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Dokumentenidentifikation DE102006011858A1 20.09.2007
Titel Verfahren zur Herstellung von Druckprodukten und Bedruckstoff verarbeitende Maschine
Anmelder Heidelberger Druckmaschinen AG, 69115 Heidelberg, DE
Erfinder Pitz, Heiner, Dr., 69198 Schriesheim, DE
DE-Anmeldedatum 15.03.2006
DE-Aktenzeichen 102006011858
Offenlegungstag 20.09.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 20.09.2007
IPC-Hauptklasse B41F 23/08(2006.01)A, F, I, 20060315, B, H, DE
IPC-Nebenklasse B41F 23/00(2006.01)A, L, I, 20060315, B, H, DE   
Zusammenfassung Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung von Druckprodukten, wobei ein Bedruckstoff (111), beispielsweise ein Papierbogen, mit Druckfarbe bedruckt (300) wird, welche für das Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung, insbesondere NIR-Laserstrahlung, beispielsweise durch Zusatz von NIR-Absorbern vorgesehen ist, und die Druckfarbe unter Einsatz von Infrarotstrahlung getrocknet bzw. gehärtet (310) wird, zeichnet sich dadurch aus, dass das Druckprodukt (111) nach dem Bedrucken (300) und Trocknen (310) zumindest abschnittsweise derart nachbehandelt (320), insbesondere poliert, wird, dass ein beim Trocknen (310) unter Einsatz von Infrarotstrahlung entstandener Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen wird. In vorteilhafter Weise können die Druckprodukte folglich mit hohen Energiedichten getrocknet werden, ohne dass die Qualität der fertigen und daher nachbehandelten Druckprodukte herabgesetzt ist. Bei geeigneter Wahl der Nachbehandlungsparameter, insbesondere des Anstelldrucks einer Polierwalze, kann zudem eine wesentliche Veränderung der Eigenschaften des Bedruckstoffs, wie z. B. siner Dicke oder Dichte, verhindert werden.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren mit den Merkmalen des Oberbegriffs von Anspruch 1. Weiterhin betrifft die vorliegende Erfindung eine Bedruckstoff verarbeitende Maschine mit den Merkmalen des Oberbegriffs von Anspruch 7 sowie eine Bedruckstoff verarbeitende Maschine mit den Merkmalen des Oberbegriffs von Anspruch 10.

Gattungsgemäße Verfahren und Vorrichtungen werden insbesondere zum Herstellen von hochwertigen Druckprodukten eingesetzt, welche auf Grund des erzielten Trocknungsgrades ohne wesentlichen Zeitverzug weiterverarbeitet werden können. Derartige Verfahren und Vorrichtungen werden insbesondere in Bedruckstoffbogen verarbeitenden Maschinen, beispielsweise Papier- oder Kartonbogen verarbeitenden lithographischen Offsetdruckmaschinen eingesetzt.

Der nächst liegende Stand der Technik, die DE 102 34 076 A1, beschreibt ein NIR-Trocknungsverfahren, bei welchem Strahlung, insbesondere Laserstrahlung, einer Wellenlänge im nahen Infrarot auf einen Bedruckstoff gerichtet wird. Die Strahlung wird von einem Infrarotabsorberstoff in der Druckfarbe absorbiert, wodurch es zu einem Erwärmen und in der Folge zum Trocknen bzw. Härten der Druckfarbe kommt. Auch die Dokumente DE 103 16 472 A1 und DE 10 2004 020 454 A1 beschäftigen sich mit NIR-Trocknungsverfahren unter Einsatz von Lasern und Absorbern.

