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Dokumentenidentifikation DE10032641B4 19.07.2007
Titel Verfahren zur Herstellung von Zahnersatzteilen durch galvanische Abscheidung
Anmelder Wieland Dental + Technik GmbH & Co. KG, 75179 Pforzheim, DE
Erfinder Willershäuser, Frank, 35435 Wettenberg, DE
Vertreter Patentanwälte Ruff, Wilhelm, Beier, Dauster & Partner, 70174 Stuttgart
DE-Anmeldedatum 05.07.2000
DE-Aktenzeichen 10032641
Offenlegungstag 17.01.2002
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 19.07.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 19.07.2007
IPC-Hauptklasse A61C 13/02(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse A61C 5/10(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   A61C 8/00(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   C25D 1/00(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Zahnersatzteilen durch galvanische Abscheidung gemäß Anspruch 1 sowie ein Zahnersatzteil gemäß Anspruch 14.

Es ist bereits seit längerem bekannt, Zahnersatz durch galvanische Abscheidung, sogenanntes Galvanoforming herzustellen. Üblicherweise wird dabei reines Gold aus einem Galvanisierbad, das das Gold in Form eines ungiftigen Sulfit-Komplexes enthält, abgeschieden. Die Abscheidung erfolgt beispielsweise auf einem dentalen Formteil, das in seiner Form einem vom Zahnarzt präparierten Zahnstumpf entspricht. Das abgeschiedene Gold kann dann als kappenartiges Teil von dem Formteil entformt und weiterbearbeitet werden. Die Goldkappe bildet dann zusammen mit einer auf ihr aufgebrachten Keramik- oder Kunststoffverblendung eine Krone, die sogenannte Galvanokrone, die dann auf den im Mund des Patienten verbliebenen Zahnstumpf aufgesetzt wird.

Das Galvanoforming findet auch Verwendung bei der sogenannten Doppelkronen-Technik, die in Verbindung mit Teilprothesen im Dentalbereich eingesetzt wird. Bei dieser Technik wird zunächst eine Primärkrone oder Primärkappe (d. h. das Primärteil) mit einem im Mund des Patienten verbliebenen Zahnstumpf fest verbunden. Auf dieses Primärteil wird dann eine mit der Teilprothese verbundene Sekundärkrone oder Sekundärkappe (d. h. das Sekundärteil) aufgebracht, jedoch nicht fest verbunden. Auf diese Weise kann der Patient die Teilprothese, beispielsweise zum Reinigen abnehmen. Dabei ist es erforderlich, daß das Sekundärteil auf das Primärteil perfekt paßt, um einen guten Sitz der Teilprothetik und auch die gute Abnehmbarkeit der Teilprothetik zu gewährleisten. Bei anderen Ausführungen, bei denen kein Zahnstumpf des Patienten zur Befestigung der Prothese zur Verfügung steht, kann es sich bei dem Primärteil um ein Implantataufbauteil, z. B. um einen Implantatpfosten handeln.

Insbesondere bei der Herstellung der beschriebenen Doppelkronen, jedoch auch bei allen anderen Anwendungen des Galvanoforming im Dentalbereich ist die folgende Problematik zu berücksichtigen. So muß bei der Herstellung von Einzelkronen das abzuscheidende Metall, d h. vorzugsweise Gold auf ein elektrisch nichtleitendes Material abgeschieden werden. Hier kann es sich beispielsweise um das Gipsmodell des Zahnstumpfes handeln. Auch bei der Herstellung von Doppelkronen wird häufig so vorgegangen, daß das Gold für die Sekundärkrone auf ein (elektrisch nichtleitendes) Duplikatmodell des Primärteils aufgalvanisiert wird. In allen diesen Fällen ist es üblich, die elektrisch nichtleitende Unterlage durch Aufbringen eines Leitsilberlackes leitfähig zu machen.

