Die Erfindung betrifft einen Schuh, insbesondere einen Sportschuh,
mit einem Schuhoberteil und einer mit diesem verbundenen Außensohle sowie mit
einer Fersenschale, die die Ferse des Trägers des Schuhs zumindest teilweise
umfasst.
Schuhe, insbesondere Sportschuhe, dieser Art sind allgemein bekannt.
Damit der Fuß des Trägers im Schuh einen sicheren Halt hat, ist zumeist
eine Fersenschale vorgesehen, die die Ferse des Fußes des Trägers dreidimensional
umfasst bzw. aufnimmt. Die Fersenschale ist meist fest im Schuh fixiert, insbesondere
eingeklebt.
Bei der Benutzung des Schuhs kommt es infolge der Reibung zwischen
dem Fuß des Trägers und der Fersenschale zu Verschleiß, so dass hierdurch
die Gebrauchsdauer des Schuhs begrenzt sein kann.
Nachteilig ist es ferner, dass es zumindest nicht in kostengünstiger
Weise möglich ist, die Ausgestaltung des Schuhs und insbesondere der Fersenschale
nach individuellen Gesichtpunkten vornehmen zu können. Abgesehen vom Sonderfall
des maßangefertigten Schuhs ist der Träger des Schuhs auf eine handelsübliche
Ausbildung der Fersenschale angewiesen. Dies ist insbesondere dann nachteilig, wenn
im Falle der Benutzung von Einlagen die handelsüblich vorgesehene Fersenschale
ungünstig und eine Erhöhung des Führungsschaftes der Fersenschale
wünschenswert ist.
Weiterhin ist es nachteilig, dass es nicht oder nur mit hohem Aufwand
möglich ist, den Schuh und insbesondere die Fersenschale an besondere Wünsche
des Trägers des Schuhs anzupassen, insbesondere was die Atmungsaktivität
oder die Stabilität der Fersenschale anbelangt. In vielen Fällen bestehen
Sonderwünsche des Trägers, betreffend die Steifigkeit bzw. Weichheit der
Fersenschale.
Aus der DE 10 2004 014
807 B3 ist es für Schistiefel bekannt geworden, einen Innenschuh vorzusehen,
der auswechselbar in einer Stiefel-Außenschale angeordnet ist. Der Innenschuh
weist dabei in verschiedenen Bereichen nach außen gerichtet Vorsprünge
auf, die in Ausnehmungen des Schistiefels eingreifen. Allerdings eignet sich das
dort offenbarte Prinzip bauartbedingt nicht für beispielsweise Sportschuhe,
wo nicht der Bauraum wie im Falle eines Schistiefels zur Verfügung steht.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Schuh, insbesondere
einen Sportschuh, der eingangs genannten Art so fortzubilden, dass die genannten
Nachteile überwunden werden. Es soll also insbesondere in einfacher und kostengünstiger
Weise möglich sein, den Schuh an individuelle Bedürfnisse anzupassen.
Ferner soll es möglich sein, im Falle von Verschleiß eine Lösung
zur Verfügung zu stellen, mit der der Schuh weiterbenutzbar ist. Dabei besteht
ein wichtiges Erfordernis darin, dass die Funktionalität des Schuhs nicht eingeschränkt
ist, was insbesondere bei der Verwendung im Sport und hier vor allem im Leistungssport
von hoher Bedeutung ist.
Die Lösung dieser Aufgabe durch die Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass die Fersenschale auswechselbar im Schuhoberteil angeordnet ist, wobei sie in
einem Oberflächenbereich mindestens einen Vorsprung oder eine Ausnehmung aufweist,
der oder die mit einer Ausnehmung oder einem Vorsprung im Schuhoberteil zum formschlüssigen
Festlegen der Fersenschale im Schuhoberteil zusammenwirkt.
