Stand der Technik
Die Erfindung geht aus von einem Verfahren zum Betreiben einer Elektrowerkzeugmaschine
und von einer Elektrowerkzeugmaschine nach den Oberbegriffen der unabhängigen
Ansprüche.
Bei bekannten Elektrowerkzeugmaschinen wird eine Drehmomentbegrenzung
bekanntermaßen dadurch realisiert, dass entweder eine mechanische Überlastkupplung
auf der Abtriebswelle des Getriebes bei Erreichen eines voreingestellten Lastmoments
den Kraftschluss periodisch unterbricht oder die Stromaufnahme des elektrischen
Motors, die proportional zum Drehmoment ist, auf einen konstanten Wert geregelt
wird.
Der Wert des gewünschten Lastmoments wird im Regelfall voreingestellt
und während des Betriebs nicht geändert. Eine Änderung durch den
Benutzer der Elektrowerkzeugmaschine wird normalerweise bei Motorstillstand vorgenommen.
Durch die Betätigung eines Drückers an der Elektrowerkzeugmaschine durch
den Finger des Benutzers wird die Drehzahl des Motors entweder über eine Pulsweitenmodulation
verändert oder über einen Regler proportional zur Drückerstellung
vorgegeben. Wird das durch die Drehmomentbegrenzung vorgegebene Lastmoment erreicht,
wird das vom Motor abgegebene Moment konstant gehalten, indem entweder die mechanische
Kupplung den Kraftschluss periodisch unterbricht oder der Motorstrom auf einen konstanten
Wert geregelt wird.
Im Fall der mechanischen Überlastkupplung dreht der Motor mit
unverminderter Drehzahl weiter, wobei beim periodischen Einrasten und beim erneuten
Öffnen der Überlastkupplung jeweils kurzzeitig eine hohe Drehmomentspitze
auf das Werkstück ausgeübt wird. Dies führt bei Schraubern dazu,
dass die Schraube jeweils ein Stück weitergedreht wird, wie z.B. bei einem
Impulsschrauber, und möglicherweise überdreht werden kann. Das Ansprechen
der Überlastkupplung ist außerdem mit einer erheblichen und oft als unangenehm
empfundenen Geräuschentwicklung verbunden.
Wird das Drehmoment elektronisch durch Regelung des Motorstroms begrenzt,
so wird der Motor nach Erreichen des voreingestellten Lastmoments so lange bestromt,
bis der Benutzer den Drücker loslässt. Dies gilt auch für die mechanische
Drehmomentbegrenzung.
Vorteile der Erfindung
Die Erfindung geht aus von einem Verfahren zum Betreiben einer Elektrowerkzeugmaschine,
bei der eine Drehmomentbegrenzung eines elektrischen Motors anspricht, wenn ein
Lastmoment einen vorgegebenen Schwellenwert überschreitet, wobei eine Leistungsanforderung
über einen Schalter erfolgt.
Es wird vorgeschlagen, dass eine Bestromung des Motors unterbrochen
wird, wenn aus einer Drehzahlerfassung des Motors ein Kriterium zum Ansprechen der
Drehmomentbegrenzung erkannt wird. Als Motor ist ein EC-Motor oder ein Gleichstrommotor
bevorzugt. Eine Drehzahlerfassung ist insbesondere bei EC-Motoren mit elektrischer
Kommutierung über deren übliche Rotorlageerfassung mit geringem Aufwand
zu verwirklichen. Die Drehzahlerfassung kann über wenigstens einen Drehwinkelsensor
etwa einen Hallsensor, der durch einen auf einer Motorwelle angeordneten Dauermagneten
stimuliert wird, erfolgen oder bei elektronisch kommutierten Motoren auch drehwinkelsensorlos
über die Erfassung einer Polradspannung (BackEMF) oder deren dritter Harmonischer.
Besonders vorteilhaft ist die Erfindung bei akkubetriebenen Elektrowerkzeugmaschinen
einsetzbar. Die Unterbrechung der Bestromung des Motors wird vorteilhaft über
eine Leistungselektronik des Motors bewirkt. Die Unterbrechung wird vorteilhaft
auch dann vorgenommen, wenn der Benutzer die Leistungsanforderung unverändert
lässt, also z.B. einen Druckschalter in unveränderter Position belässt.
