Technischer Bereich
Die vorliegende Erfindung betrifft die Herstellung einer Sohle für
Schuhe, die aus einer Laufsohle aus vulkanisiertem Kautschuk gekoppelt an eine Mittelsohle
aus Polyurethan gebildet ist.
Stand der Technik
Die beim Zusammenfügen von vulkanisiertem Kautschuk und Polyurethan
auftretenden Probleme sind bekannt; diese beiden Materialien, zumindest die bisher
verwendeten, sind in der Tat im Wesentlichen unverträglich miteinander und
es sind spezielle Techniken notwendig, um sie miteinander zu verbinden.
GB 2184638 A offenbart ein Verfahren,
bei dem keine Klebstoffschicht verwendet wird.
Kautschukmischungen, die speziell zum Koppeln von Polyurethan entwickelt
sind (frei von öligen Substanzen, die sobald der Kautschuk vulkanisiert ist,
zur Oberfläche migrieren), werden zunächst über Zeiten und Temperaturen
vulkanisiert, die für derzeit im Handel erhältliche Mischungen erforderlich
sind (ungefähr 170 °C).
Die Sohlen werden dann mit Lösemitteln gewaschen, um die Reste
von Trennmittel, Staub und Verunreinigungen zu entfernen, die durch die Handhabung
durch das Bedienungspersonal bedingt sind (fettige Substanzen der Haut).
Der nächste Schritt ist Trocknen, um die Spuren von Lösemittel
zu eliminieren, die die Wirkung des Grundierungsmittels (Primers) beeinträchtigen
können, das im anschließenden Schritt verwendet wird.
Dann wird ein Primer auf Chlorbasis durch Aufsprühen auf die
Innenfläche der Lauffläche (Halogenierung) aufgetragen, der dann mit dem
Polyurethan in Kontakt kommt.
Das Vorhandensein des Primers auf Basis von chlorierten Substanzen
ist derzeit für die anschließenden Schritte und damit für das Erreichen
einer Kopplung zwischen Gummilaufsohle und Polyurethanmittelsohle unverzichtbar.
Der anschließende Schritt besteht in Ruhen über 24 Stunden
bei einer konstanten Temperatur, um zu gewährleisten, dass der Primer vom Kautschuk
vollständig aufgenommen ist (die Wirkung des Primers besteht im chemischen
Modifizieren der Kautschukoberfläche, dem "Aktivieren").
Sobald der obige Ruheschritt beendet ist, wird ein Klebstoff auf Polyurethanbasis
aufgesprüht und der Klebstoff dann über eine Zeitspanne zwischen einigen
Stunden und einem Tag bei Raumtemperatur trocknen gelassen (in Abhängigkeit
vom Dampfdruck des Lösemittels des Klebstoffs).
Es ist notwendig, dass sicher ist, dass der Klebstoff trocken ist,
bevor das Polyurethan daraufgegossen werden kann.
Die Laufsohle ist dann bereit zum Positionieren in der Form.
In der Form wird der Klebstoff durch Bestrahlung mit einer IR-Lampe
aktiviert (Hitzeschock) und schließlich wird Polyurethan eingespritzt oder
eingegossen. Ein ähnliches Verfahren ist in US
4245406 offenbart.
Diese Herstellungstechnik weist deutlich eine Reihe von Problemen
auf: die Notwendigkeit, die Laufsohlen separat vom Polyurethanformgerät vorzubereiten
und sie aus Gründen der Produktionslogistik zu lagern; die Notwendigkeit, die
Laufsohlen abkühlen zu lassen, zumindest bis sie eine Temperatur erreichen,
die mit dem Polyurethanformungsdruck verträglich ist; die Notwendigkeit, aufgrund
des Lagerns, mit einem Lösemittel zu waschen, das teuer ist und toxische Produkte
einsetzt; die Notwendigkeit, eine relativ lange Zeit vergehen zu lassen, die nicht
mit kontinuierlicher Produktion nach Auftragen des Primers vereinbar ist; die Notwendigkeit,
den Klebstoff nach dem Aufsprühen trocknen zu lassen; die Notwendigkeit, die
Klebezeit (eine beträchtliche Zeit) zur Selbstaktivierung verstreichen zu lassen.