Andererseits ist es möglich, bei der Herstellung von Doppelkronen das Gold direkt auf das (metallische) Primärteil oder auf das mit einer geeigneten Metallegierung gefertigte (ebenfalls elektrisch leitfähige) Duplikatmodell eines Primärteils abzuscheiden. Jedoch wird auch bei dieser Vorgehensweise Leitsilberlack auf den ohnehin schon leitfähigen Untergrund aufgebracht, wobei die Silberschicht in diesem Fall eine Abstandhalterfunktion und Trennschichtfunktion für die spätere Entformung der beiden Teile voneinander übernimmt.

Weitere Vorgehensweisen zum leitend machen eines Untergrunds sind beispielsweise in der DE 36 07 915 C2 beschrieben. Diese beschreibt ein Verfahren zum Herstellen von metallischen Zahnersatzteilen, bei dem von dem zu behandelnden Zahn ein Abdruck mittels eines elektrisch nicht leitenden Materials hergestellt wird, die Innenwand dieses Abdrucks mit einer elektrisch leitenden Schicht versehen wird und anschließend der Innenraum des Abdrucks mit einem Füllmaterial ausgegossen wird. Das Aufbringen der elektrisch leitenden Schicht auf die Innenwand des Abdrucks kann durch Aufsprühen einer erhitzten, niedrigschmelzenden Legierung, mittels eines stromlosen Reduktionsverfahrens, durch Aufdampfen einer Metallschicht im Vakuum oder durch Aufsprühen eines elektrisch leitenden Sprühlacks erfolgen. Allerdings erfordert das beschriebene Verfahren noch die Aufbringung einer weiteren Schicht aus einem unedlen Metall auf diese elektrisch leitende Schicht.

Das leitend machen durch Aufbringen eines Leitlacks ist auch in der DE 39 19 792 C2 erwähnt. Diese beschreibt ein Verfahren zum Herstellen metallischer Zahnersatzteile, bei dem von dem zu behandelnden Zahn oder Kiefer ein Abdruck mittels eines elektrisch nicht leitenden Materials hergestellt wird und anschließend auf die Innenwand des Abdrucks ein Leitlack aufgesprüht wird.

Die Verwendung von Leitsilberlack hat jedoch mehrere Nachteile. So ist die Konsistenz der aufgebrachten Schicht zunächst abhängig von der Konsistenz der Lacklösung selbst, die sich durch Lagerung stark verändern kann. Außerdem muß der Leitsilberlack vor seinem Aufbringen sorgfältig aufgeschüttelt werden. Weiter wird der Leitsilberlack üblicherweise mit Hilfe eines Pinsels aufgebracht, so daß sich zwangsläufig unterschiedliche Schichtdicken auf dem gleichen Teil, beispielsweise zwischen 5 und 8 &mgr;m ergeben. Die aufgebrachte Leitsilberlackschicht wirkt zwar makroskopisch glatt, ist jedoch mikroskopisch rauh, wobei teilweise die Pinselstriche sichtbar sind. Dies bedeutet jedoch, daß sich diese Oberflächenrauhigkeit der Leitsilberlackschicht auf der Innenseite des galvanisch abgeschiedenen Teils, insbesondere der Sekundärkrone widerspiegelt. Deshalb muß man eine höhere Oberflächenrauhigkeit auf der Innenseite des Sekundärteils akzeptieren. Dies bedeutet, daß im Vergleich zu einer noch glatteren Oberflächengüte die Haftkräfte (Adhäsions- und Kohäsionsphänomene aufgrund von Kapillarspaltwirkung) bei rauheren Oberflächen geringer ausfallen, als bei vergleichsweise glatteren Oberflächen.

Dementsprechend stellt sich die Erfindung die Aufgabe, die oben genannten und weitere Nachteile des Standes der Technik zu vermeiden. Insbesondere soll die Oberflächenqualität der Innenseite von galvanisch abgeschiedenen Dentalteilen verbessert und somit der Halt eines teleskopierenden Sekundärteils erhöht werden. Insbesondere soll die Passung zwischen dentalen Primärteilen und dentalen Sekundärteilen, beispielsweise beim Einsatz der Doppelkronen-Technik weiter optimiert werden.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß für das Verfahren durch die Merkmale des Anspruchs 1 und für das Zahnersatzteil durch die Merkmale des Anspruchs 14 gelöst.

