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Dokumentenidentifikation DE102005054703A1 24.05.2007
Titel Thrombozytenanreichernde Schicht, Verfahren zu ihrer Herstellung, Trennmedium für Thrombozyten und Test-Kit
Anmelder Forschungszentrum Karlsruhe GmbH, 76133 Karlsruhe, DE
Erfinder Stüber, Michael, Dr., 76829 Landau, DE;
Niederberger, Lorenz, 76135 Karlsruhe, DE;
Leiste, Harald, Dr., 76356 Weingarten, DE;
Ulrich, Sven, Dr., 76297 Stutensee, DE;
Welle, Alexander, Dr., 68723 Schwetzingen, DE;
Fischer, Harald, Dr., 76356 Weingarten, DE
DE-Anmeldedatum 17.11.2005
DE-Aktenzeichen 102005054703
Offenlegungstag 24.05.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 24.05.2007
IPC-Hauptklasse A61L 33/00(2006.01)A, F, I, 20051117, B, H, DE
IPC-Nebenklasse A61L 33/08(2006.01)A, L, I, 20051117, B, H, DE   A61L 27/08(2006.01)A, L, I, 20051117, B, H, DE   A61L 27/28(2006.01)A, L, I, 20051117, B, H, DE   A61L 31/16(2006.01)A, L, I, 20051117, B, H, DE   C23C 14/12(2006.01)A, L, I, 20051117, B, H, DE   B01D 15/08(2006.01)A, L, I, 20051117, B, H, DE   C12M 1/34(2006.01)A, L, I, 20051117, B, H, DE   C12M 1/40(2006.01)A, L, I, 20051117, B, H, DE   
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft eine thrombozytenanreichernde Schicht, die auf einem Substrat aufgebracht ist und aus einer amorphen Kohlenstoffschicht, die eine Oberflächenenergie unterhalb eines Schwellenwerts von 34,4 mN/m aufweist, besteht.
Weiterhin betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung einer thrombozytenanreichernden Schicht auf einem Substrat, mit den Schritten:
a) Schleifen, Polieren und Reinigen des Substrats,
b) Positionieren des Substrats in einer Prozesskammer einer Megnetronsputteranlage und Evakuierung der Prozesskammer,
c) Plasmaätzen des Substrats,
d) Abscheiden eienr amorphen Kohlenstoffschicht aus einem Graphit-Traget auf das so behandelte Substrat bei einem Argon-Partialdruck von 0,2 Pa bis 2,0 Pa und einer Sputterleistung pro Flächeneinheit von 0,57 bis 7,91 W/cm2.
Schließlich betrifft die Erfindung ein Trennmedium für Thrombozyten aus einer Suspension, die Thrombozyten enthält, und ein Test-Kit zur Bestimmung des Inhalts von Thrombozytengranulaten auf, die ein Substrat enthalten, auf das eine erfindungsgemäße thrombozytenanreichernde Schicht aufgebracht ist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine thrombozytenanreichernde Schicht auf einem Substrat, ein Verfahren zu ihrer Herstellung und Trennmedium für Thrombozyten oder ein Test-Kit, die jeweils ein Substrat enthalten, auf das eine derartige Schicht aufgebracht ist.

Unmittelbar nach dem erfolgten Kontakt eines Medizinischen Instruments oder Implantats mit Blut wird an dessen Oberfläche eine Schicht aus Proteinen aus dem Blutplasma adsorbiert, die nachfolgend insbesondere mit der Aktivierung des Gerinnung- und Komplementsystems des Bluts, mit inflammatorischen Reaktionen und mit Zellanhaftungen assoziiert wird.

Aus der Anlagerung der Adsorptionsproteine HMWK (High Molecular Weight Kiniogen) oder Albumin resultiert eine reduzierte Adhäsion und Aktivierung von Blutzellen (Thrombozyten, Monozyten, Granulozyten). Die Gewebeantwort auf ein Substrat, die ausschlaggebend für die Frage und Dauer dessen Einsatzes (Langzeit-Stabilität und Biokompatibilität) ist, hängt nicht nur von dessen Oberfläche, sondern auch von der entstandenen Schicht adsorbierter Proteine ab. Für die Zusammensetzung dieser Proteinschicht sind das Substrat und die Beschaffenheit seiner Oberfläche verantwortlich.

