Es werden eine verschleißbeständige Messinglegierung sowie ein hieraus gefertigter Synchronring (10) angegeben. Die Messinglegierung umfasst 55-68 Gew.-% Kupfer, 0-6 Gew.-% Aluminium, 2-14 Gew.-% Mangan, 0,5-3 Gew.-% Phosphor, 0-1 Gew.-% Blei, unvermeidbare Verunreinigungen sowie als Rest Zink.
Beschreibung[de]
Die Erfindung bezieht sich auf eine verschleißbeständige
Messinglegierung sowie auf einen hieraus gefertigten Synchronring.
Für Kupplungen, Bremsen oder Getriebe werden in der Automobiltechnik
häufig Reibpartner aus Metall eingesetzt. In einem mechanischen Getriebe werden
insbesondere metallische Synchronringe eingesetzt, die während eines Gangwechsels
die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Getriebewelle und Gangrad aufeinander
synchronisieren. Insbesondere in Getrieben für hoch motorisierte Fahrzeuge
unterliegen die Synchronringe aufgrund der hohen Reibbelastung einem erhöhten
Verschleiß. Gleiches gilt für automatisch beschaltete Getriebe, bei denen
hohe Schaltkräfte zur Anwendung kommen. Bevorzugt werden Synchronringe aus
einer Messinglegierung gefertigt.
Eine verschleißbeständige Messinglegierung für einen
Synchronring ist beispielsweise aus der DE
37 35 783 C1 bekannt.
Es ist Aufgabe der Erfindung, eine verschleißbeständige
Messinglegierung anzugeben, die sich insbesondere für einen Synchronring eignet.
Weiter ist es Aufgabe der Erfindung, einen verschleißbeständigen Synchronring
anzugeben.
Die erstgenannte Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst
durch eine Messinglegierung umfassend 55–68 Gew.-% Kupfer, 0–6 Gew.-%
Aluminium, 2–14 Gew.-% Mangan, 0,5–3 Gew.-% Phosphor, 0–1 Gew.-%
Blei, unvermeidbare Verunreinigungen sowie als Rest Zink.
Umfangreiche Untersuchungen haben ergeben, dass eine Messinglegierung
mit den angegebenen Anteilen an Mangan und Phosphor einen hohen Verschleißwiderstand
aufweist und sich aufgrund der für einen Gießvorgang geeigneten Viskosität
ihrer Schmelze auch großtechnisch herstellen lässt. Die Härtewerte
der Messinglegierung mit den angegebenen Komponentenanteilen bewegen sich in einem
Bereich zwischen 168 und 229 HB (gemessen nach DIN EN ISO 6506).
Mit den erreichten Härtewerten und Verschleißwiderständen
ist die beanspruchte Messinglegierung geeignet, als Synchronring auch höheren
Belastungen in einem Getriebe standzuhalten. Für Synchronringe eingesetzte
vergleichbare Messinglegierungen gemäß Stand der Technik weisen Verschleißwiderstände
zwischen 400 und 600 km/g bei ähnlichen Härtewerten auf.
Überraschend hat es sich weiter gezeigt, dass die angegebene
Messinglegierung eine hohe Verschleißbeständigkeit auch unter den in Getrieben
aufgrund der gesteigerten Beanspruchung oft eingesetzten hochadditivierten Getriebeöle
aufweist. In Getriebeölen enthaltene Additive können nämlich Auswirkungen
auf die Verschleißbeständigkeit der für den Synchronring eingesetzten
Messinglegierung haben.
Ein Synchronring kann aus der angegebenen Messinglegierung in bekannter
Weise durch Gießen, Strangpressen und Schmieden sowie gegebenenfalls Nachglühen
hergestellt werden.
Blei kann ohne störenden Einfluss bis zu einem Anteil von 1 Gew.-%
enthalten sein oder beigemengt werden, um die Zerspanbarkeit zu verbessern. Zur
Herstellung der Messinglegierung können insofern Messinge aus einem Recycling-Rücklauf
verwendet werden. Diese enthalten in der Regel einen gewissen Anteil an Blei.
