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Dokumentenidentifikation DE10327489B4 26.04.2007
Titel Verwendung von Bestandteilen von Dipteren-Puppen zur Behandlung von Wunden
Anmelder Alpha-Biocare GmbH, 40225 Düsseldorf, DE
Erfinder D'Haese, Jochen, Prof. Dr., 42551 Velbert, DE;
Mehlhorn, Heinz, Prof. Dr., 41468 Neuss, DE;
Ruzicka, Thomas, Prof. Dr., 40221 Düsseldorf, DE;
Schmidt, Jürgen, Dr., 40221 Düsseldorf, DE;
Stege, Helger, Dr., 79111 Freiburg, DE
Vertreter Gille Hrabal Struck Neidlein Prop Roos, 40593 Düsseldorf
DE-Anmeldedatum 17.06.2003
DE-Aktenzeichen 10327489
Offenlegungstag 20.01.2005
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 26.04.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 26.04.2007
IPC-Hauptklasse A61K 35/64(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse A61P 17/02(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   

Beschreibung[de]

Bei der Wundheilung von Mensch und Tier spielen eine Vielzahl von Faktoren in einer Kaskade von Prozessen eine entscheidende Rolle. Der unmittelbare Verlauf läßt sich – unabhängig vom Typ der Wunden (chronisch/akut) in drei unterschiedlich lange Hauptphasen untergliedern. Es beginnt mit der sogenannten exsudativen Phase, die von der proliferativen und schließlich von der Reparationsphase gefolgt wird.

In der exsudativen Phase, die klinisch durch ein Wundoedem und Wundschmerz charakterisiert ist, stehen Reaktionen mit vasokonstriktorischen und hämostaseologischen Effekten im Vordergrund. Entstandene Gefäßdefekte werden durch Thrombozyten verschlossen. Die dabei ablaufenden Prozesse locken Makrophagen, neutrophile Granulozyten und Lymphozyten an, wodurch Phagozytose-Prozesse initiiert werden, die letztlich das Gewebedebridement einleiten.

Nach der Beseitigung von Zelltrümmern wird mit der Einwanderung von Fibroblasten und Gefäßendothelzellen die proliferative Phase der Wundheilung begonnen. Neben dem auf Einwanderung begründeten Anwachsen der Zellmasse erfolgt die verstärkte Freisetzung von Zytokinen und auch Wachstumsfaktoren, was wiederum die Zellproliferation und auch weitere Gefäßneubildungen fördert. Während gleichzeitigem Matrixumbau in dieser Phase (Umwandlung von Kollagen I in Typ F) entsteht letztlich ein gut kapillarisiertes Granulationsgewebe, das zahlreiche Makrophagen, Fibroblasten und auch Mastzellen einschließt. Auf diese Phase folgt dann die Epithelisierungs- und Reparationsphase an. Diese ist gekennzeichnet durch eine Einwanderung von peripheren Keratinozyten in die Wunde und deren Wundkontraktion. Während jetzt die Kapillarendichte reduziert wird, nimmt der Kollagengehalt noch weiter zu, was für die Festigkeit der Narbe von großer Bedeutung ist.

Kommt es aber zu Störungen im Ablauf der komplexen Prozesse dieser drei Wundheilungsphasen, kann eine z.T. beträchtliche Verzögerung der Wundheilung die Folge sein. Wird dieser Vorgang auf 6–8 Wochen ausgedehnt, so gilt dies als eine chronische Wundheilungstörung. Derartiges tritt häufig als Folge unterschiedlicher Erkrankungen auf (z.B. als Folge von Immundepression und Diabetes mellitus, als Ergebnis einer Varikose oder bestimmten Superinfektionen etc.). Maßnahmen zur Verbesserung der Wundheilung zielen dann auf die Beschleunigung der Abläufe in den drei erwähnten Phasen der Wundheilung. So muß insbesondere eine der Hauptursachen der verzögerten Wundheilung – die mangelnde Bildung von Granulationsgewebe – beseitigt werden, die entweder auf vermindertem endogenen Wunddebridement oder aber auf der übermässigen Bildung von Zelldetritus beruht.

