Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur anaeroben Behandlung von
Abwasser mittels eines anaeroben Aufström-Schlammbettes UASB (Upflow Anaerobic
Sludge Blanket) in einem Reaktor, durch Flotations-Trennung von Reaktorwasser, Biomasse
und Biogas in einem ersten Abscheider, Trennung von Reaktorwasser und Biogas in
einem zweiten Abscheider oberhalb des ersten Abscheiders, wobei ein Teil der als
Schlamm oder Pelletschlämmung vorliegenden Biomasse im Kreislauf innerhalb
des Reaktors geführt wird sowie einen Reaktor zur anaeroben Behandlung von
Abwasser.
Das UASB-Verfahren wird bevorzugt eingesetzt zur Behandlung von Abwasser,
das mit organischen Verunreinigungen belastet ist, wobei die Verunreinigungen in
gelöster und ungelöster Form vorliegen. Das Anaerobic Sludge Blanket oder
anaerobe Schlammbett enthält verschiedene Bakterienspezies, von denen einige
zunächst die ungelösten organischen Verunreinigungen teilweise in wasserlösliche
Stoffe – hauptsächlich organische Fettsäuren umsetzen und hydrolisieren.
Hieran anschließend werden die gelösten Stoffe durch im Schlammbett enthaltene
anaerobe Mikroorganismen in Biogas umgewandelt und so das Abwasser gereinigt. Biogas
ist ein Gasgemisch aus den Bestandteilen Methan und Kohlendioxid sowie Schwefelwasserstoff
und anderen Spurengasen. Wird nun vorausgesetzt, daß genügend Biomasse
für den Abbau der im Wasser enthaltenen Stoffe verfügbar ist, ergibt sich
die optimale hydraulische Aufenthaltszeit für das zu reinigende Wasser im Reaktor
aus dem Verschmutzungsgrad, ausgedrückt beispielsweise als Chemischer Sauerstoffbedarf
(CSB) und dem gewünschten Reinigungsgrad. Es ist bekannt, daß unter günstigen
Bedingungen bereits bei hydraulischen Aufenthaltszeiten im Bereich von wenigen Stunden
Reinigungsgrade von mehr als 90% erreichbar sind.
Derart hohe Leistungen lassen sich jedoch nur dann dauerhaft erzielen,
wenn es gelingt, eine ausreichend große Menge an Biomasse dauerhaft im Reaktor
zu halten oder gar einen Biomasse-Zuwachs zu erreichen. Die Wachstumsrate der anaeroben
Biomasse liegt im Bereich von ca. 0,05·d–1 und ist damit
im Vergleich mit aerober Biomasse um ca. eine Größenordnung geringer.
Es ist sicherzustellen, daß zumindest gleich viel Biomasse im Reaktor neu gebildet
wird, wie ständig ausgeschwemmt wird. Im ungünstigsten Fall eines hohen
hydraulischen Durchflusses mit einer niedrigen CSB-Konzentration ergibt sich ein
erhöhtes Risiko für ein Ausschwemmen von Biomasse aus dem Reaktor, da
die Bildungsrate für neue Biomasse auch abhängig vom zur Verfügung
stehenden Substrat bzw. dem CSB des zugeführten Abwassers ist. Hieraus ist
ersichtlich, daß der effektiven Biomasse-Rückhaltung eine entscheidende
Bedeutung in Bezug auf die Leistungsfähigkeit eines anaeroben Reaktors zukommt.
In bekannten Anaerob-Reaktoren treten aufgrund der intensiven Produktion
von Biogas hohe Aufströmgeschwindigkeiten von mehreren m/h auf. Sofern die
Mikroorganismen nicht durch besondere Kultivierung auf speziellen Trägern fixiert
sind, bewirkt die hohe Aufströmgeschwindigkeit eine Selektion von Spezies,
die natürliche Aggregate bilden. Dieser Selektionsprozeß beruht darauf,
daß Spezies die keine Aggregate bilden, leichter sind, daher vermehrt aus dem
Reaktor geschwemmt und schließlich von den aggregierenden Spezies verdrängt
werden. Dieser Selektionsprozeß erstreckt sich über Zeiträume von
mehreren Monaten bis einigen Jahren und führt zur Bildung einer speziellen
Schlammform, die gemeinhin als granulierter Schlamm oder auch „Pelletschlamm"
bezeichnet wird. Diese „Pellets" haben eine Sinkgeschwindigkeit im Wasser
von 50 bis 150 m/h, wohingegen Schlammflocken mit ca. 1 m/h absinken.