Für das Gießen der Messinglegierung ist das Entstehen einer
zähflüssigen Schmelze hinderlich. Ebenso ist eine vermehrte Schlackenbildung
zu vermeiden, da diese aufwändig entfernt werden muss. Es hat sich gezeigt,
dass sich die Zähigkeit der Schmelze und die Schlackenbildung verringern lässt,
wenn der Messinglegierung Aluminium zugesetzt wird oder eher ein geringer Phosphoranteil
enthalten ist. Dabei kann ein höherer Phosphoranteil durch einen höheren
Gehalt an Aluminium ausgeglichen werden. Für eine hohe Verschleißbeständigkeit
bei guter Gießbarkeit umfasst die Messinglegierung vorteilhafterweise 3–6
Gew.-% Aluminium, 8–14 Gew.-% Mangan und 1,5–3 Gew.-% Phosphor.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung hinsichtlich der Verschleißbeständigkeit
und hinsichtlich einer großtechnischen Herstellung umfasst die Messinglegierung
vorteilhafterweise 59–64 Gew.-% Kupfer, 3–4 Gew.-% Aluminium, 9–11
Gew.-% Mangan und 1,9–2,5 Gew.-% Phosphor.
Es hat sich weiter gezeigt, dass es für die Verschleißbeständigkeit
und Härte der Messinglegierung vorteilhaft ist, wenn der Anteil der &bgr;-Phase
des Kupfer-Zink-Gemisches im Gefüge zwischen 40 und 50% beträgt. In der
&bgr;-Phase verteilen sich die Kupfer- und Zink-Atome gemäß einer Cäsium-Chlorid-Struktur
auf die Gitterplätze eines kubisch raumzentrierten Gitters.
Weiter hat es sich als vorteilhaft hinsichtlich der gewünschten
Eigenschaften herausgestellt, wenn in einem Querschnitt der Messinglegierung der
Flächenanteil der intermetallischen Phasen im Gefüge zwischen 11% und
17% beträgt. Die intermetallischen Phasen, wie z.B. Mangan-Phosphide, sind
dabei in einer Matrix der Kupfer-Zink-Legierung eingebettet.
Insbesondere zeigt die Messinglegierung einen vorteilhaften Verschleißwiderstand,
wenn die intermetallischen Phasen im Gefüge überwiegend eine gestreckte,
längliche Form besitzen.
Die zweitgenannte Aufgabe hinsichtlich eines Synchronrings wird erfindungsgemäß
durch einen Synchronring gelöst, der aus einer Messinglegierung besteht, die
55–68 Gew.-% Kupfer, 0–6 Gew.-% Aluminium, 2–14 Gew.-% Mangan,
0,5–3 Gew.-% Phosphor, 0–1 Gew.-% Blei, unvermeidbare Verunreinigungen
sowie als Rest Zink umfasst. Der Synchronring wird – wie bereits erwähnt
– aus der Messinglegierung durch Gießen, Strangpressen, Schmieden sowie
gegebenenfalls Nachglühen hergestellt.
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden durch die nachfolgenden
Beispiele sowie durch eine Zeichnung näher erläutert. Dabei zeigt:
1 in einem Diagramm den Verschleißwiderstand einer
beispielhaften Messinglegierung in verschiedenen Getriebeölen und
2 einen Synchronring für ein mechanisches Getriebe.
Als Ausführungsbeispiele für die angegebene Messinglegierung
wurden insgesamt vier Versuchslegierungen unterschiedlicher Zusammensetzung hergestellt.
Für realistische Messergebnisse wurde hierbei die Herstellung
eines Synchronringes simuliert. Dabei wurden zunächst die einzelnen Legierungskomponenten
mit den gewünschten Anteilen aufgeschmolzen und die entstandene Schmelze bei
einer Temperatur zwischen 1.020 und 1.060°C mit einem Durchmesser von 35 mm
in Sand gegossen. Anschließend wurde das Gussstück auf einen Durchmesser
von 24 mm abgedreht. In einem weiteren Schritt wurde ein Strangpressen durch eine
Warmverformung des abgedrehten Gussstückes von einem Durchmesser von 24 mm
auf einen Durchmesser von 12 mm bei einer Temperatur zwischen 700 und 750°C
simuliert. Weiter wurde das Schmieden des Synchronrings durch Stauchen von aus dem
vorbehandelten Gussstück hergestellten 2 cm hohen Zylindern auf 1 cm bei einer
Temperatur von ca. 750°C simuliert. Abschließend wurden die gestauchten
Zylinder bei einer Temperatur von 275°C für fünf Stunden geglüht.