Bei dem Verfahren wird in mindestens einem Verfahrensschritt ein elektrisch leitendes Material auf die Oberfläche eines elektrisch nichtleitenden Materials, insbesondere eines überwiegend elektrisch nichtleitenden Dubliermaterials, aufgebracht. Die Aufbringung des elektrisch leitenden Materials erfolgt dabei in Form eines Pulvers, vorzugsweise eines feinteiligen Pulvers. Das elektrisch nichtleitende Material ist derart ausgewählt, daß sich auf seiner Oberfläche eine Schicht aus dem elektrisch leitfähigen Material ausbilden kann, die mit der Oberfläche des elektrisch nichtleitenden Materials ausreichend fest verbunden ist und die eine im wesentlichen gleichmäßige Schichtdicke besitzt.

Dabei wird so vorgegangen, daß das Pulver des elektrisch leitenden Materials in das Negativmodell eines dentalen Formteils, insbesondere eines dentalen Primärteils eingebracht wird. Anschließend wird dann das elektrisch nichtleitende Material in das Negativmodell eingegossen und auf diese Weise ein Positivmodell mit der Pulverschicht auf dessen Oberfläche hergestellt.

Bei dem elektrisch leitenden Material kann es sich grundsätzlich um jedes Material handeln, das in ausreichend feiner pulveriger oder puderförmiger Form vorliegt. Sofern keine Verarbeitungsgründe oder vielleicht auch gesundheitliche Bedenken dagegensprechen, sollte die Teilchengröße so gering als möglich ausgewählt werden. Auf diese Weise läßt sich eine besonders gute vollständige Bedeckung der Oberfläche des elektrisch nichtleitenden Materials erreichen.

Insbesondere handelt es sich bei dem Pulver aus elektrisch leitendem Material um elektrisch leitende anorganische Stoffe, wobei grundsätzlich auch Salze verwendet werden können. Insbesondere sind gemäß der Erfindung Metallpulver einsetzbar, wobei die Verwendung von Silberpulver beziehungsweise Silberpuder besonders hervorzuheben ist.

Das Pulver aus elektrisch leitendem Material wird auf die Oberfläche des elektrisch nichtleitenden Materials aufgestäubt, beziehungsweise ein entsprechendes Negativmodell wird mit dem Pulver ausgestäubt. Dazu kann beispiels- und vorzugsweise ein Pinsel verwendet werden. Um eine ausreichend gleichmäßige Schicht auf der Oberfläche zu erhalten, wird ein Überschuß von auf die Oberfläche aufgebrachtem Pulver entfernt. Dies kann zweckmäßigerweise durch Abblasen beziehungsweise Ausblasen, beispielsweise mit Druckluft und/oder durch Abschütteln oder Abklopfen geschehen.

Zwischen der Oberfläche des elektrisch nichtleitenden Materials und dem Pulver aus elektrisch leitendem Material muß eine ausreichend große Wechselwirkung vorliegen, damit das Pulver an der Oberfläche haftet und dort die elektrisch leitende Schicht ausbildet. Insbesondere müssen diese Wechselwirkungskräfte bei den Ausführungsformen, bei denen das Pulver in ein Negativmodell eingebracht wird, größer sein als die Wechselwirkungskräfte des Pulvers mit der Oberfläche des Materials, das das Negativmodell bildet. Die Wechselwirkungskräfte zwischen Oberfläche und Pulver können grundsätzlich physikalischer und/oder chemischer Natur sein, wobei es sich vorzugsweise um Adhäsionskräfte handeln kann. Es ist jedoch auch denkbar, daß beispielsweise eine chemische Umsetzung zwischen dem Material, das die Oberfläche bildet, und dem elektrisch leitfähigen Pulver stattfindet. Üblicherweise wird die Haftung des Pulvers an der Oberfläche darauf beruhen, daß die Oberfläche eine ausreichende Klebrigkeit besitzt, um das Pulver an diese Oberfläche zu binden oder in diese Oberfläche einzubinden. Nach Trocknung oder Aushärtung der Oberfläche bleibt das Pulver dann in Form einer gleichmäßigen Schicht haften oder gebunden. Diese Haftung oder Bindung muß zumindest ausreichen, um eine gegebenenfalls vorgenommene Entformung und die sich daran anschließende galvanische Abscheidung durchzuführen.