Typischerweise liegen die Schlammpellets als kugel- oder linsenförmiges
Granulat mit Durchmessern von ca. 0,5 bis 2 mm vor. Das Granulat besteht in der
Regel aus einem porösen Kalkgerüst, das im Laufe des Selektionsprozesses
gebildet wird. Die Bakterien siedeln dabei nicht nur auf der Oberfläche des
Granulats – wie beispielsweise bei einem massiven, geschlossenen Trägergranulat
eines Festbett-Reaktors – sondern sind auch auf den inneren Oberflächen
des Kalkgerüstes zu finden.
Durch die Tätigkeit der Mikroorganismen wird Biogas gebildet,
das einerseits als Gasblasen aufsteigt, andererseits auch an der Biomasse anhaftet.
Durch die teilweise Umhüllung der Pellets mit Biogas sinkt das spezifische
Gewicht der Pellets unter die Dichte von Wasser und die Pellets steigen auf. Die
nach oben treibenden Pellets werden durch entsprechend angeordnete Gashauben eingefangen
und geben dort nach und nach das Gas wieder ab. Die Ablösung des Gases vom
einzelnen Pellet wird durch den im Reaktor nach oben hin abnehmenden hydrostatischen
Druck dadurch verstärkt, daß das Gas kompressibel ist und sich bei abnehmendem
äußeren Druck ausdehnt. Die am Pellet anhaftenden Gasblasen werden mit
abnehmendem Druck größer. Die aufgrund der Auftriebsbewegung im Wasser
einwirkenden Reibungs- und Scherkräfte haben damit eine größere Angriffsfläche
und die Ablösung der Gasblase vom Pellet wird begünstigt. Durch das Ablösen
des Gases vom einzelnen Pellet steigt das spezifische Gewicht des Pellets wieder
an, so daß dieses in den unteren Bereich des Reaktors zurücksinkt, wo
der Prozeß von Neuem beginnt. Durch die Gasbildung und -ablösung von Pellets
kommt ein Kreislauf aus Flotation und Sedimentation in Gang.
Für die Umsetzung der organischen Verunreinigungen spielt der
Stofftransport bzw. die Diffusion an der Oberfläche der Schlammpellets eine
maßgebliche Rolle. Die Stärke des Diffusionsstromes eines bestimmten Stoffes
ist proportional zu dessen Konzentrationsgefälle vom Abwasser zu den Mikroorganismen
im Schlammpellet. Letzteres ist teilweise von einer Hülle aus anhaftendem Biogas
umgeben. Das Konzentrationsgefälle und die Diffusion sind umgekehrt proportional
zur Dicke dieser anhaftenden Gashülle. Der Umsatz von organischen Verbindungen
und damit verbunden die Effizienz des Reinigungsverfahrens läßt sich somit
steigern, indem die den Schlammpellets anhaftende Hülle aus Biogas möglichst
schnell abgelöst wird. Es ist hinlänglich bekannt, daß die den Schlammpellets
anhaftende Gashülle durch hohe Turbulenz, d.h. durch große Geschwindigkeitsgradienten
verringert wird. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, daß zu heftige
Umwälzungen im Reaktor und die damit verbundenen mechanischen Scherkräfte
den Wachstumsprozeß der Schlammpellets nachhaltig stören oder verhindern
können. Im Extremfall kann das fragile Granulat sogar zerstört werden.
Dementsprechend ist eine effektive Umwälzung bzw. Kreislaufführung der
Biomasse mit schonender Gasabscheidung erstrebenswert.
EP 0 170 332 A1 offenbart ein Verfahren
und eine Vorrichtung zur anaeroben Behandlung von Abwasser mittels UASB, bei dem
ein Behälter verwendet wird, in dessen unteren Bereich das zu reinigende Abwasser
geleitet und aus dessen oberen Bereich das gereinigte Abwasser abgeleitet wird.