Bei der Lasertrocknung bzw. Laserhärtung von bedrucktem Bedruckstoff wird in Abhängigkeit der verwendeten Druckfarbe und des verwendeten Bedruckstoffs eine intensive Bestrahlung, beispielsweise Laserstrahlung vorzugsweise im Bereich einer Energiedichte von etwa 5000 bis etwa 12500 J/m2, eingesetzt, um in kurzer Zeit hohe Trocknungsgrade zu erzielen. Dabei wird jedoch durch die Einwirkung der Strahlung auf den Bedruckstoff bzw. auf die Druckfarbe ab einer Energiedichte von z. B. etwa 5000 J/m2 – also ab der zur Trocknung bevorzugten unteren Grenze der Energiedichte – auf dem Druckprodukt ein Glanzverlust gegenüber dem unbestrahlten Druckprodukt von bis zu etwa 50% bewirkt (bei einer gegebenen beispielhaften Kombination von Bedruckstoff und Druckfarbe). Hohe Trocknungsgrade gehen somit zum Teil mit einem Glanzverlust einher, welcher sich möglicherweise negativ auf die Qualität des hergestellten Druckproduktes auswirkt.

Die WO 2005/019504 A1 beschreibt ein Verfahren zum Behandeln gedruckter Bilder, wobei nach dem Drucken das Bild gepudert und zur Komprimierung unter Druck gesetzt wird. Anschließend wird getrocknet, poliert und nach dem Polieren galvanisiert. Eine Lasertrocknung ist nicht beschrieben. Das Verfahren ist gemäß der internationalen Patentklassifikation im Bereich der Galvanoplastik und Galvanisierverfahren angesiedelt.

Die DE 32 21 974 A1 beschreibt ein Verfahren zum Glätten bedruckter Flächen zur Erzeugung eines schönen Glanzes beim Lithographiedruck. Dabei kann auch eine Einrichtung zum Trocknen vorgesehen sein. Die halbtrockene Farbe wird dabei unter Druck geglättet.

Die DE 38 54 043 T2 beschreibt eine Glanzmaschine für Bilder im Zusammenhang mit Kopierern. Eine Bandvorrichtung wird mit Papiergeschwindigkeit bewegt und erzeugt unter Druckanwendung und Temperaturerhöhung einen Glanz.

Die JP 11-129606 beschreibt ein Polieren von Papier zur Glanzerhöhung vor dem Bedrucken des Papiers. Hierzu wird eine Walze mit einem Vliesüberzug eingesetzt, welche Druck auf das Papier ausübt.

Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren zu schaffen, welches zumindest einen der aufgezeigten Nachteile des Standes der Technik überwindet.

Es ist eine weitere oder alternative Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein gegenüber dem Stand der Technik verbessertes Verfahren zu schaffen, welches einfach, schnell und ohne aufwändige Technik durchführbar ist.

Es ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine gegenüber dem Stand der Technik verbesserte Maschine zu schaffen, welche zumindest einen der aufgezeigten Nachteile des Standes der Technik überwindet.

Diese Aufgaben werden erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen von Anspruch 1 sowie durch eine Maschine mit den Merkmalen von Anspruch 7 oder 10 gelöst.

Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen sowie aus der folgenden Beschreibung und den zugehörigen Zeichnungen.

Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung von Druckprodukten, wobei ein Bedruckstoff mit Druckfarbe bedruckt wird, welche für das Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung vorgesehen ist, und die Druckfarbe unter Einsatz von Infrarotstrahlung getrocknet wird, zeichnet sich dadurch aus, dass das Druckprodukt nach dem Bedrucken und Trocknen zumindest abschnittsweise derart nachbehandelt wird, dass ein beim Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung entstandener Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen wird.

Erfindungsgemäß wird das Druckprodukt – somit der bedruckte Bedruckstoff – nach dem Trocknen, insbesondere nach dem im Wesentlichen vollständigen Trocknen, nachbehandelt und dadurch ein Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen oder der Glanz erhöht. In vorteilhafter Weise können die Druckprodukte somit mit hohen Energiedichten und folglich schnell getrocknet werden, ohne dass die Qualität des fertigen Druckproduktes leidet.

Eine hinsichtlich des Einsatzes einfacher, schneller und wenig aufwändiger Technik und hinsichtlich deren Wirkung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass das Druckprodukt zum Ausgleich des Glanzverlustes poliert wird.

Eine weitere, hinsichtlich des Einsatzes einfacher, schneller und wenig aufwändiger Technik und hinsichtlich deren Wirkung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass das Druckprodukt zum Ausgleich des Glanzverlustes unmittelbar, d. h. ohne Zwischenbehandlung, nach dem Trocknen poliert wird.

