verteilten Ration wird gemessen. Bei der nächsten Mahlzeit wird
das Kontrollfutter 2 durch das Versuchsfutter 2 ersetzt.
Die Zeiten für die Aufnahme der beiden Futter betrugen jeweils:
- – für das Kontrollfutter 2: 564 Sekunden
- – für das Versuchsfutter 2: 1 192 Sekunden (211,5% des Kontrollfutters
2).
Diese Ergebnisse zeigen, dass ein Futter gemäß der Erfindung
wie bei den getrennt gefütterten Hunden aus dem vorigen Versuch auch die Geschwindigkeit
der Futteraufnahme der in der Gruppe gefütterten Hunde verlangsamt hat.