Bei dem elektrisch nichtleitenden Material kann es sich ebenfalls grundsätzlich um jeden Stoff handeln, der die erforderlichen Eigenschaften aufweist. Vorzugsweise wird es sich um einen Kunststoff, insbesondere einen Thermoplasten handeln. Insbesondere ist die Verwendung eines Kunststoffs auf Polyurethan-Basis zu nennen. Sofern es sich um einen Zweikomponenten-Kunststoff handelt, so wird dieser im noch nicht ausgehärteten Zustand das Pulver aus elektrisch leitendem Material an seine Oberfläche binden und nach seiner Aushärtung an und in dieser Oberfläche halten.

Ein Verfahren gemäß der vorliegenden Erfindung umfaßt die folgenden Schritte. Zunächst wird ein geeignetes Primärteil ausgewählt und von diesem mit Hilfe einer Dubliermasse ein Negativmodell hergestellt. Als Dubliermassen sind grundsätzlich alle üblichen Massen verwendbar, wobei im vorliegenden Fall vorzugsweise eine Silikonmasse eingesetzt wird. In das Negativmodell wird das Pulver aus elektrisch leitendem Material, vorzugsweise Silberpulver eingebracht. Dies erfolgt durch Ausstäuben insbesondere mit Hilfe eines Pinsels. Anschließend wird gegebenenfalls überschüssig vorhandenes Pulver entfernt, vorzugsweise aus dem Negativmodell ausgeblasen. Dann wird das Negativmodell mit elektrisch nichtleitendem Material ausgegossen, vorzugsweise einem Zweikomponenten-Kunststoff auf Polyurethan-Basis. Diesen Kunststoff läßt man aushärten. Anschließend wird das auf diese Weise hergestellte Positivmodell entformt. Dieses Positivmodell besteht aus elektrisch nichtleitendem Material, das an und in seiner Oberfläche eine gleichmäßig dicke Schicht des elektrisch leitenden Materials trägt. Das Positivmodell wird in üblicher Weise unter Aufbringung einer galvanischen Schicht weiterverarbeitet. Das dann auf diese Weise hergestellte Galvanoformteil kann durch Entfernen des Kunststoffs entformt werden, und anschließend kann die sich auf der Innenseite des Galvanoformteils befindende Silberschicht herausgelöst werden, beispielsweise durch Anwendung von verdünnter Salpetersäure.

Bei den beschriebenen bevorzugten Ausführungsformen wird vorzugsweise ein Primärteil verwendet, das individuell gefertigt, d. h. dem verbliebenen Zahnstumpf eines Patienten angepaßt ist. Auf diese Weise können die Fälle bearbeitet werden, bei denen mit Hilfe der Doppelkronen-Technik eine Teilprothetik mit Hilfe einer Sekundärkrone auf ein Primärteil, das auf einem Zahnstumpf aufgesetzt ist, aufgebracht wird. Bei dem Primärteil handelt es sich also um die individuell gefertigte Primärkrone/Primärkappe.

Bei Fällen, bei denen die Teilprothetik auf ein Implantat aufgesetzt wird, handelt es sich bei dem Primärteil beispielsweise um einen Implantatpfosten, d. h. um ein vorzugsweise industriell vorgefertigtes und gegebenenfalls vorbearbeitetes Dentalteil. Auch bei diesen Dentalteilen wird dann in der oben geschriebenen bevorzugten Weise vorgegangen.