Als Maßnahmen zur Reinigung nekrotisch oder fibrinös belegter akuter oder chronischer Wunden eignen sich chirugische Verfahren, wie eine Kürretage oder die Wundexzision. Allerdings werden durch diese Verfahren erneut Traumata gesetzt, die, ganz besonders bei chronischen Wunden, zu einer erneuten Verzögerung der Wundheilung führen können. Bei infizierten Wunden sind diese Maßnahmen nicht oder nur unter einer Antibiotikaprophylaxe einsetzbar. Ein weiteres Problem stellt die Schmerzhaftigkeit des Eingriffs dar, der nur unter einer Lokalanästhesie oder unter einer Vollnarkose durchgeführt werden kann. Bei größeren debridierenden chirugischen Maßnahmen ist eine postoperative Immobilisierung erforderlich. Diese ist ganz besonders bei älteren Patienten, die unter zahlreichen weiteren Erkrankungen leiden, häufig unerwünscht. Ein semichirugisches Verfahren, das ein gewisses technisches Verständnis auch seitens der Patienten voraussetzt, ist die Vakuumversiegelung. Hierbei werden unter permanentem Sog die Wunden okklusiv abgedeckt und die Beläge kontinuierlich durch den Unterdruck abgetragen. Dieses Verfahren ist sehr effektiv, aber erfordert in der Regel auch eine Immoblisierung. Rein pharmakologische Verfahren basieren auf dem Einsatz von proteolytischen Enyzmen: Bei den meisten auf dem Markt befindlichen Substanzen handelt es sich entweder um Enzyme aus Einzellern oder diese Produkte sind bovinen Ursprungs. Eine Wirksamkeit in der Praxis findet sich häufig nur gering, da entweder die Konzentration zu niedrig gewählt ist oder die Halbwertszeit der Produkte zu kurz ist oder aber die Zielsubstanzen dem Wirtsspektrum der Enzyme nicht entsprechen. Es ist zu erwarten, dass aufgrund geringer Wirksamkeit oder einem fehlenden Wirksamkeitsnachweis eine Reihe kommerziell erhältlicher Produkte nicht mehr auf dem Markt angeboten werden wird.

Als weitere Maßnahme zur Verbesserung der Wundheilung ist auch der Einsatz von lebenden Fliegenmaden der Art Lucilia sericata bekannt.

Diese Art der Therapie, bei der äußerlich gereinigte Maden auf die Wunden verbracht werden, ist aus der Volksmedizin seit Jahrhunderten bekannt. Die Maden (Larven) der Fliegen ernähren sich von nekrotischem Gewebe, nicht aber von gesundem Gewebe, und dringen auch nicht in tiefere Schichten ein. Die Lucilia sericata – Larven beißen oder nagen das nekrotische Gewebe nicht ab, sondern lysieren es offenbar durch per os ausgeschiedene Substanzen und saugen dann den Zellbrei auf. Sie besitzen nämlich keine Mundwerkzeuge, denn die beiden Mundhaken dienen lediglich zur Verankerung auf der Haut und können dabei Schmerzen hervorrufen.

Die Probleme beim routinemäßigen Einsatz dieser lebenden Maden in toto bei der Wundheilung liegen in drei Bereichen. Das erste und sicherlich nicht das unwichtigste ist ein ethisches. So ekeln sich nicht wenige Menschen vor den krabbelnden Maden, die zudem noch beim Festhalten in der Wunde mit ihren Mundhaken durchaus beachtliche Schmerzen bereiten. Dann ist es auch schwierig, lebende Fliegenmaden frei von potentiellen Krankheitserregern wie Bakterien oder Pilzen zu züchten, um mikrobielle Infektionen zu vermeiden. Auch beim Transport vom Labor zum Patienten müssen die Fliegenmaden keimfrei gehalten werden. Ein ebenso bedeutsames Problem ergibt sich aber auch aus der Logistik. Fliegenmaden können auf diesem Stadium nicht „arretiert" werden, sondern wachsen weiter und verpuppen sich nach einiger Zeit. Daher ist es nur sehr schwer möglich, entsprechende Larven von geeigneter Größe bei Ankunft eines entsprechenden Patienten in der Klinik einsatzfähig zu haben und für jede neue Applikation bereitzuhalten.

Im Bemühen, neue und besser wirksame Medikamente zur Behandlung von chronischen und akuten Wunden bei Mensch und Tier zu entwickeln, wurde nun überraschenderweise gefunden, dass die erfindungsgemäßen Inhaltsstoffe von Puppen der Dipteren (insbesondere der Puppen von Fliegen der Gattungen Sarcophaga, Musca, Calliphora, Lucilia, Phormia) die genannten Nachteile der gegenwärtigen Therapiemaßnahmen bei der Wundheilung beheben können.

