Gebiet der Erfindung
Die vorliegende Erfindung betrifft ganz allgemein verbesserte Refraktärmetallplatten
zur Verwendung als Kathodenzerstäubungstargets sowie für weitere Anwendungszwecke
zur Bildung einer Platte mit hoher Reinheit, feinteiliger Korngröße, hoher
Festigkeit und einheitlich texturierter Struktur.
Hintergrund der Erfindung
Kathodenzerstäubungstargets werden in Plasma-Kathodenzerstäubungsverfahren
zur Erzeugung dünner Metallfilme verwendet, die auf verschiedenen Anwendungsgebieten,
z.B. als Oberfläche, auf der Dampfblasen in einem Tintenstrahl-Drucker gebildet
werden, und des Weiteren als Sperrschicht zwischen Kupfer und Silicium in integrierten
Schaltkreisen zum Einsatz gelangen. Dünne Filme aus Tantaloxid sind auch z.B.
in Wellenlängen-Multiplex(WDM)-Vorrichtungen und, potentiell, in elektrischen
Kondensatoren von praktischem Nutzen.
Refraktärmetall-Kathodenzerstäubungstargets stellen ein
breiteres Bedarfsgebiet für eine mikrostrukturelle Einheitlichkeit in Refraktärmetallplatten
dar. Bei gemäß dem Stand der Technik hergestellten Targets verursachte
die Heterogenität der Textur, die in mit bekannten Verfahren hergestellten
Kathodenzerstäubungstargetplatten vorgefunden wird, eine nicht voraussagbare
Kathodenzerstäubungsrate (definiert als Zahl der Metallatome, die auf das Substrat
pro Aufprall-Kathodenzerstäubungsgas, wie einem Argon-Ion, kathodenzerstäubt
werden). Auch verursacht die Texturheterogenität eine Richtungsheterogenität,
in welcher die kathodenzerstäubten Atome das Target wieder verlassen.
Die nicht gegebene Voraussagbarkeit der Kathodenzerstäubungsrate
und Kathodenzerstäubungsrichtung verursacht eine Dickenabweichung des von Punkt
zu Punkt auf dem Substrat erzeugten Films sowie auch eine Abweichung der Durchschnittsdicke
des auf dem Substrat von Substrat zu Substrat und von Target zu Target erzeugten
Films.
In vielen Kathodenzerstäubungsanwendungen ist die Dicke des Films
von erstrangiger Bedeutung und bedarf einer engen Steuerung. In integrierten Schaltkreisen
ergibt beispielsweise ein zu dünner Film keine Sperre, und ein zu dicker Film
blockiert ein Kontaktloch (via) oder ein Einschnitt (trench). In WDM-Vorrichtungen
muss die Tantaloxid-Schichtdicke sehr nahe an 1/4 der Wellenlänge des hindurchgehenden
Lichts liegen. Liegt die Dicke des abgeschiedenen Films nicht innerhalb des vom
Konstrukteur spezifizierten Bereichs, ist die Vorrichtung nicht einsatzfähig,
und die Gesamtkosten der Herstellung bis hin zum Punkt der Testphase sind verloren,
da keine Reparatur oder erneute Bearbeitung im Normalfall möglich ist.
Der wesentliche Punkt der Kathodenzerstäubungsleistung, der nur
schwer zu erzielen ist, besteht in der Einheitlichkeit der Dicke des auf dem Substrat
über seine Gesamtfläche erzeugten Dünnfilms, der gewöhnlich
die gleiche, aber etwas kleinere Form wie das Target aufweist. In typischer Weise
verlaufen das Target und das Substrat parallel. Die Dicke des Dünnfilms an
jedem gegebenen Punkt ist das Ergebnis der Atome, die an diesem Punkt gelandet sind.
Die meisten dieser Atome werden von einer Kreisfläche des Target gekommen sein,
die direkt gegenüber dem gegebenen Punkt zentriert vorliegt. Die Kreisfläche
auf dem Target liegt in der Größenordnung eines Radius von 1 cm. Ist die
Kathodenzerstäubungsrate eines solchen Kreises die gleiche, wo auch immer der
Kreis auf der Oberfläche des Targets liegt, wird ein Dünnfilm perfekt
einheitlicher Dicke abgeschieden, es sei denn, es stellen sich Merkmale der Ausrüstung
oder ihres Betriebsablaufs ein, die eine Nicht-Einheitlichkeit verursachen.
