Die vorliegende Erfindung betrifft ein Spindeloberteil einer Spinn-
oder Zwirnspindel gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1.
Aus der DE 196 38 378 A1
ist eine Spinn- und Zwirnspindel gemäß dem Oberbegriff des Anspruches
1 bekannt, bei welcher das aus mindestens zwei Teilen bestehende Spindeloberteil
mittels eines Schrumpf- oder Presssitzes gefügt ist, der auf einer Übermaßpassung
der beiden Teile, von Spindelschaft und Wirtel beziehungsweise Hülsenträger,
beruht. Der Bereich, über den sich die einander entsprechenden Passflächen
gemäß ihrer Ausbildung zur Erzielung der Übermaßpassung erstrecken,
wird nachfolgend als Überdeckung bezeichnet.
Bei der Verbindung von Spindelschaft und Wirtel oder Hülsenträger
wird der Spindelschaft axial zu diesen ausgerichtet, um eine fluchtende Anordnung
zu der der Aufnahme des Spindelschaftes dienenden Durchbohrung des Wirtels oder
des Hülsenträgers zu erreichen. Auf diese Weise sollen im Betrieb der
Spindel möglichst geringe Rundlaufwerte und somit geringe Unwuchten des Spindeloberteiles
sichergestellt werden. Jedoch weisen derartige Verbindungen den Nachteil auf, dass
sich durch das Einwirken von radial zum Spindelschaft gerichteten Kraftkomponenten
auf das Spindeloberteil, wie sie zum Beispiel beim Transport oder beim manuellen
Handling auftreten, die Rundlaufwerte des Spindeloberteiles über eine Toleranzgrenze
hinaus vergrößern. Die radial gerichteten Kraftkomponenten wirken sich
entsprechend der Relation von der Länge des Spindelschaftes zur Länge
des Bereiches der Überdeckung bereits bei geringer Belastung stark aus. Die
mit einer Erhöhung des Rundlaufwertes einhergehende Zunahme der Unwucht des
Spindeloberteiles führt zu einer höheren Lagerbelastung und dem damit
verbundenen verstärkten Verschleiß der Lager.
Die Zunahme des Rundlaufwertes ist auf die Spannungsverteilung im
Presssitz zurückzuführen. In einem Teilabschnitt der durch die beiden
Pressflächen ausgebildeten Überdeckung, der sich ausgehend von der dem
Spindeloberteil zugewandten Stirnseite des Wirtels beziehungsweise des Hülsenträgers
in Richtung der axialen Ausdehnung der Überdeckung erstreckt, wird durch eine
radiale Belastung des oberen Schaftendes gegenüber dem Wirtel ein Biegemoment
hervorgerufen. Das Biegemoment bewirkt auf der der Belastungsrichtung zugewandten
Seite, das heißt der Seite, an welcher die radiale Kraftkomponente am Spindelschaft
angreift, ein geringfügiges Ablösen des Spindelschaftes vom Wirtel. Auf
der dem Belastungseintrag abgewandten Seite des Spindelschaftes führt das Biegemoment
zu einem Hineinpressen des Spindelschaftes in die Passfläche des Wirtels beziehungsweise
des Hülsenträgers. Die Spannungsverteilung reicht bei einer derartigen
Belastung in axialer Richtung über mehrere Millimeter in den Schrumpf- oder
Presssitz hinein. Beim Fortfallen der radialen Kraftkomponente wird eine vollständige
Rückführung des Schaftes in seine Ausgangslage auf Grund der gegenüber
der Gleitreibung um ein vielfaches größeren Haftreibung im Bereich des
Schrumpf- oder Presssitzes verhindert. Dies führt somit zu einer Zunahme des
Rundlaufes und damit zu einer Vergrößerung der Unwucht.
Es ist Aufgabe der Erfindung, ausgehend vom vorgenannten Stand der
Technik, den aus dieser Verbindungsart resultierenden Nachteil auf kostengünstige
Art weitgehend zu vermeiden.
