Technisches Gebiet
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf eine Bohrvorrichtung zum
Abbau von Hartgestein gemäss dem Oberbegriff des unabhängigen Schutzanspruchs
1 sowie auf ein Verfahren zum Abbau von Hartgestein gemäss dem unabhängigen
Schutzanspruch 7.
Solche Bohrvorrichtungen mit einem Bohrkopf, der eine einer Ortsbrust
zugewandt anordenbare Stirnseite aufweist, können zum Abbau von Hartgestein
im Tunnelbau oder bei Tiefbohrungen eingesetzt werden.
Stand der Technik
Zum Abbau von Hartgestein in zu bohrenden Tunneln (im Wesentlichen
horizontale Bohrungen) und Tiefbohrungen (im Wesentlichen vertikale Bohrungen) werden
heutzutage Abbauwerkzeuge in Form von Rollen- oder Rundschaftmeißeln auf einem
rotierenden Schneidrad eines Bohrkopfs angeordnet. Durch Erzeugung eines Anpressdruckes
von Vortriebsmaschine bzw. Bohrkopf über die Werkzeuge auf die Ortsbrust werden
im Gestein Druck- und Zugfestigkeitsgrenzen überschritten und dadurch Gesteinsmaterial
mechanisch gelöst. Das gelöste Gesteinsmaterial wird anschließend
in einer Brecherkammer mechanisch auf förderbare Größe gebrochen
und im Slurry-, Band- oder Wagenförderverfahren abtransportiert. In der Tiefbohrtechnik
wird das Material typischerweise analog gelöst und im Pump- oder Lufthebeverfahren
abtransportiert.
Durch die Anwesenheit von bestimmten Bestandteilen, wie zum Beispiel
Mineralien, im abzubauenden Hartgestein und Adhäsion findet ein Verschleiß
der Abbauwerkzeuge statt, so dass diese in Abhängigkeit von Bohrfortschritt
und Hartgesteinseigenschaften periodisch ausgewechselt werden müssen, was beträchtliche
Unkosten verursachen kann. Im Tunnelbau bedarf dies eines Zugangs zum Schneidrad,
was erst ab Durchmessern von ungefähr 1'200 mm zulässig ist. In der Tiefbohrtechnik
muss zum Austausch der Abbauwerkzeuge der Bohrkopf mitsamt eines mit ihm verbundenen
Rohrstrangs ausgebaut und wieder eingebaut werden. In beiden Fällen muss der
eigentliche Hartgesteinabbau zwischenzeitlich eingestellt werden, was die Gesamtabbauleistung
der Bohrvorrichtung reduziert.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde eine Bohrvorrichtung zum
Abbau von Hartgestein und ein Verfahren zum Abbau von Hartgestein zu schaffen, die
einen effizienten und ökonomischen Abbau von Hartgestein ermöglichen.
Darstellung der Erfindung
Die Aufgabe wird erfindungsgemäss durch eine Bohrvorrichtung
gelöst, wie sie durch die Merkmale des unabhängigen Schutzanspruchs 1
charakterisiert ist. Vorteilhafte Ausgestaltungen der erfindungsgemässen Bohrvorrichtung
ergeben sich aus den Merkmalen der abhängigen Schutzansprüche.
Insbesondere sind an der Stirnseite des Bohrkopfs der Bohrvorrichtung
mindestens zwei Elektroden angeordnet und die Bohrvorrichtung weist Spannungsmittel
auf, über die frequenzgesteuert eine Spannung zwischen den Elektroden aufbaubar
ist. Im Betrieb wird die erfindungsgemässe Bohrvorrichtung an der Ortsbrust
des abzubauenden Hartgesteins angeordnet und die frequenzgesteuerte Spannung wird
zwischen den Elektroden aufgebaut. Unter Ortsbrust wird hier die Stelle des Hartgesteins
verstanden, an der das Hartgestein abgebaut werden soll beziehungsweise abgebaut
wird. Durch die frequenzgesteuerte Spannung bilden sich zwischen den Elektronen
auf Grund derer unterschiedlichen elektrischen Potentiale geschaltete Streamerentladungen
aus, wobei diese wegen der kurzeitig höheren elektrischen Durchschlagsfestigkeit
eines Dielektrikums, das sich zwischen den Elektroden befindet, durch das abzubauende
Hartgestein erzeugt werden. Dadurch wird dieses im Wirkbereich der Streamerentladungen
entlang der Gefügegrenzen gelöst und abgebaut. Somit wird das Hartgestein
nicht konventionell mit entsprechenden Abbauwerkzeugen mechanisch durch Überschreitung
von Festigkeitsgrenzen gelöst, sondern durch quasi berührungslosen Abbau
mittels elektrischer Entladungen im Hartgestein. Die Elektroden haben dabei keinen
oder nur anliegenden Kontakt mit der Ortsbrust ohne wesentliche Kraftübertragung
auf die Ortsbrust, so dass der Verschleiß an den Elektroden gering ist. Somit
wird der Verschleiß an den Abbauwerkzeugen der Bohrvorrichtung und entsprechend
die Stillstandzeiten der Bohrvorrichtung minimal gehalten, so dass ein ökonomischer
und effizienter Abbau des Hartgesteins möglich ist.
