| Dokumentenidentifikation |
DE102005057013A1 31.05.2007 |
| Titel |
Textilmaschine und Verfahren zum Betreiben derselben |
| Anmelder |
Maschinenfabrik Rieter AG, Winterthur, CH |
| Erfinder |
Wolf, Horst, Winkel, CH |
| Vertreter |
BAUER WAGNER PRIESMEYER, Patent- und Rechtsanwälte, 52080 Aachen |
| DE-Anmeldedatum |
30.11.2005 |
| DE-Aktenzeichen |
102005057013 |
| Offenlegungstag |
31.05.2007 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
31.05.2007 |
| IPC-Hauptklasse |
D01H 1/06(2006.01)A, F, I, 20051130, B, H, DE
|
| IPC-Nebenklasse |
D01H 1/244(2006.01)A, L, I, 20051130, B, H, DE
D01H 7/18(2006.01)A, L, I, 20051130, B, H, DE
|
| Zusammenfassung |
Die Erfindung betrifft eine Textilmaschine (1), vorzugsweise eine Spinn- oder Zwirnmaschine, mit einzelnen Positionen, die Spulen (8) aufnehmende, je einzeln angetriebene Spindeln (2) und die Spulen (8) übergreifende Balloneinengungshülsen (3) aufweisen, sowie ein Verfahren zum Betreiben derselben. Es wird vorgeschlagen, Antriebsmotoren (6, 7) der Spindeln (2) und Balloneinengungshülsen (3) sich selbsttätig so regulieren zu lassen, dass auch beim Gebrauch schmalster Spulen (8) ein hochwertiges, gleichmäßiges Garn produziert werden kann.
|
| Beschreibung[de] |
|
Die Erfindung betrifft eine Textilmaschine, vorzugsweise eine Spinn-
oder Zwirnmaschine, insbesondere eine Maschine mit einzelnen Positionen, die Spulen
aufnehmende Spindeln und die Spulen übergreifende Balloneinengungshülsen
aufweisen, die jeweils einzeln motorisch angetrieben sind, sowie ein Verfahren zum
Betreiben derselben.
Terminologie
Balloneinengungshülsen, die zur Verwendung in einer Maschine
bzw. einem Verfahren gemäss dieser Erfindung sind an und für sich bekannt.
Das Spinnen mit derartigen Elementen ist auch prinzipiell gut bekannt, ist aber
seit Jahrzehnten vom Ringspinnen praktisch verdrängt worden. Die Begriffe,
die für in der Zwischenzeit sowohl für das Verfahren wie auch für
die Elemente entwickelt wurden, sind vielfältig. Balloneinengungshülsen
im Sinne dieser Anmeldung umfassen sämtliche Elemente wie Trichter, Glocken,
Kappen, Stützrohr usw., welche um die Drehachse eines spulenbildenden Elements
(einer Spindel) rotieren und das Garn bzw. den Faden zwischen Streckwerk und Spule
führen, wobei die Erzeugung der Garndrehung ermöglicht, die freie radiale
Ausweitung des Fadenlaufs (die Ballonbildung) aber eng begrenzt bzw. unterbunden
wird. In der bevorzugten Ausführung wird das Garn in Berührung mit der
Innenfläche der Hülse geführt, um den Ballon einzuengen.
Die Erfindung befasst sich mit vier Aspekten eines Spinnverfahrens,
das Balloneinengungshülsen verwendet, nämlich mit:
- – der gegenseitigen Abstimmung der Drehzahlen der Hauptarbeitselemente;
- – einer bevorzugte Methode, diese Abstimmung zu erzielen;
- – der Integration einer derartigen Methode in einer Maschine mit einer
programmierbaren Steuerung, und
- – einer wirtschaftlichen Lösung für das Antriebssystem der
Maschine.
Stand der Technik
Es ist heute dem Spinntechnologen allgemein bekannt, dass die „Fadenspannung"
einen wichtigen Betriebsparameter jedes Spinnverfahrens darstellt und einen wichtigen
Einfluss auf die Fadenqualität ausübt. Es sind daher viele Anstrengungen
unternommen worden, die Fadenspannung während des Spinnens zu kontrollieren,
d. h. vor allem konstant zu halten, um dadurch einen Faden relativ hoher Qualität
zu erzeugen (siehe z. B. EP-A-289009 bzw. EP-A-289010). Das allgemeine Problem dieses
Konzeptes liegt darin, dass sich weder die „Fadenspannung" noch die „Fadenqualität"
derart präzise definieren lässt, dass eindeutige, in der Praxis einsetzbare
Wechselwirkungen zwischen dem Betriebsparameter und der Produkteigenschaft gezielt
herbeizuführen sind. Die nachfolgende Diskussion des Standes der Technik zeigt
aber, dass die vorerwähnten Anstrengungen heute noch fortgesetzt werden.
Wie beim Ringspinnen der Läufer, so schleppt beim Spinnen mit
Balloneinengungshülsen, im Folgenden auch Trichter genannt, der Trichter den
Faden zur Ablage auf eine Spule. Durch die Drehzahl des eingeengten Ballons bei
gleichzeitiger Lieferung von Fasermaterial aus dem Streckwerk erhält der Faden
die für seine Festigkeit unabdingbare Drehung. Durch die Drehzahldifferenz
zwischen der schnelleren, die Spule tragenden Spindel und dem eingeengten Ballon
wird der Faden auf die Spule aufgewunden. Die Drehzahldifferenz zwischen Spindel
und Ballon schwankt jedoch, da die Trichterdrehzahl auch vom variierenden Umfang
der zu bewickelnden Spule abhängt, d.h. dass z. B. bei nacheilendem Trichter
der Trichter schneller drehen muss, je kleiner der Umfang der Spule ist, vice versa.
Bei der Aufwindung auf den kleineren Spulendurchmesser entstehen durch ein ungünstigeres
Kräfteparallelogramm grössere Fadenspannungen als bei der Aufwindung auf
den äusseren, also grösseren Durchmesser. Fadenspannungsspitzen und -einbrüche
können zu minderwertigem Garn oder gar Fadenbrüchen führen. Um den
Faden zu schonen, ist schon länger bekannt, die Trichterrotation bei Textilmaschinen
der eingangs genannten Art mit einem eigenen Motor zu unterstützen oder eigens
zu bremsen (z. B. DE-A-34 00327 bzw. CH 667289).
Die DE-A-37 41 430 (bzw. EP-A-319783), die für die vorliegende
Erfindung als nächstliegender Stand der Technik gelten soll, schlägt vor
(Spalte 1, Zeilen 30 bis 38), Spindel- und Trichterantrieb an eine gemeinsame Frequenzsteuereinrichtung
anzuschliessen, um den Steuerungsaufwand zu minimieren (der „Trichter" ist
in DE-A-3741430 „Glocke" genannt). Dreh- und Lastmomentkennlinie des Trichtermotors
sollten dabei so abgestimmt sein, dass bei gleicher Speisefrequenz für den
Einzelmotor der Spindel und für den Einzelmotor des Trichters der Einzelmotor
des Trichters mit einer Drehzahl des Trichters kleiner als für den Aufwindevorgang
vonnöten ist.
Für den Trichterantrieb ist ein Asynchronmotor vorgesehen, der
eine Drehmomentkennlinie mit einem flachen Verlauf aufweist. So kann die gleiche
Frequenz für beide Motoren genutzt werden, obwohl der Trichtermotor mit der
für den Aufwindeprozess benötigten Drehzahldifferenz hinter dem der Spindel
zurückbleiben soll.
Obwohl die Beeinflussung der Fadenspannung nicht zur Hauptaufgabe
der DE-A-3741430 gehört, wurden im Rahmen der Haupterfindung
Vorschläge zur Linderung der Problematik der variablen Fadenspannung beim Trichterspinnen
vorgelegt. Um eine konstante Fadenspannung während des Aufwindens zu gewährleisten,
wurde z. B. vorgesehen, die Drehmoment-Kennlinie des Trichtermotors abhängig
von den Aufwindeverhältnissen zu steuern. In weiterer Ausgestaltung der Erfindung
gemäss DE-A-3741430 wurde dort vorgesehen, den Trichter (die Glocke) mit einer
periodisch einschaltbaren Bremseinrichtung zu versehen (Spalte 2, Zeilen 24 bis
27).
DE-A-3741430 erkennt also die Problematik der „Aufwindeverhältnisse"
und insbesondere die Problematik des variablen „Aufwindedurchmessers" (2,
Spalte 3, Zeilen 37 bis 46). Die Entstehung dieser Problematik, die an und für
sich nichts mit dem Trichterspinnverfahren zu tun hat, ist aus dem „Handbuch
der textilen Fertigung: Die Kurzstapelspinnerei: Band 1 – Allgemeine Technologie
der Kurzstapelspinnerei – Seite 56 und 57" (Autor: W. Klein) ersichtlich.
Sie entstammt nämlich der Art von Spulenaufbau, der dem Spinnverfahren auferlegt
wird und der eine entsprechende Gestaltung des Aufwindemechanismus mit einer fortschaltenden
Changierbewegung erfordert.