Wenngleich es auch möglich ist, dass die Fersenschale eine Ausnehmung
aufweist, in die ein Vorsprung des Schuhoberteils eingreift, ist bevorzugt vorgesehen,
dass der Vorsprung an der Fersenschale angeordnet ist und in eine Ausnehmung im
Schuhoberteil eingreift. Ferner weist der mindestens eine Vorsprung oder die mindestens
eine Ausnehmung der bzw. in der Fersenschale mit Vorteil eine der Form des Ausnehmung
oder des Vorsprungs im Schuhoberteil angepasste Form auf. Eine weitere Fortbildung
sieht vor, dass zwei Vorsprünge oder Ausnehmungen im Seitenbereich der Fersenschale
angeordnet sind. In diesem Falle kann vorgesehen werden, dass die beiden Vorsprünge
oder Ausnehmungen im Bereich der Knöchel des Fußes des Trägers des
Schuhs angeordnet sind.
Eine gute, aber druckarme Festlegung der Fersenschale im Schuhoberteil
kann erreicht werden, wenn jeder Vorsprung oder jede Ausnehmung in der seitlichen
Projektion des Schuhs eine Fläche aufweist, die mindestens 25%, vorzugsweise
mindestens 33 %, der Fläche der Fersenschale in der seitlichen Projektion beträgt.
Der mindestens eine Vorsprung oder die mindestens eine Ausnehmung
der bzw. in der Fersenschale kann eine längliche oder im wesentlichen ovale
Form aufweisen, womit eine Drehung der Fersenschale relativ zum Schuhoberteil um
eine horizontale Achse quer zu Schuhlängsrichtung verhindert wird.
Mit besonderem Vorteil ist die Fersenschale mit einer Einlegesohle
verbunden. Dabei können die Fersenschale und die Einlegesohle einstückig
ausgebildet sein. Besonders bevorzugt ist vorgesehen, dass nur im Bereich der Fersenschale,
insbesondere in deren Seitenbereichen, der mindestens eine Vorsprung oder die mindestens
eine Ausnehmung angeordnet ist.
Eine Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass die Fersenschale
und gegebenenfalls die Einlegesohle mindestens einen weiteren Vorsprung aufweist,
der sich in Richtung Boden durch eine Ausnehmung im Schuhoberteil erstreckt.
Das Schuhoberteil und/oder die Außensohle und/oder die Fersenschale
bestehen vorteilhafter Weise aus Kunststoff, insbesondere aus thermoplastischem
Material. Dabei ist insbesondere an Polyäthylen, Polypropylen, Polybutan, Polyamid,
Polyurethan oder an eine Mischung von wenigstens zwei dieser Kunststoffe gedacht.
Das Schuhoberteil kann im Sinne der Erfindung als Chassis angesprochen
werden, das mit der Fersenschale – bevorzugt mit der mit dieser verbundenen
Einlegesohle – versehen wird. Das Schuhoberteil kann sowohl aus hartem als
auch aus weichem Material bestehen. Es ist besonders bevorzugt im Spritzgießverfahren
hergestellt oder kann zumindest vorgeformt werden. Hierbei kommen sowohl Kunststoffe
als auch klassische Schuhmaterialien (Leder, Textil, etc.) zum Einsatz.
Mit der vorgeschlagenen Ausgestaltung wird es in einfacher Weise möglich,
bei Verschleiß die Fersenschale auszutauschen, so dass der Schuh weiter verwendbar
ist. Dies bietet vor allem im Hochpreissegment von Sportschuhen einen wichtigen
Vorteil.
Weiterhin kann der Schuh individuell angepasst werden, d. h. es kann
in das Schuhoberteil eine Fersenschale eingesetzt werden, die auf die speziellen
Bedürfnisse ausgerichtet ist. Hierfür muss lediglich die Fersenschale
angepasst werden, Modifikationen am Schuh sind nicht erforderlich. Damit kann in
sehr viel kostengünstigerer Weise als bislang ein an die Bedürfnisse des
Trägers angepasster Schuh, insbesondere Sportschuh, realisiert werden.