Weiter umfaßt die Erfindung ein Zahnersatzteil, das mit Hilfe des beschriebenen Verfahrens herstellbar ist. Dabei wird auf das mit der Schicht aus elektrisch leitendem Material versehene elektrisch nichtleitende Material durch galvanische Abscheidung, insbesondere von Gold, ein Galvanoformteil hergestellt.

Das erfindungsgemäße Zahnersatzteil ist zusätzlich und alternativ dadurch gekennzeichnet, daß es nach der galvanischen Abscheidung (und gegebenenfalls Entformung usw.) auf seiner Innenseite eine im Vergleich zum Stand der Technik wesentlich geringere Oberflächenrauhigkeit aufweist. Die gemessene maximale Rautiefe beträgt dabei vorzugsweise weniger als 5 &mgr;m, insbesondere weniger als 3 &mgr;m. Bei bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung sind ohne weiteres maximale Rautiefen von weniger als 1 &mgr;m zu erreichen.

Grundsätzlich kann es sich bei den erfindungsgemäßen Zahnersatzteilen um alle durch galvanische Abscheidung beziehungsweise Galvanoforming herstellbaren dentalen Ersatzteile handeln. Bevorzugt sind kappenartige Zahnersatzteile, wie sie insbesondere bei der Doppelkronen-Technik Anwendung finden.

Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend näher erläutert.

Zunächst wird in bekannter Weise ein Primärteil hergestellt. Dies bedeutet beispielsweise, daß eine Primärkrone zunächst in üblicher Weise in Wachs modelliert wird. Diese Wachsmodellation wird in eine Einbettmasse eingebettet, in einem Ofen auf entsprechende Temperatur gebracht und mit einer üblichen metallischen Legierung (freie Auswahl) ausgegossen. Das auf diese Weise hergestellte Primärteil wird ausgebettet, und anschließend werden die Reste der Einbettmasse vom Primärteil entfernt. Dann wird das Primärteil auf den Originalgipsstumpf aufgepaßt und fertigbearbeitet.

Zur Herstellung eines Galvanoformteils gemäß der Erfindung wird zunächst das Primärteil poliert und zur Entfernung sämtlicher Poliermittelreste mit Alkohol entfettet. Dann wird mit Hilfe einer üblichen Silikonmasse vom Primärteil ein Duplikat erstellt. Nach Aushärtung der Dubliermasse wird das Primärteil aus der Masse entfernt und das auf diese Weise erhaltene Duplikat (Negativmodell) mit Silberpuder mit Hilfe eines Haarpinsels ausgestäubt. Zweckmäßig liegt die Partikelgröße des Silberpuders zwischen ca. 2 und ca. 20 &mgr;m bei einem Mittelwert um ca. 7 &mgr;m. Der im Negativmodell vorhandene Überschuß an Silberpuder wird mit Druckluft ausgeblasen.

Anschließend wird das mit Silberpuder ausgestäubte Negativmodell mit einem Kunststoff auf Polyurethan-Basis ausgegossen. Dann wird das Kunststoffmaterial ausgehärtet und anschließend die Teile entformt. Es zeigt sich, daß das Silberpuder eine haftende Verbindung mit dem Kunststoffmaterial eingegangen ist, und dieses mit einer gleichmäßig dicken Schicht überzieht. Typische Schichtdicken dieser Silberschicht können im Bereich zwischen ca. 2 und ca. 20 &mgr;m liegen.

Anschließend wird in üblicher Weise vorgegangen, um auf dem erhaltenen Positivmodell Gold galvanisch abzuscheiden. In üblicher Weise wird zunächst in das Positivmodell am unteren Rand ein Loch zur Aufnahme der (Kupfer-)Elektrode gebohrt und diese Elektrode im Loch mit Sekundenkleber fixiert. Dann wird zwischen der Elektrode und der elektrisch leitenden Schicht auf dem Positivmodell eine leitende Verbindung mit Leitsilberlack hergestellt. Dieser Leitsilberlack ist selbstverständlich an Stellen, die später Teil der Innenfläche des erfindungsgemäßen Zahnersatzteils sind, nicht vorhanden.

