| Dokumentenidentifikation |
DE102004027846B4 06.06.2007 |
| Titel |
Schleifvorrichtung mit integrierten mikromagnetischen Sensoren |
| Anmelder |
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V., 80686 München, DE |
| Erfinder |
Wolter, Bernd, Dr.-Ing., 66133 Saarbrücken, DE; Kern, Rolf, Dr. rer. nat., 66265 Heusweiler, DE; Kopp, Harald, 66646 Marpingen, DE |
| Vertreter |
Gagel, R., Dipl.-Phys.Univ. Dr.rer.nat., Pat.-Anw., 81241 München |
| DE-Anmeldedatum |
08.06.2004 |
| DE-Aktenzeichen |
102004027846 |
| Offenlegungstag |
05.01.2006 |
| Veröffentlichungstag der Patenterteilung |
06.06.2007 |
| Veröffentlichungstag im Patentblatt |
06.06.2007 |
| IPC-Hauptklasse |
B24D 17/00(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
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| IPC-Nebenklasse |
B24D 7/00(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE
B24D 5/00(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE
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| Beschreibung[de] |
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Technisches Anwendungsgebiet
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Schleifvorrichtung mit einer
Werkstückhalterung und einem Schleifwerkzeug, insbesondere einer Schleifscheibe,
mit einem Grundkörper und einem auf dem Grundkörper aufgebrachten Schleifbelag.
Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zur Überwachung eines Schleifvorganges
mit einem derartigen Schleifwerkzeug.
Schleifen ist einer der wichtigsten Fertigungsprozesse in der Industrie,
insbesondere bei der Herstellung hochpräziser und hochbeanspruchter Bauteile.
Charakteristisch für den Schleifprozess ist das Zerspanen mit einer Vielzahl
von undefinierten Schneiden, die simultan in Kontakt zum Werkstück sind, wodurch
eine große Menge an Reibwärme entsteht. Durch den Schleifprozess werden
plastische Verformungen und Wärme in das Werkstück eingebracht, durch
die Veränderungen des Gefüges und des Eigenspannungszustands im Werkstoff
hervorgerufen werden können. Der Abbau von günstigen Druckeigenspannungen
in der Randzone des Werkstücks, die Ausbildung von Anlasszonen und im Extremfall
von Neuhärtungszonen – bei kurzzeitigem Überschreiten der Austenitisierungstemperatur
und anschließendem Abschrecken durch die Kühlflüssigkeit –
sind unerwünschte Veränderungen, die beim fehlerhaften Schleifen von Werkstücken
aus Stahl auftreten. Dieser sog. Schleifbrand wirkt sich auf die Wirtschaftlichkeit
der Fertigungskette besonders negativ aus, da die Werkstücke durch die vorangegangenen
Prozesse einen wesentlichen Wertzuwachs erfahren haben.
Konventionell wird das Schleifergebnis erst nach Abschluss des Schleifprozesses
überprüft. Ein standardisiertes Verfahren zum Nachweis von Schleifbrand
ist das Nitalätz-Verfahren. Bei diesem Verfahren besteht allerdings die Gefahr
von Werkstoffschädigungen durch das eingesetzte Prüfmittel. Außerdem
können zwar Gefügeveränderungen nicht aber der Abbau von Druckeigenspannungen
nachgewiesen werden. Letzteres gelingt mit Hilfe aufwendiger Analyseverfahren, wie
bspw. der Röntgendiffraktometrie, und neuerdings auch mittels zerstörungsfreier
Prüfverfahren auf Basis mikromagnetischer Methoden.