Die Aufgabe wird mit einem Spindeloberteil mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
Gemäß Anspruch 1 wird vorgeschlagen, dass ein Teilabschnitt
der Passflächen im Randbereich der Überdeckung als eine Übergangspassung
ausgebildet ist. Durch den als Übergangspassung ausgeführten Teilabschnitt
im Randbereich der Überdeckung, der eine gegenüber dem übrigen Bereich
der Überdeckung, in der eine Übermaßpassung besteht, reduzierte Haftreibung
aufweist, wird beim Fortfall der radial gerichteten Kraftkomponente auf den Spindelschaft
eine Ausgleichsbewegung ermöglicht, die weitgehend zu einer Rückführung
des Spindelschaftes in seine ursprüngliche, gegenüber dem Wirtel ausgerichtete
Position führt. Auf diese Weise lässt sich der Toleranzwert des Rundlaufwertes
im Wesentlichen aufrechterhalten. Der gemäß dem Stand der Technik auftretende
Effekt, dass auf Grund der gegenüber der Gleitreibung um ein vielfaches höheren
Haftreibung ein Zurückgleiten in die Ausgangsposition des Spindelschaftes verhindert
wird, wird erfindungsgemäß durch einfachste konstruktive Mittel auf kostengünstige
Weise minimiert.
Vorzugsweise sollte der Teilabschnitt benachbart zum Oberteil des
Spindelschaftes angeordnet sein. Hierzu kann sich der Teilabschnitt ausgehend von
der dem Oberteil des Spindelschaftes zugewandten Stirnseite des mindestens einen
Teiles in axialer Richtung des Spindelschaftes erstrecken. Beim manuellen Handling
des Spindeloberteiles oder bei dessen Transport, ist insbesondere das Oberteil des
Spindelschaftes Belastungen ausgesetzt, deren in radialer Richtung wirkenden Kraftkomponenten
zu dem bereits beschriebenen Effekt führen. Durch die erfindungsgemäße
Anordnung des Teilabschnittes im Übergangsbereich werden die Auswirkungen der
durch die radiale Kraftkomponente hervorgerufenen Belastung dort entsprechend minimiert,
wo sie sich am stärksten negativ auswirken.
Insbesondere kann der Bereich der Überdeckung der Passflächen,
in dem eine Übermaßpassung vorliegt, zumindest 80% der axialen Ausdehnung
des Teiles in Richtung des Spindelschaftes entsprechen.
In bevorzugter Ausführung kann der Teilabschnitt durch eine geringfügige
Abweichung des Außendurchmessers des Spindelschaftes von der Übermaßpassung
ausgebildet sein. Alternativ kann der Teilabschnitt durch eine geringfügige
Abweichung des Innendurchmessers der Durchgangsbohrung des mindestens einen Teiles
von der Übermaßpassung ausgebildet sein. Hierzu kann die Abweichung des
zumindest einen Teilabschnittes cirka 0,01 bis 0,1 mm betragen. Die Größenordnung
der Abweichung ist im Wesentlichen von den Durchmessern des Spindelschaftes und
der Durchbohrung abhängig.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand der in den Zeichnungen dargestellten
Ausführungsbeispiele näher erläutert.
1 Teilschnittansicht einer ersten Ausführungsform
eines Spindelschaft mit aufgesetztem Wirtel;
2 Teilschnittansicht einer zweiten Ausführungsform
des Spindelschaft gemäß 1.
In 1 ist ein Spindeloberteil
1 einer Spinn- oder Zwirnspindel dargestellt, die einen Spindelschaft
2 sowie mindestens ein auf dem Spindelschaft 2 angeordnetes Teil,
insbesondere einen Wirtel 3 oder einen nicht dargestellten Hülsenträger,
umfasst. Der Wirtel 3 dient dabei dem Antrieb des Spindeloberteiles
1, während der Hülsenträger der Aufnahme von Spulen oder
Spulenhülsen dient. Der Hülsenträger kann beispielsweise als ein
Aluminiumaufsatz ausgebildet sein.