Dann wird in üblicher Weise aus einem Goldsulfit-Bad der Anmelderin unter Verwendung eines Galvanisiergeräts der Anmelderin eine Goldschicht von ca. 100 bis ca. 300 &mgr;m Dicke, insbesondere von ca. 200 &mgr;m Dicke aufgebracht. Hierzu können unter der eingetragenen Marke AGC® bekannte Galvanogeräte der Anmelderin sowie jeweils dazugehörige Elektrolytlösungen bzw. Bäder eingesetzt werden. Dann wird in üblicher Weise die Elektrode abgetrennt und der Kunststoffstumpf durch Erwärmung entfernt. Das an der Innenseite des Zahnersatzteils vorhandene Silber wird mit Hilfe von verdünnter Salpetersäure (z. B. 25prozentig) herausgelöst.

Das erhaltene Sekundärteil weist eine sehr glatte Innenfläche auf, wobei an drei verschiedenen Stellen mit Hilfe eines Rauhigkeitsmeßgerätes, z. B. vom Typ „Hommeltester T 1000E", maximale Rautiefen von 0,89 &mgr;m, 0,96 &mgr;m und 1,09 &mgr;m gemessen wurden. Als maximale Rautiefe wird hier gemäß DIN EN ISO 4287 der senkrechte Abstand zwischen dem höchsten und tiefsten Punkt eines gefilterten Rauheitsprofils innerhalb einer Bezugsstrecke bezeichnet. Damit ist dieses Sekundärteil in ausgezeichneter Weise für die Doppelkronen-Technik geeignet. Weiter ist das verwendete Verfahren leicht reproduzierbar und auch für weniger erfahrene Personen durchführbar.

Vergleichsbeispiel 1

In diesem Beispiel wird zunächst ein Primärteil in der bei Beispiel 1 beschriebenen Weise hergestellt.

Danach wird das Innere des Primärteils mit einem Polymermaterial verfüllt, z. B. mit Produkt Pattern Resin der Firma GC. Dann wird unterhalb des eigentlichen Kronbereiches ein Loch gebohrt und eine (Kupfer-) Elektrode in üblicher Weise mit Sekundenkleber eingeklebt. Dann wird die Krone mit Alkohol entfettet.

Anschließend wird die gesamte Oberfläche der Krone mit einem Leitsilberlack unter Verwendung eines Haarpinsels eingestrichen. Nachdem der Lack atmosphärisch getrocknet ist, wird in genau der gleichen Weise wie in Beispiel 1 beschrieben, galvanisiert.

Dann wird auch hier die Elektrode und der Kunststoff aus dem Inneren des Primärteils entfernt. Dann werden Primärteil und Sekundärteil voneinander gelöst und das sich im Inneren des Sekundärteils befindende Silber mit Hilfe von verdünnter Salpetersäure herausgelöst.

Die Innenflächen des mit Hilfe dieses Vergleichsbeispiels erhaltenen Sekundärteils zeigt die Probleme bei der Verwendung von Leitsilberlack.

Eine Messung ebenfalls an drei Stellen zeigt maximale Rautiefen von 11,26 &mgr;m, 7,69 &mgr;m und 8,40 &mgr;m. Damit ist belegt, daß mit der Erfindung bereits bei der galvanischen Abscheidung wesentlich glattere Innenflächen der Galvanoformteile und damit bei der Doppelkronen-Technik wesentlich bessere Passungen erreicht werden können.