Die Kathodenzerstäubungsrate eines solchen Kreises, die als die
Durchschnittszahl der daraus pro Sekunde kathodenzerstäubten Atome definiert
ist, ist das Integral der Zahl der Atome, die aus jedem Korn innerhalb des Kreises
kathodenzerstäubt werden. Körner mit unterschiedlichen Orientierungen
kathodenzerstäuben mit unterschiedlichen Raten. Wird somit ein Kreis Nr. 1
vorwiegend aus Körnern einer Orientierung A erstellt, worin A eine Langsam-Kathodenzerstäubungsorientierung
darstellt, weist dieser eine langsamere Kathodenzerstäubungsrate als ein Kreis
Nr. 2 auf, falls dieser Kreis Nr. 2 hauptsächlich aus Körnern einer Orientierung
B erstellt ist, worin B eine Schnell-Kathodenzerstäubungsorientierung darstellt.
Ist allerdings jeder Kreis aus dem gleichen Gemisch von Körnern (z.B. aus vorwiegend
A oder als weiteres Beispiel aus einem konstanten Gemisch von Körnern mit Orientierung
A und Körnern mit Orientierung B), verbessert sich die Kathodenzerstäubungsleistung.
Daher ergibt eine einheitliche Textur eine besser gesteuerte Filmdicke, weil die
Kathodenzerstäubungsrate besser vorhersagbar ist.
Gemäß US 6,331,233
von Turner wird eine einheitliche Textur über die Plattendicke hinweg von der
äußeren Kante bis zum Zentrum der Platte gewährleistet. Allerdings
verläuft die Spannungshistorie des Materials am Zentrum unterschiedlich zu
der an der Kante. Der Unterschied tritt während "Deformationsstufe 2" auf,
wenn das Material stauch-geschmiedet wird. Beim Stauch-Schmieden erlangt das Material
an der Kante oder an einem hohen Radius ein gemäßigtes Spannungsniveau.
Am Zentrum der Platte oder am niedrigen Radius erlangt das Material ein niedriges
Spannungsniveau in der Nähe der oberen oder unteren Oberfläche
und ein hohes Spannungsniveau bei mittiger Dicke. Sogar nach dem Glühen, Walzen
und erneuten Glühen wäre zu erwarten, dass der Spannungsunterschied die
Textur beeinflusst.
Sogar mit einer Kathodenzerstäubungsausrüstung gemäß
dem modernsten Stand der Technik ist es unmöglich, die Dickenabweichung des
dünnen Films von einem Punkt auf dem Substrat zu einem anderen mit Targets
mit nicht-einheitlichen Eigenschaften zu steuern. Teilweise, aber nicht insgesamt,
ist eine Steuerung der Dickenabweichung von Substrat zu Substrat und von Target
zu Target bei Verwendung von Teststücken möglich. Allerdings ist die Verwendung
von Teststücken zeit- und kostenaufwendig. Die Anwendung von Schmiedetechniken,
wie von Stauch- und Rückschmieden, mit Umkristallisationswärmebehandlungen,
die ausufernde Arbeit bedingen, wodurch allerdings die Homogenität der Mikrostruktur
verbessert wird, ist gut bekannt. Jedoch sind derartige technische Vorgehensweisen
anfällig, verschiedene Typen von Defekten im bearbeiteten Metall, z.B. Sprünge,
Falten und Missbildungen, zu verursachen, von denen ein jeder den Anteil des bearbeiteten
Metalls, welcher als Target einsetzbar wäre, herabsetzt (d.h., die Ausbeute
sinkt ab). Die Neigung des Materials zum Bruch wird oft dadurch herabgesetzt, dass
es auf eine Temperatur von 500°F (260°C) bis 600°F (316°C) für
die Schmiedeabläufe erhitzt wird, wobei aber eine derartige Erhitzungsstufe
teuer ist, das Werkstück schwerer handhabbar macht (so dass seine Endform weiter
entfernt von der gewünschten Form ist) und zu einem Anstieg des Sauerstoffgehalts,
insbesondere nahe der Oberfläche, führen kann. Auch ergeben weitere Schmiedetechniken
(jene, die ganz allgemein als Stauch-Stabschmieden bekannt sind) Erzeugnisse mit
einer Textur, das, obwohl axi-symmetrisch, beim Radius vom Zentrum zur Kante abweicht.