Die Lehre nach DE-A-3741430 hat wie der gesamte Stand der Technik
nicht zu einer Lösung der Probleme des Trichterspinnens geführt, so dass
dieses Verfahren bis heute noch nicht kommerziell realisiert werden konnte.
Ein weiterer Minuspunkt dieses Standes der Technik ist die Menge der
Frequenzumrichter, die eine Maschine gemäss DE-A-3741430 benötigt: wenn
für Trichter- und Spindelmotor jeweils ein gemeinsamer Frequenzumrichter eingesetzt
wird, lässt sich zwar die Hälfte aller bis dahin eingesetzten Frequenzumrichter
einsparen, doch ist dieser eine pro Spinnstelle immer noch unerlässlich, d.h.
z.B. 800 oder auch 1200 Frequenzumrichter pro Maschine. Dies resultiert in hohen
Anschaffungs- wie auch Wartungskosten.
Andere Veröffentlichungen aus dem Stand der Technik
Es sind viele Versuche unternommen worden, um die Probleme des Trichterspinnens
zu beseitigen. Die folgenden Beispiele dienen nur dazu, die bisherigen Entwicklungsrichtungen
anzudeuten:
EP-A-476406: geht von der vorerwähnten Lösung gemäss
DE-A-3741430 aus und stellt sich die Aufgabe, die Fadenspannung in Abhängigkeit
einer vorgegebenen Garnnummer in engen Grenzen konstant zu halten. Gemäss der
vorgeschlagenen Lösung, sollen dem Einzelmotor der Spindel und dem Einzelmotor
der Glocke (des Trichters) je ein Frequenzumrichter zugeordnet werden. Die Umrichter
sollten derart steuerbar sein, dass die Drehzahl der Spindel und die Drehzahl der
Glocke unabhängig voneinander und in einer beliebigen Funktion der Zeit einstellbar
sind. Die Schrift gibt auch eine Formel an, anhand welcher eine geeignete Steuerungsfunktion
ableitbar sein sollte. Auch diese Lehre hat zu keiner brauchbaren Lösung der
Problematik geführt.
DE-A-4422420: die Erfindung gemäss dieser Schrift sucht Anwendungen
für „magnetisch gelagerte" Elemente in Spinnvorrichtungen. Mittels Sensoren
sollten axiale „Abweichungen des rotationssymmetrischen Elementes von seiner
Soll-Lage als Mass für die sich verändernde Fadenzugkraft" ausgewertet
werden. Entsprechende Ausführungen sind insbesondere im Zusammenhang mit den
6 und 7 beschrieben – es fehlt
aber die konkrete Lehre, wie die gewonnenen Signale praktisch eingesetzt werden
könnten. Auch in diesem Fall ist keine kommerzielle Realisierung bekannt.
EP-A-1072699: gemäss dieser Schrift besteht ein Hindernis zur
Weiterentwicklung des Ringspinnverfahrens darin, dass es vorher unmöglich war,
während des Spinnens die Fadenspannung zu messen. Gemäss der Erfindung
soll ein Fadenspannungssensor zwischen dem Streckwerk und der Spule vorgesehen werden,
wobei die Ausführungsbeispiele gemäss dem Trichterspinnverfahren arbeiten,
was aber für die Erfindung anscheinend unerheblich ist (Spalte 5, Zeilen 30
bis 39). Die Spindel und Trichter sollen unabhängig voneinander gesteuert werden
aber miteinander „synchronisiert" werden (Spalte 3, Zeile 48 bis Spalte 4,
Zeile 21), um eine überhöhte Fadenspannung zu vermeiden. Anhand des Fadenspannungssensors
kann das Steuerverfahren in ein Regelverfahren umgewandelt werden (Spalte 5, Zeilen
19 bis 29). Wie die erzielten, vorteilhaften Wirkungen zu erzielen sind, wird nicht
erklärt. Auch in diesem Fall ist keine praktische Ausführung derzeit bekannt.
DE-A-19938493: diese Schrift beschreibt ebenfalls Ausführungen
des Trichterspinnens (der Trichter wird hier „Stützrohr" genannt), wobei
je ein Einzelantrieb für die Spindel und den Trichter vorgesehen sind. Jeder
Antrieb soll „einzeln hinsichtlich seiner Drehzahl regelbar" sein und zwar
so, dass die „Differenz der Drehzahl des Rohres und des Wickelkörpers
beliebig einstellen" lässt. Der Antrieb der Spindel erfolgt dabei durch einen
Motor „der in bekannter Weise hinsichtlich seiner Drehzahl geregelt werden
kann" (Spalte 4, Zeile 18 bis 20).
JP-A-2002-105777: ohne DE-A-3741430 zu erwähnen geht diese Schrift
auf das Problem des variablen Spulendurchmessers ein, das schon in der DE-Schrift
dargelegt wurde. Die JP-Schrift schlägt vor, „entsprechend
der Veränderung des Wickeldurchmessers der Spule die Rotationsgeschwindigkeit
des Antriebsmotors der Glocke" zu verändern. Wie in DE-A-3741430,
2 gezeigt ist, erfolgt in dem Fall selbsttätig
eine Veränderung der Rotationsgeschwindigkeit der Glocke – gemäss
der JP-Schrift ist die selbsttätige Anpassung der Glockendrehzahl allenfalls
durch eine gesteuerte Anpassung zu ersetzen. Es ist heute noch keine entsprechende
Maschine bekannt – es bestehen aber zumindest Zweifel, ob die gesteuerte
Anpassung der Glockendrehzahl geeignet ist, die Probleme des Trichterspinnens zu
beseitigen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Schriften, die nach DE-A-3741430
veröffentlicht wurden, keine wesentlichen Kenntnisse bezüglich der Antriebssteuerung
bzw. des Antriebssystems beigetragen haben. Sie gehen davon aus, dass die Möglichkeit,
das Antriebssystem „beliebig" einstellen zu können, zum Erfolg führen
muss. Die „Praxis", in der das Trichterspinnen immer noch nicht wettbewerbsfähig
ist, zeigt aber, dass diese Annahme nicht stimmt. Wie schon angedeutet, geht die
vorliegende Erfindung daher von DE-A-3741430 aus.
Allgemeine Erfindungsgedanken
Die Erfindung befasst sich also mit einem Spinnverfahren, bei welchem
eine Garnspule auf einem rotierbaren Spulenträger (z. B. einer Spindel) gebildet
wird, wobei das Garn mittels eines rotierbaren Führungselements an die Spule
abgegeben wird. Das Trichterspinnverfahren gehört zu dieser Kategorie. Vorzugsweise
sind beide Elemente, Spulenträger und Führungselement, steuerbar angetrieben.
Der Spulenträger und das Führungselement führen eine gesteuerte Relativbewegung
(Changierbewegung) aus, um einen vorgegebenen Spulenaufbau zu erzeugen. Die fertig
ausgebildete Garnspule weist keine vollständig zylindrische Mantelfläche
auf – ein fertig ausgebildeter Kops weist z. B. im obersten Abschnitt eine
kegelförmige Mantelfläche auf (siehe Klein, op. cit.). Ein Verfahren gemäss
der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass während eines vorbestimmten
Abschnitts des Spulenaufbaus die Drehzahl des Spulenträgers in Abhängigkeit
von der genannten Relativbewegung verändert wird.
Die Erfindung ist speziell vorteilhaft, wenn mit hohen Spindeldrehzahlen
gearbeitet werden soll, insbesondere mit Spindeldrehzahlen, die um einen Faktor
1,5 bis 5 grösser sind, als das heute beim Ringspinnen und bei vergleichbarem
Garn der Fall ist.
Die Möglichkeit mit derart hohen Spindeldrehzahlen zu spinnen,
ist prinzipiell ein Vorteil des Trichterspinnens gegenüber dem Ringspinnverfahren.
Die Veränderung der Spulenträgerdrehzahl gemäss der
Erfindung kann mittels einer geeigneten Steuerung als eine Funktion der Relativbewegung
herbeigeführt werden. Eine geeignete Steuerung kann mittels geeigneter Modifikationen
aus der vorerwähnten JP-A-2002-105777 abgeleitet werden. In diesem Fall muss
die Steuerung aber ebenfalls in Abhängigkeit vom Spulenaufbau arbeiten können,
was möglich ist, aber ein relativ komplexes Steuerungsprogramm erfordert. In
der bevorzugten Ausführung erfolgt die Drehzahländerung selbsttätig
in Abhängigkeit von einer variablen Lastcharakteristik, welche, wie schon prinzipiell
im Stand der Technik erläutert worden ist, aus dem variablen Durchmesser der
Spule entsteht. Der Antrieb bzw. die Steuerung für den Antrieb vom Spulenträger
kann derart gestaltet werden, dass die variable Lastcharakteristik zur erforderlichen
Drehzahlcharakteristik des Spindelantriebs führt.