Das Maß der Thrombozytenabweisung bzw. -anlagerung (Thrombogenität) auf einer Oberfläche eines medizinischen Instruments oder eines Implantats stellt eines der wichtigsten Kriterien zur Beurteilung der Biokompatibilität dar.

Aus P. Yang, N. Huang, Y.X. Leng, J.Y. Chen, R.K.Y. Fu, S.C.H. Kwok, Y. Leng und P.K. Chu, Activation of platelets adhered on amorphous hydrogenated carbon (a-C:H) films synthesized by plasma immersion ion implantation-deposition (PIII-D), Biomaterials 24 (2003), S. 2821-2829, ist ein Verfahren zur Herstellung von amorphen Kohlenstoffschichten mittels PIII-D (Plasma immersion ion implantation and deposition) bekannt.

S.C.H. Kwok, J. Wang und P.K. Chu stellen in Surface energy, wettability, and blood compatibility of phosphorus doped diamond-like carbon films, Diamond. Relat. Mater. 14 (2005), S. 78-85, ein Verfahren zur Herstellung von mit Phosphor dotierten amorphen Kohlenstoffschichten mittels PIII-D vor.

Aus T. Saito, T. Hasebe, S. Yohena, Y. Matsuoka, A. Kamijo, K. Takahashi und T. Suzuki, Antithrombogenicity of fluorinated diamond-like carbon films, Diamond. Relat. Mater. 14 (2005), S. 1116-1119, ist ein Verfahren zur Herstellung von mit Fluor dotierten amorphen Kohlenstoffschichten mittels chemischer Abscheidung aus der Dampfphase (Chemical Vapor Deposition, CVD) mit C2H2 und C2F6 bekannt.

T.I.T. Okpalugo, A.A. Ogwu, P.D. Maguire und J.A.D. McLaughlin zeigen in Platelet adhesion on silicon modified hydrogenated amorphous carbon films, Biomaterials 25 (2004), S. 239-245, ein Verfahren zur Herstellung von mit Silizium dotierten amorphen Kohlenstoffschichten mittels plasmaverstärkter chemischer Abscheidung aus der Dampfphase (Plasma Enhanced Chemical Vapor Deposition, PECVD).

M.I. Jones, I.R. McColl, D.M. Grant, K.G. Parker und T.L. Parker offenbaren in Protein adsorption ana platelet attachment and acivation on TiN, TiC and DLC coatings on titanium for cardiovascular applicatons, J. Biomed. Mater. Res. 52 (2000), S. 413-21, ein Verfahren zur Herstellung von amorphen Kohlenstoffschichten mittels Ionenplattieren (Ion-plating) mit Acetylen.

Die EP 0 643 582 B1 offenbart ein Verfahren zum Erhalt einer Lösung von Plättchen-Faktoren, bei dem eine Flüssigkeit, die eine Suspension von Thrombozyten enthält, durch einen Filter läuft, der die Thrombozyten zurückhält.

Aufgabe der Erfindung ist es, eine thrombozytenanreichernde Schicht auf einem Substrat, ein Verfahren zu ihrer Herstellung ein Trennmedium für Thrombozyten und ein Test-Kit, auf die jeweils eine derartige Schicht aufgebracht ist, anzugeben.

Diese Aufgabe wird gelöst im Hinblick auf die Schicht durch die Merkmale des Anspruchs 1, im Hinblick auf das Verfahren durch die Schritte des Anspruchs 8, im Hinblick auf das Trennmedium durch den Anspruch 12 und im Hinblick auf das Test-Kit durch den Anspruch 13. Die Unteransprüche geben jeweils vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.