Die Zusammensetzung der vier derart hergestellten Versuchslegierungen
wird aus der nachfolgenden Tabelle 1 ersichtlich. Dabei sind die Anteile der einzelnen
Legierungskomponenten jeweils in Gew.-% aufgeführt.
Tabelle 1
Die nach DIN EN ISO 6506 jeweils bestimmte Härte der Versuchslegierungen
kann Tabelle 2 entnommen werden.
Tabelle 2
Aus den ermittelten Härtewerten wird ersichtlich, dass sich die
angegebene Messinglegierung für einen Einsatz unter hohen Belastungen als Synchronring
in einem Getriebe eignet. Die Härtewerte entsprechen denjenigen Härtewerten
vergleichbarer, für Synchronringe bereits eingesetzter Messinglegierungen.
Beispiel 1:
In einem ersten Versuch wurde der Verschleißwiderstand der Versuchslegierungen
bei gleichzeitigem Einsatz zweier Getriebeöle untersucht. Als Getriebeöle
wurde ein synthetisches Öl der Viskositätsklasse SAE75 der Klassifikation
API GL4 (Öl 1) und ein synthetisches Öl der Viskositätsklasse SAE75W85
der Klassifikation API GL4 (Öl 2) verwendet. Bei nach API (American Petrol
Institute) klassifizierten Getriebeölen geben die GL-Klassen den Anwendungsbereich
an. Getriebeöle der Klasse GL4 und GL5 sind beispielsweise für Kfz üblich.
Die Bezeichnungen SAExx–Wyy charakterisieren die Viskositätsklasse von
Getriebeölen.
Der Verschleißwiderstand der Versuchslegierungen wurde jeweils
in km/g in einer Reichert-Verschleißwaage mit einer Gleitgeschwindigkeit von
1,6 m/sek und einer Belastung von 52 N/mm2 nach einer insgesamt gelaufenen
Strecke von 2.500 m bestimmt. Hierbei wird ein Messingstift aus der jeweiligen Versuchslegierung
mit einem Durchmesser von 2,7 mm mit der angegebenen Belastung auf einen umlaufenden
Stahlring gedrückt. Das jeweilige Getriebeöl wurde auf den Stahlring aufgebracht.
Die Messungen wurden jeweils bei einer Öltemperatur von 90°C durchgeführt.
Als Vergleichslegierung wird eine aus der DE
37 35 783 C1 entnehmbare, bekanntermaßen verschleißbeständige
Messingegierung der Zusammensetzung 55 Gew.-% Kupfer, 6,8 Gew.-% Nickel, 3,7 Gew.-%
Aluminium, 2,3 Gew.-% Silizium, 0,8 Gew.-% Eisen, einem Rest Zink sowie unvermeidbare
Verunreinigungen herangezogen. Der Verschleißwiderstand der Vergleichslegierung
wurde in gleicher Weise wie der der Versuchslegierungen ermittelt. In Tabelle 3
sind die ermittelten Werte des jeweiligen Verschleißwiderstandes der Versuchslegierungen
in % des ermittelten Verschleißwiderstands der Vergleichslegierung dargestellt.
Tabelle 3
Es ergibt sich überraschend, dass die Versuchslegierungen bei
einer Messung mit Getriebeölen gegenüber einer bekanntermaßen verschleißbeständigen
Vergleichslegierung einen deutlich erhöhten Verschleißwiderstand aufweisen.
Diese vorteilhafte Eigenschaft ist durch die angegebenen Merkmale der beschriebenen
Messinglegierung gewährleistet.