Eine weitere, hinsichtlich des Einsatzes einfacher, schneller und wenig aufwändiger Technik und hinsichtlich deren Wirkung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass das Polieren des Druckprodukts mit derart geringem Druck erfolgt, dass eine Veränderung der Eigenschaften des Bedruckstoffs, insbesondere dessen Dicke, Dichte und/oder Oberflächenbeschaffenheit, im Wesentlichen vermieden wird.

Eine weitere, hinsichtlich des Einsatzes einfacher, schneller und wenig aufwändiger Technik und hinsichtlich deren Wirkung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass das Polieren des Druckprodukts bei einer Temperatur unter im Wesentlichen 50° C, insbesondere beim Raumtemperatur, erfolgt.

Eine weitere vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann sich dadurch auszeichnen, dass die Druckfarbe unter Einsatz von Infrarotstrahlung, insbesondere NIR-Strahlung, eines Lasers oder eines Hochtemperaturstrahlers getrocknet wird.

Eine erfindungsgemäße Bedruckstoff verarbeitende Maschine mit einem Zylinder, welcher eine für das Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung vorgesehene Druckfarbe auf einen Bedruckstoff überträgt, und einer Trockeneinrichtung, welche die Druckfarbe unter Einsatz von Infrarotstrahlung trocknet, zeichnet sich dadurch aus, dass die Maschine eine Vorrichtung aufweist, welche das Druckprodukt nach dem Bedrucken und Trocknen zumindest abschnittsweise derart nachbehandelt, dass ein beim Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung entstandener Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen wird.

Bei Einsatz der erfindungsgemäßen Maschine ergeben sich dieselben Vorteile, wie sie bereits oben mit Bezug auf das erfindungsgemäße Verfahren beschrieben wurden.

Eine hinsichtlich des Einsatzes einfacher, schneller und wenig aufwändiger Technik und hinsichtlich deren Wirkung vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Maschine kann sich dadurch auszeichnen, dass die Vorrichtung ein Behandlungselement aus der Gruppe der Behandlungselemente bestehend aus Bürsten-Polierwalze, Gewebetuch-Polierwalze und Vliestuch-Polierwalze aufweist.

Eine weitere, hinsichtlich des Aufbaus der Maschine vorteilhafte und daher bevorzugte Weiterbildung der erfindungsgemäßen Maschine kann sich dadurch auszeichnen, dass die Vorrichtung an einer Position aus der Gruppe der Positionen bestehend aus einer der Trockeneinrichtung in Bedruckstofftransportrichtung unmittelbar nachgeordneten Position, einer einer Anzahl von Druckwerken in Bedruckstofftransportrichtung nachgeordneten Position, und einer einem von Druckwerken separaten Werk der Maschine zugeordneten Position angeordnet ist.

Vorzugsweise handelt es sich bei der Bedruckstoff verarbeitenden Maschine um eine Bogen verarbeitende Rotationsdruckmaschine für den lithographischen Offsetdruck – insbesondere Nassoffsetdruck. Bei dem Bedruckstoff kann es sich um Karton, Folie oder vorzugsweise Papier handeln. Die Druckmaschine kann im Schöndruck oder vorzugsweise im Schön- und Widerdruck betrieben werden. Die Druckmaschine kann den Bedruckstoff mit ein- oder vorzugsweise mit mehrfarbigen Druckbildern versehen. Die Druckmaschine kann in Bedruckstofftransportrichtung einen Anleger, einen Zuführtisch, mehrere Druckwerke, eine Wendeeinrichtung, weitere Druckwerke, ein Lackwerk, einen Trockner, eine Pudereinrichtung und/oder einen Ausleger aufweisen. Die Druckmaschine kann ein Bedienpult und eine Steuereinheit umfassen.

Eine weitere erfindungsgemäße Bedruckstoff verarbeitende Maschine, insbesondere Bogen verarbeitende Weiterverarbeitungsmaschine, zeichnet sich dadurch aus, dass die Maschine ihr zugeführte, von einer separaten Druckmaschine bedruckte und getrocknete Druckprodukte verarbeitet und dass die Maschine eine Vorrichtung aufweist, welche die zugeführten Druckprodukte zumindest abschnittsweise derart nachbehandelt, dass ein beim Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung entstandener Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen wird.

