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Dokumentenidentifikation DE102007002952A1 02.08.2007
Titel Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche
Anmelder Heidelberger Druckmaschinen AG, 69115 Heidelberg, DE
Erfinder Schlörholz, Matthias, Dr., 69124 Heidelberg, DE
DE-Anmeldedatum 19.01.2007
DE-Aktenzeichen 102007002952
Offenlegungstag 02.08.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 02.08.2007
IPC-Hauptklasse B41N 3/06(2006.01)A, F, I, 20070119, B, H, DE
Zusammenfassung Ein erfindungsgemäßes Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche, beispielsweise einer Druckformoberfläche, welche zumindest teilweise mit amphiphilen Molekülen belegt ist, zeichnet sich dadurch aus, dass die Behandlung (200, 220) mit einem vorzugsweise wasserbasierten Behandlungsmittel umfassend eine Säure, vorzugsweise Zitronensäure, und eine komplexbildende Substanz, vorzugsweise Ammoniak, erfolgt. Das Behandeln führt zu einer Tiefenreinigung und Initialisierung (220) der Oberfläche und somit zu einer Vorbereitung der Oberfläche für eine Wiederbelegung (230), insbesondere eine Regenerierung, mit amphiphilen Molekülen. Das Behandeln mit dem Behandlungsmittel erlaubt, lediglich Defektstellen in der Belegung und durch eine Bebilderung von amphiphilen Molekülen befreiten Stellen in der Belegung aufzufüllen und eine vollflächige Entfernung der amphiphilen Moleküle zu vermeiden.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche mit den Merkmalen des Oberbegriffs von Anspruch 1. Weiterhin betrifft die vorliegende Erfindung ein wasserbasiertes Behandlungsmittel für drucktechnische Oberflächen mit den Merkmalen des Oberbegriffs von Anspruch 10.

Aus dem Stand der Technik ist es bereits bekannt, Druckformen, z. B. Druckplatten, derart auszubilden, dass diese nicht nur für einen Druckauftrag, sondern auch für mehrere, verschiedene Druckbilder erzeugende Druckaufträge, verwendet werden können. Derartige Druckformen werden insbesondere in Druckwerken einer Bedruckstoffbogen verarbeitenden Maschine, beispielsweise einer Papier- oder Kartonbogen verarbeitenden lithographischen Offsetdruckmaschine eingesetzt.

Die DE 102 27 054 A1 beschreibt eine wiederbebilderbare und somit wiederverwendbare Druckform, insbesondere für den Einsatz im lithografischen Offsetdruck. Die Druckform weist z. B. einen Träger aus Titan mit einer nativ oxidierten Titanoberfläche auf und wird mit amphiphilen Molekülen in wässriger oder alkoholischer Lösung, z. B. mit einer Hydroxamsäure oder einer Phosphonsäure derart belegt, dass die Druckform eine hydrophobe, farbannehmende Oberfläche aufweist. Die Druckform kann mittels Infrarot-Laserlicht bildpunktweise bebildert werden, wobei an den Stellen, welche mit Infrarotlicht beaufschlagt werden, die amphiphilen Moleküle entfernt und die hydrophile, feuchtmittelannehmende Oberfläche der Druckform freigelegt wird.

Nach einem Druckauftrag wird die Oberfläche der Druckform z. B. unter Zuhilfenahme eines handelsüblichen Reinigungsmittels von Druckfarbe und Druckhilfsstoffen gereinigt und anschließend mit UV-Strahlung großflächig gelöscht, d. h. von amphiphilen Molekülen befreit, und initialisiert, d. h. für eine Wiederbelegung mit amphiphilen Molekülen vorbereitet. Nach dem Reinigen, Löschen und Initialisieren wird die Oberfläche der Druckform mit amphiphilen Molekülen zur erneuten Bebilderung wiederbelegt.