Vergleichsbeispiel 2

In diesem Beispiel wird in üblicher Weise durch Gußtechnik über die Wachsausschmelzmethode in gipsgebundener Einbettmasse ein Zahnersatzteil (Sekundärkrone) aus einer hochgoldhaltigen Legierung hergestellt. Auch hier wird an drei Stellen die maximale Rautiefe gemessen, wobei sich Werte von 27,86 &mgr;m, 22,83 &mgr;m und 26,26 &mgr;m ergaben. Hieran zeigt sich zum einen die Überlegenheit des Galvanoforming bei der Herstellung von glatten Oberflächen und insbesondere auch die Überlegenheit der erfindungsgemäßen Methode.


Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung von Zahnersatzteilen durch galvanische Abscheidung, bei dem in mindestens einem Verfahrensschritt ein elektrisch leitendes Material auf die Oberfläche eines im wesentlichen elektrisch nicht leitenden Dubliermaterials aufgebracht wird, wobei das elektrisch leitende Material in Form eines feinteiligen Pulvers aufgebracht wird und das elektrisch nicht leitende Material derart ausgebildet ist, daß sich auf seiner Oberfläche eine mit der Oberfläche ausreichend fest verbundene Schicht des elektrisch leitenden Materials mit im wesentlichen gleichmäßiger Schichtdicke ausbildet, wobei das Verfahren die folgenden Schritte umfaßt:

– Erstellen eines Negativmodells von einem dentalen Formteil mit Hilfe einer Dubliermasse,

– Ausstäuben des Negativmodells nach Aushärtung der Dubliermasse mit dem Pulver aus elektrisch leitendem Material,

– Entfernen von gegebenenfalls überschüssigem Pulver aus elektrisch leitendem Material,

– Ausgiessen des Negativmodells mit elektrisch nicht leitendem Material,

– Entformen des elektrisch nicht leitenden Materials nach seiner Aushärtung als Positivmodell mit dem elektrisch leitenden Material als Schicht auf seiner Oberfläche und

– Weiterverarbeitung des so erhaltenen Positivmodells in üblicher Weise unter Aufbringung einer galvanischen Schicht.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem dentalen Formteil um ein Primärteil handelt. Verfahren nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der galvanischen Schicht um eine Goldschicht handelt. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der Dubliermasse um eine Silikonmasse handelt. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem Pulver um ein Metallpulver handelt. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Pulver um Silberpulver handelt. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Pulver auf die Oberfläche des elektrisch nicht leitenden Materials mit Hilfe eines Pinsels aufgestäubt wird. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein gegebenenfalls nach dem Aufbringen des Pulvers vorhandener Überschuß an Pulver von der Oberfläche des elektrisch nichtleitenden Materials abgeblasen, abgeschüttelt und/oder abgeklopft wird. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem elektrisch nicht leitenden Material um einen Kunststoff handelt. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Kunststoff um einen thermoplastischen Kunststoff handelt. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem elektrisch nicht leitenden Material um einen Kunststoff auf Polyurethan-Basis handelt. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem Primärteil um ein individuell gefertigtes, einem Zahnstumpf angepaßtes dentales Formteil handelt. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem Primärteil um einen individuell hergestellten Implantatpfosten handelt. Zahnersatzteil, herstellbar nach einem Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche und anschließende galvanische Abscheidung einer Metallschicht. Zahnersatzteil nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei der Metallschicht um eine Goldschicht handelt. Zahnersatzteil nach Anspruch 14 oder Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß das Zahnersatzteil nach der galvanischen Abscheidung auf seiner Innenseite eine maximale Rauhtiefe von weniger als 5 &mgr;m besitzt. Zahnersatzteil nach einem der Ansprüche 14 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass es nach der galvanischen Abscheidung auf seiner Innenseite eine maximale Rauhtiefe von weniger als 3 &mgr;m besitzt. Zahnersatzteil nach einem der Ansprüche 14 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß es sich um ein kappenartiges Zahnersatzteil handelt. Zahnersatzteil nach einem der Ansprüche 14 bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß es sich um eine sogenannte Sekundärkrone handelt.






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