Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein flächiges architektonisches
Bauelement mit veränderbaren Reflektions- und/oder Absorptionseigenschaften.
Neben einer Vielzahl von flächigen architektonischen Bauelementen ohne reversibel
veränderbare optische Eigenschaften (z. B. einfaches Bauglas) gibt es verschiedene
flächige architektonische Bauelemente, die diese Eigenschaft besitzen. Sie
lassen sich in zwei Gruppen unterteilen, deren Flächigkeit der Veränderung
von Reflektions- und/oder Absorptionseigenschaften sich wie folgt beschreiben lässt:
- A: Die optischen Eigenschaften können ausschließlich über die
gesamte Bauteilfläche verändert werden.
- B: Die optischen Eigenschaften können in werksseitig vordefinierten Bereichen
homogen vollflächig lokal verändert werden. DE
10 2004 005 611 B4 2006.04.27 beschreibt eingehend diese Möglichkeit.
Im Gegensatz zu den nicht reversibel veränderbaren und auch im
Gegensatz zu den ganzflächig oder lokal und gleichzeitig werksseitig festgelegten
reversibel veränderbaren flächigen architektonischen Bauelementen ist
es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine lokale und reversible Änderung
der Reflektions- und/oder Absorptionseigenschaften zuzulassen, die bei jedem Schaltvorgang
sowohl andere Form als auch anderes Ausmaß einnehmen kann.
Diese Aufgabe wird gemäß der vorliegenden Erfindung durch
ein architektonisches flächiges Bauelement nach Anspruch 1 gelöst. Die
abhängigen Ansprüche beziehen sich auf individuelle Ausgestaltungen des
erfindungsgemäßen flächigen architektonischen Bauelementes.
Erfindungsgemäß umfasst das flächige architektonische
Bauelement mindestens eine Schicht mit elektrischen Schaltkreisen, mindestens eine
elektro-optische Schicht/Ebene oder eine Schicht, die sowohl die elektrischen Schaltkreise,
wie auch die elektro-optischen Komponenten enthält. Des Weiteren benötigt
das flächige architektonische Bauelement mindestens eine Hardwarekomponente
zur Steuerung der elektrischen Stromflüsse.
Die Informationen zur Änderung der Reflektions- und/oder Absorptionseigenschaften
des Bauelementes sind entweder in der Hardwarekomponente gespeichert oder werden
von außen in diese eingespeist und gemäß einer Programmroutine in
elektrische Ladungszustände umgewandelt. Die eingespeisten Informationen können
u. a. auf dem Betätigen eines Schalters, Zeitschaltmechanismen, auf Output
von Sensoren oder auf digitalen Informationen basieren. Eine Schicht mit elektrischen
Schaltkreisen gibt die Informationen der Hardwarekomponente an die elektro-optischen
Komponenten des Bauteils weiter. Diese verändern dadurch lokal und reversibel
ihre Reflektions- und/oder Absorptionseigenschaften.
Entsprechend der Funktionsweise der elektro-optischen Schicht wird
unter anderem zwischen elektro-chromen Schichten auf Metalloxidbasis, elektrophoretischen
Filmen, Polymer-Dispersed Liquid Crystal Schichten (PDLC) und anderen Flüssigkristalloptionen
unterschieden, wobei die vorliegende Erfindung alle elektro-optischen Schichten
einschließt.
Der Steuerungsstimulus kann die Reflektions- und/oder Absorptionseigenschaften
des Bauelementes lokal verändern. Das heißt, dass einzelne Bildpunkte
oder Cluster dieser ihre optischen Eigenschaften unabhängig von den sie umgebenden
Bildpunkten verändern können.
Genaue Form und Ausmaß der Fläche(n) des Bauteils, die ihre
optischen Eigenschaften verändern ist im Gegensatz zu bisher existierenden
flächigen architektonischen Bauteilen bis auf die Pixelgröße durch
ihre technische Ausführung nicht werksseitig vordefiniert.