In dem in der DE 102 27 054 A1 beschriebenen Verfahren kommt somit eine Lösch- und Initialisierungsvorrichtung zur Erzeugung von UV-Strahlung zum Einsatz. Solche Vorrichtungen sind jedoch technisch aufwändig und erfordern eine strahlungsdichte Kapselung.

Die DE 10 2005 020 558 A1 beschreibt ein Verfahren zur Regenerierung einer wiederbebilderbaren, mit amphiphilen Molekülen belegten Druckoberfläche, wobei die Druckoberfläche mit einem Atmosphärendruckplasma behandelt wird und wobei die Druckoberfläche vor der Behandlung mit dem Atmosphärendruckplasma derart behandelt wird, dass ein mechanisches Abtragen wenigstens einer äußeren Schicht der Druckoberfläche erfolgt. Dabei kann das mechanische Abtragen unter Einsatz eines abrasiv wirkenden Hilfsstoffs, insbesondere unter Einsatz von Schleifpartikeln, unter ergänzendem Einsatz eines chemisch wirkenden Hilfsstoffs, insbesondere unter Einsatz einer Säure und/oder unter ergänzendem Einsatz eines lösend wirkenden Hilfsstoffs, insbesondere unter Einsatz eines Lösemittels erfolgen.

In dem in der DE 10 2005 020 558 A1 beschriebenen Verfahren kommt somit eine Vorrichtung zum Aufbringen, Verreiben und Abnehmen von abrasiven Stoffen zum Einsatz. Solche Vorrichtungen sind jedoch technisch aufwändig und ihr Einsatz ist auf Grund der gewünschten Abrasionswirkung zeitaufwändig. Weiterhin kann es durch den abrasiv wirkenden Stoff zu Verschmutzungen und Beschädigungen von Maschinenbauteilen kommen. Weiterhin kommt in dem Verfahren eine Atmosphärendruckplasma erzeugende Vorrichtung zum Einsatz, welche ebenfalls technisch aufwändig ist und eine plasmastrahlungsdichte Kapselung erfordert.

Auf Grund der beschriebenen Probleme besteht ein besonderer Bedarf an weiteren, möglichst verbesserten und zugleich vereinfachten Verfahren zum Behandeln, insbesondere zum Reinigen und Initialisieren von mit amphiphilen Molekülen belegten Druckformen.

Aus dem Stand der Technik ist es ferner bereits bekannt, Ammoniak und Zitronensäure enthaltende Reinigungsmittel im Zusammenhang mit der Reinigung von Druckformen zu verwenden.

Aus der DE 199 63 124 A1 ist ein Reinigungsmedium zum Reinigen bzw. Löschen von wiederverwendbaren lithografischen Druckformen, vorzugsweise im Thermotransferverfahren bebilderten Druckformen sowie dessen Verwendung bekannt. Das auf dem Trägerstoff Wasser als Hauptbestandteil basierende Reinigungsmedium umfasst in einer von vielen möglichen Zusammensetzungen unter anderem Ammoniak zum Einstellen des pH-Wertes auf einen Wert von 10 bis 14 und Zitronensäure als Komplexbildner. Weiterhin enthält das Reinigungsmedium in jeder möglichen Zusammensetzung ein Schleifmittel, ein Tensid und ein von Wasser verschiedenes Lösungsmittel. Das Reinigungsmittel bewirkt eine vollständige Reinigung der Druckform von Thermotransfermaterial und damit eine vollständige Löschung des im Bebilderungsprozess erzeugten Druckbildes.

Der Einsatz von Schleifmittel kann wie oben bereits beschrieben zu Problemen hinsichtlich Verschmutzung und Beschädigung von Maschinenkomponenten führen. Außerdem führt der Einsatz von Schleifmitteln immer zu einer Abtragung an der gesamten Oberfläche. Ein Behandeln, insbesondere Abtragen nur ausgewählter lokaler Bereiche, z. B. defekter Bereiche, ist nicht beschrieben.

