Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Lagersystem für
feuchtigkeitsempfindliche Bauteile, Baugruppen und Materialien, bei dem die Atmosphärenfeuchte
im Lagervolumen durch Trocknungsvorrichtungen beeinflusst wird, und auf ein Verfahren
zum Beeinflussen der Atmosphärenfeuchte.
Die die Schaltkreise umgebenden Kunststoffummantelungen können
bei offener Lagerung Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen. Feuchtigkeitsempfindliche
Bauteile müssen trocken gelagert werden, um bspw. im Reflowlötprozess
nicht zerstört zu werden. Durch die Hitzeentwicklung beim Verlöten der
Schaltkreise verdampft die eingelagerte Feuchtigkeit schlagartig mit einem bis zu
1700-fachen Volumen im Vergleich zur Flüssigkeit. Der entstehende Dampf kann
meist nicht schnell genug nach außen abgeführt werden, so dass es zu Zerstörungen
(Cracks) im Inneren kommt. Ausfälle durch Mikrorisse sind die Folge, die zum
Teil erst nach langer Zeit auftreten können. Wegen höherer Temperaturen
im Bleifreiprozess nimmt die Gefahr von Beschädigung noch zu, da eingelagerte
Feuchtigkeit noch schneller verdampft.
Die Trocknung der Atmosphäre kann entweder durch Anwendung von
Druckluft oder von Inertgas wie Stickstoff erreicht werden. Wesentlich hierbei ist,
dass (entspannte, ehemalige) Druckluft oder auch Inertgas wegen ihrer vorherigen
Bearbeitung oder Herstellung vergleichsweise trocken sind. Die Druckluft zum Trocknen
der Atmosphäre in einem Volumen wird in einem mehrstufigen Prozess erzeugt.
Zuerst wird Umgebungsluft komprimiert, wobei ein Teil der in der Atmosphäre
enthaltenen Feuchte kondensiert und abgeschieden werden kann. Optional kann die
komprimierte Luft anschließend in einem weiteren Schritt kältegetrocknet
werden. Die komprimierte Luft wird dann wieder entspannt und ist um die abgeschiedene
Feuchte trockener als vorher. Sie wird dann in das zu trocknende Volumen geleitet.
Dort mischt sie sich mit der schon vorhandenen Atmosphäre bzw. verdrängt
diese. Auf diese Weise kann die Atmosphärentrocknung erreicht werden. In einer
trockenen Atmosphäre trocknen auch dort eingelagerte Komponenten.
Ein Inertgas zum Trocknen der Atmosphäre stammt aus einem Reservoir,
bspw. einer Gasflasche, in dem das industriell hergestellte, relativ trockene Gas
aufbewahrt wird. Der Zustrom des relativ trockenen Inertgases in das Volumen wird
über ein Ventil geregelt.
Der Nachteil der Drucklufttrocknung ist, dass minimal nur Werte bis
ca. 10% Luftfeuchte erreicht werden können. Für niedrigere Luftfeuchtewerte
muß ein trockenes Inertgas wie zum Beispiel Stickstoff eingesetzt werden.
Der Nachteil der Inertgas-Trocknung ist, dass die Trocknung durch
ein Inertgas viel teurer als die Trocknung durch Druckluft ist.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Lagersystem zur Lagerung feuchtigkeitsempfindlicher
Bauteile und ein Verfahren zum Beeinflussen der Atmosphärenfeuchte in einem
Volumen anzugeben, die kostengünstig in einem weiten Wertebereich einzustellender
Feuchten arbeiten können.
Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche
gelöst.
Die vorliegende Erfindung ist ein Lagersystem zur Lagerung feuchtigkeitsempfindlicher
Bauteile. Es weist ein abschließbares Volumen auf. Zum Beeinflussen der Atmosphärenfeuchte
im Volumen gibt es eine Drucklufttrocknungsvorrichtung und eine Inertgas-Trocknungsvorrichtung,
die je nach gewünschter Atmosphärenfeuchte im Volumen miteinander oder
unabhängig voneinander angewendet werden können. Das Lagersystem kann
gesteuert oder geregelt sein und eine Vielzahl von Kammern aufweisen, die getrennt
voneinander gesteuert bzw. geregelt werden können.