Im Behälter sind anaerobe Mikroorganismen tätig. Zwischen dem Abwassereinlaß
und dem Überlauf für das gereinigte Abwasser befinden sich im Behälter
übereinandergestapelte Gassammler in Form von Hauben, deren oberer Bereich
über eine Leitung mit einer Gas-Schlamm-Trenneinrichtung verbunden ist. Durch
die Tätigkeit der Mikroorganismen wird Gas erzeugt, das sich am Schlamm anlagert,
so daß dieser als sogenannter Schwimmschlamm nach oben aufschwimmt. Dieser
Schwimmschlamm wird durch die Haube eingefangen und gibt nach und nach sein Gas
wieder ab, so daß er wieder schwerer wird und als sogenannter Sinkschlamm zurück
auf den Boden sinkt. Das von den Pellets abgegebene Gas steigt zusammen mit den
von den Hauben eingefangenen, freien Gasblasen weiter in den Leitungen nach oben
und reißt dabei Schwimmschlammpartikel und Flüssigkeit mit, die in der
Gas-Schlamm-Trennkammer abgetrennt werden. Das Gas wird zweckmäßigerweise
abgeführt, während die mitgerissene Flüssigkeit, die auch Schlammpartikel
enthalten kann, in eine Falleitung gelangt, die zurück auf den Boden des Behälters
führt. Dadurch soll der Sinkschlamm am Boden aufgewirbelt werden, was zu einer
Auflockerung der Schlammzone im Bodenbereich und einer besseren Vermischung der
Mikroorganismen mit dem ankommenden Abwasser führen soll. Da Wasser jedoch
relativ schwer ist, ist die Menge des durch das aufschwimmende Gas transportierbaren
Abwassers und somit auch die Verwirbelungsleistung des rückgeführten Abwassers
begrenzt. Weiterhin ist bekannt, daß Abwasserreaktoren dieser Art über
Reaktorhöhen von mindestens 11 m verfügen müssen, bevor der dort
beschriebene Effekt eintritt.
EP 0 244 029 A1 beschreibt einen
UASB-Reaktor der mit einer Vorrichtung zur Trennung der drei Phasen Wasser, Schlamm
und Biogas ausgestattet ist. Die Trennvorrichtung umfaßt Gashauben, die über
Durchtrittsöffnungen mit einem Gassammelkasten verbunden sind, wobei die Durchtrittsöffnungen
im oberen Bereich der Gashauben unterhalb des Haubenfirstes angeordnet sind. Zusätzlich
ist jede Gashaube im Inneren mit Rückhaltekästen ausgerüstet. Die
Rückhaltekästen und die Durchtrittsöffnung sind so gestaltet, daß
sich ein Gaspolster ausbildet, welches als Barriere für Wasser und Schlamm
fungiert.
WO 99/51532 lehrt ein Verfahren und eine Vorrichtung zur anaeroben
Reinigung von Abwasser in einem Abwasser und Schlamm aufnehmenden Behälter
unter Gasentwicklung. Das sich entwickelnde Gas wird durch einen Gassammler aufgefangen
und der durch das aufsteigende Gas angetriebene Kreislauf wird zum Auflockern des
auf den Boden des Behälters abgesunkenen Sinkschlamms verwendet. Durch einen
Gashebeeffekt des aufsteigenden Gases wird der Sinkschlamm vom Boden abgesaugt und
getrennt vom Abwasser in den oberen Bereich des Behälters und zurück in
das Abwasser geleitet.
DE- 199 31 085 A1 unterscheidet sich von der zuvor abgehandelten WO99/51532
A1 dadurch, dass eine Ansaugöffnung einer Steigleitung bzw. eine Ansaugleitung
im oberen Bereich eines Behälters mündet, unterhalb der Überlaufs
für das gereinigte Wasser, d.h. knapp unterhalb des Wasserspiegels. Dies bedeutet,
dass sich die Ansaugöffnung oberhalb der beiden Sammelsysteme befindet, die
übereinander angeordnet sind. Das untere Sammelsystem dient zur Sammlung von
Gas und schwimmfähigem Schlamm und steht in Strömungsverbindung mit zumindest
der Steigleitung, um die flüssige Schlammmischung durch die Auftriebswirkung
des Gases nach oben zu bewegen, wobei die Steigleitung in eine Gas und Flüssigkeit
voneinander trennende Trenneinrichtung mündet. Ein Mischer am Ausgang des unteren
Sammelsystems zum Vermischen von Gas und Schlamm zu einem Reaktorwasser freiem Gemenge,
das der Trennvorrichtung zugeführt wird, ist nicht vorhanden.
Die DE 40 42 223 A1
betrifft ein Verfahren zur kontinuierlichen mechanischen und anaeroben Reinigung
sinkstoffhaltigen Abwassers in einem Reaktor. Das sinkstoffhaltige Abwasser strömt
in die Beruhigungszone des Reaktors so ein, dass die Beruhigungszone
im wesentlichen frei von Turbulenzen bleibt und die Sinkstoffe in der Beruhigungszone
sedimentieren. Das von den Sinkstoffen im wesentlichen gereinigte Abwasser reagiert
in der Reaktionszone des Reaktors mit Biomasse, wobei Biomasse sowie Schweb- und
Schwimmstoffe des Abwassers flotieren und der chemische Sauerstoffbedarf des Abwassers
verringert wird. Nach der Flotation wird eine wesentliche Menge der Biomasse von
der Flotte getrennt und die Biomasse dem Reinigungsprozess wieder zur Verfügung
gestellt sowie die Flotte mit dem im Sauerstoffbedarf verminderten Abwasser isoliert.