Bei Einsatz der erfindungsgemäßen Maschine ergeben sich dieselben Vorteile, wie sie bereits oben mit Bezug auf das erfindungsgemäße Verfahren beschrieben wurden.

Die beschriebene Erfindung und die beschriebenen, vorteilhaften Weiterbildungen der Erfindung stellen auch in beliebiger Kombination miteinander vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung dar.

Die Erfindung sowie weitere, konstruktiv und funktionell vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung werden nachfolgend unter Bezug auf die zugehörigen Zeichnungen anhand wenigstens eines bevorzugten Ausführungsbeispiels näher beschrieben.

Die Zeichnungen zeigen:

1: eine (schematische) Schnittansicht einer erfindungsgemäßen Bogenrotationsdruckmaschine;

2: eine (schematische) Schnittansicht eines bevorzugten Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen Vorrichtung;

3: einen Ablaufplan eines bevorzugten Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Verfahrens; und

4: eine (schematische) Ansicht einer erfindungsgemäßen Weiterverarbeitungsmaschine.

In den Zeichnungen sind einander entsprechende Elemente mit jeweils denselben Bezugszeichen versehen.

In 1 ist eine erfindungsgemäße Bogenrotationsdruckmaschine 100 für den lithographischen Offsetdruck gezeigt. Die Druckmaschine 100 weist in Bogentransportrichtung einen Bogenanleger 110, einen Zuführtisch 120, mehrere, beispielsweise zwei Druckwerke 130a und 130b (oder beispielsweise vier, sechs oder acht Druckwerke), ein Lackwerk 140 und einen Bogenausleger 150 auf. Die Bedruckstoffbogen 111 werden im Anleger 110 von einem Anlagestapel 112 entnommen, als Schuppenstrom über den Zuführtisch 120 und einzeln dem ersten Druckwerk 130a zugeführt. Die Druckwerke 130a und 130b umfassen jeweils einen Druckformzylinder 131, einen Übertragungszylinder 132 und einen Gegendruckzylinder 133, sowie ein Farbwerk 135 und ein Feuchtwerk 136. Zwischen den Druckwerken 130a und 130b ist wenigstens ein Transferzylinder 134, der auch als Wendezylinder ausgeführt sein kann, angeordnet. Vom letzten Druckwerk 130b werden die Bogen an eine Fördereinrichtung 151 des Auslegers 150 übergeben. Die Bogen werden zum Trocknen an einem Trockner 152 und zum Bepudern an einer Pudereinrichtung 153 vorbei gefördert und auf einem Auslagestapel 154 des Auslegers 150 abgelegt. Der Trockner 152 und gegebenenfalls auch die Pudereinrichtung 153 können entfallen, wenn – wie in 2 dargestellt – den jeweiligen Druckwerken eine Trockeneinrichtung zugeordnet ist. Die Druckmaschine 100 wird über eine Steuereinheit 160 gesteuert.

In 1 ist vorzugsweise an einer oder mehreren der mit Bezugszeichen 170 versehenen Positionen eine jeweilige erfindungsgemäße Vorrichtung 200 angeordnet.

In 2 ist exemplarisch ein Druckwerk 130a mit einem bevorzugten Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Vorrichtung 200 zum Nachbehandeln, insbesondere zum Polieren, von bedrucktem und getrocknetem Bedruckstoff 111, insbesondere Papierbogen, dargestellt. Das Druckwerk 130a umfasst einen Übertragungszylinder 132, einen Gegendruckzylinder 133 und einen Transferzylinder 134.