Die US 2002/0108518 A1 beschriebt ein Verfahren zum Entfernen von farbannehmenden Bereichen, z. B. gebildet von einer hydrophobierenden thermoplastischen Polymer-Beschichtung, von dem Substrat einer lithografischen Druckform, um das Substrat der Druckform, z. B. ein Aluminium-Blech, wiederverwenden zu können. Nach erfolgter Reinigung der Druckform von Farbe und der hydrophobierenden Beschichtung unter Einsatz einer Reinigungsflüssigkeit wird die Druckform unter Einsatz einer Auffrischungsflüssigkeit nachbehandelt. Die Auffrischungsflüssigkeit umfasst eine wässrige Lösung von Zitronensäure und weist einen pH-Wert kleiner als 7 auf.

Gemäß der US 2002/0108518 A1 wird auf der gesamten Oberfläche der farbannehmende Bereich entfernt. Ein Behandeln, insbesondere Entfernen nur ausgewählter lokaler Bereiche, z. B. defekter Bereiche, ist nicht beschrieben

Schließlich ist es aus dem Stand der Technik ferner bereits bekannt, Ammoniak und Zitronensäure enthaltende Reinigungsmittel im Zusammenhang mit der Reinigung von flachen Substraten zu verwenden.

Die US 2002/0077260 A1 beschreibt eine Reinigungsflüssigkeit, welche aus einer Mischung von Zitronensäure und Ammoniak in deionisiertem Wasser besteht und einen pH-Wert von etwa 4 aufweist. Die Reinigungsflüssigkeit wird bevorzugt zum Reinigen von Halbleitersubstraten oder ähnlich geformten, d. h. im Allgemeinen flachen Substraten eingesetzt. Eine Reinigung oder Initialisierung von Druckformen, insbesondere von mit amphiphilen Molekülen belegten Oberflächen von Druckformen ist jedoch nicht beschrieben.

Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche zu schaffen, welches zumindest einen der aufgezeigten Nachteile des Standes der Technik überwindet. Es ist ebenfalls eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein für dieses Verfahren geeignetes Behandlungsmittel zu schaffen.

Es ist eine weitere oder alternative Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche zu schaffen, welches die Behandlung mit technisch wenig aufwändigen Vorrichtungen ermöglicht und welches insbesondere den Einsatz von UV- oder Plasma-Strahlungsvorrichtungen vermeidet.

Es ist eine weitere oder alternative Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche zu schaffen, welches die Behandlung ohne organische Lösungsmittel ermöglicht.

Es ist eine weitere oder alternative Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche zu schaffen, welches die Behandlung ohne abrasiv wirkende Hilfsstoffe, insbesondere Schleifpartikel, ermöglicht.

Es ist eine weitere oder alternative Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche zu schaffen, welches es ermöglicht, eine bestehende Belegung mit amphiphilen Molekülen auf einfache Art und Weise und dadurch in kurzer Zeit und hinsichtlich der Wiederbelegung problemvermeidend zu erneuern bzw. zu regenerieren.

Diese Aufgaben werden erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen von Anspruch 1 sowie durch ein Behandlungsmittel mit den Merkmalen von Anspruch 10 gelöst.

Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen sowie aus der folgenden Beschreibung und der zugehörigen Zeichnung.

Unter dem Begriff „Belegung" wird in dieser Anmeldung eine molekulare Schicht (sowie deren Herstellung durch Aufbringen auf eine Oberfläche), insbesondere eine von nur einer Moleküllage gebildete Schicht, d. h. eine Molekülschicht oder Molekülbeschichtung mit einer Schichtdicke im Nanometerbereich, verstanden. Die Belegung kann daher auch als Nanoschicht bezeichnet werden.