Die erfindungsgemäße Schicht ist auf einem Substrat aufgebracht. Hierfür eignen sich alle Materialien, die intra- oder extrakorporal im direkten Kontakt mit Gewebe stehen können. Hierzu zählen Metalle oder Legierungen, bevorzugt Ti, Ti6A14V, NiTi, TiAl, Gold, legierte oder unlegierte (Edel-)Stähle. Weiterhin eignen sich glasartige oder keramische Substrate wie z.B. Glaskohlenstoff (Sigradur-G, Sigradur-K), SiC, Si3N4, AlO2 oder ZrO2. Aufgrund der geringen Verfahrenstemperatur von 50°C bis 200°C sind auch Substrate aus Kunststoffen. (Polymeren), insbesondere Teflon (PTFE), Polyetheretherketon (PEEK), Polymethylmethacrylat (PMMA), Acrylnitrilmethylmethacrylat (AMMA), Polyamid (PA), Polyimid (PI), Polycarbonat (PC), Polyvinylchlorid (PVC), Polypropylen (PP), Polyurethan (PU) oder Polyethylen (PE) geeignet. Das Substrat selbst kann fest oder lösbar mit einer weiteren Unterlage verbunden sein.

Die erfindungsgemäße Schicht besteht aus einer amorphen Kohlenstoffschicht, deren Oberflächenenergie unterhalb eines Schwellenwerts von 34,4 mN/m liegt, wobei die Oberflächenenergie einen Wert bis einschließlich 27,2 mN/m annehmen kann. Der polare Anteil der Oberflächenenergie beträgt hierbei von 9 mN/m bis 15 mN/m. Sämtliche Werte für die Oberflächenenergie, die in diesem Dokument angegeben sind, wurden nach dem Verfahren von D.K. Owens, R.C. Wendt, J. Appl. Polym. Sci. (1969), S. 1741-1747, bestimmt.

Die vorliegende Erfindung macht Gebrauch von dem von den Erfindern aufgefundenen und in der 1 dargestellten Zusammenhang zwischen der Oberflächenenergie und dem Grad der Adhärenz von Thrombozyten auf erfindungsgemäßen Schichten. Die Oberflächenenergie besitzt bei ca. 34,4 mN/m offensichtlich einen kritischen Wert für das Maß der Adhärenz von Thrombozyten auf der Oberfläche. Erst die Aufdeckung dieses Sachverhalts ermöglicht es, auf einfache und wirtschaftliche Art und Weise eine erfindungsgemäß beschichtete Oberfläche eines Substrats gezielt bezüglich ihres Verhaltens zur Thrombogenität einzustellen.

Im Zusammenhang mit der Aufdeckung dieses Sachverhalts steht die Position der G-Bande eines Raman-Spektrums im sichtbaren Bereich (Anregungswellenlänge von 514,5 nm), die in 2 als Funktion der Zahl anhaftender Thrombozyten aufgetragen ist. Für eine erfindungsgemäße Schicht befindet sich die G-Bande im Bereich von 1565 cm–1 bis 1580 cm–1.

Die erfindungsgemäße Schicht weist eine Schichtdicke von 50 nm bis 10 &mgr;m, bevorzugt von 100 nm bis 5 &mgr;m, besonders bevorzugt von 500 nm bis 2 &mgr;m auf.

In einer bevorzugten Ausgestaltung besitzt die erfindungsgemäße Schicht einen Gehalt an Wasserstoff von höchstens 5 Atom%, der mittels Kernreaktionsanalyse (Nuclear Reaction Analysis, NRA) bestimmt werden kann. Damit gilt diese Schicht quasi als wasserstofffrei.

Die Härte der erfindungsgemäßen Schicht beträgt von 5 GPa bis 40 GPa. Der mit Elektronenenergieverlustspektroskopie (Electron Energy Loss Spectroscopy, EELS) bestimmte sp3-Bindungsanteil der erfindungsgemäßen Schicht nimmt einen Wert im Bereich von 0% bis 30% an.