Die Anwendung von Pulver-Metallurgietechniken zur Erzielung einer einheitlichen
Textur ist ebenfalls bekannt. Allerdings sind diese Techniken generell nicht bevorzugt,
weil damit höhere Kosten verbunden sind und konsolidierte Pulverteile Leerstellen
und nicht-metallische Einschlüsse enthalten können, die beide für
das Kathodenzerstäubungsleistungsvermögen unerwünscht sind.
Für die Zwecke der Erfindung wird die Textur als einheitlich
beschrieben, wenn sich die Textur einer Fläche eines Gegenstands nicht messbar
von derjenigen einer weiteren Fläche des Gegenstands unterscheidet, mit der
Ausnahme von Erwartungen aus der statistischen Theorie. Die einheitliche Textur
hängt nicht von der Größe des Gegenstands oder der Größe
der Fläche ab.
Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Kathodenzerstäubungstarget,
mit dem die Voraussagbarkeit der Dicke der erzeugten Filme verbessert ist, bereitzustellen
und somit die Leichtigkeit des Einsatzes der Targets zu verbessern.
Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist es, Klassen von Tantal- und
Niob-Erzeugnissen gesteigerter mikrostruktureller Einheitlichkeit bereitzustellen
und Verfahren zur Herstellung derselben anzugeben.
Noch eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Kathodenzerstäubungstarget
bereitzustellen, das aus einer gegebenen Masse eines Tantal-Ingot hergestellt wird,
um somit die Kosteneffizienz des Verfahrens zu verbessern.
Die vorliegende Erfindung umfasst ein Verfahren zur Bildung von Kathodenzerstäubungstargets
und weiterer Plattenerzeugnisse aus Ingots von Refraktärmetallen erforderlicher
Reinheit, wobei das Ingot zu Stücken kurzer Länge geschnitten und die
Stücke entlang abwechselnder im Wesentlichen orthogonaler Bearbeitungsachsen
unter Druck bearbeitet werden. zwischenglühstufen werden nach Notwendigkeit
angewandt, um eine einheitliche Textur über das Target hinweg, einschließlich
des Zentrums, zu erstellen. Die einheitliche Textur ist ein konstantes Gemisch von
Körnern mit der Orientierung {100} und {111}, worin diese Zahlensätze
die Miller-Indices des Satzes einer kristallografischen Ebene bezeichnen, die parallel
oder nahezu parallel zur kathodenzerstäubten Oberfläche verläuft.
Das konstante Gemisch der Kornorientierung verbessert dadurch das Kathodenzerstäubungsleistungsvermögen
durch Erstellung einer besser voraussagbaren Kathodenzerstäubungsrate zur Steuerung
der Filmdicke.
Die Erfindung betrifft eine Refraktärmetallplatte, umfassend
eine Dickenausdehnung, ein Zentrum und eine Kante, wobei das Metall aus der Gruppe
aus Tantal und Niob ausgewählt und eine Reinheit von mindestens 99,99 % aufweist,
die Platte eine Korngröße von weniger als ca. 40 &mgr;m und eine Textur
aufweist, die sowohl durch die genannte Dicke hindurch als auch vom genannten Zentrum
zur genannten Kante einheitlich ist, und worin ferner die genannte Refraktärmetallplatte
aufweist:
- i) ein konstantes Gemisch von Körnern mit Orientierung {100}- und {111}-Kristallografieorientierungen,
- ii) eine Verteilung der {100}- und {111}-Kristallografieorientierungen, die
um weniger als 30 % über die Oberfläche einer Ebene der genannten Refraktärmetallplatte
abweicht, wobei die genannten Ebenen aus Ebenen, die senkrecht zur Dicke der genannten
Refraktärmetallplatte verlaufen, und aus Ebenen ausgewählt sind, die diagonal
zur Dicke der genannten Metallplatte verlaufen, sowie
- iii) eine Verteilung der {100}- und {111}-Kristallografieorientierungen, die
um weniger als 30 % über jede Dicke der genannten Refraktärmetallplatte
abweicht.
Die Refraktärmetallplatte ist mit einem Verfahren erhältlich,
wobei geschmiedet, gewalzt und geglüht wird.
