Stand der Technik
Die Erfindung geht aus von einem Trenn- und Schneidewerkzeug nach
der Gattung des unabhängigen Patentanspruchs 1 und von einem Verfahren zur
Herstellung eines Trenn- und Schneidewerkzeugs nach der Gattung des unabhängigen
Patentanspruchs 4.
Aus dem Stand der Technik sind, Diamanttrennscheiben bekannt, welche
ein Stammblatt, mehrere Schneidsegmente und mehrere Hinterlochungen umfassen. Die
herkömmlichen Stammblätter und Hinterlochungen von Diamanttrennscheiben
werden mittels Laserschneiden oder Stanzen ausgeschnitten, wodurch scharfe Kanten
von ca. 90° entstehen können. Diese Kanten können bei der Belastung
der Diamanttrennscheibe zu Spannungskonzentrationen im Bereich der Hinterlochung
und somit zu Rissen führen.
Des Weiteren ist es bekannt, die Kanten der Hinterlochungen durch
Rodieren abzurunden, z.B. mittels eines so genannten Shotpenning-Verfahrens, um
Kerbwirkungen und somit die Rissgefahr zu reduzieren. Beim Shotpenning handelt es
sich um eine Art Kugelstrahlen, welches an der Oberfläche eines Bauteils wirkt
und bei welchem Bereiche, welche nicht gestrahlt werden dürfen, beispielsweise
mittels einer Maske abgedeckt werden müssen.
Offenbarung der Erfindung
Das erfindungsgemäße Trenn- und Schneidewerkzeug mit den
Merkmalen des unabhängigen Patentanspruchs 1 hat demgegenüber den Vorteil,
dass ein Stammblatt des Trenn- und Schneidewerkzeugs im Bereich von mindestens einer
Hinterlochung mittels eines geeigneten Werkzeugs bleibend kalt verfestigt ist, wodurch
die Stabilität und die Oberflachengüte des Trenn- und Schneidewerkzeugs
verbessert und somit die Sicherheit gegen eine Rissbildung in vorteilhafter Weise
erhöht wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung eines Trenn-
und Schneidewerkzeugs mit den Merkmalen des unabhängigen Patentanspruchs 7
hat demgegenüber den Vorteil, dass das Stammblatt im Bereich der mindestens
einen Hinterlochung mittels eines geeigneten Werkzeugs bleibend kalt verfestigt
wird, wodurch das Trenn- und Schneidewerkzeug gezielt, d.h. nur in einem gewünschten
Bereich verfestigt wird. Des Weiteren wirkt der Effekt der erfindungsgemäßen
Verfestigung nicht nur an der Oberfläche des Stammblattes, sondern auch in
die Tiefe des Stammblattsmaterials im Hinterlochungsbereich. Zudem kann das erfindungsgemäße
Herstellungsverfahren einfach automatisiert werden und durch die gezielte Werkzeugeinwirkung
kann auf eine Abdeckung zum Schutz der Bereiche des Trenn- und Schneidewerkzeugs
verzichtet werden, welche nicht verfestigt werden sollen.
Durch die in den abhängigen Ansprüchen aufgeführten
Maßnahmen und Weiterbildungen sind vorteilhafte Verbesserungen des im unabhängigen
Patentanspruch 1 angegebenen Trenn- und Schneidewerkzeugs und des im unabhängigen
Patentanspruch 4 angegebenen Verfahren zur Herstellung eines Trenn- und Schneidewerkzeugs
möglich.
Besonders vorteilhaft ist, dass eine Geometrie des mindestens einen
Verfestigungsbereichs, vorzugsweise eine Kantengeometrie der mindestens einen Hinterlochung,
durch die Kaltverfestigung definierbar ist. Das Trenn- und Schneidewerkzeug kann
beispielsweise als Trennscheibe und/oder als Sägeblatt ausgeführt werden.
In Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die
Kaltverfestigung des mindestens einen Verfestigungsbereichs durch eine Stauchung
umgesetzt, wobei das Werkzeug für die Stauchung härter als der Werkstoff
des Stammblattes im Verfestigungsbereich ausgeführt wird. Die Geometrie des
mindestens einen Verfestigungsbereichs wird beispielsweise in Abhängigkeit
von der Werkzeuggeometrie definiert.