Dies gilt speziell, wenn der Träger des Schuhs Einlagen benötigt.
In diesem Falle kann die Fersenschale für den Einsatz der Einlagen optimal
ausgebildet werden, ohne dass am Schuhoberteil) selber Änderungen vorgenommen
werden müssen. Namentlich kann die Höhe der Fersenschale in Abhängigkeit
der verwendeten Einlagen optimal gewählt werden.
Die Passform des Schuhs kann somit ideal an den Fuß des Trägers
ausgelegt werden.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Materialauswahl mit der
erfindungsgemäßen Lösung frei stattfinden kann, so dass beliebige
Materialien zum Einsatz kommen können. Dabei werden das Material des Schuhoberteils
und das der Fersenschale an die individuellen Wünsche angepasst, beispielsweise
derart, dass eine gewünschte Stabilität oder Atmungsaktivität des
Schuhs vorliegt.
In der Zeichnung sind Ausführungsbeispiele der Erfindung dargestellt.
Es zeigen:
1 einen Sportschuh, von der Seite aus betrachtet,
2 das Schuhoberteils samt Außensohle des Sportschuhs
gemäß 1, ohne Fersenschale, von der Seite
aus betrachtet
3 die in das Schuhoberteil nach 2
einzusetzende Fersenschale samt einstückig mit dieser verbundener Einlegesohle,
von der Seite aus betrachtet,
4 die in das Schuhoberteil nach 2
einzusetzende Fersenschale, ausgebildet ohne Einlegesohle, von der Seite aus betrachtet,
und
5 den Schnitt A-B gemäß 1.
In 1 ist ein Sportschuh 1 von
der Seite aus betrachtet dargestellt, der in bekannter Weise ein Schuhoberteil
2 aufweist, das mit einer Außensohle 3 verbunden ist.
In das Schuhoberteil 2 ist eine Fersenschale 4 (Innenschale)
auswechselbar eingesetzt. Die Fersenschale 4 erstreckt sich im eingesetzten
Zustand über die Oberseite des Schuhoberteils 2 hinaus, d. h. sie
hat einen entsprechenden Schaft 12, dessen Erstreckung gemäß
den Wünschen des Trägers des Schuhs 1 so gewählt ist, dass
eine optimale Führung bzw. Halterung des Fußes gewährleistet ist.
In den 2 und 3
sind einmal das Schuhoberteil 2 ohne eingesetzte Fersenschale
4 und einmal die Fersenschale 4 als solche dargestellt. Damit
die Fersenschale 4 im in das Schuhoberteil 2 eingesetzten Zustand
dort fest und sicher sitzt, hat das Schuhoberteil 2 Ausnehmungen
8 und 9, die im Knöchelbereich des Schuhoberteils
2 beidseitig angeordnet sind. Gemäß der Form dieser Ausnehmungen
8, 9 bzw. Ausschnitte hat die Fersenschale 4 in ihren
beiden Seitenbereichen im Oberflächenbereich 5 (s. 5)
aus der Grundkontur der Fersenschale 4 hervortretende Vorsprünge
6, 7, deren Form derjenigen der Ausnehmungen 8,
9 entsprechen.
In 5 ist zu erkennen, dass die Vorsprünge
6, 7 so in die Ausnehmungen 8, 9 eingreifen,
dass sich an der Außenseite des Schuhs 1 eine weitgehend ungestörte
Kontur ergibt, d. h. ein im wesentlichen glatter Verlauf. Die Vorsprünge
6, 7 sind also nicht nur so ausgeführt, dass – wie
in 1 zu sehen – die Fläche des Vorsprungs
6, 7 derjenigen der Ausnehmung 8, 9 entspricht;
darüber hinaus ist auch die Höhe der Vorsprünge
6, 7 so gewählt, dass sich eine weitgehend bündige Oberfläche
des Schuhs 1 im Seitenbereich ergibt.