Vorzugsweise umfassen die Elektroden eine im Wesentlichen zentral
an der Stirnseite angeordnete Zentralelektrode sowie eine Mehrzahl von peripher
an der Stirnseite angeordnete Kaliberelektroden. Mittels einer solchen Anordnung
der Elektroden, insbesondere bei einer ringförmigen Anordnung der Kaliberelektroden
um die Zentrumselektroden herum kann ein vorteilhafter Abbauquerschnitt erzeugt
werden, der beispielsweise gross genug ist, dass ein Überschnitt zwischen dem
Bohrkopf und dem den Bohrkopf umgebenden Gestein erzeugt werden kann.
Mit Vorteil umfasst die Bohrvorrichtung Spülmittel und der Bohrkopf
weist ein Mantelrohr auf, wobei mittels der Spülmittel eine
Spülflüssigkeit durch das Mantelrohr hindurch an die Stirnseite und zwischen
die Elektroden förderbar ist. Die Spülflüssigkeit kann so einerseits
als Dielektrikum zwischen den Elektroden eingesetzt werden, was heisst, dass sie
als Isoliermedium um die Elektroden herum dient und der Sicherstellung der Streamerentladungen
durch das abzubauende Hartgestein hindurch. Andererseits ist die Spülflüssigkeit
auch Fördermedium, mit dem das abgebaute Hartgestein aus dem Abbaukanal transportiert
werden kann.
In einer vorteilhaften Ausführungsvariante weist der Bohrkopf
gegen sein der Stirnseite zugewandtes Ende hin einen Hochspannungsbereich, gegen
sein der Stirnseite abgewandtes Ende hin einen Niederspannungsbereich und zwischen
dem Hochspannungsbereich und dem Niederspannungsbereich einen Mittelspannungsbereich
auf. Im Niederspannungsbereich sind dabei eine Turbine, die mittels der Spülflüssigkeit
betreibbar ist, und ein Generator, der durch die Turbine antreibbar ist, angeordnet.
Im Mittelspannungsbereich ist dabei ein Gleichrichter angeordnet, mittels welchem
Wechselspannung aus dem Generator in Gleichspannung umwandelbar ist. Im Hochspannungsbereich
ist dabei ein Hochspannungsgenerator mit Kondensatoren angeordnet, mittels dem eine
an die Elektroden übertragbare frequenzgesteuerte Hochspannung erzeugbar ist.
Über eine solche Anordnung können die Spannungsmittel im Bohrkopf selbst
angeordnet sein und insbesondere können Streamerentladungen durch einen im
Bohrkopf angeordneten Hochspannungs-Impulsgenerator erzeugt werden, der frequenzgesteuert
die Spannungen an die Elektroden weiterleitet.
Vorzugsweise ist der Hochspannungsgenerator isoliert gelagert. In
einer solchen isolierten Umgebung können ungewollte Entladungen zwischen den
Kondensatoren einfach vermieden werden.
Mit Vorteil weist der Bohrkopf eine Erdungseinrichtung auf, so dass
ein sicherer stabiler Betrieb des Bohrkopfs gewährleistet werden kann und so
dass auf einfache Weise eine ausreichende Potentialdifferenz zwischen den Elektroden
bereitgestellt werden kann.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abbau
von Hartgestein, welches die folgenden Schritte umfasst:
Anordnen von mindestens zwei Elektroden an einer Ortsbrust; und
frequenzgesteuertes Aufbauen einer Spannung zwischen den Elektroden.
Durch die frequenzgesteuerte Spannung zwischen den Elektronen können
sich auf Grund derer unterschiedlichen elektrischen Potentiale geschaltete Streamerentladungen
ausbilden, wobei diese wegen der kurzeitig höheren elektrischen Durchschlagsfestigkeit
eines Dielektrikums, das sich zwischen den Elektroden befindet, durch das abzubauende
Hartgestein erzeugt werden. Wie oben beschrieben kann somit das Hartgestein erfindungsgemäss
auf vorteilhafte Weise abgebaut werden.
Vorzugsweise wird eine Spülflüssigkeit zwischen den Elektroden
angeordnet und weiter wird vorzugsweise eine Turbine mittels der Spülflüssigkeit
betrieben, so dass ein Generator durch die Turbine angetrieben wird und eine Wechselspannung
erzeugt. Diese Wechselspannung wird dann über ein Gleichrichter in Gleichspannung
umgewandelt und mittels eines Hochspannungsgenerators wird aus der Gleichspannung
eine Hochspannung erzeugt, die frequenzgesteuert an die Elektroden übertragen
wird.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus
der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels der Erfindung mit
Hilfe der schematischen Zeichnungen.