In weiterer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens
wird die Intensität der Kaltverfestigung des mindestens einen Verfestigungsbereichs
durch Einstellen einer Verformungskraft und/oder eines Verformungsweges des Werkzeugs
gesteuert. Die Verformungskraft und/oder der Verformungsweg werden beispielsweise
in Abhängigkeit von Materialeigenschaften und/oder von Abmessungen des Werkzeugs
und/oder des Verfestigungsbereichs eingestellt.
Das Werkzeug wird beispielsweise als gehärtete Kugel ausgeführt,
wobei der Kugeldurchmesser größer als der Durchmesser der Hinterlochung
vor der Verfestigung ausgeführt wird. In weiterer Ausgestaltung kann das als
gehärtete Kugel ausgeführte Werkzeug eine Abflachung aufweisen, welche
bei der Erzeugung der Verfestigung als mechanischer Anschlag wirkt.
Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt
und werden in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
Zeichnungen
1 zeigt einen schematischen Ausschnitt eines Trenn-
und Schneidewerkzeugs mit herkömmlichen Hinterlochungen und erfindungsgemäßen
Hinterlochungen mit einem Verfestigungsbereich.
2 zeigt eine Schnittdarstellung der herkömmlichen
Hinterlochung aus 1.
3 zeigt eine Schnittdarstellung der erfindungsgemäßen
Hinterlochung aus 1.
4 zeigt eine Detaildarstellung der erfindungsgemäßen
Hinterlochung aus 1.
5 bis 8 zeigen Schnittdarstellungen
von Werkzeugen für ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung
von Trenn- und Schneidewerkzeugen.
Ausführungsbeispiel
1 zeigt ein als Diamanttrennscheibe ausgeführtes
Trenn- und Schneidewerkzeug 1 mit einem Stammblatt 5, mehreren
Schneidsegmenten 2 und einer Aufnahmebohrung 3, über welche
das Trenn- und Schneidewerkzeug 1 mit einer zugehörigen nicht dargestellten
Antriebsachse gekoppelt werden kann. Zur Vereinfachung der Beschreibung umfasst
das dargestellte Trenn- und Schneidewerkzeug 1 sowohl mehrere herkömmliche
in das Stammblatt 5 eingebrachte Hinterlochungen 4 als auch zwei
erfindungsgemäße in das Stammblatt 5 eingebrachte Hinterlochungen
10. Ein erfindungsgemäßes als Trennscheibe oder Sägeblatt
ausgeführtes Trenn- und Schneidewerkzeug 1 kann eine beliebige Anzahl
von erfindungsgemäßen in das Stammblatt 5 eingebrachten Hinterlochungen
10 umfassen. Zudem können auch alle in das Stammblatt 5 eingebrachten
Hinterlochungen als erfindungsgemäße Hinterlochungen 10 ausgeführt
werden.
Wie aus der Schnittdarstellung gemäß 2
ersichtlich ist, weist die herkömmliche in das Stammblatt 5 des Trenn-
und Schneidewerkzeugs 1 eingebrachte Hinterlochung 4 scharfe Kanten
mit einem Winkel von ca. 90° auf.
Wie aus der Schnittdarstellung gemäß 3
und der Detaildarstellung gemäß 4 ersichtlich
ist, ist das Stammblatt 5 erfindungsgemäß jeweils im Bereich
11 einer Hinterlochung 10 mittels eines geeigneten Werkzeugs beleibend
kalt verfestigt. Wie aus 3 ersichtlich ist, ist die
Geometrie des Verfestigungsbereichs 11 der Hinterlochung 10 durch
die Kaltverfestigung definiert, d.h. ein Durchmesser 15 und eine Form der
Flächen 12 des mindestens einen Verfestigungsbereichs 11
wird durch die Kaltverfestigung definiert. Die Hinterlochung 10 kann beispielsweise
durch Laserschneiden, Wasserstrahlschneiden, Stanzen, Bohren usw. hergestellt werden.