Spezifischer, umfasst die Refraktärmetallplatte gemäß
der Erfindung ein Metall, das aus der Gruppe, bestehend aus Tantal, Tantallegierungen,
Niob und aus Nioblegierungen, ausgewählt ist und eine Reinheit von vorzugsweise
mindestens 99,999 % aufweist. Bevorzugte Kathodenzerstäubungstargets umfassen
die Refraktärmetallplatte gemäß der Erfindung; die Erfindung betrifft
somit auch die Verwendung der Refraktärmetallplatte gemäß der Erfindung
als Kathodenzerstäubungstarget.
Außerdem wird durch die vorliegende Erfindung ein Verfahren angegeben
und zur Verfügung gestellt, womit ein Refraktärmetallmaterial hoher Reinheit
erzeugt wird, das eine einzigartige Kombination aus feiner Kornstruktur und einheitlicher
Textur aufweist.
Die Erfindung betrifft somit auch das Verfahren zur Erzeugung von
Refraktärmetallplatten, worin das Metall aus der Gruppe aus Tantal, Tantallegierungen,
Niob und aus Nioblegierungen ausgewählt ist und eine Reinheit von mindestens
99,99 % mit feiner metallurgischer Struktur und einheitlicher Textur aufweist, wobei
das Verfahren umfasst:
- a) Bereitstellen eines Refraktärmetall-Ausgangsstücks;
- b) Absenken der Länge des Refraktärmetall-Ausgangsstücks zur
Bildung eines ersten Werkstücks durch Schmieden des Blocks auf eine gewünschte
Blockdicke mit ca. 35 bis 50 %iger Absenkung [erstes Schmieden 14];
- c) Umkristallisationsglühen des ersten Werkstücks bei einer ersten
Temperatur von mindestens 1.370°C;
- d) zweites Absenken des Durchmessers des ersten Werkstücks (Zug-Rückschmieden)
auf einen im Wesentlichen gleichen Durchmesser wie den des Refraktärmetall-Ausgangsstücks
zur Bildung eines zweiten Werkstücks;
- e) Umkristallisationsglühen des zweiten Werkstücks bei einer zweiten
Temperatur von mindestens 875°C;
- f) Wiederholen der Stufen b) bis e) gemäß Notwendigkeit zur Erstellung
einer gewünschten Kornstruktur und Textureinheitlichkeit;
- g) drittes Absenken des zweiten Werkstücks auf eine erste Dicke zur Bildung
einer ersten Platte;
- h) viertes Absenken der ersten Dicke der ersten Platte durch Querwalzen auf
eine zweite Dicke zur Bildung einer zweiten Platte; und
- i) Umkristallisationsglühen der zweiten Platte bei einer Temperatur von
mindestens 875°C.
Im Verfahren gemäß der Erfindung können die Stufen
b) bis g) mindestens 1 Mal wiederholt werden.
Im Verfahren gemäß der Erfindung wird der Metallblock vorzugsweise
bei einer Temperatur unterhalb der Minimaltemperatur der Umkristallisation des genannten
Blocks geschmiedet. Im Verfahren gemäß der Erfindung umfasst der Metallblock
vorzugsweise ein Metall, das aus der Gruppe ausgewählt ist, die aus Tantal,
Tantallegierungen, Niob und aus Nioblegierungen besteht, wobei das genannte Metall
vorzugsweise eine Reinheit von mindestens 99,999 % aufweist.
Die Erfindung betrifft auch die Verwendung der mit dem Verfahren gemäß
der Erfindung hergestellten Refraktärmetallplatte als Kathodenzerstäubungstarget.
Der Erfindungsgegenstand ist auf Platten oder flache oder gekrümmte
Formen (einschließlich von Walzerzeugnissen zu zylindrischen oder halbkreisförmigen
oder gebogenen oder konischen Formen) anwendbar. Die Platten können in vorteilhafter
Weise wegen ihrer Mikrostrukturen und Korneinheitlichkeit als Kathodenzerstäubungs-,
Ofenteile, Raumfahrt- und Motorteile, als Erzeugnisse von Behältern und Stücken
für hoch korrosive chemische Umgebungen eingesetzt werden. Die Platten können
undurchbrochen oder mit Bohrungen versehen oder als expandierte Mesh-Erzeugnisse
(mit Schlitzen und an den Kanten gezogen) vorliegen und eingesetzt werden.