Benachbart zur Oberfläche des Gegendruckzylinders 133 ist eine Trockeneinrichtung 210 angeordnet, welche bevorzugt einen Laser 212 zum Trocknen von Druckfarbe auf dem Bedruckstoff 111 aufweist. Der Laser ist bevorzugt als Infrarot-Laser ausgebildet, welcher Strahlung mit einer Wellenlänge aussendet, die der Absorption der Druckfarbe oder eines Absorberadditivs, insbesondere eines NIR-Absorbers in der Druckfarbe entspricht. Dabei kann eine intensive Bestrahlung, vorzugsweise im Bereich einer Energiedichte von etwa 5000 bis etwa 12500 J/m2 erfolgen. Alternativ kann an Stelle des Lasers 212 auch ein Hochtemperaturstrahler mit einem entsprechend auf die Druckfarbe bzw. auf das Additiv abgestimmten Filter eingesetzt werden. Wie weiter oben – mit Bezug auf den Stand der Technik – ausgeführt, kann eine intensive Infrarot-Trocknung zwar sehr schnell zu den gewünschten, hohen Trocknungsgraden führen. Gleichzeitig kann jedoch auch ein unerwünschter Glanzverlust der getrockneten Druckfarbe eintreten.

Zur Verringerung bzw. zum zumindest teilweisen Ausgleichen des Glanzverlustes ist ebenfalls benachbart zur Oberfläche des Gegendruckzylinders 133 und in Bedruckstofftransportrichtung 220 der Trockeneinrichtung 210 nachgeordnet ist die Vorrichtung 200 zum Nachbehandeln des Bedruckstoffs 111 angeordnet. Die Nachbehandlung erfolgt somit erfindungsgemäß nach dem Drucken und Trocknen, bevorzugt unmittelbar nach dem Trocknen.

Gemäß dem dargestellten Ausführungsbeispiel weist die Vorrichtung 200 ein Behandlungselement 202 zum Nachbehandeln, insbesondere zum Polieren, des Bedruckstoffs 111 auf. Das Behandlungselement 202 ist in dem Ausführungsbeispiel als eine rotierende Bürste (Bürstenwalze) ausgebildet. Alternativ kann das Behandlungselement 202 auch als eine rotierende Walze (Tuchwalze) ausgebildet sein, welche an ihrer Oberfläche mit einem Gewebe oder einem Vlies versehen ist. Beispielsweise kann die Walze mit einem Frotteestoff oder einem Mikrofaserstoff bespannt sein. Mit dem Behandlungselement 202 bzw. unter dessen Einwirkung kann der Glanz der getrockneten Druckfarbe auf dem Bedruckstoff 111 erhöht werden.

Vorzugsweise ist das Behandlungselement 202 derart bewegbar, beispielsweise verschiebbar, angeordnet, dass sein Abstand zum Bedruckstoff 111 und damit die Pressung gegenüber dem Bedruckstoff 111 veränderbar ist. Auf diese Weise kann die Intensität des Nachbehandelns, insbesondere des Polierens, variiert und eingestellt werden. Vorzugsweise erfolgt das Polieren des Druckprodukts mit derart geringer Pressung und folglich geringem oder vernachlässigbarem Druck (somit im Wesentlichen druckfrei), dass eine Veränderung der Eigenschaften des Bedruckstoffs, insbesondere dessen Dicke, Dichte und/oder Oberflächenbeschaffenheit, im Wesentlichen vermieden wird und nur eine Glanzerhöhung der Druckfarbe erfolgt. Folglich wird der Bedruckstoff 111 durch die Einwirkung des Behandlungselements 202 nicht kalandriert, wesentlich zusammengedrückt, wesentlich verdichtet oder wesentlich geglättet.

Weiterhin ist das Behandlungselement 202 – sofern es sich um ein rotierbares Element handelt – vorzugsweise mit veränderbarer Rotationsgeschwindigkeit antreibbar. Auch auf diese Weise kann die Intensität des Nachbehandelns variiert und eingestellt werden. Vorzugsweise wird eine hohe Rotationsfrequenz bei gleichzeitig geringem Druck auf den Bedruckstoff gewählt, so dass eine gute Glanzerhöhung der Druckfarbe, aber keine wesentliche Veränderung des Bedruckstoffs erreicht wird. Weiterhin kann das Behandlungselement 202 in oder bevorzugt gegen die Bewegungsrichtung des Bedruckstoffs 111 rotieren.