Es wird vorgeschlagen, dass die Drehzahlveränderung des Spulenträgers
zu einer Abnahme bzw. einer Beruhigung der Fadenspannung im Fadenstück zwischen
dem Führungselement und dem Spulenträger führt. Die Erfindung soll
aber nicht vom Erzielen dieser Wirkung abhängig sein. Man kann sich auch folgendes
vorstellen:
- – in einem System gemäss DE-A-3741430 (siehe insbesondere
2), wo das Fadenführungselement (Glocke bzw. Trichter)
allein die erforderliche Anpassung an die sich stetig verändernden Aufwindeverhältnisse
leisten muss, hängt die Güte der Anpassung natürlich nur von diesem
Element (bzw. von seinem Aufbau, Antrieb und Lagerung) ab;
- – in einem System gemäss der vorliegenden Erfindung, wo auch der
Spulenträger Anpassungsarbeit leisten kann, besteht eher die Chance, die Störfaktoren
auszugleichen, um ein gleichmässiges Verfahren zu gewährleisten.
- – bei leichten Störungen des Systems durch Dick- bzw. Dünnstellen
reagiert das System gemäss der vorliegenden Erfindung toleranter. Störungen
führen somit seltener zu einem Fadenbruch.
- – die Auswirkung der Massenträgheit wird durch Verminderung von
Beschleunigung und Verzögerung des Trichters verringert. Dadurch wird das Geschwindigkeitspotential
erhöht, da die maximalen Beschleunigungen und Verzögerungen erst bei grösseren
Drehzahlen erreicht werden.
- – kleinere Hülsenaussendurchmesser werden ermöglicht. Damit
werden auch kleinere Kopsaussendurchmesser und Trichterdurchmesser ermöglicht.
Der Energiebedarf wird reduziert.
Auch wenn keine dieser Theorien stimmt, ist feststellbar, dass ein
Verfahren gemäss der Erfindung zu besseren Garnwerten führt als ein Verfahren
mit konstanter Spindeldrehzahl.
Die Vorstellung liegt aber nahe, dass das Beherrschen der Fadenspannung
insbesondere im freien Fadenstück zwischen dem Trichter und der Spule, das
Kernproblem der Realisierung des Trichterspinnens bildet. Aus Gründen, die
nachfolgend im Zusammenhang mit der 3 bis
5 erklärt werden, drängt sich diese Vorstellung
speziell dann auf, wenn mit einer relativ „schlanken" Hülse gesponnen
werden sollte. Insbesondere bei hohen Spindeldrehzahlen sollte der Durchmesser der
Spule begrenzt werden, um den Energieverbrauch zu begünstigen. Gleichzeitig
ist aber dann der Durchmesser der Hülse so klein wie möglich zu halten,
um bei gleichem Kopsgewicht einen möglichst schlanken Garnkörper zu erhalten.
Dementsprechend schlägt die Erfindung vor, eine Hülse mit einem Hülsendurchmesser
am oberen, äusseren Rand im Bereich 14 bis 17 mm zu verwenden. Der Durchmesser
am oberen Rand einer Hülse, die heute für das Ringspinnen verwendet wird,
beträgt ca. 20 mm.
Die Erfindung gemäss Anspruch 1
Insbesondere zur Lösung der Teilaufgabe der Wirtschaftlichkeit
des Verfahrens sieht die Erfindung eine Textilmaschine und ein Verfahren zum Betreiben
derselben gemäss den unabhängigen Ansprüchen 1 und 9 vor, wobei die
entsprechenden Unteransprüche vorteilhafte Ausbildungen bezeichnen.
Die Erfindung sieht in diesem Aspekt zum ersten vor, zur Umgehung
der Probleme, die während des Aufwindens besonders beim Gebrauch schmaler Spulen
und/oder beim Wechsel von kleineren auf grössere Spulenumfänge und/oder
infolge von Schwachstellen im Garn entstehen, nicht – wie nahe liegend –
die Motoren von Trichter und/oder Spindel den Spinnverhältnissen angepasst,
möglichst hart zu regeln oder zu steuern, sondern ihnen im Gegenteil einen
möglichst grossen Freiheitsgrad zu gewähren.
Der Grundgedanke der Erfindung gemäss dem Anspruch 1 liegt darin,
die zur Aufwindung nötige Drehzahlanpassung zwischen Spindel- und Trichterantrieb
zu verteilen. Vorteilhaft ist hierbei der Einsatz jeweils eines Motors, z. B. eines
Asynchronmotors, für Spindel- wie für Trichterantriebe, der lastabhängig
einstellbar ist, d. h. grundsätzlich stellt er seine Drehzahl in Abhängigkeit
vom effektiv wirkenden Lastmoment selbst ein. Es muss dafür keine dezidierte
Steuerung, keine Regelung, vorgesehen werden, welche die erforderliche Anpassung
bewirkt. Für diese Grundanpassung der Drehzahl muss daher keine diesbezügliche
Rückführung an einen Regelkreis vorgesehen werden. Vielmehr ist der Motor
durch die Kennlinieneinstellung in der Lage, Drehzahländerungen innerhalb vorgegebener
Toleranzgrenzen auszuführen.
Eine praktische Maschine wird aber wohl aus anderen Gründen mit
einer Drehzahlsteuerung versehen werden, womit sich die Drehzahlen der Arbeitselemente
in Betrieb einstellen und/oder gemäss einem vorgegebenen Programm bestimmen
lassen. Zur Verwendung in einer Maschine gemäss der bevorzugten Ausführung
der vorliegenden Erfindung ist diese Steuerung daher derart zu gestalten, dass sie
einerseits die vorgesehenen Steuerungsfunktionen gewährleistet, andererseits
die selbsttätige Grundanpassung nicht beeinträchtigt. Die Steuerung bzw.
Regelung der Spindeldrehzahl wird daher vorzugsweise „weich" gestaltet, so
dass vorgegebene Soll-Werte grundsätzlich eingehalten, Abweichungen davon innerhalb
vorbestimmter Toleranzgrenzen aber toleriert werden.
Die Maschinensteuerung ist heute normalerweise eine programmierbare
(Computer) Steuerung und sie kann programmiert sein, um ein Grundprogramm durchzuarbeiten,
wobei z. B. die Grunddrehzahlen der Arbeitselemente vorbestimmt werden. In Kombination
mit der vorliegenden Erfindung kann eine derartige Steuerung für die Optimierung
eingesetzt werden, beispielsweise um
- – vorhersehbare (berechenbare)
- – periodisch stattfindende und/oder
- – sensorisch feststellbare
Wirkungen auszugleichen.
Eine derartige Steuerung der Spindelmotoren und der Trichtermotoren
kann so ausgelegt werden, dass sie das von den Motoren ausgeübte Drehmoment
ein wenig phasenversetzt zu den Umkehrpunkten der Changierbewegung kurz verändert:
Auf diese Weise kann z. B vor der Kegelspitze die Speisefrequenz des Trichtermotors
kurz reduziert werden, um die Geschwindigkeit zu drosseln und das Drehmoment zu
erhöhen. Nach der Kegelspitze kann dieselbe Frequenz kurz erhöht werden,
um die Geschwindigkeit des Trichters zu erhöhen und das Drehmoment zu drosseln.
Gegenläufig dazu kann auch die Spindel vor der Kegelspitze beschleunigt werden,
bzw. nach Erreichen gebremst werden.
Weiter lassen sich vorhersehbare Spitzen und Einbrüche in der
Fadenspannung beinahe komplett eliminieren, indem die Steuerung dem Motor vorbeugend
Antriebsimpulse setzt, um einer drohenden Spannungsänderung vorzubeugen. Derartige
Impulse umfassen kurze, stark verzögernde, bzw. beschleunigende Momentimpulse,
z. B. mittels deutlich veränderten Speisefrequenzen für frequenzgesteuerte
Motoren.
Ausserdem kann mittels einer geeigneten Steuerung den Trichter- und
Spindelmotoren durch Veränderung von Speisefrequenz und -spannung jeweils eine
Motorkennlinie in Abhängigkeit von den Betriebsverhältnissen
vorgegeben werden. Dies kann in Abhängigkeit von der Relativposition von Trichter
und Spindel erfolgen z. B. in Abhängigkeit von der Position innerhalb des Spulenaufbaus
bzw. von der Phase des Programms für den Spulenaufbau und/oder in Abhängigkeit
vom Changierhub. Durch rechtzeitiges Ändern der Kennlinie können die eine
oder andere oder beide von zwei Wirkungen erzielt werden. Einerseits kann damit
das erforderliche Abbremsen bzw. Beschleunigen von Spindel und Trichter in der Art
antizipiert, dass die zu erwartenden Massenträgheitsmomente durch das gesteuert
variable Motormoment mindestens zum Teil kompensiert werden. Die vorerwähnte
Phasenverschiebung kann somit verringert werden. Andererseits sollen die bei unterschiedlichen
Aufwindedurchmessern unterschiedlichen Aufwindelängen je Umdrehung und Krafteinwirkungen
auf Faden, Spindel und Trichter durch eine je nach Bedarf flachere oder steilere
Motorkennlinie in der Weise kompensiert werden, dass bei einer Fadenspannungsänderung
eine Reaktion der Drehzahländerung von Spindel und/oder Trichter in angemessener
Grösse entsteht. Eine Unter- oder Überreaktion wird so vermieden. Die
Steilheit der Motorkennlinien übernimmt die Funktion der Regulierintensität
in dem selbstregulierenden System.
