Vorgeschlagen wird ein neues Fertigfutter für Haustiere, welches mindestens eine Guanidinoessigsäure-Komponente als ernährungsphysiologisch wirksamen Bestandteil enthält. Das neue Fertigfutter, welches vorzugsweise einen Wasser-Gehalt > 8 Gew.-% aufweisen kann, ist in äußerst wirtschaftlicher Weise herzustellen, wobei die Hauptkomponente bei der Magen/Darmpassage eine deutlich höhere Stabilität aufweist und deshalb erst unter physiologischen Bedingungen in Kreatin umgewandelt wird. Aus diesem Grund wird die Guanidinoessigsäure auch in hohem Maße durch die Zielgruppe verwertet, bei der es sich insbesondere um Katzen und Hunde handelt.
Beschreibung[de]
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Fertigfutter für
Haustiere, welches als ernährungsphysiologisch wirksamen Bestandteil eine Guanidinoessigsäure-Komponente
enthält.
Guanidinoessigsäure (GAA) ist eine bei Tieren und auch im Menschen
vorkommende körpereigene Substanz, welche bei der Biosynthese des Kreatins
eine zentrale Rolle einnimmt. Kreatin kann sowohl durch die Nahrung aufgenommen
als auch endogen gebildet werden. Die Biosynthese geht von Glycin und L-Arginin
aus. Bei Säugetieren wird vor allem in den Nieren, aber auch in der Leber und
der Bauchspeicheldrüse, durch das Enzym Aminotransferase die Guanidino-Gruppe
des L-Arginins gespalten und eine N-C-N-Gruppe auf das Glycin übertragen. Das
L-Arginin wird hierbei in L-Ornithin umgewandelt. Die so gebildete Guanidinoessigsäure
wird im nächsten Schritt, bei Vertebraten geschieht dies ausschließlich
in der Leber, mit Hilfe des Enzyms Transmethylase in Kreatin umgewandelt. Hierbei
dient das S-Adenosylmethionin als Methylgruppen-Donor. Das Kreatin wird anschließend
über den Blutkreislauf zu den Zielorganen transportiert. Der Transport durch
die Zellmembran in die Zellen geschieht hierbei durch einen spezifischen Kreatin-Transporter.
Mehrere Arbeitsgruppen konnten bereits in den 50iger Jahren des letzten
Jahrhunderts in klinischen Studien zeigen, dass die Verabreichung von Guanidinoessigsäure
in Kombination mit Betain bei Herzkrankheiten einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf
hat. Die Patienten berichteten von einer deutlichen Verbesserung ihres Allgemeinbefindens.
Weiterhin wurde eine verbesserte Ausdauer bei körperlicher Belastung und eine
erhöhte Muskelkraft schon nach kurzer Behandlungsdauer festgestellt. Auch berichteten
die Patienten von einer verbesserten Libido. 200 Patienten wurde eine Dosis von
30 mg GAA/kg täglich über ein Jahr verabreicht. Nebenwirkungen konnten
nicht beobachtet werden (Borsook H.; Borsook M.E.: The biochemical basis of betaine-glycocyamine
therapy. In: Annals of western medicine and surgery 5(10), 825, 1951).
Die internationale Patentanmeldung WO 91/07954 A1 offenbart die Verwendung
von Guanidinoessigsäure in Kombination mit Methionin oder S-Adenosylmethionin
zur Erhöhung des Kreatinspiegels im Muskel. Als Einsatzbereich werden Zustände
genannt, welche einen höheren Kreatinspiegel im Muskel erfordern. Es werden
hierbei sowohl medizinische Anwendungen als auch der Bereich der Sporternährung
beansprucht. Hierbei wird die Behauptung aufgestellt, dass die Verabreichung von
Kreatin keine Erhöhung des Kreatinspiegels bewirkt. Diese Behauptung konnte
inzwischen durch zahlreiche Arbeiten widerlegt werden (z.B. Persky, A. M., Brazeau,
G. A.: Clinical Pharmacology of the Dietary Supplement Creatine Monohydrate. In:
Pharmacol Rev, 2001, 53, 161–176). Ein direkter Vergleich der Wirksamkeit
von Kreatin und Guanidinoessigsäure wird in WO 91/07954 nicht offenbart.
