Erfindungsgebiet
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Walzverfahren, insbesondere
zum Walzen in Umkehrwalzwerken, Vorwalzwerken, kontinuierlichen Blockwalzwerken
und Schwerprofilwalzwerken, insbesondere für die Herstellung von Knüppeln.
Beschreibung des Standes der Technik
Die folgenden Verfahren sind bereits bekannt:
Knüppelwalzen in Vorwalz- und Knüppelwalzwerken mit Hilfe von aneinander
anschließend angeordneten Kastenkalibern, einem quadratischen Kastenkaliber,
rhombischen und diagonalen quadratischen Kalibern.
Das als Prototyp herangezogene Verfahren des Walzens eines Knüppels
in einem Umkehrwalzwerk [1] enthält die Verfahrensschritte: Ausübung von
aufeinander folgenden flachen Kastenstichen, wobei die Oberfläche des Kaliberbodens
relativ zu seiner vertikalen Achse in Richtung auf dem Walzenkörper entlang
seiner Länge angeordneten Seitenwänden gekrümmt ist, einen quadratischen
Kastenstich, bei dem die Seitenwände des Kalibers aufeinander zulaufen, einen
Rhombusstich und einen diagonalen quadratischen Stich.
Der Nachteil dieses Verfahrens besteht in der Tendenz des von dem
Rhombusstich kommenden Zuführmaterials, sich in dem diagonalen Quadratstich
zu verdrillen, woraus sich eine verschlechterte Qualität des fertig gestellten
Produkts ergibt. Dies tritt auf, weil das von dem quadratischen Kastenstich kommende
zugeführte Material seine diagonale Symmetrie während des Vorgangs verliert
(das kann beispielsweise aus einer Abnutzung des Kalibers resultieren). Aus diesem
Grunde verliert das von dem Rhombusstich kommende Material seine rhombische Form,
d.h. der in diesem Stich hergestellte Rhombus verliert seine diagonale Symmetrie.
Wenn ein solches Material durch den diagonalen Quadratstich läuft, verdrillt
es sich um seine longitudinale Achse und verursacht – neben der Verschlechterung
der Qualität des hergestellten Produkts – Handhabungsprobleme (z.B.
beim Manipulieren, bei einer Querbewegung usw.). Ferner wird der Walzzyklus verlängert
und die Leistungsmerkmale der Walzstraße verschlechtert.
Andere Nachteile dieses Walzverfahrens sind:
- – die Unmöglichkeit, die Makrostruktur der Blöcke zu verbessern,
die interne, im Kernteil konzentrierte Schmelzdefekte aufweisen (z.B. mittige Porösität,
Karbonausscheidung);
- – verschlechterte Qualität des fertig gestellten Produktes und geringere
Leistungsmerkmale der Walzstraße, verursacht durch die Tendenz des von dem
rhombischen Stich kommenden Materials, in dem diagonalen Quadratstich aufgrund des
Verlustes der Diagonalsymmetrie beim Durchgang durch die Kastenstiche während
des Ablaufs zu verdrillen (z.B. aufgrund einer Kaliberabnutzung);
- – geringe Produktionsraten der Walzanordnung.
Zusammenfassung der Erfindung
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein gleichzeitiges
Doppelwalzen des zugeführten Materials in quadratischen Stichen zu ermöglichen,
die Qualität des fertig gestellten Produktes zu verbessern, insbesondere seine
Makrostruktur, indem eine starke Reduktion des Kernbereichs des Blocks erfolgt,
wodurch die Walzleistungsparameter verbessert werden.
Technologische Effekte der vorliegenden Erfindung bestehen in der
Vermeidung von Verdrillungen des zugeführten Materials um seine longitudinale
Achse in diagonalen Quadratstichen, in der Verringerung der Defekte der Block-Makrostruktur
aufgrund der Kompaktierung einer axialen Porösität und in der vollständigen
Vermeidung einer Karbonausscheidung.
Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird gelöst durch
das Schlitzverfahren beim Knüppelwalzen, bei dem ein aufgeheiztes Zuführmaterial
nacheinander in Kasten-, Rhombus- und diagonalen Quadratstichen der Walzeinrichtung
gewalzt wird, nach dem Kastenstich das Zuführmaterial in einem formgebenden
Schlitzwalzstich mit der Form von zwei durch eine Brücke miteinander verbundenen
Ovalen gewalzt wird und danach in Rhombus- und diagonalen Quadratstichen weiter
in zwei miteinander durch eine Brücke verbundenen Strängen gewalzt wird,
wobei doppelte diagonale Quadrate in einem Trennstich mittels runder Kalibrierstege
mit einem Radius R = (0,3...0,45) a getrennt werden, wobei a eine Seitenlänge
des quadratischen Knüppels ist.
Der Unterschied zwischen dem erfindungsgemäßen Verfahren
und dem beschriebenen Prototyp besteht darin, dass nach dem Kastenstich das Material
in dem formgebenden Schlitzwalzstich mit der Form von zwei durch eine Brücke
verbundenen Ovalen gewalzt wird und danach in rhombus- und diagonalen Quadratstichen
in der Form zweier durch eine Brücke verbundener Kaliber gewalzt wird, wobei
die doppelten diagonalen Quadrate in einem Trennstich mit Hilfe von runden Kaliberstegen
mit einem Radius R = (0,3...0,45) a geschnitten werden, wobei a eine Kantenlänge
des quadratischen Knüppels ist.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Die nachstehenden Zeichnungen dienen der Verdeutlichung der Erfindung.
1 zeigt einen Walzstichablauf, bestehend aus fünf
Stichen.
2 zeigt schematisch ein aus zwei über eine Brücke
miteinander verbundenen diagonalen Quadraten gebildetes Kaliber.
3 zeigt schematisch einen Trennstich, durch den die
Brücke getrennt und der Doppelstrang in zwei separate Knüppel geschnitten
wird.
Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung
Das Verfahren, dass das Walzstichsystem gemäß der vorliegenden
Erfindung benutzt, wird wie folgt durchgeführt. Der ursprüngliche Block
mit quadratischem oder rechteckigem Querschnitt wird in einem Wärmeofen einer
Vorwalzstraße aufgeheizt und wird zunächst in einem Kastenstich
1 gewalzt, dessen Oberfläche des Kaliberbodens um die vertikale Achse
des Kalibers gekrümmt ist. Nach dem Kastenstich wird das Material in einen
Form(schlitz-)stich 2 gewalzt, der die Form eines Doppelstranges aufweist,
wobei beide Teile ähnliche Querschnitte eines Ovals oder einer rhombischen
Form aufweisen und durch eine Brücke miteinander verbunden sind. In dem Verformungsprozess
im Stich 2 zentriert sich der zugeführte rechteckige Strang in dem
Kaliber zum Zeitpunkt des Quetschens durch den gleichzeitigen Vier-Winkel-Kontakt
mit den Seitenwänden des Kalibers, und nach dem Schneiden mit Hilfe der in
der mittleren vertikalen Achse des Kalibers sitzenden Kaliberstegen werden zwei
durch eine Brücke miteinander verbundene Stränge mit gleichem Querschnitt
geformt. Die anschließende Strangformung wird in zwei Stichen ausgeführt,
die Doppelstiche mit rhombischen (Stich 3) und rechteckigen (Stich
4) Querschnitten aufweisen, die über Brücken miteinander verbunden
sind, wobei die Umformung in eine rhombische-quadratische Kaliberform ohne eine
Verdrillung um die longitudinale Achse erfolgt, wodurch sich das Verfahren von dem
vorbekannten Rhombus-Quadratstich-Formgebungsverfahren (1) unterscheidet.
Das erfindungsgemäße Walzverfahren erlaubt einen größeren
Verformungsgrad des Kernbereichs des ursprünglichen Blocks, wo Gießdefekte
– zentrale Porösität und Karbonabscheidung – konzentriert
sind. Beispielsweise beträgt der gesamte Höhenreduktionskoeffizient für
das diagonale Quadrat im Stich 4 1,8 und der Gesamtreduktionskoeffizient
für die Brücke in diesem Stich 75. Ein hoher Verformungsgrad für
den Kernbereich des Stranges ermöglicht es, die ursprüngliche mittige
Blockporösität zu beseitigen. Aufgrund des erfindungsgemäßen
Walzverfahrens wandert die Karbonabscheidung (Gießfehler) in den Brückenbereich,
der die beiden diagonalen Quadrate verbindet (2).