Bei dem Verfahren wird eine einzelne Gasabscheidungseinrichtung eingesetzt. Es sind
Rückhaltevorrichtungen vorhanden, die zusammen mit einer Wand eines Gassammeldomes
sowie im einzelnen nicht dargestellten Vorrichtungen Gas- und auch Schwimm- oder
Schwebstoffe zurückhalten.
EP 0 711 732 A2 beschreibt ein Modul
für einen Reaktor zur anaeroben Reinigung von Abwasser, enthaltend eine den
Wasserstand im Modul festlegende obere Überlaufschwelle für das gereinigte
Abwasser, mehrere über den ganzen Modulquerschnitt gestaffelt angeordnete Auffanghauben
für Biogas mit einer Ableitung in einen Gassammelraum und eine obere Abzugsleitung
für die von den Abzugshauben nicht erfaßte Abluft. Oberhalb des jeweiligen
Abscheiders wird die biogasreiche Luft in einen Gassammelraum geführt. Die
Entnahme des Biogases aus den Auffanghauben erfolgt über eine kurze Rohrleitung.
Untersuchungen haben gezeigt, daß lediglich 10 bis 20 % der im
Reaktor vorhandenen Biomasse aktiv am Reinigungsprozeß teilnimmt. 80 bis 90
% der vorhandenen Biomasse liefert praktisch keinen Beitrag zur Reinigung des Abwassers.
Dementsprechend kommt der Rückführung von Biomasse sowie der schonenden
Abscheidung von Biogas eine entscheidende Bedeutung für die Leistungsfähigkeit
des UASB-Verfahrens zu.
Die bekannten Verfahren offenbaren keine Methode zur effektiven und
schonenden Rückführung von Biomasse. Aufgrund ihrer Konstruktion mit verwinkelten
und engen Leitungen begünstigen die bekannten Vorrichtungen Verstopfungen durch
mitgeführten Schlamm. Im Fall einer Verstopfung sind die kritischen Anlagenteile
von außen praktisch nur mit Spezialwerkzeugen, wie z.B. gekrümmten oder
flexiblen Schiebern zugänglich, was Reinigung und Wartung erheblich erschwert.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein Verfahren
und einen Reaktor zur anaeroben Behandlung von Abwasser bereitzustellen, bei denen
ein größerer Anteil der im Schlammbett vorhandenen Biomasse aktiv an der
Reinigung des Abwassers beteiligt wird, eine teilweise Vermischung von Biogas und
Biomasse vor dem Eintritt in einen Steigleitung zu einem Gasseparator unter Vermeidung
von Verstopfungen der Steigleitung erfolgt und der Durchsatz an Biomasse durch einen
Gasseparator erhöht wird. Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren der eingangs
beschriebenen Weise durch folgende Verfahrensschritte gelöst:
- (a) Vermischung von Biogas und Biomasse zu einem Biogemenge nach dem Austritt
aus dem ersten Abscheider,
- (b) Förderung des Biogemenges und des im zweiten Abscheider abgetrennten
Biogases zu einem Gasabscheider,
- (c) Abscheidung des Biogases, das im Verfahrensschritt (b) anfällt, im
Gasabscheider unter Freisetzung der Biomasse, und
- (d) Rückführung der freigesetzten Biomasse bis unterhalb des Schlammbettes
UASB.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ist der Anteil von rückgeführter
zu gesamter Biomasse im Reaktor pro Tag größer 0,1·d–1,
insbesondere größer 2·d–1 und besonders bevorzugt
größer 10·d–1.
Ferner hat die vorliegende Erfindung die Aufgabe, einen Reaktor zur
anaeroben Behandlung von Abwasser mittels eines anaeroben Aufström-Schlammbettes
(Upflow Anaerobic Sludge Blanket = UASB) zu schaffen, umfassend einen Reaktortank.
Leitungen, einen Abwassermischer, einen ersten und mindestens einen zweiten Abscheider
zur Flotationstrennung von Reaktorwasser, Biomasse und Biogas, wobei der zweite
Abscheider vertikal über dem ersten Abscheider angeordnet ist, jeder Abscheider
eine oder mehrere Gashauben aufweist und die Gashauben des ersten Abscheiders mit
einem oder mehreren Mischern zur Vermischung von Biomasse und Biogas zu einem Biogemenge
verbunden sind und die Mischer über eine Leitung an einen Gasseparator zur
Trennung von Biomasse und Biogas angeschlossen sind.