Von Guanidinoessigsäure ist weiterhin bekannt, dass sie eine
antibakterielle Wirkung besitzt und in Tierversuchen erfolgreich gegen bakterielle
Infektionen (Staphyllococcus aureus) eingesetzt werden konnte ("Preparation for
protecting mammals against infection"; Stanley Drug Products Inc., USA; Neth. Appl.
(1976), 7 pp. NL 7411216).
Im Zusammenhang mit der Überdosierung von Methionin ist ebenfalls
bekannt, dass damit verbundene negative Effekte durch die Gabe von Guanidinoessigsäure
abgemildert werden können ("Interrelations of choline and methionine in growth
and the action of betaine in replacing them". McKittrick, D. S. Univ. of California,
Berkeley, Archives of Biochemistry (1947), 15 133–55).
Die internationale Patentanmeldung WO 2004/000297 A1 beschreibt eine
Mischung für die Ernährung oder für pharmazeutische Zwecke bei Säugetieren.
Diese Mischung besteht aus einer Proteinfraktion, welche L-Serin enthält und
als weitere Komponente Guanidinoessigsäure. Die Mischung soll hierbei frei
von Glycin sein oder nach der Hydrolyse der Mischung ein Verhältnis von L-Serin
zu Glycin von größer als 2,7 zu 1 enthalten. Als mögliche Produktform
werden Lösungen, Emulsionen, Suspensionen, Gele, Riegel, Süßigkeiten
und vorzugsweise Pulver genannt.
Dieses Verhältnis von L-Serin zu Glycin von größer
2,7 zu 1 ist in einer kommerziell erhältlichen Tiernahrung für Haustiere
nicht anzutreffen. Tierische Rohstoffe wie z.B. Tiermehl enthalten deutlich mehr
Glycin als Serin ("Amino acids of meals of animal origin"; de Vuyst, A. Univ. Louvain,
Belgum, Agricultura (Heverlee, Belgium) (1964), 12(1), 141–51). In pflanzlichen
Rohstoffen ist das Verhältnis zwischen Glycin und Serin vorwiegend ausgeglichen.
Kreatin nimmt im Energiestoffwechsel der Zelle eine wichtige Rolle
ein, wobei es als energiereiches Phosphokreatin neben dem Adenosintriphosphat (ATP)
eine wesentliche Energiereserve des Muskels darstellt. Im Ruhezustand
des Muskels kann ATP auf Kreatin eine Phosphat-Gruppe übertragen, wobei Phosphokreatin
gebildet wird, welches dann im direkten Gleichgewicht mit ATP steht. Bei Muskelarbeit
ist es von entscheidender Bedeutung, die ATP-Vorräte schnellstmöglich
wieder aufzufüllen. Hierfür steht in den ersten Sekunden maximaler Muskelbelastung
das Phosphokreatin zur Verfügung. Dieses kann in einer sehr schnellen Reaktion
durch das Enzym Kreatinkinase, eine Phosphatgruppe auf Adenosindiphosphat übertragen
und somit ATP zurückbilden. Dies wird auch als Lohmann-Reaktion bezeichnet.
Kreatin ist seit langem als geeignetes Nahungsergänzungs- und
Futtermittel bekannt. Bei starker und über längere Zeit anhaltender Muskelarbeit
sind die natürlich im Körper vorhandenen Kreatinvorräte rasch erschöpft.
Insbesondere bei Leistungssportlern haben sich gezielte Kreatingaben positiv auf
die Ausdauer und Leistungsfähigkeit ausgewirkt, wobei unerwünschte Anreicherungsprozesse
im Körper oder nachteilige Abbauprodukte unbekannt sind. Der Grund hierfür
ist darin zu sehen, dass Kreatin bei einer übermäßigen Zufuhr vom
Körper als Kreatin und Kreatinin ausgeschieden wird.