Vorzugsweise ist das Behandlungselement 202 ferner in Abhängigkeit von dem verarbeiteten Bedruckstoff 111 austauschbar oder mit einer austauschbaren Oberfläche versehen, so dass die Wirkung der Nachbehandlung, insbesondere die Polierwirkung, verändert und insbesondere an den Bedruckstoff 111 angepasst werden kann. So kann z. B. eine weiche gegen eine harte Bürstenwalze oder ein weiches gegen ein raues Tuch in Abhängigkeit von dem verarbeiteten Bedruckstoff 111 ausgetauscht werden. Die austauschbaren Bürstenwalzen können sich z. B. im Material der Borsten, in der Härte des Materials der Borsten und/oder in der Dichte der Borsten unterscheiden. Vorzugsweise wird ein weiches Material für die Borsten bzw. für das Tuch verwendet, so dass eine gute Glanzerhöhung der Druckfarbe, aber keine wesentliche Veränderung des Bedruckstoffs erreicht wird.

Die Behandlungsvorrichtung 200 kann wie in 2 gezeigt – unter Ausnutzung eines passenden vorhandenen Bauraums – in der Nähe der Oberfläche eines Gegendruckzylinders angeordnet sein. Weiterhin kann die Behandlungsvorrichtung 200 in einem separaten Werk der Druckmaschine 100, beispielsweise anstelle des Lackwerks 140 oder dem Lackwerk 140 in Transportrichtung nachgeordnet, angeordnet sein, welches den Bedruckstoff innerhalb der Druckmaschine 100 nachbehandelt, insbesondere poliert. Als Alternative ist auch eine von der Druckmaschine 100 separate Maschine 400 als Weiterverarbeitungsmaschine möglich, welches den Bedruckstoff außerhalb der Druckmaschine 100 und zeitlich beabstandet zum Druckvorgang nachbehandelt, insbesondere poliert (siehe 4).

In 3 ist exemplarisch ein Ablaufplan eines bevorzugten Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt, dessen Verfahrensschritte im Folgenden beschrieben werden:

  • A) Drucken (Bezugszeichen 300): Der Bedruckstoff 111 wird in einem Druckwerk 130a dem jeweiligen Farbauszug entsprechend mit Druckfarbe versehen bzw. bedruckt. Als Druckfarbe kommt eine Druckfarbe zum Einsatz, welche für das Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung – beispielsweise durch entsprechende NIR-Absorber-Zugabe – vorgesehen ist.
  • B) Trocknen (Bezugszeichen 310): Die Druckfarbe auf dem Bedruckstoff 111 wird unter Einsatz von Infrarotstrahlung, insbesondere NIR-Strahlung eines Lasers oder eines Hochtemperaturstrahlers, getrocknet bzw. gehärtet.
  • C) Nachbehandeln (Bezugszeichen 320): Die Druckfarbe auf dem Bedruckstoff 111 wird unter Einsatz einer Behandlungsvorrichtung 200 nachbehandelt, insbesondere poliert. Das Druckprodukt wird dabei zumindest abschnittsweise derart nachbehandelt, dass ein beim Trocknen unter Einsatz der Infrarotstrahlung entstandener Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen und die Qualität des Druckprodukts erhöht wird.

Wie in 3 gezeigt, kann der Bedruckstoff 111 zu Herstellung eines Mehrfarbendrucks mit mehreren Druckfarben versehen und jeweils getrocknet werden, bevor eine erfindungsgemäße Nachbehandlung 320 erfolgt. Hierzu durchläuft das Verfahren gemäß Kreisprozess 330 die Verfahrenschritte 300 und 310 mehrfach. Alternativ kann der Kreisprozess 340 mehrfach durchlaufen werden, so dass jeweils auch eine Nachbehandlung 320 erfolgt.