Als eine Alternative zur Behandlung mit einem Primer wurden andere
Lösungen eingesetzt, die zum Beispiel Positionieren eines Filzes zwischen dem
vulkanisierten Kautschuk und dem Polyurethan vorsehen, der mit beiden Materialien
verträglich sein muss.
In Hinblick auf die oben genannten Probleme ist es offensichtlich,
dass die Laufsohle aus vulkanisiertem Kautschuk nicht im selben Produktionszyklus
wie die Sohle oder der Schuh hergestellt werden kann, sondern zuerst und separat
vorbereitet werden und dann Abkühlen muss und dann einer Oberflächenbehandlung
unterzogen wird.
In den anderen Fällen muss eine Zusatzkomponente verwendet werden.
Die Produktion von Schuhen mit einer Laufsohle aus vulkanisiertem
Kautschuk und Polyurethanmittelsohle ist daher wenig praktisch und äußerst
kostspielig.
Hingegen sind die Vorteile einer Sohle mit einer Lauffläche aus
vulkanisiertem Kautschuk und einem übrigen Teil (Mittelsohle) aus Polyurethan
beträchtlich, da eine vulkanisierte Gummilauffläche in hohem Maß
gegen Verschleiß und thermischen Abrieb beständig ist und eine Mittelsohle
aus Polyurethan sehr leicht und komfortabel ist.
Offenbarung der Erfindung
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist, eine Sohle mit einer Lauffläche
aus vulkanisiertem Kautschuk, die mit einer Mittelsohle aus Polyurethan gekoppelt
ist, im selben Arbeitszyklus zur Verfügung zu stellen.
Bei dieser Aufgabe ist ein Ziel der Erfindung, ein Verfahren zur Verfügung
zu stellen, das keine Verweilzeiten zwischen der Vorbereitung der Sohle aus vulkanisiertem
Kautschuk und dem anschließenden Koppeln mit einer in einer Form gebildeten
Mittelsohle aus Polyurethan erfordert.
Ein weiteres Ziel ist, ein Verfahren zur Verfügung zu stellen,
das keine Behandlung der Sohle aus vulkanisiertem Kautschuk vor dem Einspritzen
oder Eingießen des Polyurethans in die Form erfordert.
Diese Aufgabe und diese und andere Ziele, die nachfolgend besser ersichtlich
werden, werden erreicht durch ein Verfahren zur Herstellung einer Sohle für
Schuhe, gebildet aus einer Laufsohle aus vulkanisiertem Kautschuk, die an eine Mittelsohle
aus Polyurethan gekoppelt ist, umfassend die Schritte, die kontinuierlich in einer
Form durchgeführt werden:
- – Formen der Gummilauffläche;
- – Auftragen eines Klebstoffs, der aus einer wässrigen Dispersion
von thermoplastischem Polyurethan kombiniert mit einem Aktivator gebildet ist, der
das Vernetzen des thermoplastischen Polyurethans bewirkt, direkt auf die Gummilauffläche
während der Vulkanisation;
- – Bewirken, dass im Klebstoff dispergiertes Wasser verdampft;
- – Auflegen des Polyurethans, das die Mittelsohle bildet, auf die vulkanisierte
Gummilauffläche.
Mit Vorteil ist ein solches Aktivierungsmittel, das das Vernetzen
des Polyurethans bewirkt, eine Verbindung auf Basis von Isocyanat, die so behandelt
ist, dass es mit Wasser weniger reaktiv ist.
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung werden besser ersichtlich
aus der folgenden ausführlichen Beschreibung der Schritte zur Ausführung
des Verfahrens, das nachfolgend als nicht einschränkendes Beispiel angegeben
ist.
Wege zum Ausführen der Erfindung
Das Verfahren zur Herstellung einer Sohle für Schuhe gebildet
aus einer Laufsohle aus vulkanisiertem Kautschuk gekoppelt mit einer Mittelsohle
aus Polyurethan umfasst einen ersten Schritt, in dem ein Kautschuk vulkanisiert
wird, der eine Mischung ist, wie sie in WO 02/052971 im Namen des selben Anmelders
offenbart ist und zusammengesetzt aus:
- a1) einem vulkanisierbaren Nitrilkautschuk (NBR);
- a2) mindestens einem hydroxylierten Acrylharz;
- a3) mindestens einem Kohlenwasserstoffharz;
- a4) mindestens einem Verstärkungsfüllstoff;
- a5) mindestens einem Vulkanisationsbeschleuniger.