Zum Erreichen relativ niedriger Atmosphärenfeuchtewerte im Volumen
kommt trockenes Inertgas zum Einsatz. Das Inertgas verdrängt je nach Umfang
nach seinem Einströmen in das Volumen einen größeren oder kleineren
Teil der darin enthaltenen Artmosphäre zusammen mit der Feuchtigkeit darin.
Das Resultat kann eine Atmosphärenfeuchte im Volumen von weniger als 1% sein.
Die vorliegende Erfindung beschreibt zudem ein Verfahren zur Steuerung
der Atmosphärenfeuchte im Volumen eines Lagersystems durch Einsatz einer Drucklufttrocknungsvorrichtung
und einer Inertgas-Trocknungsvorrichtung.
Im Folgenden werden verschiedene Ausführungsformen der Erfindung
mit Bezug auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben.
1 ist eine schematische Darstellung eines Lagersystems.
2 ist eine schematische Darstellung von Lagerschränken
mit einzelnen Kammern und mit zugehörigern Steuereinheiten und Zuleitungen
für die Gase.
3 ist eine schematische Darstellung einer Drucklufttrocknungsvorrichtung.
4 ist eine schematische Darstellung einer
Inertgas-Trocknungsvorrichtung.
In 1 wird ein schematischer Aufbau eines
Lagersystems beschrieben.
Ein Lagersystem (10) zur Lagerung feuchtigkeitsempfindlicher
Bauteile mit einem abschließbaren Volumen (11) hat eine Drucklufttrocknungsvorrichtung
(12) zum Beeinflussen der Atmosphärenfeuchte im Volumen (11),
eine Inertgas-Trocknungsvorrichtung (13) zum Beeinflussen der Atmosphärenfeuchte
im Volumen (11) und eine Steuerung (14) zum Ansteuern der Drucklufttrocknungsvorrichtung
(12) und der Inertgas-Trocknungvorrichtung (13) nach Maßgabe
eines Sollwertes (16).
In 2 wird der detaillierte Aufbau des
Lagersystems bestehend aus Schränken, Kammern, Trocknungsvorrichtungen, Gaszuleitungen,
Steuerung und Sensoren beschrieben.
Das Lagersystem (10) kann aus einem oder mehreren Lagerschränken
(30) bestehen. Auch ein oder mehrere Zimmer oder Gebäude können
das Lagersystem bilden. Jeder Lagerschrank (30) bzw. jedes Trocknungssystem
kann aus mehreren separat ansteuerbaren Kammern (31) aufgebaut sein. In
jeder Kammer (31) kann ein Feuchtigkeitssensor (32) installiert
sein, um die Atmosphärenfeuchte für die Regelung zu messen. Zudem kann
in den Kammern ein Temperatursensor (33) platziert sein, dessen Messwerte
ebenfalls zur Steuerung ausgelesen werden. Eine einzige Steuerung (14)
kann zur Ansteuerung mehrerer Lagerschränke (30) oder mehrerer Kammern
(31) ausgelegt sein. Eine einzige Anzeige-Einheit (15) mit einem
Grafikdisplay kann Ausgaben zu mehreren Lagerschränken (30) oder mehreren
Kammern (31) anzeigen. Das Lagersystem (10), insbesondere die
Steuerung (14) kann über eine Schnittstelle (36) zu einem
Datennetz (37) zum Senden und/oder Empfangen von Daten etwa für Fernüberwachung
und/oder Fernsteuerung verfügen. Die aufgezeichneten Daten könne via Bluetooth,
WLAN oder Internet an jeden beliebigen PC übertragen werden. Für jede
Kammer können separat steuerbare Einlassventile für relativ trockene Druckluft
und/oder für relativ trockenes Inertgas vorgesehen sein. Die Ventile können
gleichzeitig die Flussregulierung und die Druckminderung bewirken.