4 zeigt die die Druckmaschine 100, in der der Bedruckstoff 111 bedruckt und getrocknet wird. Die hergestellten Druckprodukte werden sodann einer Weiterverarbeitungsmaschine 400 zugeführt, in der die Druckprodukte nachbehandelt, insbesondere zur Glanzerhöhung poliert werden. Die Weiterverarbeitungsmaschine 400 weist zu diesem Zweck eine Vorrichtung 200 mit einem Behandlungselement 202 auf. Die Weiterverarbeitungsmaschine 400 kann auch weitere Funktionen ausführen, wie z. B. das Sammeln, Heften, Falzen und/oder Binden der Druckprodukte nach dem Polieren. Mit anderen Worten: die Funktion Polieren kann auch in einem Sammelhefter, einem Falzapparat oder einer Bindemaschine erfolgen.

In Laborversuchen wurde gefunden, dass durch das Nachbehandeln des Bedruckstoffs nach dem Lasertrocknen, insbesondere durch das Polieren des Bedruckstoffs bzw. dessen bedruckter Oberfläche, der beim Trocknen unter Einsatz von Laserstrahlung entstandene Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen werden kann. In einigen Laborversuchen konnte durch Polieren sogar ein Glanzzuwachs gegenüber dem unbehandelten Bedruckstoff von bis zu etwa 25% erzielt werden. Die Laborversuche deuten zudem an, dass das Polieren der bedruckten Bedruckstoffoberfläche bei geeigneter Wahl der Nachbehandlungsparameter nicht zu einem Verlust an optischer Dichte und nicht zur Bildung von den optischen Eindruck des Bedruckstoffs beeinflussenden Kratzern führt.

Versuche wurden mit verschiedenen Bedruckstoffen (Naturpapier, z. B. Atlantic matt, und glänzend gestrichenes Papier, z. B. Phoeno grand) und mit gängiger Offsetdruckfarbe (z. B. K+E Novavit 700 speed) durchgeführt. Das Polieren erfolgte mit einem Papierwischtuch (z. B. Kimberly-Clark WypALL L40) und wurde von Hand durchgeführt. Polierversuche in Abhängigkeit der Zeitspanne zwischen Druckvorgang und Poliervorgang wurden direkt nach dem Bedrucken, etwa 45 Minuten und etwa 16 Stunden (d. h. nach dem im Wesentlichen vollständigen chemischen Trocknen der Druckfarbe) nach dem Bedrucken durchgeführt. In allen Versuchen wurde ein zumindest teilweises Ausgleichen des Glanzverlustes beobachtet. Versuche an glänzend gestrichenem Papier etwa 16 Stunden nach dem Bedrucken führten zum besten Ergebnis, während Versuche an mattem Papier direkt nach dem Bedrucken zum schlechtesten Ergebnis führten, bei welchem jedoch immer noch eine Verbesserung des Glanzes zu beobachten war.

Lichtmikroskopische Untersuchungen von Versuchsmustern lassen darauf deuten, dass der Glanzverlust beim Lasertrocknungsverfahren durch Störungen an der Oberfläche des lasergetrockneten Bedruckstoffs entsteht: die laserbestrahlten, unpolierten Bereiche des Bedruckstoffs wirken wie bepudert, während laserbestrahlte, polierte Bereiche des Bedruckstoffs ähnlich aussehen, wie nicht bestrahlte Bereiche. Die Störungen lassen sich zum einen durch Kondensation von unter Laserstrahlungseinwirkung verdampfter und nicht abgesaugter Lösemittel- und/oder Bindemittelanteile der Druckfarbe erklären – zum anderen durch aufgeschwemmte und auf Grund der kurzen Laserstrahlungseinwirkung nicht verdampfte Lösemittel- und/oder Bindemittelanteile der Druckfarbe und/oder aufgeschwemmte PE-Scheuerschutzadditive. Durch das Nachbehandeln der Bedruckstoffoberfläche, insbesondere durch das Polieren, werden diese an der Oberfläche befindlichen und den Glanzverslust bewirkenden Lösemittel- und/oder Bindemittelanteile der Druckfarbe von der Oberfläche entfernt bzw. wegpoliert