Weitere Gegenstände, Merkmale und Vorteile erschließen sich
aus der nun folgenden detaillierten Beschreibung bevorzugter Ausführungsformen
zusammen mit den beigefügten Zeichnungen, in denen das Folgende dargestellt
ist:
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
1 ist ein Fließschema des Verfahrens der vorliegenden
Erfindung;
2 ist eine Fotografie eines Tantal-Target, das gemäß
dem Verfahren der 1 hergestellt wurde;
3 und 4 sind ähnliche
Fotos von verwendeten Tantal-Targets, die mit einem grobkörnigen oder mit Banden
behafteten Texturmaterial hergestellt wurden;
5 ist eine vergrößerte Fotografie (400 &mgr;m
Maßstab), die die Kornorientierung in Abbildungsmikroskopschüssen eines
Teilquerschnitts eines Target veranschaulicht, worin die Orientierung jedes Korns
relativ zur Normalrichtung gemäß der vorliegenden Erfindung
dargestellt ist;
6 ist eine vergrößerte Fotografie (400 &mgr;m
Maßstab), die die Kornorientierung in Abbildungsmikroskopschüssen eines
Teilquerschnitts eines Target veranschaulicht, worin die Orientierung jedes Korns
relativ zur Innenebenenrichtung gemäß der vorliegenden Erfindung dargestellt
ist;
7 ist eine vergrößere Fotografie (500 &mgr;m
Maßstab), die die Kornorientierung in Abbildungsmikroskopschüssen eines
Teilquerschnitts eines Target veranschaulicht, worin die Orientierung jedes Korns
relativ zur Normalrichtung gemäß dem Stand der Technik dargestellt ist;
8 ist eine Fotografie, die eine Makro-geätzte
Oberfläche einer gemäß einem bekannten Stand der Technik gebildeten
Platte mit ihrer Nicht-Einheitlichkeit der OberflächenTextur veranschaulicht;
und
9 ist eine Fotografie, die eine Makro-geätzte
Oberfläche einer gemäß der vorliegenden Erfindung gebildeten Platte
mit ihrer Einheitlichkeit der OberflächenTextur veranschaulicht.
Detaillierte Beschreibung bevorzugter Ausführungsformen
Was nun 1 betrifft, startet die Praxis
einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung (Verfahrensstufen
10) mit einem (nicht dargestellten) Refraktärmetall-Ingot
11, bevorzugt mit einem Tantal-Ingot, das in typischer Weise einen Durchmesser
von ca. 20 cm (8'') und eine sehr hohe Reinheit, vorzugsweise von 99,999 % aufweist,
wobei sich der Gehalt an Verunreinigungen bereits für eine Endanwendung eignet.
Nach maschineller Reinigung der Oberfläche des Ingot wird dieses zu anfänglichen
Werkstücken 12 auf Längen mit dem 1,5- bis 3-Fachen ihres Durchmessers
oder auf ungefähr 30 bis 60 cm (12 bis 24 inches) geschnitten. Im ersten Schmiedevorgang
(Stufe 14) wird jedes anfängliche Werkstück 12 entlang
seiner Längsachse um 35 bis 50 % zur Bildung eines ersten geschmiedeten Werkstücks
16 verkürzt. Das erste geschmiedete Werkstück 16 wird
dann bei 1.370°C im Vakuum oder in Inertgas geglüht (Stufe 18),
um eine Umkristallisation zur Erzeugung einer zweiten Werkstücksform
20 zu verursachen. Der zweite Schmiedevorgang (Stufe 22) wird
dann durchgeführt, um die zweite Werkstücksform 20 in der Längsachse
im Wesentlichen zurück auf ungefähr den Durchmesser des anfänglichen
Werkstücks 12 in einem Bereich von 80 bis 120 % des Durchmessers des
anfänglichen Werkstücks 12 zu schmieden. Die zweite Werkstücksform
20 wird auf ihre Seiten gelegt, und es werden flache oder gekrümmte
Matrizen, wie Gesenkschmiede-Matrizen ("swaging dies"), eingesetzt, um im zweiten
Schmiedevorgang (Stufe 22) unter Zugspannung die zweite Werkstücksform
20 zur Bildung einer dritten Werkstücksform 24 rückzuschmieden.
Dies erfolgt unter hinreichend großer Krafteinwirkung, um die Ursprungsform
des anfänglichen Werkstücks 12 im Wesentlichen zurückzugewinnen.