Der Nitrilkautschuk, der verwendet wird, ist zweckmäßigerweise
ein mittelhoher Nitriltyp mit einem geringen Mooney-Wert (geringe Viskosität).
Ein Kautschuk dieses Typs ist ein Butadien-Acrylnitril-Copolymer,
das technisch unter dem Akronym NBR bekannt ist.
Die Mischung enthält ein hydroxyliertes Acrylharz, d. h. ein
Polyacrylharz mit einem OH-Gehalt von weniger als 2.
Ein solches Harz wird bevorzugt in einem Lösemittel eingesetzt
und sein Gewichtsprozentanteil beträgt zwischen 4 und 6% des Gesamtgewichts
der Mischung.
Die Mischung enthält ferner ein Kohlenwasserstoffharz aus der
Familie der aliphatischen Harze auf petrochemischer Basis.
Ein solches Kohlenwasserstoffharz, bevorzugt im festen Zustand, ist
in einem Gewichtsprozentanteil von 3 bis 5% in Bezug auf das Gesamtgewicht der Mischung
vorhanden.
Das Kohlenwasserstoffharz ist eine Kombination von C5-Kohlenwasserstoffketten.
Ebenso ist der Mischung ein Verstärkungsfüllstoff auf Siliciumbasis
zugesetzt.
Ein solcher Verstärkungsfüllstoff ist bevorzugt ausgefälltes
amorphes Siliciumoxid oder ist eine Mischung, die 85 bis 90% SiO2 mit
einem BET-Wert von 150 bis 200 m2/g enthält.
Der Verstärkungsfüllstoff ist in einem Gewichtsprozentanteil
von 20 bis 25% des Gesamtgewichts der Mischung vorhanden.
Der Vulkanisationsbeschleuniger ist von der Klasse der Mercaptane,
mit Zusatz eines Ultrabeschleunigers aus der Thiuramklasse.
Der Beschleuniger wird in die Mischung in einem Gewichtsprozentanteil
zwischen 1 und 1,5% des Gesamtgewichts der Mischung eingebracht.
Die oben beschriebene Mischung wird zum Beispiel mittels einer Spritzgießeinrichtung
in die Form eingebracht (Temperatur: 60–70 °C in Abhängigkeit von
Umgebungsbedingungen) und dann bevorzugt bei 130 °C 3 Minuten lang vulkanisiert.
Es ist zweckmäßig, dass Schwankungen in der Dicke der Gummilaufsohle
nicht größer als 10% sind, um Beeinträchtigung der Gleichmäßigkeit
des Vulkanisationsgrads zu vermeiden.
Der anschließende Schritt ist Aufbringen eines Klebstoffs gemäß
der Erfindung mit einer Spritzpistole, wobei bevorzugt eine Menge von 3–4
Gramm pro Sohle aufgetragen wird.
Es ist notwendig, konstante Dicke des Klebstofffilms entlang der gesamten
Oberfläche zu gewährleisten, die durch den Klebstoff angeklebt werden
soll.
Der Klebstoff ist ein Klebemittel, das aus einer wässrigen Dispersion
von thermoplastischem Polyurethan gebildet ist, kombiniert mit einer Verbindung
auf Basis von Isocyanat, die so behandelt ist, dass sie mit Wasser weniger reaktiv
ist.
Die beiden Komponenten werden vom Anwender vor der Verwendung in Abhängigkeit
von der Reaktionsfähigkeit der Isocyanatkomponente, die als Aktivator dient,
vermischt, was das Vernetzen der Polyurethankomponente bewirkt.
Die Dispersion beinhaltet bevorzugt 1 Teil Polyurethanklebstoff und
0,5 Teile Wasser.
Mit Vorteil beträgt die Isocyanatkomponente ungefähr 3–4
Gewichts-% und umfasst eine Menge zwischen 0,40 und 0,45 Gewichts-% Hexamethylendiisocyanat
und weniger als 95 Gewichts-% aliphatisches Polyisocyanat.