100
Druckmaschine
110
Bogenanleger
111
Bedruckstoffbogen/Druckprodukt
112
Anlagestapel
120
Zuführtisch
130a, 130b
Druckwerke
131
Druckformzylinder
132
Übertragungszylinder
133
Gegendruckzylinder
134
Transferzylinder
135
Farbwerk
136
Feuchtwerk
140
Lackwerk
150
Bogenausleger
151
Fördereinrichtung
152
Trockner
153
Pudereinrichtung
154
Auslagestapel
160
Steuereinheit
170
Positionen
200
Vorrichtung
202
Behandlungselement
210
Trockeneinrichtung
212
Laser
220
Transportrichtung
300
Verfahrensschritt Drucken
310
Verfahrensschritt Trocknen
320
Verfahrensschritt Nachbehandeln/Polieren
330
Kreisprozess
340
Kreisprozess
400
Weiterverarbeitungsmaschine


Anspruch[de]
Verfahren zur Herstellung von Druckprodukten, wobei

– ein Bedruckstoff (111) mit Druckfarbe bedruckt (300) wird, welche für das Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung vorgesehen ist, und

– die Druckfarbe unter Einsatz von Infrarotstrahlung getrocknet (310) wird,

dadurch gekennzeichnet,

dass das Druckprodukt (111) nach dem Bedrucken (300) und Trocknen (310) zumindest abschnittsweise derart nachbehandelt (320) wird, dass ein beim Trocknen (310) unter Einsatz von Infrarotstrahlung entstandener Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen wird.
Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Druckprodukt (111) zum Ausgleich des Glanzverlustes poliert (320) wird. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Druckprodukt (111) zum Ausgleich des Glanzverlustes unmittelbar nach dem Trocknen (310) poliert (320) wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Polieren (320) des Druckprodukts (111) mit derart geringem Druck erfolgt, dass eine Veränderung der Eigenschaften des Bedruckstoffs (111), insbesondere dessen Dicke, Dichte und/oder Oberflächenbeschaffenheit, im Wesentlichen vermieden wird. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Polieren (320) des Druckprodukts (111) bei einer Temperatur unter im Wesentlichen 50° C, insbesondere beim Raumtemperatur, erfolgt. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Druckfarbe unter Einsatz von Infrarotstrahlung, insbesondere NIR-Strahlung, eines Lasers oder eines Hochtemperaturstrahlers getrocknet (310) wird. Bedruckstoff verarbeitende Maschine, insbesondere Bogen verarbeitende Rotationsdruckmaschine für den lithographischen Offsetdruck, mit

– einem Zylinder (132), welcher eine für das Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung vorgesehene Druckfarbe auf einen Bedruckstoff überträgt, und

– einer Trockeneinrichtung (210), welche die Druckfarbe unter Einsatz von Infrarotstrahlung trocknet,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Maschine eine Vorrichtung (200) aufweist, welche das Druckprodukt (111) nach dem Bedrucken und Trocknen zumindest abschnittsweise derart nachbehandelt, dass ein beim Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung entstandener Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen wird.
Maschine nach Anspruch 7,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Vorrichtung (200) ein Behandlungselement (202) aus der Gruppe der Behandlungselemente bestehend aus

– Bürsten-Polierwalze,

– Gewebetuch-Polierwalze und

– Vliestuch-Polierwalze

aufweist.
Maschine nach einem der Ansprüche 7 oder 8,

dadurch gekennzeichnet,

dass die Vorrichtung (200) an einer Position (170) aus der Gruppe der Positionen bestehend aus

– einer der Trockeneinrichtung in Bedruckstofftransportrichtung unmittelbar nachgeordneten Position,

– einer Anzahl von Druckwerken in Bedruckstofftransportrichtung nachgeordneten Position, und

– einer einem von Druckwerken separaten Werk der Maschine zugeordneten Position angeordnet ist.
Bedruckstoff verarbeitende Maschine, insbesondere Bogen verarbeitende Weiterverarbeitungsmaschine, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschine (400) ihr zugeführte, von einer separaten Druckmaschine (100) bedruckte und getrocknete Druckprodukte (111) verarbeitet und dass die Maschine (400) eine Vorrichtung (200) aufweist, welche die zugeführten Druckprodukte (111) zumindest abschnittsweise derart nachbehandelt, dass ein beim Trocknen unter Einsatz von Infrarotstrahlung entstandener Glanzverlust zumindest teilweise ausgeglichen wird.






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