Unter dem Begriff „Initialisierung" wird in dieser Anmeldung der Vorgang des Vorbereitens der drucktechnischen Oberfläche zur Belegung oder Wiederbelegung mit amphiphilen Molekülen verstanden, wobei ausreichend viele Stellen der drucktechnischen Oberfläche, z. B. nativ oxidiertes Titan, für ein Anlagern der amphiphilen Moleküle chemisch aktiviert werden.

Unter dem Begriff „Druckhilfsstoff/-e" wird in dieser Anmeldung z. B. Feuchtmittel oder Gummiermittel verstanden.

Unter dem Begriff „komplexbildende Substanz" wird in dieser Anmeldung eine Substanz verstanden, die die Löslichkeit von Ionen, insbesondere Metallionen, im Lösungsmittel eines Behandlungsmittels für drucktechnische Oberflächen, z. B. Druckformoberflächen, erhöht, z. B. Ammoniak (NH3) als neutraler Ligand.

Ein erfindungsgemäßes Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche, welche zumindest teilweise mit amphiphilen Molekülen belegt ist, zeichnet sich dadurch aus, dass die Behandlung mit einer Säure und einer komplexbildenden Substanz erfolgt.

Erfindungsgemäß wird die drucktechnische Oberfläche somit mit einer Säure und einer komplexbildenden Substanz – vorzugsweise zeitgleich durch Anwendung eines die beiden Substanzen enthaltenden Behandlungsmittels – behandelt. Die Säure führt zu einer Tiefenreinigung bzw. Feinreinigung der Oberfläche und die komplexbildende Substanz zu einer erleichterten Lösung der Reinigungsrückstände im Behandlungsmittel und damit zu einer erleichterten Abnahme der Reinigungsrückstände von der Oberfläche. Eine technisch aufwändige Strahlungsbehandlung und eine Behandlung mit problemschaffenden, abrasiv wirkenden Hilfsstoffen kann dadurch in vorteilhafter Weise vermieden werden. Stattdessen kann die Behandlung in vorteilhafter Weise schnell und einfach, z. B. durch Auftragen und kurzes Einwirkenlassen eines flüssigen Behandlungsmittels, erfolgen.

Die Behandlung mit der Säure und der komplexbildenden Substanz – unter Ausschluss der Anwendung abrasiv wirkender Hilfsstoffe – führt zu dem weiteren Vorteil, dass eine ordnungsgemäße Belegung mit amphiphilen Molekülen erhalten bleibt und nur Defektstellen in der Belegung entfernt werden. Lediglich die Defektstellen und von amphiphilen Molekülen bei einer vorherigen Bebilderung befreite Stellen werden tiefengereinigt und initialisiert. Auf diese Weise kann eine vollflächige Entfernung der Belegung vermieden werden, so dass die Behandlung in kurzer Zeit erfolgen kann.

Eine hinsichtlich der verwendeten Substanzen vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass die Behandlung mit Zitronensäure als Säure und Ammoniak als komplexbildende Substanz erfolgt.

Eine weitere hinsichtlich der leichten Handhabbarkeit der verwendeten Substanzen vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass die Behandlung mit einer wässrigen Lösung von Zitronensäure und Ammoniak erfolgt.

Eine weitere hinsichtlich der Tiefen-/Feinreinigungswirkung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass die wässrige Lösung von Zitronensäure und Ammoniak auf der drucktechnischen Oberfläche verrieben wird.

Eine weitere hinsichtlich der Reinigungswirkung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass die Behandlung in mehreren Verfahrenschritten erfolgt, wobei die drucktechnische Oberfläche in einem Verfahrensschritt von Druckfarbe und/oder von Druckhilfsstoffen gereinigt wird.

Eine weitere hinsichtlich der Abfolge der Verfahrensschritte zur Wiederbelegung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass die Behandlung in mehreren Verfahrenschritten erfolgt, wobei in einem Verfahrensschritt mit Zitronensäure und Ammoniak und in einem nachfolgenden Verfahrensschritt mit amphiphilen Molekülen behandelt wird.