Die zweite Werkstücksform 20 wird zwischen den Schmiedezyklen zur
ebenen Kaltbearbeitung hin- und herbewegt, um einen konstanten Spannungszustand
durch das Stück hindurch zu induzieren. Alle Schmiedevorgänge werden bei
Raumtemperatur durchgeführt, wobei natürliche Erwärmungen der Werkstücke
zugelassen sind. Allerdings ist es bevorzugt, dass die Werkstücke 800°F
(ca. 400°C) nicht übersteigen. Alle Schmiedevorgänge werden vorzugsweise
auf einer Presse, eher als mit einem Hammer, durchgeführt, um die Spannungsrate
zu verringern und eine bessere Steuerung der Werkstücksform zu ermöglichen.
Die dritte Werkstücksform 24 wird bei mindestens 875°C für
Tantal und seine Legierungen im Vakuum oder in Inertgas geglüht (Stufe
26), um zu einer vierten Werkstücksform 28umzukristallisieren.
Der Stauch-Schmiede-Rück-Zyklus (Stufen 14 und 22) können
so oft wie nötig wiederholt werden, um die einheitliche Textur der Platte zu
implementieren.
Gegebenenfalls zur Raffinierung der Mikrostruktur oder nötigenfalls
zur Vermeidung von Sprüngen oder Brüchen oder übermäßiger
Pressbelastungen können weitere zusätzliche Glühbehandlungen bei
niedrigerer Temperatur wie von 1.065°C an jedem Punkt während des Schmiedeverfahrens
angewandt und durchgeführt werden.
In einem dritten Schmiedevorgang (Stufe 30), vorzugsweise
durch seitliches Schmieden, wird die vierte Werkstücksform 28 verflacht,
um Stabplatten 32 mit vorzugsweise einer Dicke von ungefähr 10 cm
(4'') zu bilden. Die Stabplatte wird quergewalzt (Stufe 34), um ihre Dicke
in typischer Weise auf ca. 0,6 bis ca. 1,2 cm (0,25 bis 0,5 inches) zur Bildung
der Platte 36 zu verkürzen. Das Querwalzen (Stufe 34) wird
so angeordnet und durchgeführt, dass eine annähernd gleichmäßige
Spannungsbelastung in zwei senkrechten Richtungen angelegt und ausgeübt wird.
Im Anschluss an die Querwalzstufe wird die Platte 36 bei relativ niedriger
Temperatur von 875 bis 1.065°C geglüht (Stufe 38), um die Platte
40 mit ihrer voll-umkristallisierten Feinkornstruktur und ihrer einheitlichen
Textur zu bilden. Anschließend wird die Komponentenform 42 aus der
Platte geschnitten und an eine Stützplatte gebunden, die in eine Kathodenzerstäubungsausrüstung
zur Anwendung als Kathodenzerstäubungstarget eingebaut wird.
In einer Ausführungsform der Erfindung gelangen vorzugsweise
2 Stauch-Schmiede-Rückstufen, die auf einer Presse durchgeführt werden,
sowie 1 Extra-Glühzyklus nach dem zweiten Stauch-Schmiede-Rückzyklus vor
der Verflachung zu einer Bramme zur Anwendung.
Die Effekte und Vorteile der Erzeugnisse und Verfahren der vorliegenden
Erfindung werden nun noch besser anhand der folgenden nicht-einschränkenden
Beispiele erläutert und dargestellt.
Beispiel 1
Dieses Beispiel veranschaulicht ein Erzeugnis, das mit einem herkömmlichen
Verfahren des Standes der Technik (Seiten-Schmieden und unidirektionales Walzen
eines Ingot-Abschnitts) hergestellt wurde und eine Durchschnittskorngröße
von 30 &mgr;m Linearabschnitt und eine Textur mit Bildung von Banden aufwies,
wie dargestellt in 7.
Beispiel 2
Eine Tantalplatte mit Normdicke und annähernd 99,99 % Reinheit
wurde mit einem bevorzugten Ausführungsverfahren der vorliegenden Erfindung
hergestellt, wie oben beschrieben und in 1 dargestellt.