Neben hoher Effizienz und Durchsatz ermöglicht die Erfindung
eine einfache und kostengünstige Konstruktion eines Reaktors mit geringer Verstopfungsneigung,
direktem Zugang zu kritischen Anlagenteilen und damit verbunden verringertem Wartungsaufwand.
Die Erfindung wird im folgenden anhand von Ausführungsbeispielen
und unter Bezugnahme auf schematische Zeichnungen näher beschrieben. Es zeigen:
1 einen Reaktor mit Biomasse-Kreislauf
2 Gashauben eines ersten und eines weiteren Abscheiders
3a-3b Gashauben mit gemeinsamem
Mischer
3c-3d Gashauben mit separaten
Mischern
4a-4d Vermischung von
Biogas und Biomasse in einem Mischer
5a-5d verschiedene erfindungsgemäße
Mischer
6a-6b Mischer mit Rückhaltekasten
und Wartungsöffnung
7 Abscheider mit übereinander angeordneten Gashauben
8 Mischer mit zwei Einlaßkanälen
1 zeigt schematisch einen erfindungsgemäßen
Reaktor, umfassend einen Reaktortank 1, Leitungen 22 bis
26, einen Abwassermischer 2, einen ersten und einen zweiten Abscheider
33, 35 zur Trennung von Reaktorwasser 7, Biomasse
8 und Biogas 9, einen Mischer 5 zur Vermischung von Biomasse
8 und Biogas 9 und einen Gasseparator 6 zur Trennung
von Biomasse 8 und Biogas 9. Der zweite Abscheider 35
ist vertikal über dem ersten Abscheider 33 angeordnet. Jeder Abscheider
33, 35 weist mindestens eine Gashaube 3, 4 auf,
wobei die Gashaube(n) 3 des ersten Abscheiders 33 mit dem Mischer
5 verbunden ist/sind. Über die Leitung 22 wird dem Reaktor
organisch belastetes Abwasser zugeführt und von dem in einer Bodenzone
30 angeordneten Abwassermischer 2 unter leichter Wirbelbildung
in eine Fermentationszone 31 abgegeben. Gereinigtes Abwasser wird über
die im oberen Bereich des Reaktors angeordnete Leitung 25 abgeführt.
In der Fermentationszone 31 befindet sich die Biomasse 8 als Bett
aus Schlamm oder Granulatschlämmung. Die in der Biomasse 8 enthaltenen
Bakterien bauen die organischen Inhaltsstoffe des Abwassers ab, wobei Biogas
9 gebildet wird. In der Fermentationszone 31 geht das Biogas
9 teilweise in Lösung in das Reaktorwasser 7 über, zum
anderen Teil bildet es feine Bläschen die an der Biomasse 8 haften
oder frei im Reaktorwasser 7 aufsteigen. Die an der Bildung von Biogas
9 beteiligte Biomasse 8 wird durch das anhaftende Biogas
9 leichter als das Reaktorwasser 7 und beginnt ebenso wie die
freien Gasbläschen aus der Fermentationszone 31 in eine erste Driftzone
32 aufzusteigen. Das von der Biomasse 8 erzeugte Biogas
9 verursacht eine aufwärts gerichtete Strömung sowohl von Biomasse
8 wie auch von Reaktorwasser 7.
Oberhalb der ersten Driftzone 32 ist der erste Abscheider
33 mit einer oder mehreren Gashauben 3 (siehe 2)
angeordnet. Die freien Bläschen aus Biogas 9 fangen sich in den Gashauben
3 und bilden ein Gaspolster. Direkt unterhalb des Gaspolsters bildet sich
eine Flotationsschicht bestehend aus mit Biogas 9 durchsetzter Biomasse
8. Aus den Gashauben 3 strömen Biomasse 8 und Biogas
9 in den Mischer 5. Der Mischer 5 weist eine besondere
Gestalt auf, die in Verbindung mit den hydrostatischen Druckverhältnissen und
der Strömungsdynamik im Mischer 5 bzw. in der mit dem Mischer
5 verbundenen Leitung 23 eine intensive Vermischung und/oder Verwirbelung
von Biomasse 8 und Biogas 9 zu einem Biogemenge bewirkt. Vom Mischer
5 wird das Biogemenge über die Leitung 23 in den Gasseparator
6 gefördert. Wie zuvor die Vermischung beruht die Förderung des
Biogemenges auf den hydrostatischen und strömungsdynamischen Verhältnissen,
die im folgenden kurz erörtert werden. In den Gashauben 3 herrscht
ein Druck, der sich aus der Summe der über dem Abscheider 33 lastenden
hydrostatischen Säule aus Reaktorwasser 7 und dem Umgebungsdruck von
1 atm ergibt und der je nach Füllhöhe des Reaktors bis zu 2 atm beträgt.