Eine weitere hinsichtlich der Abfolge der Verfahrensschritte zur Wiederbelegung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass die Behandlung in mehreren Verfahrenschritten erfolgt, wobei in einem Verfahrensschritt mit Zitronensäure und Ammoniak, in einem nachfolgenden Verfahrensschritt mit Wasser und in einem wiederum nachfolgenden Verfahrensschritt mit amphiphilen Molekülen behandelt wird.

Eine weitere hinsichtlich des Zeitaufwandes und der Problemvermeidung bei der Wiederbelegung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass von amphiphilen Molekülen freie Stellen der drucktechnischen Oberfläche, insbesondere bebilderte Stellen oder Defektstellen, mit amphiphilen Molekülen wiederbelegt werden und die drucktechnische Oberfläche dadurch in ihrer Belegung mit amphiphilen Molekülen regeneriert wird.

Eine weitere hinsichtlich der Abfolge der Verfahrensschritte zur Wiederbelegung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass die drucktechnische Oberfläche eine wiederbebilderbare Druckformoberfläche ist und dass die Druckformoberfläche nach dem Drucken zunächst von Farbe gereinigt, dann mit einer wässrigen Lösung von Zitronensäure und Ammoniak behandelt, dann mit Wasser gespült und dann mit amphiphilen Molekülen wiederbelegt wird.

Im Rahmen der Erfindung ist auch ein wasserbasiertes Behandlungsmittel für mit amphiphilen Molekülen zumindest teilweise belegte drucktechnische Oberflächen zu sehen,

welches Zitronensäure und Ammoniak umfasst,

im Wesentlichen frei von Schleifmitteln, von Wasser verschiedenen Lösungsmitteln und Tensiden ist,

dessen pH-Wert im Bereich von etwa 5 liegt und

dessen molares Verhältnis von Zitronensäure zu Ammoniak im Bereich von etwa 1:2 liegt.

Bei Einsatz des erfindungsgemäßen Behandlungsmittels ergeben sich dieselben Vorteile, wie sie bereits oben mit Bezug auf das erfindungsgemäße Verfahren beschrieben wurden.

Im Rahmen der Erfindung ist auch eine Maschine zu sehen, welche zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens, beispielsweise durch das Vorsehen einer Auftrags-, Einwirk- und/oder Abnahmeeinrichtung für das Behandlungsmittel, ausgelegt ist.

Vorzugsweise handelt es sich bei der Maschine um eine Bedruckstoff, insbesondere Bogen verarbeitende Rotationsdruckmaschine für den lithographischen Offsetdruck – insbesondere Nassoffsetdruck. Bei dem Bedruckstoff kann es sich um Karton, Folie oder vorzugsweise Papier handeln. Die Druckmaschine kann im Schöndruck oder vorzugsweise im Schön- und Widerdruck betrieben werden. Die Druckmaschine kann den Bedruckstoff mit ein- oder vorzugsweise mit mehrfarbigen Druckbildern versehen. Die Druckmaschine kann in Bedruckstofftransportrichtung einen Anleger, einen Zuführtisch, eine Ausrichteinheit, mehrere Druckwerke, eine Wendeeinrichtung, weitere Druckwerke, einen Trockner, eine Pudereinrichtung und/oder einen Ausleger aufweisen. Die Druckmaschine kann ein Bedienpult und eine Steuereinheit umfassen.

Alternativ handelt es sich bei der Maschine um eine Druckform-Bebilderungsmaschine, z. B. einen Druckplattenbelichter.

Die beschriebene Erfindung und die beschriebenen, vorteilhaften Weiterbildungen der Erfindung stellen auch in beliebiger Kombination miteinander vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung dar.

Die Erfindung sowie weitere, konstruktiv und funktionell vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung werden nachfolgend unter Bezug auf die zughörigen Zeichnungen anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels näher beschrieben.