Ein Tantal-Ingot von ca. 20 cm (8'') Durchmesser wurde zu Werkstücken mit ungefähr
dem 1,5- bis 3-Fachen des Ingot-Durchmessers geschnitten. Die Werkstücke werden
auf ca. 40 % ihrer Ursprungslänge stauch-geschmiedet und bei ca. 1.370°C
geglüht. Als Nächstes wurden die Werkstücke unter Zugspannungseinwirkung
auf ungefähr ihren Ursprungsdurchmesser von ca. 20 cm (8'') rückgeschmiedet,
erneut auf ca. 40 % ihrer Ursprungslänge stauch-geschmiedet, unter Zugspannungseinwirkung
auf einen Durchmesser von ca. 18 cm (7,25'') rückgeschmiedet und an der Atmosphäre
bei ca. 1.065°C geglüht. Die Werkstücke wurden zu einer Stabplatte
mit einer Dicke von ca. 10 cm (4'') Seiten-geschmiedet, zu einer Platte mit einer
Dicke von ca. 1,25 cm (0,500'') quergewalzt und an der Atmosphäre bei ca. 1.065°C
geglüht. Die entstandene Platte wies eine Durchschnittskorngröße
von 30 &mgr;m Linearabschnitt und eine einheitliche Textur ohne Bildung von Banden
auf, wie dargestellt in 5 und 6.
Beispiel 3
Dieses Beispiel betrifft eine Tantal-Platte, die mit dem gleichen
Verfahren wie von Beispiel 2, aber mit einem Tantal-Ingot von 99,999 % Reinheit
hergestellt war. Die entstandene Platte weist eine Durchschnittskorngröße
von 35 &mgr;m Linearabschnitt auf, und die Textur ist einheitlich ohne Bildung
von Banden.
Beispiel 4
Es sollte gut und erfolgreich durchführbar sein, das gleiche
Verfahren wie von Beispiel 2 anzuwenden, aber mit einem Tantal-Ingot mit einer Reinheit
von 99,999 % und bei einer niedrigereren Endglühtemperatur von ca. 875°C.
Die entstandene Platte würde eine Durchschnittskorngröße von 15 &mgr;m
Linearabschnitt wegen der niedrigereren Glühtemperatur und den niedrigereren
Verunreinigungsspiegeln aufweisen. Eine einheitliche Textur ist zu erwarten, da
mit dem Verfahren des Beispiels 2 eine Textur ohne die Bildung von Banden mit im
Wesentlichen dem gleichen Material belegt worden ist.
Beispiel 5
Es wäre gut und erfolgreich durchführbar, das gleiche Verfahren
wie von Beispiel 2 anzuwenden, aber mit einem Tantal-Ingot von 99,999 % Reinheit
und einer gewalzten Dicke von ca. 2 cm (0,800''). Die entstandene Platte würde
eine Durchschnittskorngröße von 38 &mgr;m Linearabschnitt aufweisen,
die Textur sollte einheitlich ohne Bildung von Banden sein, da mit der bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung eine Textureinheitlichkeit gewährleistet
ist, sogar wenn die beim Walzen ausgeübte Spannungsbelastung niedriger als
normal ist.
Beispiel 6
Es wäre gut und erfolgreich durchführbar, das gleiche Verfahren
wie von Beispiel 2 anzuwenden, aber mit einem Niob-Ingot von 99,99 % Reinheit. Die
Niob-Platte mit einer Dicke von ca. 1,25 cm (0,500'') sollte eine Durchschnittskorngröße
von 30 &mgr;m Linearabschnitt und eine einheitliche Textur ohne Bildung von Banden
auf der Grundlage der vergleichbaren Ergebnisse des Tantal aufweisen. Die Niob-Platte
sollte ähnlich wie die Tantal-Platte wegen ihrer ähnlichen physikalischen
charakteristischen Eigenschaften beschaffen und anwendbar sein.
Beispiel 7
Eine alternative Ausführungsform ersetzt das Verfahren mit den
Stauch-Zug-Rückschmiedeabläufen durch das gut bekannte Verfahren der Gleich-Kanal-Winkel-Extrusion
(Equal Channel Angular Extrusion = ECAE), siehe US
5,400,633, 5,513,512, 5,600,989 und die veröffentlichten US-Anmeldungen
20001/0 001 401, 2001/0 054 457, 2002/0 000 272 und 2002/0 007 880 von Segal et
al.. Das ECAE-Verfahren schließt 4 C-Typ-Durchläufe, Glühen bei 800°C,
4 C-Typ-Durchläufe und Glühen bei 800°C mit Tantal von 99,99 % Reinheit
ein. Das entstandene Erzeugnis weist eine Durchschnittskorngröße von 8
&mgr;m Linearabschnitt auf.