Der Wirtel 3 weist eine Durchgangsbohrung auf, durch die
der Spindelschaft 2 geführt wird. Dies gilt entsprechend für
eine Anordnung des Hülsenträgers auf dem Spindelschaft 2. Die
Befestigung des Wirtels 3 oder des Hülsenträgers wird durch einen
Schrumpf- oder Presssitz erreicht. Der Schrumpf- oder Presssitz ist auf eine Übermaßpassung
zurückzuführen, durch die sowohl eine axiale als auch eine radiale Fixierung
der miteinander zu verbindenden Teile erreicht wird.
Sowohl der Spindelschaft 2 als auch die Durchgangsbohrung
des Wirtels 3 sind hierzu mit einander entsprechenden Passflächen
6, 7 versehen. Hierbei besteht im Bereich des Schrumpf- oder Presssitzes
in axialer Richtung eine Überdeckung 4 der Passflächen
6, 7 zwischen dem Spindelschaft 2 und dem Wirtel
3 oder dem Hülsenträger. Auf Grund der zwischen den beiden durch
Schrumpf- oder Presssitz miteinander verbundenen Teilen auftretenden Haftreibung
wird, wie bereits erwähnt, das Auftreten einer axialen oder radialen Relativbewegung
mit den damit verbundenen Nachteilen verhindert.
Die Überdeckung 4 der Passflächen 6,
7 mit Schrumpf- oder Presssitz erstreckt sich, wie in 1
dargestellt, nur teilweise über die axiale Ausdehnung des Wirtels
3. Zwischen dem Spindelschaft 2 und dem Wirtel 3 ist
in axialer Richtung ein Teilabschnitt 5 ausgebildet, in welchem die Durchmesser
des Spindelschaftes 2 und des Wirtels 3 derart gewählt sind,
dass die Passflächen 6, 7 des Teilabschnittes 5
als eine Übergangspassung ausgeführt sind. Der Teilabschnitt
5 wird gemäß 1 durch eine partielle
Verjüngung des Außendurchmessers des Spindelschaftes 2 ausgebildet.
Die Übergangspassung im Teilabschnitt 5 bewirkt, dass bei einer auftretenden
Belastung durch eine radial gerichtete Kraftkomponente eine reversible Gleitbewegung
von Spindelschaft 2 und Wirtel 3 in dem Teilabschnitt
5 erreicht wird.
Gemäß einer alternativen Ausführungsform, wie in
2 dargestellt, wird der Teilabschnitt 5 durch
eine partielle Vergrößerung des Bohrungsdurchmessers im Wirtel
3 auf das Außenmaß des Spindelschaftes 2 ausgebildet.
Die partielle Vergrößerung des Bohrungsdurchmessers liegt dabei entsprechend
der Ausgestaltung der ersten Ausführungsform innerhalb eines für eine
Übergangspassung zulässigen Toleranzbereiches.
Allen Ausführungsformen ist gemeinsam, dass sich auf Grund der
Übergangspassung im Teilabschnitt 5, der den Bereich darstellt, in
dem der Biegegradient am größten ist, der Anteil der Haftreibung im Teilabschnitt
5 gegenüber dem übrigen Bereich der Überdeckung
4 derart reduziert wird, dass beim Auftreten einer Belastung im Teilabschnitt
5 eine Relativbewegung zwischen dem Wirtel 3 und dem Spindelschaft
2 ermöglicht wird. Dies bewirkt eine Minimierung des nachteiligen
Effektes, der bei einer Verbindung gemäß dem Stand der Technik auftritt,
da der Spindelschaft 2 sich innerhalb dieses Teilabschnittes
5 bei Fortfall einer radial gerichteten Kraftkomponente durch Gleiten in
seine Ausgangslage zurückbewegen kann.
Die geringfügigen Abweichungen des Außendurchmessers des
Spindelschaftes und/oder des Innendurchmessers der Durchgangsbohrung betragen cirka
0,01 mm bis 0,1 mm. Der Bereich der Übermaßpassung erstreckt sich dabei
zumindest über 80% der Ausdehnung des Wirtels 3 oder des Hülsenträgers
in axialer Richtung des Spindelschaftes 2.