In 3 ist zu sehen, dass die Fersenschale
4 mit einer Einlegesohle 10 verbunden ist. Im vorliegenden Falle
besteht die Fersenschale 4 und die Einlegesohle 10 aus einem Stück.
Dies hat den Vorteil, dass auch die Einlegesohle bei Bedarf durch Austausch der
Fersenschale 4 gewechselt bzw. an individuelle Bedürfnisse angepasst
werden kann.
Mit gestrichelten Linien ist in 3 angedeutet,
dass an der Unterseite der Einlegesohle 10 ein weiterer Vorsprung
11 in Form eines Außensohlenteils angeordnet sein kann, der beispielsweise
an der Einlegesohle angespritzt ist. Im Bodenbereich des Schuhoberteils
2 bzw. der Außensohle 3 kann eine – nicht dargestellte
– Ausnehmung angeordnet sein, durch die der Vorsprung 11 hindurch
tritt und damit einen Teil der Außensohle bildet. Der Vorsprung 11
kann passgenau zur entsprechenden Ausnehmung ausgebildet sein und gegebenenfalls
Dichtungsmittel aufweisen, um den Eintritt von Feuchtigkeit von unten in den Schuh
zu verhindern.
In 4 ist die Fersenschale 4
in der Seitenansicht gemäß einer alternativen Ausgestaltung der Erfindung
dargestellt, nämlich ohne an ihr angeordneter Einlegesohle 10. Aus
dem Vergleich der 3 und 4
geht hervor, wie groß die Erstreckung der Fersenschale 4 ist und wo
die Einlegesohle beginnt.
Von Bedeutung ist es, wie groß die Fläche der Vorsprünge
6, 7 bzw. der korrespondierenden Ausnehmungen 8,
9 gewählt wird. Damit einerseits ein sicherer Halt der Fersenschale
4 im Schuhoberteil 2 sichergestellt ist, der auch einer Torsionsbewegung
der Fersenschale 4 um eine horizontale Achse quer zur Schuhlängsrichtung
hinreichend widersteht, und andererseits kein seitlicher Druck auf den Knöchelbereich
des Trägers des Schuhs 1 ausgeübt wird, ist folgendes vorgesehen:
Der Vorsprung 6, 7 bzw. die Ausnehmung 8, 9
ist unrund, d. h. vorliegend länglich oder oval, ausgebildet. Weiterhin beträgt
die seitliche Projektionsfläche AV des Vorsprungs 6,
7 mindestens 25 % der seitlichen Projektionsfläche AF der
Fersenschale 4, wie sie aus 4 hervorgeht.
Bevorzugt beträgt die Fläche AV mindestens 33 % der Fläche
AF. Zu erkennen ist, dass die Form der Vorsprünge 6,
7 bzw. der Ausnehmungen 8, 9 so gewählt ist, dass
an einer Umfangsstelle der Vorsprünge/Ausnehmungen (nämlich im untersten
Bereich der Vorsprünge 6, 7) eine Art Spitze oder Nase vorgesehen
ist, die die genannte Torsionsbewegung verhindert.
Zu erkennen ist beispielsweise in 1,
dass sich die Vorsprünge 6, 7 bzw. Ausnehmungen
8, 9 in Längsrichtung des Schuhs 1 betrachtet bevorzugt
über den gesamten Knöchelbereich erstrecken.
- 1
- Schuh (Sportschuh)
- 2
- Schuhoberteil
- 3
- Außensohle
- 4
- Fersenschale
- 5
- Oberflächenbereich
- 6
- Vorsprung
- 7
- Vorsprung
- 8
- Ausnehmung
- 9
- Ausnehmung
- 10
- Einlegesohle
- 11
- Vorsprung
- 12
- Schaft
- AV
- seitliche Projektionsfläche des Vorsprungs/der Ausnehmung
- AF
- seitliche Projektionsfläche der Fersenschale