Die erfindungsgemäßen Extrakte aus Dipterenpuppen stellen eine signifikante Verbesserung der gegenwärtig praktizierten Therapie mit lebenden Maden von Fliegen dar. Durch Einsatz der Inhaltsstoffe von Puppen ist es nämlich möglich, deren Oberfläche intensivst zu säubern und zu sterilisieren, die gewonnenen Isolate aufzureinigen, zu sterilfiltrieren, zu lyophilisieren, zu lagern und erst bei Bedarf – dann zudem exakt dosiert – auf sie zurückzugreifen. Als derartiges Fertigpräparat bieten diese so präparierten Inhaltsstoffe kontinuierliche Eingreifmöglichkeiten, die nicht vom jeweiligen Entwicklungszustand lebender Maden abhängen.

Die Erfindung betrifft daher Präparate mit wundheilender Wirkung, die aus dem Inhalt von Dipteren und insbesondere dem Inneren von Fliegenpuppen gewonnen werden können.

Ein weiterer Aspekt betrifft Inhaltstoffe mit wundheilender Wirkung, die aus Puppen insbesondere von Vertretern der Gattungen Sarcophaga, Lucilia, Calliphora, Musca, Phormia bzw. aus einem Gemisch daraus gewonnen werden können.

Geeignete Arten aus der Gattung Sarcophaga sind z.B. S. carnaria, aus der Gattung Lucilia: L. sericata, aus Musca: M. domestica, Phormia: P. regina, sowie aus der Gattung Calliphora: C. erythrocephala. Diese Arten, die im Freiland weit verbreitet sind und zudem weltweit in vielen wissenschaftlichen Institutionen gehalten werden, können somit als definiertes Material leicht und in großer Menge für entsprechende Extraktionsprozesse herangezüchtet werden.

Die Erfindung betrifft Extrakte mit wundheilender Wirkung, die aus dem Inneren von Puppen gewonnen werden, sobald deren Kokon ausgebildet ist.

Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung geeigneter Extrakte mit wundheilender Wirkung, das dadurch gekennzeichnet ist, dass die Puppenhülle zunächst äußerlich gereinigt und von potentiellen Erregern befreit worden ist. Die Erfindung betrifft sodann auch ein weiteres Verfahren zur Gewinnung von Extrakten mit wundheilender Wirkung, das dadurch gekennzeichnet ist, dass das Puppeninnere entnommen wird, wobei das gewonnene Homogenisat in eine wasserlösliche und eine nicht – lösliche Fraktion aufgetrennt werden kann. Die löslichen Anteile werden aufbewahrt.

Die Homogenisierung kann durch Zusatz von Chemikalien, durch mechanische Homogenisierung oder durch Anwendung von Ultraschall erfolgen. Die Trennung von löslichen und ungelösten Anteilen kann z.B. durch Filtration und/oder Zentrifugation durchgeführt werden. Das gesamte Verfahren wird zur besseren Konservierung von Wirksubstanzen im Isolat unter Kühlung durchgeführt. Anschließend erfolgt die Aufbewahrung der gelösten Homogenisationsbestandteile durch Einfrieren oder durch Gefriertrocknung. Ferner können weitere bekannte Substanzen (z.B. Puffer, Salze, Antioxidationsmittel oder microbizide Substanzen etc.) zur Stabilisierung der Präpratbestandteile (z.B. Proteine, Enzyme, Proenzyme, Lipide etc.) zugesetzt werden.

Die Herstellung der erfindungsgemäßen Präparate erfolgt dadurch, dass Larven der erwähnten Dipteren auf geeigneten Substraten (z.B. Pferdefleisch) herangezüchtet werden und dann auf Holzspäne gegeben, wo sich die Maden verpuppen können. Die Fliegenpuppen werden gesammelt und verwendet.

Die gewonnenen Extrakte oder Isolate werden vor der Aufarbeitung in geeigneten Trägermedien, z.B. physiologische Salzlösungen, sterilen Elektrolytlösungen, Albuminlösungen, Ölen, Fetten etc. aufbewahrt.