Nach einem nebengeordneten Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren
zum Betreiben einer Elektrowerkzeugmaschine vorgeschlagen, bei der eine Drehmomentbegrenzung
eines elektrischen Motors anspricht, wenn ein Lastmoment einen vorgegebenen Schwellenwert
überschreitet, wobei eine Leistungsanforderung über einen Schalter erfolgt
und wobei eine Verbindung zwischen einer den Motor bestromenden Akkueinheit und
dem Motor zumindest teilautomatisiert unterbrochen wird, wenn ein Kriterium zum
Ansprechen der Drehmomentbegrenzung erkennbar ist.
Es können vorteilhaft eine unnütze Entladung der Akkueinheit
einer akkubetriebenen Handwerkzeugmaschine und eine Erwärmung der Akkueinheit
durch eine Motorbestromung nach Ansprechen der Drehmomentbegrenzung vermieden werden.
Weiterhin ist eine Verbesserung der Bedienfunktion nach Ansprechen einer elektronischen
Drehmomentbegrenzung bei Elektrowerkzeugmaschinen, insbesondere bei Schraubern und
Bohrmaschinen, erreichbar.
Die weitere Bestromung des Motors nach Ansprechen der Drehmomentbegrenzung
bringt bei akkubetriebenen Handwerkzeugmaschinen keine Vorteile, sondern nur den
Nachteil, dass die Akkueinheit durch die teilweise hohe Stromabgabe im Stillstand
schneller entladen und belastet wird. Die in der Akkueinheit gespeicherte elektrische
Energie lässt sich dadurch ökonomisch für mehr Nutzarbeit der Elektrowerkzeugmaschine
einsetzen. Die Akkueinheit wird geschont, da bekanntermaßen bei kurzzeitiger
hoher Stromabgabe die Erwärmung stärker ist als bei längerer, aber
geringerer Stromabgabe (I2·t). Die Lebensdauer der Akkueinheit kann
durch die geringere Belastung verbessert werden.
Bevorzugt kann als Kriterium ein schneller Abfall der Drehzahl herangezogen
werden. Dies ist typisch für einen Blockierfall. Ebenso kann zusätzlich
oder alternativ ein Motorstillstand als Kriterium herangezogen werden. In diesem
Fall ist die Drehzahl des Motors null. Die beiden Größen sind mittels
einer Rotorlage-Erfassungseinheit einfach zu bestimmen.
Vorteilhaft kann nach Ansprechen der Drehmomentbegrenzung eine erneute
Bestromung des Motors erfolgen, wenn die Leistungsanforderung reduziert und dann
wieder erhöht wird.
Nach Ansprechen der Drehmomentbegrenzung kann günstigerweise
eine erneute Bestromung des Motors erfolgen, wenn eine vorgegebene Zeitspanne verstrichen
ist. Dies erhöht den Bedienkomfort.
Eine günstige Zeitspanne liegt z.B. zwischen 0,05 und 3, bevorzugt
zwischen 0,1 und 2 s. Die Zeitspanne kann vorteilhaft durch einen Benutzer wählbar
oder auch z.B. werkseitig fest vorgegeben sein. Die Zeitspanne, bei der bei anstehender
Leistungsanforderung, z.B. gedrücktem Schalter, der Motor nicht bestromt wird,
wird zweckmäßigerweise so gewählt, dass dem Benutzer ausreichend
Zeit bleibt, den Schalter loszulassen und für einen neuen Arbeitsgang wieder
zu betätigen, falls er dies wünscht. In diesem Fall ist es sinnvoll, die
normale Drehmomentbegrenzung wieder zu aktivieren, d.h. die voreingestellte Drehmomentbegrenzung
wird wieder wirksam und die Proportionalität zwischen Schalterstellung und
angeforderter Drehzahl bzw. Schalterstellung und Pulsweitenmodulation wird wieder
eingestellt.
Wird während oder nach Ablauf der Zeitspanne die Leistungsanforderung
beibehalten oder erhöht, indem der Benutzer den Druckschalter gedrückt
hält, ist es vorteilhaft, wenn beim erneuten Bestromen ein Grenzwert der Drehmomentbegrenzung
erhöht wird. Damit kann der Bedienkomfort für den Benutzer weiter erhöht
werden, und ein erneutes Anlaufen des Motors ist aus der eingestellten Drehmomentbegrenzung
heraus möglich. So lässt sich z.B. eine Schraube unter Sichtkontrolle
durch den Benutzer weiterdrehen.
Eine Überforderung des Reaktionsvermögens des Benutzers
wird vermieden, wenn bei steigender Drehmomentbegrenzung beim erneuten Bestromen
eine Drehzahl des Motors begrenzt wird. Vorteilhaft ist eine Begrenzung auf einen
niedrigen Wert von z.B. 0,25 bis 4, bevorzugt zwischen 0,5 bis 3 Umdrehungen/s.