Weiterhin ist bekannt, dass eine Kreatin-Supplementierung zu einer
Erhöhung der Körpermasse führt. Dies ist zu Anfang auf eine vermehrte
Aufnahme von Wasser in den Muskel zurückzuführen. Langfristig gesehen
führt das Kreatin aber indirekt durch vermehrte Proteinsynthese oder einen
verminderten Proteinkatabolismus in den Myofibrillen zu einer Erhöhung der
Muskelmasse (Int J Sports Med 21 (2000), 139–145). Als Ergebnis erhält
man somit eine erhöhte fettfreie Körpermasse.
Neben dem Kreatin selbst, also dem Kreatin Monohydrat, haben sich
zwischenzeitlich aber auch zahlreiche Kreatinsalze, wie das Kreatin-ascorbat, -citrat,
-pyruvat und andere, ebenfalls als geeignete Nahrungsergänzungsmittel erwiesen.
Stellvertretend seien an dieser Stelle das europäische Patent EP
894 083 B1 und die deutsche Offenlegungsschrift DE
197 07 694 A1 genannt.
Die für den Menschen als positiv nachgewiesenen Wirkungen entfaltet
Kreatin auch bei Tieren, weshalb seine Verwendung in diversen Futtermitteln ebenfalls
hinlänglich vorbeschrieben ist. Bereits 1923 wurden von Benedict und Osterberg
Studien an Hunden durchgeführt. Hierbei wurde beobachtet, dass oral appliziertes
Kreatin in einer täglichen Dosis von ca. 40 mg/kg über mehrere Wochen
zu einem deutlichen Gewichtszuwachs führt. Weiterhin wurde eine positive Stickstoffbilanz
beobachtet (The Journal of Biological Chemistry No.1 (1923), 229–252).
GB 2 300 103 lehrt die Verwendung von Kreatin
in Form eines Hundebiskuits, wofür das Kreatin Monohydrat gemeinsam mit Fleisch
in einer extrudierten Masse angeboten wird.
Aus der internationalen Patentanmeldung WO 00/67 590 A1 ist die Verwendung
von Kreatin oder von Kreatin-Salzen als Futterzusatz für Zucht- und Masttiere,
als Ersatz für Fleischmehl, Fischmehl und/oder antimikrobielle Leistungsförderer,
Wachstumshormone sowie Anabolika vorbeschrieben.
Da Kreatin Monohydrat aufgrund seiner schlechten Löslichkeit
aber nur unzureichend bioverfügbar ist, wird seine gemeinsame Verwendung mit
weiteren physiologisch aktiven Verbindungen, vorzugsweise in Salzform, empfohlen.
Die deutsche Offenlegungsschrift DE 198
36 450 A1 hat die Verwendung stabiler Brenztraubensäure-Salze und
insbesondere des Kreatinpyruvats in Formulierungen zum Gegenstand, die für
die Tierernährung geeignet sind.
Kreatin ist für carnivore und omnivore Wildtiere eine natürliche
Komponente ihrer Ernährung. So fressen Wölfe mit einem Körpergewicht
zwischen 15 und 60 kg im Durchschnitt pro Tag 100–130 g Fleisch pro Kilogramm
Körpergewicht. Frisches Fleisch enthält zwischen 3 und 6 g (23–46
mmol) Kreatin pro Kilogramm. Ein Wolf von 35 kg nimmt somit etwa 3,5 bis 4,5 kg
frisches Fleisch auf, welches zwischen 10,5 und 27 g Kreatin enthält. Domestizierte
Hunde kommen hingegen bei einem Körpergewicht von 35 kg mit etwa 1,25 kg Fleisch
aus. Wird es in frischer und roher Form aufgenommen, enthält es zwischen 3,75
und 7,5 g Kreatin (Research in Veterinary Science 62 (1997), 58–62).