Die Einheitlichkeit der Mikrostruktur, z.B. Korngröße und
Textur, sind in 5 und 6
dargestellt, um deren verbesserte Kornorientierung gegenüber dem Stand der
Technik (einheitliche Muster ähnlicher statistischer Verteilung) aufzuweisen,
dargestellt in 7 (Inhomogenität mit nicht-statistischer
Verteilung). Ein weiterer Darstellungsweg der Einheitlichkeit beruht
darauf, die Makrostruktur einer Plattenoberfläche zu untersuchen, die sich
durch Ätzen in einer sauren Lösung mit Flusssäure enthüllt.
Das verbesserte Verfahren ist in 9 in Gegenüberstellung
zu dem in 8 dargestellten Verfahren des Standes der
Technik veranschaulicht.
Als Ergebnis der einheitlichen Textur weist die Oberfläche des
eingesetzten Kathodenzerstäubungstargets, wie dargestellt in 2,
ein einheitliches Aussehen im Gegensatz zum gesprenkelten Aussehen auf, das durch
grobe Körner oder Quirlmuster verursacht ist, die durch eine Textur unter Bildung
von Banden verursacht sind, wie dies bei gemäß dem Stand der Technik hergestellten
Targets üblich ist, dargestellt in 3 und
4. Insbesondere ist die Textur einheitlich über
die gesamte Platte und einheitlich durch die Dicke hindurch vom Zentrum der Platte
zur Plattenkante mit keiner Vorzugsrichtung innerhalb der Platte, wie vorwiegend
in {100} oder {111}. Die einheitliche Textur ist ein im Wesentlichen konstantes
Gemisch von {100}- und {111}-Kristallografieorientierungen. Die Verteilung der {100}-
und {111}-Kristallografieorientierungen in einer gegebenen Ebene der Platte (orthogonal
oder diagonal zur Dicke) weicht lediglich um weniger als 30 % quer zur Oberfläche
dieser Ebene ab, und die Abweichung quer zur Dicke macht lediglich weniger als 30
% aus. Platten einer Dicke von weniger als ca. 1,25 cm (0,5'') liegen vorwiegend
in {111} und Platten einer Dicke von mindestens ca. 1,25 cm (0,5'') liegen vorwiegend
in {100} vor. Außerdem veranschaulicht 2 das grobkörnige
Material, das mit den Verfahren des Standes der Technik in Zusammenhang steht.
Auch ist die einheitliche Textur mit einer feinen Korngröße
kombiniert, und zwar in typischer Weise mit ASTM 7 bis 8.8 bei Messung gemäß
Testmethode ASTM E112. Durch die vorliegende Erfindung werden Platten bis zu einer
Dicke von mindestens ca. 2 cm (8'') mit diesen wünschenswerten Eigenschaften
bereitgestellt. Im Stand der Technik verschlechterten sich die Einheitlichkeit der
Textur und der Korngröße sowie der Feingrad des Korns bei einer Dicke
von mehr als ca. 1,25 cm (0,5'').
Die Einführung einer ersten Zwischenglühstufe nach dem ersten
Stauch-Schmiedevorgang führt zu einer stark abgesenkten Neigung des Materials
zu Brüchen in den anschließenden Metallbearbeitungsabläufen. Sie
beseitigt auch die Notwendigkeit zur Erwärmung des Materials für anschließende
Schmiedevorgänge.
Der jeweilige Bezug auf Tantal und Niob schließt deren Legierungen,
einschließlich Tantal-Niob-Legierungen sowie weiterer jeweiliger Legierungen,
und auch Laminate und auch weitere Komposite der jeweiligen Metalle mit weiteren
Materialien ein. Die Erfindung lässt sich auch auf Formen und Verwendungen
dieser Metalle und deren Derivate (wie deren Oxide) sowie auf Verfahren zu deren
Herstellung anwenden. Die Verwendungen der Platten oder weiterer Formen der Metalle
schließen Kathodenzerstäubungstarget-Anwendungen ein, können aber
auch Direktanwendungen der Platten für chemische, medizinische, elektrische
und hochtemperaturbeständige Anwendungen (Ofenteile, Raumfahrtplatten, Turbinenblätter)
einschließen.