Vor allem bei hohen Lastmomenten kann sich der Benutzer in diesem Fall besser auf
die erforderlichen Kräfte einstellen.
Ein typischer Anwendungsfall ist z.B. das Bohren von Löchern
in Metall mit größeren Bohrern. Kurz vor dem Durchbruch des Bohrers durch
das Werkstück steigt das Lastmoment durch Gratbildung im Werkstück sprunghaft
an, was von dem Benutzer ein sehr schnelles Reaktionsvermögen erfordert. Ein
bevorzugter Stopp des elektrischen Motors bei einem voreingestellten Lastmoment,
das sich anschließend langsam steigern lässt, ist in diesem Fall von größtem
Nutzen. Der Kraftanstieg ist nicht abrupt und bleibt beherrschbar und kontrolliert.
Es wird weiterhin eine Elektrowerkzeugmaschine vorgeschlagen, bei
der eine Drehmomentbegrenzung eines elektrischen Motors vorgesehen ist, wenn ein
Lastmoment einen vorgegebenen Schwellenwert überschreitet, wobei eine Leistungsanforderung
über einen Schalter erfolgt. Dabei sind Mittel vorgesehen, eine Bestromung
des Motors zu unterbrechen, wenn aus einer Drehzahlerfassung des Motors ein Kriterium
zum Ansprechen der Drehmomentbegrenzung erkennbar ist. Eine Auswertung der Drehzahlerfassung
bzw. der Strommessung, die Abschaltung der Bestromung und die Wiederaufnahme der
Bestromung erfolgen vorzugsweise in einer Elektronikeinheit.
Nach einem eigenständigen Aspekt der Erfindung wird eine Elektrowerkzeugmaschine
vorgeschlagen, bei der eine Drehmomentbegrenzung eines elektrischen Motors vorgesehen
ist, wenn ein Lastmoment einen vorgegebenen Schwellenwert überschreitet, wobei
eine Leistungsanforderung über einen Schalter erfolgt und wobei Mittel vorgesehen
sind, eine Verbindung zwischen einer den Motor bestromenden Akkueinheit und dem
Motor zumindest teilautomatisiert zu unterbrechen, wenn ein Kriterium zum Ansprechen
der Drehmomentbegrenzung erkennbar ist.
Eine unnötige Entladung der Akkueinheit wird vermieden und eine
bessere Ausnutzung der Kapazität der Akkueinheit ermöglicht.
Vorzugsweise können Mittel vorgesehen sein, eine Bestromung des
Motors zu unterbrechen, wenn aus einer Drehzahlerfassung des Motors ein Kriterium
zum Ansprechen der Drehmomentbegrenzung erkennbar ist.
Weiterhin ist es günstig, Mittel zur Erkennung eines
schnellen Abfalls der Drehzahl und/oder eines Motorstillstands vorzusehen.
Sind Mittel zur Drehzahlbegrenzung bei einer erneuten Bestromung des
Motors vorgesehen, kann aus einem Blockierfall heraus unter Sichtkontrolle weitergearbeitet
werden.
Zeichnung
Weitere Vorteile ergeben sich aus der folgenden Zeichnungsbeschreibung.
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt. Die
Zeichnung, die Beschreibung und die Ansprüche enthalten zahlreiche Merkmale
in Kombination. Der Fachmann wird die Merkmale zweckmäßigerweise auch
einzeln betrachten und zu sinnvollen weiteren Kombinationen zusammenfassen.
Es zeigen:
1 eine bevorzugte Elektrowerkzeugmaschine mit einer
Akkueinheit zur Bestromung der Elektrowerkzeugmaschine,
2 ein Blockschaltbild zur Realisierung der Benutzerfunktion
für eine Elektrowerkzeugmaschine mit elektronischer Drehzahlbegrenzung und
3 einen Verlauf von Drehzahl und Drehmoment als Funktion
der Zeit für einen Schraubfall mit Drehmomentbegrenzung und Fertigschrauben
unter Sichtkontrolle.
Beschreibung des Ausführungsbeispiels
1 zeigt eine Elektrowerkzeugmaschine 100,
welche einen elektrischen Motor 10 umfasst, der von einer in einem Handgriff
110 der Elektrowerkzeugmaschine 100 angeordneten Akkueinheit
14 bestrombar ist. Zum Betätigen der Elektrowerkzeugmaschine
100 ist ein Schalter 120 vorgesehen. Tritt im Betrieb eine Drehmomentbegrenzung
auf, kann die Verbindung zwischen Akkueinheit 14 und Motor 10
unterbrochen werden und die Akkueinheit 14 geschont werden.