Erfindungswesentlich ist im ersten Aspekt der Erfindung (gemäss
dem Anspruch 1 bzw. 9), jeweils alle Trichter- sowie alle Spindelmotoren an einen
einzigen Frequenzumrichter anzuschliessen, d.h. für die gesamte Maschine sind
zwei statt mehreren hundert Frequenzumrichtern für die Spindel- und Trichterantriebe
vorgesehen. Den Frequenzumrichtern der Spindel- und Trichtermotoren ist unabhängig
von einander je eine vorgegebene (elektrische) Spannungsfrequenzkennlinie vorzugeben,
auf die sie sich selbst optimieren. Die Drehzahlregler in den Frequenzumrichtern
sollten Proportionalintegralregler (PI) sein, die grössere Abweichungen von
einem Sollwert zulassen.
Dieses selbst einstellende System hat grosse Vorteile gegenüber
dem Stand der Technik: Aus der Reduktion der Anzahl der Frequenzumrichter von mehreren
hundert auf zwei pro Maschine, folgt selbstredend eine enorme Kostenreduktion in
der Herstellung und auch im Unterhalt der Maschine. Trotz des Verzichts auf eine
harte Regelung oder dezidierte Steuerung für die Drehzahlanpassung der Motoren
ist es möglich, Garn von gleichmässiger Güte ohne Fadenbrüche
zu produzieren. Darüber hinaus ist eine erfindungsgemässe Maschine weitaus
benutzerfreundlicher, weil bedienungssicherer als eine herkömmliche Textilmaschine
mit Trichterspinn- oder -zwirnvorrichtungen.
Ausführungsbeispiele der Erfindung sollen im Folgenden durch
Figuren erläutert werden, die beispielhaft und keineswegs einschränkend
zu verstehen sind.
Es zeigen
1 eine Textilmaschine 1 der eingangs genannten
Art;
2 einen Ausschnitt aus einer Arbeitsstelle dieser Maschine;
3 ein Detail aus der Anordnung gemäss der
2;
4 eine Kopie der 2 aus
DE-A-3741430;
5 eine Modifikation der 4
durch das Einfügen einer Kurve, welche die Changierbewegung darstellt;
6 eine Modifikation der 5
durch das Einfügen einer Kurve, welche schematisch eine Spindeldrehzahländerung
gemäss der vorliegenden Erfindung darstellt;
7A, 7B Detaildiagramme
zur Erklärung der Wirkung der Modifikation gemäss der 6;
8 ein Diagramm zur Erläuterung der Lastverhältnisse
in einer Anordnung gemäss der 3;
9, 10 Diagramme aus Chemiefasern/Textilindustrie,
November 1979;
11 ein Diagramm zur Erklärung der bevorzugten
Ausführung der Erfindung;
12 schematisch eine Regelung zur Verwendung in einer
Maschine gemäss der bevorzugten Ausführung der Erfindung;
13 eine Zusammenstellung der Verläufe verschiedener
Betriebsparameter einer Trichterspinnmaschine gemäss Erfindung, und
14 eine Modifikation der 1.
1 zeigt schematisch einen Teil einer Textilmaschine
1 der eingangs genannten Art mit einzelnen Arbeitsstellen, die Spindeln
2 und die Spindeln übergreifende Balloneinengungshülsen (Trichter)
3 aufweisen, die jeweils einzeln durch einen Motor 6, resp.
7, angetrieben sind, wobei sowohl alle Spindelmotoren 6 wie alle
Trichtermotoren 7 jeweils an einen Frequenzumrichter 4, resp.
5, angeschlossen sind. Eine geeignete Ausführung einer Maschine für
das Trichterspinnen ist in CH Patentanmeldung Nr.1580/03 (angemeldet am 15.09.2003)
beschrieben. Der Inhalt der genannten CH Anmeldung ist als integrierender Bestandteil
der vorliegenden Anmeldung zu betrachten.
2 zeigt einen schematischen Ausschnitt einer Arbeitsstelle,
hier Spinnposition, der Maschine gemäss der 1
mit einem fertig gebildeten Kops 9 auf der Spindel 2, einem Streckwerk
10, und einem fadenabgebenden Element (eine „Schürze")
18 am unteren Ende der Balloneinengungshülse 3. Die Balloneinengungshülse
3 in der 2, insbesondere der Teil
8, übergreift den Kops 9, aufgewunden auf einer Hülse
8 (in 2 nicht erkennbar), die von der Spindel
2 getragen wird und mit der Spindel rotiert. Der Fadenlauf in der Balloneinengungshülse
(im Trichter) 3 ist gestrichelt angedeutet. Der Faden läuft am unteren
Rand der Schürze 18 durch ein Fadenführungselement (z. B. eine
Öse) 16, welches hier z.B. fest an der Schürze angebracht ist.
Andere Befestigungsformen sind denkbar, z. B. lastabhängig fest, lösbar,
beweglich, drehbar, in die Schürze integriert. Zwischen dem Element
16 und der aufnehmenden Fläche der Spule erstreckt sich eine freie
Fadenstrecke 14, die ebenfalls in der 2 gestrichelt
angedeutet ist. Die Form der aufnehmenden Fläche soll nachfolgend näher
erläutert werden.
3 zeigt nochmals Elemente aus der 2,
insbesondere den obersten Endteil der Hülse 8, welcher auch aus dem
fertig gebildeten Kops 9 hervorsteht, und die kegelförmig auslaufende
Spitze K vom Kops (vgl. Klein, op. cit., Seite 56). Die Spindelachse ist mit A angedeutet
und die Lagerung (nicht gezeigt) vom Trichter 3 ist derart angeordnet,
dass der Trichter 3 ebenfalls um die Achse A dreht. Die Mantelfläche
der Hülse 8 weist im obersten Endteil einen Radius r, die zylindrische
Mantelfläche des Kopses und die Basis der Spitze K einen erheblich grösseren
Radius R auf. Die 3 zeigt auch einen Ausschnitt aus
dem untersten Randteil des Elements 8 und zwar in zwei gedachten Stellungen
(„Höhen") gegenüber dem Kops 9. In einer Stellung liegt
der untere Rand des Teils 8 auf der Höhe der Basis der Spitze K und
in der zweiten Stellung auf der Höhe des Scheitels. Der Innendurchmesser des
unteren Randes vom Trichter 3 und/oder der Durchmesser der Mantelfläche
des Kopses sind derart gewählt, dass der Fadenführer auch in der zweiten
Stellung einen Abstand zu der Mantelfläche des Kopses aufweist. Wie im nächsten
Absatz erklärt wird, kommen diese beiden Stellungen vorzugsweise durch eine
Axialbewegung der Spindel 2 gegenüber einem axial feststehenden Trichter
3 zustande.
Die Höhendifferenz zwischen den vorgenannten Stellungen entspricht
dem Changierhub H. Der Hub H wird vom Aufwindemechanismus definiert, der hier nicht
beschrieben werden soll, dem Fachmann aber aus der Literatur bekannt ist. Dieser
Mechanismus sorgt dafür, dass der vom Teil 8 abgegebene Faden zu einer
Spule mit, in diesem Beispiel, einer Kops- oder Kötzerwicklung gebildet wird.
Die vom Aufwindemechanismus definierte Relativ- oder Changierbewegung kann anhand
eines axial feststehenden und eines axial bewegbaren Elements, oder anhand zweier
axial bewegbaren Elemente erzielt werden. Die bevorzugte Variante umfasst eine axial
bewegbare Spindel und einen axial feststehenden Trichter.
Es ist also ein charakteristisches Merkmal vom Kopsaufbau, dass die
Mantelfläche des Kopses (der Fadenspule) nicht vollständig zylindrisch
ist und dass daher der Faden sowohl auf der leeren Hülse 8 mit Radius
r als auch auf schon gebildeten Fadenlagen mit einem grösseren Radius bis zum
Radius R der zylindrischen Mantelfläche abgelegt werden muss. Die Wirkungen
dieser Anordnung bei konstanter Spindeldrehzahl ns sind schon in DE-A-3741430 (wie
auch in JP-A-2002-105777) erklärt worden und sie sind hier in 4
gezeigt, die direkt aus der DE Schrift entnommen worden ist. Wie in der
4 gezeigt, und in der DE-Schrift erläutert, muss
sich die Trichter drehzahl nG bei der Bildung des kegelförmigen Kopsteils in
Abhängigkeit von der Changierbewegung anpassen.
Die 5 deutet den Changierhub H ebenfalls,
stellt die Changierbewegung aber nicht um als Drehzahl/Zeit-, sondern als einen
Weg/Zeit-Diagramm dar. Aus der 5 ist daher zu entnehmen,
dass die Trichterdrehzahl nG ein Minimum an jedem obersten Umkehrpunkt und ein Maximum
an jedem untersten Umkehrpunkt der Changierbewegung aufweist. Die 5
entspricht auch dem Stand der Technik.
Die Drehmomente, welche das Verhalten des Systems bestimmen, können
folgenderweise miteinander in Beziehung gebracht werden:
Für den Trichter gilt:
MMotor + MFadenspannung = MLager + MLuftwiderstand
+ MMassenträgheit
Für die Spindel gilt:
MMotor = MLager + MLuftwiderstand + MMassenträgheit
+ MFadenspannung
Bei der Beschleunigung gilt: MMassenträgheit > 0
Bei der Verzögerung gilt: MMassenträgheit < 0.