Die Rauhigkeit der erfindungsgemäßen Schicht beträgt bei der Betrachtung des arithmetischen Mittenrauhwerts Ra von 3 nm bis 23 nm, der Glättungstiefe Rp von 16 nm bis 200 nm, des quadratischen Mittenrauhwerts Rq von 6 nm bis 27 nm, der Differenz Rt zwischen der höchsten Spitze zur tiefsten Riefe von 29 nm bis 170 nm und der gemittelten Rauhtiefe Rz(ISO) von 20 nm bis 190 nm.

Der (advancing) Benetzungswinkel der erfindungsgemäßen Schicht für H2Odest nimmt einen Wert von 78° bis 90° sowie für Formamid von 60° bis 65° an.

In einer besonderen Ausgestaltung weist die erfindungsgemäße Schicht eine Adhärenz von Thrombozyten von mindestens 3000 Plättchen (Thrombozyten) pro mm2, bevorzugt von mindestens 5000 Plättchen (Thrombozyten) pro mm2 auf.

Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin ein Trennmedium für Thrombozyten aus einer Suspension, die Thrombozyten enthält, insbesondere Blut. Hierzu werden die Thrombozyten selektiv an einer oder mehreren erfindungsgemäßen Schichten angelagert (aktiviert), um diese von sämtlichen Stoffen zu trennen, die biologische Aktivität aufweisen. Auf diese Weise lassen sich Thrombozyten oder Thrombozytenüberstände gewinnen.

Der Thrombozytenüberstand von aktivierten Thrombozyten kann einerseits zur Gewinnung von Ausgangsmaterialien zur Aufreinigung von biologischen Molekülen verwendet werden, wie z. B. PDGF (Platelet-derived growth factor), dem Von Willebrand-Faktor, TGF&bgr; (transforming growth factor&bgr;), Plasminogen, Faktor XIII und weitere. Andererseits kann der Überstand aktivierter Thrombozyten oder eine Fraktion dieser Überstandes direkt zur Herstellung eines Pharmazeutikums oder eines Blutproduktes z. B. zur Wundheilung oder in der Kosmetik verwendet werden.

Die gebundenen und gereinigten Thrombozyten lassen sich mit Hilfe bekannter Aktivatoren suspendieren. Die gereinigten aktivierten suspendierten Thrombozyten werden z. B. mit Ultraschall oder anderen physischen Methoden lysiert und die bekannten Inhaltstoffe, insbesondere die biologisch aktiven Proteine und Peptide aus den Granula zur Verwendung als Pharmazeutikum, Blutprodukt oder Kosmetikum mittels Zentrifugation oder Filtration aufgereinigt.

Die gebundenen und suspendierter. Thrombozyten eignen sich zur Wirkstoffssuche (Screening) in der pharmazeuischen oder kosmetischen Industrie, z. B. zur Suche nach neuen Thrombozytenaggregationshemmern oder dienen zur toxikologischen oder pharmakologischen Untersuchung von bekannten Wirkstoffen. Die Wirkstoffe können niedermolekular sein bzw. Proteine oder Peptide umfassen. Weiterhin dienen die Thrombozyten zur Untersuchung der Vorgänge bei der primären und sekundären Hämostase, insbesondere auf molekularer Ebene.

Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin eine Vorrichtung als analytisches Test-Kit, das sich dafür eignet, z. B. für ein Individuum für diagnostische oder prognostische Zwecke den Inhalt von Thrombozytengranulaten zu bestimmen.

Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung einer thrombozytenanreichernden Schicht auf einem Substrat erfolgt gemäß den folgenden Schritten a) bis d):

  • a) Vorbehandeln des Substrats,
  • b) Positionieren des Substrats in einer Prozesskammer,
  • c) Plasmaätzen des Substrats und
  • d) Beschichten des Substrats.

Das bereitgestellte Substrat wird zunächst gemäß Schritt a) einer Vorbehandlung unterzogen. Das Substrat wird hierbei geschliffen und poliert, um eine möglichst homogene Oberfläche zu erzeugen, und gereinigt. Insbesondere sollen im Lichtmikroskop weder Materialanhäufungen, die durch unterschiedlich harte Komponenten z. B. in Legierungen gebildet werden, noch eine Bildung von Poren, eine Oberflächenschädigung oder Riefen durch herausgelöste Komponenten erkennbar sein.