2 zeigt ein Blockschaltbild mit dem vorzugsweise als
EC-Motor ausgebildeten elektrischen Motor 10 mit einer Leistungselektronik
12. Zur elektrischen Versorgung der Elektrowerkzeugmaschine dient die Akkueinheit
14. Der bevorzugt als EC-Motor oder Gleichstrommotor ausgebildete Motor
10 umfasst eine Rotorlage-Erfassungseinheit 20, mit der die Rotorlage
eines Rotors des Motors 10 erfasst werden kann. Die Elektrowerkzeugmaschine
ist z.B. ein Akkubohrer.
Eine Elektronikeinheit 16 zur Steuerung oder Regelung der
Elektrowerkzeugmaschine erhält Signale der Rotorlage-Erfassungseinheit
20, anhand derer der als EC-Motor ausgebildete Motor 10 im Normalbetrieb
angesteuert wird.
Eine Strommesseinheit 22 dient zur Erfassung der Stromabgabe
der Akkueinheit 14. Der erfasste Stromwert wird an die Elektronikeinheit
16 weitergegeben.
Ein Benutzer gibt über einen bevorzugt als Drücker ausgebildeten
Schalter 18 eine Leistungsanforderung an die Elektronikeinheit
16, wenn er z.B. eine Bohrung in ein Werkstück bohren will, das mit
einem Bohrer der Elektrowerkzeugmaschine in Wirkverbindung gebracht worden ist.
Die Position des als Drücker ausgebildeten Schalters 18 ist kennzeichnend
für die Größe der Leistungsanforderung durch den Benutzer. Proportional
zur Position wird eine Drehzahl n des Motors 10 oder eine übliche
Pulsweitenmodulation des Stromsignals, das dem Motor 10 zugeführt
wird, eingestellt. Wird der als Drücker ausgebildete Schalter 18 in
seine maximale Endstellung gedrückt, ist die Leistungsanforderung maximal,
in einer Mittelstellung ist sie entsprechend geringer.
Vorzugsweise erfolgen mit der Elektronikeinheit 16 die Blockiererkennung,
die Abschaltung der Bestromung und die Wiederaufnahme der Bestromung des Motors
10, wobei die Leistungselektronikeinheit 12 entsprechend angesteuert
wird.
Die Bestromung des Motors 10 wird unterbrochen, wenn aus
einer Drehzahlerfassung des Motors 10 ein Kriterium zum Ansprechen der
Drehmomentbegrenzung erkannt wird. Als Kriterium sind ein schneller Abfall der Drehzahl
und/oder ein Motorstillstand geeignet.
Nach Ansprechen der Drehmomentbegrenzung kann eine erneute Bestromung
des Motors 10 erfolgen, wenn die Leistungsanforderung reduziert, also z.B.
der Schalter 18 losgelassen wird und dann wieder erhöht wird, also
z.B. der Schalter 18 wieder gedrückt wird.
Alternativ kann nach Ansprechen der Drehmomentbegrenzung eine erneute
Bestromung des Motors 10 erfolgen, wenn eine vorgegebene Zeitspanne &Dgr;t
verstrichen ist. Dies ist in 3 erläutert.
Eine obere Kennlinie 24a–26a gibt den Verlauf
einer Drehzahl n, eine untere Kennlinie 24b–26b den Verlauf
eines Drehmoments M über der Zeit t für einen Schraubfall mit Drehmomentbegrenzung
wieder. Bei einem Punkt 28 wird ein Kriterium der voreingestellten Drehmomentbegrenzung
28b oder des voreingestellten Drehzahlabfalls 28a innerhalb einer
voreingestellten Zeit erreicht und die Leistungselektronik 12 unterbricht
die Bestromung des Motors 10 (1). Die Drehzahl
n und danach das Drehmoment M fallen schnell auf null ab. Während
der Zeitspanne &Dgr;t unterbleibt eine Bestromung, auch wenn der Benutzer den
Schalter 18 weiter gedrückt hält. Nach Ablauf der Zeitspanne
&Dgr;t setzt das erneute Bestromen des Motors 10 ein, wobei dessen Drehzahl
auf niedrige Werte begrenzt wird, während gleichzeitig ein Grenzwert der Drehmomentbegrenzung
langsam erhöht wird. In diesem Bereich ist z.B. ein Fertigschrauben unter Sichtkontrolle
möglich.