Die Fadenspannung, die hier angesprochen wird, ist die Spannung im
freien Fadenstück zwischen dem Trichter und dem Kops. Bei kurzfristig fehlender
Abstimmung der Grössen untereinander, wirkt das aus der Fadenspannung entstehende
Drehmoment als Ausgleichsgrösse, d. h. die Fadenspannung im freien Fadenstück
steigt entsprechend an oder fällt entsprechend ab.
Die daraus entstehenden Probleme, die schon im Stand der Technik erkannt
wurden, vermehren sich bei der Benutzung schlanker Hülsen.
Je grösser das Verhältnis zwischen dem Durchmesser des Kreises, auf dem
das fadenführende Element des Trichters bewegt wird, welches die Höhe
bestimmt, in der das Garn auf die Spule gewunden wird und dem Durchmesser der Hülse
ist, umso grösser ist die Drehzahldifferenz von Spindel und Trichter beim Aufwinden
auf die leere Hülse. Wird das Garn auf den grossen Aussendurchmesser des Kopses
gewunden, so ist die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Trichter und Spindel klein.
Wie gezeigt, stellt die Oberseite des auf die Hülse gewundenen Garnkörpers,
auf welche das neu gesponnene Garn gewunden wird, meist einen sich nach oben hin
verjüngenden Konus dar, vorzugsweise einen geradflankigen Konus. Wird die Spindel
mit der Spule jetzt gegenüber dem Trichter in axialer Richtung herausgezogen,
so wird der Durchmesser, auf den gewunden wird, immer kleiner. Bei nacheilendem
Trichter muss dieser also immer langsamer werden, bis er sein Minimum beim Aufwinden
auf den Hülsendurchmesser erreicht.
Je kleiner der Hülsendurchmesser ist, desto schneller muss sich
der Trichter verzögern. Die dem Antriebsmoment entgegenwirkenden Lastmomente,
d.h. das Lagerwiderstandsmoment und das Luftwiderstandsmoment unterstützen
diese Verzögerung.
Sind die antreibenden Momente, d.h. das Motormoment und das Fadenspannungsmoment,
sowie das Massenträgheitsmoment zu gross, um die nötige Verzögerung
zu erzielen, so lässt die Fadenspannung nach. Dies kann im Extremfall für
die Fadenspannung zwischen Streckwerk und Trichter bis Null sein. Auf der Spule
entstehen weiche Windungen, die abrutschen können. Es kann sich eine Fadenreserve
bilden, die erst wieder verschwindet, wenn der Trichter langsam genug läuft.
Wird die Fadenspannung dann wieder aufgebaut, so ist der Trichter zwangsläufig
deutlich zu langsam, so dass er durch den sich spannenden Faden schlagartig beschleunigt
wird. Wiederum durch die Massenträgheit entsteht eine Fadenzugkraftspitze.
Sowohl diese Spitze, als auch das vorbeschriebene Gegenteil, die kaum oder sogar
nicht mehr stattfindende Drehungsübertragung mangels Fadenzugkraft und das
Lagenrutschen können zum Fadenbruch führen. Da dieser Vorgang regelmässig
und auf allen Spinnstellen gleichzeitig stattfindet, wäre eine solche Spinnmaschine
mit derartigen Spannungsschwankungen nicht mehr betreibbar.
Die 6 zeigt nun die Bewegungscharakteristiken
für eine Anordnung gemäss der vorliegenden Erfindung, wobei die Kurven
nG und H gegenüber der 5 gleich bleiben. Es wird
aber in diesem Fall angenommen, dass die Spindeldrehzahl nS nicht konstant bleibt,
sondern zahnförmigen Wellen bildet, die gegenläufig zu den Wellen der
Trichterdrehzahl nG verlaufen. Weiterhin wird in dieser Darstellung angenommen,
dass sich diese Wellen symmetrisch um einen durch eine gestrichelte Linie angedeuteten
Durchschnittswert verteilen, wobei dieser Durchschnittswert der konstanten Drehzahl
nS gemäss der 4 bzw. 5
entspricht. Diese Gestaltung der Variabilität der Spindeldrehzahl gilt aber
nur als Erklärungsbeispiel – sie ist nicht erfindungswesentlich.
Aus der 7A bzw. B ist ein Vergleich der
Anordnung gemäss der 4 bzw. 5
mit der Anordnung gemäss der 6 zu entnehmen. Die
7A entspricht den Verhältnissen gemäss der
4. Am obersten Umkehrpunkt der Changierbewegung bleibt
eine Drehzahldifferenz a zwischen der konstanten Spindeldrehzahl nS und der variablen
Trichterdrehzahl nG bestehen, wobei die Spindel voreilt. Durch diese Drehzahldifferenz
a wird gewährleistet, dass auch bei der maximalen Trichterdrehzahl immer noch
eine minimale Fadenlänge pro Zeiteinheit auf der Mantelfläche des Kops
9 aufgewunden wird. Am untersten Umkehrpunkt des Changierhubes besteht
eine erheblich grössere Drehzahldifferenz b zwischen der konstanten Spindeldrehzahl
nS und der Trichterdrehzahl nG.
Die 7B entspricht den Verhältnissen
gemäss der 6. Zwischen den variablen Drehzahlen
nS und nG besteht genauso am obersten Umkehrpunkt der Changierbewegung die Drehzahldifferenz
a und am untersten Umkehrpunkt die Drehzahldifferenz b – die über den
Changierhub stattfindende Drehzahlanpassung ist aber nun zwischen den beiden fadenverarbeitenden
Elementen, Trichter und Spindel, aufgeteilt. Es soll hier vollständigkeitshalber
erwähnt werden, dass die zahnförmigen Wellen gemäss den
4 bis 7 eigentlich stark vereinfacht
und nur zur Darstellung des Grundprinzips geeignet sind. Eine Annäherung an
die praktischen Betriebsbedingungen folgt nachfolgend in diesem Text nach weiteren
Erklärungen.
Eine Drehzahlcharakteristik gemäss der 6
könnte mittels einer Steuerung realisiert werden. Wie aber die vorerwähnte
Annäherung an praktische Betriebsbedingungen zeigen wird, müsste eine
derartige Steuerung eine relativ komplexe Programmierung und/oder eine harte Regulierung
der Drehzahl über die Fadenspannung, wie z.B. in EP-A-1072699 beschrieben,
aufweisen, und sie erforderte trotzdem erhebliche Einstellarbeiten, um das optimale
Betriebsverhalten zu erzielen. Bevorzugt wird daher eine selbsteinstellende Ausführung,
welche zunächst näher erklärt werden soll.
Es wird vorerst auf die schematische Darstellung in der
8 hingewiesen, die den Zustand gemäss der
3 anders darlegen soll (eine ähnliche Darstellung
befindet sich in der JP-A-2002-105777, 4). Die gleiche
Geometrie ist in der 3 in Vorderansicht
und in der 8 in Draufsicht gezeigt, wobei die freie
Fadenstrecke 14 zweimal angedeutet wird, einmal in der obersten Stellung
14A und einmal in der untersten Stellung 14B. In der
8 ist zusätzlich ein gedachter, radialer Vektor
V angedeutet, der mit der Spindeldrehzahl &ohgr; um die Achse A rotiert. Für
die nachfolgenden Erklärungen wird angenommen:
- – der Ablagepunkt, an dem der Faden auf die Mantelfläche vom Kops
9 bzw. Hülse 8 auftrifft, liegt sowohl am obersten Umkehrpunkt
(Radius r) wie auch am untersten Umkehrpunkt (Radius R) auf dem Vektor V;
- – die Spindeldrehzahl &ohgr; bleibt konstant (gemäss der
4);
- – die Fadenzugkraft F bleibt ebenfalls konstant (unwahrscheinlich in
der Praxis, vereinfacht aber die Erklärung, wobei die Vereinfachung für
die Relevanz der Prinziperklärung keine Rolle spielt);
- – die Linear-(Umfangs)-geschwindigkeit des Elements 16 (2)
besteht aus zwei Komponenten, wovon die eine Komponente (K1) eine Funktion des Aufwinderadius
ist. Die andere Komponente (K2) ist eine Funktion von der Aufwindedrehzahl (=Drehzahldifferenz
Spindel/Trichter) und kann für die folgende Erklärung vernachlässigt
werden.
Das Lastmoment, das auf die Spindel wirkt, ist somit am obersten Umkehrpunkt
durch Fr und am untersten Umkehrpunkt durch FR gegeben. Die Komponente K1 der Umfangsgeschwindigkeit
des Elements 16 wird am obersten Umkehrpunkt mit &ohgr;r und am untersten
Umkehrpunkt mit &ohgr;R gegeben. Die Drehzahl nG des Trichters muss sich entsprechend
über den Changierhub H anpassen, wie schon, auch im Stand der Technik, erläutert
wurde. Die Spindeldrehzahl muss trotz variabler Last konstant gehalten werden. Dies
kann ohne weiteres anhand eines geregelten Asynchronmotors als Trichterantriebsmotor
7 bewerkstelligt werden, wie dem Artikel „Mehrmotorenantriebe mit
geregelten Asynchronmotoren" (Autor: H. Lamparter) in Chemiefasern/Textilindustrie,
Nov. 1979, Seite 950 bis 954 zu entnehmen ist. Die 6
und 8 aus dem genannten Artikel sind hier als
9 und 10 aufgeführt
– sie werden hier nicht spezifisch beschrieben, zeigen aber zwei verschiedenen
Methoden, eine konstante Drehzahl trotz Lastabhängigkeit der Drehmoment-Charakteristik
des Asynchronmotors an und für sich zu erzielen. Dafür ist aber eine „harte
Regelung" erforderlich, welche die Drehzahl möglichst genau am Soll-Wert führt.