Nach der Vorbehandlung wird das Substrat gemäß Schritt b) in eine Prozesskammer einer Magnetronsputteranlage eingebracht und in der Prozesskammer für die nachfolgenden Verfahrensschritte ausgerichtet (positioniert). Anschließend erfolgt eine Evakuierung der Prozesskammer. Die Evakuierung wird vorzugsweise so lange durchgeführt, bis die Prozesskammer (Rezipient) nur noch einen Restgasdruck von 1·10–4 Pa bis 4·10–4 Pa aufweist.

In der Prozesskammer wird das Substrat zunächst gemäß Schritt c) einem Plasmaätzverfahren unterworfen. Als Arbeitsgas dient vorzugsweise Argon bei einem Argon-Partialdruck von 0,2 Pa bis 2,0 Pa.

Schließlich erfolgt gemäß Schritt d) das Abscheiden der amorphen Kohlenstoffschicht aus einem Graphit-Traget auf das vorbehandelte, positionierte und plasmageätzte Substrat. Hierzu wird ein Argon-Partialdruck von 0,2 Pa bis 2,0 Pa und eine Sputterleistung pro Flächeneinheit 0,57 bis 7,91 W/cm2 eingestellt.

Das Beschichtungsverfahren wird vorzugsweise bei einer Temperatur von 50°C bis 200°C, besonders bevorzugt von 70°C bis 150°C, durchgeführt. Das auf diese Weise mit einer amorphen Kohlenstoffschicht versehene Substrat kann nach erfolgtem Druckausgleich und Abkühlen auf höchstens 60°C, vorzugsweise auf Raumtemperatur, der Beschichtungsanlage entnommen werden.

Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt es, verschiedene Geometrien, sowohl in zwei Dimensionen (planar) als auch in drei Dimensionen (räumlich) zu beschichten.

Die Erfindung wird im Folgenden an Hand von Ausführungsbeispielen mit Hilfe der Abbildungen näher erläutert. Es zeigen:

1 Thrombozyten pro mm2 als Funktion der Oberflächenenergie von thrombozytenabweisenden und thrombozytenanreichernden Schichten.

2 Thrombozyten pro mm2 als Funktion der der Position der G-Ramanbande von thrombozytenabweisenden und thrombozytenanreichernden Schichten.

1 zeigt eine Darstellung des Zusammenhanges zwischen der Oberflächenenergie und der Thrombozytenadhärenz von erfindungsgemäßen thrombozytenanreichernden Schichten sowie – als Vergleich – von thrombozytenabweisenden Schichten. Bei einer Oberflächenenergie unterhalb des aufgefundenen Schwellenwertes von 34,4 mN/m wird eine starke Thrombozytenadhärenz (Thrombozytenanreicherung), bei einer Oberflächenenergie oberhalb des aufgefundenen Schwellenwertes von 34,4 mN/m dagegen eine schwache Thrombozytenadhärenz (Thrombozytenabweisung) beobachtet.

In 2 ist die Abhängigkeit der Zahl anhaftender Thrombozyten von der Position der G-Ramanbande dargestellt. Raman-Spektroskopie ist sehr empfindlich auf kleine Anteile an sp2-Bindung in Diamant bzw. amorphen Kohlenstoffschichten. Reiner Diamant, der ausschließlich sp3-konfigurierte Kohlenstoff-Bindungen besitzt, weist eine diskrete Linie bei 1332 cm–1, reiner Graphit dagegen, bei dem ausschließlich sp2-konfigurierte Kohlenstoff-Bindungen auftreten, bei 1580 cm–1 auf, die im Falle des Graphits als G-Bande (Graphite-Peak) bezeichnet wird. Die Verschiebung der Position der G-Bande zu höheren Wellenzahlen ist mit der vermehrten Anlagerung von Thrombozyten korreliert.