Zur Vermeidung von Schädigungen des Werkstückes durch den
Schleifprozess wurden in der Vergangenheit auch verschiedene messtechnische Ansätze
untersucht, um Prozessgrößen für die Regelung des Schleifprozesses
zur Vermeidung von Werkstückschädigungen zu ermitteln. Durch die Messung
derartiger Größen während des Schleifprozesses kann einerseits die
Entstehung von Schleifbrand vermieden und können andererseits Ausgangsgrößen
bestimmt werden, anhand derer das Ergebnis des Schleifprozesses zu einem sehr frühen
Zeitpunkt bewertet werden kann. Einen Überblick über unterschiedliche
bekannte Verfahren zur Überwachung des Schleifprozesses gibt H. K. Tönshoff
et al., „Process Monitoring in Grinding", in: Annals of the CIRP, Vol. 51,
No. 2, 551–571.
Konventionelle Verfahren für die prozessintegrierte Prüfung
des Schleifprozesses beschränken sich auf die so genannte In-Process-Messung
von Schleifkräften und Spindelleistungen. Diese ermöglichen eine indirekte
Beurteilung der Schleifbrandgefahr. Das diesen Verfahren zugrunde liegende integrale
Messprinzip erlaubt allerdings keine sicheren Aussagen über evtl. lokal vorliegende
Randzonenschädigungen, die in Bezug auf die Werkstückfunktion als besonders
kritisch anzusehen sind.
Weiterhin sind Verfahren bekannt, bei denen Sensoren für die
Messung der akustischen Emission (AE) in die Schleifscheibe integriert werden. Anhand
der mit diesen Sensoren erfassten Signale können der Beginn des Schleifkontaktes
detektiert und die Oberflächenrauhigkeit des Werkstücks sowie die Schleifleistung
abgeschätzt werden. Durch anschließende Frequenzanalyse des AE-Signals
gelang es teilweise auch, entstandenen Schleifbrand nachzuweisen. Nachteilig an
dieser Technik ist jedoch, dass die detektierten Signale durch eine Reihe von Störquellen,
insbesondere Geräusche von Lagern, Kühlmittel und Umgebungsgeräusche,
beeinflusst werden, die eine Interpretation der Signale erschweren. Weiterhin konnte
die Frequenzanalyse von AE-Signalen zur Detektion von Schleifbrand bisher erst im
Anschluss an den Schleifprozess durchgeführt werden.
Als erfolgreich erwiesen sich auch Temperaturmessungen mit in die
Schleifscheibe integrierten Thermoelementen sowie der Einsatz miniaturisierter piezoelektrischer
Sensoren, mit denen die an der Kontaktstelle auftretenden Tangential- und Normalkräfte
sowie Vibrationen der Schleifscheibe gemessen werden. In Kombination mit Kühlflüssigkeiten
auf Ölbasis, die besonders häufig beim industriellen Schleifen zum Einsatz
kommen, liefern die integrierten Thermoelemente allerdings unzuverlässige Ergebnisse.
Zur Überprüfung von Werkstücken aus metallischen Werkstoffen
ist es auch bekannt, Schleifschädigungen nach dem Schleifprozess mit Hilfe
von mikromagnetischen zerstörungsfreien Prüfverfahren quantitativ zu erfassen.
Diese mikromagnetischen Verfahren werden erfolgreich zur so genannten Post-Process-Prüfung
der Randzone geschliffener Werkstücke eingesetzt. Sie dienen dem qualitativen
Nachweis von Schleifbrand aber auch der quantitativen Charakterisierung
von Randzoneneigenschaften nach dem Schleifen.