Demgegenüber fällt der Druck in der Leitung 23 stetig ab auf
den Druckwert in dem mit Leitung 23 verbundenen Abscheider 35.
Der Abscheider 35 ist nahe der Oberfläche der Wassersäule angeordnet,
so daß der dort herrschende Gesamtdruck nur geringfügig höher als
der Umgebungsdruck von 1 atm ist. Vom Abscheider 35 zum Gasseparator
6 fällt der Druck gegebenenfalls weiter auf 1 atm ab. In einer besonderen
Ausführungsform der Erfindung ist der Druck im Gasseparator 6 über
ein Durchflußregelventil 27 in der Leitung 26 steuerbar.
Hierbei dient das Durchflußregelventil 27 primär zur Steuerung
des Volumens des abfließenden Biogases 9 und damit zur Steuerung der
Dicke der Gaspolster in den Gashauben 3, 4.
Die Förderung in der Leitung 23 basiert auf dem Prinzip
der kommunizierenden Röhren, wobei die Flüssigkeitssäule im Reaktor
über dem Abscheider 33 dem ersten Arm eines U-förmigen Rohres,
die mit Biogemenge und Biogas 9 gefüllte Leitung 23 dem zweiten
Arm und die Gashauben 3 mit den Mischern 5 dem gekrümmten
Teil des U entsprechen. Die Leitung 23 verläuft im Reaktortank
1, wie 1 zeigt. Ebenso ist es vorgesehen,
daß die Leitung 23 teilweise oder vollständig außerhalb
des Reaktortanks 1 angeordnet ist.
Neben dem Prinzip der kommunizierenden Röhren kann auch die strömungsdynamische
Mitführung des Biogemenges durch schnell strömendes Biogas 9
genutzt werden. Ein hohe Gasbildungsrate im Reaktor in Verbindung mit kleinem Querschnitt
der Leitung 23 bewirkt hohe Geschwindigkeit und Turbulenz im abströmenden
Biogas 9, wodurch das Biogemenge in dem Mischer 5 und in der Leitung
23 mitgerissen wird. Um die strömungsdynamische Förderung des
Biogemenges zu verstärken, ist es vorteilhaft, den Querschnitt der Leitung
23 um einen Faktor 1 : 60 bis 1 : 400 kleiner als den Querschnitt des Reaktortanks
zu dimensionieren. Die Mischer 5 und die Leitung 23 befinden sich
bevorzugt im Reaktortank 1, können jedoch ebenso zum Teil oder vollständig
außerhalb des Reaktortanks 1 angeordnet sein.
Der Großteil der mit Biogas 9 durchsetzten flotierenden
Biomasse 8 wird im Abscheider 33 aufgefangen und zum Gasseparator
6 gefördert. Das Reaktorwasser 7, das durch den Abscheider
33 hindurch in eine zweite Driftzone 34 gelangt, führt nur
eine geringe Menge flotierender Biomasse 8 mit. In der Driftzone
34 nimmt der hydrostatische Druck stetig bis auf 1 atm ab. Hierdurch bildet
das der flotierenden Biomasse 8 anhaftende Biogas 9 zunehmend
größere Blasen, die sich schließlich ablösen. Durch die Ablösung
des Biogases 9 nimmt das spezifische Gewicht der Biomasse 8 wieder
zu, so daß diese auf den Boden des Reaktors zurücksinkt. Die Abschirmung
durch den ersten Abscheider 33 in Verbindung mit der erhöhten Gasabgabe
in der Driftzone 34 bewirkt, daß das Reaktorwasser 7, das
an die Oberfläche der Wassersäule im Reaktor gelangt und über die
Leitung 25 abgeführt wird, praktisch frei von Biomasse 8
ist. Das in den Gashauben 4 gesammelte Biogas 9 strömt über
die Leitung 23 in den Gasseparator 6. Die Gashauben
4 sind in einem geringen Abstand unterhalb der Oberfläche der Wassersäule
im Reaktor angeordnet, so daß der hydrostatische Druck geringfügig höher
als 1 atm ist, wodurch das Biogas 9 aus den Gashauben 4 zum Gasseparator
6 gefördert wird.