Die Raman-Spektren wurden mit einem kommerziellen Raman-Spektrometer bei einer Anregungswellenlänge von 514,5 nm (Argon-Ionen-Laser) aufgezeichnet. Vor der Messung erfolgte eine Kalibrierung an einem Silizium-Wafer mit gut definierter Oberfläche, der eine einzige diskrete Bande bei 520 cm–1 besitzt. Die Proben wurden vor der Messung mit Isopropanol gesäubert. Die aufgenommenen Spektren wurden unter Verwendung einer linearen Grundlinie mit zwei Gauss-Peaks angepasst, dabei wurden die Parameter Bandenhöhe, -breite und -position während der iterativen Anpassung nicht fixiert. Die Kurvenanpassung konvergierte nach ca. 10 Iterationsstufen.

Vorbehandeln der Substrate

Die eingesetzten Substrate aus Silizium, dem Hartmetall WC-Co, den Edelstählen Ti6A14V und einem chromhaltigen Edelstahl mit Beimengungen von Mn (Werkstoffnummer: 1.4034, X46Cr13) wurden je nach Art und Qualität der Oberfläche des Materials einer aufwändigen Prozedur des Schleifens und Polierens unterzogen. Die Rauhigkeit (Ra) der Substrate nach dem Schleifen und Polieren betrug:

Die Substrate wurden vor der Beschichtung jeweils für 15 Minuten in einem Ultraschallbad in Aceton und anschließend in Isopropanol gereinigt. Danach wurden die Substrate mit destilliertem Wasser abgespült. Die Substrate wurden nur mit Latexhandschuhen angefasst, um das Übertragen von Schmutzpartikeln und Fett durch die Haut zu verhindern.

Positionieren der Substrate in der Prozesskammer

Anschließend erfolgte die Positionierung der Substrate in der Prozesskammer einer Beschichtungsanlage (Magnetron-Sputter-Anlage). Die Evakuierung des Rezipienten wurde bis zu einem Restgasdruck von 2·10–4 Pa durchgeführt.

Plasmaätzen der Substrate

Vor der eigentlichen Beschichtung wurden die Substrate in einem Plasmaätzverfahren gereinigt. Hierbei kamen zwei Verfahren zur Anwendung:

  • 1.) HF (Hochfrequenz) Plasmaätzprozess bei 500 W. Als Arbeitsgas diente Argon, der Druck im Rezipienten betrug 0,6 Pa. Die Parameter wurden über eine Zeit von 20 Min. konstant gehalten.
  • 2.) DC-Glowing-Glimmentladung im DC-Feld (direct current) bei einer Gleichspannung (DC-Spannung) von 500 bis 800 V. Als Arbeitsgas wurde ebenfalls Argon eingesetzt, der Druck im Rezipienten betrug auch hier 0,6 Pa. Die genannten Parameter wurden über eine Zeit von 15 bis 90 Minuten konstant gehalten.

Während der beschriebenen Verfahren wurden von der Substratoberfläche ca. 100 nm der Adsorbate bzw. des Substrates abgetragen und sowohl bei X46Cr13 als auch bei Ti6A14V ein Ra-Wert von 6 nm erzielt.

Beschichten der Substrate

Die amorphen Kohlenstoffschichten wurden mittels Magnetronzerstäubung (magnetron sputtering) eines oder mehrerer Graphittargets in reiner Argon-Atmospähre bei 0,2 bis 2,0 Pa auf die so vorbehandelten und plasmageätzten Substrate bei Temperaturen bis 150°C abgeschieden. Es wurden sowohl Rundkathoden mit einem Durchmesser von 75 und 150 mm, als auch Rechteckkathoden mit Abmessungen von 135 × 465 mm oder 134 × 496 mm eingesetzt. Der Abstand zwischen Target und Substrat betrug je nach Beschichtungsanlage zwischen 50 und 150 mm. Für Kathoden mit einem Durchmesser von 75 mm wurden Sputterleistungen von 50 bis 500 W, für einen Durchmesser von 150 mm von 100 bis 1000 W und für die Rechteckkathoden von 1500 bis 6000 W gefahren. Die Leistungsdichte (Sputterleistung pro Flächeneinheit) lag demnach insgesamt zwischen 0,57 und 13,58 W/cm2, wobei eine Leistungsdichte von höchstens 7,91 W/cm2 erforderlich war, um eine erfindungsgemäße thrombozytenanreichernde Schicht zu erhalten.