Neben seinen unbestrittenen positiven physiologischen Eigenschaften
besitzt Kreatin aber auch den Nachteil, dass es in wässrigen Lösungen
und feuchten Formulierungen, insbesondere bei hohen Temperaturen, eine ausgeprägte
Instabilität besitzt, wobei es sich in Kreatinin umwandelt. Kommerziell hergestelltes
Tierfutter wird zur Haltbarmachung bei der Verarbeitung stark erhitzt. So werden
z.B. bei der Herstellung von trockenen Hunde- und Katzen-Biskuits die Rohstoffe
in Extrudern auf Temperaturen von bis zu 190°C erhitzt. Feuchtigkeit, Druck
und Hitze gelatinisieren die enthaltene Stärke und die erhaltene Masse wird
anschließend in die gewünschte Form gebracht. Die hohen Temperaturen bei
der Verarbeitung und die Lagerung unter feuchten Bedingungen wie
z.B. in Dosenfutter, welches etwa 75–85% Wasser enthält, führt
dazu, dass die Hauptmenge des enthaltenen Kreatins in Kreatinin umgewandelt wird.
Dies wurde von Harris auch an kommerziellem Dosenfutter und Trockenfutter für
Hunde gezeigt. Die untersuchten acht Dosenfutter enthielten nur noch Spuren an Kreatin
(0,36 bis 1,93 mmol/kg). Auch in den Trockenfuttern wurden in der Mehrzahl der Proben
Werte von 0,7 mmol Kreatin pro Kilogramm gemessen (Research in Veterinary Science
62 (1997), 58–62). Hieraus wird offensichtlich, dass Hunde und Katzen, welche
mit kommerziellem Tierfutter (0,36–4,25 mmol Kreatin pro Kilogramm Futtermittel)
ernährt werden, deutlich weniger Kreatin über die Nahrung aufnehmen, als
dies bei einer natürlichen Ernährung mit Frischfleisch (23–46 mmol
Kreatin pro Kilogramm) der Fall wäre.
Diese Instabilität von Kreatin ist auch hinsichtlich der oralen
Aufnahme von Bedeutung. Der pH-Wert des Magens von 1 bis 2 kann je nach Verweilzeit
zu einem deutlichen Abbau des Kreatins zu Kreatinin führen. So konnte beim
Menschen gezeigt werden, dass nach einer oralen Applikation von Kreatin nur etwa
15 bis 30% von der Muskulatur resorbiert werden können (Greenhaff, P.L.: "Factors
Modifying Creatine Accumulation in Human Skeletal Muscle". In: Creatine. From Basic
Science to Clinical Application. Medical Science Symposia Series Volume 14, 2000,
75–82)
Aus den bzgl. Kreatin geschilderten Nachteilen des Standes der Technik
hat sich für die vorliegende Erfindung die Aufgabe gestellt, Verbindungen für
Fertigfutter zu finden, welche nach Möglichkeit eine geringe Instabilität
bei industriellen Verarbeitungsprozessen besitzen. Sie sollten nicht nur hohe Verarbeitungstemperaturen
unbeschadet überstehen sondern auch z. B. in Dosenfutter unter feuchten Bedingungen
lagerstabil sein. Weiterhin sollte die Verbindung im Gegensatz zu Kreatin das saure
Milieu des Magens unbeschadet überstehen und erst nach der Aufnahme in den
Körper in Kreatin umgewandelt werden. Die eingesetzten Futterzusatzmittel sollten
selbst keine physiologisch nachteiligen Wirkungen entfalten und leicht nachweisbar
sein. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten stand für die erfindungsgemäß
zu verwendenden Substanzen mit im Vordergrund, diese auf wirtschaftlich günstige
Weise herzustellen.
Gelöst wurde diese Aufgabe durch Fertigfutter für Haustiere,
die als ernährungsphysiologisch wirksamen Bestandteil Guanidinoessigsäure
und/oder Guanidinoessigsäure-Salze enthalten.