Eine derartige Regelung ist für die bevorzugte Ausführung der vorliegenden
Erfindung nicht geeignet – sie soll durch eine „weiche Regelung" ersetzt
werden, wie nachfolgend anhand der 11 und
12 beschrieben ist.
Die 11 zeigt als Beispiel zwei Dqrehmomentcharakteristiken
gemäss der 9. Es wird angenommen, das Antriebssystem
der Maschine gemäss der 1 arbeite vorerst nach
den Verhältnissen der 4 mit einer konstanten Spindeldrehzahl
n1, wobei (gemäss der 8) das vom Trichter
3 auf die Spindel 2 wirkende Lastmoment M1 = Fr am obersten Umkehrpunkt
und das entsprechende Lastmoment M2 = FR am untersten Umkehrpunkt beträgt.
Mittels der harten Regelung wird die Drehzahlcharakteristik angepasst, so dass jeder
Motor 6 das höhere Drehmoment bei konstanter Drehzahl aufbringen kann.
Wenn aber keine Regelung oder eine „weiche" Regelung vorgesehen ist, kann
der Motor trotzdem das erforderliche höhere Drehmoment M2 aufbringen, allerdings
bei einer Abnahme der Drehzahl auf n2 gemäss der unveränderten Drehmomentcharakteristik.
Dieses Verhalten ermöglicht aber gerade die selbsttätige (bzw. selbsteinstellende)
Anpassung der Spindeldrehzahl gemäss der 6, d.
h. es ergibt sich daraus eine relativ hohe Drehzahl bei einem relativ niedrigen
Drehmoment am obersten Umkehrpunkt und eine relativ niedrige Drehzahl bei einem
relativ hohen Drehmoment am untersten Umkehrpunkt.
Die Selbsttätigkeit folgt aus der Lastabhängigkeit der Drehzahlcharakteristik
des Asynchronmotors bei variabler Lastcharakteristik, die direkt aus der Geometrie
des Systems entsteht. Diese Geometrie hängt zwar nicht direkt mit der Changierbewegung
zusammen, sondern mit der Funktion des Aufwindemechanismus, welcher die Changierbewegung
auf eine vorgegebenen Art und Weise steuert, um eine Spule (einen Kops) zu bilden,
welche eine nicht vollständig zylindrische Mantelfläche aufweist. Beim
Bilden der Spule durch Winden auf den nicht zylindrischen Teil der Mantelfläche
besteht also doch eine Beziehung zwischen der Changierbewegung und der vorerwähnten
variablen Lastcharakteristik.
Die Selbsttätigkeit der Drehzahlanpassung stellt einen erheblichen
Vorteil dar, weil die Notwendigkeit der Anpassung, wie gerade erklärt, nicht
direkt aus der Changierbewegung an und für sich entsteht, sondern aus dieser
Bewegung in Kombination mit dem sich verändernden Spulenaufbau. Obwohl sich
die Changierbewegung vom Anfang bis Ende der Kopsbildung kaum verändert, ergibt
sich in einem ersten Abschnitt der Kopsbildung, (wie von Klein, op. cit. beschrieben
– siehe Seite 57, „Die Ansatzbildung") keine oder eine nur geringe
Durchmesseränderung in der axialen Richtung des Kopsabschnitts. In dieser Phase
gibt es deshalb keine oder nur sehr kleine Anpassungen in der Drehzahl des Spindelmotors.
Die unveränderte Changierbewegung wird aber doch selbsttätig und selbsteinstellend
in jedem Abschnitt des Kopsaufbaus, in dem Durchmesserveränderungen in der
axialen Richtung (wegen der Wirkungsregeln vom Aufwindemechanismus) zustande kommen,
von Drehzahlanpassungen begleitet.
Um eine entsprechende Wirkung mittels einer Steuerung zu erzielen,
müsste die Steuerung mit einem Sensor bzw. mit einer Rechenfunktion
(z. B. einer Zeitrechenfunktion) versehen werden, welche die verschiedenen Abschnitte
der Kopsbildung unterscheiden könnte. Die Optimierung dieser Steuerung würde
erhebliches Geschick seitens der Bedienung erfordern. Die Erfindung ist nicht grundsätzlich
auf Asynchronmotoren eingeschränkt, insbesondere nicht, wenn mit einer Steuerung
statt selbsttätig gearbeitet wird. Auch wenn selbsttätig gearbeitet wird,
kann jeder lastabhängige Motorentyp eingesetzt werden, wobei der Motor vorzugsweise
frequenzgesteuert ist.
Anhand der 12 soll nun eine für
die Erfindung geeignete „weiche Regelung" für den Spindelmotor
6 beschrieben werden. Die Regeleinrichtung arbeitet gemäss dem bekannten
Rückführungsprinzip, d. h. mittels eines Sensors 20 wird ein
drehzahlabhängiges Ist-Signal gewonnen, das an eine Vergleichsstufe
22 zurückgeführt wird. In der Stufe 22 wird das Ist-Signal
mit einem vorgegebenen Sollwert verglichen, um aus dem Vergleich ein Differenzsignal
zu ermitteln. Die Motorregelung reagiert auf die ermittelte Differenz, um die Drehzahl
vom Spindelmotor 6 derart anzupassen, dass die Differenz auf Null reduziert
wird.
Es bestehen grundsätzlich drei „Reaktionen" auf die Differenz
- – proportional zur Differenz (p);
- – integral (i), d.h. proportional zur kumulierten, noch nicht ausregulierten
Differenz;
- – differentiell (d), d.h. proportional zur Veränderungsgeschwindigkeit
der Differenz, wobei normalerweise nur die p- und i-Anteile in einer praktischen
Regelung ausgenutzt werden.
Die effektive Wirkung jedes „Reaktionstyps" ist mittels der
Auswahl von Verstärkungsfaktoren in der Regelung steuerbar. Anhand höherer
Verstärkungsfaktoren kann die Regelung programmiert sein, „hart" zu
reagieren, womit die Ist-Drehzahl innerhalb enger Toleranzgrenzen gegenüber
der Soll-Drehzahl gehalten wird. Anhand niedrigerer Verstärkungsfaktoren kann
die Regelung aber programmiert sein „weich" zu reagieren, womit Abweichungen
von der Soll-Drehzahl innerhalb breiterer Toleranzgrenzen möglich (bzw. in
Kauf zu nehmen) sind. Normalerweise wird die Regelung programmiert, um möglichst
„hart" zu reagieren, ohne die Stabilität der Regelung zu gefährden.
Im vorliegenden Fall wird derart „weich geregelt", dass ein
variables Lastmoment eine spürbare Abweichung von der Solldrehzahl verursachen
kann, wobei der Motor stets zurück zur Solldrehzahl neigt, sobald das Lastmoment
nachlässt. Eine wellenförmige Lastcharakteristik verursacht daher die
schon beschriebene (gegenläufig) wellenförmige Drehzahlcharakteristik
des Motors. Die weiche Regulierung ermöglicht trotzdem die Steuerung der Maschine
nach einem Grundprogramm, welches das Hochlaufen, Normalbetrieb und Auslauf vorsehen
wird. In Gegensatz zu einer Ringspinnmaschine ist es nicht erforderlich, die Grunddrehzahl
über die Periode des Kopsaufbaus zu ändern, da kein Ballon zu berücksichtigen
ist. Die Maschine kann z. B. über eine Periode von wenigen Minuten hochlaufen
und dann die Betriebsdrehzahl bis zum Ende des Kopsaufbauzyklus grundsätzlich
einhalten.
Der Motor 6 in der 12 ist vorzugsweise
ein frequenzgesteuerter Motor und die Motorregelung 24 in dieser Figur
ist vorzugsweise eine steuerbare Frequenzquelle, insbesondere ein steuerbarer Frequenzumrichter.
In einer Ausführung gemäss der 1, d. h. mit
nur einem Frequenzumrichter 4 für alle Spindelmotoren, wird der Umrichter
4 als steuerbarer Umrichter mit einer weichen Regelfunktion ausgeführt
und programmiert. Das Rückführungssignal für einen derartigen Umrichter
kann z. B. von „Leitspindeln" gewonnen werden, wie grundsätzlich in
CH-B-686889 (für ein Ringspinnverfahren) beschrieben ist.
Es wird aber klar sein, dass eine Spinnmaschine mit mehreren Frequenzumrichtern
für die Spindelmotoren versehen werden kann. Eine Mehrzahl von Umrichtern könnte
vorgesehen werden, die z. B. je einer Spindelgruppe zugeordnet sind. Eine Ausführung
mit je einem Umrichter pro Spindelmotor ist natürlich prinzipiell möglich,
fällt aber bei den heutigen Herstellungskosten aus wirtschaftlichen Gründen
ausser Betracht.