Der im Stich 5 gewalzte Doppelstrang wird in zwei quadratische
Knüppel mit Hilfe von Schneidstegen geschnitten, die einen Radius R = (0,30
bis 0,45) a aufweisen, wobei „a" eine Kantenlänge des quadratischen
Knüppels ist (3), wodurch das diagonale Doppelquadrat
auf den Abstand I2 (2) gebracht wird, der
1,1 bis 1,3 mal so lang ist wie der Abstand I1. Die voneinander getrennten
quadratischen Knüppel, die Reste der Brücke an den Schnittstellen aufweisen,
werden mit einer Schleifmaschine bearbeitet, die die Brückenreste, in denen
die Karbonabscheidung konzentriert ist, beseitigt.
Gewerbliche Anwendung
Das erfindungsgemäße Verfahren wird mit einem Zwei-Hoch-Umkehrwalzwerk
850 in dem Republikanischen Einheitsunternehmen „Byelorussian Steel Works"
zur Produktion von hochquadratischen Rippenknüppeln 125 × 125 mm aus hochkohlenstoffhaltigem
Stahl st80 für die Rippenstangenproduktion verwendet. Der ursprüngliche
Block mit einem quadratischen oder rechteckigen Querschnitt wird in dem Wärmeofen
eines Vorwalzwerks aufgeheizt und zunächst in einem Kastenstich 1
gewalzt, dessen Oberfläche des Kaliberbodens um die Standachse des Stichs gekrümmt
ist. Nach dem Kastenstich wird der Strang in einem Formstich 2 (Schlitzwalzstich),
der die Form eines Doppelstrangs aufweist, gewalzt, wobei beide Teile des Doppelstrangs
dieselben Querschnittsflächen eines Ovals oder eines Rhombus aufweisen, die
über eine Brücke miteinander verbunden sind. In dem Verformungsprozess
im Stich 2 zentriert sich der ankommende rechteckige Strang selbst in dem
Stich im Moment des Quetschens aufgrund des gleichzeitigen Vier-Winkel-Kontakts
mit den Seitenwänden des Kalibers und nach dem Längsschneiden mit Hilfe
der Kaliberstege, die in der mittleren vertikalen Achse des Kalibers angeordnet
sind, werden zwei durch eine Brücke miteinander verbundene Stränge mit
demselben Querschnitt geformt. Die anschließende Strangformung wird in zwei
Stichen durchgeführt, die Doppelstiche mit rhombischen (Stich 3) und
rechteckigen (Stich 4) Querschnitten, die durch Brücken miteinander
verbunden sind, bilden, wobei die Verformung ohne eine Verdrillung um die longitudinale
Achse erfolgt, im Unterschied zu dem vorbekannten Verfahren zur Formung eines rhombischen-quadratischen
Kalibers.
Der im Stich 5 gewalzte Doppelstrang wird in zwei quadratische
Knüppel mit Hilfe von Längsschlitzstegen geschnitten, die einen Radius
R = 0,30 bis 0,45) a aufweisen, wobei „a" eine Kantenlänge des quadratischen
Knüppels (3) ist, wodurch die doppelten
diagonalen Quadrate auf den Abstand I2 (2)
getrennt werden, der 1,1 bis 1,3 mal länger ist als der Abstand I1.
Die voneinander getrennten quadratischen Knüppel, die Reste der
Brücke an der Schnittstelle aufweisen, werden mit einer Schleifmaschine behandelt,
wodurch die Brückenreste, in denen eine Karbonabscheidung konzentriert ist,
entfernt werden.
Das unter den Bedingungen des Vorwalzwerks 850 ausgeführte erfindungsgemäße
Verfahren ermöglicht es, ein diagonales Quadratverdrillen um die longitudinale
Achse zu vermeiden, die Walzleistungscharakteristiken durch das gleichzeitige Walzen
zweier quadratischer Knüppel 125 × 125 mm in dem letzten Stich zu verbessern
und die Makrostrukturqualität des Knüppels aufgrund der Kompaktierung
der axialen Porösität und der vollständigen Eliminierung der Karbonabscheidung
zu verbessern.
Literaturstelle
- 1. Filippov I.N. und andere. Roll pass designs atlas. – M.: Chermetinformatsiya,
1965. – pp. 11–12 (Prototyp).