Überraschend wurde beim Fertigfutter festgestellt, dass die Guanidinoessigsäure-Komponenten
tatsächlich das gemäß Aufgabenstellung an sie gerichtete Anforderungsprofil
erfüllen, da sie in einfacher und wirtschaftlicher Weise herzustellen sind;
im Gegensatz zu Kreatin bzw. Kreatin-Monohydrat weisen Guanidinoessigsäure
und deren Salze auch in saurer Lösung, wie sie im Magen auftritt, eine deutlich
höhere Stabilität auf und sie werden erst unter physiologischen Bedingungen
in Kreatin umgewandelt. Überraschenderweise hat sich als besonders vorteilhaft
herausgestellt, dass die im vorliegenden Zusammenhang beschriebene Guanidinoessigsäure
und deren Salze im Gegensatz zum Kreatin somit tatsächlich erst nach der Resorption,
vor allem in der Leber, in Kreatin umgewandelt werden. Somit wird der überwiegende
Teil der eingesetzten Verbindungen, im Gegensatz zum bekannten Kreatin, nicht bereits
im Vorfeld durch Instabilitätsreaktionen abgebaut und ausgeschieden, sondern
tatsächlich den physiologischen Anwendungsbereichen zur Verfügung gestellt.
Die Guanidinoessigsäure und deren Salze können gemäß Erfindung,
somit wiederum im Gegensatz zum Kreatin und dessen Derivaten, bei identischer Wirkung
mit deutlich geringerer Dosierung eingesetzt werden.
Weiterhin konnte gezeigt werden, dass die Guanidinoessigsäure
unter Bedingungen, wie sie bei der industriellen Herstellung von Futtermitteln auftreten,
eine sehr hohe Stabilität besitzt. Guanidinoessigsäure zeigt hierbei klare
Vorteile gegenüber Kreatin. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass Guanidinoessigsäure
eine deutlich bessere Lagerstabilität als Kreatin besitzt. Diese Vorteile waren
in ihrer Gesamtheit so nicht vorherzusehen.
Aufgrund der überraschend günstigen Eigenschaften der Guanidinoessigsäure-Komponente
im beanspruchten Fertigfutter ist dieses nicht auf spezifische Darreichungsformen
beschränkt. Vielmehr kommen Varianten in Form von Trocken-, Halbfeucht- und
Nassfutter genauso in Frage, wie insbesondere Dosenfutter, Pellets, Biskuits, Kroketten,
Nuggets, Flocken und Snacks, was von der vorliegenden Erfindung ebenfalls berücksichtigt
wird.
Wie bereits angesprochen, ist das erfindungsgemäße Fertigfutter
überraschend gut lagerstabil, obwohl es auch höhere Wassergehalte aufweisen
kann. Besonders bevorzugt sollte das vorgeschlagene Fertigfutter einen Wassergehalt
> 8 Gew.-% aufweisen, wobei Wassergehalte über 10 Gew.-% und insbesondere
im Bereich zwischen 20 und 80 Gew.-% zu bevorzugen sind.
Die erfindungswesentliche Guanidinoessigsäure-Komponente kann
erfindungsgemäß nicht nur in freier Form, also tatsächlich
als Guanidinoessigsäure vorliegen, sondern auch als Salz bzw. in Form einer
Anlagerungs- oder Komplexverbindung. Selbstverständlich sind auch sämtliche
Mischformen dieser Verbindungstypen möglich.
Für das erfindungsgemäße Fertigfutter haben sich Guanidinoessigsäure-Salze
als günstig erwiesen, die mit Asparaginsäure, Ascorbinsäure, Brenztraubensäure,
Bernsteinsäure, Fumarsäure, Gluconsäure, Oxasäure, Pyroglutaminsäure,
3-Nicotinsäure, Milchsäure, Zitronensäure, Maleinsäure, Schwefelsäure,
Ameisensäure, Salzsäure und Phosphorsäure erhalten werden, wobei
Kalium-, Calcium- oder Natriumguanidinoacetat besonders geeignet sind. Es können
natürlich auch Mischungen aus Guanidinoessigsäure mit einem oder mehreren
der oben genannten Salze eingesetzt werden oder Mischungen, die aus den oben genannten
Salzen bestehen.