Im Gasseparator 6 werden die im Biogemenge enthaltene Biomasse
8 und das Biogas 9 getrennt. Aus dem Gasseparator 6 fließt
die Biomasse 8 unter Einwirkung der Schwerkraft über die Leitung
24 in den Reaktor zurück. In einer bevorzugten Ausführung der
Erfindung ist die Leitung 24 mit Leitung 22 verbunden, so daß
die rückgeführte Biomasse 8 mit zufließendem Abwasser vermischt
wird.
2 zeigt einen Schnitt durch die Abscheider
33, 35 mit den Gashauben 3, 4. Bevorzugt sind
die Gashauben 3, 4 Hohlkörper mit einer polygonalen oder
halbkreisartig gekrümmten Hüllwand in Form eines umgekehrten V oder umgekehrten
U mit einer nach unten weisenden Öffnung 18. Jede der Gashauben
3 ist durch ebene Stirnwände begrenzt, wobei mindestens eine Stirnwand
eine oder mehrere Durchtrittsöffnungen 19 für Biomasse
8 und Biogas 9 aufweist. In einer alternativen Ausführungsform
der Erfindung bilden die Mischer 5 mindestens eine der Stirnwände
der Gashauben 3. In Ausgestaltung der Erfindung sind die Durchtrittsöffnungen
(19) im oberen Bereich der Stirnwand unterhalb des Firstes der Gashauben
(3) angeordnet. Ähnlich zu den Gashauben 3 sind auch die
Gashauben 4 durch ebene Stirnwände begrenzt, wobei mindestens eine
Stirnwand Durchtrittsöffnungen 21 für Biogas 9 aufweist.
Das in den Gashauben 4 gesammelte Biogas 9 gelangt über die
Durchtrittsöffnungen 21 und die Leitung 23 in den Gasseparator
6. Die Durchtrittsöffnungen 21 sind mittels separater Verbindungsleitungen
oder mittels Sammelleitungen an die Leitung 23 angeschlossen. In weiterer
Ausgestaltung der Erfindung sind die Durchtrittsöffnungen (21) im
oberen Bereich der Stirnwand unterhalb des Firstes der Gashauben (4) angeordnet.
Wie in 2 dargestellt, sind die Gashauben
3, 4 in jedem der Abscheider 33, 35 in zwei
oder mehreren übereinander liegenden horizontalen Ebenen angeordnet. In einer
Ebene sind die Gashauben 3, 4 jeweils parallel und voneinander
beabstandet angeordnet. Durch die Spalte zwischen benachbarten Gashauben
3, 4 tritt aufsteigendes Reaktorwasser 7 hindurch und
strömt nach oben. In jedem der Abscheider 33, 35 sind die
Reihen der Gashauben 3, 4 in übereinander liegenden Ebenen
derart zueinander versetzt, daß die vertikalen Projektionen der Öffnungen
18 der Gashauben 3, 4 eine geschlossene Fläche bilden,
die den Innenquerschnitt des Reaktortanks 1 teilweise oder vollständig
abdeckt. Durch diese labyrinthartige Anordnung der Gashauben 3,
4 werden Biomasse 8 und Biogas 9 praktisch vollständig
aufgefangen.
Wie in 3a in Draufsicht und in
3b in Seitenansicht gezeigt, umfaßt die Erfindung
eine Ausführungsform mit einem ersten Abscheider 33, bei dem mehrere
– z.B. in einer horizontalen Ebene angeordnete – Gashauben
3 mit dem Mischer 5 verbunden sind. Des weiteren können auch
die in zwei oder mehreren horizontalen Ebenen übereinander angeordneten Gashauben
3 mit einem gemeinsamen Mischer 5 verbunden sein (siehe
7).
Eine alternative, in den 3c und
3d in Draufsicht und Seitenansicht dargestellte Ausführungsform
der Erfindung betrifft einen ersten Abscheider 33 bei dem die Gashauben
3 jeweils mit separaten Mischern 5 verbunden sind. In dieser Ausführungsform
sind die Mischer 5 z.B. über eine Sammelleitung oder über separate
Verbindungsleitungen an die Leitung 23 angeschlossen.