Die Schichten wurden mit HF-Substratvorspannungen von 0 V bis –200 V abgeschieden, wobei diese im Bereich bis –200 V die Leistungsdichte nicht signifikant beeinflusst. Bei niedrigen Leistungsdichten muss ein geringer Druck gewählt werden, damit die Oberflächenenergie unterhalb des Schwellenwerts von 34,4 mN/m bleibt.


Anspruch[de]
Thrombozytenanreichernde Schicht, die auf einem Substrat aufgebracht ist und eine amorphe Kohlenstoffschicht, die eine Oberflächenenergie unterhalb eines Schwellenwerts von 34,4 mN/m aufweist, enthält. Schicht nach Anspruch 1, wobei die Kohlenstoffschicht einen Gehalt an Wasserstoff von höchstens 5 Atom% aufweist. Schicht nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Kohlenstoffschicht eine Schichtdicke von 50 nm bis 10 &mgr;m besitzt. Schicht nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei das Substrat eine Oberfläche aus einem Metall, einer Legierung, aus Glas, einer Keramik oder aus einem Polymer aufweist. Schicht nach einem der Ansprüche 1 bis 4 mit einem arithmetischen Mittenrauhwert Ra von 3 nm bis 23 nm, einer Glättungstiefe Rp von 16 nm bis 200 nm, einem quadratischen Mittenrauhwert Rq von 6 nm bis 27 nm, einer Differenz Rt zwischen der höchsten Spitze zur tiefsten Riefe von 29 nm bis 170 nm sowie einer gemittelten Rauhtiefe Rz(ISO) von 20 nm bis 190 nm. Schicht nach einem der Ansprüche 1 bis 5, auf der sich mindestens 3000 Thrombozyten pro mm2 anlagern. Schicht nach Anspruch 6, auf der sich mindestens 5000 Thrombozyten pro mm2 anlagern. Verfahren zur Herstellung einer thrombozytenanreichernden Schicht auf einem Substrat, mit den Schritten:

a) Schleifen, Polieren und Reinigen des Substrats,

b) Positionieren des Substrats in einer Prozesskammer einer Magnetronsputteranlage und Evakuierung der Prozesskammer,

c) Plasmaätzen des Substrats,

d) Abscheiden einer amorphen Kohlenstoffschicht aus einem Graphit-Traget auf das so behandelte Substrat bei einem Argon-Partialdruck von 0,2 Pa bis 2,0 Pa und einer Sputterleistung pro Flächeneinheit von 0,57 bis 7,91 W/cm2.
Verfahren nach Anspruch 8, wobei die Prozesskammer auf einen Restgasdruck von 1·10–4 Pa bis 4·10–4 Pa evakuiert wird. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, wobei das Plasmaätzen des Substrats unter Argon als Arbeitsgas bei einem Argon-Partialdruck von 0,2 Pa bis 2,0 Pa erfolgt. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 10, wobei die Kohlenstoffschicht bei einer Temperatur von 50°C bis 200°C abgeschieden wird. Trennmedium für Thrombozyten aus Blut oder einer anderen Suspension, die Thrombozyten enthält, enthaltend ein Substrat, dessen Oberfläche zumindest teilweise mit einer thrombozytenanreichernden Schicht nach einem der Ansprüche 1 bis 7 versehen ist. Test-Kit zur Bestimmung des Inhalts von Thrombozytengranulaten, enthaltend ein Substrat, dessen Oberfläche zumindest teilweise mit einer thrombozytenanreichernden Schicht nach einem der Ansprüche 1 bis 7 versehen ist.






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