Die Erfindung betrifft einen Sturz mit Bewehrung sowie Plansteine
zur Herstellung solcher Stürze.
Aus der Praxis ist es bekannt, zur Überbrückung von Mauerwerksöffnungen,
insbesondere von Tür- und Fensteröffnungen, Stürze zu verwenden.
Solche Stürze bestehen beispielsweise aus U-förmigen Schalen aus dem Material
des Mauerwerkes (U-Stein), wobei es ferner aus der Praxis bekannt ist, die Ausformungen
(Rinnen) mit armiertem Beton auszufüllen, um so einen auf Biegung belastbaren
Sturz zu erhalten.
Ein Mauersturz, bei dem eine im Querschnitt U-förmige Schale
mit Beton verfüllt ist, ist beispielsweise aus der DE
200 03 280 U1 bekannt. Ein weiterer Mauersturz mit einer im Querschnitt
U-förmigen Schale ist aus DE 32 43 976
A1 bekannt.
Darüber hinaus ist für Porenbetonmauerwerk aus der
DE 20 2004 010 687 U1 ein Vorschlag
bekannt, in fertig ausgehärtete Porenbetonsteine eine durchgehende Kernbohrung
einzubringen, mehrere Porenbetonsteine mit ihren Kernbohrungen fluchtend zu einander
auszurichten und den durch die Kernbohrungen gebildeten Kanal zusammen mit einer
darin platzierten Bewehrung mit Beton auszugießen.
Die vorgenannten Bewehrungen bestehen aus Baustahl, insbesondere Betonstahl
BSt 500.
Aus DD 286 014 A5 ist
darüber hinaus ein Bewehrungselement aus Kunststoff für Betonträger
bekannt.
In der DE 101 08 357 A1
ist ein spezieller Armierungsstab beschrieben, welcher zur Bewehrung von Beton-Bauteilen
vorgesehen ist.
Aus der Baupraxis ist ferner die Herstellung von Planstein-Mauerwerk
im sogenannten Dünnbettverfahren mit einer Fugendicke von 1 bis 3 mm bekannt.
Bei der Erstellung eines solchen Planstein-Mauerwerkes werden z. B. Kalksandstein-Plansteine
mit geringen Maßtoleranzen verwendet, die es ermöglichen, die genannte
geringe Fugendicke von 1 bis 3 mm einzuhalten. Solche Kalksandstein-Plansteine haben
eine untere und eine obere Lagerfläche sowie Umfangsflächen, wobei die
Lagerflächen zu einander parallel sind und die Umfangsflächen fertigungsbedingt
zueinander konisch verlaufen.
Herstellungsbedingt haben die aus U-Steinen gefertigten Stürze
aufgrund des darin eingefüllten Betons eine ungleichmäßige obere
Lagerfläche. Das führt dazu, dass an dieser Stelle die Mörtelfuge
nicht im Dünnbettverfahren ausgeführt werden kann. Die Bereitstellung
von Normalmörtel ist aber auf einer Baustelle, die Plansteinmauerwerk erstellt,
ein zusätzliches logistisches, handwerkliches und auch finanzielles Problem.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Sturz sowie Plansteine
zur Herstellung solcher Stürze zur Verfügung zu stellen, welche die Erstellung
eines Planstein-Mauerwerkes im Dünnbettverfahren auch im Bereich von Mauerwerksöffnungen
erleichtern.
Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß mit
den Merkmalen der Ansprüche 1 bzw. 12.
Gemäß der Erfindung wird ein Sturz mit einem Hüllkörper
aus einem durch thermische Behandlung ausgehärteten Steinmaterial und mit einer
in dem Hüllkörper angeordneten Bewehrungsstruktur zur Verfügung gestellt,
wobei die Bewehrungsstruktur als separates Bauteil gefertigt und nach der thermischen
Behandlung des Steinmaterials in den Hüllkörper eingefügt und mit
diesem mittels einer Klebung verbunden ist. Ein solcher Sturz weißt die Präzision
von Plansteinen auf, da seine Flächen aus einem maschinellen Formen und Härten
resultieren. Ferner ist es durch die separate Fertigung der Bewehrungsstruktur und
deren Einklebung möglich, eine höchst präzise Anordnung der Bewehrungsstruktur
in dem Sturz zu erreichen, denn durch den maschinell gefertigten Hüllkörper
liegt die Lage der Bewehrungsstruktur fest und hängt nicht mehr wie beim Stand
der Technik vom handwerklichen Geschick des Betonbauers ab.
Vorzugsweise besteht die Bewehrungsstruktur im Wesentlichen aus Kunststoff.
Durch die Verwendung einer Bewehrungsstruktur aus Kunststoff werden die von Stahlbewehrungen
bekannten Korrosionsprobleme vermieden. Darüber hinaus ist insbesondere bei
einer Bewehrung aus Kunststoff ein Einfügen der Selben in den harten Hüllkörper
mit einfachen Mitteln möglich, da der Kunststoff in Einfügerichtung der
Bewehrungsstruktur, also quer zu seiner Belastungsrichtung, durchaus einen Abrieb
verträgt. Ferner ermöglicht die Verwendung einer Bewehrungsstruktur aus
Kunststoff auch die Verwendung einer nur geringen Menge eines Verbund- und/oder
Klebemittels für die Klebung. Ist ein in dem Hüllkörper vorgesehener
Aufnahmeraum für die Bewehrungsstruktur eng bemessen, kann auch die benötigte
Menge Verbund- und/oder Klebemittels gering sein.
Entsprechend der engen Bemessung des Aufnahmeraumes ergibt sich bei
der Erfindung auch eine kurze Herstellungszeit, da lediglich das Verbund- und/oder
Klebemittel zu Verbindung der Bewehrungsstruktur in dem Hüllkörper in
geringer Schichtdicke abbinden muss, wohingegen bei gegossenen
Betonarmierungen sich eine Endfestigkeit erst nach Wochen einstellt.