Die Steuerung (14) ist dazu ausgelegt, insbesondere nach
Maßgabe des Sollwerts (16) entweder die Drucklufttrocknungsvorrichtung
(12) oder die Inertgas-Trocknungvorrichtung (13) zu betreiben.
Alternativ kann die Drucklufttrocknungsvorrichtung (12) zusammen mit der
Inertgas-Trocknungvorrichtung (13) betrieben werden.
Der Sollwert (16), der eingestellt werden kann, kann der
Wert einer relativen Atmosphärenfeuchte sein. Die Luftfeuchtigkeit ist als
der Wasserdampfgehalt in der Luft definiert. Die relative Luftfeuchtigkeit ist das
prozentuale Verhältnis zwischen dem momentanen Wasserdampfdruck und dem Sättigungsdampfdruck.
Zum Beispiel enthält die Luft bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50%
nur die Hälfte der gasförmigen Wasserdampfmenge, die maximal enthalten
sein könnte. Die Wasserdampfkapazität der Luft nimmt mit steigender Temperatur
zu. Eine Druckerhöhung führt zur Kondensation einer bestimmten Wassermenge,
die abgeschieden werden kann. Analoge Überlegungen gelten allgemein zu Gasen
bzw. Atmosphären.
Die verwendete Druckluft kann so sein bzw. so erzeugt und behandelt
werden, dass nach ihrer Entspannung auf Umgebungsdruck die Luft bei 20°C eine
relative Feuchte entsprechend einer oder mehreren der folgenden Angaben hat: <
25%, < 15%, < 10%, > 1%, > 3%, > 8%. Das verwendete Inertgas kann
so sein bzw. so erzeugt und behandelt werden, dass nach seiner Entspannung auf Umgebungsdruck
das Inertgas bei 20°C eine relative Feuchte entsprechend einer oder mehreren
der folgenden Angaben hat: < 15%, < 10%, < 5%, > 0,1%, > 0,5%, >
1%. Die obigen Angaben können auch für Temperaturen von 0°C, 10°C,
30°C oder 50°C gelten.
Ein oder mehrere Sensoren (32) können vorgesehen sein,
die als Teil einer Rückführung (34) das Sensorsignal an die Steuerung
(14) senden, um den Prozeß regeln zu können.
In den getrennt voneinander regelbaren Kammern (31) können
als Sollwert Feuchtegrade zwischen < 1% und Umgebungsfeuchte vorzugsweise stufenlos
eingestellt werden.
Relativ hohe Sollwerte der Atmosphärenfeuchte über einem
ersten Schwellenwert, der aber regelmäßig unter der Umgebungsfeuchte liegt,
können allein durch Einsatz von Druckluft als Trockenmedium erreicht werden.
Für die meisten Anwendungen reicht der damit erzielbar Trocknungsgrad aus.
Müssen relativ niedrige Atmosphärenfeuchten unter einem zweiten Schwellenwert,
der gleich dem ersten Schwelenwert sein kann, erzielt werden, kann trockenes Inertgas
verwendet werden. In einem Übergangsbereich zwischen erstem und zweitem Schwellenwert
können die beiden Trockenmedien auch gleichzeitig eingesetzt werden. Der erste
Schwellenwert kann 5%, 10%, 15% oder 20% relative Feuchte sein. Der zweite Schwellenwert
kann 1%, 2%, 5% oder 10% relative Feuchte sein.
Durch den Einsatz von Druckluft zum Erreichen von relativ hohen Feuchtegraden
unter der Umgebungsfeuchte (bspw. bis hinunter auf 10%) können niedrige Inertgas-Verbrauchskosten
realisiert werden.
Ein reines Druckluftsystem zum Trocknen der Atmosphäre in einem
Volumen ist dagegen preisgünstiger zu betreiben als ein Inertgassystem.