Aus W. A. Theiner et al., „Process Integrated Nondestructive
Testing (PINT) for Evaluation of Hardness, Case Depth and Grinding Defects", in:
Brusey, B. W., et al. (Ed.): Advanced Sensors for Metals Processing; Met. Soc.,
Quebec, 1999, 159–171 ist auch ein Verfahren zur prozessintegrierten Prüfung
des Werkstückes während des Schleifprozesses bekannt, bei dem ein mikromagnetischer
Sensor an der Schleifvorrichtung nahe der Oberfläche des Werkstücks angeordnet
wird. Eine ähnliche Anordnung mit einem externen mikromagnetischen Sensor zeigt
auch die Veröffentlichung von H. K. Tönshoff et al., „Process Monitoring
in Grinding Using Micromagnetic Techniques", International Journal of Advanced Manufacturing
Technology, Vol. 15 (1999) No. 10, 694–698. Mit diesen Techniken ist jedoch
eine Charakterisierung der Kontaktzone unmittelbar während der Bearbeitung
des Werkstücks mangels Zugänglichkeit nicht möglich. Auch hier können
daher lokal vorliegende Randzonenschädigungen aufgrund des integralen Messprinzips
nur schwer detektiert werden.
Die WO 03/066284 A1 beschreibt eine Vorrichtung sowie ein Verfahren
zum chemisch mechanischen Polieren (CMP), bei denen der Poliervorgang über
eine Wirbelstrommessung überwacht wird. Bei der Vorrichtung dieser Druckschrift
ist ein U-förmiger Magnetkern mit seinen beiden Enden in das Schleifpad integriert.
Beide Schenkel des Magnetkerns sind mit einer Spule umwickelt, von denen eine Spule
zur Erzeugung eines wechselnden Magnetfeldes eingesetzt wird, während die andere
Spule als Sensor für die Messung eines durch das Magnetfeld erzeugten Wirbelstroms
in der Metallschicht des zu polierenden Substrates dient. Mit dieser Überwachungseinrichtung
kann die Dicke der Metallschicht auf dem Substrat gemessen und somit der korrekte
Endpunkt des Polierens erfasst werden. Die Druckschrift offenbart auch eine Ausgestaltung,
bei der die elektrischen Spulen direkt in das Schleifpad integriert sind.
Ausgehend von diesem Stand der Technik besteht die Aufgabe der vorliegenden
Erfindung darin, eine Technik anzugeben, die eine zuverlässige prozessintegrierte
Prüfung des Werkstücks während des Schleifprozesses ermöglicht.
Darstellung der Erfindung
Die Aufgabe wird mit der Schleifvorrichtung sowie dem Verfahren gemäß
den Patentansprüchen 1 und 11 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der
Schleifvorrichtung sowie des Verfahrens sind Gegenstand der Unteransprüche
oder lassen sich der nachfolgenden Beschreibung sowie den Ausführungsbeispielen
entnehmen.
Ein erstes wesentliches Merkmal der vorgeschlagenen Lösung besteht
in der Integration von mikromagnetischen Sensoren in Form einer oder mehrerer elektrischer
Spulen in das Schleifwerkzeug selbst. Das Schleifwerkzeug, insbesondere eine Schleifscheibe,
weist hierbei einen Grundkörper und einen auf dem Grundkörper aufgebrachten
Schleifbelag auf. Die ein oder mehreren elektrischen Spulen sind im Grundkörper
und/oder Schleifbelag integriert und/oder an diesen angebracht. Vorzugsweise sind
diese ein oder mehreren elektrischen Spulen nahe der Grenzfläche zwischen dem
Schleifbelag und dem Grundkörper angeordnet. Die ein oder mehreren elektrischen
Spulen weisen hierbei entsprechende Anschlussleitungen auf, über die das von
ihnen empfangene Signal einer Signalverarbeitungselektronik zugeführt werden
kann.