Als weiterer Vorteil hat sich herausgestellt, dass die Guanidinoessigsäure
und deren Salze in einem relativ breiten Dosierbereich in Fertigfutter eingesetzt
werden können. Dabei sind sowohl die Einzeldosen als auch die Tagesdosen keinen
Einschränkungen unterworfen. Im erfindungsgemäßen Zusammenhang kommen
vorzugsweise GAA-Dosen von 0,1 bis 100 g/kg Fertigfutter in Frage, wobei Mengen
von 0,5 bis 5,0 g als besonders bevorzugt anzusehen sind.
Die eben beschriebene Dosierung hängt natürlich auch von
der jeweiligen Menge an Guanidinoessigsäure-Komponente ab, wie sie im Fertigfutter
enthalten ist. Auch diesbezüglich unterliegt die vorliegende Erfindung keinerlei
Beschränkung. Allerdings sind für das Fertigfutter Mengen als bevorzugt
anzusehen, die bzgl. der Guanidinoessigsäure-Komponente bei max. 4 g/l enthaltenen
Wasser liegen. Als besonders bevorzugt haben sich Mengen herausgestellt, die zwischen
1,0 und 3,0 g/l Wasser liegen. Bezogen auf das gesamte Fertigfutter sollte dieses
die Guanidinoessigsäure-Komponente in Mengen von 0,01 bis 20 Gew.-%, insbesondere
in Mengen von 0,1 bis 1,0 Gew.-% und besonders bevorzugt in einer Menge von 0,5
Gew.-% enthalten.
Selbstverständlich kann das Fertigfutter neben der Guanidinoessigsäure-Komponente
auch noch andere Inhaltsstoffe, wie bspw. ebenfalls ernährungsphysiologisch
aktive Komponenten und/oder Formulierungshilfsmittel bzw. Füllstoffe enthalten.
Dabei kann es in Abhängigkeit vom jeweiligen konkreten Verwendungsfall
durchaus empfehlenswert sein, als weitere physiologisch aktive Komponente einen
Methylgruppendonoren wie Cholin, Betain und Methionin zuzusetzen.
Insgesamt werden Guanidinoessigsäure und deren Salze durch die
vorliegende Erfindung neuen Verwendungszwecken in der Ernährung insbesondere
von Fleischfressern, wie sie Hunde und Katzen darstellen, zugeführt, wobei
sie im Gegensatz zu den bislang bekannten Kreatin-Verbindungen deutliche und überraschende
Vorteile aufweisen.
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen die Breite der vorliegenden
Erfindung.
BeispieleBeispiel 1:
Eine Mischung bestehend aus 5.000 mg Guanidinoessigsäure und
5.000 mg Betain wurde bei der Herstellung in ein handelsübliches Softfutter
für Hunde eingearbeitet.
Beispiel 2:
Eine Formulierung bestehend aus 2.500 mg Guanidinoessigsäure
und 5.000 mg Betain wurde in eine typische Rezeptur für Dosenfutter für
Hunde eingebracht.
Beispiel 3:
Eine Formulierung bestehend aus 2.000 mg Guanidinoessigsäure-lactat,
750 mg Carnitintartrat, 100 mg Succrosestearat, 160 mg Talkum, und 1.090 mg Fructose
wurde in die Basismasse für Hundebiskuits eingebracht.
Beispiel 4:
Als Masterbatch wurde in eine handelsübliche Katzendosenfuttermischung
folgende Formulierung homogen eingebracht: 1.000 mg Guanidinoessigsäure, 400
mg Methionin, 2000 mg Cholin, 40 mg Magnesiumstearat, 25 mg Carboxymethylcellulose
und 135 mg Lactose.