Die Erfindung betrifft auch Arzneimittel, gekennzeichnet durch einen wirksamen Gehalt an den erfindungsgemäßen Extrakten oder Bestandteilen daraus mit wundheilender Wirkung zusammen mit einem pharmazeutisch geeigneten, physiologisch verträglichen Trägerstoff, Zusatzstoff und/oder anderen Wirk- und Hilfsstoffen. Wegen der pharmakologischen Eigenschaften eignen sich die erfindungsgemäßen Präparate zur Therapie von oberflächlichen oder tiefen chronischen wie akuten Wunden jeglicher Genese.

Unter dem Begriff „chronische und akute Wunden jeglicher Genese" werden beispielsweise Wunden verstanden wie Operationswunden, die gezielt oder ungewollt sekundär heilen sollen, Schnitt-, Stich-, Schürf-, Biß-, oder Schussverletzungen sowie andere Wunden, die nicht primär mittels chirurgischer Naht oder einem primären Wundverschluß behandelt werden können. Ferner sind mit dem Begriff der akuten Wunden auch alle Wunden gemeint, die durch eine mikrobielle Infektion nicht primär abheilen können und alle Wunden, deren Manifestation 4 Wochen und weniger beträgt. Chronische Wunden sind alle Verletzungen, die mit der Aufhebung der Integrität des Epithels einhergehen und länger als 4 Wochen manifest sind. Insbesondere sind hiermit schlecht heilende Wunden auf der Basis eines Diabetes mellitus, einer Varikose oder einer Venenthrombose, eines rheumatischen Leidens, einer Vaskulitis, einer arteriellen Verschlusskrankheit, eines Leidens der Lymphgefäße, hämatologischer Erkrankungen und während oder nach Infektionen der Wunden gemeint.

Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung eines Arzneimittels, das dadurch gekennzeichnet ist, dass die erfindungsgemäßen Extrakte oder Bestandteile daraus mit wundheilender Wirkung mit einem pharmazeutisch geeigneten und physiologisch verträglichen Träger und gegebenenfalls weiteren geeigneten Wirk-, Zusatz- oder Hilfsstoffen in eine geeignete Darreichungsform gebracht werden.

Die Applikation der erfindungsgemäßen Arzneimittel erfolgt in der Regel topisch. Geeignete pharmazeutische Zusammensetzungen für die topische Anwendung auf der Haut liegen vorzugsweise als Salbe, Lösung, Suspension, Creme, Puder, liposomalen oder olesomalen Formulierungen, Gel, Lotion, Paste, Spray, Aerosol oder Öl vor. Als Träger können Vaseline, Lanolin, Polyethylenglykole, Alkohole und Kombinationen von zwei oder mehreren dieser Substanzen verwendet werden. Die erfindungsgemäßen Extrakte oder Enzymisolate sind im allgemeinen in einer Konzentration von 0,1 Gew.-% bis 100 Gew.-% der Zusammensetzung vorhanden, vorzugsweise von 1,0 Gew.-% bis 60 Gew.-%.

Auch eine transdermale Verabreichung ist möglich. Geeignete pharmazeutische Zusammensetzungen für transdermale Anwendungen können als einzelne Pflaster vorliegen, die für einen langzeitigen engen Kontakt mit der Epidermis des Patienten geeignet sind. Solche Pflaster enthalten geeigneterweise die erfindungsgemäßen Extrakte oder Isolate in einer gegebenenfalls gepufferten wäßrigen Lösung, gelöst und/oder dispergiert in einem Haftmittel oder dispergiert in einem Polymer. Eine geeignete Wirkstoff-Konzentration beträgt von etwa 0,1 % Gew.-% bis 75 Gew.-%, vorzugsweise von 1 % Gew.-% bis 70 Gew.-%. Als eine besondere Möglichkeit kann der Wirkstoff, wie beispielsweise in Pharmaceutical Research, 2: 318 (1986) beschrieben, durch Elektrotransport oder Iontophorese freigesetzt werden.

Die erfindungsgemäßen Extrakte können ferner auch auf die Wunde appliziert werden durch Wundauflagen aus Gaze, aus Alginaten, aus hydrokolloidalen Materialien, Schaumstoffen und Silikonauflagen, die mit diesen Extrakten oder Enzymisolaten beschichtet, getränkt oder behandelt wurden und deshalb in der Lage sind, die Wirkstoffe in oder auf die Wunde oder/Wundoberfläche abzugeben.