Die zulässigen Aufbewahrungszeiten sind abhängig von der
relativen Feuchte gemessen durch einen Luftfeuchtesensor (32) und von der
Lagertemperatur gemessen durch einen Temperatursensor (33). Man teilt die
Bauelemente in verschiedene Level der Feuchteempfindlichkeit ein. In der Praxis
dürfen mehr als 80% aller feuchtigkeitsempfindlicher Bauteile bei 10% bis 20%
Luftfeuchte gelagert werden. Das Trocknungssystem kann dementsprechend aus mehreren
Kammern bestehen, in denen jeweils unterschiedliche Trocknungsmethoden für
jeweils unterschiedliche Feuchtegrade angewendet werden können. Die Trocknung
kann allein durch Druckluft oder allein durch Inertgas oder durch eine Kombination
aus beiden Verfahren erfolgen.
In 3 ist der Aufbau einer Drucklufttrocknungsvorrichtung
(12) dargestellt. Die Drucklufttrocknungsvorrichtung (12) weist
einen Kompressor (42), einen Kondensatabscheider (43) und ggf.
einen Kältetrockner (55) zur weiteren Trocknung der Luft auf. Mehrere
Ventile (41, 45, 47), die durch die Steuerung (14)
geregelt sind, steuern den Zu- und Abfluss des Gases durch die und zwischen den
Komponenten der Drucklufttrocknungsvorrichtung (12). Durch die Komprimierung
der Luft im Kompressor (42) kann sie sehr viel weniger Feuchtigkeit aufnehmen
als im entspannten Zustand und gibt diese als Wasser ab.
In 4 ist der Aufbau einer Inertgastrocknungsvorrichtung
(13) dargestellt.
Die Inertgas-Trocknungseinrichtung (13) besteht aus einem
Reservoir (60) relativ trockenen Inertgases, einem Anschluss (63),
einem geregelten Ventil (61), das mittels einer Steuerleitung (62)
von der Steuerung (14) gesteuert wird und einer Inertgaszuleitung (20).
Das Inertgas kann Stickstoff und/oder Ein Edelgas wie Helium o. ä. sein oder
aufweisen.
In der Erfindung wird ein Verfahren entwickelt, um die Atmosphärenfeuchte
im Volumen (11) eines Lagersystems (10) für feuchtigkeitsempfindliche
Bauteile zu beeinflussen. Durch Zuführen von Druckluft oder Inertgas oder einer
Kombination aus Beiden wird eine Trocknung der Atmosphäre und damit der Bauteile
erreicht. Dabei können Druckluft und Inertgas einzeln, in beliebiger Reihenfolge
nacheinander oder gleichzeitig angewendet werden.
Bei dem Prozess der Trocknung kann unterschieden werden zwischen Bauteiltrocknung
und Atmosphärentrocknung.
Bei der Bauteiltrocknung kann in eine Kammer zuerst vergleichsweise
billige, relativ trockene Druckluft eingeleitet werden, bis ein bestimmter Trocknungsgrad
der Bauteile erreicht ist, der vom Feuchtegrad der eingeleiteten Druckluft abhängt.
Wenn darüber hinaus eine weitere Bauteiltrocknung gewünscht ist, kann
der Trocknungsvorgang mit relativ trockenem Inertgas fortgesetzt werden. In der
trockenen Atmosphäre in der Kammer geben die Bauteile ihre Feuchtigkeit, die
sie zuvor aus der Umgebungsluft aufgenommen hatten, an die umgebende Atmosphäre
ab.
Die Atmosphärentrocknung funktioniert ähnlich wie die obige
Bauteiltrocknung, wobei der Focus allerdings darauf liegt die Atmosphäre zu
entfeuchten, um zum Beispiel Korrosion von Gegenständen in der Kammer zu verhindern.
Je nach gewünschter Feuchtigkeit kann von Anfang an entweder Druckluft oder
Inertgas oder beides in Kombination verwendet werden. Entscheidend kann der Sollwert
der Atmosphärenfeuchte sein, der in der Kammer erreicht werden soll. Er kann
festlegen, ob von Anfang an nur mit Druckluft oder nur mit Inertgas oder mit einer
Kombination aus Beiden die Atmosphäre getrocknet werden soll.