Der Vorgang der Veränderung der Reflektions- und/oder Absorptionseigenschaften
ist reversibel. Wird also der elektrische Stimulus umgekehrt, so kehren sich entsprechend
die Absorptions- und Reflexionseigenschaften des Materials wiederum.
Auf diese Weise kann das flächige architektonische Bauelement
zeitnah auf wechselnde klimatische Gegebenheiten, sich wandelnde Nutzungsansprüche,
sich ändernde Belichtungsanforderungen, wechselnde Ansprüche an die Privatheit,
sich ändernde ästhetische Vorgaben und/oder einen sich ändernden
textlichen und/oder grafischen Informationsbedarf reagieren.
Das flächige architektonische Bauelement kann plan oder gewölbt
ausgeführt sein. Des Weiteren kann seine Ausführung in der Flächigkeit
variabel sein (flexibel).
Nachfolgend wird die vorliegende Erfindung anhand zweier beispielhafter
Ausführungsformen des erfindungsgemäßen flächigen architektonischen
Bauelementes unter Bezugnahme auf die vier beiliegenden Zeichnungen näher beschrieben.
Zeichnung 1 zeigt eine Explosionsisometrie eines Ausführungsbeispiels
eines erfindungsgemäßen flächigen architektonischen Bauelementes
aufgebracht auf einem mineralischen Flächenwerkstoff (2). Der Aufbau
dieses Ausführungsbeispiels besteht aus dem mineralischen Flächenwerkstoff
(2), einer Polymerschicht mit elektrischen Schaltkreisen
(3), einer elektrophoretischen Schicht (4) und einer Hardwarekomponente
(1), die leitend mit den Schaltkreisen verbunden ist. Durch elektrische
Impulse können die einzelnen Bildpunkte der elektrophoretischen Schicht individuell
zwischen den Farben weiß und schwarz geschaltet werden und somit wie eine anpassungsfähige
Tapete funktionieren.
Zeichnung 2 zeigt zwei mögliche Musterzustände des Ausführungsbeispiels.
Die hier angeführten Muster sind nur Beispiele und selbst nicht Gegenstand
des Schutzanspruches.
Zeichnung 3 zeigt eine Explosionsisometrie eines Ausführungsbeispiels
eines erfindungsgemäßen flächigen architektonischen Bauelementes
mit Glas als Trägermedium. Der Aufbau dieses Ausführungsbeispiels besteht
aus ITO/Glas (7), einer Schicht Encapsulated Liquid Crystal Material (8),
einer zweiten Ebene ITO/Glas (9) und einer Hardwarekomponente, die mit
7 und 9 leitend verbunden ist. Durch elektrische Impulse können die einzelnen
Pixel der Flüssigkristallschicht zwischen einem transparenten und einem nicht
transparenten Zustand reversibel geschaltet werden.
Zeichnung 4 zeigt zwei mögliche Musterzustände des Ausführungsbeispiels.
Die hier angeführten Muster sind nur Beispiele und selbst nicht Gegenstand
des Schutzanspruches.
Es sollte klar sein, dass die zuvor beschriebenen Ausführungsbeispiele
nicht einschränkend sind. Vielmehr sind Modifikationen und Änderungen
möglich, ohne den Schutzbereich der vorliegenden Erfindung zu verlassen, der
durch die beiliegenden Ansprüche definiert ist.
- 1
- Hardwarekomponente
- 2
- mineralischer Flächenwerkstoff
- 3
- Folie mit elektrischen Kreisläufen
- 4
- elektrophoretischer Film
- 5
- flächiges architektonisches Bauelement auf mineralischem Flächenwerkstoff
- aufgebracht
- 6
- Hardwarekomponente
- 7
- ITO/Glas
- 8
- Encapsulated Liquid Crystal Material
- 9
- ITO/Glas