Vorzugsweise ist zumindest ein Teil dieser Signalverarbeitungselektronik
am Grundkörper angebracht, beispielsweise in einem mit einer Schleifscheibe
als Grundkörper rotierenden Hilfsgehäuse, oder in diesen integriert. Die
Signalverarbeitungselektronik kann dabei bspw. das Vorverstärken, Filtern und
u. U. auch das Digitalisieren der detektieren Signale vornehmen. Die Übertragung
der durch die Signalverarbeitungselektronik verarbeiteten oder vorverarbeiteten
Signale erfolgt dann auf drahtlosem Wege an eine Empfangseinheit der Schleifvorrichtung,
von der die Daten zur Weiterverarbeitung bereitgestellt werden. Entsprechende drahtlose
Übertragungsverfahren zwischen zwei relativ zueinander bewegten Teilen, insbesondere
der rotierenden Schleifscheibe und dem stationären Teil der Schleifvorrichtung,
sind dem Fachmann bekannt. Hierfür eignen sich bspw. eine induktive Signalübertragung,
eine Übertragung mittels photoempfindlicher Sensoren oder eine Übertragung
mittels Schleifkontakt. Vergleichbare Techniken können auch zur drahtlosen
Spannungsversorgung der am Grundkörper vorhandenen Signalverarbeitungselektronik
eingesetzt werden.
Mit Hilfe der werkzeugintegrierten mikromagnetischen Sensoren können
sowohl Prozessgrößen des laufenden Schleifprozesses als auch Zustandsgrößen
des metallischen Werkstücks in der Kontaktzone während des Schleifens
bestimmt werden. Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten.
Die integrierten Sensoren können insbesondere bei CBN-Schleifwerkzeugen mit
keramischer Bindung eingesetzt werden, die aufgrund ihres breiten Applikationsspektrums
und der vergleichsweise einfachen Einsatzvorbereitung zunehmend Anwendung finden.
Der Einsatz mikromechanischer Sensoren direkt im Schleifwerkzeug ermöglicht
zum einen die Überwachung des Werkstücks während des Schleifprozesses
direkt in der Kontaktzone und hat zum anderen das Potential für die Erfassung
zahlreicher Prozess- und Zustandsgrößen, die für das Auftreten von
Schleifschäden relevant sein können.
So lassen sich mikromagnetische Sensoren für unterschiedliche
Verfahren zur Überprüfung des Werkstücks einsetzen, wie z. B. über
die Erfassung des Barkhausen-Rauschens, die Erfassung der Überlagerungspermeabilität,
die Oberwellenanalyse der Tangentialfeldstärke oder die Erfassung des Wirbelstroms.
Mit Ausnahme der Wirbelstromtechnik basieren all diese Verfahren auf der Erzeugung
und Analyse magnetischer Hysteresekurven im Werkstück. Dies erfordert eine
zyklische Magnetisierung mit hoher Amplitude, die üblicherweise mit Hilfe eines
elektromagnetischen Jochs erzeugt wird, das auf die Oberfläche des zu untersuchenden
Werkstücks aufgesetzt wird. Die begrenzte Magnetisierungsfrequenz beschränkt
jedoch die maximal mögliche Messgeschwindigkeit. Das Magnetisierungsjoch verhindert
auch die Konstruktion kleiner, einfach zu integrierender Sensoren.
Demgegenüber sind bei der Wirbelstromtechnik zyklische Magnetisierungen
nur geringer Amplitude erforderlich. Typische Sensoren hierfür sind kleine
Aufsatzspulen, die in unkomplizierter Weise auch unter schwierigen Einbaubedingungen
eingesetzt werden können. Beim vorliegenden Schleifwerkzeug werden daher bevorzugt
als Wirbelstromsensoren geeignete elektrische Spulen in das Schleifwerkzeug integriert.
Diese Spulen können in den Grundkörper des Schleifwerkzeugs, unterhalb
des Schleifbelags oder auch im Schleifbelag integriert eingebaut werden. Durch Einsatz
eines Wirbelstrom-Mehrfrequenzverfahrens ist es möglich, die Signaleinflüsse
unterschiedlicher Prozess-, Zustands- und Störgrößen bei der Auswertung
der Messdaten zu trennen.
Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, Sensorik und
Elektronik so anzupassen, dass mit den integrierten Sensoren neben den Wirbelstrom-Messgrößen
auch weitere mikromagnetische Messgrößen aufgenommen werden können.