Die 4a bis 4d
illustrieren die Funktionsweise der Mischer 5. Die Mischer 5 sind
Hohlkörper mit einem oder mehreren Einlässen 10 für Biomasse
8 und Biogas 9, einer oder mehreren Durchführungen
11 und einem oder mehreren Kanälen 20 sowie einer oder mehreren
Auslaßöffnungen 12, die über die Leitung 23 mit
dem Gasseparator 6 verbunden sind. In dem in den 4a
bis 4d gezeigten Beispiel bildet der Mischer
5 eine stirnseitige Begrenzung der Gashauben 3. Das in den Gashauben
3 aufgefangene Biogas 9 und die darunter liegende Schicht aus
flotierender Biomasse 8 strömen durch die Einlässe
10 in den Mischer 5. In 4a ist eine
Situation dargestellt, in der die im Mischer 5 befindliche Biomasse
8 den Kanal 20 verschließt, so daß das Biogas
9 daran gehindert ist, über die Auslaßöffnung
12 abzuströmen. Durch die fortgesetzte Gasbildung im Reaktor wächst
die Dicke des Gaspolsters in der Gashaube 3 stetig an, der Pegel der Biomasse
8 wird unter die Einlässe 10 abgesenkt und im Mischer
5 wird die Biomasse 8 – wie in 4b
und 4c gezeigt – über den Kanal
20 und die Auslaßöffnung 12 aus dem Mischer
5 verdrängt und über die Leitung 23 in den Gasseparator
6 gefördert. In Folge kann Biogas 9 in verstärktem Maße
abströmen, wodurch das Gaspolster in der Gashaube 3 abnimmt, der Pegel
der flotierenden Biomasse 8 ansteigt und – wie in 4d
dargestellt – erneut Biomassse 8 in den Mischer 5 strömt.
5a bis 5d zeigen weitere Ausführungsformen
von erfindungsgemäßen Mischern 5, bei denen die Einlässe
10 untere und obere Begrenzungen 14, 15 und die Durchführungen
11 obere Begrenzungen 17 aufweisen und die Begrenzungen
17 der Durchführungen 11 tiefer als die oberen Begrenzungen
15 der Einlässe 10 angeordnet sind. Die Kanäle
20 sind beispielsweise jeweils rohrförmig und verlaufen geradlinig
vertikal nach oben. Bei den Weiterbildungen gemäß den 5a,
5b und 5d sind die Mischer 5 so gestaltet,
daß die oberen Begrenzungen 17 der Durchführungen 11
tiefer als die unteren Begrenzungen 14 der Einlässe 10 angeordnet
sind. 5d illustriert einen Mischer 5, der als U-förmiges
Rohr ausgestaltet ist.
6a zeigt eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung,
bei der die Mischer 5 auf ihrer Innenseite mit einem oder mehreren Rückhaltekästen
13 ausgestattet sind. Die Rückhaltekästen 13 umschließen
die Einlässe 10 und weisen an ihrer Unterseite Öffnungen
16 auf, die tiefer als die Einlässe 10 angeordnet sind. Durch
die Öffnungen 16 und die Durchführungen 11 gelangt das
Biogemenge in die Kanäle 20.
6b illustriert ein weitere, auf die einfache Wartung
und Reinigung der Mischer 5 und der Leitung 23 gerichtete Ausführungsform
der Erfindung. In dieser Ausführungsform sind die Mischer 5 an ihrer
Unterseite mit einer Wartungsöffnung 29' und einem Deckel
29'' ausgestattet, wobei der Deckel 29'' die Wartungsöffnung
29' gasdicht verschließt.
7 veranschaulicht eine weitere vorteilhafte Ausführungsform
der Erfindung, bei der der Mischer 5 innerhalb des Reaktortanks
1 angeordnet und mit einer nach unten weisenden Öffnung
28 versehen ist. Wie in 7 gezeigt, ist der
Mischer 5 mit in zwei (oder mehreren) horizontalen Ebenen angeordneten
Gashauben 3 verbunden. Alternativ hierzu können die Gashauben
3 jeweils mit separaten Mischern 5 der in 7
gezeigten Bauform versehen sein.
In 8 ist eine weitere erfindungsgemäße
Ausgestaltung der Mischer 5 dargestellt, bei der die Einlässe
10 einen ersten Einlaßkanal 20' für Biogas und einen
zweiten Einlaßkanal 20'' für Biomasse umfassen. Die Einlaßkanäle
20', 20'' sind horizontal angeordnet oder in Richtung der Durchführung
11 abwärts geneigt. Der erste Einlaßkanal 20' ist oberhalb
von dem zweiten Einlaßkanal 20'' angeordnet und die obere Begrenzung
17 der Durchführung 11 liegt unterhalb der unteren Begrenzung
14 des zweiten Einlaßkanals.