Geeignete feste oder galenische Zubereitungsformen sind beispielsweise Granulate, Pulver, Dragees, Tabletten, (Mikro-) Kapseln, Suppositorien, Sirupe, Säfte, Lösungen, Suspensionen, Emulsionen, Tropfen oder injizierbare Lösungen sowie Präparate mit protrahierter Wirkstoff-Freigabe, bei deren Herstellung übliche Hilfsmittel oder Trägerstoffe, wie Spreng-, Binde-, Überzugs-, Quellungs-, Gleit- oder Schmiermittel, Geschmackstoffe, Süßungsmittel und Lösungsvermittler, Verwendung finden. Als häufig verwendete Hilfsstoffe seien Magnesiumcarbonat, Titandioxid, Laktose, Mannit und andere Zucker, Talkum, Milcheiweiß, Gelatine, Stärke, Cellulose und ihre Derivate, tierische und pflanzliche Öle wie Lebertran, Sonnenblumen-, Erdnuß- oder Sesamöl, Polyethylenglykol und Lösungsmittel wie etwa steriles Wasser und ein- oder mehrwertige Alkohole wie Glycerin genannt.

Ferner können die erfindungsgemäßen Extrakte auch in galenischen Zubereitungen eingesetzt werden, die die Wirkstoffe, z.B. Enzyme, in inaktiver Form enthalten und die dann in oder auf die Wunde aufgetragen werden und durch Zugabe von spezifischen Substanzen aktiviert werden.

Einfache Beispiele sind die Verwendung eines Pulvers oder von Lyophilisaten, die mit physiologischen Lösungen (z.B. 0,9%-iger wässriger NaCl) aufgelöst werden. Bei ausreichender Stabilität kann die galenische Zubereitung auch eine Lösung sein.

Die Applikation der geeigneten pharmazeutischen Präparate erfolgt nach mechanischer Wundreinigung. Die mechanische Wundreinigung erfolgt beispielsweise durch ein Bad oder eine Spülung der Wunde mit Ringerlaktat. Die Wunde wird wahlweise nach Applikation der erfindungsgemäßen Extrakte oder Isolate mittels hydrokolloidaler Wunddressings oder mittels selbstklebender Operations-Folie bedeckt. Verbandswechsel mit jeweils neuer Gabe der erfindungsgemäßen Extrakte oder Isolate erfolgen täglich.

Beispiel: Herstellung erfindungsgemäßer Extrakte

Larven der Arten Musca domestica, Calliphora erythrocephala, Lucilia sericata, Phormia regina und/oder Sarcophaga carnaria werden von frischem, oberflächlich abgeflammten, und nicht kontaminiertem Pferdefleisch geerntet und in geeigneten Behältern zur Verpuppung gelagert. Die dann gesammelten Puppen werden in mehreren Waschschritten in sterilisierter, isoosmotischer Salzlösung äußerlich gesäubert. Danach werden die Puppen zerdrückt, und der Inhalt wird in einem Trägermedium auf Eis gesammelt. Das Trägermedium kann entweder wässriger oder hydrophober Natur sein. Danach werden die Inhaltsstoffe homogenisiert. Dies geschieht in mehreren Schritten mittels Ultraschall oder mechanischer Homogenisatoren oder durch Zusatz von Lösungsmitteln. Auf eine ständig Kühlung bei etwa 4°C Celsius wird geachtet. Nach Erhalt einer homogenen Flüssigkeit wird der Extrakt durch einen sterilen Filter mit 0,2 &mgr;m Porenweite steril filtriert. Im letzten Bearbeitungsschritt wird der Extrakt aliquotiert und in flüssigem Stickstoff eingefroren. Die dauerhafte Lagerung erfolgt bei etwa –18°C bis –80°C.

Anwendungsbeispiel: Wundbehandlung bei Patienten

Ein 83-jähriger Patient mit einem PTS entwickelte ein chronisches Ulcus cruris an typischer Lokalisation. Trotz intensiver Behandlung über mehr als 12 Wochen, einschließlich enzymatischer Wundtherapeutika, antientzündlicher, desinfizierender Maßnahmen und einer suffizienten Kompressionstherapie gelang es nicht, das Ulcus in Abheilung zu bringen. Die Wunde zeigte auch nach 12 Wochen deutliche Beläge, die fibrinösen teils entzündlichen Ursprungs waren. Die Isolate wurden einmal pro Tag in wässriger Form und als Lyophilisat auf die Wunde aufgetragen. Danach wurde die Wunde mit einer wirkstofffreien Fettgaze bedeckt und mittels zweier Kompressionsbinden gewickelt. Innerhalb von 7 Tagen zeigte sich ein stark ausgeprägtes Granulationsgewebe ohne Reste fibrinösen Belages. Die Applikation der Isolate erfolgte weiterhin täglich einmal. Innerhalb von 35 Tagen kam es zu einer mehr als 60%igen Reduktion der Wundfläche und nach 59 Tagen war das Ulcus komplett abgeheilt.