Es soll nun kurz auf zusätzliche Faktoren eingegangen werden,
welche in der Praxis das einfache Bild verkomplizieren können und vorzugsweise
in einer praktischen Ausführung mitberücksichtigt werden sollten. Die
Lösung der zusätzlichen Aufgaben gehört aber nicht zur Erfindung
im breitesten Sinne.
Es ist schon erwähnt worden, dass die Darstellungen gemäss
den 4, 5 und
6 stark vereinfacht wurden, um Grundprinzipien erklären
zu können. Die Vereinfachung kann zum Teil aus dem Artikel Klein (op. cit.)
abgeleitet werden, in dem erklärt wird, dass ein Kopsaufbau eigentlich aus
Haupt- und Kreuzwindungen gebildet wird, wobei die Kreuzwindungen „weit auseinander
liegende, steil nach unten führende Windungen" sind. Sie ergeben sich durch
eine Phase der Changierbewegung, in der die Relativbewegung der fadenführenden
Elemente relativ rasch durchgeführt wird. Konkret im Fall des Trichterspinnens
gemäss der 3, wird die Spindel 2 vom
Aufwindemechanismus relativ langsam nach oben verschoben, um den Ablagepunkt des
Fadens von der Kegelbasis bis zum Kegelscheitel zu bewegen und dabei die Hauptlagen
zu bilden, um sich dann relativ schnell wieder nach unten zu bewegen, bis
sich der Ablagepunkt wieder an der Basis befindet, so dass der Aufwindezyklus wieder
neu beginnen kann.
Daraus folgt, dass die fadenführenden Elemente relativ viel Zeit
haben können, die erforderlichen Drehzahlanpassungen beim Bilden der Hauptlagen,
aber relativ wenig Zeit beim Bilden der Kreuzwindungen zur Verfügung haben.
Die zahnförmigen Wellen in den 4, 5
und 6 können symmetrisch sein, sind daher aber
in der Praxis meist nicht symmetrisch (wie schematisch abgebildet), sondern eher
stark asymmetrisch um die Maximal- bzw. Minimalpunkte verteilt. Daraus kann insbesondere
an der Kops- bzw. Kegelspitze durch die Dynamik bzw. die Geometrie ein zusätzliches
Problem entstehen.
Der Trichter 3 muss bei der Bildung der letzten Hauptlagen
eines kegelförmigen Spulenabschnitts immer stärker verzögern. Dabei
wirkt die Massenträgheit des Trichters dem entgegen. Unter Umständen fällt
die Fadenspannung so stark ab, dass sich eine Fadenreserve bilden kann. Währenddessen
erreicht der bewegte Rahmen bereits den Umkehrpunkt und beschleunigt in die andere
Richtung stark. Die Fadenreserve wird aufgebraucht, während der Trichter immer
noch langsamer wird, obwohl er bei gespanntem Faden bereits wieder stark beschleunigen
müsste. Ist die Fadenreserve aufgebraucht, wird der Trichter durch Schleppwirkung
des Fadens schlagartig beschleunigt – es entsteht eine Fadenspannungsspitze.
Diese Wirkung kann durch eine gegenseitige Anpassung der Spindel- und Trichterdrehzahl,
z. B. gemäss der 6, gelindert, aber nicht immer
völlig eliminiert werden.
13 zeigt eine Zusammenschau der für den Spinnprozess
relevanten Parameter über mehrere Doppelhübe der Changierung. Die oberste
Kurve nSp zeigt den Verlauf der Spindeldrehzahl. Die zweite Kurve NSpb
beschreibt die Abbildung des Spindelbankhubes. Vergleicht man die beiden Linien
nSp und HSpb wird der Zusammenhang zwischen der Drehzahl der
Spindel nSp und der Bewegung der Spindelbank HSpb klar. Ist
die Spindelbank oben, d.h. an der Spulenspitze, muss die Spindel 2 ihre
geringste Drehzahl nSp haben, da auf den kleinsten Durchmesser der Hülse
8 aufgewunden wird. Die dritte Kurve nT bildet den Verlauf der
Trichterdrehzahl ab, der der Spindeldrehzahlkurve entgegengesetzt ist. Die vierte
Zeile fF zeigt die einen möglichen Verlauf der Fadenspannung, wobei
angenommen wird, dass in diesem Prozess die vorher beschriebenen, starken Fadenspannungsspitzen
insbesondere bei der Bildung der Kegelspitze vorkommen können.
Die Klammern an der vierten Zeile teilen die Doppelhübe in zwei
Gruppen oder Phasen P1 bzw. P2 auf: P1 ist eine „gewöhnliche" Aufwindephase,
ohne einen Optimierungsimpuls auf einen Motor. Im Vergleich mit P1 zeigt P2 schematisch
die Wirkung eines derartigen Impulses: Die Drehzahlen werden vor Erreichen des Maximums
beeinflusst wie oben beschrieben. Die Verlaufslinie der Fadenspannung zeigt das
klare Ergebnis: die Spannungsspitzen sind praktisch vollkommen eliminiert.
Zeilen fünf und sechs zeigen schematisch verschiedene Beispiele
für Signale, die von der Steuerung einerseits gemäss eines Grundprogramms
und andererseits zwecks Optimierung ausgelöst werden können. Die linke
Hälfte jeder Zeile zeigt ein konstantes Signal, welches einer vorgegebenen
konstanten Drehzahl (beispielsweise der Spindel oder des Trichters) entspricht.
Wie schon erklärt wurde, verhindert dieses Signal nicht die Entstehung einer
variablen Spindeldrehzahl durch selbsttätige Anpassung des Spindelantriebes
an die variablen Aufwindeverhältnisse während der Changierbewegung. Die
vierte Zeile zeigt aber, dass diese selbsttätige Anpassung des Antriebssystems
nicht in der Lage ist, kontinuierlich die Antriebe der Spindel und des Trichters
aufeinander abzustimmen. Es treten deshalb periodisch, einmal pro Changierzyklus,
Fadenspannungsspitzen auf, z. B. wegen der Bildung einer Fadenreserve (schlaffe
Fadenstrecke) zwischen dem Trichter und der Spule, wie vorher erklärt.
Die rechte Hälfte jeder Zeile zeigt Beispiele verschiedener Optimierungssignale.
In der fünften Zeile besteht die Optimierung aus Impulsen, wie sie in der Einleitung
erklärt wurden. Diese Impulse sollen z. B. das Problem der Bildung einer „Fadenreserve"
beim periodischen Voreilen des Trichters lösen. Die Impulse erzeugen anhand
des Trichterantriebes eine starke, periodische Bremswirkung auf den Trichter. Prinzipiell
könnte die gleiche Wirkung durch das Beschleunigen der Spindel erzielt werden
– dies wird aber die Lösung zusätzlicher Probleme wegen der variablen
Massenträgheit der (Spindel + Spule) erfordern. Weil die gewünschte Wirkung
periodisch, zu einem feststellbaren Zeitpunkt im Changierzyklus, erzeugt werden
soll, können die Steuersignale die Antriebsimpulse „im voraus" auslösen,
d. h. bevor die Fadenreserve zustande gekommen ist. Dadurch kann das Entstehen des
eigentlichen Problems unterbunden werden.
In der sechsten Zeile besteht das Optimierungssignal aus einer kontinuierlichen
Pegeländerung („Wobbelung"), welche dem Grundpegel überlagert wird.
Aus Gründen der Einfachheit der Darstellung wird diese Änderung als eine
zahnförmige Welle gezeigt – es wird aber klar sein, dass die effektive
Wellenform der erforderlichen Optimierung angepasst werden muss. Wie schon für
die fünfte Zeile erklärt, kann die Optimierungswelle der sechsten Zeile
phasenverschoben im Vergleich zum Changierzyklus erzeugt werden, um das Entstehen
einer Problemsituation zu unterbinden, statt bloss darauf zu reagieren.
Selbstverständlich können Optimierungssignale gemäss der fünften
Zeile mit einer Optimierung gemäss der sechsten Zeile kombiniert werden.
Die 14 zeigt schematisch eine Ergänzung
der 1 mit einer Computersteuerung &mgr;C, die beiden
Frequenzumrichter 4 bzw. 5, die hier gemäss der
12 gebildet sind und ihre jeweiligen Sollwerte von
der Zentralsteuerung &mgr;C gemäss ihrer Programmierung erhalten. Ausserdem
zeigt die 14 schematisch ein Aufwindemechanismus
26, das auch von der Zentralsteuerung &mgr;C gesteuert wird, um die erforderliche
Changierbewegung zu erzeugen.
Die vorerwähnte Optimierung erfolgt vorzugsweise durch gesteuerte
Beschleunigung bzw. Verzögerung des Trichters, d.h. durch die Einwirkung der
Steuerung auf den Frequenzumrichter 5, 14,
wobei die Optimierung mittels gesteuerter Beeinflussung der Spindeln oder beider
Elemente nicht ausgeschlossen ist.
Die Erfindung ist nicht auf die schon erwähnten Optimierungsbeispiele
eingeschränkt – es sind andere Optimierungsmassnahmen möglich.