Da die Isocyanatkomponente mit Wasser reagiert (und der Klebstoff
ist eine wässrige Dispersion von Polyurethan) wie zuvor erwähnt, ist es
zweckmäßig, sie so zu behandeln, dass ihre Reaktionsfähigkeit verringert
wird, und dadurch die Dauer zu verlängern, in der sie verwendet werden muss.
Die Verdünnungsverhältnisse mit Wasser hängen in jedem
Fall von der Filmschicht an Klebstoff auf der Oberfläche der Gummilaufsohle
ab; wenn der Klebstoff übermäßig verdünnt ist, wenn er aufgesprüht
wird, wird er übermäßig zerstäubt und haftet nicht gut auf der
Oberfläche der Laufsohle, wobei große Tropfen gebildet werden.
Wenn das Produkt indessen übermäßig konzentriert ist,
erfolgt keine gleichmäßige Verteilung auf der Oberfläche.
Zweckmäßigerweise ist es möglich, als Klebstoff eine
als 9620/DD bekannte Polyurethankomponente von der Firma F.lli Zucchini aus Ferrara
zu verwenden, und als behandelte Isocyanatverbindung zum Beispiel die im Handel
als ATTIVATORE VKD bekannte, wiederum von der Firma F.lli Zucchini aus Ferrara,
die eine Topfzeit von 8 Stunden aufweist (Zeit, in der der Klebstoff wirksam ist)
und nach 4 Stunden vollständiges Nachfüllen erfordert.
Dieser Klebstoff ist derzeit in einem technischen Bereich bekannt,
der sich vom Bereich der Schuhherstellungsmaschinen stark unterscheidet, d. h. zur
Verwendung beim Zusammenfügen von PVC-Verkleidungen an MDF-Platten.
Das in der Klebstoffdispersion enthaltene Wasser verdampft aufgrund
der durch den frisch vulkanisierten Kautschuk zugeführten Wärme (die Wärme
wird indirekt durch die Form mittels der Gummilaufsohle zugeführt) und durch
Bestrahlung mit einer IR-Lampe (zum Beispiel mit einer 6000 W Lampe, deren Bestrahlungsdauer
zwischen 5 und 15 sec liegen kann).
Der Schritt zum Schnelltrocknen des Klebstoffs wird empfohlen, so
dass die normalen Trocknungszeiten verkürzt werden, die für den Klebstoff
9620/DD in der bekannten Verwendung zum Zusammenfügen von PVC-Verkleidungen
an MDF-Platten bei Raumtemperatur zwischen 30 und 40 Minuten liegen; solche Werte
sind für die Massenproduktion von Schuhsohlen nicht geeignet.
Der abschließende Schritt ist das Einspritzen oder Eingießen
von Polyurethan, das die Mittelsohle bildet.
Wie deutlich gezeigt ist, erfolgen die Vorbereitung der Gummilaufsohle
und der anschließende Vorgang der Kopplung mit der Polyurethanmittelsohle in
der selben Maschine und mit einem Arbeitszyklus, in dem die Schritte kontinuierlich
nacheinander folgen, ohne Leerlaufzeiten oder Unterbrechungen.
Der Schritt zum Lagern und damit die Waschvorbehandlung und das Auftragen
von Chlorprimer (Halogenierung), wase unter anderem schwere Gesundheitsrisiken für
die Arbeiter und Probleme mit der Korrosion mechanischer Bauteile nach sich zieht,
werden eliminiert.
Aus der Beschreibung und den Darstellungen ist ersichtlich, dass die
gestellte Aufgabe und alle Ziele erreicht sind, und dass insbesondere eine Laufsohle
aus vulkanisiertem Kautschuk gekoppelt mit einer Polyurethanmittelsohle
zur Verfügung gestellt wird, und dass das oben Beschriebene in einer Abfolge
von Schritten erfolgt, die in einer einzigen Maschine und nacheinander durchgeführt
werden können.
Es ist klar, dass ausgehend vom selben erfinderischen Konzept, äquivalente
Komponenten verwendet werden können.