Beispiel A: Extrakt aus einer Fliegenpuppenart

1 500 Fliegenpuppen der Art Lucilia sericata wurden nach und nach aus den Produktionskäfigen entnommen und im Kühlschrank gesammelt, bis die Anzahl erreicht wurde. Dann wurden sie mechanisch homogenisiert und zunächst mit der Kühlzentrifuge für 2 Stunden zentrifugiert. Der Überstand wurde dann noch für 12 Stunden mit einer Beckmann Ultrazentrifuge zentrifugiert. Der Überstand wurde dann sterilisiert und in Portionen von 1 ml bei –80°C tiefgefroren. Zum Einsatz kamen nach dem Auftauen Portionen von 1 ml.

Der gewonnene Extrakte wurde zudem standardgemäß lyophilisiert und kann dann in praxisgemäßen (zum direkten Einsatz) Aliquots bei +4°C oder tieferen Temperaturen im Kühlschrank gelagert werden.

Beispiel B: Extrakt aus zwei Fliegenpuppenarten

Je 750 Puppen der Fliegenarten Lucilia sericata und Sareophaga carnaria wurden im Kühlschrank gesammelt. Danach wurde mit jeder Gruppe einzeln so verfahren wie oben in Beispiel A beschrieben.

Die Lagerung des Extraktes erfolgte für jede Art einzeln. Zur Behandlung wurden dann je 0,5 ml der Extrakte beider Puppenarten aufgetaut und vermischt, dann kräftig durchgeschüttelt und auf die Wunde verbracht. Die gewonnenen Extrakte wurden zudem standardgemäß lyophilisiert und können dann in praxisgemäßen (zum direkten Einsatz) Aliquots bei +4°C oder tieferen Temperaturen im Kühlschrank gelagert werden,

Anwendungsbeispiel A: Produkt aus Puppen einer Fliegenart

Es stellte sich eine 76-jährige Patientin mit einem seit Jahren rezidivierenden Ulcus cruris bei schwerer chronisch venöser Insuffizienz vor. Das vorhandene Ulcus bestand seit mehreren Monaten und war mit konventionellen Maßnahmen der feuchten Wundbehandlung vorbehandelt. Klinisch präsentierte sich ein fibrinös und gering nekrotisch belegtes Ulkus. Im Rahmen eines Heilversuches wurden Extrakte aus Puppen der Gattung Lucilia sericata (1 ml/2 cm2) auf die Wunde aufgetragen und mit einer wirkstofffreien Fettgaze sowie trockenen Kompressen und einer Kompressionsbinde abgedeckt. Die Anwendung erfolgte initial täglich. Nach 14 Tagen konnte eine fast vollständige Beseitigung der Fibrinbeläge und die Induktion eines Granulationsgewebes beobachtet werden. Im Anschluß an diese Phase der Behandlung erfolgte die Therapie alle 2 Tage. Jetzt wurde das Ulkus zusätzlich zur Applikation mit Extrakten aus Lucilia sericata-Puppen mit feuchten Kompressen oder aber hydrokolloidhaltigen Wunddressings abgedeckt. Nach weiteren vier Wochen beobachteten wir eine initiale Epithelisierung. Nach insgesamt 94 Tagen der Wundbehandlung zeigte sich ein komplett abgeheiltes Ulkus. Der Therapieerfolg lässt sich eindeutig der Wirkung der Extrakte aus Lucilia sericata-Puppen zuordnen, da die übrigen Maßnahmen in der Vorgeschichte nicht zu einem Therapieerfolg geführt haben,