Beispiel 2:
In einem weiteren Versuch wird der Verschleißwiderstand der Versuchslegierung
3, wie in Beispiel 1 angegeben, für weitere Getriebeöle untersucht. Ebenfalls
wird der Verschleißwiderstand für die in Beispiel 1 erwähnte Vergleichslegierung
unter Verwendung dieser Getriebeöle ermittelt.
Die Getriebeöle wiesen folgende Charakteristik auf:
Öl 3:
SAE75W-80, mineralisch; API GL4
Öl 4:
SAE80W-90, mineralisch; API GL3
Öl 5:
SAE75W; synthetisch, API GL4
Öl 6:
SAE75W, teilsynthetisch, API GL4
Öl 7:
ATF bzw. Automatiköl
In 1 sind die ermittelten Verschleißwiderstände
der Versuchslegierung 3 in % relativ zu dem jeweils ermittelten Verschleißwiderstand
der Vergleichslegierung jeweils für die verschiedenen Öle dargestellt.
Dabei ist der prozentuale Verschleißwiderstand entlang der Y-Achse aufgetragen.
Die verschiedenen Öle sind entlang der X-Achse angeordnet. Der für die
Vergleichslegierung ermittelte Verschleißwiderstand ist durch die 100%-Linie
gekennzeichnet. Man erkennt deutlich, dass die Versuchslegierung 3 in allen untersuchten
Getriebeölen einen gegenüber der Vergleichslegierung deutlich erhöhten
Verschleißwiderstand aufweist. Die angegebene Messinglegierung kann somit insbesondere
für die hohen Belastungen eines Synchronringes in einem Getriebe eingesetzt
werden, wie sie sich in der Realität ergeben.
In 2 ist ein Synchronring 10
dargestellt, der durch Schmieden aus einer angegebenen Messinglegierung hergestellt
ist. Am Außenumfang 11 des Synchronrings 10 sind Zähne
12 angebracht, die während des Synchronisiervorgangs zwischen dem
Gangrad und der Getriebewelle eines Getriebes mit einer Schiebemuffe in Wirkverbindung
stehen. Am Innenumfang 13 des Synchronrings 10 befindet sich eine
konische Reibfläche 14, die während des Schaltvorgangs mit einer
konischen Gegenfläche des Gangrades in Kontakt gerät. Durch die Reibung
der Reibpartner wird deren Relativgeschwindigkeit zueinander verringert, wodurch
schließlich eine Synchronisation stattfindet. Nach erfolgter Synchronisation
kann die Schiebemuffe durch die Zähne 12 des Synchronrings
10 hindurchgleiten, wodurch eine formschlüssige Verbindung zwischen
der Antriebs- und der Abtriebswelle des Getriebes hergestellt wird.
10
Synchronring
11
Außenumfang
12
Zähne
13
Innenumfang
14
Reibfläche
Anspruch[de]
Messinglegierung umfassend 55–68 Gew.-% Kupfer, 0–6 Gew.-%
Aluminium, 2–14 Gew.-% Mangan, 0,5–3 Gew.-% Phosphor, 0–1 Gew.-%
Blei, unvermeidbare Verunreinigungen sowie als Rest Zink.Messinglegierung nach Anspruch 1, wobei 3–6 Gew.-% Aluminium,
8–14 Gew.-% Mangan und 1,5–3 Gew-% Phosphor umfasst sind.Messinglegierung nach Anspruch 1 oder 2, wobei 59–64 Gew.-% Kupfer,
3–4 Gew.-% Aluminium, 9–11 Gew.-% Mangan und 1,9–2,5 Gew.-%
Phosphor umfasst sind.Messinglegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
im Gefüge der Anteil der &bgr;-Phase zwischen 40 und 50% beträgt.Messinglegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
in einem Querschnitt der Flächenanteil der intermetallischen Phasen im Gefüge
zwischen 11 und 17% beträgt.Messinglegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die intermetallischen Phasen im Gefüge überwiegend eine gestreckte, längliche
Form besitzen.Synchronring (10) aus einer Messinglegierung nach einem der
vorhergehenden Ansprüche.