Es kann z. B. die Steilheit der Motorenkennlinien gesteuert verändert werden,
wie ebenfalls in der Einleitung allgemein erläutert ist. Die Veränderung
der Steilheit kann gemäss den Prinzipien erfolgen, die in der 10
allgemein gezeigt sind und entsprechend im Artikel Lamparter beschrieben wurden.
Die Steuerung kann auch Optimierungssignale erzeugen, um berechenbare Wirkungen
auszugleichen. Ist z. B. die Masse des Trichters bekannt und über die Garnnummer
auch das Soll der Fadenspannung, sowie Lagerwiderstand und Luftwiderstand (als nur
ein Wert aus Leerlaufdrehzahl und aufgenommener Leistung ermittelt), dann kann die
Steuerung über die Momentengleichung rechnen, wie viel vorher und wie stark
sie beschleunigen oder abbremsen muss, um zum richtigen Zeitpunkt die richtige Reaktion
zu erzielen.
Die Verteilung der wellenförmigen Charakteristik der Drehzahldifferenz
von Trichter und Spindel auf die Drehzahlen der beiden Elemente erfolgt vorzugsweise
so, dass diese Drehzahldifferenz auf beide Elemente etwa gleichmässig verteilt
wird. Abhängig von der tatsächlichen Ausführung der Elemente und
der Kopsfüllung kann der optimale Arbeitspunkt für ein Element eine gegenüber
dem anderen Element grössere oder kleinere wellenförmige Drehzahlvariation
erfordern. Die Anpassung kann dann über die Veränderung der Verstärkungsfaktoren
oder der Motorkennlinien, wie oben beschrieben, erfolgen.
|
| Anspruch[de] |
|
Textilmaschine (1), vorzugsweise Spinn- oder Zwirnmaschine,
mit einzelnen Positionen, die Spulen aufnehmende Spindeln (2) und die Spulen
übergreifende Balloneinengungshülsen (3) aufweisen, die jeweils
einzeln motorisch angetrieben sind, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebsmotoren
(6) aller Spindeln (2) und die Antriebsmotoren (7) aller
Balloneinengungshülsen (3) jeweils an einen gemeinsamen Frequenzumrichter
(4, 5) angeschlossen sind und die Antriebsmotoren (7)
der Balloneinengungshülsen (3) und die Antriebsmotoren (6)
der Spindeln (2) jeweils unabhängig voneinander ihre Drehzahl in Abhängigkeit
vom Drehmoment selbsttätig einstellen können.
Textilmaschine (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass es den Antriebsmotoren (6, 7) von Spindeln (2) und
Balloneinengungshülsen (3) überlassen ist, vorgegebene Sollwerte
selbst einzuhalten.
Textilmaschine (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass den Antriebsmotoren (6, 7) von Spindeln
(2) und Balloneinengungshülsen (3) unabhängig von einander
Speisespannungs/frequenzkennlinien vorgebbar sind.
Textilmaschine (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebsmotoren von Spindeln (2) und Balloneinengungshülsen
(3) Asynchronmotoren sind.
Verfahren zum Betreiben einer Textilmaschine (1) nach einem
der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass, die Antriebsmotoren
(7) der Balloneinengungshülsen (3) und die Antriebsmotoren
(6) der Spindeln (2) jeweils unabhängig voneinander ihre
Drehzahl in Abhängigkeit vom Drehmoment selbsttätig einstellen können.
Spinnverfahren bei welchem eine Garnspule auf einem, um eine vorgegebene
Achse rotierbaren Spulenträger (z. B. einer Spindel) gebildet wird, wobei das
Garn mittels eines, ebenfalls um diese Achse rotierbaren Führungselements an
die Spule abgegeben wird, beispielsweise eines Trichterspinnverfahrens, wobei mindestens
der Spulenträger oder vorzugsweise beide Elemente, Spulenträger und Führungselement,
steuerbar angetrieben sind und wobei der Spulenträger und das Führungselement
eine gesteuerte Relativbewegung (Changierbewegung) ausführen, um einen derart
vorgegebenen Spulenaufbau zu erzeugen, dass die fertig gebildete Garnspule eine
nicht-vollständig zylindrische Mantelfläche aufweist, dadurch gekennzeichnet,
dass während eines vorbestimmten Abschnitts des Spulenaufbaus die Drehzahl
des Spulenträgers in Abhängigkeit von der genannten Relativbewegung verändert
wird.
Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Drehzahländerung
selbsttätig in Abhängigkeit von einer variablen Lastcharakteristik
zustande kommt, welche aus dem variablen Durchmesser der Spule entsteht.
Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb
bzw. die Steuerung für den Antrieb vom Spulenträger derart gestaltet ist,
dass die variable Lastcharakteristik selbsttätig zur erforderlichen Drehzahlcharakteristik
führt.
Spinnmaschine mit einem um eine vorgegebene Achse rotierbaren Spulenträger
(z. B. einer Spindel) und einem, ebenfalls um diese Achse rotierbaren Führungselement
zur Abgabe des Garns an die Spule, beispielsweise eine Trichterspinnmaschine, und
mit mindestens einem steuerbaren Antrieb für den Spulenträger und vorzugsweise
je einem steuerbaren Antrieb für beide Elemente, Spulenträger und Führungselement,
und mit einem Mechanismus zur Erzeugung einer gesteuerten Relativbewegung (Changierbewegung)
des Spulenträgers und des Führungselements, um einen derart vorgegebenen
Spulenaufbau zu erzeugen, dass eine fertig gebildete Garnspule eine nicht vollständig
zylindrische Mantelfläche aufweisen wird, dadurch gekennzeichnet, dass die
Anordnung derart getroffen ist, dass während eines vorbestimmten Abschnitts
des Spulenaufbaus die Drehzahl des Spulenträgers in Abhängigkeit von der
genannten Relativbewegung verändert wird.
Maschine nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Anordnung
derart getroffen ist, dass im Betrieb die Drehzahländerung selbsttätig
in Abhängigkeit von einer variablen Lastcharakteristik zustande kommt, welche
aus dem variablen Durchmesser der Spule entsteht.
Maschine nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb
bzw. die Steuerung für den Antrieb vom Spulenträger derart gestaltet ist,
dass die variable Lastcharakteristik selbsttätig zur erforderlichen Drehzahlcharakteristik
führen kann.
Spinn- oder Zwirnmaschine, mit einzelnen Positionen, die Spulen aufnehmende
Spindeln (2) und die Spulen übergreifende Balloneinengungshülsen
(3) aufweisen, die jeweils einzeln motorisch angetrieben sind, und mit
einer programmierbaren Steuerung, welche imstande ist, Steuerungssignale für
die Antriebsmotoren zu erzeugen bzw. erzeugen zu lassen, dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuersignale lastabhängige Abweichungen der Spindeldrehzahl von einer
durch die Steuerung vorgegebenen Drehzahl zulassen und/oder vorgegebene Abweichungen
von einem Sollwert der Spindeldrehzahl auslösen können.
Maschine gemäss Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuersignale
lastabhängige Abweichungen der Spindeldrehzahl von einer durch die Steuerung
vorgegebenen Drehzahl zulassen und die Steuerung ausserdem programmiert ist, Optimierungssignale
zu erzeugen bzw. erzeugen zu lassen, welche der Drehzahl bzw. den Drehzahlen gemäss
einem Grundprogramm überlagert sind.
Maschine gemäss Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Grundprogramm
ein zyklisches Arbeitsprogramm vorsieht und die Steuerung Optimierungssignale zu
einer Phase im Zyklus erzeugt, in der die lastabhängigen An-passungen regelmässig
mit einer Verzögerung eintreten, z. B. weil die selbsttätige Anpassung
erst als Reaktion auf eine Störwirkung eintreten kann.
Maschine gemäss Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass
die Optimierungssignale auf den Antrieb für die Balloneinengungshülsen
und/oder auf den Antrieb für die Spindeln wirken.
Maschine gemäss Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Optimierungssignale
eine periodische Beschleunigung und/oder Verzögerung insbesondere der Antriebe
für die Balloneinengungshülsen verursachen können.
Maschine gemäss einem der Ansprüche 13 bis 16, dadurch gekennzeichnet,
dass die Optimierungssignale eine periodische Beschleunigung und/oder Verzögerung
mittels Antriebsimpulsen verursachen können.
Maschine gemäss einem der Ansprüche 13 bis 17, dadurch gekennzeichnet,
dass die Optimierungssignale auf den Antrieb für die Balloneinengungshülsen
und/oder auf den Antrieb für die Spindeln wirken.
Maschine gemäss Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, dass die Optimierungssignale
eine Veränderung der Steilheit der Drehmomentkennlinie gewisser Antriebsmotoren
bewirken können.
Maschine gemäss einem der Ansprüche 12 bis 19, dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebsmotoren lastabhängige Drehzahlcharakteristiken aufweisen.
Maschine gemäss einem der Ansprüche 12 bis 20, dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebsmotoren frequenzgesteuerte Motoren sind.
Maschine gemäss einem der Ansprüche 12 bis 21, dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuerung auch Steuerungssignale für einen Aufwindemechanismus erzeugen
bzw. erzeugen lassen kann.
|
|
Patent Zeichnungen (PDF)
|