Da ein enger Aufnahmeraum ausreichend ist, erübrigen sich auch
die aus dem Stand der Technik für Baustahl-Armierungen bekannten Abstandshalter.
Wegen der hohen Präzision ist auch eine Automatisierung der Fertigung möglich.
Bewehrungsstrukturen aus Kunststoffen ermöglichen sehr hohe Tragfähigkeiten,
womit sich auch sehr große Sturzlängen realisieren lassen. Dies gilt insbesondere
für die gemäß bevorzugter Ausführungsformen vorgesehenen Bewehrungsstrukturen
aus einem glasfaserverstärkten Kunststoffmaterial bzw. einem karbonfaserverstärktem
Kunststoffmaterial.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist
die Bewehrungsstruktur in dem Hüllkörper mit einer schmalen Betonfuge
oder einem anderen zementgebundenen Material verklebt. Auf diese Weise werden kostengünstige
Ausgangsmaterialien zu einem erfindungsgemäßen Sturz verarbeitet, der
sich durch hohe Präzision und eine kurze Herstellungszeit auszeichnet.
Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist die Bewehrungsstruktur
in dem Hüllkörper mittels eines Kunststoffmateriales, insbesondere mittels
eines zwei Komponentenkleber eingeklebt.
Wenn die Bewehrungsstruktur in dem Hüllkörper allseitig
eine Überdeckung von mindestens 5 cm, insbesondere 5 cm Kalksandstein aufweist,
ist ein ausgezeichneter Brandschutz gewährleistet.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung
ergeben sich aus den Unteransprüchen sowie aus der Beschreibung im Zusammenhang
mit den Zeichnungen.
Es zeigen:
1 einen Längsschnitt durch ein an erfindungsgemäßen
Sturz, und
2 einen Schnitt durch den erfindungsgemäßen
Sturz gemäß der Linie II-II in 1.
Der in der 1 und 2
gezeigte erfindungsgemäße Sturz 10 besteht aus vier Plansteinen
12, 14, 16, 18, welche gemeinsam einen Hüllkörper
19 aus Kalksandstein beschreiben, in welchem eine Bewehrungsstruktur
20 aus einem glasfaserverstärkten Kunststoffmaterial angeordnet ist.
Die Plansteine 12, 14, 16, 18
weisen jeweils eine untere Lagerfläche 22, 24,
26, 28 sowie zwei obere Lagerflächen 32,
34, 36, 38 auf, welche gemeinsam mit Seitenflächen
42, 44 sowie mit Stirnflächen 46, 48 einen
Quader beschreiben.
Die Präzision dieses Quaders resultiert bei dem gezeigten Sturz
aus der Präzision der Kalksandstein-Rohling-Presse, sodass ein so gefertigter
Sturz sich auch für ein Mauern im Dünnbettverfahren eignet.
Schon bei der Herstellung des Planstein-Rohlings wird in diesem ein
Kanal 50 ausgebildet, welcher im Querschnitt ein kreisförmiges Profil
mit einem Durchmesser von etwa 20 mm aufweist. Diese Kanal 50 erstreckt
sich zwischen den jeweiligen Stirnseiten 46, 48 der Plansteine
12, 14, 16, 18.
Zur Herstellung des gezeigten Sturzes 10 werden ausgehärtete
Plansteine 12, 14
16, 18 aufeinander gestapelt oder einander gelegt, um einen durch
alle Plansteine hindurch gehenden Kanal 52 zu bilden. Das Aufeinanderstapeln
wird für kurze Sturzlängen bevorzugt, wohingegen bei langen Elementen
ein Aneinanderlegen bevorzugt ist.
In den so gebildeten durchgängigen Kanal 52 wird ein
Kleber und/oder Verbundmittel 54 gefüllt. Die Menge des Kleber bzw.
Verbundmittels ergibt sich aus dem rechnerischen Volumen des durchgehenden Kanals
52 abzüglich des Volumens der einzubringenden Bewehrungsstruktur
20 zuzüglich einer etwaigen Toleranzmenge.
Nach dem Einfüllen des Klebers bzw. Verbundmittels wird die Bewehrungsstruktur
20 eingefügt, der Kleber bzw. das Verbundmittel härtet in einer
vorab gestellten Zeit in Abhängigkeit des Verbundmaterials aus, wonach dann
der Sturz 10 verwendungsfähig ist.
Ein Ablängen des Sturzes 10 kann wenn gewünscht
durchgeführt werden. Da die Bewehrungsstruktur 20 in dem vorliegenden
Ausführungsbeispiel aus einem Kunststoffmaterial besteht, sind zum Schutz der
Bewehrungsstruktur vor Korrosion keine Maßnahmen erforderlich.
Die Vorteile des gezeigten Ausführungsbeispieles sind folgende:
Es ist kein Beton notwendig, welcher erst nach Wochen seine Entfestigkeit erreicht.
Kleber und/oder Verbundmittel können maßgenau verwendet werden.
Wegen der Verwendung einer Bewehrungsstruktur aus einem Kunststoffmaterial
ist keine Betondeckung nach den 1045-1 notwendig. Es tritt auch keine Betonstahlkorrosion
auf.
Ein Brandschutz ist vierseitig gesichert, da die Bewehrungsstruktur
durch jeweils etwa 5 cm Kalksandstein geschützt ist.
Hohe Tragfähigkeiten sind durch Einsatz von höher dimensionierten
Bewehrungsstrukturen möglich, sodass sich mit dem erfindungsgemäßen
Sturz auch große und größte Öffnungen bei geringer Bauhöhe
überbrücken lassen.