Wie oben erläutert, ist hierfür eine zyklische Magnetisierung des Werkstücks
in der Kontaktzone erforderlich. Ein zweites wesentliches Merkmal der vorgeschlagenen
Lösung besteht daher darin, die zyklische Magnetisierung durch eine im Bereich
der Kontaktzone des Werkstücks mit dem Schleifwerkzeug in die Werkstückhalterung
integrierte oder an der Werkstückhalterung befestigte Einrichtung zur Erzeugung
eines Wechsel-Magnetfeldes und/oder durch ein oder mehrere in den relativ zum Werkstück
bewegten Grundkörper und/oder Schleifbelag, insbesondere einer rotierenden
Schleifscheibe, integrierte Permanentmagnete zu realisieren.
Die Auswertung der von den integrierten mikromagnetischen Sensoren
erfassten Messgrößen kann mit bekannten Verfahren durchgeführt werden,
wie sie aus der Post-Process-Prüfung von Werkstücken bekannt sind. So
sind mikromagnetische Messgrößen, wie etwa die Wirbelstromimpedanz, abhängig
von der elektrischen Leitfähigkeit und der magnetischen Permeabilität
im Werkstoff. Beide Werkstoffeigenschaften sind stark temperaturabhängig. Daher
können diese mikromagnetischen Messgrößen für die kontinuierliche
berührungslose Temperaturmessung in metallischen Werkstoffen genutzt werden.
Die Schleiftemperatur in der Kontaktzone ist somit eine erste Prozessgröße,
die mit Hilfe der in das Schleifwerkzeug integrierten mikromagnetischen Sensoren
während des Schleifprozesses bestimmt werden kann.
Der große Unterschied in den Werten der Leitfähigkeit und
der magnetischen Permeabilität zwischen dem nichtmetallischen Schleifbelag,
– bei BNC-Belägen: Bornitrit-Körner in Keramikmatrix – und
metallischem Schleifabtrag ermöglicht die Bestimmung einer weiteren Prozessgröße
für den Zustand des Schleifbelags. Hierbei wird ausgenutzt, dass die mikromagnetischen
Messgrößen durch die Verschmutzung bzw. das Zusetzen des Schleifbelags
mit Schleifabtrag beeinflusst werden, wenn die rotierende Schleifscheibe nicht im
Kontakt zum Werkstück ist. Aus den Messsignalen kann dann auch das Zusetzen
des Schleifbelags abgeleitet werden.
Ein weiterer Einflussfaktor auf die mikromagnetischen Messgrößen
ist der Abstand zwischen dem mikromagnetischen Sensor und der Oberfläche des
metallischen Werkstücks. Dieser Zusammenhang wurde in der Vergangenheit genutzt,
um mit externen mikromagnetischen Sensoren die Veränderung des Durchmessers
zylindrischer Werkstücke während des Schleifens hochpräzise zu messen.
Ist der Sensor in dem Schleifwerkzeug integriert, so kann der Verschleiß des
Schleifbelags und/oder der Schleifabtrag im Werkstück anhand der Bestimmung
des Abstandes zwischen Sensor und Werkstück kontinuierlich überwacht werden.
Mit Hilfe der in das Schleifwerkzeug integrierten mikromagnetischen
Sensoren können nicht nur die oben genannten Prozessgrößen bestimmt,
sondern auch die Randzoneneigenschaften des Werkstücks und deren Veränderungen
während des Schleifens detailliert analysiert werden. Anhand der mikromagnetischen
Messgrößen können, wie dies aus den Post-Process-Prüfungen bekannt
ist, Werkstückgrößen, wie die Oberflächenhärte, die Einhärtungstiefe,
der Eigenspannungszustand und der Restaustenitgehalt quantitativ erfasst sowie lokal
aufgetretene Schleiffehler wie Anlasszonen, Neuhärtungszonen und Schleifrisse
nachgewiesen werden. Die entsprechenden Messgrößen können hierbei
simultan erfasst und gleichzeitig der Einfluss von Störgrößen
unterdrückt werden, indem die Informationsinhalte unterschiedlicher mikromagnetischer
Messgrößen mittels Regressionsverfahren verknüpft werden (Multiparameter-Analyse).