Nachfolgend wird unter Bezugnahme auf 5
bis 8 ein erfindungsgemäßes Verfahren zur
Herstellung des Trenn- und Schneidewerkzeugs 1 beschrieben. Wie aus
5 bis 8 ersichtlich ist,
wird das Stammblatt 5 jeweils in Bereichen 11 der Hinterlochungen
10 mittels eines geeigneten Werkzeugs 30, 32,
35, 36 bleibend kalt verfestigt. Die Kaltverfestigung des jeweiligen
Verfestigungsbereichs 11 wird im dargestellten Ausführungsbeispiel
durch eine Stauchung umgesetzt, bei welcher Werkzeuge 30, 32,
35, 36 von beiden Oberflächen des Stammblattes
5 mit einer vorgebbaren Verformungskraft F und/oder über einen vorgebbaren
Verformungsweg 20 in den zu verfestigenden bzw. zu stauchenden Bereich
11 gedrückt werden. Zur Stauchung wird das Werkzeug 30,
32, 35, 36 härter als der Werkstoff des Stammblattes
5 im Verfestigungsbereich 11 ausgeführt. Die Intensität
der Kaltverfestigung des jeweiligen Verfestigungsbereichs 11 kann durch
Einstellen der Verformungskraft F und/oder des Verformungsweges 20 gesteuert
werden, wobei die Verformungskraft F und/oder der Verformungsweg 20 in
Abhängigkeit von den Materialeigenschaften und/oder von den Abmessungen des
Werkzeugs 30, 32, 35, 36 und/oder des Verfestigungsbereichs
11 eingestellt werden können. Die Verformungskraft F muss jedoch hoch
genug sein, um im Werkstoff des Stammblattes 5 eine bleibende Verformung
zu verursachen und liegt beispielsweise im Bereich von ca. 40.000 N bis ca. 60.000
N.
Wie weiter aus 5 bis 8
ersichtlich ist, kann die Geometrie des Verfestigungsbereichs 11, insbesondere
die Form der Flächen 12 des Verfestigungsbereichs 11, in
Abhängigkeit von der Werkzeuggeometrie definiert werden, wobei der wirksame
Werkzeugdurchmesser 31 größer als der Durchmesser der Hinterlochung
10 vor der Verfestigung ausgeführt wird. Der Durchmesser der Hinterlochung
10 liegt beispielsweise im Bereich von 4 bis 7 mm und der wirksame Werkzeugdurchmesser
liegt beispielsweise im Bereich von ca. 10 bis 15 mm.
Wie aus 5 und 6
ersichtlich ist, kann das Werkzeug als gehärtete Kugel 30,
32 ausgeführt werden. Durch die Kugelform des Werkzeugs
30, 32 weisen die Flächen 12 des Verfestigungsbereichs
11 eine nach innen gewölbte Rundung auf. Die in 6
dargestellte gehärtete Kugel 32 weist eine Abflachung 34
auf, welche beim Verformungsvorgang als mechanischer Anschlag wirken kann.
Das in 7 dargestellte Werkzeug
35 weist im Bereich des wirksamen Werkzeugdurchmessers 31 eine
gerade Form auf, wodurch die Flächen 12 des Verfestigungsbereichs
11 im Wesentlichen ebenfalls gerade verlaufen.
Das in 8 dargestellte Werkzeug
36 weist im Bereich des wirksamen Werkzeugdurchmessers 31 eine
nach innen gewölbte Rundung auf, wodurch die Flächen 12 des Verfestigungsbereichs
11 eine nach außen gewölbte Rundung aufweisen.
Durch die erfindungsgemäße Kaltverfestigung des Trenn- und
Schneidewerkzeugs im Bereich der Hinterlochung wird die Materialstabilität
erhöht und die Rissgefahr im Verfestigungsbereich wird reduziert. Zudem ergibt
sich im Verfestigungsbereich eine hohe Oberflachengüte und eine hochwertige
Optik.
Das erfindungsgemäße Herstellungsverfahren ermöglicht
eine gezielte Stauchung des Trenn- und Schneidewerkzeugs, welche nicht nur an der
Oberfläche sondern auch in die Tiefe wirkt.