Die Zeichnungen zeigen:

1: einen Ablaufplan eines bevorzugten Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Verfahrens.

In den Zeichnungen sind einander entsprechende Elemente mit jeweils denselben Bezugszeichen versehen.

Das in dem Ablaufplan der 1 dargestellte bevorzugte Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens umfasst mehrere Verfahrensschritte, die im Folgenden anhand der Prozessierung einer Druckformoberfläche, beispielsweise einer nativ oxidierten Titanoberfläche, welche mit Phosphonsäure oder Hydroxamsäure als amphiphile Moleküle belegt oder belegbar ist, als drucktechnische Oberfläche beschrieben werden.

Das Drucken mehrerer, sich unterscheidender Druckaufträge mit einer wiederbebilderbaren Druckform umfasst das Drucken (Verfahrensschritt 100), z. B. nach dem lithografischen Offsetdruckverfahren in einer Bogen oder Bahnen verarbeitenden Rotationsdruckmaschine, und das Wiederbebildern (Verfahrensschritt 200), z. B. nach dem Laserbebilderungsverfahren, welche mehrfach wiederholt werden können.

Das Wiederbebildern 200 umfasst das Farbreinigen (Verfahrensschritt 210) der Druckformoberfläche, wobei Druckfarbe und – sofern vorhanden – Druckhilfsstoffe von der Druckformoberfläche abgenommen, insbesondere abgewaschen werden.

Eine lediglich farbgereinigte Druckformoberfläche kann jedoch auf Grund feinster Verunreinigungen der Oberfläche nicht ohne weiteres mit amphiphilen Molekülen zufrieden stellend wiederbelegt werden. Das Wiederbebildern 200 umfasst daher auch das Tiefenreinigen bzw. Feinreinigen und Initialisieren (Verfahrensschritt 220) der zuvor farbgereinigten Druckformoberfläche mit einem Behandlungsmittel (Tiefenreinigungs- und Initialisierungsmittel).

Das Behandlungsmittel umfasst eine Säure und eine komplexbildende Substanz. Vorzugsweise handelt es sich bei dem Behandlungsmittel um eine wässrige Lösung, insbesondere von Zitronensäure (2-Hydroxy-1,2,3-Propantricarbonsäure; C6H8O7) als Säure und Ammoniak als komplexbildende Substanz. Weitere in dem Verfahren verwendbare Säuren sind: Essigsäure, Weinsäure und Phosphorsäure. Das molare Verhältnis von Zitronensäure zu Ammoniak liegt im Bereich zwischen etwa 1:4 und etwa 4:1, vorzugsweise im Bereich von etwa 1:2. Der pH-Wert des Behandlungsmittels liegt vorzugsweise im Bereich von etwa 5. Das Behandlungsmittel ist vorzugsweise im Wesentlichen frei von Schleifmitteln (abrasiv wirkenden Hilfsstoffen), von Wasser verschiedenen Lösungsmitteln und Tensiden und dadurch einfach handhabbar und vorteilhaft hinsichtlich der Problemvermeidung, beispielsweise der Vermeidung von Verschmutzungen oder Beschädigungen durch Schleifmittel in Druckmaschinen oder der Verdunstung von organischen Lösungsmitteln.

Durch die Verwendung des die Säure und die komplexbildende Substanz zugleich enthaltenden Behandlungsmittels sind eine Tiefenreinigung und eine Initialisierung in vorteilhafter Weise in einem gemeinsamen Verfahrensschritt und somit zeitgleich und zeitsparend möglich.

Die Tiefenreinigung ist ein Reinigungsvorgang, der sämtliche Verunreinigungen – und nicht nur Druckfarbe und Druckhilfsstoffe – von der Druckformoberfläche entfernt, beispielsweise an der Oberfläche chemisch gebundene Substanzen.