Beispiel 5: Stabilität
5.1: Die Stabilität von Kreatin und Guanidinoessigsäure
wurde unter Bedingungen verglichen, welche bei der Herstellung von industriell hergestellten
Fertigfutter auftreten. Hierzu wurde ein Modellsystem für das extrudieren einer
feuchten Futtermasse bei 160°C verwendet. Guanidinoessigsäure und Kreatin
wurden in Wasser gelöst (pH 7) und im Autoklaven für 30 Minuten auf 160°C
erhitzt. Anschließend wurde der Gehalt an Kreatin und Guanidinoessigsäure
bestimmt. Die Geschwindigkeit der Cyclisierungsreaktion von Kreatin zu Kreatinin
und von Guanidinoessigsäure zu Glycocyamidin ist ausschließlich vom pH-Wert
und der Temperatur abhängig, jedoch völlig unabhängig von der Konzentration.
5.2: Die Stabilität von Kreatin und Guanidinoessigsäure
wurde in Wasser bei pH 5 untersucht. Diese Bedingungen sind mit der Lagerung in
Dosenfutter (75–85% Wassergehalt) vergleichbar. Es konnte gezeigt werden,
dass Guanidinoessigsäure eine deutlich bessere Lagerstabilität als Kreatin
besitzt. Während bei Guanidinoessigsäure nach 60 Tagen kein Abbau zu beobachten
ist, wird Kreatin nur noch zu 87 % wiedergefunden.
Anspruch[de]
Fertigfutter für Haustiere, enthaltend mindestens eine Guanidinoessigsäure-Komponente
als ernährungsphysiologisch wirksamen Bestandteil.Fertigfutter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich um
Trocken-, Halbfeucht- und Nassfutter insbesondere in Form von Dosenfutter, Pellets,
Biskuits, Kroketten, Nuggets, Flocken und Snacks handelt.Fertigfutter nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass sie einen Wasser-Gehalt > 8 Gew.-%, vorzugweise von > 10 Gew.-% und insbesondere
zwischen 20 und 80 Gew.-% aufweist.Fertigfutter nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass sie als Guanidinoessigsäure-Komponente Guanidinoessigsäure und/oder
mind. ein Salz, eine Anlagerungs- oder Komplexverbindung davon enthält.Fertigfutter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
dass es sich bei der Guanidinoessigsäure-Komponente um Verbindungen zwischen
Guanidinoessigsäure und Äpfelsäure, Asparaginsäure, Ascorbinsäure,
Bernsteinsäure, Brenztraubensäure, Fumarsäure, Glukonsäure,
&agr;-Ketoglutarsäure, Oxalsäure, Pyroglutaminsäure, 3-Nicotinsäure,
Milchsäure, Zitronensäure, Maleinsäure, Schwefelsäure, Essigsäure,
Ameisensäure, 2-Hydroxybenzoesäure, L-Carnitin, Acetyl-L-Carnitin, Taurin,
Betain, Cholin, Methionin und Liponsäure sowie Natrium, Kalium oder Calcium
handelt.Fertigfutter nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass sie die Guanidinoessigsäure-Komponente in gelöster Form enthält.Fertigfutter nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass sie die Guanidinoessigsäure-Komponente
in einer max. Menge von 4 g/l Wasser und vorzugsweise 1,0 bis 3,0 g/l Wasser enthält.Fertigfutter nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass sie die Guanidinoessigsäure-Komponente in Mengen von 0,01 bis 20 Gew.-%
und insbesondere in Mengen von 0,1 bis 1 Gew.-% und besonders bevorzugt 0,5 Gew.-%
enthält.Fertigfutter nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
dass sie als Methyl-Gruppendonor Cholin und/oder Betain enthält.Fertigfutter nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet,
dass es für Fleischfresser und insbesondere für Katzen
und Hunde verwendet wird.