Diese Verknüpfung von Messgrößen ist auch dann möglich, wenn
ausschließlich die Wirbelstrommethode als Mehrfrequenzverfahren zum Einsatz
kommt. Basierend auf der Multiparameter-Analyse können neben den Zustandsgrößen
auch verschiedene Prozessgrößen simultan ermittelt werden.
In das Schleifwerkzeug integrierte mikromagnetische Sensoren in Kombination
mit der oben beschriebenen Multiparameter-Analyse ermöglichen somit die simultane
Messung verschiedener Prozess- und Zustandsgrößen in der Kontaktzone.
Auf diese Weise wird es erstmals möglich, detaillierte Informationen über
den Schleifprozess und das Schleifergebnis unmittelbar während des Schleifvorgangs
zu erhalten und anhand dieser Informationen den Schleifvorgang qualitätsgesichert
zu überwachen und zu steuern oder zu regeln, d. h. eine automatische Justierung
bzw. Korrektur der Einstellparameter des Schleifwerkzeugs auf Basis von Messsignalen
der in das Schleifwerkzeug integrierten mikromagnetischen Sensoren durchzuführen.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen Das vorliegende Schleifwerkzeug
wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen in Verbindung mit den Zeichnungen
nochmals kurz erläutert. Hierbei zeigen:
1 den schematischen Aufbau einer Schleifscheibe mit
segmentiertem Schleifbelag und angeflanschtem Gehäuse für die Integration
einer Elektronikbaugruppe;
2 ein erstes Ausführungsbeispiel für die
Integration einer elektrischen Spule in das Schleifwerkzeug;
3 ein zweites Ausführungsbeispiel für die
Integration einer elektrischen Spule in das Schleifwerkzeug;
4 ein drittes Ausführungsbeispiel für die
Integration einer elektrischen Spule in das Schleifwerkzeug;
5 ein viertes Ausführungsbeispiel für die
Integration einer elektrischen Spule in das Schleifwerkzeug;
6 ein fünftes Ausführungsbeispiel für
die Integration von elektrischen Spulen in das Schleifwerkzeug; und
7 ein sechstes Ausführungsbeispiel für die
Integration einer elektrischen Spule in das Schleifwerkzeug.
Wege zur Ausführung der Erfindung
1 zeigt beispielhaft einen Aufbau eines Schleifwerkzeugs,
im vorliegenden Beispiel einer Schleifscheibe 1, die gemäß der
vorliegenden Erfindung ausgestaltet sein kann. Die dargestellte Schleifscheibe
1 setzt sich aus einem scheibenförmigen Grundkörper
2 mit einem darauf aufgebrachten umlaufenden Schleifbelag 3 zusammen.
Der Schleifbelag 3 ist segmentiert ausgeführt, d. h. aus einzelnen
Schleifbelagsegmenten 4 zusammengesetzt, wie dies aus der 1
ersichtlich ist. An einer Seite der Schleifscheibe 1 ist ein Gehäuse
8 angeflanscht, in das eine Elektronik-Baugruppe 7 zur Signalverarbeitung
der von den nicht dargestellten elektrischen Spulen übermittelten Signale integriert
ist.