Die Initialisierung ist ein Vorgang, der die drucktechnischen Oberfläche zur Belegung oder Wiederbelegung mit amphiphilen Molekülen vorbereitet, wobei ausreichend viele Stellen der drucktechnischen Oberfläche, z. B. nativ oxidiertes Titan, Aluminium, Stahl, Zirkonium, Magnesium oder Mischungen dieser Metalle, für ein Anlagern der amphiphilen Moleküle chemisch aktiviert werden. Erst durch eine ausreichend hohe Zahl an chemisch aktivierten Stellen ist eine flächige Belegung mit amphiphilen Molekülen möglich.

Durch das Behandeln der Druckformoberfläche mit dem Behandlungsmittel werden fest an der Oberfläche anhaftende amphiphile Moleküle in vorteilhafter Weise auf der Druckformoberfläche belassen, d. h. nicht entfernt.

Durch das Behandeln der Druckformoberfläche mit dem Behandlungsmittel werden jedoch nicht fest anhaftende amphiphile Moleküle, beispielsweise an Defektstellen der Belegung, in vorteilhafter Weise von der Druckformoberfläche entfernt und die entsprechenden Stellen, beispielsweise die genannten Defektstellen, für eine Wiederbelegung mit amphiphilen Molekülen initialisiert.

Durch das Behandeln der Druckformoberfläche mit dem Behandlungsmittel werden auch solche Stellen (bebilderte Stellen), die in einem vorangegangenen Bebilderungsschritt von amphiphilen Molekülen befreit wurden, für eine Wiederbelegung mit amphiphilen Molekülen initialisiert.

Erfindungsgemäß wird durch das Behandeln der Druckformoberfläche mit dem Behandlungsmittel die Belegung der Druckformoberfläche mit amphiphilen Molekülen nicht vollflächig, sondern in vorteilhafter Weise im Wesentlichen nur lokal an Defektstellen entfernt. Erfindungsgemäß wird somit durch das Behandeln der Druckformoberfläche mit dem Behandlungsmittel die Druckformoberfläche in vorteilhafter Weise im Wesentlichen nur lokal an Defektstellen und lokal an zuvor bebilderten Stellen tiefengereinigt und initialisiert. Ein unnötiges und möglicher Weise bei der Wiederbelegung Probleme verursachendes Zerstören der nicht defekten bzw. ordnungsgemäßen Belegung mit amphiphilen Molekülen wird bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens in vorteilhafter, zeitsparender Weise vermieden.

Das Tiefenreinigen und Initialisieren 220 umfasst das Auftragen (Verfahrensschritt 220a) des Behandlungsmittels auf die Druckformoberfläche, beispielsweise mit einem Gewebe- oder Vliestuch oder mit Hilfe einer Tauch- oder Sprüheinrichtung, das Verreiben (Verfahrensschritt 220b) des Behandlungsmittels auf der Druckformoberfläche, beispielsweise mit einem Gewebe- oder Vliestuch, und das Spülen (Verfahrensschritt 220c) der Druckformoberfläche, beispielsweise mit Hilfe einer Sprüheinrichtung, mit dem Lösungsmittel des Behandlungsmittels, vorzugsweise mit Wasser, um das Behandlungsmittel von der Druckformoberfläche vorzugsweise im Wesentlichen restlos zu entfernen.

Das Wiederbebildern 200 umfasst auch das Wiederbelegen (Verfahrensschritt 230). Das Wiederbelegen 230 umfasst das Auffüllen (Verfahrensschritt 230a) von bebilderten Stellen oder Defektstellen der Druckformoberfläche mit amphiphilen Molekülen und somit das Regenerieren (ebenfalls Verfahrensschritt 230a) der Druckformoberfläche mit amphiphilen Molekülen. Die Belegung mit amphiphilen Molekülen wird auf vorteilhafte Weise stabilisiert – Defektstellen werden abgebaut bzw. deren Anhäufung oder Vergrößerung vermieden – und ein Altern der Druckform, d. h. eine Verschlechterung der Druckeigenschaft der Druckform über mehrere Druckaufträge hinweg, in vorteilhafter Weise verhindert.