Es zeigen:
1 eine Längsschnittansicht des Bohrkopfs eines
Ausführungsbeispiels der erfindungsgemässen Bohrvorrichtung, die hier
beispielhaft für Tiefbohrungen geeignet ist; und
2 eine Ansicht von einer Ortsbrust her auf die Elektroden
der Bohrvorrichtung von 1.
Weg(e) zur Ausführung der Erfindung
Bestimmte Ausdrücke werden in der folgenden Beschreibung aus
praktischen Gründen verwendet und sind nicht einschränkend zu verstehen.
Die Wörter „unten" und „oben" bezeichnen Richtungen in der Zeichnung,
auf die Bezug genommen wird. Die Ausdrücke „nach innen" und „nach
aussen" bezeichnen Richtungen hin zum oder weg vom geometrischen Mittelpunkt der
Bohrvorrichtung sowie benannter Teile derselben. Die Terminologie umfasst die oben
ausdrücklich erwähnten Wörter, Ableitungen von denselben und Wörter
ähnlicher Bedeutung.
In der 1 ist ein Bohrkopf einer erfindungsgemäßen
Bohrvorrichtung gezeigt. Sie weist ein im wesentlichen hohlzylindrisches Mantelrohr
1 (Schild) auf und darin untergebrachte Spannungsmittel zur Erzeugung einer
Streamerentladungen auf. Der Bohrkopf ist aufgehängt und geführt über
ein Bohrgestänge 2, das sukzessive verlängert an einem Bohrturm
über Tage aufgehängt ist. Durch das Bohrgestänge wird von über
Tage eine Spülflüssigkeit, die im in der 1
gezeigten Ausführungsbeispiel gleichzeitig Dielektrikum ist, zum Bohrkopf zugeführt.
In einem oberen Niederspannungsbereich des Bohrkopfes wird die Spülflüssigkeit
mit hydrostatischem Druck durch die im Niederspannungsbereich des Bohrkopfes angeordnete
Turbine 3 (Moineau) geleitet, die als Untertagemotor und Bohrkopfantrieb
fungiert. Die Turbine 3 treibt durch Rotationsbewegung einen Generator
4 an, der eine Eingangs-Wechselspannung liefert.
Vom Generator aus wird die Eingangs-Wechselspannung über einen
Mittelspannungstransformator 5 in einen Mittelspannungsbereich des Bohrkopfes
weitergeleitet. Im Mittelspannungsbereich wird die Eingangs-Wechselspannung über
einen Gleichrichter 6 in eine Gleichspannung umgewandelt und weiter in
einen unteren Hochspannungsbereich und eine Bohrkopfspitze geführt. Widerstände
reduzieren bei Fehler den entsprechenden Kurzschlussstrom auf eine Ladeeinheit.
Eine Erdung des gesamten Bohrkopfes erfolgt über eine Mantelaußenfläche
über Gleitkontakte 7 in das Erdreich.
Im Hochspannungsbereich des Bohrkopfes wird Hochspannung über
einen Hochspannungsgenerator 8 nach dem Marx-Prinzip, bei dem die Kondensatoren
9 parallel geschaltet geladen und in Reihe geschaltet entladen werden,
erzeugt. Um eine frühzeitige ungewollte Entladung zwischen den Kondensatoren
9 anstatt über als Zentrumselektrode 10 und Kaliberelektrode
11 ausgestalteten Elektroden zu vermeiden, ist der Hochspannungsgenerator
isoliert gelagert.
Vom Hochspannungsgenerator wird die Hochspannung bei Erreichen einer
Grenzspannung direkt frequenzgesteuert in die einzelnen Elektroden geleitet. Aufgrund
der unterschiedlichen Durchschlagsfestigkeit des Dielektrikums und des Hartgesteins
erfolgt die Streamerentladung zwischen der Zentrumselektrode 10 und den
Kaliberelektroden 11 durch das Hartgestein hindurch. Die Kaliberelektroden
11 sind den Bohrkopf nach aussen überragend ausgestaltet und wie in
der 2 am besten ersichtlich peripher an der Stirnseite
des Bohrkopfs angeordnet. Durch diese Anordnung der Kaliberelektroden
11 wird ein gegenüber dem Mantelrohr 1 vergrößerter
Aushubquerschnitt und ein Überschnitt zwischen Mantelrohr und umgebendem Hartgestein
erzeugt.
Das als Spülflüssigkeit fungierende Dielektrikum, das durch
das Bohrkopfzentrum an die Ortsbrust geleitet wird, nimmt das losgelöste Hartgestein
auf und fördert dieses mit Hilfe eingeblasener Luft nach dem Lufthebeverfahren
im Überschnitt zwischen Mantelrohr 1 und umgebenden Hartgestein nach
über Tage.