Die ein oder mehreren elektrischen Spulen können in unterschiedlicher
Weise in die Schleifscheibe 1 integriert sein. 2
zeigt hierzu ein Beispiel, bei dem die elektrische Spule 5 als rechteckige
Zylinderspule ausgebildet ist, die um den unteren Bereich eines Schleifbelagsegmentes
4 gewickelt ist. Die Spule 5 ist über Anschlussleitungen
6, ebenso wie bei den nachfolgenden Ausführungsbeispielen, mit der
Elektronik-Baugruppe verbunden. Diese Elektronik-Baugruppe dient vor allem dem Vorverstärken,
Filtern und optional auch dem Digitalisieren der detektierten Signale. Die von der
Elektronik-Baugruppe erzeugten analogen bzw. digitalisierten Signale werden dann
mittels einer nicht dargestellten Telemetrieeinrichtung an eine externe Elektronikeinheit
weitergeleitet und dort weiterverarbeitet und ausgewertet. Zur drahtlosen Signalübertragung
kommen verschiedene Ansätze in Frage, bspw. eine Übertragung mittels Schleifkontakt,
eine induktive Signalübertragung oder eine Übertragung digitalisierter
Signale mittels photoempfindlicher Sensoren.
3 zeigt ein weiteres Beispiel für die Integration
einer elektrischen Spule 5 in die Schleifscheibe 1. Bei diesem
Beispiel ist die elektrische Spule 5 als rechteckige Flachspule an der
Unterseite eines Schleifbelagsegments 4 angebracht. In gleicher Weise besteht
selbstverständlich die Möglichkeit, auch andere Spulenformen, wie bspw.
die kreisrunde Flachspule der 4, an der Unterseite
eines Segments 4 anzubringen.
5 zeigt ein Beispiel für den Einsatz einer kreisrunden
Zylinderspule 5 mit einem Ferrit-Kern 9. Der Ferrit-Kern
9 durchstößt hierbei das Segment 4 des Schleifbelags
3. Die Zylinderspule 5 selbst ist an der Unterseite des Segments
4 ausgebildet.
Mit den beispielhaften Ausgestaltungen der vorangehenden Figuren lassen
sich selbstverständlich auch mehrere Spulen 5 in
die Schleifscheibe 1 integrieren, indem an mehreren Segmenten
4 des Schleifbelags 3 Spulen 5 angebracht werden. In
gleicher Weise ist es selbstverständlich möglich, die Spulen
5 als Flachspulen auf die Begrenzungsfläche des Trägerkörpers
2 unterhalb des Schleifbelags 3 aufzubringen. Weiterhin lassen
sich innerhalb der von einem Segment 4 des Schleifbelags 3 eingenommenen
Fläche auch mehrere elektrische Spulen 5 anbringen. 6
zeigt hierzu die Ausbildung eines Arrays aus kreisrunden Flachspulen 5
an der Unterseite eines Segments 4.
Eine weitere mögliche Ausbildung der elektrischen Spulen
5 ist in der 7 dargestellt. Bei dieser Ausgestaltung
ist eine elektrische Spule als mäanderförmige Flachspule 5 auf
der Begrenzungsfläche des Trägerkörpers 2 unterhalb des
Schleifbelags 3 aufgebracht. Die Spule 5 erstreckt sich hierbei
über mehrere Segmente 4.
- 1
- Schleifscheibe
- 2
- Grundkörper
- 3
- Schleifbelag
- 4
- Segmente des Schleifbelags
- 5
- elektrische Spule
- 6
- Anschlussleitungen
- 7
- Elektronik-Baugruppe
- 8
- Gehäuse für Elektronik-Baugruppe
- 9
- Ferrit-Kern
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| Anspruch[de] |
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Schleifvorrichtung mit einer Werkstückhalterung und einem Schleifwerkzeug
(1), insbesondere einer Schleifscheibe, das einen Grundkörper (2)
und einen auf dem Grundkörper (2) aufgebrachten Schleifbelag (3)
aufweist, wobei ein oder mehrere elektrische Spulen (5) als mikromagnetische
Sensoren im Grundkörper (2) und/oder Schleifbelag (3) integriert
und/oder an diesen angebracht sind, dadurch gekennzeichnet, dass eine Einrichtung
zur Erzeugung eines Wechsel-Magnetfeldes im Bereich einer Kontaktzone des Werkstücks
mit dem Schleifwerkzeug (1) in die Werkstückhalterung integriert oder
an der Werkstückhalterung befestigt ist und/oder ein oder mehrere Permanentmagnete
in den Grundkörper (2) und/oder Schleifbelag (3) integriert
sind.
Schleifvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die
ein oder mehreren elektrischen Spulen (5) über Anschlussleitungen
(6) mit einer am Grundkörper (2) angebrachten oder in den
Grundkörper (2) integrierten Signalverarbeitungselektronik (7)
verbunden sind.
Schleifvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
die ein oder mehreren elektrischen Spulen (5) an einer dem Schleifbelag
(3) zugewandten Begrenzungsfläche des Grundkörpers (2)
angebracht und/oder in diesen integriert sind.
Schleifvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
die ein oder mehreren elektrischen Spulen (5) an einer Unterseite des Schleifbelags
(3) angebracht und/oder in diesen integriert sind.
Schleifvorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der
Schleifbelag (3) aus mehreren Segmenten (4) zusammengesetzt ist.
Schleifvorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die
ein oder mehreren elektrischen Spulen (5) um die Segmente (4)
gewickelt sind.
Schleifvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass die ein oder mehreren elektrischen Spulen (5) als Flachspulen ausgebildet
sind.
Schleifvorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die
elektrischen Spulen (5) als Array von Flachspulen an der Unterseite zumindest
eines der Segmente (4) angebracht sind.
Schleifvorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der
Schleifbelag (3) aus mehreren Segmenten (4) zusammengesetzt ist,
wobei die ein oder mehreren elektrischen Spulen (5) als mäanderförmige
Flachspulen ausgebildet sind und sich über mehrere Segmente (4) erstrecken.
Schleifvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
die ein oder mehreren elektrischen Spulen (5) als Zylinderspulen mit einem
Ferrit-Kern ausgebildet sind, der vollständig in den Schleifbelag (3)
integriert ist.
Verfahren zur Überwachung eines Schleifprozesses, bei dem eine
Schleifvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 10 eingesetzt und von den
elektrischen Spulen (5) des Schleifwerkzeugs (1) erhaltene Signale
ausgewertet werden, wobei das Werkstück während des Schleifprozesses zyklisch
magnetisiert wird, um mit den mikromagnetischen Sensoren des Schleifwerkzeugs (1)
mehrere mikromagnetische Messgrößen zu erhalten.
Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die mikromagnetischen
Sensoren des Schleifwerkzeugs (1) zur berührungslosen Temperaturmessung
in metallischen Werkstoffen genutzt werden.
Verfahren nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet,
dass die mikromagnetischen Sensoren des Schleifwerkzeugs (1) zur Überwachung
des Zusetzens des Schleifbelags mit Schleifspänen genutzt werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet,
dass die mikromagnetischen Sensoren des Schleifwerkzeugs (1) zur Überwachung
des Schleifabtrags im Werkstück genutzt werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 14, dadurch gekennzeichnet,
dass die mikromagnetischen Sensoren des Schleifwerkzeugs (1) zur Überwachung
der Oberflächenhärte, der Einhärtungstiefe, des Eigenspannungszustands
und des Restaustenitgehalts im Werkstück sowie zum Nachweis und/oder zur quantitativen
Charakterisierung von Schleiffehlern genutzt werden.
Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 15, dadurch gekennzeichnet,
dass die zyklische Magnetisierung durch in das Schleifwerkzeug (1) integrierte
Sensoren mit Wechselfeldmagneten oder durch eine geeignete Anordnung von in das
Schleifwerkzeug (1) integrierten Permanentmagneten oder durch eine externe
in die Werkstückhalterung integrierte Magnetisierungsvorrichtung auf Basis
von Wechselfeldmagneten erfolgt.
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Patente PDF
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