Das Wiederbebildern 200 umfasst auch das Bebildern (Verfahrensschritt 240) der Druckformoberfläche, wobei die Druckformoberfläche bildpunktweise durch Laserstrahlung in farbannehmende – mit amphiphilen Molekülen belegte – und farbabweisende – von amphiphilen Molekülen befreite – Bereiche strukturiert wird. Das Bebildern 240 kann ferner auch einen Verfahrensschritt des Entwickeln und/oder des Gummierens umfassen.

Nach dem Bebildern 240 kann die Druckformoberfläche erneut eingefärbt und in einem neuen Druckauftrag mehrfach abgedruckt werden. Das beschriebene Verfahren bildet daher einen Kreisprozess.

100
Drucken
200
Wiederbebildern
210
Farbreinigen
220
Tiefenreinigen und Initialisieren
220a
Auftragen
220b
Verreiben
220c
Spülen
230
Wiederbelegen
230a
Auffüllen/Regenerieren
240
Bebildern


Anspruch[de]
Verfahren zum Behandeln einer drucktechnischen Oberfläche, welche zumindest teilweise mit amphiphilen Molekülen belegt ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung (200, 220) mit einer Säure und einer komplexbildenden Substanz erfolgt. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung (200, 220) mit Zitronensäure als Säure und Ammoniak als komplexbildende Substanz erfolgt. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung (200, 220) mit einer wässrigen Lösung von Zitronensäure und Ammoniak erfolgt. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die wässrige Lösung von Zitronensäure und Ammoniak auf der drucktechnischen Oberfläche verrieben (220b) wird. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung (200) in mehreren Verfahrenschritten erfolgt, wobei die drucktechnische Oberfläche in einem Verfahrensschritt (210) von Druckfarbe und/oder von Druckhilfsstoffen gereinigt wird. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung (200) in mehreren Verfahrenschritten erfolgt, wobei in einem Verfahrensschritt (220) mit Zitronensäure und Ammoniak und in einem nachfolgenden Verfahrensschritt (230) mit amphiphilen Molekülen behandelt wird. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Behandlung (200) in mehreren Verfahrenschritten erfolgt, wobei in einem Verfahrensschritt (220, 220a, 220b) mit Zitronensäure und Ammoniak, in einem nachfolgenden Verfahrensschritt mit Wasser (220, 220c) und in einem wiederum nachfolgenden Verfahrensschritt (230) mit amphiphilen Molekülen behandelt wird. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass von amphiphilen Molekülen freie Stellen der drucktechnischen Oberfläche, insbesondere bebilderte Stellen oder Defektstellen, mit amphiphilen Molekülen wiederbelegt werden (230) und die drucktechnische Oberfläche dadurch in ihrer Belegung mit amphiphilen Molekülen regeneriert wird (230a). Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die drucktechnische Oberfläche eine wiederbebilderbare Druckformoberfläche ist und dass die Druckformoberfläche nach dem Drucken zunächst von Farbe gereinigt (210), dann mit einer wässrigen Lösung von Zitronensäure und Ammoniak behandelt (220, 220a, 220b), dann mit Wasser gespült (220, 220c) und dann mit amphiphilen Molekülen wiederbelegt wird (230). Wasserbasiertes Behandlungsmittel für mit amphiphilen Molekülen zumindest teilweise belegte drucktechnische Oberflächen,

– welches Zitronensäure und Ammoniak umfasst,

– im Wesentlichen frei von Schleifmitteln, von Wasser verschiedenen Lösungsmitteln und Tensiden ist,

– dessen pH-Wert im Bereich von etwa 5 liegt und

– dessen molares Verhältnis von Zitronensäure zu Ammoniak im Bereich von etwa 1:2 liegt.






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