Anwendungsbeispiel B: Produkt aus Puppen zweier Fliegengattungen

Eine 64-jährige Patientin litt seit Monaten unter einer chronischen Wunde im Bereich des linken Unterschenkels auf Grund einer rezidivierenden Vaskulitis. Die Therapie mit Glukokortikosteroiden systemisch hatte die Aktivität der Gefäßentzündung gebremst, konnte aber nicht zu einer effektiven Induktion von Granulationsgewebe führen. Tägliches chirurgisches Debridement war für die Patientin sehr schmerzhaft und zeigte regelhaft erneutes Auftreten von Fibrinbelägen. Erst unter der täglichen Applikation von Extrakten (50% zu 50% Volumenanteil) aus Puppen der Fliegengattungen Lucilia sericata und Sarcophaga carnaria kam es innerhalb von 10 Tagen zu einer kompletten Beseitigung des nekrotischen und fibrinösen Materials, das die Wunde bedeckt hatte und einer beginnenden Epithelisierung. Somit ist dieser Extrakt aus zwei Gattungen von Fliegen ebenso wirksam. Dies eröffnet Einsparmaßnahmen.


Anspruch[de]
Präparat mit wundheilender Wirkung, erhältlich aus Dipteren-Puppen, Präparat mit wundheilender gemäß Anspruch 1, erhältlich aus Puppen der Fliegengattungen Musca, Calliphora, Phormia, Sarcophaga oder Lucilia oder Anteilen von zwei oder mehreren Arten. Präparat gemäß Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie aus den Arten Musca domestica, Calliphora erytrocephala, Sarcophaga carnaria, Phormia regina, Lucilia sericata und/oder Lucilia caesar stammen. Präparat gemäß Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sie aus verpuppten Fliegenstadien stammen. Präparat mit wundheilender Wirkung gemäß einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass ganze Puppen oder Bestandteile der Puppen der Gattungen Musca, Calliphora, Phormia, Sarcophaga und/oder Lucilla mechanisch, durch Zusatz von Chemikalien oder durch Ultraschall homogenisiert werden. Präparat gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Homogenate aufgereinigt werden, z.B. von nicht gelösten Bestandteilen befreit werden und lösliche Bestandteile konserviert werden. Präparat gemäß einem oder mehreren der Ansprüche 5 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Trennung von unlöslichen Bestandteilen durch Zentrifugation, Phasentrennung oder Filtration erfolgt. Präparat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass eine Sterilfiltration mit einem Filter mit einem Porendurchmesser von 0,1 &mgr;m bis 0,4 &mgr;m erfolgt. Präparat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass Mittel zur Konservierung, z.B. microbizide oder antioxidative Stoffe zugesetzt werden. Präparat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 9, gekennzeichnet durch einen Zusatz von pharmazeutisch geeigneten und physiologisch verträglichen Hilfsstoffen. Präparat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 10 zur Verwendung als Arzneimittel. Verwendung der Präparate mit wundheilender Wirkung gemäß Ansprüchen 1 bis 10 zur Herstellung von Arzneimitteln zur Therapie von oberflächigen oder tiefen chronischen und akuten Wunden jeglichen Ursprungs. Präparat gemäß Ansprüchen 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass eine galenische Zusammensetzung zur topischen Anwendung auf der Haut eingesetzt wird, wie z.B. eine Salbe, Lösung, Suspension, Creme, Puder, liposomale oder oelosomale Formulierungen, Gel, Lotion, Paste, Spray, Aerosol oder Öl. Präparat gemäß Ansprüchen 1 bis 11 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrakte in einer Konzentration von 0,1 Gew.-% bis 100 Gew.-% in der galenischen Zusammensetzung eingesetzt werden. Präparat gemäß Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrakte in einer Konzentration von 0,1 Gew.-% bis 60 Gew.-% in der galenischen Zusammensetzung eingesetzt werden. Präparat gemäß Ansprüchen 1 bis 11 sowie 13 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass eine galenische Zusammensetzung für transdermale Anwendungen als Pflaster vorliegt. Präparat gemäß Ansprüchen 1 bis 11 sowie 13 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass eine Wundauflage aus Gaze, aus Alginaten, aus hydrokolloidalen Materialien, Schaumstoffen oder Silikonauflagen mit den Extrakten beschichtet oder getränkt ist. Präparat gemäß Ansprüchen 1 bis 11 sowie 13 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrakte in galenischen Zubereitungen eingesetzt werden, die die in den Extrakten enthaltenen Wirkstoffe, insbesondere Enzyme, in inaktiver Form enthalten und die dann in oder auf die Wunde aufgetragen werden und dort aktiv werden oder durch Zugabe von spezifischen Substanzen aktiviert werden.






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